Kapitel 48: ṛgvede 8.48 · svādorabhakṣi vayasaḥ sumedhāḥ svādhyo varivovittarasya
Soma-Lied: Dank für den Trank, Unsterblichkeit, Bitte um Leben und Schutz
Somalied in der Ich/Wir-Form: Genuss des Somas (v. 3 ‚wir sind unsterblich geworden, zum Licht gegangen‘), Bitte um Heil, Gnade und verlängertes Leben, Verehrung mit Gabe. Unsicher: v. 5 (caritrāt, srāmāt), v. 8 (alarti), v. 10 (Schluss).
Vom Süßen, vom Lebenskräftigen, vom Weiträumigkeit-Findigsten habe ich Anteil genossen, ich, der gut Verständige, gut Sinnende — [von dem], den alle Götter und Sterblichen ‚Honig‘ nennend umschwärmen. [Anm.: varivovit-tara ‚der mehr Raum/Weite Findende‘.]
Ins Innere bist du eingegangen; Aditi sollst du sein, Abwender der göttlichen Glut/des Zorns. Indu, Indras Freundschaft genießend, sollst du wie folgsam dem Joch nach zu Reichtum gedeihen [lassen].
Wir haben Soma getrunken, sind unsterblich geworden, sind zum Licht gegangen, haben die Götter gefunden. Was kann uns nun der Missgünstige antun, und was die Schädigung eines Sterblichen, Unsterblicher?
śaṃ no bhava hṛda ā pīta indo piteva soma sūnave suśevaḥ / sakheva sakhya uruśaṃsa dhīraḥ pra ṇa āyurjīvase somatārīḥ
Heilsam sei uns, ins Herz hinein getrunken, Indu; wie ein Vater, Soma, dem Sohn gnädig, wie ein Freund dem Freund, weithin Gepriesener, weise: verlängere uns das Leben zum Weiterleben, Soma.
Wort für Wort
śam
Heil, heilsam (Adv./Nom. n.)
naḥ
uns (Dat. Pl.)
bhava
sei (2. Sg. Imp.)
hṛde
im Herzen/ins Herz (Lok./Dat. Sg.)
ā
hinein (Präverb)
pītaḥ
getrunken (Nom. Sg. Part.)
indo iti
Indu, Tropfen (Voc.)
pitāiva
wie ein Vater (Nom. Sg.)
soma
Soma (Voc.)
sūnave
dem Sohn (Dat. Sg.)
su-śevaḥ
gnädig, hold (Nom. Sg.)
sakhāiva
wie ein Freund (Nom. Sg.)
sakhye
dem Freund (Dat. Sg.)
uru-śaṃsa
weithin gepriesen (Voc.)
dhīraḥ
weise, besonnen (Nom. Sg.)
pra
fort, weiter (Präverb)
naḥ
unser (Akk. Pl.)
āyuḥ
Leben (Akk. Sg.)
jīvase
zum Leben, zum Weiterleben (Dat. Inf.)
soma
Soma (Voc.)
tārīḥ
du sollst hinüberführen/verlängern (2. Sg. Aor.-Konj.)
ime mā pītā yaśasa uruṣyavo rathaṃ na gāvaḥ samanāhaparvasu / te mā rakṣantu visrasaścaritrāduta mā srāmādyavayantvindavaḥ
Diese getrunkenen, ruhmvollen, Weite schaffenden [?] [Tropfen halten mich zusammen] wie Riemen den Wagen an den Fugen; sie sollen mich vor Auseinanderfallen bewahren, vor dem Straucheln und vor Gebrechen; die Tropfen sollen [es] von mir fernhalten. [Anm.: samanāha ‚Zusammenschnürung‘; gāvaḥ hier wohl ‚Lederriemen‘; caritrāt und srāmāt unsicher.]
agniṃ na mā mathitaṃ saṃ didīpaḥ pra cakṣaya kṛṇuhi vasyaso naḥ / athā hi te mada ā soma manye revāniva pra carāpuṣṭimacha
Wie ein geriebenes Feuer entflamme mich; lass [uns] sehen, mach uns besser [gestellt]; denn in deinem Rausch, Soma, halte ich mich für [einen], der wie ein Reicher ist [?]; geh hin zu Gedeihen.
iṣireṇa te manasā sutasya bhakṣīmahi pitryasyeva rāyaḥ / soma rājan pra ṇa āyūṃṣi tārīrahānīva sūryo vāsarāṇi
Mit regsamem Sinn möchten wir von deinem gepressten [Saft] Anteil nehmen wie von väterlichem Reichtum; Soma, König, verlängere unsere Lebenszeiten, wie die Sonne die Tage [verlängert].
