Quellen der Menschheit

Atharvaveda-Saṃhitā · Kāṇḍa 7

Sūkta 50

yathā vṛkṣam aśanir viśvāhā hanty aprati evāham adya kitavān akṣair badhyāsam aprati

Wie der Blitz allzeit unwidersprochen den Baum trifft, so möge ich heute die Würfelspieler mit den Würfeln unwidersprochen bezwingen.

Wort für Wort
yathā
wie
vṛkṣam
den Baum (Akk.)
aśanir
der Blitz (Nom.)
viśvāhā
allzeit (Adv.)
hanty
trifft (3.Sg.Präs.)
aprati
unwidersprochen (Adv.)
evāham
eva 'so' + aham 'ich' → so ich (Adv.+Nom.)
adya
heute
kitavān
die Würfelspieler (Akk.Pl.)
akṣair
mit den Würfeln (Instr.Pl.)
badhyāsam
möge ich bezwingen (1.Sg.Opt.)
aprati
unwidersprochen (Adv.)

turāṇām aturāṇāṃ viśām avarjuṣīṇām samaitu viśvato bhago antarhastaṃ kṛtaṃ mama

Der Kraftvollen und der Kraftlosen, der Stämme, der nicht Abgewandten – von allen Seiten möge das Glück zusammenkommen, mir in der Hand liege der Glückswurf.

Wort für Wort
turāṇām
der Kraftvollen (Gen.Pl.)
aturāṇāṃ
a- 'nicht' + turāṇām 'der Kraftvollen' → der Kraftlosen (Gen.Pl.)
viśām
der Stämme (Gen.Pl.)
avarjuṣīṇām
a- 'nicht' + vṛjuṣīṇām 'der Abwendenden' → der nicht Abgewandten (Gen.Pl.f.)
samaitu
möge zusammenkommen (3.Sg.Imp.)
viśvato
von allen Seiten (Adv.)
bhago
das Glück (Nom.)
antarhastaṃ
antar 'innerhalb' + hastam 'Hand' → in der Hand (Adv.)
kṛtaṃ
der Glückswurf (Nom./Akk., Würfelterminus)
mama
mir (Gen.)

īḍe agniṃ svāvasuṃ namobhir iha prasakto vi cayat kṛtaṃ naḥ rathair iva pra bhare vājayadbhiḥ pradakṣiṇaṃ marutāṃ stomam ṛdhyām

Ich verehre Agni, den Hilfreichen, mit Verehrungen; hier ergeben möge er uns den Glückswurf aussuchen; wie mit kraftvoll fahrenden Wagen trage ich es vor; rechtsherum möge ich das Loblied der Maruts vollbringen.

Wort für Wort
īḍe
ich verehre (1.Sg.Präs.Med.)
agniṃ
Agni (Akk.)
svāvasuṃ
den Hilfreichen (Akk.)
namobhir
mit Verehrungen (Instr.Pl.)
iha
hier
prasakto
ergeben (Nom., Ptz.)
vi
aus- (Präfix)
cayat
möge aussuchen (3.Sg.Konj.)
kṛtaṃ
den Glückswurf (Akk.)
naḥ
uns (Dat.)
rathair
mit Wagen (Instr.Pl.)
iva
wie
pra
vor (Präfix)
bhare
ich trage (1.Sg.Präs.Med.)
vājayadbhiḥ
kraftvoll fahrenden (Instr.Pl.)
pradakṣiṇaṃ
rechtsherum (Akk.)
marutāṃ
der Maruts (Gen.Pl.)
stomam
Loblied (Akk.)
ṛdhyām
möge ich vollbringen (1.Sg.Opt.)

vayaṃ jayema tvayā yujā vṛtam asmākam aṃśam ud ava bharebhare asmabhyam indra varīyaḥ sugaṃ kṛdhi pra śatrūṇāṃ maghavan vṛṣṇyā ruja

Wir möchten mit dir als Verbündetem den Einsatz gewinnen; unseren Anteil trage in jedem Kampfe empor; uns, o Indra, schaffe weiteren, guten Weg; zerbrich, o Gabenreicher, die Manneskräfte der Feinde.

Wort für Wort
vayaṃ
wir (Nom.Pl.)
jayema
möchten gewinnen (1.Pl.Opt.)
tvayā
mit dir (Instr.)
yujā
als Verbündetem (Instr.)
vṛtam
den Einsatz (Akk., Würfelterminus)
asmākam
unseren (Gen.Pl.)
aṃśam
Anteil (Akk.)
ud
empor (Präfix)
ava
hinab (Präfix)
bharebhare
bhare 'im Kampf' + bhare 'im Kampf' (Reduplikation) → in jedem Kampfe (Lok.)
asmabhyam
uns (Dat.Pl.)
indra
o Indra (Vok.)
varīyaḥ
weiteren (Akk.)
sugaṃ
su 'gut' + gam 'Weg, Gang' → guten Weg (Akk.)
kṛdhi
schaffe (Imp.2.Sg.)
pra
(Präfix zu ruja)
śatrūṇāṃ
der Feinde (Gen.Pl.)
maghavan
o Gabenreicher (Vok.)
vṛṣṇyā
Manneskräfte (Akk.Pl.n)
ruja
zerbrich (Imp.2.Sg.)

ajaiṣaṃ tvā saṃlikhitam ajaiṣam uta saṃrudham aviṃ vṛko yathā mathad evā mathnāmi te kṛtam

Ich habe dich besiegt, den Zusammengekratzten, ich habe auch den Blockierten besiegt; wie der Wolf das Schaf zerreißt, so zerreiße ich deinen Glückswurf.

