Kapitel 69: ṛgvede 8.69 · pra-pra vas triṣṭubham iṣam mandadvīrāyendave |
Soma, Kühe und Ströme: Aufforderung zum Preis Indras und Varuṇas
Mischlied: Aufforderung zum Preisen (1, 4, 8), Somamischung mit Milch (3, 6, 10), Indra als Kind und Gast, Varuṇa mit den Strömen (11-12). Mehrere Verse sind wörtlich rätselhaft (9, 13, 14, 15, 17): Bilder von Kochen, Klängen, Wagen; Deutungen nur als [?] angegeben. Ritual-, Naturbild- und Mythenebene sind nicht sicher zu trennen.
pra-pra vas triṣṭubham iṣam mandadvīrāyendave | / dhiyā vo medhasātaye puraṃdhyā vivāsati ||
Vorwärts, vorwärts euren dreiteiligen [?] Antrieb (bringt) dem heldenerfreuenden Tropfen; / mit Gedanken, mit der Fülle-Einsicht, zum Gewinn der Weisheit, erweist er euch Verehrung [?]. [Anm.: triṣṭubham iṣam unsicher, evtl. ‚triṣṭubh-Vers als Antrieb‘; Subjekt von vivāsati offen]
nadaṃ va odatīnāṃ nadaṃ yoyuvatīnām | / patiṃ vo aghnyānāṃ dhenūnām iṣudhyasi ||
Den Brüller [?] eurer Nässenden, den Brüller der sich Vereinigenden, / den Herrn eurer unantastbaren Milchkühe rufst du an [?]. [Anm.: nada ‚Brüller‘; Bildrede, die Kühe/Wasser meint, mehrschichtig; Belegstärke: plausibel für Kühe/Milch, offen sonst]
tā asya sūdadohasaḥ somaṃ śrīṇanti pṛśnayaḥ | / janman devānāṃ viśas triṣv ā rocane divaḥ ||
Diese, seine Scheckigen, süß melkend [?], mischen den Soma, / bei der Geburt [?] der Götterstämme in den drei Lichträumen des Himmels. [Anm.: pṛśni ‚Scheckige‘, Mutter der Marut; Deutungsebenen: rituell (Milchmischung), kosmisch-mythologisch (Marut-Geburt); plausibel]
Losgelassen wurden die Falben, die Rötlichen, auf dem Barhis, / wo wir zusammen jubeln [?]. [Anm.: harayaḥ/aruṣīḥ ohne klaren Bezug: Rosse Indras oder Soma-/Milchströme; plausibel, nicht fest]
Für Indra, den Keulenträger, haben die Kühe die Milchmischung, den Honig gemolken, / als er sie in der Nische [?] fand. [Anm.: wörtlich Kühe und Milch; Bezug auf das Milchzusatzgetränk zum Soma plausibel]
ud yad bradhnasya viṣṭapaṃ gṛham indraś ca ganvahi | / madhvaḥ pītvā sacevahi triḥ sapta sakhyuḥ pade ||
Wenn wir beide, Indra und ich, hinaufgehen zum Haus, zur Höhe des Rötlichen [?], / dann wollen wir vom Honig getrunken uns gesellen, dreimal sieben, am Standort des Freundes. [Anm.: bradhna ‚rötlich‘, wohl Sonne/Himmelsort; triḥ sapta ‚dreimal sieben‘; spekulativ]
ava svarāti gargaro godhā pari saniṣvaṇat | / piOgā pari caniṣkadad indrāya brahmodyatam ||
Herab tönt der Gargara, die Godhā tönt ringsum, / die Gelbliche springt rings umher: für Indra das emporgehobene Gebet. [Anm.: gargara, godhā, piṅgā wörtlich unsicher (Geräte/Klanginstrumente oder Tiere); Deutung offen]
Getrunken hat Indra, getrunken Agni; alle Götter berauschten sich. / Varuṇa möge hier herrschen [?]; ihm jauchzten die Wasser zu, wie mit Kälbern Zusammengesellte ihrem Kalb.
Wort für Wort
apāt
er trank (3. Sg. Aor.)
indraḥ
Indra (Nom. Sg.)
apāt
er trank (3. Sg. Aor.)
agniḥ
Agni (Nom. Sg.)
viśve
alle (Nom. Pl.)
devāḥ
Götter (Nom. Pl.)
amatsata
sie berauschten sich (3. Pl. Aor. Med.)
varuṇaḥ
Varuṇa (Nom. Sg.)
it
eben/nur (Partikel)
iha
hier (Adv.)
kṣayat
er wohne/herrsche (3. Sg. Inj.) [?]
tam
ihm (Akk. Sg.)
