Quellen der Menschheit

Rāmāyaṇa · Uttarakāṇḍa

Sarga 25: Meghanāda-Yajña-Madhu-Sahāyaḥ Meghanādas Opfer und Gunstgewährungen, sowie Rāvaṇas Bündnis mit Madhu

sa tu dattvā daśagrīvo vanaṃ ghoraṃ kharasya tat . bhaginīṃ ca samāśvāsya hṛṣṭaḥ svasthataro.abhavat

Nachdem Daśagrīva jenen furchtbaren Wald dem Khara übergeben und seine Schwester getröstet hatte, wurde er erfreut, wieder ganz bei sich.

Wort für Wort
saḥ tu dattvā daśagrīvaḥ
er aber, Daśagrīva, übergebend
vanaṃ ghoraṃ kharasya tat
jenen furchtbaren Wald dem Khara
bhaginīṃ ca samāśvāsya
und die Schwester tröstend
hṛṣṭaḥ svastha-taraḥ abhavat
wurde er erfreut, wieder ganz bei sich

tato nikumbhilā nāma laṅkāyāḥ kānanaṃ mahat . mahātmā rākṣasendrastatpraviveśa sahānugaḥ

Da betrat der großherzige Herr der Rākṣasas den großen Wald von Laṅkā namens Nikumbhilā, von Gefolgsleuten begleitet.

Wort für Wort
tataḥ nikumbhilā nāma
dann Nikumbhilā mit Namen
laṅkāyāḥ kānanaṃ mahat
den großen Wald von Laṅkā
mahātmā rākṣasendraḥ
der großherzige Herr der Rākṣasas
tat praviveśa saha-anugaḥ
betrat ihn, von Gefolgsleuten begleitet

tatra yūpaśatākīrṇaṃ saumyacaityopaśobhitam . dadarśa viṣṭhitaṃ yajñaṃ sampradīptamiva śriyā .. 3..

Dort erblickte er ein mit hundert Opferpfählen übersätes, von einem lieblichen Heiligtum geschmücktes Opfer, wie von Pracht entflammt dastehend.

Wort für Wort
tatra yūpa-śata-ākīrṇaṃ
dort mit hundert Opferpfählen übersät
saumya-caitya-upaśobhitam
von einem lieblichen Heiligtum geschmückt
dadarśa viṣṭhitaṃ yajñaṃ
erblickte er das dastehende Opfer
sampradīptam iva śriyā
wie von Pracht entflammt

tataḥ kṛṣṇājinadharaṃ kamaṇḍaluśikhādhvajam . dadarśa svasutaṃ tatra meghanādamarindamam .. 4..

Da erblickte er dort seinen eigenen Sohn Meghanāda, den Bezwinger der Feinde, der ein schwarzes Antilopenfell trug und dessen Feldzeichen ein Wasserkrug war.

Wort für Wort
tataḥ kṛṣṇa-ajina-dharaṃ
da, ein schwarzes Antilopenfell tragend
kamaṇḍalu-śikhā-dhvajam
mit einem Wasserkrug als Feldzeichen
dadarśa sva-sutaṃ tatra
erblickte er dort seinen eigenen Sohn
meghanādam arindamam
Meghanāda, den Bezwinger der Feinde

rakṣaḥpatiḥ samāsādya samāśliṣya ca bāhubhiḥ . abravītkimidaṃ vatsa vartate tadbravīhi me .. 5..

Der Herr der Rākṣasas, zu ihm tretend und ihn mit den Armen umarmend, sprach: „Was geschieht hier, mein Kind? Sage es mir.

Wort für Wort
rakṣaḥpatiḥ samāsādya
der Herr der Rākṣasas, herantretend
samāśliṣya ca bāhubhiḥ
und mit den Armen umarmend
abravīt kim idaṃ vatsa
sprach: was geschieht hier, mein Kind
vartate tat bravīhi me
sage mir, was geschieht

uśanā tvabravīttatra gururyajñasamṛddhaye . rāvaṇaṃ rākṣasaśreṭṣhaṃ dvijaśreṣṭho mahātapāḥ .. 6..

Da sprach Uśanas, der Lehrer, der beste der Brahmanen, von großer Askese, zu Rāvaṇa, dem besten der Rākṣasas, über das Gedeihen des Opfers:

Wort für Wort
uśanā tu abravīt tatra
Uśanas aber sprach dort
guruḥ yajña-samṛddhaye
der Lehrer, für das Gedeihen des Opfers
rāvaṇaṃ rākṣasa-śreṣṭhaṃ
zu Rāvaṇa, dem besten der Rākṣasas
dvija-śreṣṭhaḥ mahātapāḥ
der beste der Brahmanen, von großer Askese

ahamākhyāmi te rājañśrūyatāṃ sarvameva ca . yajñāste sapta putreṇa prāptāḥ subahuvistarāḥ .. 7..

