Quellen der Menschheit

Rāmāyaṇa · Uttarakāṇḍa

Sarga 31: Narmadā-Tīra-Kṣepaḥ Rāvaṇa an der Narmadā, die Errichtung des Liṅgas und die Verehrung Śivas

tato rāmo mahātejā vismayātpunareva hi . uvāca praṇato vākyamagastyamṛṣisattamam ..1..

Da sprach der glanzvolle Rāma, wieder von Staunen ergriffen, sich verneigend, folgende Worte zu Agastya, dem Besten der Weisen.

Wort für Wort
tataḥ rāmaḥ mahātejāḥ
da der glanzvolle Rāma
vismayāt punaḥ eva hi
wieder von Staunen ergriffen
uvāca praṇataḥ vākyam
sprach er, sich verneigend, das Wort
agastyam ṛṣisattamam
zu Agastya, dem Besten der Weisen

bhagavankiṃ tadā lokāḥ śūnyā āsandvijottama . dharṣaṇāṃ yatra na prāpto rāvaṇo rākṣaseśvaraḥ ..2..

'Erhabener, du Bester der Zweifachgeborenen, waren damals die Welten denn leer, in denen Rāvaṇa, der Herr der Rākṣasas, keinen Widerstand fand?'

Wort für Wort
bhagavan kiṃ tadā lokāḥ
Erhabener, waren damals die Welten
śūnyāḥ āsan dvijottama
denn leer, o Bester der Zweifachgeborenen
dharṣaṇāṃ yatra na prāptaḥ
in denen kein Widerstand gefunden wurde
rāvaṇaḥ rākṣaseśvaraḥ
von Rāvaṇa, dem Herrn der Rākṣasas

utāho hīnavīryāste babhuvuḥ pṛthivīkṣitaḥ . bahiṣkṛtā varāstraiśca bahavo nirjitā nṛpāḥ ..3..

'Oder waren jene Herrscher der Erde von geringer Kraft, dass viele Könige durch (seine) trefflichen Waffen vertrieben und besiegt wurden?'

Wort für Wort
utāho hīnavīryāḥ te
oder waren jene von geringer Kraft
babhuvuḥ pṛthivīkṣitaḥ
die Herrscher der Erde
bahiṣkṛtāḥ varāstraiḥ ca
vertrieben durch treffliche Waffen
bahavaḥ nirjitāḥ nṛpāḥ
viele Könige besiegt

rāghavasya vacaḥ śrutvā agastyo bhagavānṛṣiḥ . uvāca rāmaṃ prahasanpitāmaha iveśvaram ..4..

Als er die Worte des Rāghava gehört hatte, sprach der erhabene Weise Agastya lächelnd zu Rāma, wie der Großvater (Brahmā) zu Īśvara (Śiva).

Wort für Wort
rāghavasya vacaḥ śrutvā
die Worte des Rāghava gehört habend
agastyaḥ bhagavān ṛṣiḥ
Agastya, der erhabene Weise
uvāca rāmaṃ prahasan
sprach lächelnd zu Rāma
pitāmahaḥ iva īśvaram
wie der Großvater zu Īśvara

sa evaṃ bādhamānastu pārthivānpārthivarṣabha . cacāra rāvaṇo rāma pṛthivyāṃ pṛthivīpate ..5..

'So zog Rāvaṇa, die Könige auf diese Weise bedrängend, o Rāma, du Stier unter den Fürsten, o Herr der Erde, über die Erde umher.'

Wort für Wort
saḥ evaṃ bādhamānaḥ tu
so aber, bedrängend
pārthivān pārthivarṣabha
die Könige, o Stier unter den Fürsten
cacāra rāvaṇaḥ rāma
zog Rāvaṇa umher, o Rāma
pṛthivyāṃ pṛthivīpate
über die Erde, o Herr der Erde

tato māhiṣmatīṃ nāma purīṃ svargapurīprabhām . samprāpto yatra sāmnidhyaṃ paramaṃ vasuretasaḥ ..6..

