Quellen der Menschheit

Rāmāyaṇa · Uttarakāṇḍa

Sarga 30: Ahalyā-Śāpa-Kathanam Die Freilassung Indras durch Indrajit und die Erzählung von Ahalyās Fluch

jite mahendre.atibale rāvaṇasya sutena vai . prajāpatiṃ puraskṛtya gatvā laṅkāṃ surāstadā ..1..

Als der überaus mächtige Mahendra vom Sohn Rāvaṇas besiegt worden war, begaben sich die Götter damals, Prajāpati (Brahmā) vorausgehen lassend, nach Laṅkā.

Wort für Wort
jite mahendre atibale
als der überaus mächtige Mahendra besiegt war
rāvaṇasya sutena vai
fürwahr vom Sohn Rāvaṇas
prajāpatiṃ puraskṛtya
Prajāpati vorausgehen lassend
gatvā laṅkāṃ surāḥ tadā
begaben sich die Götter da nach Laṅkā

taṃ rāvaṇaṃ samāsādya putrabhrātṛbhirāvṛtam . abravīdgagane tiṣṭhansāntvapūrvaṃ prajāpatiḥ ..2..

Als Prajāpati zu jenem Rāvaṇa gelangt war, der von seinem Sohn und seinen Brüdern umgeben war, sprach er, in der Luft stehend, zunächst mit versöhnlichen Worten.

Wort für Wort
taṃ rāvaṇaṃ samāsādya
zu jenem Rāvaṇa gelangend
putrabhrātṛbhiḥ āvṛtam
der von Sohn und Brüdern umgeben war
abravīt gagane tiṣṭhan
sprach er, im Himmelsraum stehend
sāntvapūrvaṃ prajāpatiḥ
zunächst mit versöhnlichen Worten, Prajāpati

vatsa rāvaṇa tuṣṭo.asmi tava putrasya saṃyuge . aho.asya vikramaudāryaṃ tava tulyo.adhiko.api vā ..3..

'Mein Sohn Rāvaṇa, ich bin zufrieden mit deinem Sohn im Kampf. Ah, welche Tapferkeit und Erhabenheit besitzt er — dir gleich oder sogar noch überlegen!'

Wort für Wort
vatsa rāvaṇa tuṣṭaḥ asmi
mein Sohn Rāvaṇa, ich bin zufrieden
tava putrasya saṃyuge
mit deinem Sohn im Kampf
aho asya vikramaudāryam
ah, seine Tapferkeit und Erhabenheit
tava tulyaḥ adhikaḥ api vā
dir gleich oder sogar überlegen

jitaṃ hi bhavatā saraṃ trailokyaṃ svena tejasā . kṛtā pratijñā saphalā prīto.asmi svasutena vai ..4..

'Durch dich sind ja die drei Welten samt ihren Göttern durch deine eigene Macht besiegt worden; dein Gelübde ist erfüllt, ich bin erfreut über deinen eigenen Sohn.'

Wort für Wort
jitaṃ hi bhavatā saraṃ trailokyam
besiegt sind ja von dir die drei Welten samt (den Göttern)
svena tejasā
durch deine eigene Macht
kṛtā pratijñā saphalā
dein Gelübde ist erfüllt
prītaḥ asmi svasutena vai
ich bin fürwahr erfreut über deinen eigenen Sohn

ayaṃ ca putro.atibalastava rāvaṇarāvaṇiḥ . indrajittviti vikhyāto jagatyeṣa bhaviṣyati ..5..

'Und dieser dein überaus mächtiger Sohn, Rāvaṇi, wird in der Welt fortan als „Indrajit“ (Indra-Bezwinger) berühmt sein.'

Wort für Wort
ayaṃ ca putraḥ atibalaḥ
und dieser überaus mächtige Sohn
tava rāvaṇa rāvaṇiḥ
dein, Rāvaṇa, Rāvaṇi
indrajit iti vikhyātaḥ
als „Indrajit“ berühmt
jagati eṣaḥ bhaviṣyati
wird dieser in der Welt sein

balavāñśatrunirjetā bhaviṣyatyeṣa rākṣasaḥ . yamāśritya tvayā rājansthāpitāstridaśā vaśe ..6..

'Mächtig und ein Bezwinger der Feinde wird dieser Rākṣasa sein, durch dessen Hilfe du, o König, die dreißig Götter in deine Gewalt gebracht hast.'