„Ich will dir berichten, o König; höre alles: sieben Opfer von großem Umfang hat dein Sohn vollbracht.

Wort für Wort
aham ākhyāmi te rājan
ich will dir berichten, o König
śrūyatāṃ sarvam eva ca
und höre alles
yajñāḥ te sapta putreṇa
sieben Opfer hat dein Sohn
prāptāḥ subahu-vistarāḥ
vollbracht, von großem Umfang

agniṣṭomo.aśvamedhaśca yajño bahusuvarṇakaḥ . rājasūyastathā yajño gomedho vaiṣṇavastathā .. 8..

Das Agniṣṭoma, das Aśvamedha, das Opfer mit vielem Gold, ebenso das Rājasūya-Opfer, das Gomedha, und ebenso das Viṣṇu-Opfer.

Wort für Wort
agniṣṭomaḥ aśvamedhaḥ ca
das Agniṣṭoma und das Aśvamedha
yajño bahu-suvarṇakaḥ
das Opfer mit vielem Gold
rājasūyaḥ tathā yajñaḥ
ebenso das Rājasūya-Opfer
gomedhaḥ vaiṣṇavaḥ tathā
das Gomedha, und ebenso das Viṣṇu-Opfer

māheśvare pravṛtte tu yajñe pumbhiḥ sudurlabhe . varāṃste labdhavānputraḥ sākṣātpaśu pateriha .. 9..

Und als das Śiva-Opfer vollzogen wurde, das für Männer überaus schwer zu erlangen ist, erhielt dein Sohn hier Gunstgewährungen direkt vom Herrn der Wesen.

Wort für Wort
māheśvare pravṛtte tu
und als das Śiva-Opfer vollzogen wurde
yajñe pumbhiḥ sudurlabhe
das Opfer, für Männer überaus schwer zu erlangen
varān te labdhavān putraḥ
Gunstgewährungen erhielt dein Sohn
sākṣāt paśupateḥ iha
hier direkt vom Herrn der Wesen (Śiva)

kāmagaṃ syandanaṃ divyamantarikṣacaraṃ dhruvam . māyāṃ ca tāmasīṃ nāma yayā sampadyate tamaḥ .. 10..

Einen nach Belieben fliegenden, göttlichen, beständig durch den Luftraum ziehenden Wagen, und eine Zauberkraft namens Tāmasī, durch die Finsternis entsteht.

Wort für Wort
kāma-gaṃ syandanaṃ divyam
einen nach Belieben fliegenden göttlichen Wagen
antarikṣa-caraṃ dhruvam
beständig durch den Luftraum ziehend
māyāṃ ca tāmasīṃ nāma
und eine Zauberkraft namens Tāmasī
yayā sampadyate tamaḥ
durch die Finsternis entsteht

etayā kila saṅgrāme māyayā rāṣaseśvara . prayuddhasya gatiḥ śakyā na hi jñātuṃ surāsuraiḥ .. 11..

Durch diese Zauberkraft nämlich kann, o Herr der Rākṣasas, im Kampf der Gang des Kämpfenden von Göttern und Dämonen fürwahr nicht erkannt werden.

Wort für Wort
etayā kila saṅgrāme
durch diese nämlich im Kampf
māyayā rākṣasa-īśvara
Zauberkraft, o Herr der Rākṣasas
prayuddhasya gatiḥ śakyā
der Gang des Kämpfenden kann
na hi jñātuṃ sura-asuraiḥ
fürwahr nicht erkannt werden von Göttern und Dämonen

akṣayāviṣudhī bāṇaiścāpaṃ cāpi sudurjayam . astraṃ ca balavatsaumya śatruvidhvaṃsanaṃ raṇe .. 12..

Zwei unerschöpfliche Köcher mit Pfeilen, und einen überaus schwer zu bezwingenden Bogen, und ein mächtiges Geschoss, Sanftmütiger, das die Feinde in der Schlacht vernichtet.

Wort für Wort
akṣayau iṣudhī bāṇaiḥ
zwei unerschöpfliche Köcher mit Pfeilen
cāpaṃ ca api sudurjayam
und einen überaus schwer zu bezwingenden Bogen
astraṃ ca balavat saumya
und ein mächtiges Geschoss, Sanftmütiger
śatru-vidhvaṃsanaṃ raṇe
das die Feinde in der Schlacht vernichtet

etānsarvānvarā.Nllabdhvā putraste.ayaṃ daśānana . adya yajñasamāptau ca tvatpratīkṣaḥ sthito aham .. 13..

