Quellen der Menschheit

Rāmāyaṇa · Uttarakāṇḍa

Sarga 35: Hanumaj-Janma-Kathanam Agastyas Erzählung von Hanumāns Geburt, seinem Sprung nach der Sonne und Indras Blitzschlag

apṛcchata tato rāmo dakṣiṇāśālayaṃ munim . prāñjalirvinayopeta idamāha vaco.arthavat ..1..

Da fragte Rāma den im Süden weilenden Weisen (Agastya), mit gefalteten Händen, voller Ehrerbietung, sprach er dieses bedeutungsvolle Wort:

Wort für Wort
apṛcchata tataḥ rāmaḥ
da fragte Rāma
dakṣiṇāśālayaṃ munim
den im Süden weilenden Weisen
prāñjaliḥ vinayopetaḥ
mit gefalteten Händen, voller Ehrerbietung
idam āha vacaḥ arthavat
sprach er dieses bedeutungsvolle Wort

atulaṃ balametābhyāṃ vālino rāvaṇasya ca . na tvetau hanumadvīryaiḥ samāviti matirmama ..2..

'Unvergleichlich ist die Kraft dieser beiden, Vālins und Rāvaṇas; doch meiner Meinung nach kommen diese beiden der Tapferkeit Hanumāns nicht gleich.'

Wort für Wort
atulaṃ balam etābhyām
unvergleichlich ist die Kraft dieser beiden
vālinaḥ rāvaṇasya ca
Vālins und Rāvaṇas
na tu etau hanumadvīryaiḥ samau
doch diese beiden kommen Hanumāns Tapferkeit nicht gleich
iti matiḥ mama
so ist meine Meinung

śauryaṃ dākṣyaṃ balaṃ dhairyaṃ prājñatā nayasādhanam . vikramaśca prabhāvaśca hanūmati kṛtālayāḥ ..3..

'Tapferkeit, Geschicklichkeit, Kraft, Standhaftigkeit, Klugheit, das Mittel zu rechter Führung, Kühnheit und Macht haben in Hanumān ihre Wohnstatt genommen.'

Wort für Wort
śauryaṃ dākṣyaṃ balaṃ dhairyam
Tapferkeit, Geschicklichkeit, Kraft, Standhaftigkeit
prājñatā nayasādhanam
Klugheit, das Mittel rechter Führung
vikramaḥ ca prabhāvaḥ ca
Kühnheit und Macht
hanūmati kṛtālayāḥ
haben in Hanumān Wohnstatt genommen

dṛṣṭvodadhiṃ viṣīdantīṃ tadaiṣa kapivāhinīm . samāśvāsya kapīnbhūyo yojanānāṃ śataṃ plutaḥ ..4..

'Als er sah, wie das Affenheer beim Anblick des Ozeans verzagte, tröstete er die Affen und sprang dann hundert Yojanas weit.'

Wort für Wort
dṛṣṭvā udadhiṃ viṣīdantīm
als er das Affenheer verzagen sah
tadā eṣaḥ kapivāhinīm
angesichts des Ozeans, er, das Affenheer
samāśvāsya kapīn bhūyaḥ
die Affen tröstend, wiederum
yojanānāṃ śataṃ plutaḥ
sprang er hundert Yojanas weit

dharṣayitvā purīṃ laṅkāṃ rāvaṇāntaḥpuraṃ tathā . dṛṣṭvā sambhāṣitā cāpi sītā viśvāsitā tathā ..5..

'Nachdem er die Stadt Laṅkā erschreckt und ebenso das innere Gemach Rāvaṇas gesehen hatte, sprach er zu Sītā und gab ihr Zuversicht.'

Wort für Wort
dharṣayitvā purīṃ laṅkām
die Stadt Laṅkā erschreckt habend
rāvaṇāntaḥpuraṃ tathā dṛṣṭvā
und ebenso das innere Gemach Rāvaṇas gesehen habend
sambhāṣitā ca api sītā
und mit Sītā gesprochen
viśvāsitā tathā
und ihr ebenso Zuversicht gegeben

senāgragā mantrisutāḥ kiṅkarā rāvaṇātmajaḥ . ete hanumatā tatra ekena vinipātitāḥ ..6..

'Die Heerführer, die Söhne der Minister, die Diener, und selbst der Sohn Rāvaṇas — sie alle wurden dort von Hanumān allein niedergestreckt.'

Wort für Wort
senāgragāḥ mantrisutāḥ
die Heerführer, die Söhne der Minister
kiṅkarāḥ rāvaṇātmajaḥ
die Diener, der Sohn Rāvaṇas
ete hanumatā tatra
diese wurden dort von Hanumān
ekena vinipātitāḥ
allein niedergestreckt

bhūyo bandhādvimuktena sambhāṣitvā daśānanam . laṅkā bhasmīkṛtā tena pāvakeneva medinī ..7..

'Nachdem er sich abermals aus seiner Fesselung befreit und mit dem Zehnhalsigen gesprochen hatte, wurde Laṅkā von ihm zu Asche gemacht, wie die Erde durch Feuer.'

Wort für Wort
bhūyaḥ bandhāt vimuktena
abermals aus der Fesselung befreit
sambhāṣitvā daśānanam
nachdem er mit dem Zehnhalsigen gesprochen hatte
laṅkā bhasmīkṛtā tena
wurde Laṅkā von ihm zu Asche gemacht
pāvakena iva medinī
wie die Erde durch Feuer

na kālasya na śakrasya na viṣṇorvittapasya ca . karmāṇi tāni śrūyante yāni yuddhe hanūmataḥ ..8..

'Weder von Kāla, noch von Śakra, noch von Viṣṇu, noch von Vittapa (Kubera) hört man von solchen Taten, wie sie Hanumān im Kampf vollbracht hat.'

