Kapitel 96: ṛgvede 8.96 · asmā uṣāsa ātiranta yāmamindrāya naktamūrmyāḥ suvācaḥ
Indras Taten: Sieg über Vṛtra, den dunklen Tropfen und Śuṣṇa
Preislied auf Indra mit Rückblick auf seine Taten (Vṛtra, Śuṣṇa, Befreiung der Ströme und Rinder); die Verse 13-15 erzählen von einem dunklen 'Tropfen' (drapsa) am Fluss Aṃśumatī, den Indra mit Bṛhaspati bezwingt. Verse 2, 3, 13, 14, 19 sind sprachlich dunkel; der Refrain kuvid aṅga vedat (10-12) ist unsicher wiedergegeben.
Ihm haben die Morgenröten die Fahrt gefördert, dem Indra nachts die wohltönenden Wellen(?) [Anm.: ūrmyā kann 'Welle' oder 'Nacht' bedeuten]; ihm haben sich die Wasser, die sieben Mütter, hingestellt; den Männern zum Übersetzen (sind) die Ströme gut überschreitbar.
atividdhā vithureṇā cidastrā triḥ sapta sānu saṃhitā girīṇām / na tad devo na martyastuturyād yāni pravṛddho vṛṣabhaścakāra
Durchbohrt, selbst durch das Wanken [?], sind dreimal sieben zusammengefügte Rücken der Berge; das kann weder ein Gott noch ein Sterblicher bewältigen, was der herangewachsene Stier getan hat. [Anm.: vithureṇa cit asrā/astrā ist unklar; die Übersetzung ist tastend.]
Indras eiserne Keule ist fest eingefügt (bereit); in Indras Armen (liegt) die größte Kraft. Im Kopf Indras (sitzen) die Einsichten; im Freiraum(?) waren sie [?]; sie kamen heran, um zu hören, in der Nähe. [Anm.: nireke ist unklar; sehr unsichere Stelle.]
Ich halte dich für den Verehrungswürdigsten unter den Verehrungswürdigen; ich halte dich für den Erschütterer der Unerschütterten; ich halte dich, Indra, für das Banner der Kämpfer; ich halte dich für den Stier der Völker.
ā yad vajraṃ bāhvorindra dhatse madacyutamahaye hantavāu / pra parvatā anavanta pra gāvaḥ pra brahmāṇo abhinakṣanta indram
Wenn du, Indra, die rauschtriefende Keule in die Arme nimmst, um die Schlange zu erschlagen, dann haben die Berge aufgebrüllt, dann die Kühe, dann nahen die Sprecher der Brahmanworte dem Indra.
Ihn wollen wir preisen, der diese ganzen Geschöpfe erzeugt hat, die geringer sind als er. Mit Indra wollen wir uns durch Lieder einen Freund (Bund) sichern [?]; mit Verneigungen wollen wir dem Stier dienen.
Wort für Wort
tam
ihn (Akk. Sg.)
oṃ iti
ja, doch (Partikel)
stavāma
wir wollen preisen (1. Pl. Konj.)
yaḥ
der (Nom. Sg. m.)
imā
diese (Akk. Pl. n.)
jajāna
hat erzeugt (3. Sg. Perf.)
viśvā
alle (Akk. Pl. n.)
jātāni
Geschöpfe, Geborene (Akk. Pl. n.)
avarāṇi
geringere, spätere (Akk. Pl. n.)
asmāt
als er (Abl. Sg.)
indreṇa
mit Indra (Instr. Sg.)
mitram
Freund, Bund (Akk. Sg.) [?]
didhiṣema
wir wollen erlangen, sichern (1. Pl. Opt. Med., Desiderativ) [?]
