Quellen der Menschheit

Ṛgveda · Maṇḍala 8

Kapitel 79: ṛgvede 8.79 · ayaṃ kṛtnuragṛbhīto viśvajidudbhidit somaḥ Preis des Soma: Heiler, Beschützer, Bitte um Milde

Lied an Soma als Seher, Heiler und Abwehr gegen Feindschaft; Schlussverse bitten um Milde. Schwierig sind Vers 5 (vavṛjyuḥ) und Vers 6 (Sinn von naṣṭaṃ pūrvyam und atīrṇam) sowie das Wort turam in Vers 2.

ayaṃ kṛtnuragṛbhīto viśvajidudbhidit somaḥ / ṛṣirvipraḥ kāvyena

Dieser Soma ist der Tatkräftige, nicht Ergriffene (Ungefasste), Allbesieger, Durchbrecher; Seher, Weiser durch Dichterkraft.

Wort für Wort
ayam
dieser (Nom. Sg.)
kṛtnuḥ
tatkräftig (Nom. Sg.)
agṛbhītaḥ
ungefasst, nicht zu greifen (Nom. Sg.)
viśva-jit
allbesiegend (Nom. Sg.)
ut-bhit
durchbrechend (Nom. Sg.)
it
nur, gerade (Partikel)
somaḥ
Soma (Nom.)
ṛṣiḥ
Seher (Nom. Sg.)
vipraḥ
Weiser, Erregter (Nom. Sg.)
kāvyena
durch Dichterkraft (Instr. Sg.)

abhyūrṇoti yan nagnaṃ bhiṣakti viśvaṃ yat turam / premandhaḥ khyan niḥ śroṇo bhūt

Wenn er den Nackten bedeckt, alles Gebrechliche [?] heilt, dann blickt der Blinde vor sich hin, der Lahme wird frei (von seinem Gebrechen).

Wort für Wort
abhi
über (Präverb)
ūrṇoti
bedeckt (3. Sg. Präs.)
yat
wenn
nagnam
Nackten (Akk. Sg.)
bhiṣakti
heilt (3. Sg. Präs.)
viśvam
alles (Akk. Sg.)
yat
was
turam
gebrechlich, eilend [?] (Akk. Sg.)
pra
hervor, vorwärts (Präverb)
īm
ihn/es (Partikel)
andhaḥ
Blinder (Nom. Sg.)
khyat
blickt, sieht (3. Sg. Aor.)
niḥ
heraus, frei (Präverb)
śroṇaḥ
Lahmer (Nom. Sg.)
bhūt
wurde (3. Sg. Aor.)

tvaṃ soma tanūkṛdbhyo dveṣobhyo 'nyakṛtebhyaḥ / uru yantāsivarūtham

Du, Soma, bist Spender weiten Schutzes gegen die selbstgemachten und die von anderen gemachten Feindseligkeiten.

Wort für Wort
tvam
du (Nom.)
soma
Soma (Vok.)
tanūkṛt-bhyaḥ
leibschaffend, selbstverursacht [?] (Abl. Pl.)
dveṣaḥ-bhyaḥ
Feindseligkeiten (Abl. Pl.)
anya-kṛtebhyaḥ
von anderen gemacht (Abl. Pl.)
uru
weit (Akk. Sg. n.)
yantā
Spender, Gewährer (Nom. Sg.)
asi
du bist (2. Sg. Präs.)
varūtham
Schutz (Akk. Sg.)

tvaṃ cittī tava dakṣairdiva ā pṛthivyā ṛjīṣin / yāvīraghasya cid dveṣaḥ

Du, mit Einsicht und deinen Geschicklichkeiten, vom Himmel und von der Erde her, Ṛjīṣin, wehre selbst den Hass des Bösen ab.

Wort für Wort
tvam
du (Nom.)
cittī
mit Einsicht (Instr. Sg.)
tava
deine (Gen. Sg.)
dakṣaiḥ
mit Geschicklichkeiten (Instr. Pl.)
divaḥ
vom Himmel (Abl. Sg.)
ā
und, hin (Partikel)
pṛthivyāḥ
von der Erde (Abl. Sg.)
ṛjīṣin
Ṛjīṣin, Kraftvoller (Vok. Sg.)
yāvīḥ
wehre ab (2. Sg. Aor. Inj.)
aghasya
des Übels (Gen. Sg.)
cit
sogar (Partikel)
dveṣaḥ
Hass (Akk. Sg.)

arthino yanti cedarthaṃ gachānid daduṣo rātim / vavṛjyustṛṣyataḥ kāmam

Wenn Bittende zu ihrem Ziel gehen, dann würden sie nur zur Gabe des Gebers gehen; sie würden den Wunsch des Dürstenden umgehen [?].