Wort für Wort
na kālasya na śakrasya
weder von Kāla noch von Śakra
na viṣṇoḥ vittapasya ca
noch von Viṣṇu noch von Kubera
karmāṇi tāni śrūyante
hört man von solchen Taten
yāni yuddhe hanūmataḥ
wie sie Hanumān im Kampf vollbrachte

etasya bāhuvīryeṇa laṅkā sītā ca lakṣmaṇaḥ . prāpto mayā jayaścaiva rājyaṃ mitrāṇi bāndhavāḥ ..9..

'Durch die Kraft seiner Arme habe ich Laṅkā, Sītā und Lakṣmaṇa wiedererlangt, und ebenso den Sieg, das Königreich, Freunde und Verwandte.'

Wort für Wort
etasya bāhuvīryeṇa
durch die Kraft seiner Arme
laṅkā sītā ca lakṣmaṇaḥ
Laṅkā, Sītā und Lakṣmaṇa
prāptaḥ mayā jayaḥ ca eva
habe ich erlangt, und auch den Sieg
rājyaṃ mitrāṇi bāndhavāḥ
das Königreich, Freunde, Verwandte

hanūmānyadi me na syādvānarādhipateḥ sakhā . pravṛttamapi ko vettuṃ jānakyāḥ śaktimānbhavet ..10..

'Wäre Hanumān, der Freund des Affenfürsten, nicht mein gewesen, wer wäre dann fähig gewesen, auch nur zu erfahren, was mit Jānakī geschehen war?'

Wort für Wort
hanūmān yadi me na syāt
wäre Hanumān nicht mein gewesen
vānarādhipateḥ sakhā
der Freund des Affenfürsten
pravṛttam api kaḥ vettum
wer wäre fähig gewesen, auch nur zu erfahren
jānakyāḥ śaktimān bhavet
was mit Jānakī geschah

kimarthaṃ vālī caitena sugrīvapriyakāmyayā . tadā vaire samutpanne na dagdho vīrudho yathā ..11..

'Warum aber wurde Vālin damals, als Feindschaft entstand, aus Liebe zu Sugrīva von diesem nicht verbrannt, wie man Kraut verbrennt?'

Wort für Wort
kimartham vālī ca etena
warum wurde aber Vālin von diesem
sugrīvapriyakāmyayā
aus Liebe zu Sugrīva
tadā vaire samutpanne
als damals Feindschaft entstand
na dagdhaḥ vīrudhaḥ yathā
nicht verbrannt, wie man Kraut verbrennt

na hi veditavānmanye hanūmānātmano balam . yaddṛṣṭavāñjīviteṣṭaṃ kliśyantaṃ vānarādhipam ..12..

'Ich glaube nämlich, dass Hanumān seine eigene Kraft nicht kannte, da er zusah, wie der ihm liebe Affenfürst um sein Leben rang, gequält.'

Wort für Wort
na hi veditavān manye
ich glaube nämlich, dass er nicht kannte
hanūmān ātmanaḥ balam
Hanumān seine eigene Kraft
yat dṛṣṭavān jīviteṣṭam
da er sah, wie der ihm im Leben Liebe
kliśyantaṃ vānarādhipam
der gequälte Affenfürst

etanme bhagavansarvaṃ hanūmati mahāmune . vistareṇa yathātattvaṃ kathayāmarapūjita ..13..

'Erzähle mir dies alles über Hanumān ausführlich und wahrheitsgemäß, o Erhabener, großer Weiser, du von den Unsterblichen Verehrter.'

Wort für Wort
etat me bhagavan sarvam
dies alles mir, o Erhabener
hanūmati mahāmune
über Hanumān, großer Weiser
vistareṇa yathātattvam
ausführlich und wahrheitsgemäß
kathaya amarapūjita
erzähle, o von den Unsterblichen Verehrter

rāghavasya vacaḥ śrutvā hetuyuktamṛṣistataḥ . hanūmataḥ samakṣaṃ tamidaṃ vacanamabravīt ..14..

Als der Weise die von guten Gründen begleiteten Worte des Rāghava gehört hatte, sprach er, in Hanumāns Gegenwart, zu ihm folgende Worte:

Wort für Wort
rāghavasya vacaḥ śrutvā
die Worte des Rāghava gehört habend
hetuyuktam ṛṣiḥ tataḥ
die von guten Gründen begleiteten, der Weise dann
hanūmataḥ samakṣaṃ tam
in Hanumāns Gegenwart, zu ihm
idaṃ vacanam abravīt
sprach er diese Worte

satyametadraghuśreṣṭha yadbravīṣi hanūmataḥ . na bale vidyate tulyo na gatau na matau paraḥ ..15..

'Wahr ist dies, o Bester der Raghus, was du über Hanumān sagst: Es gibt keinen, der ihm an Kraft, an Geschwindigkeit oder an Klugheit gleichkäme.'

Wort für Wort
satyam etat raghuśreṣṭha
wahr ist dies, o Bester der Raghus
yat bravīṣi hanūmataḥ
was du über Hanumān sagst
na bale vidyate tulyaḥ
es gibt keinen ihm an Kraft Gleichen
na gatau na matau paraḥ
noch an Geschwindigkeit, noch an Klugheit einen Überlegenen

amoghaśāpaiḥ śāpastu datto.asya ṛṣibhiḥ purā . na veditā balaṃ yena balī sannarimardanaḥ ..16..

'Ein unfehlbarer Fluch wurde ihm einst von Weisen auferlegt, durch den er, obwohl mächtig und ein Bezwinger seiner Feinde, seine eigene Kraft nicht kannte.'

