Kapitel 90: ṛgvede 7.90 · pra vīrayā śucayo dadrire vāmadhvaryubhirmadhumantaḥ sutāsaḥ
Anruf an Vāyu und Indra-Vāyu: Somatrank und Gespanne
Einladung an Vāyu (V. 1-3), dann an Indra-Vāyu gemeinsam (V. 5-7); Vers 4 ist ein Morgenrot-Einschub (Auffinden des Lichts, Öffnen des Rinderpferchs). Die Saṃhitā-Quelle enthält in V. 5 zusätzlich einen Indra-Viṣṇu-Pāda (7.99.5), der im Padapāṭha fehlt.
Kraftvoll sind die hellen, honigreichen Pressungen euch von den Adhvaryus hervorgetreten [?]. / Fahre, Vāyu, die Niyut-Gespanne herbei, komm heran; trink vom gepressten Saft zum Rausch.
Wort für Wort
pra
hervor (Präverb)
vīra-yā
mit Mannhaftigkeit/männlich (Instr. Sg.)
śucayaḥ
hell/rein (Nom. Pl.)
dadriḥ
sind hervorgetreten/wurden sichtbar (3. Pl. Perf. Med.) [?]
Dem Herrschenden, der dir die Darbringung, den reinen Soma, erreicht hat – du Reintrinker, Vāyu, / dem tust du Gutes: unter den Sterblichen machst du ihn gepriesen; jeder Neugeborene wird [ihm] ein Kraftgewinner [?].
rāye nu yaṃ jajñatū rodasīme rāye devī dhiṣaṇā dhāti devam / adha vāyuṃ niyutaḥ saścata svā uta śvetaṃ vasudhitiṃ nireke
Ihn, den diese beiden Welten zum Reichtum erzeugt haben, zu Reichtum den Gott die göttliche Dhiṣaṇā einsetzt: / dann folgen Vāyu die eigenen Niyut-Gespanne, und dem weißen Schatzverwahrer [Anm.: nireke unsicher, etwa ‚beim Ausgießen/Abtrennen‘ [?]].
uchannuṣasaḥ sudinā ariprā uru jyotirvividurdīdhyānāḥ / gavyaṃ cidūrvamuśijo vi vavrusteṣāmanu pradivaḥ sasrurāpaḥ
Aufleuchtend, die Morgenröten, mit schönem Tageslicht, makellos, – die Nachsinnenden fanden das weite Licht; / auch den Rinderpferch deckten die Uśij (die Eiferer) auf; ihnen nach strömten die Wasser von altersher.
te satyena manasā dīdhyānāḥ svena yuktāsaḥ kratunā vahanti / indravāyū vīravāhaṃ rathaṃ vāmīśānayorabhi pṛkṣaḥ sacante / indrāviṣṇū dṛṃhitāḥ śambarasya nava puro navatiṃ ca śnathiṣṭam
Diese, mit wahrem Sinn nachsinnend, mit eigener Kraft angeschirrt, ziehen den männertragenden Wagen [Anm.: gemeint sind die Gespanne]; / Indra und Vāyu, euch, den Herrschenden, schließen sich die Nahrungsfülle an. [Anm.: In der Saṃhitā-Quelle folgt ein Pāda an Indra-Viṣṇu (‚die 99 Burgen des Śambara zerbrecht‘), der nicht im Padapāṭha steht und zu 7.99.5 gehört; hier nicht übersetzt.]
Die Herrschenden, die uns das Himmelslicht [Glück?] verleihen mit Rindern, Rossen, Gütern und Gold [?], Indra und Vāyu – / wir Gönner [möchten] das ganze Lebensalter, mit rossbesitzenden Helden in den Kämpfen überlegen [sein] [?].
Wie Rosse nach Ruhm, Anteil erbittend, Indra und Vāyu, mit schönen Lobliedern, wir Vasiṣṭhas, / Kraftpreis erstrebend, rufen wir euch zur guten Hilfe. Ihr sollt uns stets mit Heilsmitteln schützen.