Kapitel 20: ṛgvede 8.20 · ā gantā mā riṣaṇyata prasthāvāno māpa sthātā samanyavaḥ
Anruf der Maruts, der Sturmscharen
Lied an die Maruts: Einladung zur Verehrungshandlung, Schilderung ihres Ansturms (Berge, Erde, Himmel), ihres Schmucks und ihrer Waffen, Bitte um Hilfe und Heilmittel. Schwierig sind Vv. 4, 8, 14, 17, 21, 22 und 24, in denen Bildrede und Wortbedeutungen unsicher sind.
Mit festen Radkränzen, ihr Maruts, ihr Ṛbhukṣan, ihr Rudras, mit schönem Glanz: kommt heute mit Labsal zu uns, ihr viel Begehrten, zur Verehrungshandlung, ihr Sobharī-Freunde. [Anm.: sobharī-yavaḥ nicht sicher gedeutet.]
vidmā hi rudriyāṇāṃ śuṣmamugraṃ marutāṃ śimīvatām / viṣṇoreṣasya mīḷhuṣām
Denn wir kennen die gewaltige Kraft der rudrischen Maruts, der werkkundigen, des Viṣṇu [?], des Antreibers, der Spender. [Anm.: viṣṇoḥ eṣasya unsicher; evtl. ›des zu Viṣṇu Gehörigen‹.]
vi dvīpāni pāpatan tiṣṭhad duchunobhe yujanta rodasī / pra dhanvānyairata śubhrakhādayo yadejatha svabhānavaḥ
Die Inseln stoben auseinander; Unheil stand [?]; die beiden Welten schirrten sich an [?]; die Steppen setzt ihr in Bewegung, ihr Glanzgeschmückten, wenn ihr bebt, selbstleuchtend. [Anm.: tiṣṭhad ducchunā unsicher.]
Wort für Wort
vi
auseinander (Präverb)
dvīpāni
Inseln/Uferländer (Akk. Pl.)
pāpatan
stoben (3. Pl. Aor.)
tiṣṭhat
stand (3. Sg. Impf.) [?]
ducchunā
Unheil (Instr./Nom.) [?]
ubhe iti
beide (Nom. Du.)
yujanta
wurden angeschirrt/verbanden sich (3. Pl. Med.) [?]
acyutā cid vo ajmannā nānadati parvatāso vanaspatiḥ / bhūmiryāmeṣu rejate
Auch Unerschütterliches dröhnt bei eurem Ansturm; die Berge, der Waldbaum, die Erde erbeben bei euren Fahrten. [Anm.: Der Satzbau der ersten Zeile ist elliptisch.]
Für euren Ansturm, ihr Maruts, für die Fahrt öffnet sich der Himmel, höher und weit, wo die Männer an ihren Leibern [ihre] Kräfte zeigen, die armstarken [?]. [Anm.: dediśate, tvakṣāṃsi unsicher.]
Mit Rindern [Milch?] wird der Klang der Sobharīs gesalbt, auf dem Wagen, im goldenen Behälter; die Rinderverwandten, Edelgeborenen, sind zur Labung, zum Genuss die Großen, uns zum Wettstreben [?]. [Anm.: Bildrede, wohl ›Rinder‹ = Milch/Lichtstrahlen; sparase unsicher.]
vṛṣaṇaśvena maruto vṛṣapsunā rathena vṛṣanābhinā / ā śyenāso na pakṣiṇo vṛthā naro havyā no vītaye gata
Mit dem Wagen, der Hengstrosse hat, stiergestaltig, stiernabig, kommt her, ihr Maruts, wie Falken, die Vögel, munter, ihr Männer, zu unseren Darbringungen zum Genuss.
ta ugrāso vṛṣaṇa ugrabāhavo nakiṣ ṭanūṣu yetire / sthirā dhanvānyāyudhā ratheṣu vo 'nīkeṣvadhi śriyaḥ
Sie, die Gewaltigen, die Stiere, die Starkarmigen: keiner streitet [?] wider ihre Leiber; fest sind die Bogen, die Waffen auf euren Wagen, in den Fronten liegt Pracht.
yeṣāmarṇo na sapratho nāma tveṣaṃ śaśvatāmekamidbhuje / vayo na pitryaṃ sahaḥ
Deren Name glänzend ist, weit ausgebreitet wie die Flut, unter den ewigen [Namen] der einzige zum Genuss [?], [ist] wie Lebenskraft die väterliche Stärke. [Anm.: Zeile 2 und 3 unsicher.]
