Rāmāyaṇa · Uttarakāṇḍa
Sarga 9: Rāvaṇādi-Janma
Die Geburt Rāvaṇas, Kumbhakarṇas, Śūrpaṇakhās und Vibhīṣaṇas
kasya cittvatha kālasya sumālī nāma rākṣasaḥ |
rasātalānmartyalokaṃ sarvaṃ vai vicacāra ha ||
Nach einiger Zeit durchwanderte der Rākṣasa namens Sumālin, aus der Unterwelt kommend, die ganze Welt der Sterblichen.
Wort für Wort kasya cittvatha kālasya nach einiger Zeit sumālī nāma rākṣasaḥ der Rākṣasa namens Sumālin rasātalānmartyalokaṃ aus der Unterwelt zur Welt der Sterblichen sarvaṃ vai vicacāra ha durchwanderte er ganz nīlajīmūtasaṅkāśastaptakāñcanakuṇḍalaḥ |
kanyāṃ duhitaraṃ gṛhya vinā padmamiva śriyam ||
Einer dunklen Gewitterwolke gleich, mit Ohrringen aus geglühtem Gold, nahm er seine Tochter mit sich, wie Śrī ohne den Lotus.
Wort für Wort nīlajīmūtasaṅkāśas einer dunklen Gewitterwolke gleich taptakāñcanakuṇḍalaḥ mit Ohrringen aus geglühtem Gold kanyāṃ duhitaraṃ gṛhya seine Tochter, die Jungfrau, mit sich nehmend vinā padmamiva śriyam wie Śrī ohne den Lotus taṃ dṛṣṭvāmarasaṅkāśaṃ gacchantaṃ pāvakopamam |
athābbravītsutāṃ rakṣaḥ kaikasīṃ nāma nāmataḥ ||
Als er ihn erblickte, einem Unsterblichen gleich, dem Feuer gleich einherschreitend, sprach der Rākṣasa da zu seiner Tochter, mit Namen Kaikasī genannt:
Wort für Wort taṃ dṛṣṭvāmarasaṅkāśaṃ als er ihn erblickte, einem Unsterblichen gleich gacchantaṃ pāvakopamam dem Feuer gleich einherschreitend athābbravītsutāṃ rakṣaḥ da sprach der Rākṣasa zu seiner Tochter kaikasīṃ nāma nāmataḥ namens Kaikasī genannt putri pradānakālo.ayaṃ yauvanaṃ te.ativartate |
tvatkṛte ca vayaṃ sarve yantritā dharmabuddhayaḥ ||
"Tochter, dies ist die Zeit, dich zu vergeben, deine Jugend geht vorüber; und um deinetwillen sind wir alle gebunden, rechtschaffenen Sinnes.
Wort für Wort putri pradānakālo.ayaṃ Tochter, dies ist die Zeit, dich zu vergeben yauvanaṃ te.ativartate deine Jugend geht vorüber tvatkṛte ca vayaṃ sarve und um deinetwillen sind wir alle yantritā dharmabuddhayaḥ gebunden, rechtschaffenen Sinnes tvaṃ hi sarvaguṇopetā śrīḥ sapadmeva putrike |
pratyākhyānācca bhītaistvaṃ na varaiḥ pratigṛhyase ||
Du bist ja mit allen Vorzügen begabt, wie Śrī mit dem Lotus, mein Töchterchen; doch aus Furcht vor Zurückweisung wirst du von Freiern nicht umworben.
Wort für Wort tvaṃ hi sarvaguṇopetā du bist mit allen Vorzügen begabt śrīḥ sapadmeva putrike wie Śrī mit dem Lotus, Töchterchen pratyākhyānācca bhītaistvaṃ doch aus Furcht vor Zurückweisung na varaiḥ pratigṛhyase wirst du von Freiern nicht umworben kanyā pitṛtvaṃ duḥkhaṃ hi sarveṣāṃ mānakāṅkṣiṇām |
na jñāyate ca kaḥ kanyāṃ varayediti putrike ||
Vater einer Tochter zu sein, ist schmerzlich für alle, die nach Ehre streben, denn man weiß nicht, wer die Tochter zur Frau nehmen wird, mein Töchterchen.