Wort für Wort
amoghaśāpaiḥ śāpaḥ tu
ein Fluch mit unfehlbarer Wirkung aber
dattaḥ asya ṛṣibhiḥ purā
wurde ihm einst von Weisen auferlegt
na veditā balaṃ yena
durch den er seine Kraft nicht kannte
balī san arimardanaḥ
obwohl mächtig, ein Bezwinger der Feinde

bālye.apyetena yatkarma kṛtaṃ rāma mahābala . tanna varṇayituṃ śakyamatibālatayāsya te ..17..

'Was er schon in seiner Kindheit vollbracht hat, o Rāma, du Starkarmiger, das kann kaum geschildert werden, wegen seiner damaligen kleinen Kindheit.'

Wort für Wort
bālye api etena yat karma
was er schon in der Kindheit an Tat
kṛtaṃ rāma mahābala
vollbracht hat, o starkarmiger Rāma
tat na varṇayituṃ śakyam
das kann kaum geschildert werden
atibālatayā asya te
wegen seiner allzu großen Kindheit

yadi vāsti tvabhiprāyastacchrotuṃ tava rāghava . samādhāya matiṃ rāma niśāmaya vadāmyaham ..18..

'Wenn du aber, o Rāghava, den Wunsch hast, dies zu hören, so richte deinen Geist darauf, o Rāma, und höre — ich will es dir erzählen.'

Wort für Wort
yadi vā asti tava abhiprāyaḥ
wenn du aber den Wunsch hast
tat śrotuṃ tava rāghava
dies zu hören, o Rāghava
samādhāya matiṃ rāma
deinen Geist richtend, o Rāma
niśāmaya vadāmi aham
höre, ich will es erzählen

sūryadattavarasvarṇaḥ sumerurnāma parvataḥ . yatra rājyaṃ praśāstyasya keṣarī nāma vai pitā ..19..

'Es gibt einen Berg namens Sumeru, dem von Sūrya eine Gabe verliehenen goldenen Glanz, wo als König sein Vater namens Keśarin herrschte.'

Wort für Wort
sūryadattavarasvarṇaḥ
dem von Sūrya eine Gabe verliehenen goldenen Glanz
sumeruḥ nāma parvataḥ
ein Berg namens Sumeru
yatra rājyaṃ praśāsti
wo das Reich beherrschte
asya keśarī nāma vai pitā
sein Vater, namens Keśarin

tasya bhāryā babhūveṣṭā hyañjaneti pariśrutā . janayāmāsa tasyāṃ vai vāyurātmajamuttamam ..20..

'Dessen geliebte Gattin war die als Añjanā bekannte Frau; in ihr zeugte Vāyu seinen vortrefflichen Sohn.'

Wort für Wort
tasya bhāryā babhūva iṣṭā
dessen geliebte Gattin war
hi añjanā iti pariśrutā
die als Añjanā bekannte
janayāmāsa tasyāṃ vai
zeugte in ihr
vāyuḥ ātmajam uttamam
Vāyu seinen vortrefflichen Sohn

śāliśūkasamābhāsaṃ prāsūtemaṃ tadāñjanā . phalānyāhartukāmā vai niṣkrāntā gahane carā ..21..

'Añjanā gebar diesen Sohn, glänzend wie eine Reisähre; dann zog sie, um Früchte zu holen, in den Wald hinaus.'

Wort für Wort
śāliśūkasamābhāsam
glänzend wie eine Reisähre
prāsūta imam tadā añjanā
gebar Añjanā diesen dann
phalāni āhartukāmā vai
um Früchte zu holen
niṣkrāntā gahane carā
zog sie in den dichten Wald hinaus

eṣa māturviyogācca kṣudhayā ca bhṛśārditaḥ . ruroda śiśuratyarthaṃ śiśuḥ śarabharāḍ iva ..22..

'Er, von der Trennung von seiner Mutter und vom Hunger heftig gequält, weinte überaus laut, wie ein Löwenjunges.'

Wort für Wort
eṣaḥ mātuḥ viyogāt ca
er, von der Trennung von der Mutter
kṣudhayā ca bhṛśārditaḥ
und vom Hunger heftig gequält
ruroda śiśuḥ atyartham
weinte das Kind überaus laut
śiśuḥ śarabharāṭ iva
wie ein junger Löwe

tatodyantaṃ vivasvantaṃ japā puṣpotkaropamam . dadṛśe phalalobhācca utpapāta raviṃ prati ..23..

'Dann erblickte er die aufgehende Sonne, gleich einer Fülle von Hibiskusblüten, und sprang, von Fruchtbegierde getrieben, auf die Sonne zu.'

Wort für Wort
tataḥ udyantaṃ vivasvantam
dann die aufgehende Sonne
japā puṣpotkaropamam
gleich einer Fülle von Hibiskusblüten
dadṛśe phalalobhāt ca
erblickte er, und aus Fruchtbegierde
utpapāta raviṃ prati
sprang er auf die Sonne zu

bālārkābhimukho bālo bālārka iva mūrtimān . grahītukāmo bālārkaṃ plavate.ambaramadhyagaḥ ..24..

'Der junge Hanumān, der jungen Sonne zugewandt, gleich einer verkörperten jungen Sonne, sprang, um die junge Sonne zu ergreifen, mitten in den Himmel empor.'

Wort für Wort
bālārkābhimukhaḥ bālaḥ
der jungen Sonne zugewandte Knabe
bālārkaḥ iva mūrtimān
wie eine verkörperte junge Sonne
grahītukāmaḥ bālārkam
die junge Sonne ergreifen wollend
plavate ambaramadhyagaḥ
sprang er mitten in den Himmel

etasminplavanāne tu śiśubhāve hanūmati . devadānavasiddhānāṃ vismayaḥ sumahānabhūt ..25..

'Als der noch kindliche Hanumān so sprang, entstand bei Göttern, Dānavas und Siddhas ein überaus großes Erstaunen.'