Vor dem Schnauben des Vṛtra fliehend haben dich alle Götter verlassen, die (doch) Gefährten waren. Mit den Marut, Indra, sei dir Freundschaft; dann wirst du alle diese Heere besiegen.
triḥ ṣaṣṭistvā maruto vāvṛdhānā usrā iva rāśayo yajñiyāsaḥ / upa tvemaḥ kṛdhi no bhāgadheyaṃ śuṣmaṃ ta enā haviṣā vidhema
Dreimal sechzig Marut, dich stärkend, verehrungswürdig, wie Scharen von Kühen (Lichtrindern) [Anm.: usrā 'Rinder, Lichtstrahlen']; wir kommen zu dir: mach uns den Anteil, deine Kraft wollen wir mit dieser Gabe ehren.
Scharf ist die Waffe, das Heer der Marut; wer, Indra, hat deiner Keule standgehalten? Die Waffenlosen, die Asuras, die Nicht-Götter, die schneide/wirf mit dem Rad weg, du Ṛjīṣin.
Dem großen, gewaltigen, kraftvollen (Indra) sende die schön gebogene Lobrede hin, dem Freundlichsten für das Vieh [?]; dem lieder-tragenden Indra lege viele Lieder hin für seine Person; ob er es wohl bemerkt, mein Lieber?
Wort für Wort
mahe
dem Großen (Dat. Sg.)
ugrāya
dem Gewaltigen (Dat. Sg.)
tavase
dem Kraftvollen (Dat. Sg.)
su-vṛktim
schön gewendete Lobrede (Akk. Sg.)
pra
hervor (Präverb)
īraya
sende (2. Sg. Imp.)
śiva-tamāya
dem Freundlichsten (Dat. Sg.)
paśvaḥ
des Viehs (Gen. Sg.) [?]
givārhase
dem Lieder-Tragenden, der Lieder gern annimmt (Dat. Sg.; PP-Schreibung verderbt)
ukthavāhase vibhve manīṣāṃ druṇā na pāramīrayā nadīnām / ni spṛśa dhiyā tanvi śrutasya juṣṭatarasya kuvidaṅga vedat
Dem Sprüche-Tragenden, dem Mächtigen sende das Denkwerk hin, wie mit dem Holz(kahn) zum jenseitigen Ufer der Ströme; berühre mit Dichtung die Person des Berühmten, Willkommeneren; ob er es wohl bemerkt, mein Lieber?
tad viviḍḍhi yat ta indro jujoṣat stuhi suṣṭutiṃ namasāvivāsa / upa bhūṣa jaritarmā ruvaṇyaḥ śrāvayā vācaṃ kuvidaṅga vedat
Betreibe das, woran Indra für dich Gefallen findet: preise mit gutem Lobpreis, verehre mit Verneigung. Mach dich bereit, Sänger; schrei nicht (?) [?]; lass die Rede hören; ob er es wohl bemerkt, mein Lieber?
Herab an die Aṃśumatī stellte sich der Tropfen, der schwarze, mit zehntausend (Begleitern) einherziehend. Indra trat ihm, dem Schnaubenden, mit seiner Kraft entgegen [?]; die Angriffe/Feindseligen hat er, männlich gesinnt, beiseite gesetzt. [Anm.: āvat und snehitīḥ sind unsicher (fest: Aṃśumatī ist ein Fluss, drapsa ein 'Tropfen'; ob mythologisch ein dunkler Dämon oder ein Himmelskörper gemeint ist, bleibt spekulativ).]
Wort für Wort
ava
herab (Präverb)
drapsaḥ
Tropfen (Nom. Sg.)
aṃśu-matīm
zur Aṃśumatī, die Fasern/Halme hat (Akk. Sg. f.)
atiṣṭhat
stellte sich (3. Sg. Impf.)
iyānaḥ
einherziehend, sich bewegend (Nom. Sg. Part. Med.)
drapsamapaśyaṃ viṣuṇe carantamupahvare nadyo aṃśumatyāḥ / nabho na kṛṣṇamavatasthivāṃsamiṣyāmi vo vṛṣaṇo yudhyatājau
Den Tropfen sah ich, wie er sich (getrennt?) bewegte in der Einbuchtung der Aṃśumatī, den Flüssen nah [?], wie eine dunkle Wolke sich niedergelassen habend. Ich treibe euch an, ihr Stiere: kämpft im Wettstreit.
