Quellen der Menschheit

Rāmāyaṇa · Uttarakāṇḍa

Sarga 60: Śatrughna-Lavaṇa-Saṃvādaḥ Das Wortgefecht zwischen Śatrughna und Lavaṇa

kathāṃ kathayatāṃ teṣāṃ jayaṃ cākāṅkṣatāṃ śubham | vyatītā rajanī śīghraṃ śatrughnasya mahātmanaḥ ||

Während sie so Geschichten erzählten und den glückverheißenden Sieg herbeisehnten, verging dem großherzigen Śatrughna die Nacht rasch.

Wort für Wort
kathāṃ kathayatāṃ teṣāṃ
während sie Geschichten erzählten
jayaṃ ca ākāṅkṣatāṃ śubham
und den glückverheißenden Sieg herbeisehnten
vyatītā rajanī śīghraṃ
verging die Nacht rasch
śatrughnasya mahātmanaḥ
dem großherzigen Śatrughna

tataḥ prabhāte vimale tasminkāle sa rākṣasaḥ | nirgatastu purādvīro bhakṣāhārapracoditaḥ ||

Dann, bei klarem Morgengrauen, zu jener Zeit, verließ jener heldenhafte Rākṣasa, von der Suche nach Speise und Nahrung getrieben, die Stadt.

Wort für Wort
tataḥ prabhāte vimale
dann bei klarem Morgengrauen
tasmin kāle
zu jener Zeit
saḥ rākṣasaḥ vīraḥ
jener heldenhafte Rākṣasa
nirgataḥ tu purāt
verließ die Stadt
bhakṣāhārapracoditaḥ
von der Suche nach Speise und Nahrung getrieben

etasminnantare śūraḥ śatrughno yamunāṃ nadīm | tīrtvā madhupuradvāri dhanuṣpāṇiratiṣṭhata ||

Unterdessen durchquerte der tapfere Śatrughna den Fluss Yamunā und stellte sich, den Bogen in der Hand, vor das Tor der Stadt Madhu auf.

Wort für Wort
etasmin antare
unterdessen
śūraḥ śatrughnaḥ
der tapfere Śatrughna
yamunāṃ nadīm tīrtvā
den Fluss Yamunā durchquerend
madhupuradvāri
vor dem Tor der Stadt Madhu
dhanuṣpāṇiḥ atiṣṭhata
stellte er sich auf, den Bogen in der Hand

tato.ardhadivase prāpte krūrakarmā sa rākṣasaḥ | āgacchadbahusahasraṃ prāṇinām udvahanbharam ||

Als dann die Mitte des Tages erreicht war, kam jener grausam handelnde Rākṣasa herbei, viele Tausend Lebewesen als Last tragend.

Wort für Wort
tataḥ ardhadivase prāpte
als dann die Mitte des Tages erreicht war
krūrakarmā saḥ rākṣasaḥ
jener grausam handelnde Rākṣasa
āgacchat
kam herbei
bahusahasraṃ prāṇinām
viele Tausend Lebewesen
udvahan bharam
als Last tragend

tato dadarśa śatrughnaṃ sthitaṃ dvāri dhṛtāyudham | tamuvāca tato rakṣaḥ kimanena kariṣyasi ||

Da erblickte er Śatrughna, der am Tor stand, die Waffe bereithaltend; da sprach der Rākṣasa zu ihm: 'Was willst du damit ausrichten?'

Wort für Wort
tataḥ dadarśa śatrughnaṃ
da erblickte er Śatrughna
sthitaṃ dvāri dhṛtāyudham
am Tor stehend, die Waffe bereithaltend
tam uvāca tataḥ rakṣaḥ
da sprach der Rākṣasa zu ihm
kim anena kariṣyasi
was wirst du damit ausrichten

īdṛśānāṃ sahasrāṇi sāyudhānāṃ narādhama | bhakṣitāni mayā roṣātkālamākāṅkṣase nu kim ||

'Tausende solcher wie du, mit Waffen versehen, o niedrigster der Männer, habe ich im Zorn verschlungen; erwartest du etwa deine Stunde?'

Wort für Wort
īdṛśānāṃ sahasrāṇi
Tausende solcher wie diese
sāyudhānāṃ narādhama
mit Waffen versehen, o niedrigster der Männer
bhakṣitāni mayā roṣāt
habe ich im Zorn verschlungen
kālam ākāṅkṣase nu kim
erwartest du etwa deine Stunde

āhāraścāpyasampūrṇo mamāyaṃ puruṣādhama | svayaṃ praviṣṭo nu mukhaṃ kathamāsādya durmate ||

'Und noch unvollständig ist meine Mahlzeit, o niederträchtigster der Menschen; bist du etwa von selbst hergekommen, um in meinen Mund zu gelangen, du Übelgesinnter?'