Wort für Wort
etasmin plavamāne tu
als er aber so sprang
śiśubhāve hanūmati
der noch kindliche Hanumān
devadānavasiddhānām
bei Göttern, Dānavas und Siddhas
vismayaḥ sumahān abhūt
entstand überaus großes Erstaunen

nāpyevaṃ vegavānvāyurgaruḍo na manastathā . yathāyaṃ vāyuputrastu kramate.ambaramuttamam ..26..

'Weder der Wind ist so schnell, noch Garuḍa, noch der Geist selbst, wie dieser Sohn des Windes durch den höchsten Himmel schreitet.'

Wort für Wort
na api evaṃ vegavān vāyuḥ
nicht so schnell ist der Wind
garuḍaḥ na manaḥ tathā
noch Garuḍa, noch der Geist ebenso
yathā ayaṃ vāyuputraḥ tu
wie dieser Sohn des Windes
kramate ambaram uttamam
durchschreitet den höchsten Himmel

yadi tāvacchiśorasya īdṛśau gativikramau . yauvanaṃ balamāsādya kathaṃ vego bhaviṣyati ..27..

'Wenn schon dieses Kindes Geschwindigkeit und Kraft so beschaffen sind, wie wird dann erst seine Geschwindigkeit sein, wenn er Jugend und volle Kraft erlangt hat!'

Wort für Wort
yadi tāvat śiśoḥ asya
wenn schon dieses Kindes
īdṛśau gativikramau
solcherart Geschwindigkeit und Kraft sind
yauvanaṃ balam āsādya
wenn er Jugend und Kraft erlangt hat
kathaṃ vegaḥ bhaviṣyati
wie wird dann seine Geschwindigkeit sein

tamanuplavate vāyuḥ plavantaṃ putramātmanaḥ . sūryadāhabhayādrakṣaṃstuṣāracayaśītalaḥ ..28..

'Der Wind, kühl wie eine Masse von Reif, flog dem springenden eigenen Sohn nach, ihn aus Furcht vor der Sonnenglut schützend.'

Wort für Wort
tam anuplavate vāyuḥ
ihm nach flog der Wind
plavantaṃ putram ātmanaḥ
dem springenden eigenen Sohn
sūryadāhabhayāt rakṣan
ihn aus Furcht vor der Sonnenglut schützend
tuṣāracayaśītalaḥ
kühl wie eine Masse von Reif

bahuyojanasāhasraṃ kramatyeṣa tato.ambaram . piturbalācca bālyācca bhāskarābhyāśamāgataḥ ..29..

'So durchmaß er viele tausend Yojanas des Himmels und gelangte, durch die Kraft seines Vaters und aus Kindesunverstand, in die Nähe des Sonnengottes.'

Wort für Wort
bahuyojanasāhasram
viele tausend Yojanas
kramati eṣaḥ tataḥ ambaram
durchmaß er dann den Himmel
pituḥ balāt ca bālyāt ca
durch die Kraft des Vaters und aus Kindesunverstand
bhāskarābhyāśam āgataḥ
gelangte er in die Nähe der Sonne

śiśureṣa tvadoṣajña iti matvā divākaraḥ . kāryaṃ cātra samāyattamityevaṃ na dadāha saḥ ..30..

'Dieser ist ein unschuldiges Kind, das keinen Fehler kennt, und hier steht ohnehin etwas Bestimmtes bevor — so dachte der Tagesgestirn und verbrannte ihn nicht.'

Wort für Wort
śiśuḥ eṣaḥ tu adoṣajñaḥ
dieser ist ein unschuldiges, fehlerloses Kind
iti matvā divākaraḥ
so dachte der Tagesgestirn
kāryaṃ ca atra samāyattam
und hier steht eine Aufgabe bevor
iti evaṃ na dadāha saḥ
so verbrannte er ihn nicht

yameva divasaṃ hyeṣa grahītuṃ bhāskaraṃ plutaḥ . tameva divasaṃ rāhurjighṛkṣati divākaram ..31..

'An eben dem Tag, an dem er sprang, um die Sonne zu ergreifen, wollte auch Rāhu an ebendiesem Tag das Tagesgestirn packen.'

Wort für Wort
yam eva divasaṃ hi eṣaḥ
an eben dem Tag, an dem er
grahītuṃ bhāskaraṃ plutaḥ
sprang, um die Sonne zu ergreifen
tam eva divasaṃ rāhuḥ
an eben diesem Tag Rāhu
jighṛkṣati divākaram
wollte das Tagesgestirn packen

anena ca parāmṛṣṭo rāma sūryarathopati . apakrāntastatastrasto rāhuścandrārkamardanaḥ ..32..

'Und von ihm wurde, o Rāma, der Herr des Sonnenwagens berührt; da wich Rāhu, der Bezwinger von Mond und Sonne, erschrocken zurück.'

Wort für Wort
anena ca parāmṛṣṭaḥ
und von ihm berührt
rāma sūryarathopatiḥ
o Rāma, der Herr des Sonnenwagens
apakrāntaḥ tataḥ trastaḥ
wich da erschrocken zurück
rāhuḥ candrārkamardanaḥ
Rāhu, der Bezwinger von Mond und Sonne

sa indrabhavanaṃ gatvā saroṣaḥ siṃhikāsutaḥ . abravīdbhrukuṭīṃ kṛtvā devaṃ devagaṇairvṛtam ..33..

Er, der Sohn der Siṃhikā (Rāhu), zum Palast Indras gehend, sprach zornig, die Brauen runzelnd, zu dem von Götterscharen umgebenen Gott:

Wort für Wort
saḥ indrabhavanaṃ gatvā
er, zum Palast Indras gehend
saroṣaḥ siṃhikāsutaḥ
zornig, der Sohn der Siṃhikā
abravīt bhrukuṭīṃ kṛtvā
sprach, die Brauen runzelnd
devaṃ devagaṇaiḥ vṛtam
zum Gott, umgeben von Götterscharen

bubhukṣāpanayaṃ dattvā candrārkau mama vāsava . kimidaṃ tattvayā dattamanyasya balavṛtrahan ..34..

