Kapitel 1: ṛgvede 8.1 · mā cidanyad vi śaṃsata sakhāyo mā riṣaṇyata
Aufruf zum Preis Indras; Lob des Freigebers Āsaṅga
Mahnung an die Sänger, nur Indra zu preisen, mit Somaopfer-Bildern, Mythenanspielungen und einer Dānastuti (Gabenlob) auf Āsaṅga Plāyogi am Ende. Mehrere Verse (11, 12, 13, 30, 31, 34) sind textlich oder sachlich schwierig.
mā cidanyad vi śaṃsata sakhāyo mā riṣaṇyata / indramitstotā vṛṣaṇaṃ sacā sute muhurukthā ca śaṃsata
Nicht sonst irgendetwas sagt her, Freunde, und nicht sollt ihr Schaden nehmen. Nur den Indra, den Bullen, preist, ihr Sänger, gemeinsam beim Pressen, und immer wieder preist [ihn] auch mit Sprüchen.
avakrakṣiṇaṃ vṛṣabhaṃ yathājuraṃ gāṃ na carṣaṇīsaham / vidveṣaṇaṃ saṃvananobhayaṃkaraṃ maṃhiṣṭhamubhayāvinam
[Ihn], der niederwalzt [?], den Bullen, wie einen nicht alternden [Stier/Rind?], wie ein Rind die Menschenstämme bezwingend, Feinde vertreibend, im Gewinnen [?] beides bewirkend, den Freigebigsten, den beiderseits Begünstigenden. [Anm.: ava-krakṣin und ubhayāvin sind unsicher; wörtlich etwa „niederdrückend“ und „beides habend/fördernd“.]
Sie dringen [zu dir] durch [?], Freigebiger: die Redekundigen, der Herr, die Begeisterten der Leute [?]. Schreite herzu, bring Vielgestaltiges, Siegespreis, das Nächste zur Hilfe. [Anm.: Subjekt und Konstruktion von tartūryante unsicher.]
Wort für Wort
vi
auseinander/durch (Präverb)
tartūryante
sie drängen/dringen durch (3. Pl. Intens. Med.) [?]
mahe cana tvāmadrivaḥ parā śulkāya deyām / na sahasrāyanāyutāya vajrivo na śatāya śatāmagha
Nicht einmal für einen großen Preis möchte ich dich hergeben, Steinträger, als Lösegeld; nicht für tausend, nicht für zehntausend, Keulenträger, nicht für hundert, Hundertfach-Freigebiger.
vasyānindrāsi me pituruta bhrāturabhuñjataḥ / mātā came chadayathaḥ samā vaso vasutvanāya rādhase
Besser bist du, Indra, als mein Vater und als mein Bruder, der [mir] nichts zugutekommen lässt; und [du und] meine Mutter, ihr beide deckt [mich] stets [?], Guter, zum Erlangen von Gut, zur Gabe.
Wort für Wort
vasyān
besser/reicher (Nom. Sg.)
indra
Indra (Vok.)
asi
du bist (2. Sg.)
me
mein (Gen.)
pituḥ
Vater (Abl./Gen. Sg.)
uta
und
bhrātuḥ
Bruder (Abl./Gen. Sg.)
abhuñjataḥ
nicht genießend/nicht nutzbringend (Abl./Gen. Sg.)
kveyatha kvedasi purutrā cid dhi te manaḥ / alarṣi yudhma khajakṛt purandara pra gāyatrā agāsiṣuḥ
Wohin gehst du, wo bist du denn? Vielerorts ist ja dein Sinn. Du eilst herbei [?], Kämpfer, Getümmel-Erreger [?], Burgenbrecher; die Gāyatra-Sänger haben angestimmt.
Stimmt ihm das Gāyatra an, [ihm,] der der Begehrte [?] ist, dem Burgenbrecher, mit denen [Liedern] er zum Barhis des Kāṇva[-Nachkommen] herankam, um sich zu setzen, der Keulenträger, [und] die Burgen spaltete.
ye te santi daśagvinaḥ śatino ye sahasriṇaḥ / aśvāso yete vṛṣaṇo raghudruvastebhirnastūyamā gahi
Die dir gehörenden Zehnerscharen [?], die Hundertschaften, die Tausendschaften, die Rosse, die Bullen, die schnell Laufenden: mit diesen komm rasch zu uns.
Ich rufe dich heute herbei, Indra, [dich,] den durch Gāyatra Erregten [?], [wie] eine Nektar-milchende Milchkuh, gut zu melken, [und] als weitere Labung, breit strömend, wohl bereitet. [Anm.: Bezug der femininen Akkusative unklar; wohl Bildrede: Indra als Milchkuh.]
Als Sūrya den Etaśa antrieb [?], [auf] den beiden gebogenen, beflügelten [Trägern?] des Windes [?], da fuhr der Hundertfach-Kräftige den Kutsa Ārjuneya; der unverletzte Gandharva schlich [?]. [Anm.: Anspielung auf Mythen um Kutsa, Etaśa und Sūrya; Text schwierig.]