Wort für Wort kanyā pitṛtvaṃ duḥkhaṃ hi Vater einer Tochter zu sein ist schmerzlich sarveṣāṃ mānakāṅkṣiṇām für alle, die nach Ehre streben na jñāyate ca kaḥ kanyāṃ man weiß nicht, wer die Tochter varayediti putrike zur Frau nehmen wird, Töchterchen mātuḥ kulaṃ pitṛkulaṃ yatra caiva pradīyate |
kulatrayaṃ sadā kanyā saṃśaye sthāpya tiṣṭhati ||
Das Geschlecht der Mutter, das Geschlecht des Vaters, und jenes, wohin sie gegeben wird – diese drei Geschlechter stellt die Tochter stets in Ungewissheit.
Wort für Wort mātuḥ kulaṃ pitṛkulaṃ das Geschlecht der Mutter, das Geschlecht des Vaters yatra caiva pradīyate und jenes, wohin sie gegeben wird kulatrayaṃ sadā kanyā diese drei Geschlechter stets die Tochter saṃśaye sthāpya tiṣṭhati stellt sie in Ungewissheit sā tvaṃ munivaraśreṣṭhaṃ prajāpatikulodbhavam |
gaccha viśravasaṃ putri paulastyaṃ varaya svayam ||
So gehe du, meine Tochter, zu dem vortrefflichsten der Munis, entsprungen aus dem Geschlecht des Prajāpati, zu Viśravas, dem Sohn des Pulastya, und wirb selbst um ihn.
Wort für Wort sā tvaṃ munivaraśreṣṭhaṃ so du zu dem vortrefflichsten der Munis prajāpatikulodbhavam entsprungen aus dem Geschlecht des Prajāpati gaccha viśravasaṃ putri gehe zu Viśravas, Tochter paulastyaṃ varaya svayam wirb selbst um den Sohn des Pulastya īdṛśāste bhaviṣyanti putrāḥ putri na saṃśayaḥ |
tejasā bhāskarasamā yādṛśo.ayaṃ dhaneśvaraḥ ||
Solche Söhne wirst du haben, Tochter, ohne Zweifel, der Sonne gleich an Glanz, wie jener Herr des Reichtums (Vaiśravaṇa)."
Wort für Wort īdṛśāste bhaviṣyanti solche wirst du haben putrāḥ putri na saṃśayaḥ Söhne, Tochter, ohne Zweifel tejasā bhāskarasamā der Sonne gleich an Glanz yādṛśo.ayaṃ dhaneśvaraḥ wie jener Herr des Reichtums etasminnantare rāma pulastya tanayo dvijaḥ |
agnihotramupātiṣṭhaccaturtha iva pāvakaḥ ||
In diesem Augenblick, o Rāma, hielt der Sohn des Pulastya, der Brahmane, sein Feueropfer, einem vierten Feuer gleich.
Wort für Wort etasminnantare rāma in diesem Augenblick, Rāma pulastya tanayo dvijaḥ der Sohn des Pulastya, der Brahmane agnihotramupātiṣṭhac hielt sein Feueropfer caturtha iva pāvakaḥ einem vierten Feuer gleich sā tu tāṃ dāruṇāṃ velāmacintya pitṛgauravāt |
upasṛtyāgratastasya caraṇādhomukhī sthitā ||
Sie aber, jene furchtbare Zeit nicht bedenkend, aus Ehrfurcht vor dem Vater, näherte sich ihm und stand vor seinen Füßen, das Haupt gesenkt.
Wort für Wort sā tu tāṃ dāruṇāṃ velām sie aber jene furchtbare Zeit acintya pitṛgauravāt nicht bedenkend, aus Ehrfurcht vor dem Vater upasṛtyāgratastasya sich ihm nähernd, vor ihm caraṇādhomukhī sthitā stand sie bei seinen Füßen, das Haupt gesenkt sa tu tāṃ vīkṣya suśroṇīṃ pūrṇacandranibhānanām |
abravītparamodāro dīpyamāna ivaujasā ||
Als er sie sah, die Schönhüftige, deren Antlitz dem vollen Mond glich, sprach der überaus Großmütige, wie erglühend an Kraft:
Wort für Wort sa tu tāṃ vīkṣya suśroṇīṃ als er sie sah, die Schönhüftige pūrṇacandranibhānanām deren Antlitz dem vollen Mond glich abravītparamodāro sprach der überaus Großmütige dīpyamāna ivaujasā wie erglühend an Kraft bhadre kasyāsi duhitā kuto vā tvamihāgatā |
kiṃ kāryaṃ kasya vā hetostattvato brūhi śobhane ||
"Wessen Tochter bist du, du Holde, und woher bist du hierhergekommen? Welches Anliegen hast du, und aus welchem Grund – sage mir die Wahrheit, du Schöne."
