Quellen der Menschheit

Ṛgveda · Maṇḍala 8

Kapitel 58: ṛgvede 8.58 · yam ṛtvijo bahudhā kalpayantaḥ sacetaso yajñamimaṃ vahanti Vom vielfältig getragenen Werk, der Einheit der Lichter, dem Wagen der Aśvins

Drei Verse: Frage nach dem Erkenntnisgewinn des Yajamāna bei der Weihehandlung (1), Aussage über das Eine in der Vielheit der Lichter Agni, Sūrya, Uṣas (2), Anruf des dreirädrigen Wagens der Aśvins (3). Vers 2 ist mehrdeutig: Kosmisch-mythologisch fest (ein Licht/Feuer in vielen Erscheinungen), monistisch-philosophische Lesart plausibel bis spekulativ; Vers 1 und 3 haben dunkle Stellen.

yam ṛtvijo bahudhā kalpayantaḥ sacetaso yajñamimaṃ vahanti / yo anūcāno brāhmaṇo yukta āsīt kā svit tatra yajamānasya saṃvit

Diese Weihehandlung, die die Ṛtvij-Priester, vielfältig zurichtend, einmütig tragen: / der Brahmane, der als Rezitationskundiger angeschirrt (eingesetzt) war — was wohl ist dort dem Yajamāna an Erkenntnis (Einvernehmen)? [Anm.: saṃvit = „Erkenntnis, Einvernehmen, Ergebnis“; der Sinn der Frage ist offen, plausibel: nach dem Nutzen der vielgestaltigen Priesterarbeit für den Veranstalter.]

Wort für Wort
yam
welche (Akk. Sg.)
ṛtvijaḥ
Priester zur rechten Zeit, Ṛtvij (Nom. Pl.)
bahudhā
vielfach (Adv.)
kalpayantaḥ
zurichtend/ordnend (Nom. Pl.)
sa-cetasaḥ
einmütig (Nom. Pl.)
yajñam
Weihehandlung (Akk. Sg.)
imam
diese (Akk. Sg.)
vahanti
tragen (3. Pl.)
yaḥ
der (Nom. Sg.)
anūcānaḥ
Rezitationskundiger (Nom. Sg.)
brāhmaṇaḥ
Brahmane (Nom. Sg.)
yuktaḥ
angeschirrt/eingesetzt (Nom. Sg.)
āsīt
war (3. Sg. Impf.)
kā
welche (Nom. Sg. fem.)
svit
wohl
tatra
dort
yajamānasya
des Veranstalters (Gen. Sg.)
sam-vit
Erkenntnis/Einvernehmen (Nom. Sg.)

eka evāgnirbahudhā samiddha ekaḥ sūryo viśvamanu prabhūtaḥ / ekaivoṣāḥ sarvamidaṃ vi bhātyekaṃ vā idaṃvi babhūva sarvam

Einer nur ist Agni, vielfältig entzündet; einer die Sonne, über das All hin verbreitet; / eine nur Uṣas, alles dies erhellt sie; Eines wahrlich hat sich zu diesem ganzen All entfaltet. [Anm.: Fest: Vielheit von Feuer, Sonne, Morgenröte als je ein Wesen. Plausibel: Einheit hinter der Vielheit. Weitergehende monistische Deutungen spekulativ.]

Wort für Wort
ekaḥ
einer (Nom. Sg.)
eva
nur
agniḥ
Agni (Nom. Sg.)
bahudhā
vielfach (Adv.)
sam-iddhaḥ
entzündet (Nom. Sg.)
ekaḥ
einer (Nom. Sg.)
sūryaḥ
Sonne (Nom. Sg.)
viśvam
All (Akk. Sg.)
anu
entlang/über
pra-bhūtaḥ
verbreitet (Nom. Sg.)
ekā
eine (Nom. Sg. fem.)
eva
nur
uṣāḥ
Uṣas (Nom. Sg.)
sarvam
alles (Akk. Sg.)
idam
dies (Akk. Sg.)
vi
auseinander
bhāti
leuchtet (3. Sg.)
ekam
Eines (Nom. Sg.)
vai
wahrlich
idam
dies (Akk. Sg.)
vi
auseinander/hinaus
babhūva
wurde/entfaltete sich (3. Sg. Perf.)
sarvam
All (Nom. Sg.)

jyotiṣmantaṃ ketumantaṃ tricakraṃ sukhaṃ rathaṃ suṣadaṃ bhūrivāram / citrāmaghā yasya yoge 'dhijajñe taṃ vāṃ huveati riktaṃ pibadhyai

Den lichtreichen, bannerreichen, dreirädrigen, leicht laufenden Wagen, gut zu besteigen, vielbegehrt — / an dessen Anschirrung ihr bunt Gabenreichen [?] entstanden seid [?]: ihn (den Wagen), euch beide, rufe ich hierher, über das Leere [?] hinaus zu trinken. [Anm.: Die Satzverbindung ist unsicher; riktam „leer“ und adhi-jajñe schwer zu fassen.]

Wort für Wort
jyotiṣmantam
lichtreich (Akk. Sg.)
ketu-mantam
bannerreich/mit Zeichen (Akk. Sg.)
tri-cakram
dreirädrig (Akk. Sg.)
su-kham
leicht laufend/wohlig (Akk. Sg.)
ratham
Wagen (Akk. Sg.)
su-sadam
gut zu besteigen (Akk. Sg.)
bhūri-vāram
vielbegehrt (Akk. Sg.)
citra-maghā
bunt/glänzend Gaben habend (Vok. Du./Nom. Pl.) [?]
yasya
dessen (Gen. Sg.)
yoge
bei der Anschirrung (Lok. Sg.)
adhi-jajñe
entstand/wurde geboren (3. Sg. Perf. Med.) [?]
tam
ihn (Akk. Sg.)
vām
euch beide (Akk. Du.)
huve
rufe (1. Sg. Med.)
ati
über/hinaus
riktam
leer/geleert [?] (Akk. Sg.)
pibadhyai
um zu trinken (Inf.)

Interaktive Leseansicht des ganzen Werks