Nachdem er all diese Gunstgewährungen erlangt hatte, dein Sohn, o Zehnköpfiger, stehe ich heute, bei der Vollendung des Opfers, wartend auf dich.

Wort für Wort
etān sarvān varān labdhvā
nachdem er all diese Gunstgewährungen erlangt hatte
putraḥ te ayaṃ daśānana
dieser dein Sohn, o Zehnköpfiger
adya yajña-samāptau ca
heute, bei der Vollendung des Opfers
tvat-pratīkṣaḥ sthitaḥ aham
stehe ich, auf dich wartend

tato.abravīddaśagrīvo na śobhanamidaṃ kṛtam . pūjitāḥ śatravo yasmāddravyairindrapurogamāḥ .. 14..

Da sprach Daśagrīva: „Dies ist nicht gut getan, dass die Feinde, angeführt von Indra, mit Gaben geehrt wurden.

Wort für Wort
tataḥ abravīt daśagrīvaḥ
da sprach Daśagrīva
na śobhanam idaṃ kṛtam
dies ist nicht gut getan
pūjitāḥ śatravaḥ yasmāt
weil die Feinde geehrt wurden
dravyaiḥ indra-purogamāḥ
mit Gaben, angeführt von Indra

ehīdānīṃ kṛtaṃ yaddhi tadakartuṃ na śakyate . āgaccha saumya gacchāmaḥ svameva bhavanaṃ prati .. 15..

Doch komm nun, was fürwahr getan ist, kann nicht ungetan gemacht werden; komm, Sanftmütiger, lass uns zu unserem eigenen Wohnsitz ziehen.

Wort für Wort
ehi idānīṃ kṛtaṃ yat hi
komm nun, was fürwahr getan ist
tat akartuṃ na śakyate
das kann nicht ungetan gemacht werden
āgaccha saumya gacchāmaḥ
komm, Sanftmütiger, lass uns ziehen
svam eva bhavanaṃ prati
zu unserem eigenen Wohnsitz

tato gatvā daśagrīvaḥ saputraḥ savibhīṣaṇaḥ . striyo.avatārayāmāsa sarvāstā bāṣpaviklavāḥ .. 16..

Da, dorthin gehend, ließ Daśagrīva, mit Sohn und mit Vibhīṣaṇa, all jene von Tränen verstörten Frauen (aus dem Puṣpaka) heraussteigen.

Wort für Wort
tataḥ gatvā daśagrīvaḥ
da dorthin gehend, Daśagrīva
sa-putraḥ sa-vibhīṣaṇaḥ
mit Sohn und mit Vibhīṣaṇa
striyaḥ avatārayāmāsa
ließ er die Frauen heraussteigen
sarvāḥ tāḥ bāṣpa-viklavāḥ
all jene von Tränen verstörten

lakṣiṇyo ratnabūtāśca devadānavarakṣasām . nānābhūṣaṇasampannā jvalantyaḥ svena tejasā .. 17..

Schönheiten und Juwelen der Götter, Dānavas und Rākṣasas, mit mancherlei Schmuck ausgestattet, in eigenem Glanz erstrahlend.

Wort für Wort
lakṣmyaḥ ratna-bhūtāḥ ca
Schönheiten und wie Juwelen
deva-dānava-rakṣasām
der Götter, Dānavas und Rākṣasas
nānā-bhūṣaṇa-sampannāḥ
mit mancherlei Schmuck ausgestattet
jvalantyaḥ svena tejasā
in eigenem Glanz erstrahlend

vibhīṣaṇastu tā nārīrdṛṣṭvā śokasamākulāḥ . tasya tāṃ ca matiṃ jñātvā dharmātmā vākyamabravīt .. 18..

Vibhīṣaṇa aber, jene vor Kummer verwirrten Frauen sehend und dessen (Rāvaṇas) Gesinnung erkennend, sprach, der Rechtschaffene, das Wort:

Wort für Wort
vibhīṣaṇaḥ tu tāḥ nārīḥ
Vibhīṣaṇa aber jene Frauen
dṛṣṭvā śoka-samākulāḥ
sehend, vor Kummer verwirrt
tasya tāṃ ca matiṃ jñātvā
und dessen Gesinnung erkennend
dharmātmā vākyam abravīt
sprach der Rechtschaffene das Wort

īdṛśaistaiḥ samācārairyaśo.arthakulanāśanaiḥ . dharaṇaṃ prāṇināṃ dattvā svamatena viceṣṭase .. 19..

„Durch solche Handlungen, die Ruhm, Wohlstand und Sippe zerstören, den Lebewesen Erdulden zufügend, verhältst du dich nach eigenem Gutdünken.

