Kapitel 22: ṛgvede 8.22 · o tyamahva ā rathamadyā daṃsiṣṭhamūtaye
Anruf an die Aśvins, ihren Wagen und ihre Hilfen
Lied an die beiden Aśvins: Einladung zu Wagenfahrt und Somatrunk, Erinnerung an ihre Hilfstaten für Bittsteller (Pakthá, Adhrigu, Babhru, Kṛvi u. a.) und Bitte um Schutz und Gaben. Mehrere Namen und Anspielungen (z. B. 6cd, 7cd, 10) sind nur knapp angedeutet.
Ihn, den ich heute zur Hilfe herbeirufe, den wundertätigsten Wagen, / den ihr beiden Aśvins, gut zu rufen, auf Rudras Bahnen fahrend, für Sūryā bestiegen habt.
Ihn, der seit alters lebt, gut zu rufen, vielbegehrt, Bhujyu, in den Wettkämpfen der Erste, / der mit Wohlwollen Beistand leistet, o Sobhari, der Hass und Bedrängnis fernhält [?].
Hier haben wir diese beiden, die am meisten Angerufenen, die Götter Aśvins, mit Verneigungen / zu uns herbeigewendet zur guten Hilfe; sie sollen zum Haus des Gabenspenders kommen.
Um euren Wagen läuft das Rad ringsum; ein anderer [Teil?] treibt den Antrieb an [?]. / Zu uns hin soll euer Wohlwollen, ihr Herren des Glanzes, wie eine Milchkuh herbeilaufen [Anm.: 4a-b schwierig, Text vermutlich verderbt].
ratho yo vāṃ trivandhuro hiraṇyabhīśuraśvinā / pari dyāvāpṛthivī bhūṣati śrutastena nāsatyā gatam
Der Wagen, der euch gehört, dreifach gefügt, mit goldenen Zügeln, ihr Aśvins, / der Himmel und Erde umgibt und schmückt, berühmt, mit dem kommt her, ihr Nāsatyas.
daśasyantā manave pūrvyaṃ divi yavaṃ vṛkeṇa karṣathaḥ / tā vāmadya sumatibhiḥ śubhas patī aśvinā pra stuvīmahi
Ihr beiden, die ihr für Manu vorzeiten im Himmel [Anm.: oder: am Tag] die Gerste mit dem Pflug [wörtlich: mit dem Wolf?] zieht [?] – / diese beiden, ihr Aśvins, Herren des Glanzes, wollen wir heute mit Wohlwollen preisen [Anm.: 6a-b unklar; gemeint vielleicht die Einführung des Ackerbaus].
Kommt zu uns, ihr Herren der Kraftbeute, auf den Pfaden der Ordnung, / auf denen ihr Stiere den Tṛkṣi, den Trāsadasyava, zu großer Herrschaft belebt habt.
Dieser Soma ist für euch mit Presssteinen gepresst, ihr Männer, ihr Herren des Stiergutes; / kommt her zum Somatrunk und trinkt im Haus des Gabenspenders.
ā hi ruhatamaśvinā rathe kośe hiraṇyaye vṛṣaṇvasū / yuñjāthāṃ pīvarīriṣaḥ
Besteigt, ihr Aśvins, ihr Herren des Stiergutes, den Wagen mit goldener Nabe [oder: Kasten]; / schirrt die strotzenden Kräfte an [Anm.: iṣaḥ auch „Labungen“].
Mit denen ihr Pakthá helft, mit denen den Adhrigu, mit denen den Babhru, den Einträchtigen, / mit diesen kommt schnell zu uns, ihr Aśvins, rasch, wenn ihr den Kranken heilt [Anm.: 10c-d: Heilhilfe für Kranke].
Wenn wir, deren Rinder [Anm.: oder Gesang] unaufhaltsam sind, euch beide, Unaufhaltsame, jetzt und am Tag, Aśvins, anrufen, / wir, mit Liedern preisend.
Mit diesen kommt her, ihr Stiere, zu meinem Ruf, dem allerlei Wohlgestalt und allerlei Erwünschtes zukommt; / ihr freigebigsten, vielangerufenen Männer, mit Labung: mit denen, mit denen ihr Kṛvi gestärkt habt, kommt her.
tāvid doṣā tā uṣasi śubhas patī tā yāman rudravartanī / mā no martāya ripave vājinīvasū paro rudrāvati khyatam
Diese beiden bei Abend, diese beiden bei Morgenröte, ihr Herren des Glanzes, diese beiden im Fahren, auf Rudras Bahnen: / gebt uns nicht dem sterblichen Feind preis, ihr Herren der Kraftbeute; hütet uns vor ihm, ihr Rudra-Gleichen [?] [Anm.: 14d: paro rudrāvati khyatam, „seht über ihn hinweg“ o. ä., unsicher].
Wort für Wort
tau
diese beiden (Nom. Du.)
it
eben (Partikel)
doṣā
am Abend (Instr. Sg. adverbial)
tau
diese beiden (Nom. Du.)
uṣasi
in der Morgenröte (Lok. Sg.)
śubhaḥ
des Glanzes (Gen. Sg.)
patī iti
Herren (Vok. Du.)
tā
diese beiden (Nom. Du.)
yāman
im Fahren, auf der Fahrt (Lok. Sg.)
rudravartanī itirudra-vartanī
auf Rudras Bahnen fahrend (Nom. Du.)
mā
nicht (Prohibitiv)
naḥ
uns (Akk. Pl.)
martāya
dem Sterblichen (Dat. Sg.)
ripave
dem Feind (Dat. Sg.)
vājinīvasūitivājinī-vasū
Herren der Kraftbeute (Vok. Du.)
paraḥ
weit weg, jenseits (Adv.)
rudrau
Rudra-Gleiche, Rudras (Vok. Du.) [?]
ati
über (Präp.)
khyatam
ihr sollt sehen, ihr sollt weisen (2. Du. Aor.) [?]
Zum Wohlbefinden für den Wohlgesinnten [rufe ich] am Morgen euch, Aśvins, auf dem Wagen [Anm.: 15a-b wörtlich verkürzt] oder die Zusammenwirkenden [?]; / ich rufe wie ein Vater, o Sobhari.
Ihr Stiere, schnell wie der Gedanke, vom Rausch beschwingt, mit euren auf schnellem Weg kommenden Hilfen, / seid auch aus der Ferne für uns zur Hilfe da, mit vielen [Hilfen], ihr Vielgenießenden.
ā no aśvāvadaśvinā vartiryāsiṣṭaṃ madhupātamā narā / gomad dasrā hiraṇyavat
Kommt zu uns zu unserer Wohnstatt [?], die reich an Rossen ist, ihr Aśvins, ihr Met-Trinker über die Maßen, ihr Männer, / ihr Wundertäter, reich an Rindern, reich an Gold.
Einen guten Zugang, gute Mannhaftigkeit, wohl Erwünschtes, Unangreifbares behüte, o Aśvin [Anm.: rakṣasvinā = rakṣa aśvinā, „bewahrt, Aśvins“]. / Bei diesem Zugang [zu euch] wollen wir alle eure Gaben aufnehmen, ihr Herren der Kraftbeute.
Wort für Wort
su-prāvargam
mit gutem Zugang, gut zugänglich (Akk. Sg.)
su-vīryam
gute Mannhaftigkeit (Akk. Sg.)
suṣṭhu
gut, trefflich (Adv.)
vāryam
erwünscht (Akk. Sg.)
anādhṛṣṭam
unangreifbar (Akk. Sg.)
rakṣasvinā
bewahrt, Aśvins (2. Du. Imp. + Vok. Du.; verschmolzen)