Dann gelangte er zur Stadt namens Māhiṣmatī, die dem Glanz der Himmelsstadt glich, wo er in die unmittelbare Nähe des höchsten Feuergezeugten (Sohnes des Agni) kam.

Wort für Wort
tataḥ māhiṣmatīṃ nāma purīm
dann zur Stadt namens Māhiṣmatī
svargapurīprabhām
die dem Glanz der Himmelsstadt glich
samprāptaḥ yatra sāmnidhyam
gelangte er, wo er in die Nähe kam
paramaṃ vasuretasaḥ
des höchsten Feuergezeugten

tulya āsīnnṛpastasya pratāpādvasuretasaḥ . arjuno nāma yasyāgniḥ śarakuṇḍe śayaḥ sadā ..7..

Diesem an Glanz gleich war ihr König namens Arjuna, in dessen Pfeilkessel das Feuer stets ruhte.

Wort für Wort
tulyaḥ āsīt nṛpaḥ tasya
gleich war ihr König diesem
pratāpāt vasuretasaḥ
an Glanz dem Feuergezeugten
arjunaḥ nāma yasya agniḥ
namens Arjuna, dessen Feuer
śarakuṇḍe śayaḥ sadā
im Pfeilkessel stets ruhte

tameva divasaṃ so.atha haihayādhipatirbalī . arjuno narmadāṃ rantuṃ gataḥ strībhiḥ saheśvaraḥ ..8..

An eben jenem Tag war der mächtige Arjuna, der Herr der Haihayas, mit seinen Frauen zur Narmadā gegangen, um sich dort zu vergnügen.

Wort für Wort
tam eva divasaṃ saḥ atha
an eben jenem Tag da er
haihayādhipatiḥ balī
der mächtige Herr der Haihayas
arjunaḥ narmadāṃ rantum
Arjuna, um sich an der Narmadā zu vergnügen
gataḥ strībhiḥ saha īśvaraḥ
der Fürst mit seinen Frauen dorthin gegangen

rāvaṇo rākṣasendrastu tasyāmātyānapṛcchata . kvārjuno vo nṛpaḥ so.adya śīghramākhyātumarhatha ..9..

Rāvaṇa aber, der Herr der Rākṣasas, fragte dessen Minister: 'Wo ist euer König Arjuna heute? Ihr solltet es mir rasch sagen.'

Wort für Wort
rāvaṇaḥ rākṣasendraḥ tu
Rāvaṇa aber, der Herr der Rākṣasas
tasya amātyān apṛcchata
fragte dessen Minister
kva arjunaḥ vaḥ nṛpaḥ saḥ adya
wo ist heute euer König Arjuna
śīghram ākhyātum arhatha
ihr solltet es rasch sagen

rāvaṇo.ahamanuprāpto yuddhepsurnṛvareṇa tu . mamāgamanamavyagrairyuṣmābhiḥ saṃnivedyatām ..10..

'Ich, Rāvaṇa, bin hierher gekommen, den Kampf mit dem besten der Menschen begehrend; meldet ihm ohne Zaudern mein Kommen.'

Wort für Wort
rāvaṇaḥ aham anuprāptaḥ
ich, Rāvaṇa, bin hierher gekommen
yuddhepsuḥ nṛvareṇa tu
den Kampf mit dem besten der Menschen begehrend
mama āgamanam avyagraiḥ
mein Kommen, ohne Zaudern
yuṣmābhiḥ saṃnivedyatām
möge von euch gemeldet werden

ityevaṃ rāvaṇenoktāste.amātyāḥ suvipaścitaḥ . abruvanrākṣasapatimasāmnidhyaṃ mahīpateḥ ..11..

So von Rāvaṇa angesprochen, teilten jene sehr klugen Minister dem Herrn der Rākṣasas die Abwesenheit des Königs mit.