Wort für Wort
balavān śatrunirjetā
mächtig, ein Bezwinger der Feinde
bhaviṣyati eṣaḥ rākṣasaḥ
wird dieser Rākṣasa sein
yam āśritya tvayā rājan
auf den gestützt du, o König
sthāpitāḥ tridaśāḥ vaśe
die Dreißig (Götter) in deine Gewalt gebracht hast

tanmucyatāṃ mahābāho mahendraḥ pākaśāsanaḥ . kiṃ cāsya mokṣaṇārthāya prayacchanti divaukasaḥ ..7..

'Darum, o Starkarmiger, möge Mahendra Pākaśāsana freigelassen werden. Und was geben dir wohl die Himmelsbewohner zu seiner Freilassung?'

Wort für Wort
tat mucyatāṃ mahābāho
darum möge, o Starkarmiger
mahendraḥ pākaśāsanaḥ
Mahendra Pākaśāsana freigelassen werden
kiṃ ca asya mokṣaṇārthāya
und was, zu seiner Freilassung
prayacchanti divaukasaḥ
geben dir die Himmelsbewohner

athābravīnmahātejā indrajitsamitiñjayaḥ . amaratvamahaṃ deva vṛṇomīhāsya mokṣaṇe ..8..

Da sprach der glanzvolle Indrajit, der Sieger in der Schlacht: 'O Gott, für seine Freilassung wähle ich hier die Unsterblichkeit.'

Wort für Wort
atha abravīt mahātejāḥ
da sprach der Glanzvolle
indrajit samitiñjayaḥ
Indrajit, der Sieger in der Schlacht
amaratvam ahaṃ deva
die Unsterblichkeit, o Gott, ich
vṛṇomi iha asya mokṣaṇe
wähle hier bei seiner Freilassung

abravīttu tadā devo rāvaṇiṃ kamalodbhavaḥ . nāsti sarvāmaratvaṃ hi keṣāṃ citprāṇināṃ bhuvi ..9..

Da sprach der aus dem Lotos Entstandene (Brahmā) zu Rāvaṇi: 'Vollständige Unsterblichkeit gibt es ja für keines der Lebewesen auf Erden.'

Wort für Wort
abravīt tu tadā devaḥ
da aber sprach der Gott
rāvaṇiṃ kamalodbhavaḥ
zu Rāvaṇi, der Lotosentsprossene
na asti sarvāmaratvaṃ hi
vollständige Unsterblichkeit gibt es ja nicht
keṣāṃ cit prāṇināṃ bhuvi
für irgendwelche Lebewesen auf Erden

athābravītsa tatrasthamindrajitpadmasambhavam . śrūyatāṃ yā bhavetsiddhiḥ śatakratuvimokṣaṇe ..10..

Da sprach Indrajit zu dem dort stehenden Lotosgeborenen: 'So höre denn, welche Vollkommenheit bei der Freilassung Śatakratus eintreten möge.'

Wort für Wort
atha abravīt saḥ tatrastham
da sprach er zu dem dort Stehenden
indrajit padmasambhavam
Indrajit zu dem Lotosgeborenen
śrūyatāṃ yā bhavet siddhiḥ
es höre, welche Vollkommenheit eintreten möge
śatakratuvimokṣaṇe
bei der Freilassung Śatakratus

mameṣṭaṃ nityaśo deva havyaiḥ sampūjya pāvakaḥ . saṅgrāmamavatartuṃ vai śatrunirjayakāṅkṣiṇaḥ ..11..

'O Gott, mein ständiges Opfer sei es, das Feuer stets mit Opfergaben zu verehren, ehe ich, den Sieg über den Feind begehrend, in den Kampf hinabsteige.'

Wort für Wort
mama iṣṭaṃ nityaśaḥ deva
mein ständiges Opfer, o Gott
havyaiḥ sampūjya pāvakaḥ
das Feuer mit Opfergaben verehrend
saṅgrāmam avatartuṃ vai
ehe ich fürwahr in den Kampf hinabsteige
śatrunirjayakāṅkṣiṇaḥ
den Sieg über den Feind begehrend

tasmiṃścedasamāpte tu japyahome vibhāvasoḥ . yudhyeyaṃ devaṃ saṅgrāme tadā me syādvināśanam ..12..

'Sollte ich aber, während jenes Gebet und Feueropfer an Vibhāvasu (Agni) noch nicht vollendet ist, gegen den Gott kämpfen müssen, dann werde ich zugrunde gehen.'