tān vandasva marutastānupa stuhi teṣāṃ hi dhunīnām / arāṇāṃ na caramastadeṣāṃ dānā mahnā tadeṣām
Diese verehre, die Maruts, diese preise heran; denn von ihnen, den Schüttlern, ist ihres wie der Letzte der Speichen [?]: die Gaben, ihre; durch Größe [ist] das ihre. [Anm.: arāṇāṃ na caramaḥ unsicher; wohl Bild dafür, dass unter ihnen keiner der Letzte ist.]
yasya vā yūyaṃ prati vājino nara ā havyā vītaye gatha / abhi ṣa dyumnairuta vājasātibhiḥ sumnā vo dhūtayo naśat
Oder zu wessen [Darbringung] ihr, ihr kraftvollen Männer, zum Genuss der Darbringungen kommt: der gelangt zu Glanzkräften und Kraftgewinnen; euer Wohlwollen, ihr Schüttler, erreicht ihn.
ye cārhanti marutaḥ sudānavaḥ sman mīḷhuṣaścaranti ye / ataścidā na upa vasyasā hṛdā yuvāna ā vavṛdhvam
Und die, die es verdienen, ihr Maruts, ihr Wohlgeber, und die, die mit Freigebigkeit umhergehen: von daher, ihr Jungen, wachst mit freundlichem Herzen zu uns hin. [Anm.: vavṛdhvam kann auch ›wendet euch‹ (√vṛt) sein; smat unsicher.]
Auf die Jungen, ja fürwahr, die männlichen, die Reinigenden, o Sobhari, singe mit dem neuesten Lied, wie einer, der Kühe herbeizieht [?]. [Anm.: cakṛrṣat ›wie einer, der zieht/pflügt‹, unsicher.]
sāhā ye santi muṣṭiheva havyo viśvāsu pṛtsu hotṛṣu / vṛṣṇaścandrān na suśravastamān girā vandasva maruto aha
Die Überwältiger, die anrufbar sind wie Faustkämpfer in allen Schlachten, unter den Anrufern, die Stiere, die glänzenden, gleichsam die ruhmreichsten: mit Lied verehre die Maruts, ja!
Auch Kühe, gleichmütig, sind durch Gleichherkunft, ihr Maruts, verwandt; sie lecken einander die Höhen [?]. [Anm.: Bildrede (Kühe lecken Kälber); Bezug auf die Maruts nicht klar.]
martaścid vo nṛtavo rukmavakṣasa upa bhrātṛtvamāyati / adhino gāta marutaḥ sadā hi va āpitvamasti nidhruvi
Auch ein Sterblicher, ihr Tänzer, ihr Goldbrüstigen, gelangt zu Bruderschaft; kommt zu uns, ihr Maruts, denn immer besteht mit euch Freundschaft, die beständige [?]. [Anm.: adhi naḥ gāta und nidhruvi unsicher.]
yābhiḥ sindhumavatha yābhistūrvatha yābhirdaśasyathākrivim / mayo no bhūtotibhirmayobhuvaḥ śivābhirasacadviṣaḥ
Mit denen ihr dem Sindhu geholfen habt, mit denen ihr überwindet, mit denen ihr Krivi Ehre erwiesen habt: mit diesen Hilfen seid uns Wohlsein, Wohlsein Bringende, mit heilvollen, ihr Hass nicht Anhaftenden [?]. [Anm.: asaca-dviṣaḥ unsicher.]
Wort für Wort
yābhiḥ
mit welchen (Instr. Pl.)
sindhum
Sindhu (Akk. Sg.)
avatha
ihr habt geholfen (2. Pl.)
yābhiḥ
mit welchen (Instr. Pl.)
tūrvatha
ihr überwindet (2. Pl.)
yābhiḥ
mit welchen (Instr. Pl.)
daśasyatha
ihr habt Ehre erwiesen (2. Pl.)
krivim
Krivi (Akk. Sg.)
mayaḥ
Wohlsein (Akk. Sg.)
naḥ
uns (Dat.)
bhūta
seid! (2. Pl. Imp.)
ūti-bhiḥ
mit Hilfen (Instr. Pl.)
mayaḥ-bhuvaḥ
Wohlsein bringend (Vok. Pl.)
śivābhiḥ
mit heilvollen (Instr. Pl.)
asaca-dviṣaḥ
den Feind nicht anhaftend/Feindesscheucher [?] (Vok. Pl.)
viśvaṃ paśyanto bibhṛthā tanūṣvā tenā no adhi vocata / kṣamā rapo maruta āturasya na iṣkartā vihrutaṃ punaḥ
Alles sehend tragt ihr [Heilmittel] in den Leibern; damit sprecht für uns; das Leid erduldet [?], ihr Maruts; bringt das Verkrümmte des Kranken für uns wieder in Ordnung. [Anm.: kṣamā rapaḥ unsicher.]