Wort für Wort
iti evaṃ rāvaṇena uktāḥ
so von Rāvaṇa angesprochen
te amātyāḥ suvipaścitaḥ
jene sehr klugen Minister
abruvan rākṣasapatim
sagten dem Herrn der Rākṣasas
asāmnidhyaṃ mahīpateḥ
die Abwesenheit des Königs

śrutvā viśravasaḥ putraḥ paurāṇāmarjunaṃ gatam . apasṛtyāgato vindhyaṃ himavatsaṃnibhaṃ girim ..12..

Als der Sohn des Viśravas (Rāvaṇa) von den Bürgern hörte, dass Arjuna fortgegangen sei, zog er sich zurück und kam zum Vindhya-Gebirge, das dem Himavat glich.

Wort für Wort
śrutvā viśravasaḥ putraḥ
hörend, der Sohn des Viśravas
paurāṇām arjunaṃ gatam
von den Bürgern, dass Arjuna fortgegangen war
apasṛtya āgataḥ vindhyam
sich zurückziehend, kam er zum Vindhya
himavatsaṃnibhaṃ girim
dem Berg, der dem Himavat glich

sa tamabhramivāviṣṭamudbhrāntamiva medinīm . apaśyadrāvaṇo vindhyamālikhantamivāmbaram ..13..

Rāvaṇa erblickte den Vindhya, der wie in Wolken gehüllt schien, der die Erde gleichsam ins Schwanken zu bringen schien, wie den Himmel gleichsam ritzend.

Wort für Wort
saḥ tam abhram iva āviṣṭam
ihn, wie in Wolken gehüllt
udbhrāntam iva medinīm
die Erde gleichsam ins Schwanken bringend
apaśyat rāvaṇaḥ vindhyam
erblickte Rāvaṇa den Vindhya
ālikhantam iva ambaram
der den Himmel gleichsam ritzte

sahasraśikharopetaṃ siṃhādhyuṣitakandaram . prapāta patitaiḥ śītaiḥ sāṭṭahāsamivāmbubhiḥ ..14..

— versehen mit tausend Gipfeln, dessen Höhlen von Löwen bewohnt waren, der mit den in Wasserfällen herabstürzenden kühlen Wassern gleichsam laut auflachte.

Wort für Wort
sahasraśikharopetam
versehen mit tausend Gipfeln
siṃhādhyuṣitakandaram
dessen Höhlen von Löwen bewohnt waren
prapātapatitaiḥ śītaiḥ
mit den in Wasserfällen herabstürzenden kühlen (Wassern)
sāṭṭahāsam iva ambubhiḥ
mit den Wassern gleichsam laut auflachend

devadānavagandharvaiḥ sāpsarogaṇakiṃnaraiḥ . sāha strībhiḥ krīḍamānaiḥ svargabhūtaṃ mahocchrayam ..15..

— auf dem Götter, Dānavas und Gandharvas, zusammen mit Scharen von Apsaras und Kiṃnaras, samt ihren Frauen spielten, hoch aufragend und gleichsam ein Himmel.

Wort für Wort
devadānavagandharvaiḥ
von Göttern, Dānavas und Gandharvas
sāpsarogaṇakiṃnaraiḥ
zusammen mit Scharen von Apsaras und Kiṃnaras
sāha strībhiḥ krīḍamānaiḥ
samt ihren spielenden Frauen
svargabhūtaṃ mahocchrayam
gleichsam ein Himmel, hoch aufragend

nadībhiḥ syandamānābhiragatipratimaṃ jalam . sphuṭībhiścalajihvābhirvamantamiva viṣṭhitam ..16..

— der mit seinen dahinströmenden Flüssen, deren Wasser unvergleichlich strömte, mit ihren geborstenen, züngelnden Wasserfällen gleichsam speiend dastand.