āpaḥ
Wasser (Nom. Pl.)
abhi
hin (Präverb)
anūṣata
sie jauchzten zu (3. Pl. Impf. Med.)
vatsam
Kalb (Akk. Sg.)
saṃśiśvarīḥ-iva
wie mit Kälbern verbundene/säugende (Kühe) (Nom. Pl. f. + iva)
sudevo asi varuṇa yasya te sapta sindhavaḥ | / anukṣaranti kākudaṃ sūrmyaṃ suṣirām iva ||
Ein guter Gott bist du, Varuṇa, dessen sieben Ströme / dem Kākuda [?], der Röhre [?], nachfließen wie einer hohlen (Röhre). [Anm.: kākuda ‚Gaumen; höchste Stelle‘, sūrmī ‚Röhre‘; Bild unklar, vermutlich Wasser/Ströme im Mund oder in einer Rinne]
yo vyatīṃr aphāṇayat suyuktāṃ upa dāśuṣe | / takvo netā tad id vapur upamā yo amucyata ||
Der die Auseinandergehenden [?], gut Angeschirrten für den Darbringer fließen [?] ließ — / der Rasche, Führer: das ist eben die Gestalt [?], das Vergleichsmaß [?], der/die freigelassen wurde. [Anm.: aphāṇayat und upamā unsicher; Rätselvers, mögliche Ebenen: rituell (Somaströme), mythologisch (Indra als Führer), spekulativ]
atīd u śakra ohata indro viśvā ati dviṣaḥ | / bhinat kanīna odanam pacyamānam paro girā ||
Über alle hinweg geht der Mächtige, Indra, über alle Hasser; / er spaltete den (gerade) gekochten Brei, der Jugendliche, jenseits [?], durch den Ruf. [Anm.: odana ‚Brei‘; mögliche Bildebenen: rituell (Breitopf), kosmisch (Wolke); plausibel bis spekulativ; kanīnaḥ und paraḥ unsicher]
arbhako na kumārako 'dhi tiṣṭhan navaṃ ratham | / sa pakṣan mahiṣam mṛgam pitre mātre vibhukratum ||
Wie ein Knäblein, ein Kindlein, das einen neuen Wagen besteigt: / so hat er einen Büffel, ein Wild für Vater und Mutter gebraten [?], den weitreichend Einsichtigen [?]. [Anm.: Kinderstreich Indras plausibel, wörtlich rätselhaft; Bezug von vibhukratum unsicher]
Komm doch, Schönlippiger [?], Hausherr, besteige den goldenen Wagen; / dann wollen wir beide dem himmelbewohnenden [?], tausendfüßigen [?], roten, zum Wohlergehen fahrenden, unversehrten (Wagen) folgen [?].
Wort für Wort
ā
her (Präverb)
tu
doch (Partikel)
su-śipra
Schönlippiger/-helmiger (Vok.) [?]
dam-pate
Hausherr (Vok.)
ratham
Wagen (Akk. Sg.)
tiṣṭha
besteige (Imp. 2. Sg.)
hiraṇyayam
golden (Akk. Sg.)
adha
dann (Adv.)
dyukṣam
himmelbewohnend/am Himmel weilend (Akk. Sg.) [?]
sacevahi
wir beide wollen folgen/uns gesellen (1. Du. Konj. Med.) [?]
taṃ ghem itthā namasvina upa svarājam āsate | / arthaṃ cid asya sudhitaṃ yad etava āvartayanti dāvane ||
Ihm eben sitzen die Verehrung Darbringenden so nahe, dem Selbstherrscher; / selbst sein wohlgesetztes Anliegen wenden sie zum Geben um, wenn er gehen will [?].
anu pratnasyaukasaḥ priyamedhāsa eṣām | / pūrvām anu prayatiṃ vṛktabarhiṣo hitaprayasa āśata ||
Nach dem alten Wohnsitz, die Priyamedhas von diesen, / nach dem früheren Herantreten haben die mit ausgelegtem Barhis, die mit bereitgestellter Labung (es) erreicht [?]. [Anm.: prayati, das Objekt von āśata und der genaue Bezug unsicher]