Quellen der Menschheit

Rāmāyaṇa · Uttarakāṇḍa

Sarga 71: Daṇḍa-Arajā-Kathanam Daṇḍas Untat an Arajā

etadākhyāya rāmāya maharṣiḥ kumbhasambhavaḥ | asyāmevāparaṃ vākyaṃ kathāyām upacakrame ||

Nachdem der große Ṛṣi, der aus dem Kumbha Entsprossene, dies dem Rāma erzählt hatte, begann er innerhalb ebendieser Erzählung mit einem weiteren Wort.

Wort für Wort
etat ākhyāya rāmāya
dies dem Rāma erzählend
maharṣiḥ kumbhasambhavaḥ
der große Ṛṣi, der aus dem Kumbha Entsprossene
asyām eva aparaṃ vākyaṃ
in ebendieser ein weiteres Wort
kathāyām upacakrame
begann er innerhalb der Erzählung

tataḥ sa daṇḍaḥ kākutstha bahuvarṣagaṇāyutam | akarottatra mandātmā rājyaṃ nihatakaṇṭakam ||

Da übte jener Daṇḍa, o Spross des Kakutstha, viele Jahresscharen hindurch, der Schwachsinnige, dort seine Herrschaft aus, von allen Dornen befreit.

Wort für Wort
tataḥ sa daṇḍaḥ kākutstha
da jener Daṇḍa, Spross des Kakutstha
bahuvarṣagaṇāyutam
viele Jahresscharen hindurch
akarot tatra mandātmā
übte dort der Schwachsinnige aus
rājyaṃ nihatakaṇṭakam
die Herrschaft, von Dornen befreit

atha kāle tu kasmiṃścidrājā bhārgavamāśramam | ramaṇīyamupākrāmaccaitre māsi manorame ||

Da nun, zu einer bestimmten Zeit, näherte sich der König der lieblichen Einsiedelei des Bhārgava, im herzerfreuenden Monat Caitra.

Wort für Wort
atha kāle tu kasmiṃścit
da nun zu einer bestimmten Zeit
rājā bhārgavam āśramam
der König der Einsiedelei des Bhārgava
ramaṇīyam upākrāmat
näherte sich, der lieblichen
caitre māsi manorame
im herzerfreuenden Monat Caitra

tatra bhārgavakanyāṃ sa rūpeṇāpratimāṃ bhuvi | vicarantīṃ vanoddeśe daṇḍo.apaśyadanuttamām ||

Dort erblickte Daṇḍa die Tochter des Bhārgava, an Schönheit auf Erden unvergleichlich, höchste, wie sie in einem Teil des Waldes umherging.

Wort für Wort
tatra bhārgavakanyāṃ sa
dort jene Tochter des Bhārgava
rūpeṇa apratimāṃ bhuvi
an Schönheit auf Erden unvergleichlich
vicarantīṃ vanoddeśe
umherwandelnd in einem Teil des Waldes
daṇḍaḥ apaśyat anuttamām
erblickte Daṇḍa, die höchste

sa dṛṣṭvā tāṃ sudurmedhā anaṅgaśarapīḍitaḥ | abhigamya susaṃvignaḥ kanyāṃ vacanamabravīt ||

Als er sie erblickte, von schwachem Verstand, von den Pfeilen des Liebesgottes gequält, trat er, überaus erregt, zu der Jungfrau und sprach zu ihr dieses Wort.

Wort für Wort
sa dṛṣṭvā tāṃ sudurmedhāḥ
er, sie erblickend, von schwachem Verstand
anaṅgaśarapīḍitaḥ
von den Pfeilen des Liebesgottes gequält
abhigamya susaṃvignaḥ
herantretend, überaus erregt
kanyāṃ vacanam abravīt
sprach zu der Jungfrau das Wort

kutastvamasi suśroṇi kasya vāsi sutā śubhe | pīḍito.ahamanaṅgena pṛcchāmi tvāṃ sumadhyame ||

'Woher kommst du, Schönhüftige, und wessen Tochter bist du, Holde? Gequält vom Liebesgott, frage ich dich, du Schlankleibige.'

