Quellen der Menschheit

Rāmāyaṇa · Uttarakāṇḍa

Sarga 9: Rāvaṇādi-Janma Die Geburt Rāvaṇas, Kumbhakarṇas, Śūrpaṇakhās und Vibhīṣaṇas

kasya cittvatha kālasya sumālī nāma rākṣasaḥ | rasātalānmartyalokaṃ sarvaṃ vai vicacāra ha ||

Nach einiger Zeit durchwanderte der Rākṣasa namens Sumālin, aus der Unterwelt kommend, die ganze Welt der Sterblichen.

Wort für Wort
kasya cittvatha kālasya
nach einiger Zeit
sumālī nāma rākṣasaḥ
der Rākṣasa namens Sumālin
rasātalānmartyalokaṃ
aus der Unterwelt zur Welt der Sterblichen
sarvaṃ vai vicacāra ha
durchwanderte er ganz

nīlajīmūtasaṅkāśastaptakāñcanakuṇḍalaḥ | kanyāṃ duhitaraṃ gṛhya vinā padmamiva śriyam ||

Einer dunklen Gewitterwolke gleich, mit Ohrringen aus geglühtem Gold, nahm er seine Tochter mit sich, wie Śrī ohne den Lotus.

Wort für Wort
nīlajīmūtasaṅkāśas
einer dunklen Gewitterwolke gleich
taptakāñcanakuṇḍalaḥ
mit Ohrringen aus geglühtem Gold
kanyāṃ duhitaraṃ gṛhya
seine Tochter, die Jungfrau, mit sich nehmend
vinā padmamiva śriyam
wie Śrī ohne den Lotus

taṃ dṛṣṭvāmarasaṅkāśaṃ gacchantaṃ pāvakopamam | athābbravītsutāṃ rakṣaḥ kaikasīṃ nāma nāmataḥ ||

Als er ihn erblickte, einem Unsterblichen gleich, dem Feuer gleich einherschreitend, sprach der Rākṣasa da zu seiner Tochter, mit Namen Kaikasī genannt:

Wort für Wort
taṃ dṛṣṭvāmarasaṅkāśaṃ
als er ihn erblickte, einem Unsterblichen gleich
gacchantaṃ pāvakopamam
dem Feuer gleich einherschreitend
athābbravītsutāṃ rakṣaḥ
da sprach der Rākṣasa zu seiner Tochter
kaikasīṃ nāma nāmataḥ
namens Kaikasī genannt

putri pradānakālo.ayaṃ yauvanaṃ te.ativartate | tvatkṛte ca vayaṃ sarve yantritā dharmabuddhayaḥ ||

"Tochter, dies ist die Zeit, dich zu vergeben, deine Jugend geht vorüber; und um deinetwillen sind wir alle gebunden, rechtschaffenen Sinnes.

Wort für Wort
putri pradānakālo.ayaṃ
Tochter, dies ist die Zeit, dich zu vergeben
yauvanaṃ te.ativartate
deine Jugend geht vorüber
tvatkṛte ca vayaṃ sarve
und um deinetwillen sind wir alle
yantritā dharmabuddhayaḥ
gebunden, rechtschaffenen Sinnes

tvaṃ hi sarvaguṇopetā śrīḥ sapadmeva putrike | pratyākhyānācca bhītaistvaṃ na varaiḥ pratigṛhyase ||

Du bist ja mit allen Vorzügen begabt, wie Śrī mit dem Lotus, mein Töchterchen; doch aus Furcht vor Zurückweisung wirst du von Freiern nicht umworben.

Wort für Wort
tvaṃ hi sarvaguṇopetā
du bist mit allen Vorzügen begabt
śrīḥ sapadmeva putrike
wie Śrī mit dem Lotus, Töchterchen
pratyākhyānācca bhītaistvaṃ
doch aus Furcht vor Zurückweisung
na varaiḥ pratigṛhyase
wirst du von Freiern nicht umworben

kanyā pitṛtvaṃ duḥkhaṃ hi sarveṣāṃ mānakāṅkṣiṇām | na jñāyate ca kaḥ kanyāṃ varayediti putrike ||

Vater einer Tochter zu sein, ist schmerzlich für alle, die nach Ehre streben, denn man weiß nicht, wer die Tochter zur Frau nehmen wird, mein Töchterchen.