'Nachdem du mir Mond und Sonne gegeben hast, um meinen Hunger zu stillen, o Vāsava, was ist das, was du nun einem anderen gegeben hast, o Bezwinger Vṛtras?'

Wort für Wort
bubhukṣāpanayaṃ dattvā
zur Stillung meines Hungers gegeben habend
candrārkau mama vāsava
Mond und Sonne mir, o Vāsava
kim idaṃ tat tvayā dattam
was ist das, was von dir gegeben wurde
anyasya balavṛtrahan
einem anderen, o Bezwinger Vṛtras

adyāhaṃ parvakāle tu jighṛkṣuḥ sūryamāgataḥ . athānyo rāhurāsādya jagrāha sahasā ravim ..35..

'Heute, zur rechten Zeit der Sonnenfinsternis, kam ich, um die Sonne zu ergreifen; da hat ein anderer Rāhu die Sonne plötzlich ergriffen und angegriffen.'

Wort für Wort
adya aham parvakāle tu
heute, zur rechten Zeit aber
jighṛkṣuḥ sūryam āgataḥ
kam ich, die Sonne ergreifen wollend
atha anyaḥ rāhuḥ āsādya
da hat ein anderer Rāhu, angreifend
jagrāha sahasā ravim
die Sonne plötzlich ergriffen

sa rāhorvacanaṃ śrutvā vāsavaḥ sambhramānvitaḥ . utpapātāsanaṃ hitvā udvahankāñcanasrajam ..36..

Als Vāsava die Worte Rāhus gehört hatte, sprang er, von Bestürzung erfüllt, von seinem Sitz auf, seinen goldenen Blumenkranz tragend.

Wort für Wort
sa rāhoḥ vacanaṃ śrutvā
er, die Worte Rāhus gehört habend
vāsavaḥ sambhramānvitaḥ
Vāsava, von Bestürzung erfüllt
utpapāta āsanaṃ hitvā
sprang auf, den Sitz verlassend
udvahan kāñcanasrajam
seinen goldenen Blumenkranz tragend

tataḥ kailāsakūṭābhaṃ caturdantaṃ madasravam . śṛṅgārakāriṇaṃ prāṃṣuṃ svarṇaghaṇṭāṭṭahāsinam ..37..

Dann (bestieg er den Elefanten,) der einem Kailāsa-Gipfel glich, viergestoßzahnig, brunftig triefend, prächtig geschmückt, hochragend, mit goldenen Glocken laut erklingend.

Wort für Wort
kailāsakūṭābham
einem Kailāsa-Gipfel gleichend
caturdantaṃ madasravam
viergestoßzahnig, brunftig triefend
śṛṅgārakāriṇaṃ prāṃśum
prächtig geschmückt, hochragend
svarṇaghaṇṭāṭṭahāsinam
mit goldenen Glocken laut erklingend

indraḥ karīndramāruhya rāhuṃ kṛtvā puraḥsaram . prāyādyatrābhavatsūryaḥ sahānena hanūmatā ..38..

Indra, den Elefantenfürsten besteigend, mit Rāhu voranschreitend, zog dorthin, wo die Sonne mitsamt jenem Hanumān war.

Wort für Wort
indraḥ karīndram āruhya
Indra, den Elefantenfürsten besteigend
rāhuṃ kṛtvā puraḥsaram
Rāhu voranschreiten lassend
prāyāt yatra abhavat sūryaḥ
zog dorthin, wo die Sonne war
saha anena hanūmatā
mitsamt jenem Hanumān

athātirabhasenāgādrāhurutsṛjya vāsavam . anena ca sa vai dṛṣṭa ādhāvañśailakūṭavat ..39..

Da eilte Rāhu, Vāsava zurücklassend, mit überaus großer Hast heran; von ihm (Hanumān) aber wurde er erblickt, wie er, einem Berggipfel gleich, heranstürmte.

Wort für Wort
atha atirabhasena āgāt
da eilte mit überaus großer Hast heran
rāhuḥ utsṛjya vāsavam
Rāhu, Vāsava zurücklassend
anena ca sa vai dṛṣṭaḥ
von ihm aber wurde er erblickt
ādhāvan śailakūṭavat
heranstürmend, einem Berggipfel gleich

tataḥ sūryaṃ samutsṛjya rāhumevamavekṣya ca . utpapāta punarvyoma grahītuṃ siṃhikā sutam ..40..

Da ließ er die Sonne los, und, Rāhu so erblickend, sprang er wiederum in den Himmel empor, um den Sohn der Siṃhikā zu ergreifen.

Wort für Wort
tataḥ sūryaṃ samutsṛjya
da die Sonne loslassend
rāhum evam avekṣya ca
und Rāhu so erblickend
utpapāta punaḥ vyoma
sprang er wiederum in den Himmel
grahītuṃ siṃhikā sutam
um den Sohn der Siṃhikā zu ergreifen

utsṛjyārkamimaṃ rāma ādhāvantaṃ plavaṅgamam . dṛṣṭvā rāhuḥ parāvṛtya mukhaśeṣaḥ parāṅmukhaḥ ..41..

Als Rāhu, o Rāma, den auf ihn zustürmenden Affen sah, der die Sonne losgelassen hatte, wandte er sich, nur noch aus einem Kopf bestehend, ab und floh.

Wort für Wort
utsṛjya arkam imam rāma
diese Sonne loslassend, o Rāma
ādhāvantaṃ plavaṅgamam
den heranstürmenden Affen
dṛṣṭvā rāhuḥ parāvṛtya
Rāhu sah ihn, wandte sich ab
mukhaśeṣaḥ parāṅmukhaḥ
nur noch aus einem Kopf bestehend, abgewandt

indramāśaṃsamānastu trātāraṃ siṃhikāsutaḥ . indra indreti santrāsānmuhurmuhurabhāṣata ..42..

