Kapitel 27: ṛgvede 8.27 · agnirukthe purohito grāvāṇo barhiradhvare
Anruf der Allgötter und Ādityas um Schutz
Anruf vieler Götter (Maruts, Ādityas, Mitra, Varuṇa, Vasus u. a.) mit Bitte um Schutz und Gunst; Zeiten des Tages (V. 19–21) werden aufgezählt. Vv. 8, 9, 16–18, 20 sind schwierig und unsicher.
Agni ist beim Lobspruch der Vorangesetzte (Hauspriester), die Presssteine, das Streu bei der Weihehandlung; mit dem Vers gehe ich (die Götter an): die Maruts, den Herrn des Brahman (der Formung), die Götter, um Hilfe, die erwählenswerte.
ā paśuṃ gāsi pṛthivīṃ vanaspatīnuṣāsā naktamoṣadhīḥ / viśve ca no vasavo viśvavedaso dhīnāṃ bhūta prāvitāraḥ
Das Tier besinge ich (wörtl. 'du singst' [?]), die Erde, die Baumherren, Morgenröte und Nacht, die Kräuter; und alle ihr Vasus, Allwissende, seid Förderer der Gedanken. [Anm.: gāsi als 1. Sg. 'ich singe' gedeutet, überliefert 2. Sg. Formen; unsicher]
pra sū na etvadhvaro 'gnā deveṣu pūrvyaḥ / ādityeṣu pra varuṇe dhṛtavrate marutsu viśvabhānuṣu
Vor uns her soll die Weihehandlung gut gehen, mit Agni bei den Göttern, dem Ältesten; bei den Ādityas, dem Varuṇa, dem Satzungshalter, bei den Maruts, den allleuchtenden.
viśve hi ṣmā manave viśvavedaso bhuvan vṛdhe riśādasaḥ / ariṣṭebhiḥ pāyubhirviśvavedaso yantā no 'vṛkaṃ chardiḥ
Alle Allwissenden sind dem Manu zur Stärkung geworden, die Verzehrer des Feindes; mit unversehrten Schützern, ihr Allwissenden, haltet uns Schutz, der wolfsfrei ist, entgegen (breitet ihn aus).
Zu den euch lieben Rossgaben hin, den Opfergaben, kommt, ihr Maruts, Mitra – Indra, Varuṇa, die Eiligen, die Männer, Ādityas, sollen sich auf das Streu setzen bei uns.
vayaṃ vo vṛktabarhiṣo hitaprayasa ānuṣak / sutasomāso varuṇa havāmahe manuṣvadiddhāgnayaḥ
Wir, für euch das Streu geschnitten (bereitet), mit der Spende bereitgestellt, ununterbrochen, mit gepresstem Soma, Varuṇa, rufen euch an, mit angezündeten Feuern wie Manu (Menschenvater).
ā pra yāta maruto viṣṇo aśvinā pūṣan mākīnayā dhiyā / indra ā yātu prathamaḥ saniṣyubhirvṛṣā yo vṛtrahā gṛṇe
Kommt hierher, ihr Maruts, Viṣṇu, ihr Aśvins, Pūṣan, mit dem Denken des Erfahrenen (Mākī-Sohn?) [?]; Indra soll kommen als Erster mit seinen Gewinnern: der Stier, der Vṛtra-Töter, der gepriesen wird. [Anm.: mākīnayā dhiyā unklar]
vi no devāso adruho 'chidraṃ śarma yachata / na yad dūrād vasavo nū cidantito varūthamādadharṣati
Ihr Götter, die ihr ohne Trug seid, gewährt uns unzerreißbaren Schutz, dem nicht von fern, ihr Vasus, noch von nahe Feinde, die Hülle (den Hüllschutz) anzutasten wagen. [Anm.: varūtham als 'Schutzwehr']
asti hi vaḥ sajātyaṃ riśādaso devāso astyāpyam / pra ṇaḥ pūrvasmai suvitāya vocata makṣū sumnāya navyase
Denn eure Verwandtschaft besteht, ihr Feindverzehrenden Götter, eure Freundschaft besteht. Sprecht für uns zu dem früheren Glück, schnell, zur neuen Gunst.
idā hi va upastutimidā vāmasya bhaktaye / upa vo viśvavedaso namasyurānasṛkṣyanyāmiva
Jetzt ist mein Lobpreis auf euch, jetzt (erbitte ich) der Anteil am Erwünschten; euch, ihr Allwissenden, habe ich verehrend wie eine andere (Rede) ausgesandt.
Empor ist er, jener Savitar, euer Gutführer, aufgestanden, aufrecht, der Erwählenswerte; die Zweifüßer und Vierfüßer, die Bedürftigen, haben sich niedergelassen, die Vögel (Flugbereiten).
