Agni-Lied mit Bitte um Schutz (Vv. 8-10, 20), Abwehr von Unholden und Feinden und Betonung Agnis als Rufer zwischen Menschen und Göttern. Mehrere Verse (7, 12, 13, 18) sind lexikalisch schwierig; die Glossen dort sind unsicher.
Agni, komm her mit den Feuern! Dich als Rufer wählen wir. Dich soll die dargebrachte, mit Opfergabe versehene Streu salben, [dich,] den Verehrungswürdigsten, zum Niedersitzen.
Zu dir hin, Sohn der Kraft, Aṅgiras, ziehen ja die Schöpflöffel beim Verehrungsakt. Dich, den Enkel der Stärke, den Schmalzhaarigen, bitten wir, Agni, bei den Weihehandlungen, den Frühen.
Agni, du bist Seher, Ordner, Rufer, Läuternder, du bist der zu Verehrende. Erfreuend, am meisten zu verehren bei den Weihehandlungen, preisenswert durch die Dichter, Strahlender, durch Denksprüche.
Bring die unbetrügerischen, begehrenden Götter her zum Genuss, du Jüngster, Unermüdlicher. Komm zu den wohlgeordneten Gaben, Vasu, freue dich, durch Gedanken angeregt [?].
śocā śociṣṭha dīdihi viśe mayo rāsva stotre mahānasi / devānāṃ śarman mama santu sūrayaḥ śatrūṣāhaḥ svagnayaḥ
Leuchte, du Hellstleuchtender, strahle. Gib dem Stamm Wohlbefinden, gib dem Sänger, denn du bist groß. Bei den Göttern sei Schutz für mich; meine Gönner sollen die Feindbezwinger sein, die gute Feuer haben.
Wie du, Agni, das Gewachsene, Gealterte [?] auf der Erde zusammenzehrst, so verbrenne den, der der Feind der Freundschaftsmacht ist, der uns Trug will, der übel Gesinnte, wer es auch sei, der uns nachstellt [?].
Wort für Wort
yathā
wie
cit
(Partikel)
ṛddham
Gewachsenes, Erstarktes (Akk. Sg.)
atasam
Gestrüpp, Brennholz [?] (Akk. Sg.)
agne
Agni (Vok. Sg.)
sam-jūrvasi
du verzehrst (2. Sg.)
kṣami
auf der Erde (Lok. Sg.)
eva
so
daha
verbrenne (2. Sg. Imp.)
mitra-mahaḥ
du, dessen Macht Freundschaft ist, Mitra-mächtiger (Vok. Sg.)
Gib uns nicht dem sterblichen Widersacher hin, nicht dem Unhold, nicht dem, der Schlimmes verkündet. Mit unversehrten, überführenden, du Jüngster, gnädigen Schützern schütze uns.
pāhi viśvasmād rakṣaso arāvṇaḥ pra sma vājeṣu no 'va / tvāmid dhi nediṣṭhaṃ devatātaya āpiṃ nakṣāmahe vṛdhe
Schütze vor jedem Unhold, vor dem Kargen; hilf uns kräftig in den Wettstreiten. Dich nämlich, den Nächsten, den Freund, suchen wir zu erreichen für das Gedeihen bei der Götterverehrung.
ā no agne vayovṛdhaṃ rayiṃ pāvaka śaṃsyam / rāsvā ca na upamāte puruspṛhaṃ sunītī svayaśastaram
Bring uns her, Agni, den lebenskraft-mehrenden, rühmenswerten Reichtum, Läuternder, und gib uns, Vorbild [?], den vielbegehrten, mit rechter Führung, den ruhmreicheren.
yena vaṃsāma pṛtanāsu śardhatastaranto arya ādiśaḥ / sa tvaṃ no vardha prayasā śacīvaso jinvā dhiyo vasuvidaḥ
Mit dem wir in den Kämpfen die Trotzenden gewinnen mögen, die Feindlichen, die sich über die Weisungen des Fremden hinwegsetzen [?]: Der du so bist, fördere uns mit Kraft, du Kraftreicher, treibe die Gedanken an, die Güter finden.
śiśāno vṛṣabho yathāgniḥ śṛṅge davidhvat / tigmā asya nanavo na pratidhṛṣe sujambhaḥ sahaso yahuḥ
Wie ein Stier, der sich wetzt, hat er mit dem Horn gestoßen [?], der Agni: Scharf sind seine Kinnladen, unangreifbar; gut zupackend ist der Sohn der Kraft, der Wettlaufende [?].
nahi te agne vṛṣabha pratidhṛṣe jambhāso yad vitiṣṭase / satvaṃ no hotaḥ suhutaṃ haviṣ kṛdhi vaṃsvā no vāryā puru
Nicht ist gegen dich anzukommen, Agni, Stier, wenn deine Kinnladen [im Angriff] auseinandertreten. Du, Rufer, mach uns die Gabe wohlgeopfert [?]; gewinne uns viele wünschenswerte Güter.
Wort für Wort
nahi
nicht
te
deine (Gen./Dat.)
agne
Agni (Vok. Sg.)
vṛṣabha
Stier (Vok. Sg.)
prati-dhṛṣe
anzugreifen, gegenüber standhalten (Inf.)
jambhāsaḥ
Kinnladen, Zähne (Nom. Pl.)
yat
wenn
vi-tiṣṭhase
du auseinandertrittst, dich aufstellst (2. Sg. Med.)
Du liegst in den Wäldern im Schoß der beiden Mütter; die Sterblichen entzünden dich. Unermüdlich fährst du die Opfergaben; dann herrschst du unter den Göttern.
Die sieben Rufer rufen dich an, Agni, den, der gut lässt und keinen Zorn hat. Du spaltest mit Glut und Strahl den Fels; trete hervor über die Menschen hinaus.
Agni um Agni, den Unbeugsamen, wollen wir für euch anrufen, die ihr die Streu gebreitet habt; Agni, den, dem die Gaben bereitgelegt sind, in den ewigen Wiederholungen, den Rufer der Völker.
Mit dem Banner findet der Schutz in gutem Gesang bei dir [Aufnahme], Agni, durch den Kundigen [?]. Bring uns den vielgestaltigen, wünschenswerten Gewinn her, den nächsten, zur Hilfe.
Wort für Wort
ketena
durch Banner, Zeichen (Instr. Sg.)
śarman
Schutz, Zuflucht (Nom. Sg.)
sacate
verbindet sich, folgt [?] (3. Sg. Med.)
su-sāmani
im schönen Gesang (Lok. Sg.)
agne
Agni (Vok. Sg.)
tubhyam
dir (Dat.)
cikitvanā
durch den Kundigen, Wissenden (Instr. Sg.) [?]
iṣaṇyayā
mit dem Erstrebenswerten [?], wünschenswert (Instr. Sg. f.)
agne jaritarviśpatistepāno deva rakṣasaḥ / aproṣivān gṛhapatirmahānasi divas pāyurduroṇayuḥ
Agni, Sänger-Förderer: Du bist Herr des Stammes, der Wärmende, göttlich, gegen die Unholde; der nie Abwesende, Hausherr, groß bist du, Hüter des Himmels, das Haus Bewachender.
Nicht soll uns der Unhold ergreifen, du, dessen Gnade unversiegbar ist [?]; nicht der Zauberer der Zauberbesitzenden. Fern vom Weideweg treibe die Unholde, den Hunger fort, Agni, die mit Unholden Behafteten.