Quellen der Menschheit

Rāmāyaṇa · Uttarakāṇḍa

Sarga 49: Sumantra-Rahasya-Kathanam Sumantra kündigt das Geheimnis an

dṛṣṭvā tu maithilīṃ sītāmāśramaṃ saṃraveśitām . santāpamakarodghoraṃ lakṣmaṇo dīnacetanaḥ ..1..

Als er sah, wie die Maithilī Sītā in den Āśrama aufgenommen wurde, verfiel Lakṣmaṇa, betrübten Sinnes, in furchtbare Verzweiflung.

Wort für Wort
dṛṣṭvā tu maithilīṃ sītām
gesehen habend die Maithilī Sītā
āśramaṃ saṃraveśitām
in den Āśrama aufgenommen
santāpam akarot ghoraṃ
verfiel er in furchtbare Verzweiflung
lakṣmaṇo dīnacetanaḥ
Lakṣmaṇa, betrübten Sinnes

abravīcca mahātejāḥ sumantraṃ mantrasārathim . sītāsantāpajaṃ duḥkhaṃ paśya rāmasya dhīmataḥ ..2..

Und der Hochglänzende sprach zu Sumantra, dem in Ratschlägen erfahrenen Wagenlenker: 'Sieh das aus Sītās Kummer entstandene Leid des weisen Rāma!'

Wort für Wort
abravīt ca mahātejāḥ
und es sprach der Hochglänzende
sumantraṃ mantrasārathim
zu Sumantra, dem ratschlagkundigen Wagenlenker
sītāsantāpajaṃ duḥkhaṃ
das aus Sītās Kummer entstandene Leid
paśya rāmasya dhīmataḥ
sieh es, des weisen Rāma

ato duḥkhataraṃ kiṃ nu rāghavasya bhaviṣyati . patnīṃ śuddhasamācārāṃ visṛjya janakātmajām ..3..

'Was könnte wohl leidvoller für den Rāghava sein, als seine Gattin von reinem Wandel, die Tochter Janakas, verstoßen zu haben?'

Wort für Wort
ataḥ duḥkhataraṃ kiṃ nu
was könnte wohl leidvoller sein als dies
rāghavasya bhaviṣyati
dem Rāghava
patnīṃ śuddhasamācārāṃ
seine Gattin von reinem Wandel
visṛjya janakātmajām
die Tochter Janakas verstoßen habend

vyaktaṃ daivādahaṃ manye rāghavasya vinā bhavam . vaidehyā sārathe sārdhaṃ daivaṃ hi duratikramam ..4..

'Offenbar, meine ich, o Wagenlenker, ist des Rāghava Trennung von der Vaidehī durch das Schicksal bewirkt; denn das Schicksal ist unüberwindlich.'

Wort für Wort
vyaktaṃ daivāt ahaṃ manye
offenbar, durch das Schicksal, meine ich
rāghavasya vinā bhavam
des Rāghava Trennung
vaidehyā sārathe sārdhaṃ
von der Vaidehī, o Wagenlenker
daivaṃ hi duratikramam
denn das Schicksal ist unüberwindlich

yo hi devānsagandharvānasurānsaha rākṣasaiḥ . nihanyādrāghavaḥ kruddhaḥ sa daivamanuvartate ..5..

'Denn er, der Rāghava, der im Zorn die Götter samt den Gandharvas, die Asuras samt den Rākṣasas erschlagen könnte, selbst er unterliegt dem Schicksal.'

Wort für Wort
yo hi devān sagandharvān
der die Götter samt den Gandharvas
asurān saha rākṣasaiḥ
die Asuras samt den Rākṣasas
nihanyāt rāghavaḥ kruddhaḥ
erschlagen könnte, der zornige Rāghava
sa daivam anuvartate
er unterliegt dem Schicksal

purā mama piturvākyairdaṇḍake vijane vane . uṣito navavarṣāṇi pañca caiva sudāruṇe ..6..

'Einst, auf die Worte meines Vaters, weilte ich vierzehn Jahre im einsamen, sehr schrecklichen Wald von Daṇḍaka —'

Wort für Wort
purā mama pituḥ vākyaiḥ
einst, auf die Worte meines Vaters
daṇḍake vijane vane
im Daṇḍaka, im einsamen Wald
uṣito navavarṣāṇi
weilte ich neun Jahre
pañca ca eva sudāruṇe
und auch fünf, im sehr schrecklichen

tato duḥkhataraṃ bhūyaḥ sītāyā vipravāsanam . paurāṇāṃ vacanaṃ śrutvā nṛśaṃsaṃ pratibhāti me ..7..