Wort für Wort
nadībhiḥ syandamānābhiḥ
mit dahinströmenden Flüssen
agatipratimaṃ jalam
deren Wasser unvergleichlich strömte
sphuṭībhiḥ calajihvābhiḥ
mit geborstenen, züngelnden (Wasserfällen)
vamantam iva viṣṭhitam
gleichsam speiend dastehend

ulkāvantaṃ darīvantaṃ himavatsaṃnibhaṃ girim . paśyamānastato vindhyaṃ rāvaṇo narmadāṃ yayau ..17..

Diesen von Feuererscheinungen und Höhlen reichen Berg, dem Himavat gleich, betrachtend, zog Rāvaṇa dann vom Vindhya weiter zur Narmadā.

Wort für Wort
ulkāvantaṃ darīvantam
den von Feuererscheinungen und Höhlen reichen
himavatsaṃnibhaṃ girim
Berg, dem Himavat gleich
paśyamānaḥ tataḥ vindhyam
diesen Vindhya betrachtend, dann
rāvaṇaḥ narmadāṃ yayau
zog Rāvaṇa zur Narmadā

calopalajalāṃ puṇyāṃ paścimodadhigāminīm . mahiṣaiḥ sṛmaraiḥ siṃhaiḥ śārdūlarkṣagajottamaiḥ . uṣṇābhitaptaistṛṣitaiḥ saṅkṣobhitajalāśayām ..18..

— zur heiligen Narmadā, deren Wasser über bewegliche Steine floss, die zum westlichen Meer strömt, deren Wasserbecken von Büffeln, Antilopen, Löwen, Tigern, Bären und den vortrefflichsten Elefanten, von der Hitze gequält und durstig, aufgewühlt wurden.

Wort für Wort
calopalajalāṃ puṇyām
deren Wasser über bewegliche Steine floss, die heilige
paścimodadhigāminīm
die zum westlichen Meer strömt
mahiṣaiḥ sṛmaraiḥ siṃhaiḥ
von Büffeln, Antilopen, Löwen
śārdūlarkṣagajottamaiḥ uṣṇābhitaptaiḥ tṛṣitaiḥ saṅkṣobhitajalāśayām
von Tigern, Bären und vortrefflichsten Elefanten, von Hitze gequält, durstig, deren Wasserbecken aufgewühlt war

cakravākaiḥ sakāraṇḍaiḥ sahaṃsajalakukkuṭaiḥ . sārasaiśca sadāmattaiḥ kokūjadbhiḥ samāvṛtām ..19..

— die von Cakravāka-Vögeln samt Enten, Schwänen und Wasserhühnern, und von stets berauschten, girrenden Kraniche-Vögeln umgeben war.

Wort für Wort
cakravākaiḥ sakāraṇḍaiḥ
von Cakravāka-Vögeln samt Enten
sahaṃsajalakukkuṭaiḥ
mit Schwänen und Wasserhühnern
sārasaiḥ ca sadāmattaiḥ
und von stets berauschten Kranichen
kokūjadbhiḥ samāvṛtām
girrend, umgeben

phulladrumakṛtottaṃsāṃ cakravākayugastanīm . vistīrṇapulinaśroṇīṃ haṃsāvalisumekhalām ..20..

— die blühende Bäume gleichsam als Ohrschmuck trug, deren Brüste die Cakravāka-Paare waren, deren Hüfte die weiten Sandbänke bildeten, deren schöner Gürtel die Schwanenreihen waren.

Wort für Wort
phulladrumakṛtottaṃsām
die blühende Bäume als Ohrschmuck trug
cakravākayugastanīm
deren Brüste die Cakravāka-Paare waren
vistīrṇapulinaśroṇīm
deren Hüfte die weiten Sandbänke waren
haṃsāvalisumekhalām
deren schöner Gürtel die Schwanenreihen waren

puṣpareṇvanuliptāṅgīṃ jalaphenāmalāṃśukām . jalāvagāhasaṃsparśāṃ phullotpalaśubhekṣaṇām ..21..