Wort für Wort
kanyā pitṛtvaṃ duḥkhaṃ hi
Vater einer Tochter zu sein ist schmerzlich
sarveṣāṃ mānakāṅkṣiṇām
für alle, die nach Ehre streben
na jñāyate ca kaḥ kanyāṃ
man weiß nicht, wer die Tochter
varayediti putrike
zur Frau nehmen wird, Töchterchen

mātuḥ kulaṃ pitṛkulaṃ yatra caiva pradīyate | kulatrayaṃ sadā kanyā saṃśaye sthāpya tiṣṭhati ||

Das Geschlecht der Mutter, das Geschlecht des Vaters, und jenes, wohin sie gegeben wird – diese drei Geschlechter stellt die Tochter stets in Ungewissheit.

Wort für Wort
mātuḥ kulaṃ pitṛkulaṃ
das Geschlecht der Mutter, das Geschlecht des Vaters
yatra caiva pradīyate
und jenes, wohin sie gegeben wird
kulatrayaṃ sadā kanyā
diese drei Geschlechter stets die Tochter
saṃśaye sthāpya tiṣṭhati
stellt sie in Ungewissheit

sā tvaṃ munivaraśreṣṭhaṃ prajāpatikulodbhavam | gaccha viśravasaṃ putri paulastyaṃ varaya svayam ||

So gehe du, meine Tochter, zu dem vortrefflichsten der Munis, entsprungen aus dem Geschlecht des Prajāpati, zu Viśravas, dem Sohn des Pulastya, und wirb selbst um ihn.

Wort für Wort
sā tvaṃ munivaraśreṣṭhaṃ
so du zu dem vortrefflichsten der Munis
prajāpatikulodbhavam
entsprungen aus dem Geschlecht des Prajāpati
gaccha viśravasaṃ putri
gehe zu Viśravas, Tochter
paulastyaṃ varaya svayam
wirb selbst um den Sohn des Pulastya

īdṛśāste bhaviṣyanti putrāḥ putri na saṃśayaḥ | tejasā bhāskarasamā yādṛśo.ayaṃ dhaneśvaraḥ ||

Solche Söhne wirst du haben, Tochter, ohne Zweifel, der Sonne gleich an Glanz, wie jener Herr des Reichtums (Vaiśravaṇa)."

Wort für Wort
īdṛśāste bhaviṣyanti
solche wirst du haben
putrāḥ putri na saṃśayaḥ
Söhne, Tochter, ohne Zweifel
tejasā bhāskarasamā
der Sonne gleich an Glanz
yādṛśo.ayaṃ dhaneśvaraḥ
wie jener Herr des Reichtums

etasminnantare rāma pulastya tanayo dvijaḥ | agnihotramupātiṣṭhaccaturtha iva pāvakaḥ ||

In diesem Augenblick, o Rāma, hielt der Sohn des Pulastya, der Brahmane, sein Feueropfer, einem vierten Feuer gleich.

Wort für Wort
etasminnantare rāma
in diesem Augenblick, Rāma
pulastya tanayo dvijaḥ
der Sohn des Pulastya, der Brahmane
agnihotramupātiṣṭhac
hielt sein Feueropfer
caturtha iva pāvakaḥ
einem vierten Feuer gleich

sā tu tāṃ dāruṇāṃ velāmacintya pitṛgauravāt | upasṛtyāgratastasya caraṇādhomukhī sthitā ||

Sie aber, jene furchtbare Zeit nicht bedenkend, aus Ehrfurcht vor dem Vater, näherte sich ihm und stand vor seinen Füßen, das Haupt gesenkt.

Wort für Wort
sā tu tāṃ dāruṇāṃ velām
sie aber jene furchtbare Zeit
acintya pitṛgauravāt
nicht bedenkend, aus Ehrfurcht vor dem Vater
upasṛtyāgratastasya
sich ihm nähernd, vor ihm
caraṇādhomukhī sthitā
stand sie bei seinen Füßen, das Haupt gesenkt

sa tu tāṃ vīkṣya suśroṇīṃ pūrṇacandranibhānanām | abravītparamodāro dīpyamāna ivaujasā ||

Als er sie sah, die Schönhüftige, deren Antlitz dem vollen Mond glich, sprach der überaus Großmütige, wie erglühend an Kraft:

Wort für Wort
sa tu tāṃ vīkṣya suśroṇīṃ
als er sie sah, die Schönhüftige
pūrṇacandranibhānanām
deren Antlitz dem vollen Mond glich
abravītparamodāro
sprach der überaus Großmütige
dīpyamāna ivaujasā
wie erglühend an Kraft

bhadre kasyāsi duhitā kuto vā tvamihāgatā | kiṃ kāryaṃ kasya vā hetostattvato brūhi śobhane ||

"Wessen Tochter bist du, du Holde, und woher bist du hierhergekommen? Welches Anliegen hast du, und aus welchem Grund – sage mir die Wahrheit, du Schöne."