Der Sohn der Siṃhikā, auf Indra als seinen Retter hoffend, rief in seiner Angst immer wieder: 'Indra! Indra!'

Wort für Wort
indram āśaṃsamānaḥ tu
auf Indra hoffend aber
trātāraṃ siṃhikāsutaḥ
als Retter, der Sohn der Siṃhikā
indra indra iti santrāsāt
'Indra, Indra!' vor Angst
muhuḥ muhuḥ abhāṣata
rief er immer wieder

rāhorvikrośamānasya prāgevālakṣitaḥ svaraḥ . śrutvendrovāca māṃ bhaiṣīrayamenaṃ nihanmyaham ..43..

Als er die schon von weitem erkennbare Stimme des schreienden Rāhu hörte, sprach Indra: 'Fürchte dich nicht — ich werde diesen Affen töten.'

Wort für Wort
rāhoḥ vikrośamānasya
des schreienden Rāhu
prāk eva ālakṣitaḥ svaraḥ
schon von weitem erkennbare Stimme
śrutvā indraḥ uvāca
hörend sprach Indra
mā bhaiṣīḥ ayam enaṃ nihanmi aham
fürchte dich nicht, ich werde diesen töten

airāvataṃ tato dṛṣṭvā mahattadidamityapi . phalaṃ taṃ hastirājānamabhidudrāva mārutiḥ ..44..

Dann erblickte der Sohn des Windes den Airāvata und dachte: 'Dies ist eine große Frucht!' — und stürmte auf jenen Elefantenkönig los.

Wort für Wort
airāvataṃ tataḥ dṛṣṭvā
dann den Airāvata erblickend
mahat tat idam iti api phalam
'dies ist eine große Frucht'
taṃ hastirājānam
auf jenen Elefantenkönig
abhidudrāva mārutiḥ
stürmte der Sohn des Windes los

tadāsya dhāvato rūpamairāvatajighṛkṣayā . muhūrtamabhavadghoramindrāgnyoriva bhāsvaram ..45..

Da war seine Gestalt, während er auf Airāvata zustürmte, um ihn zu packen, für einen Augenblick furchtbar und glänzend wie Indra und Agni zugleich.

Wort für Wort
tadā asya dhāvataḥ rūpam
da war seine Gestalt, während er zustürmte
airāvatajighṛkṣayā
um Airāvata zu packen
muhūrtam abhavat ghoram
war einen Augenblick lang furchtbar
indrāgnyoḥ iva bhāsvaram
glänzend wie Indra und Agni

evamādhāvamānaṃ tu nātikruddhaḥ śacīpatiḥ . hastāntenātimuktena kuliśenābhyatāḍayat ..46..

So, als er heranstürmte, schlug ihn der Gemahl der Śacī (Indra), nicht allzu zornig, mit seinem aus der Hand geschleuderten Blitz.

Wort für Wort
evam ādhāvamānaṃ tu
so aber, den Heranstürmenden
na atikruddhaḥ śacīpatiḥ
nicht allzu zornig, der Gemahl der Śacī
hastāntena atimuktena
mit dem aus der Hand geschleuderten
kuliśena abhyatāḍayat
Blitz schlug er ihn

tato girau papātaiṣa indravajrābhitāḍitaḥ . patamānasya caitasya vāmo hanurabhajyata ..47..

Da stürzte er, vom Blitz Indras getroffen, auf einen Berg; und während er fiel, zerbrach ihm der linke Kiefer (hanu).

Wort für Wort
tataḥ girau papāta eṣaḥ
da stürzte er auf einen Berg
indravajrābhitāḍitaḥ
vom Blitz Indras getroffen
patamānasya ca etasya
und während er fiel
vāmaḥ hanuḥ abhajyata
zerbrach der linke Kiefer

tasmiṃstu patite bāle vajratāḍanavihvale . cukrodhendrāya pavanaḥ prajānāmaśivāya ca ..48..

Als das Kind so gefallen war, betäubt vom Blitzschlag, wurde der Wind zornig auf Indra — zum Unheil der Geschöpfe.

Wort für Wort
tasmin tu patite bāle
als aber das Kind gefallen war
vajratāḍanavihvale
betäubt vom Blitzschlag
cukrodha indrāya pavanaḥ
wurde der Wind zornig auf Indra
prajānām aśivāya ca
und zum Unheil der Geschöpfe

viṇmūtrāśayamāvṛtya prajāsvantargataḥ prabhuḥ . rurodha sarvabhūtāni yathā varṣāṇi vāsavaḥ ..49..

Der mächtige Wind, in die Geschöpfe eindringend und den Sitz von Kot und Urin verschließend, hemmte alle Wesen, wie Vāsava einst die Regen zurückhielt.

Wort für Wort
viṇmūtrāśayam āvṛtya
den Sitz von Kot und Urin verschließend
prajāsu antargataḥ prabhuḥ
in die Geschöpfe eindringend, der mächtige
rurodha sarvabhūtāni
hemmte er alle Wesen
yathā varṣāṇi vāsavaḥ
wie Vāsava einst die Regen

vāyuprakopādbhūtāni nirucchvāsāni sarvataḥ . sandhibhirbhajyamānāni kāṣṭhabhūtāni jajñire ..50..

Durch den Zorn des Windes wurden die Geschöpfe überall atemlos, an ihren Gelenken zerbrechend, und wurden wie Holzstücke.