Wort für Wort
tasmin ca asamāpte tu
während dieses aber unvollendet ist
japyahome vibhāvasoḥ
Gebet und Feueropfer an Vibhāvasu
yudhyeyaṃ devaṃ saṅgrāme
müsste ich gegen den Gott im Kampf kämpfen
tadā me syāt vināśanam
dann wäre mein Untergang die Folge

sarvo hi tapasā caiva vṛṇotyamaratāṃ pumān . vikrameṇa mayā tvetadamaratvaṃ pravartitam ..13..

'Denn jeder Mensch erlangt Unsterblichkeit ja durch Askese; ich aber habe diese Unsterblichkeit durch meine eigene Tapferkeit begründet.'

Wort für Wort
sarvaḥ hi tapasā ca eva
jeder ja durch Askese
vṛṇoti amaratāṃ pumān
erlangt der Mensch Unsterblichkeit
vikrameṇa mayā tu etat
durch Tapferkeit aber habe ich dies
amaratvaṃ pravartitam
die Unsterblichkeit begründet

evamastviti taṃ prāha vākyaṃ devaḥ prajāpatiḥ . muktaścendravito śakro gatāśca tridivaṃ surāḥ ..14..

'So sei es', sprach der Gott Prajāpati zu ihm dieses Wort; und Śakra wurde von Indrajit freigelassen, und die Götter kehrten in den Himmel zurück.

Wort für Wort
evam astu iti taṃ prāha
'so sei es', sprach er zu ihm
vākyaṃ devaḥ prajāpatiḥ
dieses Wort, der Gott Prajāpati
muktaḥ ca indravitā śakraḥ
und Śakra wurde von Indrajit freigelassen
gatāḥ ca tridivaṃ surāḥ
und die Götter zogen in den Himmel

etasminnantare śakro dīno bhraṣṭāmbarasrajaḥ . rāma cintāparītātmā dhyānatatparatāṃ gataḥ ..15..

In diesem Augenblick aber, o Rāma, verfiel Śakra, elend, seiner Gewänder und Kränze beraubt, ganz von Sorge erfüllten Sinnes, in tiefes Grübeln.

Wort für Wort
etasmin antare śakraḥ dīnaḥ
in diesem Augenblick Śakra, elend
bhraṣṭāmbarasrajaḥ
seiner Gewänder und Kränze beraubt
rāma cintāparītātmā
o Rāma, ganz von Sorge erfüllten Sinnes
dhyānatatparatāṃ gataḥ
verfiel er in tiefes Grübeln

taṃ tu dṛṣṭvā tathābhūtaṃ prāha devaḥ prajāpatiḥ . śakrakrato kimutkaṇṭhāṃ karoṣi smara duṣkṛtam ..16..

Als er ihn so sah, sprach der Gott Prajāpati: 'Śakra, du Opferherr, warum bist du so bekümmert? Erinnere dich an deine üble Tat.'

Wort für Wort
taṃ tu dṛṣṭvā tathābhūtam
ihn aber so sehend
prāha devaḥ prajāpatiḥ
sprach der Gott Prajāpati
śakrakrato kim utkaṇṭhāṃ karoṣi
Śakra, Opferherr, warum bist du bekümmert
smara duṣkṛtam
erinnere dich an die üble Tat

amarendra mayā bahvyaḥ prajāḥ sṛṣṭāḥ purā prabho . ekavarṇāḥ samābhāṣā ekarūpāśca sarvaśaḥ ..17..

'O Herr der Unsterblichen, einst habe ich, o Gebieter, viele Geschöpfe erschaffen, alle von einer Farbe, gleicher Sprache und durchweg gleicher Gestalt.'

Wort für Wort
amarendra mayā bahvyaḥ
o Herr der Unsterblichen, von mir viele
prajāḥ sṛṣṭāḥ purā prabho
Geschöpfe erschaffen einst, o Gebieter
ekavarṇāḥ samābhāṣāḥ
von einer Farbe, gleicher Sprache
ekarūpāḥ ca sarvaśaḥ
und durchweg gleicher Gestalt

tāsāṃ nāsti viśeṣo hi darśane lakṣaṇe.api vā . tato.ahamekāgramanāstāḥ prajāḥ paryacintayam ..18..

