Quellen der Menschheit

Rāmāyaṇa · Uttarakāṇḍa

Sarga 85: Rāma-Kuśalava-Saṃvādaḥ Rāma erkennt das Rāmāyaṇa und seine Sänger

tau rajanyāṃ prabhātāyāṃ snātau hutahutāśanau . yathoktamṛṣiṇā pūrvaṃ tatra tatrābhyagāyatām ..

Die beiden, als die Nacht zum Morgen anbrach, gebadet und das Feueropfer dargebracht, sangen, wie es zuvor der Weise angewiesen hatte, hier und dort.

Wort für Wort
tau rajanyām prabhātāyām
die beiden, als die Nacht zum Morgen anbrach
snātau huta-hutāśanau
gebadet, das Feuer geopfert habend
yathā uktam ṛṣiṇā pūrvam
wie es zuvor vom Weisen gesagt wurde
tatra tatra abhyagāyatām
sangen sie hier und dort

tāṃ sa śuśrāva kākutsthaḥ pūrvacaryāṃ tatastataḥ . apūrvāṃ pāṭhya jātiṃ ca geyena samalaṅkṛtām ..

Jenen früheren Vortrag hörte der Kākutstha da und dort, den nie zuvor dagewesenen, mit dem Rezitationsstil und der Melodie geschmückten Gesang.

Wort für Wort
tām sa śuśrāva kākutsthaḥ
jenen hörte der Kākutstha
pūrva-caryām tataḥ tataḥ
den früheren Vortrag da und dort
apūrvām pāṭhya jātim ca
den nie zuvor dagewesenen, mit dem Rezitationsstil
geyena samalaṅkṛtām
mit der Melodie geschmückten

pramāṇairbahubhirbaddhāṃ tantrīlayasamanvitām . bālābhyāṃ rāghavaḥ śrutvā kautūhalaparo.abhavat ..

Nachdem er von den beiden Knaben den mit vielen Versmaßen gebundenen, vom Rhythmus der Saiten begleiteten Gesang gehört hatte, wurde Rāghava von Neugier ergriffen.

Wort für Wort
pramāṇaiḥ bahubhiḥ baddhām
gebunden mit vielen Versmaßen
tantrī-laya-samanvitam
begleitet vom Rhythmus der Saiten
bālābhyām rāghavaḥ śrutvā
von den beiden Knaben gehört habend, Rāghava
kautūhala-paraḥ abhavat
wurde von Neugier ergriffen

atha karmāntare rājā samānīya mahāmunīn . pārthivāṃśca naravyāghraḥ paṇḍitānnaigamāṃstathā ..

Da ließ der König, der Tiger unter den Männern, in einer Pause des Opferwerks die großen Weisen zusammenkommen, und ebenso die Könige, die Gelehrten und die Kaufleute.

Wort für Wort
atha karma-antare rājā
da in der Pause des Opferwerks der König
samānīya mahāmunīn
zusammenbringend die großen Weisen
pārthivān ca naravyāghraḥ
und die Könige, der Tiger unter den Männern
paṇḍitān naigamān tathā
die Gelehrten und ebenso die Kaufleute

paurāṇikāñśabdavito ye ca vṛddhā dvijātayaḥ . etānsarvānsamānīya gātārau samaveśayat ..

Die Kenner der alten Überlieferungen, die Sprachkundigen, und die alten Brahmanen - nachdem er alle diese zusammengebracht hatte, ließ er die beiden Sänger Platz nehmen.

Wort für Wort
paurāṇikān śabdavitaḥ
die Kenner der alten Überlieferungen, die Sprachkundigen
ye ca vṛddhāḥ dvijātayaḥ
und die alten Brahmanen
etān sarvān samānīya
nachdem er alle diese zusammengebracht hatte
gātārau samaveśayat
ließ er die beiden Sänger Platz nehmen

hṛṣṭā ṛṣigaṇāstatra pārthivāśca mahaujasaḥ . pibanta iva cakṣurbhyāṃ rājānaṃ gāyakau ca tau ..

Die frohen Scharen der Weisen dort und die hochmächtigen Könige tranken gleichsam mit den Augen den König und jene beiden Sänger.

