Kapitel 100: ṛgvede 8.100 · ayaṃ ta emi tanvā purastād viśve devā abhi mā yanti paścāt
Wechselrede um Indra, Soma und die göttliche Rede (Vāc)
Gespräch mehrerer Sprecher (Indra/Sänger, Zweifler an Indras Dasein in Vers 3); anschließend Erzählung von Vṛtra und Somaraub durch den Falken und ein Rätsel-Lied über die Rede (Vāc) als Kuh (10-11). Sprecherwechsel und viele Einzelstellen (5, 9, 10) sind unsicher.
Hier komme ich zu dir, mit (meinem) Leib von vorn; alle Götter gehen hinter mir her. Wenn du, Indra, mir den Anteil zuhältst, dann wirst du mit mir Heldentaten vollbringen. [Anm.: Sprecher unklar.]
dadhāmi te madhuno bhakṣamagre hitaste bhāgaḥ suto astu somaḥ / asaśca tvaṃ dakṣiṇataḥ sakhā me 'dhā vṛtrāṇijaṅghanāva bhūri
Ich stelle dir zuerst den Bissen/Trunk des Honigs hin; dein Anteil ist bereitet, gepresst sei der Soma. Sei du auf der rechten Seite mein Gefährte; dann wollen wir beide viele Vṛtras erschlagen.
Wort für Wort
dadhāmi
ich stelle hin (1. Sg.)
te
dir (Dat.)
madhunaḥ
des Honigs, der Süße (Gen. Sg.)
bhakṣam
Bissen, Trunk, Genuss (Akk. Sg.)
agre
zuerst, voran (Lok. Sg.)
hitaḥ
bereitgestellt (Nom. Sg. m.)
te
dein (Gen./Dat.)
bhāgaḥ
Anteil (Nom. Sg.)
sutaḥ
gepresst (Nom. Sg. m.)
astu
sei (3. Sg. Imp.)
somaḥ
Soma (Nom. Sg.)
asaḥ
sei (2. Sg. Imp.)
ca
und
tvam
du (Nom.)
dakṣiṇataḥ
auf der rechten Seite (Adv.)
sakhā
Gefährte (Nom. Sg.)
me
mein (Gen. Sg.)
adha
dann (Adv.)
vṛtrāṇi
Vṛtras, Widerstände (Akk. Pl.)
jaṅghanāva
wir beide wollen erschlagen (1. Du. Konj. Intensiv)
pra su stomaṃ bharata vājayanta indrāya satyaṃ yadi satyamasti / nendro astīti nema u tva āha ka īṃ dadarśa kamabhiṣṭavāma
Bringt kräftig ein Loblied dar, ihr, die ihr den Siegespreis erstrebt, dem Indra Wahres, wenn Wahres da ist. Es gibt keinen Indra, sagt mancher, ja mancher; wer hat ihn gesehen? Wem sollen wir zujubeln?
Hier bin ich, Sänger, sieh mich hier: alle Geborenen überrage ich an Größe. Die Weisungen des Rechten stärken mich; ich, der Zerbrecher, zerbreche die Welten.
ā yan mā venā aruhannṛtasyanekamāsīnaṃ haryatasya pṛṣṭhe / manaścin me hṛda ā pratyavocadacikradañchiśumantaḥ sakhāyaḥ
Als mich die Sehnsüchtigen des Rechten bestiegen - mich, der ich allein auf dem Rücken des Begehrten saß -, sprach auch mein Geist im Herzen entgegen; die Freunde, mit Jungen versehen, haben gerufen. [Anm.: Sehr dunkel; Bedeutung von venāḥ (Sehnsüchtige/Seher) und śiśumantaḥ unsicher.]
viśvet tā te savaneṣu pravācyā yā cakartha maghavannindra sunvate / pārāvataṃ yat purusambhṛtaṃ vasvapāvṛṇoḥ śarabhāya ṛṣibandhave
Alle diese deine Taten sind bei den Somapressungen zu verkünden, die du, Maghavan Indra, für den Pressenden getan hast: was du an von fern zusammengebrachtem, reichlichem Gut dem Śarabha, dem Verwandten der Seher, aufgeschlossen hast.
pra nūnaṃ dhāvatā pṛthaṃ neha yo vo avāvarīt / ni ṣīṃ vṛtrasya marmaṇi vajramindro apīpatat
Lauft nun auseinander los; hier ist keiner (mehr), der euch abhielt. In Vṛtras Todesstelle hat Indra die Keule hineingesenkt. [Anm.: Anrede vermutlich an die (befreiten) Wasser; unsicher.]
Gedankenschnell, sich ausstreckend, überwand der Schönbeschwingte (Falke) die eiserne Burg; zum Himmel gegangen, brachte er dem Keulenträger den Soma her.
Im Meer drinnen liegt, vom Wasser umhüllt, die Keule. Ihm bringen die gezügelten, vorwärts strömenden (Wasser) Tribut. [Anm.: puraḥprasravaṇāḥ 'vorwärts Strömende' unsicher.]
yad vāg vadantyavicetanāni rāṣṭrī devānāṃ niṣasādamandrā / catasra ūrjaṃ duduhe payāṃsi kva svidasyāḥ paramaṃ jagāma
Als die Rede, Unverständliches sprechend, die Herrscherin der Götter, die Erfreuende, sich niederließ, molken vier (?) Kraft, Milch/Wasser; wohin nur ist ihr Höchstes gegangen? [Anm.: Rätselvers; Deutung auf Vāc als Kuh ist plausibel, vier Bezugsgrößen unsicher (Weltgegenden/Stufen der Rede - spekulativ).]
Die göttliche Rede haben die Götter erzeugt; sie sprechen die Tiere, allgestaltig. Sie, die Erfreuende, uns Labung und Kraft melkend, die Kuh, die Rede, möge, gut gepriesen, zu uns kommen.
Freund Viṣṇu, schreite weiter aus; Himmel, gib Raum der Keule zum Auseinanderstemmen. Wir beide wollen Vṛtra erschlagen, die Ströme freigeben; auf Indras Antrieb entlassen sollen sie strömen.