Wort für Wort
vāyuprakopāt bhūtāni
durch den Zorn des Windes wurden die Wesen
nirucchvāsāni sarvataḥ
überall atemlos
sandhibhiḥ bhajyamānāni
an ihren Gelenken zerbrechend
kāṣṭhabhūtāni jajñire
wurden sie wie Holzstücke

niḥsvadhaṃ nirvaṣaṭkāraṃ niṣkriyaṃ dharmavarjitam . vāyuprakopāttrailokyaṃ nirayasthamivābabhau ..51..

Ohne Opferspende, ohne Vaṣaṭ-Ruf, ohne Handlung, der Pflicht beraubt, erschienen durch den Zorn des Windes die drei Welten wie in der Hölle befindlich.

Wort für Wort
niḥsvadhaṃ nirvaṣaṭkāram
ohne Opferspende, ohne Vaṣaṭ-Ruf
niṣkriyaṃ dharmavarjitam
ohne Handlung, der Pflicht beraubt
vāyuprakopāt trailokyam
durch den Zorn des Windes die drei Welten
nirayastham iva ābabhau
erschienen wie in der Hölle befindlich

tataḥ prajāḥ sagandharvāḥ sadevāsuramānuṣāḥ . prajāpatiṃ samādhāvannasukhārtāḥ sukhaiṣiṇaḥ ..52..

Da liefen die Geschöpfe, samt den Gandharvas, Göttern, Asuras und Menschen, vom Unglück gepeinigt, das Glück suchend, zu Prajāpati.

Wort für Wort
tataḥ prajāḥ sagandharvāḥ
da die Geschöpfe samt den Gandharvas
sadevāsuramānuṣāḥ
samt Göttern, Asuras und Menschen
prajāpatiṃ samādhāvan
liefen zu Prajāpati
asukhārtāḥ sukhaiṣiṇaḥ
vom Unglück gepeinigt, das Glück suchend

ūcuḥ prāñjalayo devā darodaranibhodarāḥ . tvayā sma bhagavansṛṣṭāḥ prajānātha caturvidhāḥ ..53..

Mit gefalteten Händen sprachen die Götter, deren Leiber hohl wie Muschelschalen geworden waren: 'Von dir, o Erhabener, Herr der Geschöpfe, wurden wir vierfach erschaffen.'

Wort für Wort
ūcuḥ prāñjalayaḥ devāḥ
es sprachen die Götter mit gefalteten Händen
darodaranibhodarāḥ
deren Leiber hohl wie Muschelschalen
tvayā sma bhagavan sṛṣṭāḥ
von dir, o Erhabener, wurden erschaffen
prajānātha caturvidhāḥ
o Herr der Geschöpfe, vierfach

tvayā datto.ayamasmākamāyuṣaḥ pavanaḥ patiḥ . so.asmānprāṇeśvaro bhūtvā kasmādeṣo.adya sattama ..54..

'Von dir wurde uns dieser Wind als Herr unseres Lebens gegeben; warum, o Bester, hemmt er, obwohl er der Herr unseres Lebensatems ist, uns heute?'

Wort für Wort
tvayā dattaḥ ayam asmākam
von dir wurde uns dieser gegeben
āyuṣaḥ pavanaḥ patiḥ
der Wind als Herr des Lebens
saḥ asmān prāṇeśvaraḥ bhūtvā
er, obwohl er unser Lebensherr ist
kasmāt eṣaḥ adya sattama
warum, o Bester, heute (hemmt er uns)

rurodha duḥkhaṃ janayannantaḥpura iva striyaḥ . tasmāttvāṃ śaraṇaṃ prāptā vāyunopahatā vibho ..55..

'Er hemmt uns, Leid erzeugend, wie Frauen im inneren Gemach eingeschlossen sind; darum haben wir, vom Wind getroffen, bei dir Zuflucht gesucht, o Herr.'

Wort für Wort
rurodha duḥkhaṃ janayan
er hemmt uns, Leid erzeugend
antaḥpure iva striyaḥ
wie Frauen im inneren Gemach
tasmāt tvāṃ śaraṇaṃ prāptāḥ
darum haben wir bei dir Zuflucht gesucht
vāyunā upahatā vibho
vom Wind getroffen, o Herr

vāyusaṃrodhajaṃ duḥkhamidaṃ no nuda śatruhan ..56..

'Vertreibe dieses durch die Hemmung des Windes entstandene Leid von uns, o Feindebezwinger!'

Wort für Wort
vāyusaṃrodhajaṃ duḥkham
das durch die Hemmung des Windes entstandene Leid
idaṃ naḥ nuda śatruhan
vertreibe dies von uns, o Feindebezwinger

etatprajānāṃ śrutvā tu prajānāthaḥ prajāpatiḥ . kāraṇāditi tānuktvā prajāḥ punarabhāṣata ..57..

Als Prajāpati, der Herr der Geschöpfe, dies von den Geschöpfen gehört hatte, sagte er ihnen den Grund und sprach dann weiter zu den Geschöpfen:

Wort für Wort
etat prajānāṃ śrutvā tu
dies von den Geschöpfen gehört habend aber
prajānāthaḥ prajāpatiḥ
der Herr der Geschöpfe, Prajāpati
kāraṇāt iti tān uktvā
den Grund ihnen gesagt habend
prajāḥ punaḥ abhāṣata
sprach er wieder zu den Geschöpfen

yasminvaḥ kāraṇe vāyuś cukrodha ca rurodha ca . prajāḥ śṛṇudhvaṃ tatsarvaṃ śrotavyaṃ cātmanaḥ kṣamam ..58..

'Aus welchem Grund der Wind zürnte und euch hemmte — hört dies alles, ihr Geschöpfe, denn es ziemt sich, es zu hören.'

Wort für Wort
yasmin vaḥ kāraṇe vāyuḥ
aus welchem Grund für euch der Wind
cukrodha ca rurodha ca
zürnte und hemmte
prajāḥ śṛṇudhvaṃ tat sarvam
ihr Geschöpfe, hört dies alles
śrotavyaṃ ca ātmanaḥ kṣamam
denn es ziemt sich, es zu hören

putrastasyāmareśena indreṇādya nipātitaḥ . rāhorvacanamājñāya rājñā vaḥ kopito.anilaḥ ..59..