Wort für Wort
hṛṣṭāḥ ṛṣi-gaṇāḥ tatra
die frohen Scharen der Weisen dort
pārthivāḥ ca mahaujasaḥ
und die hochmächtigen Könige
pibantaḥ iva cakṣurbhyām
gleichsam trinkend mit den Augen
rājānam gāyakau ca tau
den König und jene beiden Sänger

parasparamathocuste sarva eva samaṃ tataḥ . ubhau rāmasya sadṛśau bimbādbimbamivoddhṛtau ..

Dann sprachen alle zueinander gleichzeitig: 'Beide sind Rāma ähnlich, wie ein Abbild, das einem anderen Abbild entnommen ist.'

Wort für Wort
parasparam atha ūcuḥ te
dann sprachen sie zueinander
sarve eva samam tataḥ
alle gleichzeitig
ubhau rāmasya sadṛśau
beide sind Rāma ähnlich
bimbāt bimbam iva uddhṛtau
wie ein Abbild, aus einem Abbild entnommen

jaṭilau yadi na syātāṃ na valkaladharau yadi . viśeṣaṃ nādhigacchāmo gāyato rāghavasya ca ..

Wenn sie nicht Zöpfe trügen, wenn sie keine Rindenkleidung trügen - wir könnten keinen Unterschied zwischen den Singenden und Rāghava erkennen.

Wort für Wort
jaṭilau yadi na syātām
wenn sie beide nicht Zöpfe trügen
na valkala-dharau yadi
wenn sie nicht Rindenkleider trügen
viśeṣam na adhigacchāmaḥ
wir würden keinen Unterschied erkennen
gāyataḥ rāghavasya ca
zwischen den Singenden und Rāghava

teṣāṃ saṃvadatāmevaṃ śrotṝṇāṃ harṣavardhanam . geyaṃ pracakratustatra tāvubhau munidārakau ..

Während diese Zuhörer so miteinander sprachen, begannen dort die beiden Söhne des Weisen den freudevermehrenden Gesang.

Wort für Wort
teṣām saṃvadatām evam
während diese so sprachen
śrotṝṇām harṣa-vardhanam
das die Freude der Zuhörer vermehrende
geyam pracakratuḥ tatra
begannen dort den Gesang
tau ubhau muni-dārakau
die beiden Söhne des Weisen

tataḥ pravṛttaṃ madhuraṃ gāndharvamatimānuṣam . na ca tṛptiṃ yayuḥ sarve śrotāro geya sampadā ..

Da erklang der süße, übermenschliche himmlische Gesang, und alle Zuhörer wurden nicht satt an der Fülle des Gesangs.

Wort für Wort
tataḥ pravṛttam madhuram
da erklang der süße
gāndharvam ati-mānuṣam
der himmlische, übermenschliche
na ca tṛptim yayuḥ sarve
und alle wurden nicht satt
śrotāraḥ geya-sampadā
die Zuhörer, an der Fülle des Gesangs

pravṛttamāditaḥ pūrvaṃ sargānnāradadarśanāt . tataḥ prabhṛti sargāṃśca yāvadviṃśatyagāyatām ..

Begonnen von Anfang an, vom Sarga der Nārada-Begegnung an, sangen sie von da an die Sargas, bis zwanzig gesungen waren.

Wort für Wort
pravṛttam āditaḥ pūrvam
begonnen von Anfang an
sargāt nārada-darśanāt
vom Sarga der Nārada-Begegnung an
tataḥ prabhṛti sargān ca
von da an die Sargas
yāvat viṃśati agāyatām
bis zwanzig gesungen wurden

tato.aparāhṇasamaye rāghavaḥ samabhāṣata . śrutvā viṃśatisargāṃstānbharataṃ bhrātṛvatsalaḥ ..

Dann, zur Zeit des Nachmittags, nachdem er jene zwanzig Sargas gehört hatte, sprach Rāghava, der Bruderliebende, zu Bharata.

