Quellen der Menschheit

Rāmāyaṇa · Uttarakāṇḍa

Sarga 33: Pulastya-Rāvaṇa-Mokṣaḥ Pulastyas Bitte an Kārtavīrya Arjuna und die Freilassung Rāvaṇas

rāvaṇagrahaṇaṃ tattu vāyugrahaṇasaṃnibham . ṛṣiḥ pulastyaḥ śuśrāva kathitaṃ divi daivataiḥ ..1..

Jene Gefangennahme Rāvaṇas — die einer Gefangennahme des Windes glich — vernahm der Weise Pulastya, wie sie von den Göttern im Himmel erzählt wurde.

Wort für Wort
rāvaṇagrahaṇaṃ tat tu
jene Gefangennahme Rāvaṇas aber
vāyugrahaṇasaṃnibham
einer Gefangennahme des Windes gleichend
ṛṣiḥ pulastyaḥ śuśrāva
vernahm der Weise Pulastya
kathitaṃ divi daivataiḥ
erzählt im Himmel von den Göttern

tataḥ putrasutasnehātkampyamāno mahādhṛtiḥ . māhiṣmatīpatiṃ draṣṭumājagāma mahānṛṣiḥ ..2..

Da, aus Liebe zum Sohn seines Sohnes erzitternd, obwohl von großer Standhaftigkeit, kam der große Weise, um den Herrn von Māhiṣmatī aufzusuchen.

Wort für Wort
tataḥ putrasutasnehāt
da aus Liebe zum Sohn seines Sohnes
kampyamānaḥ mahādhṛtiḥ
erzitternd, obwohl von großer Standhaftigkeit
māhiṣmatīpatiṃ draṣṭum
um den Herrn von Māhiṣmatī zu sehen
ājagāma mahān ṛṣiḥ
kam der große Weise

sa vāyumārgamāsthāya vāyutulyagatirdvijaḥ . purīṃ māhiṣmatīṃ prāpto manaḥsantāpavikramaḥ ..3..

Er, der Zweifachgeborene, dessen Geschwindigkeit der des Windes glich, gelangte, den Weg des Windes einschlagend, mit von Seelenschmerz getriebenem Schritt zur Stadt Māhiṣmatī.

Wort für Wort
sa vāyumārgam āsthāya
er, den Weg des Windes einschlagend
vāyutulyagatiḥ dvijaḥ
der Zweifachgeborene, dessen Geschwindigkeit der des Windes glich
purīṃ māhiṣmatīṃ prāptaḥ
gelangte zur Stadt Māhiṣmatī
manaḥsantāpavikramaḥ
mit von Seelenschmerz getriebenem Schritt

so.amarāvatisaṅkāśāṃ hṛṣṭapuṣṭajanāvṛtām . praviveśa purīṃ brahmā indrasyevāmarāvatīm ..4..

Er, der Brahmane, betrat jene Stadt, die der Amarāvatī glich, von frohen, wohlgenährten Menschen bewohnt, wie Indras Amarāvatī.

Wort für Wort
saḥ amarāvatisaṅkāśām
er, die der Amarāvatī gleichende
hṛṣṭapuṣṭajanāvṛtām
von frohen, wohlgenährten Menschen bewohnte
praviveśa purīṃ brahmā
betrat der Brahmane die Stadt
indrasya iva amarāvatīm
wie Indras Amarāvatī

pādacāramivādityaṃ niṣpatantaṃ sudurdṛśam . tatste pratyabhijñāya arjunāya nyavedayan ..5..

Als sie ihn erkannten — der wie die zu Fuß herabsteigende, kaum anzuschauende Sonne einherschritt —, meldeten sie ihn Arjuna.

Wort für Wort
pādacāram iva ādityam
wie die zu Fuß gehende Sonne
niṣpatantaṃ sudurdṛśam
herabsteigend, kaum anzuschauen
tat te pratyabhijñāya
dies erkennend, sie
arjunāya nyavedayan
meldeten sie es Arjuna

pulastya iti taṃ śrutvā vacanaṃ haihayādhipaḥ . śirasyañjalimuddhṛtya pratyudgacchaddvijottamam ..6..

Als der Herr der Haihayas das Wort 'Pulastya' hörte, erhob er die gefalteten Hände zum Haupt und ging dem Besten der Zweifachgeborenen entgegen.