'Unter ihnen gab es keinen Unterschied, weder im Aussehen noch in den Merkmalen; da sann ich, mit gesammeltem Geist, über jene Geschöpfe nach.'

Wort für Wort
tāsāṃ na asti viśeṣaḥ hi
unter ihnen gab es ja keinen Unterschied
darśane lakṣaṇe api vā
weder im Aussehen noch in den Merkmalen
tataḥ aham ekāgramanāḥ
da sann ich, gesammelten Geistes
tāḥ prajāḥ paryacintayam
über jene Geschöpfe nach

so.ahaṃ tāsāṃ viśeṣārthaṃ striyamekāṃ vinirmame . yadyatprajānāṃ pratyaṅgaṃ viśiṣṭaṃ tattaduddhṛtam ..19..

'So schuf ich denn, um unter ihnen einen Unterschied zu schaffen, eine einzige Frau; was auch immer an den Gliedern der Geschöpfe das Vorzüglichste war, das jeweils wurde herausgenommen.'

Wort für Wort
saḥ aham tāsāṃ viśeṣārtham
so schuf ich, um unter ihnen einen Unterschied zu schaffen
striyam ekāṃ vinirmame
eine einzige Frau
yat yat prajānāṃ pratyaṅgaṃ viśiṣṭam
was auch immer an den Gliedern der Geschöpfe vorzüglich war
tat tat uddhṛtam
das jeweils wurde herausgenommen

tato mayā rūpaguṇairahalyā strī vinirmitā . ahalyetyeva ca mayā tasyā nāma pravartitam ..20..

'So wurde von mir mit Schönheit und Vorzügen die Frau Ahalyā erschaffen, und „Ahalyā“ gab ich ihr selbst zum Namen.'

Wort für Wort
tataḥ mayā rūpaguṇaiḥ
so wurde von mir mit Schönheit und Vorzügen
ahalyā strī vinirmitā
die Frau Ahalyā erschaffen
ahalyā iti eva ca mayā
und „Ahalyā“ eben von mir
tasyāḥ nāma pravartitam
wurde ihr Name festgesetzt

nirmitāyā tu devendra tasyāṃ nāryāṃ surarṣabha . bhaviṣyatīti kasyaiṣā mama cintā tato.abhavat ..21..

'Nachdem aber diese Frau geschaffen war, o Herr der Götter, du Bester der Götter, entstand bei mir die Überlegung: Wessen (Gattin) soll sie nun werden?'

Wort für Wort
nirmitāyāḥ tu devendra
nachdem sie aber geschaffen war, o Herr der Götter
tasyāṃ nāryāṃ surarṣabha
über jene Frau, du Bester der Götter
bhaviṣyati iti kasya eṣā
wessen sie wohl sein werde
mama cintā tataḥ abhavat
entstand da bei mir die Überlegung

tvaṃ tu śakra tadā nārīṃ jānīṣe manasā prabho . sthānādhikatayā patnī mamaiṣeti purandara ..22..

'Du aber, Śakra, dachtest damals bei dir, o Gebieter, Purandara: Wegen meines höheren Ranges gebührt mir diese Frau als Gattin.'

Wort für Wort
tvaṃ tu śakra tadā nārīm
du aber, Śakra, damals über die Frau
jānīṣe manasā prabho
dachtest bei dir, o Gebieter
sthānādhikatayā patnī
wegen (meines) höheren Ranges als Gattin
mama eṣā iti purandara
gebührt mir diese, o Purandara

sā mayā nyāsabhūtā tu gautamasya mahātmanaḥ . nyastā bahūni varṣāṇi tena niryātitā ca sā ..23..

'Ich aber übergab sie dem hochherzigen Gautama als anvertrautes Gut; viele Jahre blieb sie ihm anvertraut, und schließlich wurde sie von ihm zurückgegeben.'

Wort für Wort
sā mayā nyāsabhūtā tu
sie aber von mir als anvertrautes Gut
gautamasya mahātmanaḥ
dem hochherzigen Gautama
nyastā bahūni varṣāṇi
anvertraut für viele Jahre
tena niryātitā ca sā
und von ihm wurde sie zurückgegeben

tatastasya parijñāya mayā sthairyaṃ mahāmuneḥ . jñātvā tapasi siddhiṃ ca patnyarthaṃ sparśitā tadā ..24..

'Als ich dann die Standhaftigkeit jenes großen Weisen erkannt und seine Vollendung in der Askese erfahren hatte, wurde sie ihm damals zur Frau übergeben.'