Soma, König, sei gnädig, [gib] uns Wohlergehen; wir sind dein, Gefolgsleute deiner Ordnung; nimm das zur Kenntnis. Bereitschaft [?], Geschick und Eifer sind da, Indu; gib uns nicht nach dem Belieben des Fremden preis.
tvaṃ hi nastanvaḥ soma gopā gātre-gātre niṣasatthā nṛcakṣāḥ / yat te vayaṃ pramināma vratāni sa no mṛḷa suṣakhādeva vasyaḥ
Du bist ja unseres Leibes Hüter, Soma; in jedem Glied hast du dich niedergelassen, Männer beobachtend. Wenn wir deine Ordnungen verletzen, so sei uns gnädig, als guter Freund, Gott, [und gib] Besseres.
ṛdūdareṇa sākhyā saceya yo mā na riṣyed dharyaśva pītaḥ / ayaṃ yaḥ somo nyadhāyyasme tasmā indraṃ pratiramemyāyuḥ
Mit dem Weichbäuchigen [?] möchte ich Freundschaft halten, der mir, wenn getrunken, nicht schaden soll, Falbenlenker. Dieser Soma, der bei uns niedergelegt wurde — für ihn gehe ich, Indra, das Leben verlängernd [?]. [Anm.: ṛdūdara ‚weich im Bauch/mild‘ und der Schluss unsicher.]
Wort für Wort
ṛdūdareṇa
mit dem Weichbäuchigen, im Inneren Milden (Instr. Sg.) [?]
Jene sind fortgezogen: die Nahrungslosigkeiten, die Krankheiten; sie fuhren furchtsam zurück, die Finsternis-Mächte fürchteten sich. Soma ist zu uns emporgestiegen, der Weitreichende; wir sind dorthin gelangt, wo sie das Leben verlängern. [Anm.: anirā ‚Nahrungs-/Kraftlosigkeit‘, tamiṣīcī ‚nach Finsternis gerichtet‘ (plausibel).]
Wort für Wort
apa
fort (Präverb)
tyāḥ
jene (Nom. Pl. f.)
asthuḥ
sie sind gewichen (3. Pl. Aor.)
anirāḥ
Nahrungslosigkeit, Unlust [?] (Nom. Pl.)
amīvāḥ
Krankheiten (Nom. Pl.)
niḥ
heraus, weg (Präverb)
atrasan
sie fuhren zurück, zitterten (3. Pl. Aor.)
tamiṣīcīḥ
Finsternis-Mächte, nach Dunkel gerichtete (Nom. Pl.) [?]
yo na induḥ pitaro hṛtsu pīto 'martyo martyānāviveśa / tasmai somāya haviṣā vidhema mṛḷīke asya sumatau syāma
Der unser Tropfen, ihr Väter, in den Herzen getrunken, der Unsterbliche, in Sterbliche eingedrungen ist — diesem Soma wollen wir mit Gabe dienen; in seiner Gnade, in seinem Wohlwollen mögen wir sein.
tvaṃ soma pitṛbhiḥ saṃvidāno 'nu dyāvāpṛthivī ā tatantha / tasmai ta indo haviṣā vidhema vayaṃ syāma patayo rayīṇām
Du, Soma, mit den Vätern einig, hast Himmel und Erde entlang ausgespannt. Dir, Indu, wollen wir mit Gabe dienen; mögen wir Herren von Reichtümern sein.
trātāro devā adhi vocatā no mā no nidrā īśata mota jalpiḥ / vayaṃ somasya viśvaha priyāsaḥ suvīrāso vidathamāvadema
Ihr rettenden Götter, tretet für uns ein; nicht soll uns Schlaf beherrschen, nicht Geschwätz. Wir, des Soma allezeit Liebe, mit guten Männern, wollen in der Versammlung [?] sprechen. [Anm.: vidatha ‚Versammlung/Ritualkreis/Zuteilung‘, hier offen.]
Wort für Wort
trātāraḥ
Retter, rettend (Nom./Voc. Pl.)
devāḥ
Götter (Voc.)
adhi
für, zu Gunsten (Präverb)
vocata
tretet ein, sprecht (2. Pl. Aor. Imp.)
naḥ
für uns (Dat. Pl.)
mā
nicht
naḥ
uns (Akk. Pl.)
ni-drā
Schlaf (Nom. Sg.)
īśata
sie sollen beherrschen (3. Pl./Sg. Injunktiv Med.)
Du bist uns, Soma, überall Lebenskraft-Spender; du, Lichtfinder, tritt ein, Männer beobachtend; du, Indu, mit Hilfen einträchtig, schütze uns von hinten oder von vorn.