Wort für Wort
drapsam
Tropfen (Akk. Sg.)
apaśyam
sah (1. Sg. Impf.)
viṣuṇe
nach verschiedenen Seiten, getrennt (Lok. Sg.) [?]
Da hielt der Tropfen im Schoß der Aṃśumatī seine Gestalt, glänzend. Die götterlosen Stämme, die (ihn) angingen, hat Indra mit Bṛhaspati als Gefährten überwältigt.
Du warst damals, als du geboren wurdest, den Sieben, den Feindlosen, zum Feind, Indra. Himmel und Erde, die verborgenen, hast du nachträglich gefunden; den weit ausschweifenden Welten gabst du Lust/Freude. [Anm.: Die 'Sieben' sind nicht näher bestimmt: unsicher.]
Du hast damals jene unvergleichliche Kraft, kühn geworden, mit der Keule zerschlagen, Keulenträger; du hast des Śuṣṇa (Kräfte) mit Waffen niedergestreckt; du hast, Indra, die Rinder mit deiner Macht ganz gewonnen.
Du warst damals, Stier der Völker, der Erschläger der Vṛtras, der Gewaltige. Du hast die gestauten Ströme freigelassen, du hast die Wasser besiegt, die die Dāsas zu Herren hatten.
sa sukratū raṇitā yaḥ suteṣvanuttamanyuryo aheva revān / ya eka in naryapāṃsi kartā sa vṛtrahā pratīdanyamāhuḥ
Der Einsichtsvolle, der sich bei den Pressungen ergötzt, dessen Zorn nicht zu verdrängen ist, der reich ist [wie die Tage?] [?], der allein die männlichen Taten vollbringt: er ist der Vṛtratöter; einen anderen nennen sie (nur) als Gegenüber [?]. [Anm.: ahāiva und der Schluss prati … anyam āhuḥ sind unsicher.]
Wort für Wort
saḥ
er (Nom. Sg. m.)
su-kratuḥ
einsichtsvoll, mit guter Kraft (Nom. Sg.)
raṇitā
sich Ergötzender, Freude Bereitender (Nom. Sg.)
yaḥ
der (Nom. Sg.)
suteṣu
bei den Pressungen (Lok. Pl.)
anutta-manyuḥ
dessen Zorn nicht verdrängt/getrieben wird (Nom. Sg.)
yaḥ
der (Nom. Sg.)
ahāiva
wie die Tage (Akk./Instr. Pl. + iva) [?]
revān
reich (Nom. Sg.)
yaḥ
der (Nom. Sg.)
ekaḥ
allein (Nom. Sg.)
it
eben, gerade (Partikel)
nari
männlich, heldenhaft (Akk. Pl. n.; PP-Form nari verderbt) [?]
sa vṛtrahendraścarṣaṇīdhṛt taṃ suṣṭutyā havyaṃ huvema / sa prāvitā maghavā no 'dhivaktā sa vājasya śravasyasyadātā
Er, der Vṛtratöter Indra, der die Völker trägt: ihn wollen wir mit gutem Lobpreis als den Anzurufenden anrufen. Er ist unser Helfer, der Freigebige, unser Fürsprecher, er ist der Geber des ruhmvollen Siegespreises.
sa vṛtrahendra ṛbhukṣāḥ sadyo jajñāno havyo babhūva / kṛṇvannapāṃsi naryā purūṇi somo na pīto havyaḥ sakhibhyaḥ
Er, der Vṛtratöter Indra, der Ṛbhukṣan [?], ist gleich bei der Geburt anrufenswert geworden, viele männliche Taten vollbringend, wie getrunkener Soma anrufenswert für die Freunde. [Anm.: ṛbhukṣāḥ 'Herr der Ṛbhus / Geschickter': unsicher.]
Wort für Wort
saḥ
er (Nom. Sg. m.)
vṛtra-hā
Vṛtratöter (Nom. Sg.)
indraḥ
Indra (Nom.)
ṛbhukṣāḥ
Ṛbhukṣan, Herr der Ṛbhus/Geschickter (Nom. Sg., Beiname) [?]