Wort für Wort bhadre kasyāsi duhitā wessen Tochter bist du, Holde kuto vā tvamihāgatā und woher bist du hierhergekommen kiṃ kāryaṃ kasya vā hetos welches Anliegen, aus welchem Grund tattvato brūhi śobhane sage mir die Wahrheit, Schöne evamuktā tu sā kanyā kṛtāñjalirathābravīt |
ātmaprabhāvena mune jñātumarhasi me matam ||
So angesprochen, sprach jene Jungfrau, die Hände zum Gruß gefaltet: "Durch deine eigene Macht, o Muni, sollst du meine Absicht erkennen können.
Wort für Wort evamuktā tu sā kanyā so angesprochen, jene Jungfrau kṛtāñjalirathābravīt die Hände gefaltet, sprach sie ātmaprabhāvena mune durch deine eigene Macht, Muni jñātumarhasi me matam sollst du meine Absicht erkennen können kiṃ tu viddhi hi māṃ brahmañśāsanātpiturāgatām |
kaikasī nāma nāmnāhaṃ śeṣaṃ tvaṃ jñātumarhasi ||
Doch wisse, o Brahmane, dass ich auf Geheiß meines Vaters gekommen bin; Kaikasī heiße ich mit Namen – das Übrige sollst du selbst erkennen."
Wort für Wort kiṃ tu viddhi hi māṃ brahman doch wisse, Brahmane, dass ich śāsanātpiturāgatām auf Geheiß meines Vaters gekommen bin kaikasī nāma nāmnāhaṃ Kaikasī heiße ich mit Namen śeṣaṃ tvaṃ jñātumarhasi das Übrige sollst du selbst erkennen sa tu gatvā munirdhyānaṃ vākyametaduvāca ha |
vijñātaṃ te mayā bhadre kāraṇaṃ yanmanogatam ||
Der Muni, in Meditation versunken, sprach da dieses Wort: "Erkannt habe ich, du Holde, den Grund, der in deinem Herzen liegt.
Wort für Wort sa tu gatvā munirdhyānaṃ der Muni, in Meditation versunken vākyametaduvāca ha sprach dieses Wort vijñātaṃ te mayā bhadre erkannt habe ich, du Holde kāraṇaṃ yanmanogatam den Grund, der in deinem Herzen liegt dāruṇāyāṃ tu velāyāṃ yasmāttvaṃ māmupasthitā |
śṛṇu tasmātsutānbhadre yādṛśāñjanayiṣyasi ||
Weil du zu mir zur furchtbaren Zeit gekommen bist, so höre, du Holde, welche Art von Söhnen du zeugen wirst:
Wort für Wort dāruṇāyāṃ tu velāyāṃ zur furchtbaren Zeit yasmāttvaṃ māmupasthitā weil du zu mir gekommen bist śṛṇu tasmātsutānbhadre so höre, du Holde, welche Söhne yādṛśāñjanayiṣyasi du zeugen wirst dāruṇāndāruṇākārāndāruṇābhijanapriyān |
prasaviṣyasi suśroṇi rākṣasānkrūrakarmaṇaḥ ||
Furchtbare, von furchtbarer Gestalt, dem furchtbaren Geschlecht zugeneigt, wirst du, du Schönhüftige, grausame Rākṣasas gebären."
Wort für Wort dāruṇāndāruṇākārān furchtbare, von furchtbarer Gestalt dāruṇābhijanapriyān dem furchtbaren Geschlecht zugeneigt prasaviṣyasi suśroṇi wirst du gebären, Schönhüftige rākṣasānkrūrakarmaṇaḥ grausame Rākṣasas von grausamem Tun sā tu tadvacanaṃ śrutvā praṇipatyābravīdvacaḥ |
bhagavannedṛśāḥ putrāstvatto.arhā brahmayonitaḥ ||
Als sie diese Worte gehört hatte, verneigte sie sich und sprach: "O Ehrwürdiger, solche Söhne ziemen sich nicht von dir, der du aus dem Brahma-Ursprung stammst.