Wort für Wort
īdṛśaiḥ taiḥ samācāraiḥ
durch solche Handlungen
yaśaḥ-artha-kula-nāśanaiḥ
die Ruhm, Wohlstand und Sippe zerstören
dharaṇaṃ prāṇināṃ dattvā
den Lebewesen Erdulden zufügend
svamatena viceṣṭase
verhältst du dich nach eigenem Gutdünken

jñātīnvai dharṣayitvemāstvayānītā varāṅganāḥ . tvāmatikramya madhunā rājankumbhīnasī hṛtā .. 20..

Nachdem du die eigenen Verwandten geschändet hast, wurden diese schönen Frauen von dir hergebracht; doch dich übergehend, o König, wurde Kumbhīnasī von Madhu geraubt.

Wort für Wort
jñātīn vai dharṣayitvā imāḥ
die eigenen Verwandten fürwahr schändend, diese
tvayā ānītāḥ vara-aṅganāḥ
von dir hergebrachten schönen Frauen
tvām atikramya madhunā
dich aber übergehend, von Madhu
rājan kumbhīnasī hṛtā
o König, wurde Kumbhīnasī geraubt

rāvaṇastvabravīdvākyaṃ nāvagacchāmi kiṃ tvidam . ko vāyaṃ yastvayākhyāto madhurityeva nāmataḥ .. 21..

Rāvaṇa aber sprach das Wort: „Ich verstehe nicht, was dies ist; wer ist dieser, den du mit Namen Madhu genannt hast?

Wort für Wort
rāvaṇaḥ tu abravīt vākyaṃ
Rāvaṇa aber sprach das Wort
na avagacchāmi kiṃ tu idam
ich verstehe nicht, was dies ist
kaḥ vā ayaṃ yaḥ tvayā ākhyātaḥ
wer ist dieser, von dir genannt
madhuḥ iti eva nāmataḥ
mit Namen Madhu

vibhīṣaṇastu saṅkruddho bhrātaraṃ vākyamabravīt . śrūyatāmasya pāpasya karmaṇaḥ phalamāgatam .. 22..

Vibhīṣaṇa aber, heftig erzürnt, sprach zu seinem Bruder das Wort: „Höre die Frucht dieser bösen Tat, die eingetreten ist.

Wort für Wort
vibhīṣaṇaḥ tu saṅkruddhaḥ
Vibhīṣaṇa aber, heftig erzürnt
bhrātaraṃ vākyam abravīt
sprach zum Bruder das Wort
śrūyatām asya pāpasya
möge die dieser bösen Tat
karmaṇaḥ phalam āgatam
Frucht gehört werden, die eingetreten ist

mātāmahasya yo.asmākaṃ jyeṣṭho bhrātā sumālinaḥ . mālyavāniti vikhyāto vṛddhaprājño niśācaraḥ .. 23..

Der, welcher der ältere Bruder unseres Großvaters Sumālin ist, bekannt unter dem Namen Mālyavant, der greise, weise Nachtwandler,

Wort für Wort
mātāmahasya yaḥ asmākaṃ
der, welcher unseres Großvaters
jyeṣṭhaḥ bhrātā sumālinaḥ
älterer Bruder Sumālins ist
mālyavān iti vikhyātaḥ
bekannt unter dem Namen Mālyavant
vṛddha-prājñaḥ niśācaraḥ
der greise, weise Nachtwandler

piturjyeṣṭho jananyāśca asmākaṃ tvāryako.abhavat . tasya kumbhīnasī nāma duhiturduhitābhavat .. 24..

war der ältere (Bruder) unseres Vaters und unserer Mutter, unser Großvater; dessen Tochter Tochter war eine namens Kumbhīnasī.

Wort für Wort
pituḥ jyeṣṭhaḥ jananyāḥ ca
der ältere unseres Vaters und unserer Mutter
asmākaṃ tu āryakaḥ abhavat
war unser Großvater
tasya kumbhīnasī nāma
dessen (Tochter) namens Kumbhīnasī
duhituḥ duhitā abhavat
war die Tochter der Tochter

mātṛṣvasurathāsmākaṃ sā kanyā cānalodbhavā . bhavatyasmākameṣā vai bhrātṝṇāṃ dharmataḥ svasā .. 25..

Sie ist unsere Tante mütterlicherseits, diese Jungfrau, aus Feuer entstanden; sie ist fürwahr für uns Brüder rechtmäßig eine Schwester.

Wort für Wort
mātṛ-svasuḥ athā asmākaṃ
unsere Tante mütterlicherseits
sā kanyā ca anala-udbhavā
diese Jungfrau, aus Feuer entstanden
bhavati asmākam eṣā vai
ist sie für uns fürwahr
bhrātṝṇāṃ dharmataḥ svasā
für die Brüder rechtmäßig Schwester

sā hṛtā madhunā rājanrākṣasena balīyasā . yajñapravṛtte putre te mayi cāntarjaloṣite .. 26..

