Kapitel 39: ṛgvede 7.39 · ūrdhvo agniḥ sumatiṃ vasvo aśret pratīcī jūrṇirdevatātimeti
Anruf an Agni, die Götter zur Weihehandlung herbeizubringen
Morgenlied: Agni steht aufrecht, die Pressteine laufen wie Rosse, das Barhis ist ausgebreitet, und Agni soll die Götter (Mitra, Varuṇa, Indra, Viṣṇu, Sarasvatī, Maruts u. a.) herbeiführen. Vers 2 (bīriṭa) und Vers 6 (rare, asinvan, sadāsām) sind sehr unsicher. Vers 7 hat den abgekürzten Vasiṣṭha-Refrain, nach dem Padapāṭha ergänzt.
Aufrecht hat sich Agni die Gunst des Guten [Reichen] gesucht; ihm zugewandt geht der Glühende zur Götterverehrung; die beiden Steine haben den Weg genommen wie zwei Wagenrosse; der Rufer (hotṛ), von uns angetrieben, soll rechtgemäß verehren [weihen]. [Anm.: ṛtam als Adverb ‚gesetzmäßig‘ oder Objekt ‚das Ṛta‘ möglich; vasvaḥ unsicher.]
Wort für Wort
ūrdhvaḥ
aufrecht (Nom. Sg.)
agniḥ
Agni (Nom. Sg.)
su-matim
Gunst, Wohlwollen (Akk. Sg.)
vasvaḥ
des Guten, des Reichen (Gen. Sg.) [?]
aśret
hat sich gesucht, hat sich zugewandt (3. Sg. Aor. Med.)
pratīcī
zugewandt (Nom. Sg. f.)
jūrṇiḥ
glühend, alternd, verzehrend (Nom. Sg.) [?]
deva-tātim
Götterverehrung, Götterschar (Akk. Sg.)
eti
er geht (3. Sg.)
bhejāte
sie haben eingenommen, sich zugeteilt (3. Du. Perf. Med.)
Ausgebreitet ist ihr Barhis, gut hergerichtet; wie zwei Hausherren kommen die beiden [?] zum Dunkel [?] der Stämme, in der frühen Anrufung von Nacht und Morgenröte: Vāyu [und] Pūṣan zum Wohlergehen, der Gespannbesitzer. [Anm.: bīriṭa und die Beziehung des Duals iyāte sind unklar; der Vers ist sehr unsicher.]
jmayā atra vasavo ranta devā urāvantarikṣe marjayanta śubhrāḥ / arvāk patha urujrayaḥ kṛṇudhvaṃ śrotā dūtasya jagmuṣo no asya
Die Erdbewohner, hier die Vasus, die Götter, haben sich erfreut; im weiten Luftraum haben sich die Strahlenden geschmückt [gereinigt]. Macht die Wege hierher, ihr weit Eilenden; hört den Boten, der zu uns gekommen ist, [hört] diesen.
te hi yajñeṣu yajñiyāsa ūmāḥ sadhasthaṃ viśve abhi santi devāḥ / tānadhvara uśato yakṣyagne śruṣṭī bhagaṃ nāsatyā purandhim
Denn sie, die bei den Weihehandlungen Verehrungswürdigen, die Helfer, die Götter alle, sind am gemeinsamen Sitz gegenwärtig [?]. Diese, die Verlangenden, verehre, Agni, bei der Weihehandlung (adhvara), bereitwillig: Bhaga, die Nāsatyas, Puraṃdhi.
Führe herbei, Agni, [zu unseren] Liedern, vom Himmel und von der Erde: Mitra, Varuṇa, Indra, Agni; und [führe] Aryaman, Aditi, Viṣṇu [herbei]; an diesen sollen sich Sarasvatī [und] die Maruts erfreuen.
Ich habe [ihnen] die Darbringung mit Gedanken für die Verehrungswürdigen gegeben [?]; sie soll das Verlangen der Sterblichen erreichen, [das] ungesättigte [?]. Dhātṛ [soll] unerschöpflichen Reichtum, stets Gebendes [gewähren] [?]; möchten wir mit den zugehörigen Göttern obsiegen. [Anm.: rare, asinvan, avidasyam, sadāsām und sakṣīmahi unsicher; Konstruktion des Verses unklar.]
Wort für Wort
rare
ich habe gegeben (1. Sg. Perf. Med.) [?]
havyam
Darbringung, Anzurufendes (Akk. Sg.)
mati-bhiḥ
mit Gedanken (Instr. Pl.)
yajñiyānām
der Verehrungswürdigen (Gen. Pl.)
nakṣat
soll erreichen (3. Sg. Aor. Konj.)
kāmam
Verlangen, Wunsch (Akk. Sg.)
martyānām
der Sterblichen (Gen. Pl.)
asinvan
ungesättigt, unersättlich [?] (Nom. Sg.)
dhātā
Dhātṛ, Verleiher (Nom. Sg.)
rayim
Reichtum (Akk. Sg.)
avi-dasyam
unerschöpflich, unversehrt [?] (Akk. Sg.)
sadāsām
stets gebend [?] (Akk. Sg.)
sakṣīmahi
möchten wir obsiegen, bestehen (1. Pl. Opt. Aor. Med.) [?]
nū rodasī abhiṣṭute vasiṣṭhair{ṛ}tāvāno varuṇo mitro agniḥ / yachantu candrā upamaṃ no arkaṃ yūyaṃ pāta ...
Nun sollen beide Welten, von den Vasiṣṭhas besungen, [und] Varuṇa, Mitra, Agni, die Ordnungsbesitzer, die Glänzenden [?] uns unser höchstes Lied gewähren [?]. Ihr aber schützt uns stets mit Segensgaben. [Anm.: Refrain im Saṃhitā-Text abgekürzt, nach dem Padapāṭha ergänzt; yacchantu … arkam unsicher.]