Wort für Wort
bhadre kasyāsi duhitā
wessen Tochter bist du, Holde
kuto vā tvamihāgatā
und woher bist du hierhergekommen
kiṃ kāryaṃ kasya vā hetos
welches Anliegen, aus welchem Grund
tattvato brūhi śobhane
sage mir die Wahrheit, Schöne

evamuktā tu sā kanyā kṛtāñjalirathābravīt | ātmaprabhāvena mune jñātumarhasi me matam ||

So angesprochen, sprach jene Jungfrau, die Hände zum Gruß gefaltet: "Durch deine eigene Macht, o Muni, sollst du meine Absicht erkennen können.

Wort für Wort
evamuktā tu sā kanyā
so angesprochen, jene Jungfrau
kṛtāñjalirathābravīt
die Hände gefaltet, sprach sie
ātmaprabhāvena mune
durch deine eigene Macht, Muni
jñātumarhasi me matam
sollst du meine Absicht erkennen können

kiṃ tu viddhi hi māṃ brahmañśāsanātpiturāgatām | kaikasī nāma nāmnāhaṃ śeṣaṃ tvaṃ jñātumarhasi ||

Doch wisse, o Brahmane, dass ich auf Geheiß meines Vaters gekommen bin; Kaikasī heiße ich mit Namen – das Übrige sollst du selbst erkennen."

Wort für Wort
kiṃ tu viddhi hi māṃ brahman
doch wisse, Brahmane, dass ich
śāsanātpiturāgatām
auf Geheiß meines Vaters gekommen bin
kaikasī nāma nāmnāhaṃ
Kaikasī heiße ich mit Namen
śeṣaṃ tvaṃ jñātumarhasi
das Übrige sollst du selbst erkennen

sa tu gatvā munirdhyānaṃ vākyametaduvāca ha | vijñātaṃ te mayā bhadre kāraṇaṃ yanmanogatam ||

Der Muni, in Meditation versunken, sprach da dieses Wort: "Erkannt habe ich, du Holde, den Grund, der in deinem Herzen liegt.

Wort für Wort
sa tu gatvā munirdhyānaṃ
der Muni, in Meditation versunken
vākyametaduvāca ha
sprach dieses Wort
vijñātaṃ te mayā bhadre
erkannt habe ich, du Holde
kāraṇaṃ yanmanogatam
den Grund, der in deinem Herzen liegt

dāruṇāyāṃ tu velāyāṃ yasmāttvaṃ māmupasthitā | śṛṇu tasmātsutānbhadre yādṛśāñjanayiṣyasi ||

Weil du zu mir zur furchtbaren Zeit gekommen bist, so höre, du Holde, welche Art von Söhnen du zeugen wirst:

Wort für Wort
dāruṇāyāṃ tu velāyāṃ
zur furchtbaren Zeit
yasmāttvaṃ māmupasthitā
weil du zu mir gekommen bist
śṛṇu tasmātsutānbhadre
so höre, du Holde, welche Söhne
yādṛśāñjanayiṣyasi
du zeugen wirst

dāruṇāndāruṇākārāndāruṇābhijanapriyān | prasaviṣyasi suśroṇi rākṣasānkrūrakarmaṇaḥ ||

Furchtbare, von furchtbarer Gestalt, dem furchtbaren Geschlecht zugeneigt, wirst du, du Schönhüftige, grausame Rākṣasas gebären."

Wort für Wort
dāruṇāndāruṇākārān
furchtbare, von furchtbarer Gestalt
dāruṇābhijanapriyān
dem furchtbaren Geschlecht zugeneigt
prasaviṣyasi suśroṇi
wirst du gebären, Schönhüftige
rākṣasānkrūrakarmaṇaḥ
grausame Rākṣasas von grausamem Tun

sā tu tadvacanaṃ śrutvā praṇipatyābravīdvacaḥ | bhagavannedṛśāḥ putrāstvatto.arhā brahmayonitaḥ ||

Als sie diese Worte gehört hatte, verneigte sie sich und sprach: "O Ehrwürdiger, solche Söhne ziemen sich nicht von dir, der du aus dem Brahma-Ursprung stammst.