Sie wurde von Madhu geraubt, dem überaus starken Rākṣasa, o König, während dein Sohn im Opfer war und ich unter Wasser weilte.

Wort für Wort
sā hṛtā madhunā rājan
sie wurde von Madhu geraubt, o König
rākṣasena balīyasā
dem überaus starken Rākṣasa
yajña-pravṛtte putre te
während dein Sohn im Opfer war
mayi ca antarjala-uṣite
und ich unter Wasser weilte

nihatya rākṣasaśreṣṭhānamātyāṃstava saṃmatān . dharṣayitvā hṛtarājanguptā hyantaḥpure tava .. 27..

Nachdem er die besten der Rākṣasas, deine geschätzten Minister, erschlagen hatte, wurde sie geschändet und geraubt, o König, obwohl sie fürwahr in deinem Frauengemach bewacht wurde.

Wort für Wort
nihatya rākṣasa-śreṣṭhān
die besten der Rākṣasas erschlagend
amātyān tava saṃmatān
deine geschätzten Minister
dharṣayitvā hṛtā rājan
geschändet, geraubt, o König
guptā hi antaḥpure tava
obwohl bewacht fürwahr in deinem Frauengemach

śrutvā tvetanmahārāja kṣāntameva hato na saḥ . yasmādavaśyaṃ dātavyā kanyā bhartre hi dātṛbhiḥ . asminnevābhisamprāptaṃ loke viditamastu te .. 28..

Als du dies hörtest, o Großkönig, wurde es geduldig hingenommen, und er wurde nicht getötet – weil ja eine Jungfrau notwendig von den Gebern dem Gatten gegeben werden muss; dies sei dir eben in dieser Welt geschehene Sache bekannt.

Wort für Wort
śrutvā tu etat mahārāja
als du dies hörtest, o Großkönig
kṣāntam eva hataḥ na saḥ
wurde es geduldig hingenommen, und er wurde nicht getötet
yasmāt avaśyaṃ dātavyā
weil notwendig gegeben werden muss
kanyā bhartre hi dātṛbhiḥ
die Jungfrau dem Gatten von den Gebern
asmin eva abhisamprāptaṃ
in eben dieser eingetretenen
loke viditam astu te
Sache in der Welt sei dir bekannt

tato.abravīddaśagrīvaḥ kruddhaḥ saṃraktalocanaḥ . kalpyatāṃ me rathaḥ śīghraṃ śūrāḥ sajjībhavantu ca .. 29..

Da sprach Daśagrīva, zornig, mit geröteten Augen: „Mein Wagen soll rasch bereitet werden, und die Helden sollen sich rüsten.

Wort für Wort
tataḥ abravīt daśagrīvaḥ
da sprach Daśagrīva
kruddhaḥ saṃrakta-locanaḥ
zornig, mit geröteten Augen
kalpyatāṃ me rathaḥ śīghraṃ
mein Wagen soll rasch bereitet werden
śūrāḥ sajjī-bhavantu ca
und die Helden sollen sich rüsten

bhrātā me kumbhakarṇaśca ye ca mukhyā niśācarāḥ . vāhanānyadhirohantu nānāpraharaṇāyudhāḥ .. 30..

Mein Bruder Kumbhakarṇa und die anderen führenden Nachtwandler sollen ihre Reittiere besteigen, mit mancherlei Waffen bewaffnet.

Wort für Wort
bhrātā me kumbhakarṇaḥ ca
mein Bruder Kumbhakarṇa und
ye ca mukhyāḥ niśācarāḥ
die anderen führenden Nachtwandler
vāhanāni adhirohantu
sollen die Reittiere besteigen
nānā-praharaṇa-āyudhāḥ
mit mancherlei Waffen bewaffnet

adya taṃ samare hatvā madhuṃ rāvaṇanirbhayam . indralokaṃ gamiṣyāmi yuddhakāṅkṣī suhṛdvṛtaḥ .. 31..

Heute, nachdem ich jenen Madhu in der Schlacht getötet habe, der vor Rāvaṇa keine Furcht hat, werde ich, von Freunden umgeben, nach Kampf begehrend, zur Welt Indras ziehen.

Wort für Wort
adya taṃ samare hatvā
heute, jenen in der Schlacht getötet habend
madhuṃ rāvaṇa-nirbhayam
Madhu, der vor Rāvaṇa keine Furcht hat
indralokaṃ gamiṣyāmi
werde ich zur Welt Indras ziehen
yuddha-kāṅkṣī suhṛt-vṛtaḥ
nach Kampf begehrend, von Freunden umgeben

tato vijitya tridivaṃ vaśe sthāpya purandaram . nirvṛto vihariṣyāmi trailokyaiśvaryaśobhitaḥ .. 32..

