Kapitel 95: ṛgvede 8.95 · ā tvā giro rathīrivāsthuḥ suteṣu girvaṇaḥ
Indra zum Soma gerufen; das reine Lied für den reinen Indra
Anruf an Indra zur Somapressung; die Verse 7-9 sind durch das ständige Wiederholen von śuddha 'rein' geprägt (Reiner Indra, reines Sāman, reine Sprüche). Tiraścī in 4 ist wohl der Sänger selbst (Name, Lesung unsicher).
Zu dir sind die Lieder wie Wagenlenkerinnen getreten bei den Pressungen, du Liedliebender; zu dir haben sie gemeinsam gejauchzt, Indra, wie Mütter (zum) Kalb.
ā tvā śukrā acucyavuḥ sutāsa indra girvaṇaḥ / pibā tvasyāndhasa indra viśvāsu te hitam
Zu dir haben dich die hellen Gepressten hergetrieben, Indra, Liedliebender; trink doch von diesem Gewächs/Trank, Indra; in allen (Pressungen) ist es dir bereitgestellt [?].
Wort für Wort
ā
her, hin (Präverb)
tvā
dich (Akk. Sg.)
śukrāḥ
hell, klar (Nom. Pl. f.: Säfte)
acucyavuḥ
haben bewegt, herbeigetrieben (3. Pl. Aor.)
sutāsaḥ
gepresst (Nom. Pl. m.)
indra
Indra (Vok.)
girvaṇaḥ
Liedliebender (Vok. Sg.)
piba
trink (2. Sg. Imp.)
tu
doch
asya
dieses (Gen. Sg.)
andhasaḥ
Gewächs, Trank (Gen. Sg.; Partitiv)
indra
Indra (Vok.)
viśvāsu
in allen (Lok. Pl. f.; [Pressungen/Tagen ergänzt?])
Trink den Soma zum Rausch, ja wohl, Indra, den gepressten, vom Falken gebrachten; denn du bist der Herr der immerwährenden (Scharen) [?] und König der Stämme.
Wort für Wort
piba
trink (2. Sg. Imp.)
somam
Soma (Akk. Sg.)
madāya
zum Rausch (Dat. Sg.)
kam
wohl, gar (Partikel)
indra
Indra (Vok.)
śyena-ābhṛtam
vom Falken gebracht (Akk. Sg.)
sutam
gepresst (Akk. Sg.)
tvam
du (Nom.)
hi
denn
śaśvatīnām
der immerwährenden, zahlreichen (Gen. Pl. f.; Bezug ergänzt) [?]
Erhöre den Ruf des Tiraścī, Indra, der dich verehrt; fülle (uns) an mit Reichtum an guter Mannhaftigkeit und Rindern, denn du bist groß. [Anm.: tiraścyāḥ als Name (Gen.) gedeutet; Alternative unklar.]
Ihn wollen wir preisen, den Indra, den die Lieder, die Sprüche gestärkt haben; seine vielen Mannestaten wollen wir, (sie) zu gewinnen begehrend, erlangen.
Wort für Wort
tam
ihn (Akk. Sg.)
oṃ iti
ja, doch (Partikel)
stavāma
wir wollen preisen (1. Pl. Konj.)
yam
den (Akk. Sg.)
giraḥ
Lieder (Nom. Pl.)
indram
Indra (Akk.)
ukthāni
Sprüche (Nom. Pl.)
vavṛdhuḥ
haben gestärkt (3. Pl. Perf.)
purūṇi
viele (Akk. Pl. n.)
asya
seine (Gen. Sg.)
paiṃsyā
Mannestaten (Akk. Pl. n.; PP-Schreibung verderbt für pauṃsyā)
Auf, lasst uns nun Indra preisen, den Reinen, mit reinem Sāman, den durch reine Sprüche Erstarkten; der Reine, der die Milchmischung hat, möge sich laben. [Anm.: āśīrvān 'mit Milchmischung versehen' kann Indra oder den Soma kennzeichnen.]
indra śuddho na ā gahi śuddhaḥ śuddhābhirūtibhiḥ / śuddho rayiṃ ni dhāraya śuddho mamaddhi somyaḥ
Indra, als Reiner komm zu uns, als Reiner mit reinen Hilfen; als Reiner halte den Reichtum fest (für uns), als Reiner berausche dich, du Somazugehöriger.
indra śuddho hi no rayiṃ śuddho ratnāni dāśuṣe / śuddho vṛtrāṇi jighnase śuddho vājaṃ siṣāsasi
Indra, als Reiner (bringst) du uns Reichtum, als Reiner Kleinode dem Spendenden; als Reiner erschlägst du die Vṛtras (Widerstände), als Reiner willst du den Siegespreis gewinnen.