Quellen der Menschheit

Rāmāyaṇa · Uttarakāṇḍa

Sarga 66: Śambūka-Darśanam Rāma erblickt den Asketen Śambūka

nāradasya tu tadvākyaṃ śrutvāmṛtamayaṃ yathā | praharṣamatulaṃ lebhe lakṣmaṇaṃ cedamabravīt ||

Als er dieses Wort Nāradas, gleichsam von Nektar erfüllt, vernommen hatte, empfand er unvergleichliche Freude und sprach zu Lakṣmaṇa dieses:

Wort für Wort
nāradasya tu tadvākyaṃ
dieses Wort Nāradas aber
śrutvā amṛtamayaṃ yathā
vernehmend, gleichsam von Nektar erfüllt
praharṣam atulaṃ lebhe
empfand er unvergleichliche Freude
lakṣmaṇaṃ ca idam abravīt
und sprach zu Lakṣmaṇa dieses

gaccha saumya dvijaśreṣṭhaṃ samāśvāsaya lakṣmaṇa | bālasya ca śarīraṃ tattailadroṇyāṃ nidhāpaya ||

'Geh, sanftmütiger Lakṣmaṇa, tröste den besten der Brahmanen, und lasse den Leichnam jenes Knaben in einem Trog mit Öl legen.'

Wort für Wort
gaccha saumya
geh, sanftmütiger
dvijaśreṣṭhaṃ samāśvāsaya lakṣmaṇa
tröste den besten der Brahmanen, Lakṣmaṇa
bālasya ca śarīraṃ
und den Leichnam des Knaben
tat tailadroṇyāṃ nidhāpaya
lasse in jenem Trog mit Öl legen

gandhaiśca paramodāraistailaiśca susugandhibhiḥ | yathā na kṣīyate bālastathā saumya vidhīyatām ||

'Mit überaus edlen Duftstoffen und wohlriechenden Ölen soll dafür Sorge getragen werden, sanftmütiger, dass der Knabe nicht verwese.'

Wort für Wort
gandhaiḥ ca paramodāraiḥ
mit überaus edlen Duftstoffen
tailaiḥ ca susugandhibhiḥ
und wohlriechenden Ölen
yathā na kṣīyate bālaḥ
dass der Knabe nicht verwese
tathā saumya vidhīyatām
dafür sei gesorgt, Sanftmütiger

yathā śarīre bālasya guptasyākliṣṭakarmaṇaḥ | vipattiḥ paribhedo vā bhavenna ca tathā kuru ||

'Sorge dafür, dass am Leibe des behüteten, von unbeeinträchtigten Riten begleiteten Knaben kein Verderben oder keine Zersetzung eintritt.'

Wort für Wort
yathā śarīre bālasya
dass am Leibe des Knaben
guptasya akliṣṭakarmaṇaḥ
des behüteten, von unbeeinträchtigten Riten begleiteten
vipattiḥ paribhedaḥ vā bhavet
Verderben oder Zersetzung eintrete
na ca tathā kuru
nicht, dafür sorge

tathā sandiśya kākutstho lakṣmaṇaṃ śubhalakṣaṇam | manasā puṣpakaṃ dadhyāvāgaccheti mahāyaśāḥ ||

So, nachdem der Spross des Kakutstha dem Lakṣmaṇa von glückverheißenden Merkmalen diesen Befehl gegeben hatte, dachte der ruhmreiche mit dem Geiste an den Puṣpaka-Wagen: 'Komm!'

Wort für Wort
tathā sandiśya kākutsthaḥ
so, nachdem der Spross des Kakutstha befohlen hatte
lakṣmaṇaṃ śubhalakṣaṇam
dem Lakṣmaṇa von glückverheißenden Merkmalen
manasā puṣpakaṃ dadhyau
dachte mit dem Geiste an den Puṣpaka
āgaccha iti mahāyaśāḥ
'Komm', der Ruhmreiche

iṅgitaṃ sa tu vijñāya puṣpako hemabhūṣitaḥ | ājagāma muhūrtena sampīpaṃ rāghavasya vai ||

Der mit Gold geschmückte Puṣpaka-Wagen, den Wink erkennend, kam binnen eines Augenblicks in die Nähe des Sohnes der Raghus.