Wort für Wort
pulastyaḥ iti taṃ śrutvā vacanam
'Pulastya', dieses Wort hörend
haihayādhipaḥ
der Herr der Haihayas
śirasi añjalim uddhṛtya
die gefalteten Hände zum Haupt erhebend
pratyudgacchat dvijottamam
ging er dem Besten der Zweifachgeborenen entgegen

purohito.asyā gṛhyārghyaṃ madhuparkaṃ tathāiva ca . purastātprayayau rājña indrasyeva bṛhaspatiḥ ..7..

Sein Hofpriester, Ehrengabe und Willkommenstrank ergreifend, schritt dem König voran, wie Bṛhaspati vor Indra.

Wort für Wort
purohitaḥ asya gṛhya
sein Hofpriester, ergreifend
arghyaṃ madhuparkaṃ tathā eva ca
Ehrengabe und ebenso den Willkommenstrank
purastāt prayayau rājñaḥ
schritt dem König voran
indrasya iva bṛhaspatiḥ
wie Bṛhaspati vor Indra

tatastamṛṣimāyāntamudyantamiva bhāskaram . arjuno dṛśya samprāptaṃ vavandendra iveśvaram ..8..

Dann, als er den herannahenden Weisen erblickte, der wie die aufgehende Sonne war, verehrte Arjuna ihn, den Angekommenen, wie Indra den höchsten Herrn verehrt.

Wort für Wort
tataḥ tam ṛṣim āyāntam
dann jenen Weisen herannahend
udyantam iva bhāskaram
wie die aufgehende Sonne
arjunaḥ dṛśya samprāptam
Arjuna, ihn sehend, den Angekommenen
vavanda indraḥ iva īśvaram
verehrte er, wie Indra den Herrn

sa tasya madhuparkaṃ ca pādyamarghyaṃ ca dāpayan . pulastyamāha rājendro harṣagadgadayā girā ..9..

Er, der Herr der Könige, ließ ihm Willkommenstrank, Fußwaschwasser und Ehrengabe darreichen und sprach zu Pulastya mit vor Freude stockender Stimme:

Wort für Wort
sa tasya madhuparkaṃ ca
er ihm Willkommenstrank
pādyam arghyaṃ ca dāpayan
und Fußwasser und Ehrengabe darreichen lassend
pulastyam āha rājendraḥ
sprach der Herr der Könige zu Pulastya
harṣagadgadayā girā
mit vor Freude stockender Stimme

adyeyamamarāvatyā tulyā māhiṣmatī kṛtā . adyāhaṃ tu dvijendrendra yasmātpaśyāmi durdṛśam ..10..

'Heute ist diese meine Stadt Māhiṣmatī der Amarāvatī gleichgemacht worden; heute, o Herr der Herren der Zweifachgeborenen, da ich den kaum zu Schauenden erblicke.'

Wort für Wort
adya iyam amarāvatyā tulyā
heute ist diese der Amarāvatī gleich
māhiṣmatī kṛtā
Māhiṣmatī gemacht worden
adya aham tu dvijendrendra
heute ich aber, o Herr der Herren der Zweifachgeborenen
yasmāt paśyāmi durdṛśam
da ich den kaum Anzuschauenden erblicke

adya me kuśalaṃ deva adya me kulamuddhṛtam . yatte devagaṇairvandyau vande.ahaṃ caraṇāvimau ..11..

'Heute ist mir Wohlergehen zuteil geworden, o Gott, heute ist mein Geschlecht erhöht worden, da ich diese deine von Götterscharen verehrten beiden Füße verehre.'

Wort für Wort
adya me kuśalaṃ deva
heute ist mir Wohlergehen, o Gott
adya me kulam uddhṛtam
heute ist mein Geschlecht erhöht
yat te devagaṇaiḥ vandyau
da ich diese deine von Götterscharen verehrten
vande aham caraṇau imau
verehre ich diese beiden Füße

idaṃ rājyamime putrā ime dārā ime vayam . brahmankiṃ kurma kiṃ kāryamājñāpayatu no bhavān ..12..

'Dies Reich, diese meine Söhne, diese meine Frauen, wir selbst — was sollen wir tun, o Brahmane? Welchen Auftrag mögest du uns erteilen?'

