Quellen der Menschheit

Rāmāyaṇa · Uttarakāṇḍa

Sarga 68: Agastya-Araṇya-Vṛttāntam Agastyas Erzählung vom wunderbaren Wald und dem Himmlischen

purā tretāyuge hyāsīdaraṇyaṃ bahuvistaram | samantādyojanaśataṃ nirmṛgaṃ pakṣivarjitam ||

'Einst, im Tretā-Zeitalter, gab es einen weit ausgedehnten Wald, hundert Yojanas rings umher, ohne Wild und ohne Vögel.'

Wort für Wort
purā tretāyuge hi āsīt
einst im Tretā-Zeitalter gab es
araṇyaṃ bahuvistaram
einen weit ausgedehnten Wald
samantāt yojanaśataṃ
hundert Yojanas rings umher
nirmṛgaṃ pakṣivarjitam
ohne Wild, ohne Vögel

tasminnirmānuṣe.araṇye kurvāṇastapa uttamam | ahamākramituṃ śaumya tadaraṇyamupāgamam ||

'In jenen menschenleeren Wald, um höchste Askese zu üben, begab ich mich, Sanftmütiger, um jenen Wald zu betreten.'

Wort für Wort
tasmin nirmānuṣe araṇye
in jenen menschenleeren Wald
kurvāṇaḥ tapaḥ uttamam
höchste Askese übend
aham ākramituṃ śaumya
ich, um zu betreten, Sanftmütiger
tat araṇyam upāgamam
begab ich mich zu jenem Wald

tasya rūpamaraṇyasya nirdeṣṭuṃ na śaśāka ha | phalamūlaiḥ sukhāsvādairbahurūpaiśca pādapaiḥ ||

'Die Gestalt jenes Waldes vermochte ich gar nicht zu beschreiben, mit seinen wohlschmeckenden Früchten und Wurzeln und den mannigfaltig gestalteten Bäumen.'

Wort für Wort
tasya rūpam araṇyasya
die Gestalt jenes Waldes
nirdeṣṭuṃ na śaśāka ha
vermochte ich gar nicht zu beschreiben
phalamūlaiḥ sukhāsvādaiḥ
mit wohlschmeckenden Früchten und Wurzeln
bahurūpaiḥ ca pādapaiḥ
und mannigfaltig gestalteten Bäumen

tasyāraṇyasya madhye tu saro yojanamāyatam | padmotpalasamākīrṇaṃ samatikrāntaśaivalam ||

'Inmitten jenes Waldes aber lag ein See, ein Yojana lang, überströmt mit Lotos- und blauen Lotosblüten, frei von Algen.'

Wort für Wort
tasya araṇyasya madhye tu
inmitten jenes Waldes aber
saraḥ yojanam āyatam
ein See, ein Yojana lang
padmotpalasamākīrṇaṃ
überströmt mit Lotos- und blauen Lotosblüten
samatikrāntaśaivalam
frei von Algen

tadāścaryamivātyarthaṃ sukhāsvādamanuttamam | arajaskaṃ tathākṣobhyaṃ śrīmatpakṣigaṇāyutam ||

'Er war gleichsam ein überaus wunderbares Wasser, von höchst angenehmem Geschmack, staubfrei und unerschütterlich, von prächtigen Scharen von Vögeln umgeben.'

Wort für Wort
tat āścaryam iva atyarthaṃ
er war gleichsam überaus wunderbar
sukhāsvādam anuttamam
von höchst angenehmem Geschmack
arajaskaṃ tathā akṣobhyaṃ
staubfrei und unerschütterlich
śrīmatpakṣigaṇāyutam
von prächtigen Vogelscharen umgeben

tasminsaraḥsamīpe tu mahadadbhutamāśramam | purāṇaṃ puṇyamatyarthaṃ tapasvijanavarjitam ||

'In der Nähe jenes Sees war eine große, wunderbare Einsiedelei, uralt, überaus heilig, doch frei von jeglichem Asketenvolk.'

