Kapitel 60: ṛgvede 7.60 · yadadya sūrya bravo 'nāgā udyan mitrāya varuṇāya satyam
Lied an Sūrya, Mitra und Varuṇa: Wächter der Ordnung
Der aufgehende Sūrya als Zeuge der Schuldlosigkeit vor Mitra und Varuṇa (V. 1-4); Mitra, Varuṇa und Aryaman als Beobachter und Führer der Menschen (5-7); Bitte um Schutz, Sühne und Raum (8-11); Schlussvers mit Refrain (12). Unsicher sind vor allem V. 6 (vatantaḥ), 7 (viṣpita), 9 und 10.
Wenn du heute, Sūrya, beim Aufgehen dem Mitra und dem Varuṇa Wahres sagst [— dass wir] schuldlos [sind] [?], dann wollen wir unter den Göttern, Aditi, deine Lieben sein, [dich], Aryaman, preisend. [Anm.: anāgāḥ auch als ‚du, ohne Fehl' möglich; adite auch als Dat. von aditi ‚Unversehrtheit'.]
Dieser da, Mitra-Varuṇa, der Männerschauer, Sūrya, geht auf, [beide (Bereiche) [?]] über der Erde, der Hüter alles Stehenden und Beweglichen, das Gerade und das Krumme unter den Sterblichen sehend.
Er hat sieben Falbinnen (Goldgelbe) vom gemeinsamen Standort angeschirrt, die ihn, Sūrya, tragen, die schmalzglänzenden [?] (ghṛtācī). [Er,] der Jugendliche, der die Stätten [von] Mitra und Varuṇa [und] die Geschöpfe wie Herden zusammen überblickt. [Anm.: dhāmāni mitrāvaruṇā syntaktisch unsicher.]
Für euch beide sind süße Nahrungsfülle (pṛkṣa) aufgestanden; Sūrya hat die helle Flut bestiegen, für den die Ādityas die Wege bahnen: Mitra, Aryaman, Varuṇa, einträchtig.
ime cetāro anṛtasya bhūrermitro aryamā varuṇo hi santi / ima ṛtasya vāvṛdhurduroṇe śagmāsaḥ putrā aditeradabdhāḥ
Diese sind ja die Aufpasser auf viel Unwahrheit (anṛta): Mitra, Aryaman, Varuṇa. Diese sind im Haus des Ṛta (der Ordnung) gewachsen, die hilfreichen, unbetrügbaren Söhne der Aditi.
ime mitro varuṇo dūḷabhāso 'cetasaṃ ciccitayanti dakṣaiḥ / api kratuṃ sucetasaṃ vatantastiraścidaṃhaḥ supathānayanti
Diese, Mitra [und] Varuṇa, die schwer zu Täuschenden, machen selbst den Unverständigen durch [ihre] Fähigkeiten (dakṣa) verständig; [indem sie ihn] zum einsichtigen Willen (kratu) [hin]lenken [?], führen sie [ihn] über die Enge (aṃhas) hinweg auf gutem Pfad.
ime divo animiṣā pṛthivyāścikitvāṃso acetasaṃ nayanti / pravrāje cin nadyo gādhamasti pāraṃ no asya viṣpitasya parṣan
Diese, die unverwandten [Wächter] des Himmels und der Erde, die Wissenden, führen den Unverständigen [hindurch]. Selbst beim Aufbruch (Fortziehen) ist [beim] Fluss eine Furt; ans jenseitige Ufer dieser Verstrickung [?] mögen sie uns bringen. [Anm.: nadyaḥ und viṣpitasya unsicher.]
Was Aditi behütend an glückbringendem Schutz [gewährt], [was] Mitra [und] Varuṇa dem guten Geber (Sudās) gewähren — in diesem [Schutz] Kind und Nachkommen gründend, wollen wir keine Kränkung der Götter (devaheḷana) begehen, wir Rüstigen [?].
ava vediṃ hotrābhiryajeta ripaḥ kāścid varuṇadhrutaḥ saḥ / pari dveṣobhiraryamā vṛṇaktūruṃ sudāse vṛṣaṇā u lokam
[Er] möge an der Vedi mit Anrufungen (hotrā) [Verfehlungen] wegverehren [?] — irgendwelchen Trug, der [gegen] Varuṇa [begangen ist] [?]. Aryaman soll [uns] vor Hassenden fernhalten und weiten Lebensraum für den guten Geber [schaffen], ihr beiden Bullen. [Anm.: Vers schwierig; ava yajeta und varuṇadhruta unsicher.]
Wort für Wort
ava
ab, weg (Präverb)
vedim
Altarfläche, Vedi (Akk. Sg.)
hotrābhiḥ
mit Anrufungen (Instr. Pl.)
yajeta
er möge verehren (3. Sg. Opt.)
ripaḥ
Trug, Betrug [?] (Akk. Pl.)
kāḥ
irgendwelche (Akk. Pl. F.)
cit
auch, irgend
varuṇa-dhritaḥ
gegen Varuṇa gerichtet/ von Varuṇa geschädigt [?] (Nom. Sg.; PP-Tippfehler ‚dhritaḥ')
Denn heimlich [?] ist ihr Zusammenstoß ungestüm; mit verborgener Macht überwältigen sie. Aus Furcht vor euch, ihr Bullen, zitternd — durch die Größe [eures] Geschicks (dakṣa) seid uns gnädig. [Anm.: sasvaḥ und Bezug von eṣām unsicher.]
yo brahmaṇe sumatimāyajāte vājasya sātau paramasya rāyaḥ / sīkṣanta manyuṃ maghavāno arya uru kṣayāya cakrire sudhātu
Wer für das Brahman (das heilige Wort [oder: den Formelsprecher]) Wohlwollen [erlangt] [?] — beim Gewinn des Siegespreises, des höchsten Reichtums —: die Gabenreichen suchen den Zorn des Fremden (Feindes) zu bezwingen; sie haben weiten, gutgefügten Raum zum Wohnen geschaffen [?]. [Anm.: āyajāte unsicher (Person und Zahl).]
iyaṃ deva purohitiryuvabhyāṃ yajñeṣu mitrāvaruṇāvakāri / viśvāni durgā pipṛtaṃ tiro no yūyaṃ pāta ...
Diese Vorsetzung (purohiti, Stellung als Vorangestellter, d. h. der Dienst des Purohita) ist für euch beide, Mitra und Varuṇa, o Gott [?], bei den Weihehandlungen vollbracht worden. Führt uns über alle Schwierigkeiten hinüber. Ihr aber schützt uns immer mit Wohlergehen. [Anm.: deva im Singular neben dualischer Anrede; der Schluss ist in der Quelle als Refrain abgekürzt und ergänzt.]