Wort für Wort
sā tu tadvacanaṃ śrutvā
sie aber, diese Worte gehört habend
praṇipatyābravīdvacaḥ
verneigte sich und sprach dieses Wort
bhagavannedṛśāḥ putrās
o Ehrwürdiger, solche Söhne
tvatto.arhā brahmayonitaḥ
ziemen sich nicht von dir, der aus Brahma-Ursprung

athābravīnmunistatra paścimo yastavātmajaḥ | mama vaṃśānurūpaśca dharmātmā ca bhaviṣyati ||

Da sprach der Muni: "Doch der letzte deiner Söhne wird meinem Geschlecht entsprechen und rechtschaffenen Sinnes sein."

Wort für Wort
athābravīnmunistatra
da sprach der Muni
paścimo yastavātmajaḥ
der letzte deiner Söhne
mama vaṃśānurūpaśca
wird meinem Geschlecht entsprechen
dharmātmā ca bhaviṣyati
und rechtschaffenen Sinnes sein

evamuktā tu sā kanyā rāma kālena kena cit | janayāmāsa bībhatsaṃ rakṣorūpaṃ sudāruṇam ||

So angesprochen, gebar jene Jungfrau, o Rāma, nach einiger Zeit ein abscheuliches, überaus furchtbares Rākṣasa-Wesen,

Wort für Wort
evamuktā tu sā kanyā
so angesprochen, jene Jungfrau
rāma kālena kena cit
Rāma, nach einiger Zeit
janayāmāsa bībhatsaṃ
gebar sie ein abscheuliches
rakṣorūpaṃ sudāruṇam
überaus furchtbares Rākṣasa-Wesen

daśaśīrṣaṃ mahādaṃṣṭraṃ nīlāñjanacayopamam | tāmrauṣṭhaṃ viṃśatibhujaṃ mahāsyaṃ dīptamūrdhajam ||

mit zehn Häuptern, gewaltigen Fangzähnen, einem Berg von dunklem Augenschminkmittel gleich, mit kupferroten Lippen, zwanzig Armen, gewaltigem Maul und loderndem Haar.

Wort für Wort
daśaśīrṣaṃ mahādaṃṣṭraṃ
mit zehn Häuptern, gewaltigen Fangzähnen
nīlāñjanacayopamam
einem Berg von dunklem Augenschminkmittel gleich
tāmrauṣṭhaṃ viṃśatibhujaṃ
mit kupferroten Lippen, zwanzig Armen
mahāsyaṃ dīptamūrdhajam
gewaltigem Maul und loderndem Haar

jātamātre tatastasminsajvālakavalāḥ śivāḥ | kravyādāścāpasavyāni maṇḍalāni pracakrire ||

Sobald er geboren war, umkreisten flammenschluckende Schakale, fleischfressend, ihn linksläufig in Kreisen.

Wort für Wort
jātamātre tatastasmin
sobald er geboren war
sajvālakavalāḥ śivāḥ
flammenschluckende Schakale
kravyādāścāpasavyāni
fleischfressend, linksläufige
maṇḍalāni pracakrire
Kreise vollführten sie

vavarṣa rudhiraṃ devo meghāśca khananisvanāḥ | prababhau na ca khe sūryo maholkāścāpatanbhuvi ||

Der Himmelsgott regnete Blut, und die Wolken donnerten leer; die Sonne strahlte nicht am Himmel, und große Meteore fielen zur Erde.

Wort für Wort
vavarṣa rudhiraṃ devo
der Himmelsgott regnete Blut
meghāśca khananisvanāḥ
und die Wolken donnerten leer
prababhau na ca khe sūryo
die Sonne strahlte nicht am Himmel
maholkāścāpatanbhuvi
und große Meteore fielen zur Erde

atha nāmākarottasya pitāmahasamaḥ pitā | daśaśīrṣaḥ prasūto.ayaṃ daśagrīvo bhaviṣyati ||

Da gab ihm sein Vater, dem Großvater gleich, einen Namen: "Mit zehn Häuptern geboren, wird er Daśagrīva sein."

Wort für Wort
atha nāmākarottasya
da gab er ihm einen Namen
pitāmahasamaḥ pitā
der Vater, dem Großvater gleich
daśaśīrṣaḥ prasūto.ayaṃ
mit zehn Häuptern geboren, dieser
daśagrīvo bhaviṣyati
wird Daśagrīva sein

tasya tvanantaraṃ jātaḥ kumbhakarṇo mahābalaḥ | pramāṇādyasya vipulaṃ pramāṇaṃ neha vidyate ||

Nach ihm wurde der überaus starke Kumbhakarṇa geboren, dessen Ausmaß so gewaltig war, dass hier kein größeres bekannt ist.