Dann, nach der Eroberung des Himmels und der Unterwerfung Indras unter meine Gewalt, werde ich, zufrieden, umherwandeln, geschmückt mit der Herrschaft über die drei Welten.“

Wort für Wort
tataḥ vijitya tridivaṃ
dann, den Himmel erobernd
vaśe sthāpya purandaram
Indra unter meine Gewalt bringend
nirvṛtaḥ vihariṣyāmi
zufrieden werde ich umherwandeln
trailokya-aiśvarya-śobhitaḥ
geschmückt mit der Herrschaft über die drei Welten

akṣauhiṇīsahasrāṇi catvāryugrāṇi rakṣasām . nānāpraharaṇānyāśu niryayuryuddhakāṅkṣiṇām .. 33..

Viertausend furchtbare Akṣauhiṇī-Heere von Rākṣasas, nach Kampf begehrend, mit mancherlei Waffen, zogen rasch aus.

Wort für Wort
akṣauhiṇī-sahasrāṇi
tausende von Akṣauhiṇī-Heeren
catvāri ugrāṇi rakṣasām
vier furchtbare, von Rākṣasas
nānā-praharaṇāni āśu
mit mancherlei Waffen, rasch
niryayuḥ yuddha-kāṅkṣiṇām
zogen aus, nach Kampf begehrend

indrajittvagrataḥ sainyaṃ sainikānparigṛhya ca . rāvaṇo madhyataḥ śūraḥ kumbhakarṇaśca pṛṣṭhataḥ .. 34..

Indrajit an der Spitze, das Heer und die Soldaten anführend, Rāvaṇa, der Held, in der Mitte, und Kumbhakarṇa im Rücken,

Wort für Wort
indrajit tu agrataḥ
Indrajit aber an der Spitze
sainyaṃ sainikān parigṛhya ca
das Heer und die Soldaten anführend
rāvaṇaḥ madhyataḥ śūraḥ
Rāvaṇa, der Held, in der Mitte
kumbhakarṇaḥ ca pṛṣṭhataḥ
und Kumbhakarṇa im Rücken

vibhīṣaṇastu dharmātmā laṅkāyāṃ dharmamācarat . te tu sarve mahābhāgā yayurmadhupuraṃ prati .. 35..

Vibhīṣaṇa aber, der Rechtschaffene, übte in Laṅkā das Recht aus; jene alle Hochbeglückten aber zogen zur Stadt Madhus.

Wort für Wort
vibhīṣaṇaḥ tu dharmātmā
Vibhīṣaṇa aber, der Rechtschaffene
laṅkāyāṃ dharmam ācarat
übte in Laṅkā das Recht aus
te tu sarve mahābhāgāḥ
jene alle Hochbeglückten aber
yayuḥ madhu-puraṃ prati
zogen zur Stadt Madhus

rathairnāgaiḥ kharairuṣṭrairhayairdīptairmahoragaiḥ . rākṣasāḥ prayayuḥ sarve kṛtvākāśaṃ nirantaram .. 36..

Mit Wagen, Elefanten, Eseln, Kamelen, glänzenden Pferden und großen Schlangen zogen alle Rākṣasas aus, den Himmel lückenlos füllend.

Wort für Wort
rathaiḥ nāgaiḥ kharaiḥ uṣṭraiḥ
mit Wagen, Elefanten, Eseln, Kamelen
hayaiḥ dīptaiḥ mahā-uragaiḥ
mit glänzenden Pferden und großen Schlangen
rākṣasāḥ prayayuḥ sarve
zogen alle Rākṣasas aus
kṛtvā ākāśaṃ nirantaram
den Himmel lückenlos füllend

daityāṃśca śataśastatra kṛtavairāḥ suraiḥ saha . rāvaṇaṃ prekṣya gacchantamanvagacchanta pṛṣṭhataḥ .. 37..

Und Hunderte von Daityas, die mit den Göttern verfeindet waren, folgten, als sie Rāvaṇa ziehen sahen, ihm im Rücken nach.

Wort für Wort
daityān ca śataśaḥ tatra
und Hunderte von Daityas dort
kṛta-vairāḥ suraiḥ saha
die mit den Göttern verfeindet waren
rāvaṇaṃ prekṣya gacchantam
Rāvaṇa ziehen sehend
anvagacchanta pṛṣṭhataḥ
folgten sie im Rücken nach

sa tu gatvā madhupuraṃ praviśya ca daśānanaḥ . na dadarśa madhuṃ tatra bhaginīṃ tatra dṛṣṭavān .. 38..

Er aber, zur Stadt Madhus gehend und sie betretend, der Zehnköpfige, sah dort Madhu nicht, sah aber dort seine Schwester.