— deren Glieder mit Blütenstaub gesalbt waren, deren makelloses Gewand der Wasserschaum war, deren Berührung das Eintauchen ins Wasser war, deren schöne Augen die blühenden Lotosblüten waren.

Wort für Wort
puṣpareṇvanuliptāṅgīm
deren Glieder mit Blütenstaub gesalbt waren
jalaphenāmalāṃśukām
deren makelloses Gewand der Wasserschaum war
jalāvagāhasaṃsparśām
deren Berührung das Eintauchen ins Wasser war
phullotpalaśubhekṣaṇām
deren schöne Augen die blühenden Lotosblüten waren

puṣpakādavaruhyāśu narmadāṃ saritāṃ varām . iṣṭāmiva varāṃ nārīmavagāhya daśānanaḥ ..22..

Rasch vom Puṣpaka herabsteigend, tauchte der Zehngesichtige in die Narmadā, die beste der Flüsse, ein, wie in eine geliebte, vortreffliche Frau.

Wort für Wort
puṣpakāt avaruhya āśu
rasch vom Puṣpaka herabsteigend
narmadāṃ saritāṃ varām
in die Narmadā, die beste der Flüsse
iṣṭām iva varāṃ nārīm
wie in eine geliebte, vortreffliche Frau
avagāhya daśānanaḥ
eintauchend, der Zehngesichtige

sa tasyāḥ puline ramye nānākusumaśobhite . upopaviṣṭaḥ sacivaiḥ sārdhaṃ rākṣasapuṅgavaḥ . narmadā darśajaṃ harṣamāptavānrākṣaseśvaraḥ ..23..

Er, der Stier unter den Rākṣasas, setzte sich mit seinen Ministern an ihrem lieblichen, von mancherlei Blumen geschmückten Ufer nieder, und der Herr der Rākṣasas empfand Freude beim Anblick der Narmadā.

Wort für Wort
saḥ tasyāḥ puline ramye
er an ihrem lieblichen Ufer
nānākusumaśobhite
mit mancherlei Blumen geschmückt
upopaviṣṭaḥ sacivaiḥ sārdhaṃ rākṣasapuṅgavaḥ
setzte sich der Stier unter den Rākṣasas mit seinen Ministern nieder
narmadā darśajaṃ harṣam āptavān rākṣaseśvaraḥ
der Herr der Rākṣasas empfand die durch den Anblick der Narmadā entstandene Freude

tataḥ salīlaṃ prahasānrāvaṇo rākṣasādhipaḥ . uvāca sacivāṃstatra mārīcaśukasāraṇān ..24..

Dann sprach Rāvaṇa, der Herr der Rākṣasas, scherzend und lachend, dort zu seinen Ministern Mārīca, Śuka und Sāraṇa:

Wort für Wort
tataḥ salīlaṃ prahasan
dann, scherzend lachend
rāvaṇaḥ rākṣasādhipaḥ
Rāvaṇa, der Herr der Rākṣasas
uvāca sacivān tatra
sprach dort zu den Ministern
mārīcaśukasāraṇān
zu Mārīca, Śuka und Sāraṇa

eṣa raśmisahasreṇa jagatkṛtveva kāñcanam . tīkṣṇatāpakaraḥ sūryo nabhaso madhyamāsthitaḥ . māmāsīnaṃ viditveha candrāyāti divākaraḥ ..25..

'Diese scharf brennende Sonne, die mit tausend Strahlen die Welt gleichsam golden macht, steht mitten am Himmel; sobald das Tagesgestirn erkennt, dass ich hier sitze, wird es dem Mond gleich, wie milde verblassend.'

