Rāmāyaṇa · Uttarakāṇḍa
Sarga 55: Śatrughna-Abhiṣeka-Śara-Pradānam
Śatrughnas Weihe und die Gabe des göttlichen Pfeils
evamuktastu rāmeṇa parāṃ vrīḍāmupāgataḥ .
śatrughno vīryasampanno mandaṃ mandamuvāca ha ..1..
So von Rāma angesprochen, von höchster Scham ergriffen, sprach Śatrughna, der von Tapferkeit Erfüllte, ganz leise:
Wort für Wort evamuktaḥ tu rāmeṇa so von Rāma angesprochen parāṃ vrīḍāmupāgataḥ von höchster Scham ergriffen śatrughno vīryasampanno Śatrughna, von Tapferkeit erfüllt mandaṃ mandamuvāca ha sprach er ganz leise, fürwahr avaśyaṃ karaṇīyaṃ ca śāsanaṃ puruṣarṣabha .
tava caiva mahābhāga śāsanaṃ duratikramam ..2..
'Unweigerlich muss dein Befehl ausgeführt werden, Stier unter den Männern; und dein Gebot, o Hochbeglückter, ist unüberwindlich.'
Wort für Wort avaśyaṃ karaṇīyaṃ ca unweigerlich muss ausgeführt werden śāsanaṃ puruṣarṣabha dein Befehl, Stier unter den Männern tava ca eva mahābhāga und dein, o Hochbeglückter śāsanaṃ duratikramam Gebot ist unüberwindlich evamukte tu śūreṇa śatrughnena mahātmanā .
uvāca rāmaḥ saṃhṛṣṭo lakṣmaṇaṃ bharataṃ tathā ..3..
Als der tapfere, hochgesinnte Śatrughna so gesprochen hatte, sprach Rāma, hocherfreut, zu Lakṣmaṇa und ebenso zu Bharata:
Wort für Wort evamukte tu śūreṇa als so gesprochen war vom tapferen śatrughnena mahātmanā von Śatrughna, dem Hochgesinnten uvāca rāmaḥ saṃhṛṣṭo sprach Rāma, hocherfreut lakṣmaṇaṃ bharataṃ tathā zu Lakṣmaṇa und ebenso zu Bharata sambhārānabhiṣekasya ānayadhvaṃ samāhitāḥ .
adyaiva puruṣavyāghramabhiṣekṣyāmi durjayam ..4..
'Bringt, aufmerksam, die Materialien für die Weihe herbei; noch heute werde ich diesen unbezwingbaren Tiger unter den Männern weihen.'
Wort für Wort sambhārān abhiṣekasya die Materialien für die Weihe ānayadhvaṃ samāhitāḥ bringt herbei, aufmerksam adyaiva puruṣavyāghram noch heute den Tiger unter den Männern abhiṣekṣyāmi durjayam werde ich weihen, den unbezwingbaren purodhasaṃ ca kākutsthau naigamānṛtvijastathā .
mantriṇaścaiva me sarvānānayadhvaṃ mamājñayā ..5..
'Und den Hauspriester, o ihr beiden Kākutsthas, die Bürgervertreter, die Opferpriester, und auch alle meine Räte bringt herbei, auf meinen Befehl.'
Wort für Wort purodhasaṃ ca kākutsthau und den Hauspriester, o ihr beiden Kākutsthas naigamān ṛtvijaḥ tathā die Bürgervertreter und die Opferpriester mantriṇaḥ ca eva me sarvān und auch alle meine Räte ānayadhvaṃ mamājñayā bringt herbei, auf meinen Befehl rājñaḥ śāsanamājñāya tathākurvanmahārathaḥ .
abhiṣekasamārambhaṃ puraskṛtya purodhasaṃ ..6..
Nachdem sie den Befehl des Königs vernommen hatten, handelten die großen Wagenkämpfer entsprechend, indem sie den Hauspriester an die Spitze des Weihungsbeginns stellten.
Wort für Wort rājñaḥ śāsanamājñāya den Befehl des Königs vernommen habend tathākurvan mahārathaḥ handelten so die großen Wagenkämpfer abhiṣekasamārambhaṃ den Beginn der Weihung puraskṛtya purodhasaṃ den Hauspriester an die Spitze stellend tato.abhiṣeko vavṛdhe śatrughnasya mahātmanaḥ .
sampraharṣakaraḥ śrīmānrāghavasya purasya ca ..7..
Darauf wuchs die prächtige Weihung des hochgesinnten Śatrughna heran, die dem Rāghava und der Stadt große Freude bereitete.