'Sein Sohn wurde heute von dem Götterherrn Indra niedergeschlagen, nachdem er den Worten Rāhus Glauben geschenkt hatte; darum wurde euer Wind vom König erzürnt.'

Wort für Wort
putraḥ tasya amareśena
dessen Sohn von dem Götterherrn
indreṇa adya nipātitaḥ
von Indra heute niedergeschlagen
rāhoḥ vacanam ājñāya
den Worten Rāhus Glauben schenkend
rājñā vaḥ kopitaḥ anilaḥ
vom König wurde euer Wind erzürnt

aśarīraḥ śarīreṣu vāyuścarati pālayan . śarīraṃ hi vinā vāyuṃ samatāṃ yāti reṇubhiḥ ..60..

'Der Wind, selbst ohne Körper, durchwaltet die Körper und beschützt sie; denn ein Körper ohne den Wind wird dem Staub gleich.'

Wort für Wort
aśarīraḥ śarīreṣu
selbst ohne Körper, in den Körpern
vāyuḥ carati pālayan
waltet der Wind, sie beschützend
śarīraṃ hi vinā vāyum
ein Körper aber ohne den Wind
samatāṃ yāti reṇubhiḥ
wird dem Staub gleich

vāyuḥ prāṇāḥ sukhaṃ vāyurvāyuḥ sarvamidaṃ jagat . vāyunā samparityaktaṃ na sukhaṃ vindate jagat ..61..

'Der Wind ist der Lebensatem, der Wind ist das Glück, der Wind ist diese ganze Welt; von Wind verlassen, findet die Welt kein Glück.'

Wort für Wort
vāyuḥ prāṇāḥ sukhaṃ vāyuḥ
der Wind ist der Lebensatem, der Wind ist das Glück
vāyuḥ sarvam idaṃ jagat
der Wind ist diese ganze Welt
vāyunā samparityaktam
von Wind verlassen
na sukhaṃ vindate jagat
findet die Welt kein Glück

adyaiva ca parityaktaṃ vāyunā jagadāyuṣā . adyaiveme nirucchvāsāḥ kāṣṭhakuḍyopamāḥ sthitāḥ ..62..

'Heute nun ist die Welt vom Wind, dem Lebensatem, verlassen worden; heute stehen diese hier atemlos da, gleich Holz und Lehmwänden.'

Wort für Wort
adya eva ca parityaktam
heute nun ist verlassen worden
vāyunā jagat āyuṣā
die Welt vom Wind, dem Lebensatem
adya eva ime nirucchvāsāḥ
heute sind diese atemlos
kāṣṭhakuḍyopamāḥ sthitāḥ
gleich Holz und Lehmwänden stehen sie da

tadyāmastatra yatrāste māruto rukprado hi vaḥ . mā vināśaṃ gamiṣyāma aprasādyāditeḥ sutam ..63..

'So lasst uns denn dorthin gehen, wo der Wind weilt, der euch dieses Leid bereitet — auf dass wir nicht zugrunde gehen, ohne den Sohn der Aditi (Indra) versöhnt zu haben.'

Wort für Wort
tat yāmaḥ tatra yatra āste
so lasst uns dorthin gehen, wo weilt
mārutaḥ rukpradaḥ hi vaḥ
der Wind, der euch Leid bereitet
mā vināśaṃ gamiṣyāma
auf dass wir nicht zugrunde gehen
aprasādya āditeḥ sutam
ohne den Sohn der Aditi versöhnt zu haben

tataḥ prajābhiḥ sahitaḥ prajāpatiḥ sadevagandharvabhujaṅgaguhyakaḥ . jagāma tatrāsyati yatra mārutaḥ sutaṃ surendrābhihataṃ pragṛhya saḥ ..64..

Dann ging Prajāpati, zusammen mit den Geschöpfen, samt Göttern, Gandharvas, Schlangen und Guhyakas, dorthin, wo der Wind saß, seinen vom Götterherrn getroffenen Sohn in den Armen haltend.

Wort für Wort
tataḥ prajābhiḥ sahitaḥ
dann, zusammen mit den Geschöpfen
prajāpatiḥ sadevagandharvabhujaṅgaguhyakaḥ
Prajāpati, samt Göttern, Gandharvas, Schlangen, Guhyakas
jagāma tatra āste yatra mārutaḥ
ging dorthin, wo der Wind saß
sutaṃ surendrābhihataṃ pragṛhya saḥ
seinen vom Götterherrn getroffenen Sohn haltend, er

tato.arkavaiśvānarakāñcanaprabhaṃ sutaṃ tadotsaṅgagataṃ sadā gateḥ . caturmukho vīkṣya kṛpāmathākarot sadevasiddharṣibhujaṅgarākṣasaḥ ..65..

Da, als der Viergesichtige (Brahmā) den Sohn erblickte, der wie Sonne und Feuer golden glänzte, im Schoß des stets in Bewegung befindlichen Windes liegend, erbarmte er sich, samt Göttern, Siddhas, Weisen, Schlangen und Rākṣasas.

Wort für Wort
tataḥ arkavaiśvānarakāñcanaprabham
dann, wie Sonne und Feuer golden glänzend
sutaṃ tadā utsaṅgagataṃ sadā gateḥ
den Sohn, im Schoß des stets bewegten (Windes) liegend
caturmukhaḥ vīkṣya kṛpām atha akarot
der Viergesichtige, ihn erblickend, erbarmte sich dann
sadevasiddharṣibhujaṅgarākṣasaḥ
samt Göttern, Siddhas, Weisen, Schlangen, Rākṣasas

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