Wort für Wort
eṣaḥ raśmisahasreṇa
diese, mit tausend Strahlen
jagat kṛtvā iva kāñcanam
die Welt gleichsam golden machend
tīkṣṇatāpakaraḥ sūryaḥ nabhasaḥ madhyam āsthitaḥ
die scharf brennende Sonne, mitten am Himmel stehend
mām āsīnaṃ viditvā iha candrāya yāti divākaraḥ
sobald sie erkennt, dass ich hier sitze, wird das Tagesgestirn dem Mond gleich

narmadā jalaśītaśca sugandhiḥ śramanāśanaḥ . madbhayādanilo hyeṣa vātyasau susamāhitaḥ ..26..

'Von der Narmadā her weht kühl und wohlriechend, die Müdigkeit vertreibend, dieser Wind — aus Furcht vor mir weht er ganz gemäßigt.'

Wort für Wort
narmadā jalaśītaḥ ca
von der Narmadā her, wasserkühl
sugandhiḥ śramanāśanaḥ
wohlriechend, die Müdigkeit vertreibend
madbhayāt anilaḥ hi eṣaḥ
aus Furcht vor mir dieser Wind
vāti asau susamāhitaḥ
weht er ganz gemäßigt

iyaṃ cāpi saricchreṣṭhā narmadā narma vardhinī . līnamīnavihaṅgormiḥ sabhayevāṅganā sthitā ..27..

'Und auch diese vortrefflichste der Flüsse, die Narmadā, die Freude mehrt, mit ihren verborgenen Fischen und Vögeln in den Wellen, steht da wie eine ängstliche Frau.'

Wort für Wort
iyaṃ ca api saricchreṣṭhā
und auch diese vortrefflichste der Flüsse
narmadā narma vardhinī
die Narmadā, die Freude mehrend
līnamīnavihaṅgormiḥ
mit verborgenen Fischen und Vögeln in den Wellen
sabhayā iva aṅganā sthitā
wie eine ängstliche Frau dastehend

tadbhavantaḥ kṣatāḥ śastrairnṛpairindrasamairyudhi . candanasya raseneva rudhireṇa samukṣitāḥ ..28..

'Darum, ihr seid, von den Waffen indra-gleicher Könige im Kampf verwundet, gleichsam mit dem Saft von Sandelholz — mit Blut benetzt worden.'

Wort für Wort
tat bhavantaḥ kṣatāḥ śastraiḥ
darum, ihr seid von Waffen verwundet
nṛpaiḥ indrasamaiḥ yudhi
von indra-gleichen Königen im Kampf
candanasya raseṇa iva
gleichsam mit dem Saft von Sandelholz
rudhireṇa samukṣitāḥ
mit Blut benetzt

te yūyamavagāhadhvaṃ narmadāṃ śarmadāṃ nṛṇām . mahāpadmamukhā mattā gaṅgāmiva mahāgajāḥ ..29..

'So taucht denn ihr in die Narmadā ein, die den Menschen Wohlergehen schenkt, wie berauschte, großmächtige Elefanten mit lotosgleichem Antlitz in die Gaṅgā eintauchen.'

Wort für Wort
te yūyam avagāhadhvam
ihr, taucht ein
narmadāṃ śarmadāṃ nṛṇām
in die Narmadā, die den Menschen Wohlergehen schenkt
mahāpadmamukhāḥ mattāḥ
mit lotosgleichem Antlitz, berauscht
gaṅgām iva mahāgajāḥ
wie großmächtige Elefanten in die Gaṅgā

asyāṃ snātvā mahānadyāṃ pāpmānaṃ vipramokṣyatha ..30..

'Wenn ihr in diesem großen Strom gebadet habt, werdet ihr von aller Sünde befreit sein.'

Wort für Wort
asyāṃ snātvā mahānadyām
in diesem großen Strom gebadet habend
pāpmānaṃ vipramokṣyatha
werdet ihr von der Sünde befreit sein

ahamapyatra puline śaradindusamaprabhe . puṣpopaharaṃ śanakaiḥ kariṣyāmi umāpateḥ ..31..

