Quellen der Menschheit

Rāmāyaṇa · Uttarakāṇḍa

Sarga 76: Vṛtra-Vadha-Brahmahatyā-Kathanam Die Tötung Vṛtras und die Sünde des Brahmanenmordes

lakṣmaṇasya tu tadvākyaṃ śrutvā śatrunibarhaṇaḥ | vṛtraghātamaśeṣeṇa kathayetyāha lakṣmaṇam ||

Als der Feindebezwinger dieses Wort Lakṣmaṇas vernommen hatte, sprach er zu Lakṣmaṇa: 'Erzähle die Tötung Vṛtras vollständig.'

Wort für Wort
lakṣmaṇasya tu tat vākyaṃ
dieses Wort Lakṣmaṇas aber
śrutvā śatrunibarhaṇaḥ
gehört habend, der Feindebezwinger
vṛtraghātam aśeṣeṇa
die Tötung Vṛtras vollständig
kathaya iti āha lakṣmaṇam
'erzähle', sprach er zu Lakṣmaṇa

rāghaveṇaivamuktastu sumitrānandavardhanaḥ | bhūya eva kathāṃ divyāṃ kathayāmāsa lakṣmaṇaḥ ||

So von dem Sohn der Raghus angesprochen, erzählte Lakṣmaṇa, der die Freude der Sumitrā mehrt, weiter die göttliche Geschichte.

Wort für Wort
rāghaveṇa evam uktaḥ tu
so von dem Sohn der Raghus angesprochen
sumitrānandavardhanaḥ
der die Freude der Sumitrā mehrt
bhūyaḥ eva kathāṃ divyāṃ
weiter die göttliche Geschichte
kathayāmāsa lakṣmaṇaḥ
erzählte Lakṣmaṇa

sahasrākṣavacaḥ śrutvā sarveṣāṃ ca divaukasām | viṣṇurdevānuvācedaṃ sarvānindrapurogamān ||

Nachdem er die Worte des Tausendäugigen und aller Himmelsbewohner gehört hatte, sprach Viṣṇu zu allen Göttern, mit Indra an der Spitze, dieses.

Wort für Wort
sahasrākṣavacaḥ śrutvā
die Worte des Tausendäugigen gehört habend
sarveṣāṃ ca divaukasām
und aller Himmelsbewohner
viṣṇuḥ devān uvāca idaṃ
sprach Viṣṇu zu den Göttern dieses
sarvān indrapurogamān
zu allen, mit Indra an der Spitze

pūrvaṃ sauhṛdabaddho.asmi vṛtrasya sumahātmanaḥ | tena yuṣmatpriyārthaṃ vai nāhaṃ hanmi mahāsuram ||

'Von früher her bin ich in Freundschaft mit dem überaus großherzigen Vṛtra verbunden; deshalb töte ich, auch euch zuliebe, den großen Asura nicht selbst.'

Wort für Wort
pūrvaṃ sauhṛdabaddhaḥ asmi
von früher her bin ich in Freundschaft verbunden
vṛtrasya sumahātmanaḥ
mit dem überaus großherzigen Vṛtra
tena yuṣmatpriyārthaṃ vai
deshalb, euch zuliebe
na aham hanmi mahāsuram
töte ich den großen Asura nicht

avaśyaṃ karaṇīyaṃ ca bhavatāṃ sukhamuttamam | tasmādupāyamākhyāsye yena vṛtraṃ haniṣyatha ||

'Doch euer höchstes Wohl muss unbedingt herbeigeführt werden; darum will ich einen Weg verkünden, durch den ihr Vṛtra töten werdet.'

Wort für Wort
avaśyaṃ karaṇīyaṃ ca
unbedingt muss herbeigeführt werden
bhavatāṃ sukham uttamam
euer höchstes Wohl
tasmāt upāyam ākhyāsye
darum will ich einen Weg verkünden
yena vṛtraṃ haniṣyatha
durch den ihr Vṛtra töten werdet

tridhā bhūtaṃ kariṣye.ahamātmānaṃ surasattamāḥ | tena vṛtraṃ sahasrākṣo haniṣyati na saṃśayaḥ ||

'Dreifach geteilt will ich mich selbst machen, ihr Besten der Götter; dadurch wird der Tausendäugige Vṛtra töten, ohne Zweifel.'