Wort für Wort
kutaḥ tvam asi suśroṇi
woher kommst du, Schönhüftige
kasya vā asi sutā śubhe
wessen Tochter bist du, Holde
pīḍitaḥ aham anaṅgena
gequält vom Liebesgott, ich
pṛcchāmi tvāṃ sumadhyame
frage ich dich, Schlankleibige

tasya tvevaṃ bruvāṇasya mohonmattasya kāminaḥ | bhārgavī pratyuvācedaṃ vacaḥ sānunayaṃ nṛpam ||

Zu ihm, der so sprach, von Verblendung berauscht, dem Begehrlichen, erwiderte die Tochter des Bhārgava dem König dieses Wort, freundlich mahnend.

Wort für Wort
tasya tu evaṃ bruvāṇasya
zu ihm, der so sprach
mohonmattasya kāminaḥ
von Verblendung berauscht, dem Begehrlichen
bhārgavī pratyuvāca idaṃ
erwiderte die Tochter des Bhārgava dies
vacaḥ sānunayaṃ nṛpam
dem König das Wort, freundlich mahnend

bhārgavasya sutāṃ viddhi devasyākliṣṭakarmaṇaḥ | arajāṃ nāma rājendra jyeṣṭhāmāśramavāsinīm ||

'Erkenne mich als die Tochter des Bhārgava, des Gottgleichen, von unbeeinträchtigten Werken, mit Namen Arajā, o Fürst der Könige, die älteste, in der Einsiedelei wohnend.'

Wort für Wort
bhārgavasya sutāṃ viddhi
erkenne mich als die Tochter des Bhārgava
devasya akliṣṭakarmaṇaḥ
des Gottgleichen, von unbeeinträchtigten Werken
arajāṃ nāma rājendra
mit Namen Arajā, Fürst der Könige
jyeṣṭhām āśramavāsinīm
die älteste, in der Einsiedelei wohnend

guruḥ pitā me rājendra tvaṃ ca śiṣyo mahātmanaḥ | vyasanaṃ sumahatkruddhaḥ sa te dadyānmahātapāḥ ||

'Mein Vater ist dein Lehrer, o Fürst der Könige, und du bist der Schüler des Großherzigen; erzürnt, könnte er, von großer Askese, dir überaus großes Unheil zufügen.'

Wort für Wort
guruḥ pitā me rājendra
mein Vater ist der Lehrer, Fürst der Könige
tvaṃ ca śiṣyaḥ mahātmanaḥ
und du bist der Schüler des Großherzigen
vyasanaṃ sumahat kruddhaḥ
überaus großes Unheil, erzürnt
sa te dadyāt mahātapāḥ
könnte er dir zufügen, von großer Askese

yadi vātra mayā kāryaṃ dharmadṛṣṭena satpathā | varayasva nṛpa śreṣṭha pitaraṃ me mahādyutim ||

'Wenn du hier mit mir ein Anliegen hast, so wähle es auf dem rechten, pflichtgemäßen Weg; erbitte, bester König, meinen glanzvollen Vater darum.'

Wort für Wort
yadi vā atra mayā kāryaṃ
wenn du hier mit mir ein Anliegen hast
dharmadṛṣṭena satpathā
auf dem rechten, pflichtgemäßen Weg
varayasva nṛpa śreṣṭha
erbitte, bester König
pitaraṃ me mahādyutim
meinen glanzvollen Vater

anyathā tu phalaṃ tubhyaṃ bhavedghorābhisaṃhitam | krodhena hi pitā me.asau trailokyamapi nirdahet ||

'Anderenfalls aber würde dir eine schreckliche Frucht zuteil; denn mein Vater könnte im Zorn sogar die drei Welten verbrennen.'