Wort für Wort
āhāraḥ ca api asampūrṇaḥ
und auch unvollständig ist die Mahlzeit
mama ayaṃ puruṣādhama
diese meinige, o niederträchtigster der Menschen
svayaṃ praviṣṭaḥ nu mukhaṃ
bist du etwa von selbst in den Mund gelangt
katham āsādya durmate
wie hergekommen, du Übelgesinnter

tasyaivaṃ bhāṣamāṇasya hasataśca muhurmuhuḥ | śatrughno vīryasampanno roṣādaśrūṇyavartayat ||

Während jener so sprach und immer wieder lachte, ließ der tugendreiche Śatrughna vor Zorn Tränen fließen.

Wort für Wort
tasya evaṃ bhāṣamāṇasya
während jener so sprach
hasataḥ ca muhur muhuḥ
und immer wieder lachte
śatrughnaḥ vīryasampannaḥ
der tugendreiche Śatrughna
roṣāt aśrūṇi avartayat
ließ vor Zorn Tränen fließen

tasya roṣābhibhūtasya śatrughnasya mahātmanaḥ | tejomayā marīcyastu sarvagātrairviniṣpatan ||

Von Zorn überwältigt, strömten aus allen Gliedern des großherzigen Śatrughna leuchtende, glutvolle Strahlen hervor.

Wort für Wort
tasya roṣābhibhūtasya
von Zorn überwältigt
śatrughnasya mahātmanaḥ
des großherzigen Śatrughna
tejomayāḥ marīcyaḥ tu
glutvolle Strahlen aber
sarvagātraiḥ viniṣpatan
strömten aus allen Gliedern hervor

uvāca ca susaṅkruddhaḥ śatrughnastaṃ niśācaram | yoddhumicchāmi durbuddhe dvandvayuddhaṃ tvayā saha ||

Und der zutiefst erzürnte Śatrughna sprach zu jenem Nachtwandler: 'Ich begehre, o Übelgesinnter, mit dir den Zweikampf auszufechten.'

Wort für Wort
uvāca ca susaṅkruddhaḥ
und es sprach der zutiefst erzürnte
śatrughnaḥ taṃ niśācaram
Śatrughna zu jenem Nachtwandler
yoddhum icchāmi durbuddhe
ich begehre zu kämpfen, o Übelgesinnter
dvandvayuddhaṃ tvayā saha
den Zweikampf mit dir

putro daśarathasyāhaṃ bhrātā rāmasya dhīmataḥ | śatrughno nāma śatrughno vadhākāṅkṣī tavāgataḥ ||

'Ich bin der Sohn des Daśaratha, der Bruder des weisen Rāma, mit Namen Śatrughna, der Feindevernichter, gekommen im Verlangen, dich zu töten.'

Wort für Wort
putraḥ daśarathasya ahaṃ
ich bin der Sohn des Daśaratha
bhrātā rāmasya dhīmataḥ
der Bruder des weisen Rāma
śatrughnaḥ nāma
mit Namen Śatrughna
śatrughnaḥ vadhākāṅkṣī
der Feindevernichter, im Verlangen zu töten
tava āgataḥ
zu dir gekommen

tasya me yuddhakāmasya dvandvayuddhaṃ pradīyatām | śatrustvaṃ sarvajīvānāṃ na me jīvangamiṣyasi ||

'Gewähre mir, der ich nach dem Kampf verlange, den Zweikampf; du bist der Feind aller Lebewesen — lebend wirst du mir nicht entkommen.'

Wort für Wort
tasya me yuddhakāmasya
mir, der ich nach dem Kampf verlange
dvandvayuddhaṃ pradīyatām
werde der Zweikampf gewährt
śatruḥ tvaṃ sarvajīvānāṃ
du bist der Feind aller Lebewesen
na me jīvan gamiṣyasi
lebend wirst du mir nicht entkommen

tasmiṃstathā bruvāṇe tu rākṣasaḥ prahasanniva | pratyuvāca naraśreṣṭhaṃ diṣṭyā prāpto.asi durmate ||

Als jener so sprach, erwiderte der Rākṣasa, gleichsam lachend, dem besten der Männer: 'Zum Glück bist du gekommen, o Übelgesinnter.'