Wort für Wort
iṅgitaṃ sa tu vijñāya
den Wink aber erkennend
puṣpakaḥ hemabhūṣitaḥ
der mit Gold geschmückte Puṣpaka
ājagāma muhūrtena
kam binnen eines Augenblicks
sampīpaṃ rāghavasya vai
in die Nähe des Sohnes der Raghus

so.abravītpraṇato bhūtvā ayamasmi narādhipa | vaśyastava mahābāho kiṅkaraḥ samupasthitaḥ ||

Er sprach, sich verneigend: 'Hier bin ich, o Herrscher der Menschen; dir untertan, o Starkarmiger, bin ich als dein Diener erschienen.'

Wort für Wort
saḥ abravīt praṇataḥ bhūtvā
er sprach, sich verneigend
ayam asmi narādhipa
hier bin ich, o Herrscher der Menschen
vaśyaḥ tava mahābāho
dir untertan, o Starkarmiger
kiṅkaraḥ samupasthitaḥ
als Diener erschienen

bhāṣitaṃ ruciraṃ śrutvā puṣpakasya narādhipaḥ | abhivādya maharṣīstānvimānaṃ so.adhyarohata ||

Als der Herrscher der Menschen die angenehme Rede des Puṣpaka vernommen hatte, verneigte er sich vor jenen großen Ṛṣis und bestieg den Himmelswagen.

Wort für Wort
bhāṣitaṃ ruciraṃ śrutvā
die angenehme Rede vernehmend
puṣpakasya narādhipaḥ
des Puṣpaka, der Herrscher der Menschen
abhivādya maharṣīn tān
sich verneigend vor jenen großen Ṛṣis
vimānaṃ saḥ adhyarohata
bestieg er den Himmelswagen

dhanurgṛhītvā tūṇīṃ ca khagdaṃ ca ruciraprabham | nikṣipya nagare vīrau saumitribharatāvubhau ||

Nachdem er Bogen, Köcher und ein herrlich leuchtendes Schwert ergriffen hatte und die beiden Helden, Lakṣmaṇa und Bharata, in der Stadt zurückgelassen hatte,

Wort für Wort
dhanuḥ gṛhītvā tūṇīṃ ca
Bogen und Köcher ergreifend
khagdaṃ ca ruciraprabham
und ein herrlich leuchtendes Schwert
nikṣipya nagare vīrau
zurücklassend in der Stadt die beiden Helden
saumitribharatau ubhau
Lakṣmaṇa und Bharata, beide

prāyātpratīcīṃ sa marūnvicinvaṃśca samantataḥ | uttarāmagamacchrīmāndiśaṃ himavadāvṛtam ||

zog er nach Westen, die Wüsten überall durchmusternd, und begab sich, der Glanzvolle, dann zur nördlichen Richtung, die vom Himālaya umgeben ist.

Wort für Wort
prāyāt pratīcīṃ sa marūn
er zog nach Westen, die Wüsten
vicinvan ca samantataḥ
überall durchmusternd
uttarām agamat śrīmān
begab sich der Glanzvolle zur nördlichen
diśaṃ himavadāvṛtam
Richtung, die vom Himālaya umgeben ist

apaśyamānastatrāpi svalpamapyatha duṣkṛtam | pūrvāmapi diśaṃ sarvāmathāpaśyannarādhipaḥ ||

Da er auch dort kein noch so kleines Unrecht erblickte, durchmusterte der Herrscher der Menschen sodann auch die ganze östliche Richtung.

Wort für Wort
apaśyamānaḥ tatra api
da er auch dort nicht erblickte
svalpam api atha duṣkṛtam
auch nur ein kleines Unrecht
pūrvām api diśaṃ sarvām
auch die ganze östliche Richtung
atha apaśyat narādhipaḥ
durchmusterte sodann der Herrscher der Menschen

dakṣiṇāṃ diśamākrāmattato rājarṣinandanaḥ | śaivalasyottare pārśve dadarśa sumahatsaraḥ ||

Da durchzog der Spross des königlichen Ṛṣi die südliche Richtung; auf der Nordseite des Śaivala-Berges erblickte er einen überaus großen See.

