Quellen der Menschheit

Rāmāyaṇa · Uttarakāṇḍa

Sarga 51: Lakṣmaṇa-Rāma-Sāntvanam Lakṣmaṇas Rückkehr und die Tröstung Rāmas

tatra tāṃ rajanīmuṣya gomatyāṃ raghunandanaḥ . prabhāte punarutthāya lakṣmaṇaḥ prayayau tadā ..1..

Nachdem er dort jene Nacht an der Gomatī verbracht hatte, der Freudenspender der Raghus, stand Lakṣmaṇa am Morgen wieder auf und fuhr da weiter.

Wort für Wort
tatra tāṃ rajanīm uṣya
dort jene Nacht verbracht habend
gomatyāṃ raghunandanaḥ
an der Gomatī, der Freudenspender der Raghus
prabhāte punaḥ utthāya
am Morgen wieder aufstehend
lakṣmaṇaḥ prayayau tadā
fuhr Lakṣmaṇa da weiter

tato.ardhadivase prāpte praviveśa mahārathaḥ . ayodhyāṃ ratnasampūrṇāṃ hṛṣṭapuṣṭajanāvṛtām ..2..

Darauf, als der halbe Tag erreicht war, betrat der große Wagenkämpfer Ayodhyā, die voller Juwelen und von frohem, wohlgenährtem Volk bevölkert war.

Wort für Wort
tato.ardhadivase prāpte
darauf, als der halbe Tag erreicht war
praviveśa mahārathaḥ
betrat der große Wagenkämpfer
ayodhyāṃ ratnasampūrṇāṃ
Ayodhyā, voller Juwelen
hṛṣṭapuṣṭajanāvṛtām
bevölkert von frohem, wohlgenährtem Volk

saumitristu paraṃ dainyaṃ jagāma sumahāmatiḥ . rāmapādau samāsādya vakṣyāmi kimahaṃ gataḥ ..3..

Der hochweise Saumitri aber verfiel in höchste Kümmernis: 'Wenn ich zu Rāmas Füßen trete — was, wo ich dorthin gegangen bin, soll ich ihm sagen?'

Wort für Wort
saumitriḥ tu paraṃ dainyaṃ
der Saumitri aber in höchste Kümmernis
jagāma sumahāmatiḥ
verfiel er, der Hochweise
rāmapādau samāsādya
zu Rāmas Füßen tretend
vakṣyāmi kim aham gataḥ
was soll ich sagen, ich, der gegangen ist

tasyaivaṃ cintayānasya bhavanaṃ śaśisaṃnibham . rājasya paramodāraṃ purastātsamadṛśyata ..4..

Während er so nachdachte, erschien vor ihm der dem Mond gleichende, höchst prächtige Palast des Königs.

Wort für Wort
tasya evaṃ cintayānasya
während er so nachdachte
bhavanaṃ śaśisaṃnibham
der Palast, dem Mond gleichend
rājasya paramodāraṃ
des Königs, höchst prächtig
purastāt samadṛśyata
erschien vor ihm

rājñastu bhavanadvāri so.avatīrya narottamaḥ . avānmukho dīnamanāḥ prāviveśānivāritaḥ ..5..

Am Tor des königlichen Palastes stieg jener beste der Männer ab und trat, mit gesenktem Antlitz, betrübten Gemüts, ungehindert ein.

Wort für Wort
rājñaḥ tu bhavanadvāri
am Tor des königlichen Palastes aber
so.avatīrya narottamaḥ
stieg er ab, der beste der Männer
avānmukho dīnamanāḥ
mit gesenktem Antlitz, betrübten Gemüts
prāviveśa anivāritaḥ
trat er ungehindert ein

sa dṛṣṭvā rāghavaṃ dīnamāsīnaṃ paramāsane . netrābhyāmaśrupūrṇābhyāṃ dadarśāgrajamagrataḥ ..6..

Er, den betrübten Rāghava erblickend, der auf dem höchsten Sitz saß, sah mit tränengefüllten Augen seinen älteren Bruder vor sich.