Wort für Wort
idaṃ rājyam ime putrāḥ
dies Reich, diese Söhne
ime dārāḥ ime vayam
diese Frauen, wir selbst
brahman kiṃ kurma kiṃ kāryam
o Brahmane, was sollen wir tun, welche Aufgabe
ājñāpayatu naḥ bhavān
möge Euer Gnaden uns befehlen

taṃ dharme.agniṣu bhṛtyeṣu śivaṃ pṛṣṭvātha pārthivam . pulastyovāca rājānaṃ haihayānāṃ tadārjunam ..13..

Nachdem er den König nach seinem Wohlergehen in Bezug auf Recht, Opferfeuer und Dienerschaft gefragt hatte, sprach Pulastya zu jenem Arjuna, dem König der Haihayas:

Wort für Wort
taṃ dharme agniṣu bhṛtyeṣu
ihn nach Recht, Opferfeuern und Dienern
śivaṃ pṛṣṭvā atha pārthivam
nach dem Wohlergehen fragend, den König
pulastyaḥ uvāca rājānam
sprach Pulastya zum König
haihayānāṃ tadā arjunam
der Haihayas, zu jenem Arjuna

rājendrāmalapadmākṣapūrṇacandranibhānana . atulaṃ te balaṃ yena daśagrīvastvayā jitaḥ ..14..

'O Herr der Könige, mit makellosen Lotosaugen und einem dem Vollmond gleichenden Antlitz, unvergleichlich ist deine Kraft, durch die der Zehnhalsige von dir besiegt wurde.'

Wort für Wort
rājendra amalapadmākṣa
o Herr der Könige, mit makellosen Lotosaugen
pūrṇacandranibhānana
mit einem dem Vollmond gleichenden Antlitz
atulaṃ te balaṃ yena
unvergleichlich ist deine Kraft, durch die
daśagrīvaḥ tvayā jitaḥ
der Zehnhalsige von dir besiegt wurde

bhayādyasyāvatiṣṭhetāṃ niṣpandau sāgarānilau . so.ayamadya tvayā baddhaḥ pautro me.atīvadurjayaḥ ..15..

'Er, aus Furcht vor dem selbst Meer und Wind reglos stillstehen — er, mein Enkel, überaus schwer zu bezwingen, wurde nun von dir gebunden.'

Wort für Wort
bhayāt yasya avatiṣṭhetām
aus Furcht vor dem stillstehen
niṣpandau sāgarānilau
reglos, Meer und Wind
saḥ ayam adya tvayā baddhaḥ
er ist nun von dir gebunden worden
pautraḥ me atīvadurjayaḥ
mein Enkel, überaus schwer zu bezwingen

tatputraka yaśaḥ sphītaṃ nāma viśrāvitaṃ tvayā . madvākyādyācyamāno.adya muñca vatsa daśānanam ..16..

'So sei denn, mein Sohn, dein Ruhm groß und dein Name berühmt geworden. Auf meine Bitte hin, mein Kind, lass heute den Zehnhalsigen frei.'

Wort für Wort
tat putraka yaśaḥ sphītam
so, mein Sohn, ist der Ruhm groß
nāma viśrāvitaṃ tvayā
und der Name von dir berühmt gemacht
madvākyāt yācyamānaḥ adya
auf mein Wort hin heute gebeten
muñca vatsa daśānanam
lass, mein Kind, den Zehnhalsigen frei

pulastyājñāṃ sa gṛhyātha akiñcanavaco.arjunaḥ . mumoca pārthivendrendro rākṣasendraṃ prahṛṣṭavat ..17..

Den Befehl des Pulastya annehmend, ohne ein Wort des Widerspruchs, ließ Arjuna, der oberste Herr der Könige, den Herrn der Rākṣasas freudig frei.

Wort für Wort
pulastyājñāṃ sa gṛhya atha
den Befehl des Pulastya annehmend
akiñcanavacaḥ arjunaḥ
ohne ein Wort (des Widerspruchs), Arjuna
mumoca pārthivendrendraḥ
ließ frei der oberste Herr der Könige
rākṣasendraṃ prahṛṣṭavat
den Herrn der Rākṣasas, freudig

sa taṃ pramuktvā tridaśārimarjunaḥ prapūjya divyābharaṇasragambaraiḥ . ahiṃsākaṃ sakhyamupetya sāgnikaṃ praṇamya sa brahmasutaṃ gṛhaṃ yayau ..18..

Er, Arjuna, nachdem er den Feind der Götter freigelassen, ihn mit himmlischem Schmuck, Kränzen und Gewändern geehrt, mit ihm ein Bündnis der Gewaltlosigkeit vor dem Feuer geschlossen hatte, verneigte sich vor dem Sohn Brahmās und ging in sein Haus.