Wort für Wort
tataḥ aparāhṇa-samaye
dann zur Zeit des Nachmittags
rāghavaḥ samabhāṣata
sprach Rāghava
śrutvā viṃśati-sargān tān
nachdem er jene zwanzig Sargas gehört hatte
bharatam bhrātṛ-vatsalaḥ
zu Bharata, der Bruderliebende

aṣṭādaśa sahasrāṇi suvarṇasya mahātmanoḥ . dadasva śīghraṃ kākutstha bālayormā vṛthā śramaḥ ..

Achtzehntausend Goldstücke gib rasch den beiden hochherzigen Knaben, Kākutstha, damit ihre Mühe nicht vergeblich sei.

Wort für Wort
aṣṭādaśa sahasrāṇi
achtzehntausend
suvarṇasya mahātmanoḥ
an Gold, den beiden Hochherzigen
dadasva śīghram kākutstha
gib rasch, Kākutstha
bālayoḥ mā vṛthā śramaḥ
den beiden Knaben, damit die Mühe nicht vergeblich sei

dīyamānaṃ suvarṇaṃ tannāgṛhṇītāṃ kuśīlavau . ūcatuśca mahātmānau kimaneneti vismitau ..

Das dargebotene Gold nahmen Kuśa und Lava nicht an, und die beiden Hochherzigen sprachen erstaunt: 'Was sollen wir damit?'

Wort für Wort
dīyamānam suvarṇam tat
jenes dargebotene Gold
na agṛhṇītām kuśīlavau
nahmen Kuśa und Lava nicht an
ūcatuḥ ca mahātmānau
und die beiden Hochherzigen sprachen
kim anena iti vismitau
'was damit?', erstaunt

vanyena phalamūlena niratu svo vanaukasau . suvarṇena hiraṇyena kiṃ kariṣyāvahe vane ..

Wir beide, Waldbewohner, leben zufrieden von wilden Früchten und Wurzeln; was sollen wir beide mit Gold und Silber im Wald anfangen?

Wort für Wort
vanyena phala-mūlena
mit wilden Früchten und Wurzeln
niratau svaḥ vanaukasau
wir beide, zufrieden, Waldbewohner
suvarṇena hiraṇyena
mit Gold und Silber
kim kariṣyāvahe vane
was sollen wir beide im Wald tun

tathā tayoḥ prabruvatoḥ kautūhalasamanvitāḥ . śrotāraścaiva rāmaśca sarva eva suvismitāḥ ..

Als die beiden so sprachen, wurden alle Zuhörer und auch Rāma, von Neugier erfüllt, überaus erstaunt.

Wort für Wort
tathā tayoḥ prabruvatoḥ
als die beiden so sprachen
kautūhala-samanvitāḥ
von Neugier erfüllt
śrotāraḥ ca eva rāmaḥ ca
die Zuhörer und auch Rāma
sarve eva suvismitāḥ
alle wurden überaus erstaunt

tasya caivāgamaṃ rāmaḥ kāvyasya śrotumutsukaḥ . papraccha tau mahātejāstāvubhau munidārakau ..

Und Rāma, begierig, die Herkunft dieses Gedichts zu hören, fragte die beiden hochmächtigen Söhne des Weisen.

Wort für Wort
tasya ca eva āgamam rāmaḥ
und Rāma die Herkunft davon
kāvyasya śrotum utsukaḥ
begierig, das Gedicht zu hören
papraccha tau mahātejāḥ
fragte die beiden hochmächtigen
tau ubhau muni-dārakau
die beiden Söhne des Weisen

kimpramāṇamidaṃ kāvyaṃ kā pratiṣṭhā mahātmanaḥ . kartā kāvyasya mahataḥ ko vāsau munipuṅgavaḥ ..

Welchen Umfang hat dieses Gedicht, welchen Grund hat es beim Hochherzigen? Wer ist der Dichter dieses großen Werks, wer ist jener Stier unter den Weisen?

Wort für Wort
kim pramāṇam idam kāvyam
welchen Umfang hat dieses Gedicht
kā pratiṣṭhā mahātmanaḥ
welchen Grund hat es beim Hochherzigen
kartā kāvyasya mahataḥ
der Dichter dieses großen Werks
kaḥ vā asau muni-puṅgavaḥ
wer ist jener Stier unter den Weisen

pṛcchantaṃ rāghavaṃ vākyamūcaturmunidārakau . vālmīkirbhagavānkartā samprāpto yajñasaṃnidhim . yenedaṃ caritaṃ tubhyamaśeṣaṃ sampradarśitam ..