Wort für Wort
tasmin saraḥsamīpe tu
in der Nähe jenes Sees aber
mahat adbhutam āśramam
eine große, wunderbare Einsiedelei
purāṇaṃ puṇyam atyarthaṃ
uralt, überaus heilig
tapasvijanavarjitam
frei von Asketenvolk

tatrāhamavasaṃ rātriṃ naidāghīṃ puruṣarṣabha | prabhāte kālyamutthāya sarastadupacakrame ||

'Dort verbrachte ich eine Nacht der heißen Jahreszeit, o Stier unter den Männern; am Morgen früh aufstehend, begab ich mich zu jenem See.'

Wort für Wort
tatra aham avasaṃ rātriṃ
dort verbrachte ich eine Nacht
naidāghīṃ puruṣarṣabha
der heißen Jahreszeit, o Stier unter den Männern
prabhāte kālyam utthāya
am Morgen früh aufstehend
saraḥ tat upacakrame
begab ich mich zu jenem See

athāpaśyaṃḥ śavaṃ tatra supuṣṭamajaraṃ kva cit | tiṣṭhantaṃ parayā lakṣmyā tasmiṃstoyāśaye nṛpa ||

'Da erblickte ich dort einen wohlgenährten, gar nicht gealterten Leichnam, der mit höchster Pracht in jenem Wasserbecken lag, o König.'

Wort für Wort
atha apaśyam śavaṃ tatra
da erblickte ich dort einen Leichnam
supuṣṭam ajaraṃ kva cit
wohlgenährt, gar nicht gealtert
tiṣṭhantaṃ parayā lakṣmyā
der mit höchster Pracht lag
tasmin toyāśaye nṛpa
in jenem Wasserbecken, o König

tamarthaṃ cintayāno.ahaṃ muhūrtaṃ tatra rāghava | viṣṭhito.asmi sarastīre kiṃ nvidaṃ syāditi prabho ||

'Über diese Sache nachdenkend, verweilte ich einen Augenblick dort am Ufer des Sees, o Sohn der Raghus: Was mag dies wohl sein? — so dachte ich, o Herr.'

Wort für Wort
tam arthaṃ cintayānaḥ ahaṃ
über diese Sache nachdenkend, ich
muhūrtaṃ tatra rāghava
einen Augenblick dort, Sohn der Raghus
viṣṭhitaḥ asmi sarastīre
verweilte ich am Ufer des Sees
kiṃ nu idaṃ syāt iti prabho
was mag dies wohl sein, o Herr

athāpaśyaṃ muhūrtāttu divyamadbhutadarśanam | vimānaṃ paramodāraṃ haṃsayuktaṃ manojavam ||

'Nach einem Augenblick aber erblickte ich einen göttlichen, wunderbar anzusehenden, überaus prächtigen Himmelswagen, mit Schwänen bespannt, so schnell wie der Gedanke.'

Wort für Wort
atha apaśyam muhūrtāt tu
nach einem Augenblick aber erblickte ich
divyam adbhutadarśanam
einen göttlichen, wunderbar anzusehenden
vimānaṃ paramodāraṃ
einen überaus prächtigen Himmelswagen
haṃsayuktaṃ manojavam
mit Schwänen bespannt, gedankenschnell

atyarthaṃ svargiṇaṃ tatra vimāne raghunandana | upāste.apsarasāṃ vīra sahasraṃ divyabhūṣaṇam | gānti geyāni ramyāṇi vādayanti tathāparāḥ ||

'Darin, in dem Himmelswagen, o Spross der Raghus, war ein überaus herrlich Himmlischer, dem tausend Apsaras, göttlich geschmückt, o Held, aufwarteten; die einen sangen liebliche Lieder, die anderen wiederum spielten Musikinstrumente.'

Wort für Wort
atyarthaṃ svargiṇaṃ tatra
einen überaus herrlichen Himmlischen darin
vimāne raghunandana
im Himmelswagen, Spross der Raghus
upāste apsarasāṃ vīra
dem aufwarteten, o Held, der Apsaras
sahasraṃ divyabhūṣaṇam
ein Tausend, göttlich geschmückt
gānti geyāni ramyāṇi
die einen sangen liebliche Lieder
vādayanti tathā aparāḥ
die anderen wiederum spielten Instrumente

paśyato me tadā rāma vimānādavaruhya ca | taṃ śavaṃ bhakṣayāmāsa sa svargī raghunandana ||

'Vor meinen Augen, o Rāma, stieg jener Himmlische aus dem Himmelswagen herab und verzehrte jenen Leichnam, Spross der Raghus.'