Wort für Wort
dakṣiṇāṃ diśam ākrāmat
durchzog die südliche Richtung
tataḥ rājarṣinandanaḥ
da der Spross des königlichen Ṛṣi
śaivalasya uttare pārśve
auf der Nordseite des Śaivala
dadarśa sumahat saraḥ
erblickte er einen überaus großen See

tasminsarasi tapyantaṃ tāpasaṃ sumahattapaḥ | dadarśa rāghavaḥ śrīmānllambamānamadho mukham ||

An jenem See erblickte der glanzvolle Sohn der Raghus einen Asketen, der überaus große Askese übte, mit dem Haupt nach unten hängend.

Wort für Wort
tasmin sarasi tapyantaṃ
an jenem See, der Askese übte
tāpasaṃ sumahattapaḥ
einen Asketen, überaus große Askese
dadarśa rāghavaḥ śrīmān
erblickte der glanzvolle Sohn der Raghus
lambamānam adho mukham
mit dem Haupt nach unten hängend

athainaṃ samupāgamya tapyantaṃ tapa uttamam | uvāca rāghavo vākyaṃ dhanyastvamasi suvrata ||

Dann trat er zu ihm heran, der die höchste Askese übte, und sprach der Sohn der Raghus dieses Wort: 'Gesegnet bist du, o Frommer.'

Wort für Wort
atha enaṃ samupāgamya
dann zu ihm herantretend
tapyantaṃ tapaḥ uttamam
der die höchste Askese übte
uvāca rāghavaḥ vākyaṃ
sprach der Sohn der Raghus das Wort
dhanyaḥ tvam asi suvrata
gesegnet bist du, o Frommer

kasyāṃ yonyāṃ tapovṛddhavartase dṛḍhavikrama | kautūhalāttvāṃ pṛcchāmi rāmo dāśarathirhyaham ||

'In welcher Geburt, du an Askese Gereifter von fester Kraft, lebst du? Aus Neugier frage ich dich; ich bin ja Rāma, der Sohn des Daśaratha.'

Wort für Wort
kasyāṃ yonyāṃ tapovṛddha
in welcher Geburt, du an Askese Gereifter
vartase dṛḍhavikrama
lebst du, von fester Kraft
kautūhalāt tvāṃ pṛcchāmi
aus Neugier frage ich dich
rāmaḥ dāśarathiḥ hi aham
ich bin ja Rāma, der Sohn des Daśaratha

manīṣitaste ko nvarthaḥ svargalābho varāśrayaḥ | yamaśritya tapastaptaṃ śrotumicchāmi tāpasa ||

'Welches ist wohl dein Wunsch — der Erwerb des Himmels oder eine andere höchste Zuflucht — dem zuliebe du diese Askese übst? Ich wünsche es zu hören, o Asket.'

Wort für Wort
manīṣitaḥ te kaḥ nu arthaḥ
welches ist wohl dein gewünschtes Ziel
svargalābhaḥ varāśrayaḥ
der Erwerb des Himmels, eine höchste Zuflucht
yam āśritya tapaḥ taptaṃ
dem zuliebe die Askese geübt wird
śrotum icchāmi tāpasa
ich wünsche es zu hören, o Asket

brāhmaṇo vāsi bhadraṃ te kṣatriyo vāsi durjayaḥ | vaiśyo vā yadi vā śūdraḥ satyametadbravīhi me ||

'Bist du ein Brahmane — Heil dir —, oder bist du ein unbezwingbarer Kṣatriya, oder ein Vaiśya, oder etwa ein Śūdra? Sage mir dies wahrheitsgemäß.'

Wort für Wort
brāhmaṇaḥ vā asi bhadraṃ te
bist du ein Brahmane — Heil dir
kṣatriyaḥ vā asi durjayaḥ
oder bist du ein unbezwingbarer Kṣatriya
vaiśyaḥ vā yadi vā śūdraḥ
oder ein Vaiśya, oder etwa ein Śūdra
satyam etat bravīhi me
sage mir dies wahrheitsgemäß

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