Auf die Frage Rāghavas antworteten die beiden Söhne des Weisen mit den Worten: 'Der erhabene Vālmīki ist der Dichter, der zur Nähe des Opfers gekommen ist, von dem dir diese Lebensgeschichte vollständig dargestellt wurde.'

Wort für Wort
pṛcchantam rāghavam vākyam
auf die Frage Rāghavas, das Wort
ūcatuḥ muni-dārakau
sprachen die beiden Söhne des Weisen
vālmīkiḥ bhagavān kartā
der erhabene Vālmīki ist der Dichter
samprāptaḥ yajña-saṃnidhim
der zur Nähe des Opfers gekommen ist
yena idam caritam tubhyam
von dem dir diese Lebensgeschichte
aśeṣam sampradarśitam
vollständig dargestellt wurde

ādiprabhṛti rājendra pañcasarga śatāni ca . pratiṣṭhā jīvitaṃ yāvattāvadrājañśubhāśubham ..

Vom Anfang an, o Fürst der Könige, umfasst es fünf Hundertschaften von Sargas, und solange Bestand und Leben währen, so lange, o König, währt darin Gutes und Schlechtes.

Wort für Wort
ādi-prabhṛti rājendra
vom Anfang an, o Fürst der Könige
pañca-sarga śatāni ca
fünf Hundertschaften von Sargas
pratiṣṭhā jīvitam yāvat
solange Bestand und Leben währen
tāvat rājan śubha-aśubham
so lange, o König, Gutes und Schlechtes

yadi buddhiḥ kṛtā rājañśravaṇāya mahāratha . karmāntare kṣaṇī hūtastacchṛṇuṣva sahānujaḥ ..

Wenn du, o König, großer Wagenkämpfer, den Entschluss gefasst hast, es zu hören, in der Pause des Opferwerks, für einen Augenblick freigemacht, so höre es zusammen mit deinen Brüdern.

Wort für Wort
yadi buddhiḥ kṛtā rājan
wenn der Entschluss gefasst wurde, o König
śravaṇāya mahāratha
zum Hören, großer Wagenkämpfer
karma-antare kṣaṇī-hūtaḥ
in der Pause des Werks, für einen Augenblick freigemacht
tat śṛṇuṣva saha-anujaḥ
so höre es zusammen mit den jüngeren Brüdern

bāḍhamityabravīdrāmastau cānujñāpya rāghavam . prahṛṣṭau jagmaturvāsaṃ yatrāsau munipuṅgavaḥ ..

'Gewiss', sprach Rāma, und die beiden, nachdem sie von Rāghava die Erlaubnis erhalten hatten, gingen hocherfreut zu der Wohnstätte, wo jener Stier unter den Weisen war.

Wort für Wort
bāḍham iti abravīt rāmaḥ
'gewiss', sprach Rāma
tau ca anujñāpya rāghavam
und die beiden, von Rāghava die Erlaubnis erhalten habend
prahṛṣṭau jagmatuḥ vāsam
gingen hocherfreut zur Wohnstätte
yatra asau muni-puṅgavaḥ
wo jener Stier unter den Weisen war

rāmo.api munibhiḥ sārdhaṃ pārthivaiśca mahātmabhiḥ . śrutvā tadgītamādhuryaṃ karmaśālāmupāgamat ..

Und Rāma, zusammen mit den Weisen und den hochherzigen Königen, begab sich, nachdem er die Süße jenes Gesangs gehört hatte, zur Opferhalle.

Wort für Wort
rāmaḥ api munibhiḥ sārdham
und Rāma zusammen mit den Weisen
pārthivaiḥ ca mahātmabhiḥ
und mit den hochherzigen Königen
śrutvā tat gīta-mādhuryam
nachdem er die Süße jenes Gesangs gehört hatte
karma-śālām upāgamat
begab sich zur Opferhalle

Interaktive Leseansicht des ganzen Werks