'— doch noch leidvoller als das erscheint mir die Verbannung Sītās, aufgrund der Rede der Bürger, als grausam.'

Wort für Wort
tato duḥkhataraṃ bhūyaḥ
doch noch leidvoller als das
sītāyā vipravāsanam
die Verbannung Sītās
paurāṇāṃ vacanaṃ śrutvā
auf die Rede der Bürger hin
nṛśaṃsaṃ pratibhāti me
erscheint mir grausam

ko nu dharmāśrayaḥ sūta karmaṇyasminyaśohare . maithilīṃ prati samprāptaḥ paurairhīnārthavādibhiḥ ..8..

'Welche Grundlage in der Rechtschaffenheit, o Wagenlenker, liegt wohl dieser ruhmzerstörenden Tat zugrunde, die gegen die Maithilī, auf das Wort niederer Bürger hin, verübt wurde?'

Wort für Wort
ko nu dharmāśrayaḥ sūta
welche Grundlage in der Rechtschaffenheit wohl, o Wagenlenker
karmaṇi asmin yaśohare
in dieser ruhmzerstörenden Tat
maithilīṃ prati samprāptaḥ
gegen die Maithilī verübt
paurairhīnārthavādibhiḥ
durch niedere, schlechtredende Bürger

etā bahuvidhā vācaḥ śrutvā lakṣmaṇabhāṣitāḥ . sumantraḥ prāñjalirbhūtvā vākyametaduvāca ha ..9..

Nachdem er diese von Lakṣmaṇa gesprochenen, mannigfaltigen Worte vernommen hatte, sprach Sumantra, mit gefalteten Händen, dieses Wort:

Wort für Wort
etā bahuvidhā vācaḥ
diese mannigfaltigen Worte
śrutvā lakṣmaṇabhāṣitāḥ
vernommen habend, von Lakṣmaṇa gesprochene
sumantraḥ prāñjaliḥ bhūtvā
Sumantra, mit gefalteten Händen werdend
vākyam etat uvāca ha
sprach dieses Wort, fürwahr

na santāpastvayā kāryaḥ saumitre maithilīṃ prati . dṛṣṭametatpurā vipraiḥ pituste lakṣmaṇāgrataḥ ..10..

'Nicht sollst du, o Saumitri, Kummer hegen bezüglich der Maithilī; dies wurde einst von den Brahmanen vor deinem Vater, o Lakṣmaṇa, vorausgesehen.'

Wort für Wort
na santāpaḥ tvayā kāryaḥ
nicht sollst du Kummer hegen
saumitre maithilīṃ prati
o Saumitri, bezüglich der Maithilī
dṛṣṭam etat purā vipraiḥ
dies wurde einst von den Brahmanen vorausgesehen
pituḥ te lakṣmaṇāgrataḥ
vor deinem Vater, o Lakṣmaṇa

bhaviṣyati dṛḍhaṃ rāmo duḥkhaprāyo.alpasukhyavān . tvāṃ caiva maithilīṃ caiva śatrughnabharatau tathā ..11..

'Rāma wird gewiss meist im Leid, wenig im Glück sein — ebenso du und die Maithilī und Śatrughna und Bharata.'

Wort für Wort
bhaviṣyati dṛḍhaṃ rāmo
Rāma wird gewiss sein
duḥkhaprāyaḥ alpasukhyavān
meist im Leid, wenig im Glück
tvāṃ ca eva maithilīṃ ca eva
du und auch die Maithilī
śatrughnabharatau tathā
und ebenso Śatrughna und Bharata

na tvidaṃ tvayi vaktavyaṃ saumitre bharate.api vā . rājñā vo.avyāhṛtaṃ vākyaṃ durvāsā yaduvāca ha ..12..

'Doch dies sollte weder dir, o Saumitri, noch Bharata gesagt werden — das Wort, das euch der König nicht kundtat, welches Durvāsas gesprochen hatte, fürwahr —'

Wort für Wort
na tu idaṃ tvayi vaktavyaṃ
doch dies sollte nicht dir gesagt werden
saumitre bharate api vā
o Saumitri, noch auch Bharata
rājñā vaḥ avyāhṛtaṃ vākyaṃ
das Wort, das euch der König nicht mitteilte
durvāsā yat uvāca ha
das Durvāsas gesprochen hatte, fürwahr

mahārājasamīpe ca mama caiva nararṣabha . ṛṣiṇā vyāhṛtaṃ vākyaṃ vasiṣṭhasya ca saṃnidhau ..13..