Wort für Wort
tataḥ tasya parijñāya
dann, nachdem ich seine erkannt hatte
mayā sthairyaṃ mahāmuneḥ
von mir Standhaftigkeit des großen Weisen
jñātvā tapasi siddhiṃ ca
und seine Vollendung in der Askese erkennend
patnyarthaṃ sparśitā tadā
wurde sie da zur Gattin gegeben

sa tayā saha dharmātmā ramate sma mahāmuniḥ . āsannirāśā devāstu gautame dattayā tayā ..25..

'Mit ihr lebte der fromme, große Weise glücklich zusammen; die Götter aber gaben, als sie dem Gautama gegeben worden war, ihre Hoffnung (auf sie) auf.'

Wort für Wort
saḥ tayā saha dharmātmā
er, der Fromme, mit ihr
ramate sma mahāmuniḥ
lebte glücklich, der große Weise
āsan nirāśāḥ devāḥ tu
die Götter aber wurden hoffnungslos
gautame dattayā tayā
als sie dem Gautama gegeben war

tvaṃ kruddhastviha kāmātmā gatvā tasyāśramaṃ muneḥ . dṛṣṭavāṃśca tadā tāṃ strīṃ dīptāmagniśikhām iva ..26..

'Du aber, von Zorn und Begierde erfüllt, gingst zur Einsiedelei jenes Weisen und erblicktest dort jene Frau, leuchtend wie eine Feuerflamme.'

Wort für Wort
tvaṃ kruddhaḥ tu iha kāmātmā
du aber, hier von Zorn und Begierde erfüllt
gatvā tasya āśramaṃ muneḥ
zur Einsiedelei jenes Weisen gehend
dṛṣṭavān ca tadā tāṃ strīm
und erblicktest da jene Frau
dīptām agniśikhām iva
leuchtend wie eine Feuerflamme

sā tvayā dharṣitā śakra kāmārtena samanyunā . dṛṣṭastvaṃ ca tadā tena āśrame paramarṣiṇā ..27..

'Sie wurde von dir, Śakra, von Begierde und Zorn getrieben, geschändet; und du wurdest dabei von jenem höchsten Weisen in der Einsiedelei erblickt.'

Wort für Wort
sā tvayā dharṣitā śakra
sie wurde von dir, Śakra, geschändet
kāmārtena samanyunā
von Begierde geplagt, mit Zorn
dṛṣṭaḥ tvaṃ ca tadā tena
und du wurdest da von jenem erblickt
āśrame paramarṣiṇā
in der Einsiedelei, von dem höchsten Weisen

tataḥ kruddhena tenāsi śaptaḥ paramatejasā . gato.asi yena devendra daśābhāgaviparyayam ..28..

'Da wurdest du von jenem in höchstem Zorn Entbrannten verflucht, wodurch du, Herr der Götter, eine Umkehrung deines zehnten Teiles erlittest.'

Wort für Wort
tataḥ kruddhena tena asi śaptaḥ
da wurdest du von jenem Erzürnten verflucht
paramatejasā
von höchster Kraft
gataḥ asi yena devendra
wodurch du, Herr der Götter, gerietest
daśābhāgaviparyayam
in eine Umkehrung des zehnten Teiles

yasmānme dharṣitā patnī tvayā vāsava nirbhayam . tasmāttvaṃ samare rājañśatruhastaṃ gamiṣyasi ..29..

„Weil du, Vāsava, ohne Furcht meine Gattin geschändet hast, darum wirst du, o König, im Kampf in die Hand eines Feindes geraten.“

Wort für Wort
yasmāt me dharṣitā patnī
weil meine Gattin geschändet wurde
tvayā vāsava nirbhayam
von dir, Vāsava, ohne Furcht
tasmāt tvaṃ samare rājan
darum wirst du, o König, im Kampf
śatruhastaṃ gamiṣyasi
in die Hand eines Feindes geraten

ayaṃ tu bhāvo durbuddhe yastvayeha pravartitaḥ . mānuṣeṣvapi sarveṣu bhaviṣyati na saṃśayaḥ ..30..