Der auch ohne Verband [?], ehe [es] an den Schlüsselbeinen durchbohrt [ist?] [?], der Zusammenfüger, der die Fuge [wieder] zusammenfügt, der Freigebige, Gutreiche, der das Auseinandergefallene wieder heil macht. [Anm.: Heilungsbild; abhiśriṣ und ātṛd sind unsicher.]
Nicht sollen wir wie Ausgestoßene sein, Indra, wie Fremde ohne dich; wie aufgegebene Wälder, Steinträger, haben wir als schwer Bezwingbare [?] gedacht [?]. [Anm.: duroṣāsaḥ unsicher.]
Wort für Wort
mā
nicht (Verbot)
bhūma
wir sollen sein (1. Pl. Inj.)
niṣṭyāḥ-iva
wie Ausgestoßene/Draußenstehende (Nom. Pl.)
indra
Indra (Vok.)
tvat
ohne dich (Abl.)
araṇāḥ-iva
wie Fremde/Unzugehörige (Nom. Pl.)
vanāni
Wälder (Nom. Pl.)
na
wie
pra-jahitāni
aufgegeben/verlassen (Nom. Pl.)
adri-vaḥ
Steinträger (Vok.)
duroṣāsaḥ
schwer bezwingbar/schwer zu verbrennen (Nom. Pl.) [?]
amanmahīdanāśavo 'nugrāsaśca vṛtrahan / sakṛt su te mahatā śūra rādhasānu stomaṃ mudīmahi
Wir haben ja [so] gedacht, als Nicht-Schnelle und Nicht-Verschlingende [?], Vṛtra-Töter. Einmal wollen wir uns mit deiner großen Gabe, Held, an [deinem] Lied erfreuen.
Wenn Indra mein Lob hört, [den] unseren, so sollen die Tropfen, die durch das Seihtuch geflossen sind, die schnellen, [ihn] berauschen, die den Tugrya fördern [?].
ā tvadya sadhastutiṃ vāvātuḥ sakhyurā gahi / upastutirmaghonāṃ pra tvāvatvadhā te vaśmi suṣṭutim
Komm heute her zum gemeinsamen Lobpreis, [du] Begehrender [?], zu [deinem] Freund; der Lobpreis der Freigebigen soll dich fördern; dann verlange ich nach deinem schönen Lob.
sotā hi somamadribhiremenamapsu dhāvata / gavyā vastreva vāsayanta in naro nirdhukṣan vakṣaṇābhyaḥ
Presst den Soma mit den Preßsteinen, und spült ihn in den Wassern; [ihn] wie mit Kuh-Gewändern [Milch] bekleidend [?], melken die Männer [ihn] aus den Trögen heraus. [Anm.: „Kuh-Gewänder“ = Beimischung von Milch; plausibel.]
Sowohl von der Erde als auch vom hohen Himmelslichtraum her: wachse mit diesem Leib, mit meinem Lied; fülle mein Erzeugtes [?], Wohlwirkender. [Anm.: PP-Token 4 „agha“ ist wohl Tippfehler für „adha“; jātā unsicher.]
indrāya su madintamaṃ somaṃ sotā vareṇyam / śakra eṇaṃ pīpayad viśvayā dhiyā hinvānaṃ na vājayum
Für Indra presst den sehr berauschenden, begehrenswerten Soma. Śakra soll ihn mit jedem Gedanken anschwellen lassen, wie [einen] antreibenden, rennlustigen [Renner].
Wort für Wort
indrāya
für Indra (Dat.)
su
gut/sehr
madin-tamam
sehr berauschend (Akk. Sg.)
somam
Soma (Akk. Sg.)
sota
preßt (2. Pl. Imp.)
vareṇyam
begehrenswert (Akk. Sg.)
śakraḥ
Śakra/der Kräftige (Nom. Sg.)
eṇam
ihn (Akk.)
pīpayat
er soll schwellen lassen (3. Sg. Inj./Subj. Kaus.)
mā tvā somasya galdayā sadā yācannahaṃ girā / bhūrṇiṃ mṛgaṃ na savaneṣu cukrudhaṃ ka īśānaṃ na yāciṣat
Nicht möchte ich dich stets mit [dem Soma-]...galdā [?] und Lied bitten, [dich,] den Ungestümen, der bei den Pressungen wie ein Wild zornig wurde: wer würde einen Herrn nicht bitten? [Anm.: galdā unklar.]