Wort für Wort sā tu tadvacanaṃ śrutvā sie aber, diese Worte gehört habend praṇipatyābravīdvacaḥ verneigte sich und sprach dieses Wort bhagavannedṛśāḥ putrās o Ehrwürdiger, solche Söhne tvatto.arhā brahmayonitaḥ ziemen sich nicht von dir, der aus Brahma-Ursprung athābravīnmunistatra paścimo yastavātmajaḥ |
mama vaṃśānurūpaśca dharmātmā ca bhaviṣyati ||
Da sprach der Muni: "Doch der letzte deiner Söhne wird meinem Geschlecht entsprechen und rechtschaffenen Sinnes sein."
Wort für Wort athābravīnmunistatra da sprach der Muni paścimo yastavātmajaḥ der letzte deiner Söhne mama vaṃśānurūpaśca wird meinem Geschlecht entsprechen dharmātmā ca bhaviṣyati und rechtschaffenen Sinnes sein evamuktā tu sā kanyā rāma kālena kena cit |
janayāmāsa bībhatsaṃ rakṣorūpaṃ sudāruṇam ||
So angesprochen, gebar jene Jungfrau, o Rāma, nach einiger Zeit ein abscheuliches, überaus furchtbares Rākṣasa-Wesen,
Wort für Wort evamuktā tu sā kanyā so angesprochen, jene Jungfrau rāma kālena kena cit Rāma, nach einiger Zeit janayāmāsa bībhatsaṃ gebar sie ein abscheuliches rakṣorūpaṃ sudāruṇam überaus furchtbares Rākṣasa-Wesen daśaśīrṣaṃ mahādaṃṣṭraṃ nīlāñjanacayopamam |
tāmrauṣṭhaṃ viṃśatibhujaṃ mahāsyaṃ dīptamūrdhajam ||
mit zehn Häuptern, gewaltigen Fangzähnen, einem Berg von dunklem Augenschminkmittel gleich, mit kupferroten Lippen, zwanzig Armen, gewaltigem Maul und loderndem Haar.
Wort für Wort daśaśīrṣaṃ mahādaṃṣṭraṃ mit zehn Häuptern, gewaltigen Fangzähnen nīlāñjanacayopamam einem Berg von dunklem Augenschminkmittel gleich tāmrauṣṭhaṃ viṃśatibhujaṃ mit kupferroten Lippen, zwanzig Armen mahāsyaṃ dīptamūrdhajam gewaltigem Maul und loderndem Haar jātamātre tatastasminsajvālakavalāḥ śivāḥ |
kravyādāścāpasavyāni maṇḍalāni pracakrire ||
Sobald er geboren war, umkreisten flammenschluckende Schakale, fleischfressend, ihn linksläufig in Kreisen.
Wort für Wort jātamātre tatastasmin sobald er geboren war sajvālakavalāḥ śivāḥ flammenschluckende Schakale kravyādāścāpasavyāni fleischfressend, linksläufige maṇḍalāni pracakrire Kreise vollführten sie vavarṣa rudhiraṃ devo meghāśca khananisvanāḥ |
prababhau na ca khe sūryo maholkāścāpatanbhuvi ||
Der Himmelsgott regnete Blut, und die Wolken donnerten leer; die Sonne strahlte nicht am Himmel, und große Meteore fielen zur Erde.
Wort für Wort vavarṣa rudhiraṃ devo der Himmelsgott regnete Blut meghāśca khananisvanāḥ und die Wolken donnerten leer prababhau na ca khe sūryo die Sonne strahlte nicht am Himmel maholkāścāpatanbhuvi und große Meteore fielen zur Erde atha nāmākarottasya pitāmahasamaḥ pitā |
daśaśīrṣaḥ prasūto.ayaṃ daśagrīvo bhaviṣyati ||
Da gab ihm sein Vater, dem Großvater gleich, einen Namen: "Mit zehn Häuptern geboren, wird er Daśagrīva sein."
Wort für Wort atha nāmākarottasya da gab er ihm einen Namen pitāmahasamaḥ pitā der Vater, dem Großvater gleich daśaśīrṣaḥ prasūto.ayaṃ mit zehn Häuptern geboren, dieser daśagrīvo bhaviṣyati wird Daśagrīva sein tasya tvanantaraṃ jātaḥ kumbhakarṇo mahābalaḥ |
pramāṇādyasya vipulaṃ pramāṇaṃ neha vidyate ||
Nach ihm wurde der überaus starke Kumbhakarṇa geboren, dessen Ausmaß so gewaltig war, dass hier kein größeres bekannt ist.