Wort für Wort
paśyataḥ me tadā rāma
vor meinen Augen da, Rāma
vimānāt avaruhya ca
aus dem Himmelswagen herabsteigend
taṃ śavaṃ bhakṣayāmāsa
verzehrte er jenen Leichnam
sa svargī raghunandana
jener Himmlische, Spross der Raghus

tato bhuktvā yathākāmaṃ māṃsaṃ bahu ca suṣṭhu ca | avatīrya saraḥ svargī saṃspraṣṭumupacakrame ||

'Nachdem er nach Herzenslust viel und vortreffliches Fleisch gegessen hatte, stieg der Himmlische in den See hinab und begann sich zu reinigen.'

Wort für Wort
tataḥ bhuktvā yathākāmaṃ
nachdem er nach Herzenslust gegessen hatte
māṃsaṃ bahu ca suṣṭhu ca
viel und vortreffliches Fleisch
avatīrya saraḥ svargī
in den See hinabsteigend, der Himmlische
saṃspraṣṭum upacakrame
begann sich zu reinigen

upaspṛśya yathānyāyaṃ sa svargī puruṣarṣabha | āroḍhumupacakrāma vimānavaramuttamam ||

'Nachdem er sich vorschriftsgemäß gereinigt hatte, o Stier unter den Männern, machte sich jener Himmlische daran, den vortrefflichen Himmelswagen wieder zu besteigen.'

Wort für Wort
upaspṛśya yathānyāyaṃ
nachdem er sich vorschriftsgemäß gereinigt hatte
sa svargī puruṣarṣabha
jener Himmlische, o Stier unter den Männern
āroḍhum upacakrāma
machte er sich daran zu besteigen
vimānavaram uttamam
den vortrefflichen Himmelswagen

tamahaṃ devasaṅkāśamārohantamudīkṣya vai | athāhamabruvaṃ vākyaṃ tameva puruṣarṣabha ||

'Als ich jenen, dem Aussehen nach einem Gotte Gleichenden, besteigen sah, sprach ich sodann zu eben ihm dieses Wort, o Stier unter den Männern.'

Wort für Wort
tam ahaṃ devasaṅkāśam
ihn, ich, dem Aussehen nach einem Gotte gleichend
ārohantam udīkṣya vai
als besteigend ich sah
atha aham abruvaṃ vākyaṃ
sprach ich sodann das Wort
tam eva puruṣarṣabha
zu eben ihm, o Stier unter den Männern

ko bhavāndevasaṅkāśa āhāraśca vigarhitaḥ | tvayāyaṃ bhujyate saumya kiṃ karthaṃ vaktumarhasi ||

'Wer bist du, dem Aussehen nach einem Gotte gleichend, und weshalb wird von dir diese verabscheuungswürdige Speise gegessen? Du solltest mir den Grund erklären, Sanftmütiger.'

Wort für Wort
kaḥ bhavān devasaṅkāśa
wer bist du, dem Aussehen nach einem Gotte gleichend
āhāraḥ ca vigarhitaḥ
und die verabscheuungswürdige Speise
tvayā ayaṃ bhujyate saumya
wird von dir gegessen, Sanftmütiger
kiṃ kartham vaktum arhasi
du solltest den Grund erklären

āścaryamīdṛśo bhāvo bhāsvaro devasaṃmataḥ | āhāro garhitaḥ saumya śrotumicchāmi tattvataḥ ||

'Wunderbar ist ein solches Wesen, glänzend, den Göttern gleichgeachtet — doch verabscheuungswürdig die Speise, Sanftmütiger; ich wünsche die Wahrheit darüber zu hören.'

Wort für Wort
āścaryam īdṛśaḥ bhāvaḥ
wunderbar ist ein solches Wesen
bhāsvaraḥ devasaṃmataḥ
glänzend, den Göttern gleichgeachtet
āhāraḥ garhitaḥ saumya
die Speise verabscheuungswürdig, Sanftmütiger
śrotum icchāmi tattvataḥ
ich wünsche die Wahrheit zu hören

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