Wort für Wort
mā
nicht (Verbot)
tvā
dich (Akk.)
somasya
Soma (Gen.)
galdayā
galdā [?] (Instr. Sg.)
sadā
immer
yācan
bittend (Nom. Sg.)
aham
ich (Nom.)
girā
mit Lied (Instr. Sg.)
bhūrṇim
Ungestümen (Akk. Sg.)
mṛgam
Wild/Tier (Akk. Sg.)
na
wie
savaneṣu
bei den Pressungen (Lok. Pl.)
cukrudham
er wurde zornig (3. Sg. Perf.) [Akk. hier: den Zornigen]
madeneṣitaṃ madamugramugreṇa śavasā / viśveṣāṃ tarutāraṃ madacyutaṃ made hi ṣmā dadāti naḥ
Vom Rausch angetrieben [ist] der Rausch, der gewaltige, mit gewaltiger Kraft; der über alle hinüberhilft, aus dem Rausch tropfend; im Rausch nämlich gibt er uns [stets].
śevāre vāryā puru devo martāya dāśuṣe / sa sunvate castuvate ca rāsate viśvagūrto ariṣṭutaḥ
[Der] Gott [gibt] dem opfernden Sterblichen viel Wünschenswertes im Wohlsein [?]; er beschenkt den Pressenden und den Preisenden, von allen willkommen geheißen, von den Fremden [?] hochgepriesen. [Anm.: śevāre und ariṣṭutaḥ unsicher.]
Dich sollen tausend und hundert [Rosse], am goldenen Wagen angeschirrt, die durch Gebet Angeschirrten, die Falben mit Mähnen, zum Somatrunk herbeifahren, Indra.
Zu dir [sollen] auf dem goldenen Wagen die beiden Falben, die Pfauenschwänze [?] [habenden], hellrückig, fahren zum Trunk des süßen Saftes, des kraftvollen [?]. [Anm.: mayūra-śepyā und vivakṣaṇa unsicher.]
Trink doch von diesem Gepreßten, Lied-Liebender, wie ein Vor-Trinker; von dem zubereiteten, saftigen; dieser Aufguß, lieblich, steht zum Rausch bereit [?].
ya eko asti daṃsanā mahānugro abhi vrataiḥ / gamat sa śiprī na sa yoṣadā gamad dhavaṃ na pari varjati
Der, der allein ist an Wundermacht, groß, gewaltig durch [seine] Satzungen: er soll kommen, der Helmträger; er wird [uns] nicht trennen [?]; er soll zum Ruf kommen, [ihn] nicht übergehen [?].
tvaṃ puraṃ cariṣṇvaṃ vadhaiḥ śuṣṇasya saṃ piṇak / tvambhā anu caro adha dvitā yadindra havyo bhuvaḥ
Du hast die wandernde Burg des Śuṣṇa mit [deinen] Schlägen zerschmettert. Du leuchtest [?], du gehst umher; und dann, [als du] zweifach [?] anrufbar wurdest, Indra. [Anm.: Zeile 2 unsicher.]
mama tvā sūra udite mama madhyandine divaḥ / mama prapitveapiśarvare vasavā stomāso avṛtsata
Mein [Lied] hat dich beim Aufgang der Sonne, mein [Lied] am Mittag des Himmels, mein [Lied] beim Einbruch der Nacht [?], Guter, [erreicht]: die Loblieder sind [zu dir] hergewendet.
Preise, preise nur: diese sind ja deine Freigebigsten unter den Gabenreichen; [einer,] dessen Rosse [?] getadelt [?], auf dem Vorweg, höchst kräftig [?], von der Gabe [des Maghavan?], Medhyātithi. [Anm.: Der Vers ist schwierig; Konstruktion und Bezug unsicher.]
ā yadaśvān vananvataḥ śraddhayāhaṃ rathe ruham / utavāmasya vasunaściketati yo asti yādvaḥ paśuḥ
Als ich im Vertrauen die Rosse des Beutegierigen [?] auf den Wagen [steigen ließ/bestieg] [?], und [wenn] er das Gut des Schönen wahrnimmt, der [der Besitzer] des Yadu-Viehs ist [?]. [Anm.: Text und Sinn der zweiten Hälfte unsicher.]
ya ṛjrā mahyaṃ māmahe saha tvacā hiraṇyayā / eṣa viśvānyabhyastu saubhagāsaṅgasya svanadrathaḥ
Der mir rötliche [Rosse] geschenkt hat, samt goldener Decke: dieser soll alle Glücksgüter übertreffen, [er,] Āsaṅga, mit dröhnendem Wagen. [Anm.: ṛjrā unsicher.]
Da hat Plāyogi Āsaṅga andere mit zehn Tausenden übertroffen, Agni. Dann standen zehn glänzende Stiere für mich [bereit], wie Rohrhalme, aus dem See heraus.
Hinter ihm sah man das Dicke [Glied?] vorne, den knochenlosen Schenkel [?], herabhängend. Śaśvatī, die Frau, sah [es] an und sagte: „Herr, du trägst gute Nahrung [?].“ [Anm.: Wörtlich sehr knapp; der Vers spielt auf die Geschichte von Āsaṅga und Śaśvatī an, die später erzählt wird; hier nur Andeutung. sthūra ist substantiviert, Bezugswort ungenannt.]