Wort für Wort tasya tvanantaraṃ jātaḥ nach ihm wurde geboren kumbhakarṇo mahābalaḥ der überaus starke Kumbhakarṇa pramāṇādyasya vipulaṃ dessen Ausmaß so gewaltig pramāṇaṃ neha vidyate dass hier kein größeres bekannt ist tataḥ śūrpaṇakhā nāma sañjajñe vikṛtānanā |
vibhīṣaṇaśca dharmātmā kaikasyāḥ paścimaḥ sutaḥ ||
Da entstand Śūrpaṇakhā mit Namen, mit entstelltem Antlitz, und der rechtschaffene Vibhīṣaṇa, der letzte Sohn Kaikasīs.
Wort für Wort tataḥ śūrpaṇakhā nāma da Śūrpaṇakhā mit Namen sañjajñe vikṛtānanā entstand, mit entstelltem Antlitz vibhīṣaṇaśca dharmātmā und der rechtschaffene Vibhīṣaṇa kaikasyāḥ paścimaḥ sutaḥ der letzte Sohn Kaikasīs te tu tatra mahāraṇye vavṛdhuḥ sumahaujasaḥ |
teṣāṃ krūro daśagrīvo lokodvegakaro.abhavat ||
Sie nun wuchsen dort in dem großen Wald heran, von gewaltiger Kraft; unter ihnen wurde der grausame Daśagrīva zum Schrecken der Welt.
Wort für Wort te tu tatra mahāraṇye sie nun dort in dem großen Wald vavṛdhuḥ sumahaujasaḥ wuchsen sie heran, von gewaltiger Kraft teṣāṃ krūro daśagrīvo unter ihnen der grausame Daśagrīva lokodvegakaro.abhavat wurde zum Schrecken der Welt kumbhakarṇaḥ pramattastu maharṣīndharmasaṃśritān |
trailokyaṃ trāsayanduṣṭo bhakṣayanvicacāra ha ||
Kumbhakarṇa, achtlos und bösartig, durchstreifte die drei Welten, die rechtschaffenen großen Ṛṣis in Schrecken versetzend und verschlingend.
Wort für Wort kumbhakarṇaḥ pramattastu Kumbhakarṇa, achtlos aber maharṣīndharmasaṃśritān die rechtschaffenen großen Ṛṣis trailokyaṃ trāsayanduṣṭo die drei Welten in Schrecken versetzend, bösartig bhakṣayanvicacāra ha verschlingend durchstreifte er vibhīṣaṇastu dharmātmā nityaṃ dharmapathe sthitaḥ |
svādhyāyaniyatāhāra uvāsa niyatendriyaḥ ||
Vibhīṣaṇa aber, der Rechtschaffene, stets auf dem Pfad der Rechtschaffenheit stehend, weilte, der Vedenrezitation ergeben, mit gezügelter Nahrung und gezügelten Sinnen.
Wort für Wort vibhīṣaṇastu dharmātmā Vibhīṣaṇa aber, der Rechtschaffene nityaṃ dharmapathe sthitaḥ stets auf dem Pfad der Rechtschaffenheit stehend svādhyāyaniyatāhāra der Vedenrezitation ergeben, mit gezügelter Nahrung uvāsa niyatendriyaḥ weilte er, mit gezügelten Sinnen atha vitteśvaro devastatra kālena kena cit |
āgacchatpitaraṃ draṣṭuṃ puṣpakeṇa mahaujasaṃ ||
Da kam der Gott, der Herr des Reichtums, nach einiger Zeit auf dem Puṣpaka-Wagen, um seinen überaus glanzvollen Vater zu besuchen.