Wort für Wort
tasmin tathā bruvāṇe tu
als jener so sprach
rākṣasaḥ prahasan iva
der Rākṣasa, gleichsam lachend
pratyuvāca naraśreṣṭhaṃ
erwiderte dem besten der Männer
diṣṭyā prāptaḥ asi durmate
zum Glück bist du gekommen, o Übelgesinnter

mama mātṛṣvasurbhrātā rāvaṇo nāma rākṣasaḥ | hato rāmeṇa durbuddhe strīhetoḥ puruṣādhama ||

'Der Bruder meiner Tante mütterlicherseits, der Rākṣasa mit Namen Rāvaṇa, wurde von Rāma wegen eines Weibes getötet, o Übelgesinnter, du niedrigster der Männer.'

Wort für Wort
mama mātṛṣvasuḥ bhrātā
der Bruder meiner Tante mütterlicherseits
rāvaṇaḥ nāma rākṣasaḥ
der Rākṣasa mit Namen Rāvaṇa
hataḥ rāmeṇa durbuddhe
wurde von Rāma getötet, o Übelgesinnter
strīhetoḥ puruṣādhama
wegen eines Weibes, du niedrigster der Männer

tacca sarvaṃ mayā kṣāntaṃ rāvaṇasyā kulakṣayam | avajñāṃ purataḥ kṛtvā mayā yūyaṃ viśeṣataḥ ||

'Dies alles, den Untergang von Rāvaṇas Geschlecht, habe ich ertragen, und die Missachtung, die ihr mir vor allem zuvor erwiesen habt.'

Wort für Wort
tat ca sarvaṃ mayā kṣāntaṃ
dies alles habe ich ertragen
rāvaṇasya kulakṣayam
den Untergang von Rāvaṇas Geschlecht
avajñāṃ purataḥ kṛtvā
die zuvor erwiesene Missachtung
mayā yūyaṃ viśeṣataḥ
von mir gegen euch insbesondere

na hatāśca hi me sarve paribhūtāstṛṇaṃ yathā | bhūtaścaiva bhaviṣyāśca yūyaṃ ca puruṣādhamāḥ ||

'Und alle, die mich verachteten wie einen Grashalm, habe ich nicht getötet — die vergangenen, die künftigen, und auch euch, ihr niedrigsten der Männer.'

Wort für Wort
na hatāḥ ca hi me sarve
und nicht getötet habe ich alle
paribhūtāḥ tṛṇaṃ yathā
die mich verachteten wie einen Grashalm
bhūtāḥ ca eva bhaviṣyāḥ ca
die vergangenen und die künftigen
yūyaṃ ca puruṣādhamāḥ
und euch, ihr niedrigsten der Männer

tasya te yuddhakāmasyā yuddhaṃ dāsyāmi durmate | īpsitaṃ yādṛśaṃ tubhyaṃ sajjaye yāvadāyudham ||

'Dir, der du nach dem Kampf verlangst, will ich den Kampf gewähren, o Übelgesinnter, ganz wie du es dir wünschst — solange, bis ich meine Waffe bereitgemacht habe.'

Wort für Wort
tasya te yuddhakāmasya
dir, der du nach dem Kampf verlangst
yuddhaṃ dāsyāmi durmate
will ich den Kampf gewähren, o Übelgesinnter
īpsitaṃ yādṛśaṃ tubhyaṃ
wie du es dir wünschst
sajjaye yāvat āyudham
solange bis ich die Waffe bereitgemacht habe

tamuvācātha śatrughna kva me jīvngamiṣyasi | durbalo.apyāgataḥ śatrurna moktavyaḥ kṛtātmanā ||

Da sprach Śatrughna zu ihm: 'Wohin willst du mir lebend entkommen? Auch ein schwacher Feind, der gekommen ist, darf von einem Selbstbeherrschten nicht verschont werden.'

Wort für Wort
tam uvāca atha śatrughnaḥ
da sprach Śatrughna zu ihm
kva me jīvan gamiṣyasi
wohin willst du mir lebend entkommen
durbalaḥ api āgataḥ śatruḥ
auch ein schwacher, gekommener Feind
na moktavyaḥ kṛtātmanā
darf von einem Selbstbeherrschten nicht verschont werden

yo hi viklavayā buddhyā prasaraṃ śatrave dadau | sa hato mandabuddhitvādyathā kāpuruṣastathā ||

'Denn wer mit schwankendem Verstand dem Feind Spielraum gewährt, der wird durch seine Torheit zugrunde gerichtet, gleich einem Feigling.'

Wort für Wort
yaḥ hi viklavayā buddhyā
denn wer mit schwankendem Verstand
prasaraṃ śatrave dadau
dem Feind Spielraum gewährt
saḥ hataḥ mandabuddhitvāt
der wird durch seine Torheit zugrunde gerichtet
yathā kāpuruṣaḥ tathā
gleich einem Feigling

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