Kapitel 99: ṛgvede 7.99 · paro mātrayā tanvṛ vṛdhāna na te mahitvam anv aśnuvanti
Anruf an Viṣṇu und Indra, die Raumschaffenden
Preis Viṣṇus (Vv. 1-3, 7) und des Paares Indra-Viṣṇu (Vv. 4-6): Viṣṇus unermessliche Größe, Stützung von Himmel und Erde, Schaffung weiten Raumes, Burgenbrechen. Vers 7 ist der Refrain-Vers von 7.99-7.100.
paro mātrayā tanvṛ vṛdhāna na te mahitvam anv aśnuvanti / ubhe te vidma rajasī pṛthivyā viṣṇo deva tvam paramasya vitse
Über das Maß hinaus durch den Leib wachsend, o Wachsender, erreichen sie deine Größe nicht [Subjekt unausgesprochen: die Sterblichen]. / Beide Räume der Erde kennen wir; du aber, Gott Viṣṇu, kennst das Höchste.
na te viṣṇo jāyamāno na jāto deva mahimnaḥ param antam āpa / ud astabhnā nākam ṛṣvam bṛhantaṃ dādhartha prācīṃ kakubham pṛthivyāḥ
Nicht hat, Viṣṇu, ein Werdender noch ein Geborener, o Gott, das jenseitige Ende deiner Größe erreicht. / Du stemmtest das hohe, erhabene Himmelsgewölbe empor und hieltest die östliche Höhe der Erde fest [?].
Nahrungsreich und milchkuhreich seid ihr beide, mit guter Weide; gewährt sie dem Menschen. / Du stemmtest diese beiden Welten auseinander, Viṣṇu, du hieltest die Erde ringsum mit Pflöcken fest [Anm.: mayūkha ‚Pflock‘; Bild des Festpflockens, plausibel].
Weiten Raum schuft ihr beide für die Verehrungs-Weihehandlung, einen Lebensraum, indem ihr Sonne, Morgenröte und Agni erzeugtet. / Auch die Zauberkünste des Dāsa Vṛṣaśipra habt ihr erschlagen, ihr Männer, in den Kämpfen.
Wort für Wort
urum
weit (Akk. Sg. m.)
yajñāya
für die Verehrungs-Weihehandlung (Dat. Sg.)
cakrathuḥ
ihr beide machtet (2. Du. Perf.)
oṃ iti
und zwar (Partikel)
lokam
Lebensraum/Raum (Akk. Sg.)
janayantā
erzeugend (Nom. Du. Part.)
sūryam
Sonne (Akk. Sg.)
uṣasam
Morgenröte (Akk. Sg.)
agnim
Agni (Akk. Sg.)
dāsasya
des Dāsa (Gen. Sg.)
cit
auch
vṛṣa-śiprasya
des Vṛṣaśipra: dessen Kraft stiergleich strotzt [Name?] (Gen. Sg.)
śataṃ varcinaḥ sahasraṃ ca sākaṃ hatho apraty asurasya vīrān
Indra und Viṣṇu, ihr durchbohrtet die festgefügten neun und neunzig Burgen des Śambara, / und hundert und tausend Krieger des Varcin erschlagt ihr zugleich, des Asura, ohne dass jemand widerstehen konnte.
Dieses große Denklied, das euch beide Große, weit Ausschreitende mit Kraft stärkt, / habe ich euch als Lobgesang bei den Versammlungen gegeben, Viṣṇu; laßt, Indra, die Stärkungen in den Bezirken anschwellen.
Wort für Wort
iyam
dieses (Nom. Sg. f.)
manīṣā
Denklied/Gedanke (Nom. Sg.)
bṛhatī
große (Nom. Sg. f.)
bṛhantā
euch Große (Akk. Du.)
uru-kramā
weit Ausschreitende (Akk. Du.)
tavasā
mit Kraft (Instr. Sg.)
vardhayantī
stärkend (Nom. Sg. f. Part.)
rare
ich habe gegeben (1. Sg. Perf. Med.)
vām
euch beiden (Dat. Du.)
stomam
Lobgesang (Akk. Sg.)
vidatheṣu
bei den Versammlungen/Weihe-Zusammenkünften (Lok. Pl.) [?]
vaṣaṭ te viṣṇav āsa ā kṛṇomi tan me juṣasva śipiviṣṭa havyam / vardhantu tvā suṣṭutayo giro me yūyam pāta svastibhiḥ sadā naḥ
Vaṣaṭ! Dir, Viṣṇu, mache ich es mit dem Mund [?]; das nimm gern an, Śipiviṣṭa, als Anrufungsgabe. / Es sollen dich die guten Lobpreisungen, meine Lieder, stärken. Ihr aber schützt uns mit Segnungen allezeit. [Anm.: Refrain; Śipiviṣṭa als Beiname Viṣṇus, Bedeutung unsicher.]