Jeden einzelnen Gott (rufen wir) zu eurer Hilfe, jeden einzelnen Gott zu Gunst, jeden einzelnen Gott mögen wir zum Gewinn der Stärke anrufen, mit göttlicher Gebetsgedanken-Rede preisend.
devāso hi ṣmā manave samanyavo viśve sākaṃ sarātayaḥ / te no adya te aparaṃ tuce tu no bhavantu varivovidaḥ
Denn die Götter sind für Manu gleichgesinnt (zornig zugleich), alle zusammen mit Gaben; sie sollen heute und künftig für uns, für unseren Nachwuchs, Weite-Findende (Raum schaffende) werden.
pra vaḥ śaṃsāmyadruhaḥ saṃstha upastutīnām / na taṃ dhūrtirvaruṇa mitra martyaṃ yo vo dhāmabhyo 'vidhat
Ich preise euch, ihr Trugfreien, in der Zusammenkunft der Lobreden; nicht kommt ihm Betrug bei, Varuṇa, Mitra, dem Sterblichen, der euch zu euren Stätten (Wohnsitzen) etwas darbringt (ehrt).
pra sa kṣayaṃ tirate vi mahīriṣo yo vo varāya dāśati / pra prajābhirjāyate dharmaṇas paryariṣṭaḥ sarva edhate
Der (Sterbliche) überschreitet seine Wohnstatt, große Labungen weit hin, der dem Erwählten gibt (dem Auserwählten Götter opfert) [?]; er wird durch die Nachkommen geboren – von der Ordnung her unversehrt gedeiht er ganz. [Anm.: varāya dāśati unsicher: 'dem Erlesenen (dem Gott) etwas gibt']
Ohne Kampf(?) findet er Kämpfer (findet er gewonnene Kämpfe) und geht auf guten Wegen; Aryaman, Mitra, Varuṇa, die Freigebigen, beschützen den, den die Einträchtigen behüten. [Anm.: ṛte yudhaḥ unklar: 'ohne Kampf findet er Kämpfe' oder 'ohne Gegner']
ajre cidasmai kṛṇuthā nyañcanaṃ durge cidā susaraṇam / eṣā cidasmādaśaniḥ paro nu sāsredhantī vi naśyatu
Auch im Zwinger (in der Ebene) macht ihr ihm einen Zurückweichpunkt (Ausweg), auch in der Unwegsamkeit gute Gangbarkeit; dieser Schlagblitz soll von ihm weg, der Feind, (der) nicht Gefährdende, vergehen. [Anm.: nyañcanam vermutlich 'Rückzug/Zuflucht']
Wort für Wort
ajre
in der Weite/Ebene (Lok. Sg.)
cit
sogar (Partikel)
asmai
ihm (Dat. Sg.)
kṛṇutha
ihr macht (2. Pl.)
ni-añcanam
Rückweg/Zuflucht (Akk. Sg.)
duḥ-ge
in der Schwerzugänglichkeit (Lok. Sg.)
cit
sogar (Partikel)
ā
hin (Präverb)
su-saraṇam
gute Gangbarkeit (Akk. Sg.)
eṣā
dieser (Nom. Sg. f.)
cit
sogar (Partikel)
asmāt
von ihm (Abl. Sg.)
aśaniḥ
Blitz/Geschoss (Nom. Sg.)
paraḥ
fern (Adv.)
nu
jetzt (Partikel)
sā
jene (Nom. Sg. f.)
asredhantī
nicht verletzend/nicht einschränkend (Nom. Sg. f.)
yadadya sūrya udyati priyakṣatrā ṛtaṃ dadha / yan nimruci prabudhi viśvavedaso yad vā madhyandine divaḥ
Wenn ihr heute beim Aufgang der Sonne, ihr, die ihr liebe Herrschaft habt, die Ordnung stützt; wenn bei der Abenddämmerung (Untergang), beim Erwachen (Aufgang), ihr Allwissenden, oder am Mittag des Himmels, ...
yad vābhipitve asurā ṛtaṃ yate chardiryema vi dāśuṣe / vayaṃ tad vo vasavo viśvavedasa upa stheyāma madhya ā
... oder ihr Asuras, wenn beim Hinzuweg-Eilen die Ordnung sich wandelt (dem Wandelnden), so gebt Schutz weithin dem Spendenden; wir wollen bei euch, ihr Vasus, Allwissende, mitten darin stehen. [Anm.: abhipitve 'Herannahen (des Abends)'; ṛtaṃ yate 'zum Gehenden, der der Ordnung folgt' unsicher]
Wenn heute bei aufgegangener Sonne, wenn am Mittag, oder zum (Sonnen-)Geleit [?], ihr Allwissenden, gebt ihr Erwünschtes dem Manu, der Opfergießenden, dem Wissenden.
vayaṃ tad vaḥ samrāja ā vṛṇīmahe putro na bahupāyyam / aśyāma tadādityā juhvato haviryena vasyo 'naśāmahai
Dies erbitten wir von euch, ihr Mit-Herrscher: den (Schutz) wie einen Sohn, den vielfach zu beschützenden; wir wollen (dies) erreichen, ihr Ādityas, die Spende dessen, der für euch opfert, mit der wir Besseres erlangt haben mögen.