Quellen der Menschheit

Rāmāyaṇa · Uttarakāṇḍa

Sarga 10: Vara-Pradānam Die Askese der Brüder und Brahmās Gunstgewährung

athābravīddvijaṃ rāmaḥ kathaṃ te bhrātaro vane | kīdṛśaṃ tu tadā brahmaṃstapaścerurmahāvratāḥ ||

Da fragte Rāma den Brahmanen: "Wie verhielten sich deine Brüder im Wald, und welche Art von Askese übten sie damals, o Brahmane, in großen Gelübden?"

Wort für Wort
athābravīddvijaṃ rāmaḥ
da fragte Rāma den Brahmanen
kathaṃ te bhrātaro vane
wie deine Brüder im Wald
kīdṛśaṃ tu tadā brahmaṃs
und welche Art damals, Brahmane
tapaścerurmahāvratāḥ
übten sie Askese, in großen Gelübden

agastyastvabravīttatra rāmaṃ prayata mānasaṃ | tāṃstāndharmavidhīṃstatra bhrātaraste samāviśan ||

Agastya sprach da zu Rāma, dessen Sinn geläutert war: "Jene und jene rechtschaffenen Vorschriften befolgten deine Brüder dort:

Wort für Wort
agastyastvabravīttatra
Agastya sprach da
rāmaṃ prayata mānasaṃ
zu Rāma, dessen Sinn geläutert war
tāṃstāndharmavidhīṃstatra
jene und jene Vorschriften der Rechtschaffenheit dort
bhrātaraste samāviśan
befolgten deine Brüder

kumbhakarṇastadā yatto nityaṃ dharmaparāyaṇaḥ | tatāpa graiṣmike kāle pañcasvagniṣvavasthitaḥ ||

Kumbhakarṇa, damals bemüht, stets der Rechtschaffenheit hingegeben, übte Askese in der Sommerzeit, inmitten von fünf Feuern stehend.

Wort für Wort
kumbhakarṇastadā yatto
Kumbhakarṇa, damals bemüht
nityaṃ dharmaparāyaṇaḥ
stets der Rechtschaffenheit hingegeben
tatāpa graiṣmike kāle
übte Askese in der Sommerzeit
pañcasvagniṣvavasthitaḥ
inmitten von fünf Feuern stehend

varṣe meghodakaklinno vīrāsanamasevata | nityaṃ ca śaiśire kāle jalamadhyapratiśrayaḥ ||

Zur Regenzeit, vom Wolkenwasser durchnässt, übte er den Heldensitz, und stets zur Winterzeit hielt er sich inmitten von Wasser auf.

Wort für Wort
varṣe meghodakaklinno
zur Regenzeit, vom Wolkenwasser durchnässt
vīrāsanamasevata
übte er den Heldensitz
nityaṃ ca śaiśire kāle
und stets zur Winterzeit
jalamadhyapratiśrayaḥ
hielt er sich inmitten von Wasser auf

evaṃ varṣasahasrāṇi daśa tasyāticakramuḥ | dharme prayatamānasya satpathe niṣṭhitasya ca ||

So vergingen ihm zehntausend Jahre, dessen Sinn der Rechtschaffenheit geläutert war und der auf dem rechten Pfad feststand.

Wort für Wort
evaṃ varṣasahasrāṇi
so tausend Jahre
daśa tasyāticakramuḥ
zehnmal vergingen ihm
dharme prayatamānasya
dessen Sinn der Rechtschaffenheit geläutert war
satpathe niṣṭhitasya ca
und der auf dem rechten Pfad feststand

vibhīṣaṇastu dharmātmā nityaṃ dharmaparaḥ śuciḥ | pañcavarṣasahasrāṇi pādenaikena tasthivān ||

Vibhīṣaṇa aber, der Rechtschaffene, stets der Rechtschaffenheit hingegeben, rein, verharrte fünftausend Jahre auf einem einzigen Fuß.

Wort für Wort
vibhīṣaṇastu dharmātmā
Vibhīṣaṇa aber, der Rechtschaffene
nityaṃ dharmaparaḥ śuciḥ
stets der Rechtschaffenheit hingegeben, rein
pañcavarṣasahasrāṇi
fünftausend Jahre
pādenaikena tasthivān
verharrte er auf einem einzigen Fuß

samāpte niyame tasya nanṛtuścāpsarogaṇāḥ | papāta puṣpavarṣaṃ ca kṣubhitāścāpi devatāḥ ||

Als seine Gelübde vollendet waren, tanzten die Scharen der Apsaras, ein Blütenregen fiel, und auch die Götter waren erregt.