„Diese Neigung aber, du Übelgesinnter, die von dir hier in die Welt gesetzt wurde, wird zweifellos auch bei allen Menschen fortbestehen.“

Wort für Wort
ayaṃ tu bhāvaḥ durbuddhe
diese Neigung aber, du Übelgesinnter
yaḥ tvayā iha pravartitaḥ
die von dir hier in Gang gesetzt wurde
mānuṣeṣu api sarveṣu
auch bei allen Menschen
bhaviṣyati na saṃśayaḥ
wird sein, kein Zweifel

tatrādharmaḥ subalavānsamutthāsyati yo mahān . tatrārdhaṃ tasya yaḥ kartā tvayyardhaṃ nipatiṣyati ..31..

„Wo immer daraus großes, gewaltiges Unrecht entstehen wird, davon wird die eine Hälfte auf den Täter fallen, die andere Hälfte aber auf dich.“

Wort für Wort
tatra adharmaḥ subalavān
dort das gewaltige Unrecht
samutthāsyati yaḥ mahān
das große, welches entstehen wird
tatra ardhaṃ tasya yaḥ kartā
davon die Hälfte auf den Täter
tvayi ardhaṃ nipatiṣyati
die (andere) Hälfte wird auf dich fallen

na ca te sthāvaraṃ sthānaṃ bhaviṣyati purandara . etenādharmayogena yastvayeha pravartitaḥ ..32..

„Und wegen dieser von dir begangenen Verbindung mit dem Unrecht wird dein Stand, Purandara, kein fester sein.“

Wort für Wort
na ca te sthāvaraṃ sthānam
und nicht wird dein fester Stand
bhaviṣyati purandara
bestehen, o Purandara
etena adharmayogena
durch diese Verbindung mit Unrecht
yaḥ tvayā iha pravartitaḥ
die von dir hier begangen wurde

yaśca yaśca surendraḥ syāddhruvaḥ sa na bhaviṣyati . eṣa śāpo mayā mukta ityasau tvāṃ tadābravīt ..33..

„Und wer immer Herr der Götter sein wird, der wird nicht beständig bleiben — dieser Fluch ist von mir ausgesprochen.“ So sprach jener damals zu dir.

Wort für Wort
yaḥ ca yaḥ ca surendraḥ syāt
und wer auch immer Herr der Götter sein wird
dhruvaḥ saḥ na bhaviṣyati
beständig wird er nicht sein
eṣaḥ śāpaḥ mayā muktaḥ
dieser Fluch ist von mir ausgesprochen
iti asau tvāṃ tadā abravīt
so sprach jener damals zu dir

tāṃ tu bhāryāṃ vinirbhartsya so.abravītsumahātapāḥ . durvinīte vinidhvaṃsa mamāśramasamīpataḥ ..34..

Jene Gattin aber schalt der von gewaltiger Askese Erfüllte und sprach: 'Du Zuchtlose, verschwinde aus der Nähe meiner Einsiedelei!'

Wort für Wort
tāṃ tu bhāryāṃ vinirbhartsya
jene Gattin aber schmähend
saḥ abravīt sumahātapāḥ
sprach er, von gewaltiger Askese
durvinīte vinidhvaṃsa
du Zuchtlose, verschwinde
mama āśramasamīpataḥ
aus der Nähe meiner Einsiedelei

rūpayauvanasampannā yasmāttvamanavasthitā . tasmādrūpavatī loke na tvamekā bhaviṣyasi ..35..

„Weil du, mit Schönheit und Jugend begabt, dennoch unstet warst, darum wirst du nicht die Einzige an Schönheit in der Welt bleiben.“

Wort für Wort
rūpayauvanasampannā
mit Schönheit und Jugend begabt
yasmāt tvam anavasthitā
weil du unstet warst
tasmāt rūpavatī loke
darum an Schönheit in der Welt
na tvam ekā bhaviṣyasi
wirst du nicht die Einzige sein

rūpaṃ ca tatprajāḥ sarvā gamiṣyanti sudurlabham . yattavedaṃ samāśritya vibhrame.ayamupasthitaḥ ..36..

„Und jene überaus seltene Schönheit werden fortan alle Geschöpfe erlangen, da sich, gestützt auf die deine, diese Verwirrung eingestellt hat.“

Wort für Wort
rūpaṃ ca tat prajāḥ sarvāḥ
und jene Schönheit werden alle Geschöpfe
gamiṣyanti sudurlabham
erlangen, die überaus seltene
yat tava idaṃ samāśritya
da sich, auf die deine gestützt
vibhramaḥ ayam upasthitaḥ
diese Verwirrung eingestellt hat

tadā prabhṛti bhūyiṣṭhaṃ prajā rūpasamanvitāḥ . śāpotsargāddhi tasyedaṃ muneḥ sarvamupāgatam ..37..