Wort für Wort
tridhā bhūtaṃ kariṣye aham
dreifach geteilt will ich machen
ātmānaṃ surasattamāḥ
mich selbst, ihr Besten der Götter
tena vṛtraṃ sahasrākṣaḥ
dadurch wird der Tausendäugige Vṛtra
haniṣyati na saṃśayaḥ
töten, ohne Zweifel

eko.aṃśo vāsavaṃ yātu dvitīyo vajrameva tu | tṛtīyo bhūtalaṃ śakrastato vṛtraṃ haniṣyati ||

'Ein Teil gehe in Vāsava ein, der zweite in den Vajra selbst, der dritte in den Erdboden; dann wird Śakra Vṛtra töten.'

Wort für Wort
ekaḥ aṃśaḥ vāsavaṃ yātu
ein Teil gehe in Vāsava ein
dvitīyaḥ vajram eva tu
der zweite in den Vajra selbst
tṛtīyaḥ bhūtalaṃ śakraḥ
der dritte in den Erdboden, Śakra
tataḥ vṛtraṃ haniṣyati
dann wird er Vṛtra töten

tathā bruvati deveśe devā vākyamathābruvan | evametanna sandeho yathā vadasi daityahan ||

Als der Herr der Götter so sprach, sagten die Götter sodann dieses Wort: 'So sei es, kein Zweifel, so wie du sprichst, Vernichter der Daityas.'

Wort für Wort
tathā bruvati deveśe
als der Herr der Götter so sprach
devāḥ vākyam atha abruvan
sagten die Götter sodann das Wort
evam etat na sandehaḥ
so ist es, kein Zweifel
yathā vadasi daityahan
so wie du sprichst, Vernichter der Daityas

bhadraṃ te.astu gamiṣyāmo vṛtrāsuravadhaiṣiṇaḥ | bhajasva paramodāravāsavaṃ svena tejasā ||

'Heil dir; wir werden gehen, nach der Tötung des Asura Vṛtra verlangend; erfülle du, überaus Edler, den Vāsava mit deinem eigenen Glanz.'

Wort für Wort
bhadraṃ te astu
Heil dir
gamiṣyāmaḥ vṛtrāsuravadhaiṣiṇaḥ
wir werden gehen, nach der Tötung Vṛtras verlangend
bhajasva paramodāra
erfülle, überaus Edler
vāsavaṃ svena tejasā
den Vāsava mit deinem eigenen Glanz

tataḥ sarve mahātmānaḥ sahasrākṣapurogamāḥ | tadaraṇyamupākrāmanyatra vṛtro mahāsuraḥ ||

Da näherten sich alle Großherzigen, mit dem Tausendäugigen an der Spitze, jenem Wald, wo Vṛtra, der große Asura, weilte.

Wort für Wort
tataḥ sarve mahātmānaḥ
da alle Großherzigen
sahasrākṣapurogamāḥ
mit dem Tausendäugigen an der Spitze
tat araṇyam upākrāman
näherten sich jenem Wald
yatra vṛtraḥ mahāsuraḥ
wo Vṛtra, der große Asura, war

te.apaśyaṃstejasā bhūtaṃ tapantamasurottamam | pibantamiva lokāṃstrīnnirdahantamivāmbaram ||

Sie erblickten den besten der Asuras, von seiner Glut versengend, gleichsam die drei Welten verschlingend, gleichsam den Himmel verbrennend.

Wort für Wort
te apaśyan tejasā bhūtaṃ
sie erblickten den, von Glut erfüllt
tapantam asurottamam
versengend, den besten der Asuras
pibantam iva lokān trīn
gleichsam die drei Welten verschlingend
nirdahantam iva ambaram
gleichsam den Himmel verbrennend

dṛṣṭvaiva cāsuraśreṣṭhaṃ devāstrāsamupāgaman | kathamenaṃ vadhiṣyāmaḥ kathaṃ na syātparājayaḥ ||

Sobald sie den besten der Asuras erblickt hatten, gerieten die Götter in Schrecken: 'Wie werden wir ihn töten? Wie soll es keine Niederlage geben?'