Wort für Wort
tasya tvanantaraṃ jātaḥ
nach ihm wurde geboren
kumbhakarṇo mahābalaḥ
der überaus starke Kumbhakarṇa
pramāṇādyasya vipulaṃ
dessen Ausmaß so gewaltig
pramāṇaṃ neha vidyate
dass hier kein größeres bekannt ist

tataḥ śūrpaṇakhā nāma sañjajñe vikṛtānanā | vibhīṣaṇaśca dharmātmā kaikasyāḥ paścimaḥ sutaḥ ||

Da entstand Śūrpaṇakhā mit Namen, mit entstelltem Antlitz, und der rechtschaffene Vibhīṣaṇa, der letzte Sohn Kaikasīs.

Wort für Wort
tataḥ śūrpaṇakhā nāma
da Śūrpaṇakhā mit Namen
sañjajñe vikṛtānanā
entstand, mit entstelltem Antlitz
vibhīṣaṇaśca dharmātmā
und der rechtschaffene Vibhīṣaṇa
kaikasyāḥ paścimaḥ sutaḥ
der letzte Sohn Kaikasīs

te tu tatra mahāraṇye vavṛdhuḥ sumahaujasaḥ | teṣāṃ krūro daśagrīvo lokodvegakaro.abhavat ||

Sie nun wuchsen dort in dem großen Wald heran, von gewaltiger Kraft; unter ihnen wurde der grausame Daśagrīva zum Schrecken der Welt.

Wort für Wort
te tu tatra mahāraṇye
sie nun dort in dem großen Wald
vavṛdhuḥ sumahaujasaḥ
wuchsen sie heran, von gewaltiger Kraft
teṣāṃ krūro daśagrīvo
unter ihnen der grausame Daśagrīva
lokodvegakaro.abhavat
wurde zum Schrecken der Welt

kumbhakarṇaḥ pramattastu maharṣīndharmasaṃśritān | trailokyaṃ trāsayanduṣṭo bhakṣayanvicacāra ha ||

Kumbhakarṇa, achtlos und bösartig, durchstreifte die drei Welten, die rechtschaffenen großen Ṛṣis in Schrecken versetzend und verschlingend.

Wort für Wort
kumbhakarṇaḥ pramattastu
Kumbhakarṇa, achtlos aber
maharṣīndharmasaṃśritān
die rechtschaffenen großen Ṛṣis
trailokyaṃ trāsayanduṣṭo
die drei Welten in Schrecken versetzend, bösartig
bhakṣayanvicacāra ha
verschlingend durchstreifte er

vibhīṣaṇastu dharmātmā nityaṃ dharmapathe sthitaḥ | svādhyāyaniyatāhāra uvāsa niyatendriyaḥ ||

Vibhīṣaṇa aber, der Rechtschaffene, stets auf dem Pfad der Rechtschaffenheit stehend, weilte, der Vedenrezitation ergeben, mit gezügelter Nahrung und gezügelten Sinnen.

Wort für Wort
vibhīṣaṇastu dharmātmā
Vibhīṣaṇa aber, der Rechtschaffene
nityaṃ dharmapathe sthitaḥ
stets auf dem Pfad der Rechtschaffenheit stehend
svādhyāyaniyatāhāra
der Vedenrezitation ergeben, mit gezügelter Nahrung
uvāsa niyatendriyaḥ
weilte er, mit gezügelten Sinnen

atha vitteśvaro devastatra kālena kena cit | āgacchatpitaraṃ draṣṭuṃ puṣpakeṇa mahaujasaṃ ||

Da kam der Gott, der Herr des Reichtums, nach einiger Zeit auf dem Puṣpaka-Wagen, um seinen überaus glanzvollen Vater zu besuchen.