Wort für Wort
samāpte niyame tasya
als seine Gelübde vollendet waren
nanṛtuścāpsarogaṇāḥ
tanzten die Scharen der Apsaras
papāta puṣpavarṣaṃ ca
ein Blütenregen fiel
kṣubhitāścāpi devatāḥ
und auch die Götter waren erregt

pañcavarṣasahasrāṇi sūryaṃ caivānvavartata | tasthau cordhvaśiro bāhuḥ svādhyāyadhṛtamānasaḥ ||

Fünftausend Jahre lang folgte er auch der Sonne, mit erhobenem Haupt und Armen stehend, seinen Sinn der Vedenrezitation verhaftet.

Wort für Wort
pañcavarṣasahasrāṇi
fünftausend Jahre
sūryaṃ caivānvavartata
folgte er auch der Sonne
tasthau cordhvaśiro bāhuḥ
er stand mit erhobenem Haupt und Armen
svādhyāyadhṛtamānasaḥ
seinen Sinn der Vedenrezitation verhaftet

evaṃ vibhīṣaṇasyāpi gatāni niyatātmanaḥ | daśavarṣasahasrāṇi svargasthasyeva nandane ||

So vergingen auch Vibhīṣaṇa, dem Selbstbeherrschten, zehntausend Jahre, wie einem im Himmel im Nandana-Garten Weilenden.

Wort für Wort
evaṃ vibhīṣaṇasyāpi
so auch Vibhīṣaṇa
gatāni niyatātmanaḥ
vergingen dem Selbstbeherrschten
daśavarṣasahasrāṇi
zehntausend Jahre
svargasthasyeva nandane
wie einem im Nandana-Garten des Himmels Weilenden

daśavarṣasahasraṃ tu nirāhāro daśānanaḥ | pūrṇe varṣasahasre tu śiraścāgnau juhāva saḥ ||

Der Zehnköpfige aber verweilte ohne Nahrung zehntausend Jahre; und nach Vollendung jedes tausendsten Jahres opferte er ein Haupt im Feuer.

Wort für Wort
daśavarṣasahasraṃ tu
zehntausend Jahre aber
nirāhāro daśānanaḥ
der Zehnköpfige ohne Nahrung
pūrṇe varṣasahasre tu
nach Vollendung jedes tausendsten Jahres
śiraścāgnau juhāva saḥ
opferte er ein Haupt im Feuer

evaṃ varṣasahasrāṇi nava tasyāticakramuḥ | śirāṃsi nava cāpyasya praviṣṭāni hutāśanam ||

So vergingen ihm neuntausend Jahre, und neun seiner Häupter gingen in das Feuer ein.

Wort für Wort
evaṃ varṣasahasrāṇi
so tausend Jahre
nava tasyāticakramuḥ
neunmal vergingen ihm
śirāṃsi nava cāpyasya
und auch neun seiner Häupter
praviṣṭāni hutāśanam
gingen ein in das Feuer

atha varṣasahasre tu daśame daśamaṃ śiraḥ | chettukāmaḥ sa dharmātmā prāptaścātra pitāmahaḥ ||

Da, im zehnten Jahrtausend, als er, der Rechtschaffene, sein zehntes Haupt abschneiden wollte, erschien der Großvater hier.

Wort für Wort
atha varṣasahasre tu
da im Jahrtausend
daśame daśamaṃ śiraḥ
dem zehnten, das zehnte Haupt
chettukāmaḥ sa dharmātmā
abschneiden wollend, er, der Rechtschaffene
prāptaścātra pitāmahaḥ
erschien hier der Großvater

pitāmahastu suprītaḥ sārdhaṃ devairupasthitaḥ | vatsa vatsa daśagrīva prīto.asmītyabhyabhāṣata ||

Der Großvater, hocherfreut, mit den Göttern herbeigekommen, sprach: "Mein Kind, mein Kind Daśagrīva, ich bin zufrieden.