Wort für Wort
anyathā tu phalaṃ tubhyaṃ
anderenfalls aber wäre die Frucht dir
bhavet ghorābhisaṃhitam
eine mit Schrecklichem verbundene
krodhena hi pitā me asau
denn mein Vater könnte im Zorn
trailokyam api nirdahet
sogar die drei Welten verbrennen

evaṃ bruvāṇāmarajāṃ daṇḍaḥ kāmaśarārditaḥ | pratyuvāca madonmattaḥ śirasyādhāya so.añjalim ||

Zu jener Arajā, die so sprach, erwiderte Daṇḍa, von den Pfeilen des Liebesgottes gequält, von Rausch berauscht, indem er die gefalteten Hände an sein Haupt legte:

Wort für Wort
evaṃ bruvāṇām arajāṃ
zu jener so sprechenden Arajā
daṇḍaḥ kāmaśarārditaḥ
Daṇḍa, von den Pfeilen der Liebe gequält
pratyuvāca madonmattaḥ
erwiderte, von Rausch berauscht
śirasi ādhāya saḥ añjalim
die gefalteten Hände an sein Haupt legend

prasādaṃ kuru suśroṇi na kālaṃ kṣeptumarhasi | tvatkṛte hi mama prāṇā vidīryante śubhānane ||

'Erweise mir Gnade, Schönhüftige, du solltest keine Zeit vergehen lassen; deinetwegen zerreißt es mir das Leben, Holdgesichtige.'

Wort für Wort
prasādaṃ kuru suśroṇi
erweise Gnade, Schönhüftige
na kālaṃ kṣeptum arhasi
du solltest keine Zeit vergehen lassen
tvatkṛte hi mama prāṇāḥ
deinetwegen ja mein Leben
vidīryante śubhānane
zerreißt es, Holdgesichtige

tvāṃ prāpya hi vadho vāpi pāpaṃ vāpi sudāruṇam | bhaktaṃ bhajasva māṃ bhīru bhajamānaṃ suvihvalam ||

'Sei es der Tod, sei es überaus schwere Sünde — mag es geschehen, wenn ich dich gewinne; erwidere mir, der ich dir ergeben bin, Furchtsame, mir, der ich zu dir hindränge, ganz verwirrt.'

Wort für Wort
tvāṃ prāpya hi vadhaḥ vā api
dich gewinnend, sei es der Tod
pāpaṃ vā api sudāruṇam
oder überaus schwere Sünde
bhaktaṃ bhajasva māṃ bhīru
erwidere mir, der ich ergeben bin, Furchtsame
bhajamānaṃ suvihvalam
mir, der ich mich zuwende, ganz verwirrt

evamuktvā tu tāṃ kanyāṃ dorbhyāṃ gṛhya balādbalī | visphurantīṃ yathākāmaṃ maithunāyopacakrame ||

Nachdem er dies gesagt hatte, ergriff der Mächtige jene Jungfrau, obwohl sie sich wand, mit Gewalt bei den Armen und vergriff sich, seiner Begierde folgend, an ihr.

Wort für Wort
evam uktvā tu tāṃ kanyāṃ
nachdem er dies gesagt hatte, jene Jungfrau
dorbhyāṃ gṛhya balāt balī
mit den Armen ergreifend mit Gewalt, der Mächtige
visphurantīṃ yathākāmaṃ
obwohl sie sich wand, seiner Begierde folgend
maithunāya upacakrame
begann er den Beischlaf

tamanarthaṃ mahāghoraṃ daṇḍaḥ kṛtvā sudāruṇam | nagaraṃ prayayau cāśu madhumantamanuttamam ||

Nachdem Daṇḍa jene überaus schreckliche, entsetzliche Untat verübt hatte, zog er eilends zu seiner Stadt, dem herrlichen Madhumanta.

Wort für Wort
tam anarthaṃ mahāghoraṃ
jene überaus schreckliche Untat
daṇḍaḥ kṛtvā sudāruṇam
Daṇḍa, verübend, die entsetzliche
nagaraṃ prayayau ca āśu
zog eilends zu seiner Stadt
madhumantam anuttamam
zu Madhumanta, dem herrlichen

arajāpi rudantī sā āśramasyāvidūrataḥ | pratīkṣate susantrastā pitaraṃ devasaṃnibham ||

Auch Arajā, weinend, wartete unweit der Einsiedelei, zutiefst erschreckt, auf ihren gottgleichen Vater.

Wort für Wort
arajā api rudantī sā
auch Arajā, sie weinend
āśramasya avidūrataḥ
unweit der Einsiedelei
pratīkṣate susantrastā
wartet, zutiefst erschreckt
pitaraṃ devasaṃnibham
auf den gottgleichen Vater

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