Wort für Wort
sa dṛṣṭvā rāghavaṃ dīnam
er, den betrübten Rāghava erblickend
āsīnaṃ paramāsane
der auf dem höchsten Sitz saß
netrābhyām aśrupūrṇābhyāṃ
mit tränengefüllten Augen
dadarśa agrajam agrataḥ
sah er den älteren Bruder vor sich

jagrāha caraṇau tasya lakṣmaṇo dīnacetanaḥ . uvāca dīnayā vācā prāñjaliḥ susamāhitaḥ ..7..

Lakṣmaṇa, betrübten Sinnes, ergriff dessen Füße und sprach, mit gefalteten Händen, wohlgesammelt, mit klagender Stimme:

Wort für Wort
jagrāha caraṇau tasya
er ergriff dessen Füße
lakṣmaṇo dīnacetanaḥ
Lakṣmaṇa, betrübten Sinnes
uvāca dīnayā vācā
sprach mit klagender Stimme
prāñjaliḥ susamāhitaḥ
mit gefalteten Händen, wohlgesammelt

āryasyājñāṃ puraskṛtya visṛjya janakātmajām . gaṅgātīre yathoddiṣṭe vālmīkerāśrame śubhe . punarasmyāgato vīra pādamūlamupāsitum ..8..

'Den Befehl des Edlen befolgend und die Tochter Janakas verlassen habend, am Ufer der Gaṅgā, wie angewiesen, im glückverheißenden Āśrama Vālmīkis, bin ich wieder gekommen, o Held, um mich zu deinen Füßen zu begeben.'

Wort für Wort
āryasyājñāṃ puraskṛtya
den Befehl des Edlen befolgend
visṛjya janakātmajām
die Tochter Janakas verlassen habend
gaṅgātīre yathoddiṣṭe
am Ufer der Gaṅgā, wie angewiesen
vālmīkerāśrame śubhe
im glückverheißenden Āśrama Vālmīkis
punaḥ asmi āgato vīra
bin ich wieder gekommen, o Held
pādamūlam upāsitum
um mich zu deinen Füßen zu begeben

mā śucaḥ puruṣavyāghra kālasya gatirīdṛśī . tvadvidhā na hi śocanti sattvavanto manasvinaḥ ..9..

'Grämst dich nicht, Tiger unter den Männern; so ist der Lauf der Zeit; denn Männer wie du, von Kraft und Weisheit erfüllt, grämen sich nicht.'

Wort für Wort
mā śucaḥ puruṣavyāghra
grämst dich nicht, Tiger unter den Männern
kālasya gatiḥ īdṛśī
so ist der Lauf der Zeit
tvadvidhā na hi śocanti
denn Männer wie du grämen sich nicht
sattvavanto manasvinaḥ
von Kraft erfüllt, weise

sarve kṣayāntā nicayāḥ patanāntāḥ samucchrayāḥ . saṃyogā viprayogāntā maraṇāntaṃ ca jīvitam ..10..

'Alle Anhäufungen enden im Schwinden, alle Erhebungen im Fall, alle Vereinigungen enden in Trennung, und das Leben endet im Tod.'

Wort für Wort
sarve kṣayāntā nicayāḥ
alle Anhäufungen enden im Schwinden
patanāntāḥ samucchrayāḥ
alle Erhebungen enden im Fall
saṃyogā viprayogāntāḥ
alle Vereinigungen enden in Trennung
maraṇāntaṃ ca jīvitam
und das Leben endet im Tod

śaktastvamātmanātmānaṃ vijetuṃ manasaiva hi . lokānsarvāṃśca kākutstha kiṃ punarduḥkhamīdṛśam ..11..

'Du bist ja fähig, dich selbst durch dich selbst, allein mit dem Geist, zu bezwingen, und alle Welten, o Kākutstha — wie viel mehr ein Leid wie dieses!'