Wort für Wort
sa taṃ pramuktvā tridaśārim
er, ihn, den Feind der Götter, freigelassen habend
arjunaḥ prapūjya
Arjuna, ihn ehrend
divyābharaṇasragambaraiḥ
mit himmlischem Schmuck, Kränzen, Gewändern
ahiṃsākaṃ sakhyam upetya sāgnikam
ein Bündnis der Gewaltlosigkeit vor dem Feuer schließend
praṇamya sa brahmasutaṃ gṛhaṃ yayau
sich verneigend vor dem Sohn Brahmās, ging er ins Haus

pulastyenāpi saṅgamya rākṣasendraḥ pratāpavān . pariṣvaṅgakṛtātithyo lajjamāno visarjitaḥ ..19..

Auch der mächtige Herr der Rākṣasas, mit Pulastya zusammentreffend, von ihm mit einer Umarmung als Gast empfangen, wurde beschämt entlassen.

Wort für Wort
pulastyena api saṅgamya
auch mit Pulastya zusammentreffend
rākṣasendraḥ pratāpavān
der mächtige Herr der Rākṣasas
pariṣvaṅgakṛtātithyaḥ
mit einer Umarmung als Gast empfangen
lajjamānaḥ visarjitaḥ
beschämt, wurde er entlassen

pitāmahasutaścāpi pulastyo munisattamaḥ . mocayitvā daśagrīvaṃ brahmalokaṃ jagāma saḥ ..20..

Auch Pulastya, der Sohn des Großvaters, der Beste der Weisen, kehrte, nachdem er den Zehnhalsigen befreit hatte, in die Welt Brahmās zurück.

Wort für Wort
pitāmahasutaḥ ca api
auch der Sohn des Großvaters
pulastyaḥ munisattamaḥ
Pulastya, der Beste der Weisen
mocayitvā daśagrīvam
nachdem er den Zehnhalsigen befreit hatte
brahmalokaṃ jagāma saḥ
kehrte er in die Welt Brahmās zurück

evaṃ sa rāvaṇaḥ prāptaḥ kārtavīryāttu dharṣaṇāt . pulastyavacanāccāpi punarmokṣamavāptavān ..21..

So erlitt Rāvaṇa jene Demütigung durch Kārtavīrya, und durch das Wort des Pulastya erlangte er auch wieder seine Freilassung.

Wort für Wort
evaṃ sa rāvaṇaḥ prāptaḥ
so erlitt jener Rāvaṇa
kārtavīryāt tu dharṣaṇāt
jene Demütigung durch Kārtavīrya
pulastyavacanāt ca api
und auch durch das Wort des Pulastya
punaḥ mokṣam avāptavān
erlangte er wieder die Freilassung

evaṃ balibhyo balinaḥ santi rāghavanandana . nāvajñā parataḥ kāryā ya icchecchreya ātmanaḥ ..22..

'So gibt es, o Freude der Rāghavas, immer noch Mächtigere als die Mächtigen; keine Geringschätzung eines anderen sollte üben, wer sein eigenes Heil wünscht.'

Wort für Wort
evaṃ balibhyaḥ balinaḥ santi
so gibt es Mächtigere als die Mächtigen
rāghavanandana
o Freude der Rāghavas
na avajñā parataḥ kāryā
keine Geringschätzung eines anderen sollte geübt werden
yaḥ icchet śreyaḥ ātmanaḥ
von dem, der sein eigenes Heil wünscht

tataḥ sa rājā piśitāśanānāṃ sahasrabāhorupalabhya maitrīm . punarnarāṇāṃ kadanaṃ cakāra cacāra sarvāṃ pṛthivīṃ ca darpāt ..23..

Danach, nachdem jener König der Fleischfresser die Freundschaft des Tausendarmigen erlangt hatte, brachte er den Menschen wieder Verderben und durchzog voller Hochmut die ganze Erde.

Wort für Wort
tataḥ sa rājā piśitāśanānām
danach jener König der Fleischfresser
sahasrabāhoḥ upalabhya maitrīm
die Freundschaft des Tausendarmigen erlangt habend
punaḥ narāṇāṃ kadanaṃ cakāra
brachte er den Menschen wieder Verderben
cacāra sarvāṃ pṛthivīṃ ca darpāt
und durchzog voller Hochmut die ganze Erde

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