Wort für Wort
pitāmahastu suprītaḥ
der Großvater, hocherfreut
sārdhaṃ devairupasthitaḥ
mit den Göttern herbeigekommen
vatsa vatsa daśagrīva
mein Kind, mein Kind Daśagrīva
prīto.asmītyabhyabhāṣata
ich bin zufrieden, so sprach er

śīghraṃ varaya dharmajña varo yaste.abhikāṅkṣitaḥ | kiṃ te kāmaṃ karomyadya na vṛthā te pariśramaḥ ||

Wähle rasch, Kenner der Rechtschaffenheit, die Gunst, die du dir wünschst; welchen Wunsch soll ich dir heute erfüllen? Nicht vergeblich sei deine Mühe."

Wort für Wort
śīghraṃ varaya dharmajña
wähle rasch, Kenner der Rechtschaffenheit
varo yaste.abhikāṅkṣitaḥ
die Gunst, die du dir wünschst
kiṃ te kāmaṃ karomyadya
welchen Wunsch soll ich dir heute erfüllen
na vṛthā te pariśramaḥ
nicht vergeblich sei deine Mühe

tato.abravīddaśagrīvaḥ prahṛṣṭenāntarātmanā | praṇamya śirasā devaṃ harṣagadgadayā girā ||

Da sprach Daśagrīva, mit hocherfreutem innerem Gemüt, sich vor dem Gott mit dem Haupt verneigend, mit vor Freude stockender Stimme:

Wort für Wort
tato.abravīddaśagrīvaḥ
da sprach Daśagrīva
prahṛṣṭenāntarātmanā
mit hocherfreutem innerem Gemüt
praṇamya śirasā devaṃ
sich vor dem Gott mit dem Haupt verneigend
harṣagadgadayā girā
mit vor Freude stockender Stimme

bhagavanprāṇināṃ nityaṃ nānyatra maraṇādbhayam | nāsti mṛtyusamaḥ śatruramaratvamato vṛṇe ||

"O Ehrwürdiger, für die Lebewesen gibt es stets keine andere Furcht als den Tod; es gibt keinen dem Tod gleichen Feind – darum wähle ich Unsterblichkeit.

Wort für Wort
bhagavanprāṇināṃ nityaṃ
o Ehrwürdiger, für die Lebewesen stets
nānyatra maraṇādbhayam
keine andere Furcht als vor dem Tod
nāsti mṛtyusamaḥ śatrur
es gibt keinen dem Tod gleichen Feind
amaratvamato vṛṇe
darum wähle ich Unsterblichkeit

suparṇanāgayakṣāṇāṃ daityadānavarakṣasām | avadhyaḥ syāṃ prajādhyakṣa devatānāṃ ca śāśvatam ||

Unantastbar möge ich sein für Vogelwesen, Nāgas, Yakṣas, Daityas, Dānavas und Rākṣasas, o Herr über die Geschöpfe, und für die Götter auf ewig.

Wort für Wort
suparṇanāgayakṣāṇāṃ
für Vogelwesen, Nāgas, Yakṣas
daityadānavarakṣasām
für Daityas, Dānavas und Rākṣasas
avadhyaḥ syāṃ prajādhyakṣa
möge ich unantastbar sein, Herr über die Geschöpfe
devatānāṃ ca śāśvatam
und für die Götter auf ewig

na hi cintā mamānyeṣu prāṇiṣvamarapūjita | tṛṇabhūtā hi me sarve prāṇino mānuṣādayaḥ ||

Um andere Wesen sorge ich mich nicht, o von den Unsterblichen Verehrter; wie Gras sind mir alle Lebewesen, die Menschen und dergleichen."

Wort für Wort
na hi cintā mamānyeṣu
um andere sorge ich mich nicht
prāṇiṣvamarapūjita
Wesen, o von den Unsterblichen Verehrter
tṛṇabhūtā hi me sarve
wie Gras sind mir alle
prāṇino mānuṣādayaḥ
Lebewesen, die Menschen und dergleichen

evamuktastu dharmātmā daśagrīveṇa rakṣasā | uvāca vacanaṃ rāma saha devaiḥ pitāmahaḥ ||

So von dem Rākṣasa Daśagrīva angesprochen, sprach der rechtschaffene Großvater, o Rāma, zusammen mit den Göttern, dieses Wort:

Wort für Wort
evamuktastu dharmātmā
so angesprochen, der Rechtschaffene
daśagrīveṇa rakṣasā
von dem Rākṣasa Daśagrīva
uvāca vacanaṃ rāma
sprach dieses Wort, Rāma
saha devaiḥ pitāmahaḥ
der Großvater, zusammen mit den Göttern

bhaviṣyatyevamevaitattava rākṣasapuṅgava | śṛṇu cāpi vaco bhūyaḥ prītasyeha śubhaṃ mama ||

"So wird es dir sein, o Stier der Rākṣasas; höre aber noch weiter mein heilvolles Wort, das ich, hier erfreut, spreche.

Wort für Wort
bhaviṣyatyevamevaitat
so wird es sein
tava rākṣasapuṅgava
dir, Stier der Rākṣasas
śṛṇu cāpi vaco bhūyaḥ
höre aber noch weiter das Wort
prītasyeha śubhaṃ mama
mein heilvolles, hier erfreut

hutāni yāni śīrṣāṇi pūrvamagnau tvayānagha | punastāni bhaviṣyanti tathaiva tava rākṣasa ||

Die Häupter, die du zuvor im Feuer geopfert hast, du Makelloser, sie werden dir, o Rākṣasa, ebenso wieder wachsen."

Wort für Wort
hutāni yāni śīrṣāṇi
die Häupter, die geopfert wurden
pūrvamagnau tvayānagha
zuvor im Feuer von dir, Makelloser
punastāni bhaviṣyanti
sie werden wieder entstehen
tathaiva tava rākṣasa
ebenso dir, Rākṣasa

evaṃ pitāmahoktasya daśagrīvasya rakṣasaḥ | agnau hutāni śīrṣāṇi yāni tānyutthitāni vai ||

So, wie vom Großvater dem Rākṣasa Daśagrīva gesagt, wuchsen die im Feuer geopferten Häupter wieder hervor.

Wort für Wort
evaṃ pitāmahoktasya
so, vom Großvater gesagt
daśagrīvasya rakṣasaḥ
dem Rākṣasa Daśagrīva
agnau hutāni śīrṣāṇi
die im Feuer geopferten Häupter
yāni tānyutthitāni vai
sie wuchsen wieder hervor

evamuktvvā tu taṃ rāma daśagrīvaṃ prajāpatiḥ | vibhīṣaṇamathovāca vākyaṃ lokapitāmahaḥ ||

Nachdem er so zu Daśagrīva gesprochen hatte, o Rāma, sprach der Herr der Geschöpfe, der Großvater der Welt, sodann zu Vibhīṣaṇa dieses Wort:

Wort für Wort
evamuktvvā tu taṃ rāma
nachdem er so zu ihm gesprochen hatte, Rāma
daśagrīvaṃ prajāpatiḥ
zu Daśagrīva, der Herr der Geschöpfe
vibhīṣaṇamathovāca
sprach er sodann zu Vibhīṣaṇa
vākyaṃ lokapitāmahaḥ
dieses Wort, der Großvater der Welt

vibhīṣaṇa tvayā vatsa dharmasaṃhitabuddhinā | parituṣṭo.asmi dharmajña varaṃ varaya suvrata ||

"Vibhīṣaṇa, mein Kind, durch dich, dessen Sinn mit der Rechtschaffenheit vereint ist, bin ich zufrieden; wähle eine Gunst, Kenner der Rechtschaffenheit, du Tugendhafter."

Wort für Wort
vibhīṣaṇa tvayā vatsa
Vibhīṣaṇa, mein Kind, durch dich
dharmasaṃhitabuddhinā
dessen Sinn mit der Rechtschaffenheit vereint ist
parituṣṭo.asmi dharmajña
bin ich zufrieden, Kenner der Rechtschaffenheit
varaṃ varaya suvrata
wähle eine Gunst, Tugendhafter

vibhīṣaṇastu dharmātmā vacanaṃ prāha sāñjaliḥ | vṛtaḥ sarvaguṇairnityaṃ candramā iva raśmibhiḥ ||

Vibhīṣaṇa, der Rechtschaffene, mit allen Tugenden stets umgeben wie der Mond mit seinen Strahlen, sprach die Hände zum Gruß gefaltet dieses Wort:

Wort für Wort
vibhīṣaṇastu dharmātmā
Vibhīṣaṇa aber, der Rechtschaffene
vacanaṃ prāha sāñjaliḥ
sprach dieses Wort, die Hände gefaltet
vṛtaḥ sarvaguṇairnityaṃ
umgeben mit allen Tugenden stets
candramā iva raśmibhiḥ
wie der Mond mit seinen Strahlen

bhagavankṛtakṛtyo.ahaṃ yanme lokaguruḥ svayam | prīto yadi tvaṃ dātavyaṃ varaṃ me śṛṇu suvrata ||

"O Ehrwürdiger, mein Werk ist vollbracht, dass der Lehrer der Welt selbst mit mir zufrieden ist; wenn du mir eine Gunst gewähren willst, so höre, du Tugendhafter, welche Gunst ich mir wünsche:

Wort für Wort
bhagavankṛtakṛtyo.ahaṃ
o Ehrwürdiger, mein Werk ist vollbracht
yanme lokaguruḥ svayam
dass der Lehrer der Welt selbst mit mir
prīto yadi tvaṃ dātavyaṃ
zufrieden ist; wenn du gewähren willst
varaṃ me śṛṇu suvrata
die Gunst, die ich mir wünsche, höre, Tugendhafter

yā yā me jāyate buddhiryeṣu yeṣvāśrameṣviha | sā sā bhavatu dharmiṣṭhā taṃ taṃ dharmaṃ ca pālaye ||

Welcher Sinn auch immer in mir entsteht, in welchen Lebensstadien auch immer, so möge er stets der Rechtschaffenheit ergeben sein, und jene Rechtschaffenheit möge ich bewahren.

Wort für Wort
yā yā me jāyate buddhir
welcher Sinn auch immer in mir entsteht
yeṣu yeṣvāśrameṣviha
in welchen Lebensstadien auch immer hier
sā sā bhavatu dharmiṣṭhā
so möge er der Rechtschaffenheit ergeben sein
taṃ taṃ dharmaṃ ca pālaye
und jene Rechtschaffenheit möge ich bewahren

eṣa me paramodāra varaḥ paramako mataḥ | na hi dharmābhiraktānāṃ loke kiṃ cana durlabham ||

Dies ist mir, o überaus Großmütiger, als die höchste Gunst erachtet; denn für die der Rechtschaffenheit Ergebenen gibt es in der Welt nichts Unerreichbares."

Wort für Wort
eṣa me paramodāra
dies ist mir, überaus Großmütiger
varaḥ paramako mataḥ
als höchste Gunst erachtet
na hi dharmābhiraktānāṃ
denn für die der Rechtschaffenheit Ergebenen
loke kiṃ cana durlabham
gibt es in der Welt nichts Unerreichbares

atha prajāpatiḥ prīto vibhīṣaṇamuvāca ha | dharmiṣṭhastvaṃ yathā vatsa tathā caitadbhaviṣyati ||

Da sprach der zufriedene Herr der Geschöpfe zu Vibhīṣaṇa: "Wie du der Rechtschaffenheit ergeben bist, mein Kind, so wird es auch geschehen.

Wort für Wort
atha prajāpatiḥ prīto
da der zufriedene Herr der Geschöpfe
vibhīṣaṇamuvāca ha
sprach zu Vibhīṣaṇa
dharmiṣṭhastvaṃ yathā vatsa
wie du der Rechtschaffenheit ergeben bist, mein Kind
tathā caitadbhaviṣyati
so wird es auch geschehen

yasmādrākṣasayonau te jātasyāmitrakarṣaṇa | nādharme jāyate buddhiramaratvaṃ dadāmi te ||

Weil dir, obwohl im Rākṣasa-Schoß geboren, o Feindebezwinger, kein Sinn für Unrecht entsteht, gewähre ich dir Unsterblichkeit."