Wort für Wort
arthinaḥ
Bittende, Zielsuchende (Nom. Pl.)
yanti
sie gehen (3. Pl. Präs.)
ca
und, wenn
it
ja (Partikel)
artham
Ziel (Akk. Sg.)
gacchān
sie würden gehen (3. Pl. Opt.) [?]
it
nur, gerade (Partikel)
daduṣaḥ
des Gebers (Gen. Sg.)
rātim
Gabe (Akk. Sg.)
vavṛjyuḥ
sie würden umgehen, abwenden (3. Pl. Perf. Opt.) [?]
tṛṣyataḥ
des Dürstenden (Gen. Sg.)
kāmam
Wunsch (Akk. Sg.)

vidad yat pūrvyaṃ naṣṭamudīm ṛtāyumīrayat / premāyustārīdatīrṇam

Wenn er das verlorene Frühere findet, richtet er den Wahrheitsstrebenden auf; er führt das Leben weiter, das noch nicht durchmessen ist [?]. [Anm.: Sinn von naṣṭaṃ pūrvyam „das verlorene Frühere“ unklar.]

Wort für Wort
vidat
findet (3. Sg. Aor.)
yat
wenn
pūrvyam
früher, ursprünglich (Akk. Sg. n.)
naṣṭam
verloren (Akk. Sg. n.)
ut
auf (Präverb)
īm
ihn (Partikel)
ṛta-yum
Wahrheit erstrebend (Akk. Sg.)
īrayat
trieb an, erhob (3. Sg. Impf.)
pra
hervor (Präverb)
īm
ihn (Partikel)
āyuḥ
Leben, Lebensdauer (Akk. Sg.)
tārīt
brachte hinüber (3. Sg. Aor.)
atīrṇam
nicht durchmessen, nicht überschritten (Akk. Sg. n.) [?]

suśevo no mṛḷayākuradṛptakraturavātaḥ / bhavā naḥ soma śaṃ hṛde

Gut labend, gnädig zu uns, mit nicht übermütigem Willen, windstill (nicht stürmisch): sei uns, Soma, Wohl fürs Herz.

Wort für Wort
su-śevaḥ
gut labend, wohltuend (Nom. Sg.)
naḥ
uns (Dat. Pl.)
mṛḷayākuḥ
gnädig (Nom. Sg.)
adṛpta-kratuḥ
nicht übermütigen Willens (Nom. Sg.)
avātaḥ
windstill, nicht stürmisch (Nom. Sg.)
bhava
sei (2. Sg. Imp.)
naḥ
uns (Dat. Pl.)
soma
Soma (Vok.)
śam
Wohl (Akk. Sg.)
hṛde
dem Herzen (Dat. Sg.)

mā naḥ soma saṃ vīvijo mā vi bībhiṣathā rājan / mā no hārdi tviṣā vadhīḥ

Nicht bedränge uns, Soma, nicht erschrecke uns, König; nicht schlage uns im Herzen mit Ungestüm.

Wort für Wort
mā
nicht (Prohibitiv)
naḥ
uns (Akk. Pl.)
soma
Soma (Vok.)
sam
zusammen (Präverb)
vīvijaḥ
bringe in Enge/Aufregung (2. Sg. Aor. Inj.)
mā
nicht
vi
auseinander (Präverb)
bībhiṣathā
erschrecke (2. Sg. Desid.-Aor. Inj.)
rājan
König (Vok.)
mā
nicht
naḥ
uns (Akk. Pl.)
hārdi
im Herzen (Lok. Sg.)
tviṣā
mit Ungestüm, Glanz (Instr. Sg.)
vadhīḥ
schlage (2. Sg. Aor. Inj.)

ava yat sve sadhasthe devānāṃ durmatīrīkṣe / rājannapa dviṣaḥ sedha mīḍhvo apa sridhaḥ sedha

Wenn ich in ihrem eigenen Sitz der Götter die bösen Gesinnungen erblicke, König, dann wehre die Hasser ab, Spender, wehre die Fehltritte ab [?].

Wort für Wort
ava
herab (Präverb)
yat
wenn
sve
im eigenen (Lok. Sg.)
sadha-sthe
Sitz (Lok. Sg.)
devānām
der Götter (Gen. Pl.)
duḥ-matīḥ
böse Gesinnungen (Akk. Pl.)
īkṣe
ich erblicke (1. Sg. Präs. Med.) [?]
rājan
König (Vok.)
apa
weg (Präverb)
dviṣaḥ
die Hasser (Akk. Pl.)
sedha
wehre ab (2. Sg. Imp.)
mīḍhavaḥ
Spender (Vok. Sg.)
apa
weg (Präverb)
sridhaḥ
Fehltritte, Versager [?] (Akk. Pl.)
sedha
wehre ab (2. Sg. Imp.)

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