'— in Gegenwart des Großkönigs und auch von mir, o Stier unter den Männern, wurde jenes Wort vom Seher ausgesprochen, auch in Gegenwart des Vasiṣṭha.'

Wort für Wort
mahārājasamīpe ca
und in Gegenwart des Großkönigs
mama ca eva nararṣabha
und auch von mir, o Stier unter den Männern
ṛṣiṇā vyāhṛtaṃ vākyaṃ
das vom Seher ausgesprochene Wort
vasiṣṭhasya ca saṃnidhau
auch in Gegenwart des Vasiṣṭha

ṛṣestu vacanaṃ śrutvā māmāha puruṣarṣabhaḥ . sūta na kva cidevaṃ te vaktavyaṃ janasaṃnidhau ..14..

'Nachdem er die Rede des Sehers vernommen hatte, sprach der Stier unter den Männern zu mir: 'Wagenlenker, nirgends sollst du dies in Gegenwart von Leuten aussprechen.''

Wort für Wort
ṛṣeḥ tu vacanaṃ śrutvā
des Sehers Rede vernommen habend
mām āha puruṣarṣabhaḥ
sprach zu mir der Stier unter den Männern
sūta na kva cit evaṃ te
Wagenlenker, nirgends so von dir
vaktavyaṃ janasaṃnidhau
soll dies gesagt werden in Gegenwart von Leuten

tasyāhaṃ lokapālasya vākyaṃ tatsusamāhitaḥ . naiva jātvanṛtaṃ kuryāmiti me saumya darśanam ..15..

'Ich bewahre jenes Wort des Weltenhüters wohlgesammelt; niemals will ich es zur Unwahrheit machen — dies ist meine Ansicht, o Sanftmütiger.'

Wort für Wort
tasya ahaṃ lokapālasya
ich, dieses des Weltenhüters
vākyaṃ tat susamāhitaḥ
Wort, wohlgesammelt
na eva jātu anṛtaṃ kuryām
niemals will ich es zur Unwahrheit machen
iti me saumya darśanam
dies ist meine Ansicht, o Sanftmütiger

sarvathā nāstyavaktavyaṃ mayā saumya tavāgrataḥ . yadi te śravaṇe śraddhā śrūyatāṃ raghunandana ..16..

'Auf jeden Fall gibt es nichts, was von mir vor dir nicht ausgesprochen werden dürfte, o Sanftmütiger; wenn du Vertrauen zum Zuhören hast, so höre, Freudenspender der Raghus.'

Wort für Wort
sarvathā na asti avaktavyaṃ
auf jeden Fall gibt es nichts Unaussprechliches
mayā saumya tavāgrataḥ
von mir, o Sanftmütiger, vor dir
yadi te śravaṇe śraddhā
wenn du Vertrauen zum Zuhören hast
śrūyatāṃ raghunandana
so höre, Freudenspender der Raghus

yadyapyahaṃ narendreṇa rahasyaṃ śrāvitaḥ purā . taccāpyudāhariṣyāmi daivaṃ hi duratikramam ..17..

'Wenn ich auch einst vom Fürsten der Menschen ein Geheimnis erfahren habe, so will ich doch auch dieses berichten; denn das Schicksal ist unüberwindlich.'

Wort für Wort
yadi api ahaṃ narendreṇa
wenn auch ich vom Fürsten der Menschen
rahasyaṃ śrāvitaḥ purā
ein Geheimnis erfahren habe, einst
tat ca api udāhariṣyāmi
so will ich auch dieses berichten
daivaṃ hi duratikramam
denn das Schicksal ist unüberwindlich

tacchrutvā bhāṣitaṃ tasya gambhīrārthapadaṃ mahat . tathyaṃ brūhīti saumitriḥ sūtaṃ vākyamathābravīt ..18..

Nachdem er dessen Rede vernommen hatte, tiefsinnig an Bedeutung und Ausdruck, groß, sprach der Saumitri zum Wagenlenker das Wort: 'Sag es wahrheitsgemäß.'

Wort für Wort
tat śrutvā bhāṣitaṃ tasya
dies vernommen habend, dessen Rede
gambhīrārthapadaṃ mahat
tiefsinnig an Bedeutung und Ausdruck, groß
tathyaṃ brūhi iti saumitriḥ
'sag es wahrheitsgemäß', so der Saumitri
sūtaṃ vākyam atha abravīt
sprach zum Wagenlenker dann das Wort

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