Seit jener Zeit sind die Geschöpfe größtenteils mit Schönheit begabt — all dies ist ja durch den ausgesprochenen Fluch jenes Weisen gekommen.

Wort für Wort
tadā prabhṛti bhūyiṣṭham
seit jener Zeit größtenteils
prajāḥ rūpasamanvitāḥ
die Geschöpfe mit Schönheit begabt
śāpotsargāt hi tasya idam
durch den Ausspruch des Fluches jenes ja dies
muneḥ sarvam upāgatam
des Weisen, alles ist gekommen

tatsmara tvaṃ mahābāho duṣkṛtaṃ yattvayā kṛtam . yena tvaṃ grahaṇaṃ śatrorgato nānyena vāsava ..38..

'Darum erinnere dich, Starkarmiger, an die üble Tat, die du begangen hast — allein deswegen, und durch nichts anderes, o Vāsava, bist du in die Gefangenschaft des Feindes geraten.'

Wort für Wort
tat smara tvaṃ mahābāho
darum erinnere dich, o Starkarmiger
duṣkṛtaṃ yat tvayā kṛtam
an die üble Tat, die von dir begangen wurde
yena tvaṃ grahaṇaṃ śatroḥ gataḥ
wodurch du in die Gefangenschaft des Feindes gerietest
na anyena vāsava
und durch nichts anderes, o Vāsava

śīghraṃ yajasva yajñaṃ tvaṃ vaiṣṇavaṃ susamāhitaḥ . pāvitastena yajñena yāsyasi tridivaṃ tataḥ ..39..

'Bringe rasch, wohlgesammelten Geistes, das Viṣṇu-Opfer dar; gereinigt durch jenes Opfer wirst du dann in den Himmel eingehen.'

Wort für Wort
śīghraṃ yajasva yajñaṃ tvam
bringe rasch das Opfer dar
vaiṣṇavaṃ susamāhitaḥ
das Viṣṇu-Opfer, wohlgesammelten Geistes
pāvitaḥ tena yajñena
gereinigt durch jenes Opfer
yāsyasi tridivaṃ tataḥ
wirst du dann in den Himmel eingehen

putraśca tava devendra na vinaṣṭo mahāraṇe . nītaḥ saṃnihitaścaiva aryakeṇa mahodadhau ..40..

'Und dein Sohn, o Herr der Götter, ist in der großen Schlacht nicht umgekommen; von Aryaka wurde er fortgeführt und weilt wohlbehalten im großen Ozean.'

Wort für Wort
putraḥ ca tava devendra
und dein Sohn, o Herr der Götter
na vinaṣṭaḥ mahāraṇe
ist nicht umgekommen in der großen Schlacht
nītaḥ saṃnihitaḥ ca eva
fortgeführt und wohlbehalten
aryakeṇa mahodadhau
von Aryaka im großen Ozean

etacchrutvā mahendrastu yajñamiṣṭvā ca vaiṣṇavīm . punastridivamākrāmadanvaśāsacca devatāḥ ..41..

Als Mahendra dies gehört hatte, brachte er das Viṣṇu-Opfer dar, stieg wiederum zum Himmel empor und herrschte fortan über die Götter.

Wort für Wort
etat śrutvā mahendraḥ tu
dies gehört habend, Mahendra aber
yajñam iṣṭvā ca vaiṣṇavīm
das Viṣṇu-Opfer dargebracht habend
punaḥ tridivam ākrāmat
stieg er wieder zum Himmel empor
anvaśāsat ca devatāḥ
und herrschte über die Götter

etadindrajito rāma balaṃ yatkīrtitaṃ mayā . nirjitastena devendraḥ prāṇino.anye ca kiṃ punaḥ ..42..

Dies, o Rāma, ist die Macht Indrajits, die ich dir geschildert habe: durch ihn wurde selbst der Herr der Götter besiegt — wie erst andere Lebewesen!

Wort für Wort
etat indrajitaḥ rāma balam
dies ist, o Rāma, die Macht Indrajits
yat kīrtitaṃ mayā
die von mir geschildert wurde
nirjitaḥ tena devendraḥ
besiegt wurde durch ihn der Herr der Götter
prāṇinaḥ anye ca kiṃ punaḥ
wie erst andere Lebewesen

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