Wort für Wort
atha vitteśvaro devas
da der Gott, Herr des Reichtums
tatra kālena kena cit
dort nach einiger Zeit
āgacchatpitaraṃ draṣṭuṃ
kam er, um seinen Vater zu besuchen
puṣpakeṇa mahaujasaṃ
auf dem Puṣpaka-Wagen, den überaus glanzvollen

taṃ dṛṣṭvā kaikayī tatra jvalantamiva tejasā | āsthāya rākṣasīṃ buddhiṃ daśagrīvamuvāca ha ||

Als sie ihn dort sah, wie lodernd an Glanz, nahm Kaikasī eine rākṣasische Gesinnung an und sprach zu Daśagrīva:

Wort für Wort
taṃ dṛṣṭvā kaikayī tatra
als sie ihn dort sah, Kaikasī
jvalantamiva tejasā
wie lodernd an Glanz
āsthāya rākṣasīṃ buddhiṃ
eine rākṣasische Gesinnung annehmend
daśagrīvamuvāca ha
sprach sie zu Daśagrīva

putravaiśravaṇaṃ paśya bhrātaraṃ tejasā vṛtam | bhrātṛbhāve same cāpi paśyātmānaṃ tvamīdṛśam ||

"Sieh, mein Sohn, den Vaiśravaṇa, deinen Bruder, umgeben von Glanz; und obgleich ihr im gleichen Bruderverhältnis steht, sieh dich selbst, wie du bist.

Wort für Wort
putravaiśravaṇaṃ paśya
sieh, mein Sohn, den Vaiśravaṇa
bhrātaraṃ tejasā vṛtam
deinen Bruder, umgeben von Glanz
bhrātṛbhāve same cāpi
und obgleich im gleichen Bruderverhältnis
paśyātmānaṃ tvamīdṛśam
sieh dich selbst, wie du bist

daśagrīva tathā yatnaṃ kuruṣvāmitavikrama | yathā bhavasi me putra śīgghraṃ vaiśvaraṇopamaḥ ||

Daśagrīva, du von unermesslicher Tapferkeit, unternimm daher solche Anstrengung, dass du, mein Sohn, bald dem Vaiśravaṇa gleich wirst."

Wort für Wort
daśagrīva tathā yatnaṃ
Daśagrīva, daher solche Anstrengung
kuruṣvāmitavikrama
unternimm, du von unermesslicher Tapferkeit
yathā bhavasi me putra
dass du, mein Sohn, wirst
śīgghraṃ vaiśvaraṇopamaḥ
bald dem Vaiśravaṇa gleich

mātustadvacanaṃ śrutvā daśagrīvaḥ pratāpavān | amarṣamatulaṃ lebhe pratijñāṃ cākarottadā ||

Als der machtvolle Daśagrīva die Worte seiner Mutter gehört hatte, empfand er unvergleichlichen Unwillen und legte da ein Gelübde ab:

Wort für Wort
mātustadvacanaṃ śrutvā
als er die Worte der Mutter gehört hatte
daśagrīvaḥ pratāpavān
der machtvolle Daśagrīva
amarṣamatulaṃ lebhe
empfand er unvergleichlichen Unwillen
pratijñāṃ cākarottadā
und legte da ein Gelübde ab

satyaṃ te pratijānāmi tulyo bhrātrādhiko.api vā | bhaviṣyāmyacirānmātaḥ santāpaṃ tyaja hṛdgatam ||

"Wahrlich, ich gelobe dir: dem Bruder gleich oder ihm sogar überlegen werde ich bald sein, o Mutter – lege den Schmerz ab, der in deinem Herzen liegt."

Wort für Wort
satyaṃ te pratijānāmi
wahrlich, ich gelobe dir
tulyo bhrātrādhiko.api vā
dem Bruder gleich oder ihm sogar überlegen
bhaviṣyāmyacirānmātaḥ
werde ich bald sein, Mutter
santāpaṃ tyaja hṛdgatam
lege den Schmerz ab, der im Herzen liegt

tataḥ krodhena tenaiva daśagrīvaḥ sahānujaḥ | prāpsyāmi tapasā kāmamiti kṛtvādhyavasya ca | āgacchadātmasiddhyarthaṃ gokarṇasyāśramaṃ śubham ||

Da zog Daśagrīva, mit eben jenem Zorn, samt seinen jüngeren Brüdern, mit dem Entschluss: "Ich werde meinen Wunsch durch Askese erlangen", zu seiner eigenen Vollendung zur lieblichen Einsiedelei des Gokarṇa.

Wort für Wort
tataḥ krodhena tenaiva
da mit eben jenem Zorn
daśagrīvaḥ sahānujaḥ
Daśagrīva samt seinen jüngeren Brüdern
prāpsyāmi tapasā kāmam
ich werde meinen Wunsch durch Askese erlangen
iti kṛtvādhyavasya ca
so entschlossen
āgacchadātmasiddhyarthaṃ
zog er zu seiner eigenen Vollendung
gokarṇasyāśramaṃ śubham
zur lieblichen Einsiedelei des Gokarṇa

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