Wort für Wort
yasmādrākṣasayonau te
weil dir im Rākṣasa-Schoß
jātasyāmitrakarṣaṇa
obwohl geboren, Feindebezwinger
nādharme jāyate buddhir
kein Sinn für Unrecht entsteht
amaratvaṃ dadāmi te
gewähre ich dir Unsterblichkeit

kumbhakarṇāya tu varaṃ prayacchantamarindama | prajāpatiṃ surāḥ sarve vākyaṃ prāñjalayo.abruvan ||

Als der Feindebezwinger, der Herr der Geschöpfe, dem Kumbhakarṇa eine Gunst gewähren wollte, sprachen alle Götter, die Hände zum Gruß gefaltet, dieses Wort:

Wort für Wort
kumbhakarṇāya tu varaṃ
dem Kumbhakarṇa aber eine Gunst
prayacchantamarindama
gewähren wollend, dem Feindebezwinger
prajāpatiṃ surāḥ sarve
zum Herrn der Geschöpfe alle Götter
vākyaṃ prāñjalayo.abruvan
sprachen dieses Wort, die Hände gefaltet

na tāvatkumbhakarṇāya pradātavyo varastvayā | jānīṣe hi yathā lokāṃstrāsayatyeṣa durmatiḥ ||

"Nicht sollte dem Kumbhakarṇa eine Gunst von dir gewährt werden; du weißt ja, wie dieser Übelgesinnte die Welten in Schrecken versetzt.

Wort für Wort
na tāvatkumbhakarṇāya
nicht sollte dem Kumbhakarṇa
pradātavyo varastvayā
eine Gunst von dir gewährt werden
jānīṣe hi yathā lokāṃs
du weißt ja, wie die Welten
trāsayatyeṣa durmatiḥ
dieser Übelgesinnte in Schrecken versetzt

nandane.apsarasaḥ sapta mahendrānucarā daśa | anena bhakṣitā brahmanṛṣayo mānuṣāstathā ||

Sieben Apsaras im Nandana-Garten, zehn Gefolgsleute Mahendras – von diesem wurden sie verschlungen, o Brahmane, Ṛṣis und ebenso Menschen.

Wort für Wort
nandane.apsarasaḥ sapta
sieben Apsaras im Nandana-Garten
mahendrānucarā daśa
zehn Gefolgsleute Mahendras
anena bhakṣitā brahman
von diesem wurden sie verschlungen, Brahmane
ṛṣayo mānuṣāstathā
Ṛṣis und ebenso Menschen

varavyājena moho.asmai dīyatām amitaprabha | lokānāṃ svasti caiva syādbhavedasya ca saṃnatiḥ ||

Unter dem Vorwand einer Gunst möge ihm Verblendung gegeben werden, o du von unermesslichem Glanz; so möge das Heil der Welten bestehen, und er selbst gedemütigt werden."

Wort für Wort
varavyājena moho.asmai
unter dem Vorwand einer Gunst Verblendung ihm
dīyatām amitaprabha
möge gegeben werden, du von unermesslichem Glanz
lokānāṃ svasti caiva syād
so möge das Heil der Welten bestehen
bhavedasya ca saṃnatiḥ
und er selbst gedemütigt werden

evamuktaḥ surairbrahmācintayatpadmasambhavaḥ | cintitā copatasthe.asya pārśvaṃ devī sarasvatī ||

So von den Göttern angesprochen, überlegte Brahmā, der Lotusgeborene; und als er überlegte, trat die Göttin Sarasvatī an seine Seite.

Wort für Wort
evamuktaḥ surairbrahmā
so von den Göttern angesprochen, Brahmā
cintayatpadmasambhavaḥ
überlegte der Lotusgeborene
cintitā copatasthe.asya
und als er überlegte, trat herzu
pārśvaṃ devī sarasvatī
an seine Seite die Göttin Sarasvatī

prāñjaliḥ sā tu parśvasthā prāha vākyaṃ sarasvatī | iyamasmyāgatā devakiṃ kāryaṃ karavāṇyaham ||

Sie, an seiner Seite stehend, die Hände zum Gruß gefaltet, sprach, Sarasvatī, dieses Wort: "Hier bin ich gekommen, o Gott – welchen Dienst soll ich verrichten?"