Wort für Wort
śaktaḥ tvam ātmanā ātmānaṃ
du bist fähig, durch dich selbst, dich selbst
vijetuṃ manasā eva hi
zu bezwingen, allein mit dem Geist
lokān sarvān ca kākutstha
und alle Welten, o Kākutstha
kiṃ punaḥ duḥkham īdṛśam
wie viel mehr ein Leid wie dieses

nedṛśeṣu vimuhyanti tvadvidhāḥ puruṣarṣabhāḥ . yadarthaṃ maithilī tyaktā apavādabhayānnṛpa ..12..

'Bei solchen Dingen verlieren Männer wie du, Stiere unter den Männern, nicht die Fassung — deretwegen wurde die Maithilī aus Furcht vor Verleumdung verstoßen, o König.'

Wort für Wort
na īdṛśeṣu vimuhyanti
bei solchen Dingen verlieren sie nicht die Fassung
tvadvidhāḥ puruṣarṣabhāḥ
Männer wie du, Stiere unter den Männern
yadarthaṃ maithilī tyaktā
weswegen die Maithilī verstoßen wurde
apavādabhayānnṛpa
aus Furcht vor Verleumdung, o König

sa tvaṃ puruṣaśārdūla dhairyeṇa susamāhitaḥ . tyajemāṃ durbalāṃ buddhiṃ santāpaṃ mā kuruṣva ha ..13..

'So gib du denn, Tiger unter den Männern, mit Standhaftigkeit wohlgesammelt, diese schwache Gesinnung auf und gräme dich nicht, fürwahr.'

Wort für Wort
sa tvaṃ puruṣaśārdūla
so du, Tiger unter den Männern
dhairyeṇa susamāhitaḥ
mit Standhaftigkeit wohlgesammelt
tyaja imāṃ durbalāṃ buddhiṃ
gib diese schwache Gesinnung auf
santāpaṃ mā kuruṣva ha
und gräme dich nicht, fürwahr

evamuktastu kākutstho lakṣmaṇena mahātmanā . uvāca parayā prītyā saumitriṃ mitravatsalam ..14..

So vom hochgesinnten Lakṣmaṇa angesprochen, sprach der Kākutstha mit höchster Zuneigung zum Saumitri, dem seinen Freunden zugetanen:

Wort für Wort
evamuktaḥ tu kākutsthaḥ
so angesprochen aber der Kākutstha
lakṣmaṇena mahātmanā
vom hochgesinnten Lakṣmaṇa
uvāca parayā prītyā
sprach mit höchster Zuneigung
saumitriṃ mitravatsalam
zum Saumitri, dem seinen Freunden zugetanen

evametannaraśreṣṭha yathā vadasi lakṣmaṇa . paritoṣaśca me vīra mama kāryānuśāsane ..15..

'So ist es, Bester der Männer, wie du sagst, Lakṣmaṇa; und Zufriedenheit ist in mir, o Held, über die Ausführung meiner Aufgabe.'

Wort für Wort
evam etat naraśreṣṭha
so ist es, Bester der Männer
yathā vadasi lakṣmaṇa
wie du sagst, Lakṣmaṇa
paritoṣaḥ ca me vīra
und Zufriedenheit ist in mir, o Held
mama kāryānuśāsane
über die Ausführung meiner Aufgabe

nirvṛtiśca kṛtā saumya santāpaśca nirākṛtaḥ . bhavadvākyaiḥ sumadhurairanunīto.asmi lakṣmaṇa ..16..

'Ruhe ist geschaffen worden, o Sanftmütiger, und der Kummer ist vertrieben; durch deine sehr süßen Worte bin ich besänftigt worden, Lakṣmaṇa.'

Wort für Wort
nirvṛtiḥ ca kṛtā saumya
Ruhe ist geschaffen worden, o Sanftmütiger
santāpaḥ ca nirākṛtaḥ
und der Kummer ist vertrieben
bhavadvākyaiḥ sumadhuraiḥ
durch deine sehr süßen Worte
anunīto.asmi lakṣmaṇa
bin ich besänftigt worden, Lakṣmaṇa

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