'Auch ich werde hier an diesem Ufer, das dem Herbstmond an Glanz gleicht, in aller Ruhe dem Gemahl der Umā (Śiva) eine Blumengabe darbringen.'

Wort für Wort
aham api atra puline
auch ich hier an diesem Ufer
śaradindusamaprabhe
das dem Herbstmond an Glanz gleicht
puṣpopaharaṃ śanakaiḥ
eine Blumengabe, in aller Ruhe
kariṣyāmi umāpateḥ
werde ich dem Gemahl der Umā darbringen

rāvaṇenaivamuktāstu mārīcaśukasāraṇāḥ . samahodaradhūmrākṣā narmadāmavagāhire ..32..

So von Rāvaṇa angesprochen, tauchten Mārīca, Śuka, Sāraṇa, sowie Mahodara und Dhūmrākṣa in die Narmadā ein.

Wort für Wort
rāvaṇena evam uktāḥ tu
so aber von Rāvaṇa angesprochen
mārīcaśukasāraṇāḥ
Mārīca, Śuka, Sāraṇa
samahodaradhūmrākṣāḥ
samt Mahodara und Dhūmrākṣa
narmadām avagāhire
tauchten in die Narmadā ein

rākṣasendragajaistaistu kṣobhyate narmadā nadī . vāmanāñjanapadmādyairgaṅgā iva mahāgajaiḥ ..33..

Durch jene Rākṣasa-Fürsten, gleich Elefanten, wurde der Fluss Narmadā aufgewühlt, wie die Gaṅgā durch die großen Elefanten Vāmana, Añjana, Padma und die anderen.

Wort für Wort
rākṣasendragajaiḥ taiḥ tu
durch jene Rākṣasa-Fürsten, gleich Elefanten
kṣobhyate narmadā nadī
wird der Fluss Narmadā aufgewühlt
vāmanāñjanapadmādyaiḥ
durch Vāmana, Añjana, Padma und andere
gaṅgā iva mahāgajaiḥ
wie die Gaṅgā durch große Elefanten

tataste rākṣasāḥ snātvā narmadāyā varāmbhasi . uttīrya puṣpāṇyājahrurbalyarthaṃ rāvaṇasya tu ..34..

Dann, nachdem jene Rākṣasas im vortrefflichen Wasser der Narmadā gebadet hatten, stiegen sie heraus und brachten Blumen für das Opfer Rāvaṇas herbei.

Wort für Wort
tataḥ te rākṣasāḥ snātvā
dann, jene Rākṣasas gebadet habend
narmadāyā varāmbhasi
im vortrefflichen Wasser der Narmadā
uttīrya puṣpāṇi ājahruḥ
herausgestiegen, brachten sie Blumen herbei
balyarthaṃ rāvaṇasya tu
für das Opfer Rāvaṇas

narmadā puline ramye śubhrābhrasadṛśaprabhe . rākṣasendrairmuhūrtena kṛtaḥ puṣpamayo giriḥ ..35..

Am lieblichen Ufer der Narmadā, das an Glanz weißen Wolken glich, wurde von den Rākṣasa-Fürsten binnen kürzester Zeit ein Berg aus Blumen errichtet.

Wort für Wort
narmadā puline ramye
am lieblichen Ufer der Narmadā
śubhrābhrasadṛśaprabhe
das an Glanz weißen Wolken glich
rākṣasendraiḥ muhūrtena
von den Rākṣasa-Fürsten binnen kurzer Zeit
kṛtaḥ puṣpamayaḥ giriḥ
wurde ein Berg aus Blumen errichtet

puṣpeṣūpahṛteṣveva rāvaṇo rākṣaseśvaraḥ . avatīrṇo nadīṃ snātuṃ gaṅgāmiva mahāgajaḥ ..36..

Sobald die Blumen herbeigebracht waren, stieg Rāvaṇa, der Herr der Rākṣasas, in den Fluss hinab, um zu baden, wie ein mächtiger Elefant in die Gaṅgā.