Wort für Wort
prāñjaliḥ sā tu parśvasthā
sie, an der Seite stehend, die Hände gefaltet
prāha vākyaṃ sarasvatī
sprach dieses Wort, Sarasvatī
iyamasmyāgatā deva
hier bin ich gekommen, Gott
kiṃ kāryaṃ karavāṇyaham
welchen Dienst soll ich verrichten

prajāpatistu tāṃ prāptāṃ prāha vākyaṃ sarasvatīm | vāṇi tvaṃ rākṣasendrasya bhava yā devatepsitā ||

Der Herr der Geschöpfe sprach zu der herbeigekommenen Sarasvatī dieses Wort: "O Sprache, sei du für den Herrn der Rākṣasas das, was die Götter wünschen,

Wort für Wort
prajāpatistu tāṃ prāptāṃ
der Herr der Geschöpfe zu der herbeigekommenen
prāha vākyaṃ sarasvatīm
sprach zu Sarasvatī dieses Wort
vāṇi tvaṃ rākṣasendrasya
o Sprache, du für den Herrn der Rākṣasas
bhava yā devatepsitā
sei das, was die Götter wünschen

tathetyuktvā praviṣṭā sā prajāpatirathābravīt | kumbhakarṇa mahābāho varaṃ varaya yo mataḥ ||

"So sei es", sprach sie und ging ein; dann sprach der Herr der Geschöpfe: "Kumbhakarṇa, Großarmiger, wähle die Gunst, die dir gefällt."

Wort für Wort
tathetyuktvā praviṣṭā sā
"so sei es", sprach sie und ging ein
prajāpatirathābravīt
dann sprach der Herr der Geschöpfe
kumbhakarṇa mahābāho
Kumbhakarṇa, Großarmiger
varaṃ varaya yo mataḥ
wähle die Gunst, die dir gefällt

kumbhakarṇastu tadvākyaṃ śrutvā vacanamabravīt | svaptuṃ varṣāṇyanekāni devadeva mamepsitam ||

Kumbhakarṇa aber, als er dieses Wort gehört hatte, sprach diese Worte: "Viele Jahre zu schlafen, o Gott der Götter, ist mein Wunsch."

Wort für Wort
kumbhakarṇastu tadvākyaṃ
Kumbhakarṇa aber, dieses Wort
śrutvā vacanamabravīt
gehört habend, sprach er dieses Wort
svaptuṃ varṣāṇyanekāni
viele Jahre zu schlafen
devadeva mamepsitam
o Gott der Götter, ist mein Wunsch

evamastviti taṃ coktvā saha devaiḥ pitāmahaḥ | devī sarasvatī caivamuktvā taṃ prayayau divam ||

"So sei es", sprach der Großvater samt den Göttern zu ihm, und auch die Göttin Sarasvatī, nachdem sie dies gesprochen hatte, zog zum Himmel.

Wort für Wort
evamastviti taṃ coktvā
"so sei es", zu ihm gesprochen
saha devaiḥ pitāmahaḥ
der Großvater samt den Göttern
devī sarasvatī caivamuktvā
und auch die Göttin Sarasvatī, dies gesprochen habend
taṃ prayayau divam
zog sie zum Himmel

kumbhakarṇastu duṣṭātmā cintayāmāsa duḥkhitaḥ | kīrdṛśaṃ kiṃ nvidaṃ vākyaṃ mamādya vadanāccyutam ||

Kumbhakarṇa aber, von bösem Gemüt, überlegte betrübt: "Was für ein Wort ist dies, das mir heute aus dem Mund entfahren ist?

Wort für Wort
kumbhakarṇastu duṣṭātmā
Kumbhakarṇa aber, von bösem Gemüt
cintayāmāsa duḥkhitaḥ
überlegte er betrübt
kīrdṛśaṃ kiṃ nvidaṃ vākyaṃ
was für ein Wort ist dies
mamādya vadanāccyutam
mir heute aus dem Mund entfahren

evaṃ labdhavarāḥ sarve bhrātaro dīptatejasaḥ | śleṣmātakavanaṃ gatvā tatra te nyavasansukham ||

So, nachdem alle Brüder, von loderndem Glanz, ihre Gunst erlangt hatten, gingen sie zum Śleṣmātaka-Wald und wohnten dort glücklich.

Wort für Wort
evaṃ labdhavarāḥ sarve
so, nachdem alle die Gunst erlangt hatten
bhrātaro dīptatejasaḥ
die Brüder, von loderndem Glanz
śleṣmātakavanaṃ gatvā
zum Śleṣmātaka-Wald gehend
tatra te nyavasansukham
wohnten sie dort glücklich

Interaktive Leseansicht des ganzen Werks