Wort für Wort
saḥ tu gatvā madhu-puraṃ
er aber, zur Stadt Madhus gehend
praviśya ca daśānanaḥ
und sie betretend, der Zehnköpfige
na dadarśa madhuṃ tatra
sah er dort Madhu nicht
bhaginīṃ tatra dṛṣṭavān
sah aber dort seine Schwester

sā prahvā prāñjalirbhūtvā śirasā pādayorgatā . tasya rākṣasarājasya trastā kumbhīnasī svasā .. 39..

Sie, sich verneigend, mit gefalteten Händen, mit dem Haupt zu seinen Füßen gehend, erschrocken, seine Schwester Kumbhīnasī vor jenem Rākṣasakönig,

Wort für Wort
sā prahvā prāñjaliḥ bhūtvā
sich verneigend, mit gefalteten Händen
śirasā pādayoḥ gatā
mit dem Haupt zu den Füßen gehend
tasya rākṣasa-rājasya
vor jenem Rākṣasakönig
trastā kumbhīnasī svasā
erschrocken, die Schwester Kumbhīnasī

tāṃ samutthāpayāmāsa na bhetavyamiti bruvan . rāvaṇo rākṣasaśreṣṭhaḥ kiṃ cāpi karavāṇi te .. 40..

richtete Rāvaṇa, der beste der Rākṣasas, sie auf und sprach: „Du musst dich nicht fürchten; was auch immer kann ich für dich tun?“

Wort für Wort
tāṃ samutthāpayāmāsa
richtete sie auf
na bhetavyam iti bruvan
‚du musst dich nicht fürchten‘ sprechend
rāvaṇaḥ rākṣasa-śreṣṭhaḥ
Rāvaṇa, der beste der Rākṣasas
kim ca api karavāṇi te
was auch immer kann ich für dich tun

sābravīdyadi me rājanprasannastvaṃ mahābala . bhartāraṃ na mamehādya hantumarhasi mānada .. 41..

Sie sprach: „Wenn du mir gewogen bist, o König von großer Kraft, so solltest du meinen Gatten heute hier nicht töten, o Ehrengeber.

Wort für Wort
sā abravīt yadi me rājan
sie sprach: wenn du mir, o König
prasannaḥ tvaṃ mahābala
gewogen bist, du von großer Kraft
bhartāraṃ na mama iha adya
meinen Gatten hier heute nicht
hantum arhasi mānada
solltest du töten, o Ehrengeber

satyavāgbhava rājendra māmavekṣasva yācatīm . tvayā hyuktaṃ mahābāho na bhetavyamiti svayam .. 42..

Sei ein Mann des wahren Wortes, o Fürstenkönig; achte auf mich, die Bittende; von dir wurde selbst gesagt, o Starkarmiger: ‚Du musst dich nicht fürchten.‘

Wort für Wort
satya-vāk bhava rājendra
sei ein Mann des wahren Wortes, o Fürstenkönig
mām avekṣasva yācatīm
achte auf mich, die Bittende
tvayā hi uktaṃ mahābāho
von dir wurde fürwahr gesagt, o Starkarmiger
na bhetavyam iti svayam
‚du musst dich nicht fürchten‘, selbst

rāvaṇastvabravīddhṛṣṭaḥ svasāraṃ tatra saṃsthitam . kva cāsau tava bhartā vai mama śīghraṃ nivedyatām .. 43..

Rāvaṇa aber sprach, erfreut, zu seiner dort stehenden Schwester: „Und wo ist dein Gatte? Es möge mir fürwahr rasch mitgeteilt werden.

Wort für Wort
rāvaṇaḥ tu abravīt hṛṣṭaḥ
Rāvaṇa aber sprach, erfreut
svasāraṃ tatra saṃsthitam
zu der dort stehenden Schwester
kva ca asau tava bhartā vai
und wo ist fürwahr dein Gatte
mama śīghraṃ nivedyatām
es möge mir rasch mitgeteilt werden

saha tena gamiṣyāmi suralokaṃ jayāya vai . tava kāruṇyasauhardānnivṛtto.asmi madhorvadhāt .. 44..

Zusammen mit ihm werde ich fürwahr zur Eroberung der Götterwelt ziehen; aus Mitleid und Freundschaft zu dir habe ich von der Tötung Madhus abgelassen.

Wort für Wort
saha tena gamiṣyāmi
zusammen mit ihm werde ich ziehen
sura-lokaṃ jayāya vai
zur Eroberung der Götterwelt fürwahr
tava kāruṇya-sauhardāt
aus Mitleid und Freundschaft zu dir
nivṛttaḥ asmi madhoḥ vadhāt
habe ich von der Tötung Madhus abgelassen

ityuktvvā sā prasuptaṃ taṃ samutthāpya niśācaram . abravītsamprahṛṣṭeva rākṣasī suvipaścitam .. 45..