Wort für Wort atha vitteśvaro devas da der Gott, Herr des Reichtums tatra kālena kena cit dort nach einiger Zeit āgacchatpitaraṃ draṣṭuṃ kam er, um seinen Vater zu besuchen puṣpakeṇa mahaujasaṃ auf dem Puṣpaka-Wagen, den überaus glanzvollen taṃ dṛṣṭvā kaikayī tatra jvalantamiva tejasā |
āsthāya rākṣasīṃ buddhiṃ daśagrīvamuvāca ha ||
Als sie ihn dort sah, wie lodernd an Glanz, nahm Kaikasī eine rākṣasische Gesinnung an und sprach zu Daśagrīva:
Wort für Wort taṃ dṛṣṭvā kaikayī tatra als sie ihn dort sah, Kaikasī jvalantamiva tejasā wie lodernd an Glanz āsthāya rākṣasīṃ buddhiṃ eine rākṣasische Gesinnung annehmend daśagrīvamuvāca ha sprach sie zu Daśagrīva putravaiśravaṇaṃ paśya bhrātaraṃ tejasā vṛtam |
bhrātṛbhāve same cāpi paśyātmānaṃ tvamīdṛśam ||
"Sieh, mein Sohn, den Vaiśravaṇa, deinen Bruder, umgeben von Glanz; und obgleich ihr im gleichen Bruderverhältnis steht, sieh dich selbst, wie du bist.
Wort für Wort putravaiśravaṇaṃ paśya sieh, mein Sohn, den Vaiśravaṇa bhrātaraṃ tejasā vṛtam deinen Bruder, umgeben von Glanz bhrātṛbhāve same cāpi und obgleich im gleichen Bruderverhältnis paśyātmānaṃ tvamīdṛśam sieh dich selbst, wie du bist daśagrīva tathā yatnaṃ kuruṣvāmitavikrama |
yathā bhavasi me putra śīgghraṃ vaiśvaraṇopamaḥ ||
Daśagrīva, du von unermesslicher Tapferkeit, unternimm daher solche Anstrengung, dass du, mein Sohn, bald dem Vaiśravaṇa gleich wirst."
Wort für Wort daśagrīva tathā yatnaṃ Daśagrīva, daher solche Anstrengung kuruṣvāmitavikrama unternimm, du von unermesslicher Tapferkeit yathā bhavasi me putra dass du, mein Sohn, wirst śīgghraṃ vaiśvaraṇopamaḥ bald dem Vaiśravaṇa gleich mātustadvacanaṃ śrutvā daśagrīvaḥ pratāpavān |
amarṣamatulaṃ lebhe pratijñāṃ cākarottadā ||
Als der machtvolle Daśagrīva die Worte seiner Mutter gehört hatte, empfand er unvergleichlichen Unwillen und legte da ein Gelübde ab:
Wort für Wort mātustadvacanaṃ śrutvā als er die Worte der Mutter gehört hatte daśagrīvaḥ pratāpavān der machtvolle Daśagrīva amarṣamatulaṃ lebhe empfand er unvergleichlichen Unwillen pratijñāṃ cākarottadā und legte da ein Gelübde ab satyaṃ te pratijānāmi tulyo bhrātrādhiko.api vā |
bhaviṣyāmyacirānmātaḥ santāpaṃ tyaja hṛdgatam ||
"Wahrlich, ich gelobe dir: dem Bruder gleich oder ihm sogar überlegen werde ich bald sein, o Mutter – lege den Schmerz ab, der in deinem Herzen liegt."
Wort für Wort satyaṃ te pratijānāmi wahrlich, ich gelobe dir tulyo bhrātrādhiko.api vā dem Bruder gleich oder ihm sogar überlegen bhaviṣyāmyacirānmātaḥ werde ich bald sein, Mutter santāpaṃ tyaja hṛdgatam lege den Schmerz ab, der im Herzen liegt tataḥ krodhena tenaiva daśagrīvaḥ sahānujaḥ |
prāpsyāmi tapasā kāmamiti kṛtvādhyavasya ca |
āgacchadātmasiddhyarthaṃ gokarṇasyāśramaṃ śubham ||
Da zog Daśagrīva, mit eben jenem Zorn, samt seinen jüngeren Brüdern, mit dem Entschluss: "Ich werde meinen Wunsch durch Askese erlangen", zu seiner eigenen Vollendung zur lieblichen Einsiedelei des Gokarṇa.
Wort für Wort tataḥ krodhena tenaiva da mit eben jenem Zorn daśagrīvaḥ sahānujaḥ Daśagrīva samt seinen jüngeren Brüdern prāpsyāmi tapasā kāmam ich werde meinen Wunsch durch Askese erlangen iti kṛtvādhyavasya ca so entschlossen āgacchadātmasiddhyarthaṃ zog er zu seiner eigenen Vollendung gokarṇasyāśramaṃ śubham zur lieblichen Einsiedelei des Gokarṇa
Interaktive Leseansicht des ganzen Werks
← Sarga 8 Sarga 10 →