Wort für Wort
dṛṣṭvā eva ca asuraśreṣṭhaṃ
sobald sie den besten der Asuras gesehen hatten
devāḥ trāsam upāgaman
gerieten die Götter in Schrecken
katham enaṃ vadhiṣyāmaḥ
wie werden wir ihn töten
kathaṃ na syāt parājayaḥ
wie soll es keine Niederlage geben

teṣāṃ cintayatāṃ tatra sahasrākṣaḥ purandaraḥ | vajraṃ pragṛhya bāhubhyāṃ prahiṇodvṛtramūrdhani ||

Während sie dort noch nachdachten, ergriff der Tausendäugige, der Städtezerstörer, mit beiden Armen den Vajra und schleuderte ihn auf Vṛtras Haupt.

Wort für Wort
teṣāṃ cintayatāṃ tatra
während sie dort nachdachten
sahasrākṣaḥ purandaraḥ
der Tausendäugige, der Städtezerstörer
vajraṃ pragṛhya bāhubhyāṃ
den Vajra mit beiden Armen ergreifend
prahiṇot vṛtramūrdhani
schleuderte ihn auf Vṛtras Haupt

kālāgnineva ghoreṇa dīpteneva mahārciṣā | prataptaṃ vṛtraśirasi jagattrāsamupāgamat ||

Wie mit dem schrecklichen Feuer der Zeit, wie mit lodernder, mächtiger Flamme brennend, auf Vṛtras Haupt niedergegangen, geriet die Welt in Schrecken.

Wort für Wort
kālāgninā iva ghoreṇa
wie mit dem schrecklichen Feuer der Zeit
dīptena iva mahārciṣā
wie mit lodernder, mächtiger Flamme
prataptaṃ vṛtraśirasi
brennend auf Vṛtras Haupt
jagattrāsam upāgamat
geriet die Welt in Schrecken

asambhāvyaṃ vadhaṃ tasya vṛtrasya vibudhādhipaḥ | cintayāno jagāmāśu lokasyāntaṃ mahāyaśāḥ ||

Der für unmöglich gehaltene Tod jenes Vṛtra — daran denkend, eilte der ruhmreiche Herr der Weisen rasch an das Ende der Welt.

Wort für Wort
asambhāvyaṃ vadhaṃ tasya
der für unmöglich gehaltene Tod jenes
vṛtrasya vibudhādhipaḥ
Vṛtras, der Herr der Weisen
cintayānaḥ jagāma āśu
daran denkend, eilte rasch
lokasya antaṃ mahāyaśāḥ
an das Ende der Welt, der Ruhmreiche

tamindraṃ brahmahatyāśu gacchantamanugacchati | apataccāsya gātreṣu tamindraṃ duḥkhamāviśat ||

Der Sünde des Brahmanenmordes folgte jenem Indra rasch nach, während er dahineilte; sie fiel auf seine Glieder, und Leid befiel jenen Indra.

Wort für Wort
tam indraṃ brahmahatyā āśu
jenem Indra die Sünde des Brahmanenmordes rasch
gacchantam anugacchati
folgte, während er dahineilte
apatat ca asya gātreṣu
und fiel auf seine Glieder
tam indraṃ duḥkham āviśat
Leid befiel jenen Indra

hatārayaḥ pranaṣṭendrā devāḥ sāgnipurogamāḥ | viṣṇuṃ tribhuvaṇaśreṣṭhaṃ muhurmuhurapūjayan ||

Die Götter, deren Feind getötet war, doch deren Indra verschwunden war, mit Agni an der Spitze, verehrten immer wieder Viṣṇu, den Besten der drei Welten.