Wort für Wort tato.abhiṣeko vavṛdhe darauf wuchs die Weihung heran śatrughnasya mahātmanaḥ des hochgesinnten Śatrughna sampraharṣakaraḥ śrīmān die prächtige, Freude bereitende rāghavasya purasya ca dem Rāghava und der Stadt tato.abhiṣiktaṃ śatrughnamaṅkamāropya rāghavaḥ .
uvāca madhurāṃ vāṇīṃ tejastasyābhipūrayan ..8..
Darauf, nachdem der Rāghava den geweihten Śatrughna auf seinen Schoß gehoben hatte, sprach er süße Worte, dessen Glanz erfüllend:
Wort für Wort tato.abhiṣiktaṃ śatrughnam darauf den geweihten Śatrughna aṅkamāropya rāghavaḥ auf den Schoß gehoben habend, der Rāghava uvāca madhurāṃ vāṇīṃ sprach süße Worte tejastasyābhipūrayan dessen Glanz erfüllend ayaṃ śarastvamoghaste divyaḥ parapurañjayaḥ .
anena lavaṇaṃ saumya hantāsi raghunandana ..9..
'Dieser Pfeil hier ist dir unfehlbar, göttlich, ein Bezwinger feindlicher Städte; mit ihm, Sanftmütiger, wirst du Lavaṇa töten, Freudenspender der Raghus.'
Wort für Wort ayaṃ śarastvamoghaste dieser Pfeil ist dir unfehlbar divyaḥ parapurañjayaḥ göttlich, ein Bezwinger feindlicher Städte anena lavaṇaṃ saumya mit ihm, Lavaṇa, Sanftmütiger hantāsi raghunandana wirst du töten, Freudenspender der Raghus sṛṣṭaḥ śaro.ayaṃ kākutstha yadā śete mahārṇave .
svayambhūrajito devo yaṃ nāpaśyansurāsurāḥ ..10..
'Dieser Pfeil wurde geschaffen, o Kākutstha, als der Selbstentstandene, unbesiegte Gott auf dem großen Ozean lag, den weder Götter noch Asuras erblicken konnten.'
Wort für Wort sṛṣṭaḥ śaro.ayaṃ kākutstha dieser Pfeil wurde geschaffen, o Kākutstha yadā śete mahārṇave als er auf dem großen Ozean lag svayambhūrajito devo der Selbstentstandene, unbesiegte Gott yaṃ nāpaśyansurāsurāḥ den weder Götter noch Asuras erblickten adṛśyaḥ sarvabhūtānāṃ tenāyaṃ hi śarottamaḥ .
sṛṣṭaḥ krodhābhibhūtena vināśārthaṃ durātmanoḥ ..11..
'Unsichtbar für alle Wesen, von ihm, vom Zorn übermannt, wurde dieser vortrefflichste der Pfeile geschaffen, zur Vernichtung der beiden Bösgesinnten,'
Wort für Wort adṛśyaḥ sarvabhūtānāṃ unsichtbar für alle Wesen tena ayaṃ hi śarottamaḥ von ihm wurde dieser vortrefflichste Pfeil sṛṣṭaḥ krodhābhibhūtena geschaffen, vom Zorn übermannt vināśārthaṃ durātmanoḥ zur Vernichtung der beiden Bösgesinnten sraṣṭukāmena lokāṃstrīṃstau cānena hatau yudhi .
anena śaramukhyena tato lokāṃścakāra saḥ ..12..
'— von ihm, der die drei Welten erschaffen wollte, und jene beiden wurden mit ihm im Kampf erschlagen; mit diesem vortrefflichen Pfeil erschuf er darauf die Welten.'
Wort für Wort sraṣṭukāmena lokān trīn von dem, der die drei Welten erschaffen wollte tau ca anena hatau yudhi und jene beiden wurden mit ihm im Kampf erschlagen anena śaramukhyena mit diesem vortrefflichen Pfeil tato lokān cakāra saḥ erschuf er darauf die Welten nāyaṃ mayā śaraḥ pūrvaṃ rāvaṇasya vadhārthinā .
mukhaḥ śatrughna bhūtānāṃ mahāṃstrāso bhavediti ..13..
'Dieser Pfeil wurde von mir früher, obwohl ich Rāvaṇas Tod suchte, nicht eingesetzt, da er, Śatrughna, der Erste unter den Wesen ist — aus Furcht, es könnte großer Schrecken entstehen.'
Wort für Wort na ayaṃ mayā śaraḥ pūrvaṃ dieser Pfeil wurde von mir nicht früher rāvaṇasya vadhārthinā obwohl ich Rāvaṇas Tod suchte mukhaḥ śatrughna bhūtānāṃ denn er ist der Erste unter den Wesen, Śatrughna mahāṃstrāso bhavediti es könnte großer Schrecken entstehen, so dachte ich yacca tasya mahacchūlaṃ tryambakeṇa mahātmanā .
dattaṃ śatruvināśāya madhorāyudhamuttamam ..14..