Wort für Wort
puṣpeṣu upahṛteṣu eva
sobald die Blumen herbeigebracht waren
rāvaṇaḥ rākṣaseśvaraḥ
Rāvaṇa, der Herr der Rākṣasas
avatīrṇaḥ nadīṃ snātum
stieg in den Fluss hinab, um zu baden
gaṅgām iva mahāgajaḥ
wie ein mächtiger Elefant in die Gaṅgā

tatra snātvā ca vidhivajjaptvā japyamanuttamam . narmadā salilāttasmāduttatāra sa rāvaṇaḥ ..37..

Dort badete Rāvaṇa vorschriftsgemäß, murmelte das höchste Gebet, und stieg dann aus dem Wasser der Narmadā heraus.

Wort für Wort
tatra snātvā ca vidhivat
dort gebadet habend, vorschriftsgemäß
japtvā japyam anuttamam
das höchste Gebet gemurmelt habend
narmadā salilāt tasmāt
aus jenem Wasser der Narmadā
uttatāra sa rāvaṇaḥ
stieg Rāvaṇa heraus

rāvaṇaṃ prāñjaliṃ yāntamanvayuḥ saptarākṣasāḥ . yatra yatra sa yāti sma rāvaṇo rākṣasādhipaḥ . jāmbūnadamayaṃ liṅgaṃ tatra tatra sma nīyate ..38..

Sieben Rākṣasas folgten Rāvaṇa, der mit gefalteten Händen einherging; wohin immer Rāvaṇa, der Herr der Rākṣasas, auch ging, dorthin wurde jeweils das goldene Liṅga mitgeführt.

Wort für Wort
rāvaṇaṃ prāñjaliṃ yāntam
dem mit gefalteten Händen gehenden Rāvaṇa
anvayuḥ saptarākṣasāḥ
folgten sieben Rākṣasas
yatra yatra sa yāti sma rāvaṇaḥ rākṣasādhipaḥ
wohin immer Rāvaṇa, der Herr der Rākṣasas, ging
jāmbūnadamayaṃ liṅgaṃ tatra tatra sma nīyate
dorthin wurde jeweils das goldene Liṅga mitgeführt

vālukavedimadhye tu talliṅgaṃ sthāpya rāvaṇaḥ . arcayāmāsa gandhaiśca puṣpaiścāmṛtagandhibhiḥ ..39..

Rāvaṇa stellte jenes Liṅga inmitten eines Sandaltars auf und verehrte es mit Duftstoffen und nektarduftenden Blumen.

Wort für Wort
vālukavedimadhye tu
inmitten eines Sandaltars aber
tat liṅgaṃ sthāpya rāvaṇaḥ
jenes Liṅga aufstellend, Rāvaṇa
arcayāmāsa gandhaiḥ ca
verehrte es mit Duftstoffen
puṣpaiḥ ca amṛtagandhibhiḥ
und mit nektarduftenden Blumen

tataḥ satāmārtiharaṃ haraṃ paraṃ varapradaṃ candramayūkhabhūṣaṇam . samarcayitvā sa niśācaro jagau prasārya hastānpraṇanarta cāyatān ..40..

Nachdem er so Hara, den höchsten, der Guten Leid vertreibenden, gabenspendenden, mit dem Mondesstrahl geschmückten Gott verehrt hatte, sang der Nachtwandler und tanzte, seine langen Arme ausbreitend.

Wort für Wort
tataḥ satām ārtiharaṃ haraṃ param
dann Hara, den höchsten, der Guten Leid vertreibenden
varapradaṃ candramayūkhabhūṣaṇam
den gabenspendenden, mit dem Mondesstrahl geschmückten
samarcayitvā sa niśācaraḥ jagau
nachdem er ihn verehrt hatte, sang der Nachtwandler
prasārya hastān praṇanarta ca āyatān
und tanzte, seine langen Arme ausbreitend

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