So sprechend, weckte sie jenen schlafenden Nachtwandler und sprach, gleichsam hocherfreut, die Rākṣasī zu dem sehr Weisen:

Wort für Wort
iti uktvā sā prasuptaṃ
so sprechend, sie den schlafenden
taṃ samutthāpya niśācaram
jenen Nachtwandler weckend
abravīt samprahṛṣṭā iva
sprach, gleichsam hocherfreut
rākṣasī suvipaścitam
die Rākṣasī zu dem sehr Weisen

eṣa prāpto daśagrīvo mama bhrātā niśācaraḥ . suralokajayākāṅkṣī sāhāyye tvāṃ vṛṇoti ca .. 46..

„Dieser ist angekommen, Daśagrīva, mein Bruder, der Nachtwandler, der die Eroberung der Götterwelt begehrt, und er erwählt dich zur Hilfe.

Wort für Wort
eṣaḥ prāptaḥ daśagrīvaḥ
dieser ist angekommen, Daśagrīva
mama bhrātā niśācaraḥ
mein Bruder, der Nachtwandler
sura-loka-jaya-ākāṅkṣī
der die Eroberung der Götterwelt begehrt
sāhāyye tvāṃ vṛṇoti ca
und er erwählt dich zur Hilfe

tadasya tvaṃ sahāyārthaṃ sabandhurgaccha rākṣasa . snigdhasya bhajamānasya yuktamarthāya kalpitum .. 47..

Darum ziehe du, samt den Verwandten, zu seiner Hilfe, Rākṣasa; es geziemt sich, für einen Zugeneigten, sich Anschließenden, seiner Sache zu dienen.

Wort für Wort
tat asya tvaṃ sahāya-arthaṃ
darum du, zu seiner Hilfe
sa-bandhuḥ gaccha rākṣasa
samt den Verwandten ziehe, Rākṣasa
snigdhasya bhajamānasya
für einen Zugeneigten, sich Anschließenden
yuktam arthāya kalpitum
geziemt es sich, der Sache zu dienen

tasyāstadvacanaṃ śrutvā tathetyāha madhurvacaḥ . dadarśa rākṣasaśreṣṭhaṃ yathānyāyamupetya saḥ .. 48..

Als er ihr Wort gehört hatte, sprach Madhu: „So sei es“, und, gebührend herantretend, betrachtete er den besten der Rākṣasas.

Wort für Wort
tasyāḥ tat vacanaṃ śrutvā
ihr Wort gehört habend
tathā iti āha madhuḥ vacaḥ
‚so sei es‘ sprach Madhu das Wort
dadarśa rākṣasa-śreṣṭhaṃ
betrachtete er den besten der Rākṣasas
yathānyāyam upetya saḥ
gebührend herantretend, er

pūjayāmāsa dharmeṇa rāvaṇaṃ rākṣasādhipam . prāptapūjo daśagrīvo madhuveśmani vīryavān . tatra caikāṃ niśāmuṣya gamanāyopacakrame .. 49..

Er ehrte gebührend Rāvaṇa, den Herrn der Rākṣasas; nachdem Daśagrīva, der Tapfere, in Madhus Haus die Ehrung empfangen hatte, verbrachte er dort eine Nacht und machte sich dann zum Aufbruch bereit.

Wort für Wort
pūjayāmāsa dharmeṇa
er ehrte gebührend
rāvaṇaṃ rākṣasādhipam
Rāvaṇa, den Herrn der Rākṣasas
prāpta-pūjaḥ daśagrīvaḥ
Daśagrīva, die Ehrung empfangend
madhu-veśmani vīryavān
der Tapfere, in Madhus Haus
tatra ca ekāṃ niśām uṣya
und dort eine Nacht verbringend
gamanāya upacakrame
machte er sich zum Aufbruch bereit

tataḥ kailāsamāsādya śailaṃ vaiśvaraṇālayam . rākṣasendro mahendrābhaḥ senāmupaniveśayat .. 50..

Dann, zum Berg Kailāsa gelangend, dem Wohnsitz Vaiśravaṇas, ließ der dem großen Indra gleiche Herr der Rākṣasas sein Heer lagern.

Wort für Wort
tataḥ kailāsam āsādya
dann zum Kailāsa gelangend
śailaṃ vaiśvaraṇa-ālayam
dem Berg, dem Wohnsitz Vaiśravaṇas
rākṣasendraḥ mahā-indra-ābhaḥ
der Herr der Rākṣasas, dem großen Indra gleich
senām upaniveśayat
ließ er sein Heer lagern

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