'Und jener große Dreizack, von Tryambaka, dem Hochgesinnten, dem Madhu zur Vernichtung der Feinde gegeben, die vorzüglichste Waffe —'
Wort für Wort yat ca tasya mahacchūlaṃ und jener große Dreizack tryambakeṇa mahātmanā von Tryambaka, dem Hochgesinnten dattaṃ śatruvināśāya gegeben zur Vernichtung der Feinde madhorāyudhamuttamam dem Madhu, die vorzüglichste Waffe tatsaṃnikṣipya bhavane pūjyamānaṃ punaḥ punaḥ .
diśaḥ sarvāḥ samālokya prāpnotyāhāramātmanaḥ ..15..
'— diesen, in seiner Wohnung niedergelegt, immer wieder verehrt, lässt er dort; er selbst, nachdem er alle Himmelsrichtungen überblickt hat, holt sich seine Nahrung.'
Wort für Wort tat saṃnikṣipya bhavane diesen niedergelegt in der Wohnung pūjyamānaṃ punaḥ punaḥ immer wieder verehrt diśaḥ sarvāḥ samālokya alle Himmelsrichtungen überblickt habend prāpnotyāhāramātmanaḥ erlangt er seine eigene Nahrung yadā tu yuddhamākāṅkṣankaścidenaṃ samāhvayet .
tadā śūlaṃ gṛhītvā tadbhasma rakṣaḥ karoti tam ..16..
'Wenn aber jemand, nach Kampf verlangend, ihn herausfordert, dann ergreift der Rākṣasa den Dreizack und verwandelt jenen zu Asche.'
Wort für Wort yadā tu yuddhamākāṅkṣan wenn aber, nach Kampf verlangend kaścit enaṃ samāhvayet jemand ihn herausfordert tadā śūlaṃ gṛhītvā dann den Dreizack ergreifend tadbhasma rakṣaḥ karoti tam verwandelt der Rākṣasa jenen zu Asche sa tvaṃ puruṣaśārdūla tamāyudhavivarjitam .
apraviṣṭapuraṃ pūrvaṃ dvāri tiṣṭha dhṛtāyudhaḥ ..17..
'So stelle du dich, Tiger unter den Männern, ihm, wenn er noch ohne Waffe ist, bevor er die Stadt betreten hat, am Tor entgegen, deine Waffe bereithaltend.'
Wort für Wort sa tvaṃ puruṣaśārdūla so du, Tiger unter den Männern tamāyudhavivarjitam ihm, wenn er waffenlos ist apraviṣṭapuraṃ pūrvaṃ bevor er die Stadt betreten hat dvāri tiṣṭha dhṛtāyudhaḥ stehe am Tor, die Waffe bereithaltend apraviṣṭaṃ ca bhavanaṃ yuddhāya puruṣarṣabha .
āhvayethā mahābāho tato hantāsi rākṣasaṃ ..18..
'Und bevor er sein Haus betreten hat, fordere ihn zum Kampf heraus, Stier unter den Männern, Starkarmiger; dann wirst du den Rākṣasa töten.'
Wort für Wort apraviṣṭaṃ ca bhavanaṃ und bevor er das Haus betreten hat yuddhāya puruṣarṣabha zum Kampf, Stier unter den Männern āhvayethā mahābāho fordere heraus, Starkarmiger tato hantāsi rākṣasaṃ dann wirst du den Rākṣasa töten anyathā kriyamāṇe tu avadhyaḥ sa bhaviṣyati .
yadi tvevaṃ kṛte vīra vināśamupayāsyati ..19..
'Wird es anders gehandhabt, so wird er unbezwingbar sein; wenn aber, o Held, so gehandelt wird, wird er dem Untergang zugehen.'
Wort für Wort anyathā kriyamāṇe tu wird es anders gehandhabt aber avadhyaḥ sa bhaviṣyati so wird er unbezwingbar sein yadi tu evaṃ kṛte vīra wenn aber, o Held, so gehandelt wird vināśamupayāsyati wird er dem Untergang zugehen etatte sarvamākhyātaṃ śūlasya ca viparyayam .
śrīmataḥ śitikaṇṭhasya kṛtyaṃ hi duratikramam ..20..
'Dies alles wurde dir verkündet, sowie die Umkehrung des Dreizacks; denn die Tat des ruhmreichen Blauhalsigen ist unüberwindlich in ihrer Wirkung.'
Wort für Wort etat te sarvamākhyātaṃ dies alles wurde dir verkündet śūlasya ca viparyayam und die Umkehrung des Dreizacks śrīmataḥ śitikaṇṭhasya des ruhmreichen Blauhalsigen kṛtyaṃ hi duratikramam dessen Tat, fürwahr, unüberwindlich ist
Interaktive Leseansicht des ganzen Werks
← Sarga 54 Sarga 56 →