Wort für Wort
hatārayaḥ pranaṣṭendrāḥ
deren Feind getötet, deren Indra verschwunden war
devāḥ sāgnipurogamāḥ
die Götter, mit Agni an der Spitze
viṣṇuṃ tribhuvaṇaśreṣṭhaṃ
Viṣṇu, den Besten der drei Welten
muhur muhuḥ apūjayan
verehrten sie immer wieder

tvaṃ gatiḥ paramā deva pūrvajo jagataḥ prabhuḥ | rathārthaṃ sarvabhūtānāṃ viṣṇutvamupajagmivān ||

'Du bist die höchste Zuflucht, o Gott, der Erstgeborene, der Herr der Welt; zum Wohl aller Wesen hast du die Gestalt des Viṣṇu angenommen.'

Wort für Wort
tvaṃ gatiḥ paramā deva
du bist die höchste Zuflucht, o Gott
pūrvajaḥ jagataḥ prabhuḥ
der Erstgeborene, der Herr der Welt
rathārthaṃ sarvabhūtānāṃ
zum Wohl aller Wesen
viṣṇutvam upajagmivān
hast du die Gestalt des Viṣṇu angenommen

hataścāyaṃ tvayā vṛtro brahmahatyā ca vāsavam | bādhate suraśārdūla mokṣaṃ tasya vinirdiśa ||

'Von dir ist dieser Vṛtra getötet worden; doch die Sünde des Brahmanenmordes bedrängt den Vāsava, o Tiger unter den Göttern; weise seine Erlösung davon an.'

Wort für Wort
hataḥ ca ayaṃ tvayā vṛtraḥ
von dir ist dieser Vṛtra getötet worden
brahmahatyā ca vāsavam
doch die Sünde des Brahmanenmordes den Vāsava
bādhate suraśārdūla
bedrängt, o Tiger unter den Göttern
mokṣaṃ tasya vinirdiśa
weise seine Erlösung an

teṣāṃ tadvacanaṃ śrutvā devānāṃ viṣṇurabravīt | māmeva yajatāṃ śakraḥ pāvayiṣyāmi vajriṇam ||

Nachdem er dieses Wort der Götter vernommen hatte, sprach Viṣṇu: 'Möge Śakra eben mich opfern; ich werde den Träger des Vajra reinigen.'

Wort für Wort
teṣāṃ tadvacanaṃ śrutvā
dieses Wort der Götter gehört habend
devānāṃ viṣṇuḥ abravīt
sprach Viṣṇu zu den Göttern
mām eva yajatāṃ śakraḥ
möge Śakra eben mich opfern
pāvayiṣyāmi vajriṇam
ich werde den Träger des Vajra reinigen

puṇyena hayamedhena māmiṣṭvā pākaśāsanaḥ | punareṣyati devānāmindratvamakutobhayaḥ ||

'Wenn der Bezwinger des Pāka mich durch das heilige Pferdeopfer verehrt hat, wird er wiederum, furchtlos, zur Herrschaft über die Götter gelangen.'

Wort für Wort
puṇyena hayamedhena
durch das heilige Pferdeopfer
mām iṣṭvā pākaśāsanaḥ
mich verehrt habend, der Bezwinger des Pāka
punaḥ eṣyati devānāṃ
wird wiederum zu der Götter
indratvam akutobhayaḥ
Herrschaft gelangen, furchtlos

evaṃ sandiśya devānāṃ tāṃ vāṇīmamṛtopamā | jagāma viṣṇurdeveśaḥ stūyamānastriviṣṭapam ||

Nachdem er den Göttern so diese, dem Nektar gleiche Weisung erteilt hatte, ging Viṣṇu, der Herr der Götter, gepriesen, zum Himmel.

Wort für Wort
evaṃ sandiśya devānāṃ
so den Göttern die Weisung erteilend
tāṃ vāṇīm amṛtopamā
diese dem Nektar gleiche Stimme
jagāma viṣṇuḥ deveśaḥ
ging Viṣṇu, der Herr der Götter
stūyamānaḥ triviṣṭapam
gepriesen, zum Himmel

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