Wort für Wort
ajaiṣaṃ
ich habe besiegt (1.Sg.Aor.)
tvā
dich (Akk.)
saṃlikhitam
saṃ- 'zusammen' + likhitam 'gekratzt' → den Zusammengekratzten (Akk., Würfelterminus)
ajaiṣam
ich habe besiegt (1.Sg.Aor.)
uta
auch
saṃrudham
saṃ- 'zusammen, fest' + rudham 'verhindert' → den Blockierten (Akk.)
aviṃ
das Schaf (Akk.)
vṛko
der Wolf (Nom.)
yathā
wie
mathad
zerreißt (3.Sg.Präs.)
evā
so
mathnāmi
ich zerreiße (1.Sg.Präs.)
te
deinen (Gen.)
kṛtam
Glückswurf (Akk.)

uta prahām atidīvā jayati kṛtam iva śvaghnī vi cinoti kāle yo devakāmo na dhanam ruṇaddhi sam it taṃ rāyaḥ sṛjati svadhābhiḥ

Und wer überspielt, gewinnt den Einsatz; wie ein Würfelspieler sammelt er den Glückswurf zur rechten Zeit; wer gottgefällig ist, hält den Reichtum nicht zurück; ihn lässt der Reichtum mit eigener Kraft strömen [Anm.: Fachvokabular des Würfelspiels („prahā“, „śvaghnī“) unsicher gedeutet].

Wort für Wort
uta
und
prahām
den Einsatz (Akk., Würfelterminus) [?]
atidīvā
ati 'über...hinaus' + dīvā 'Spieler' → der Überspieler (Nom.) [?]
jayati
gewinnt (3.Sg.Präs.)
kṛtam
den Glückswurf (Akk.)
iva
wie
śvaghnī
der Würfelspieler (Nom., Würfelterminus) [?]
vi
aus- (Präfix)
cinoti
sammelt (3.Sg.Präs.)
kāle
zur rechten Zeit (Lok.)
yo
wer (Nom.)
devakāmo
deva 'Gott' + kāmaḥ 'begehrend' → gottgefällig, gottliebend (Nom.)
na
nicht
dhanam
Reichtum (Akk.)
ruṇaddhi
hält zurück (3.Sg.Präs.)
sam
zusammen (Präfix)
it
eben (Partikel)
taṃ
ihn (Akk.)
rāyaḥ
der Reichtum (Nom.)
sṛjati
lässt strömen (3.Sg.Präs.)
svadhābhiḥ
sva 'eigen' + dhābhiḥ 'mit Kräften' → mit eigener Kraft (Instr.Pl.)

gobhiṣ ṭaremāmatiṃ durevāṃ yavena vā kṣudhaṃ puruhūta viśve vayaṃ rājasu prathamā dhanāny ariṣṭāso vṛjanībhir jayema

Mit Rindern mögen wir die böse Ratlosigkeit überwinden, oder mit Gerste den Hunger, o Vielgerufener; mögen wir alle unter den Königen als Erste, unversehrt, mit unseren Scharen die Preise gewinnen.

Wort für Wort
gobhiṣ
mit Rindern (Instr.Pl.)
ṭaremāmatiṃ
tarema 'wir möchten überwinden' + amatim 'die Ratlosigkeit' → mögen wir die Ratlosigkeit überwinden (1.Pl.Opt.+Akk.)
durevāṃ
dur- 'schlecht' + evām 'Gang, Wesen' → böse (Akk.f.)
yavena
mit Gerste (Instr.)
vā
oder
kṣudhaṃ
Hunger (Akk.)
puruhūta
puru 'viel' + hūta 'gerufen' → o Vielgerufener (Vok.)
viśve
alle (Nom.Pl.)
vayaṃ
wir (Nom.Pl.)
rājasu
unter den Königen (Lok.Pl.)
prathamā
als Erste (Nom.Pl.)
dhanāny
die Preise (Akk.Pl.n)
ariṣṭāso
unversehrt (Nom.Pl.)
vṛjanībhir
mit unseren Scharen (Instr.Pl.)
jayema
möchten wir gewinnen (1.Pl.Opt.)

kṛtaṃ me dakṣiṇe haste jayo me savya āhitaḥ gojid bhūyāsam aśvajid dhanaṃjayo hiraṇyajit

Der Glückswurf ist in meiner rechten Hand, der Sieg ist in meiner linken gelegt; ich möchte Rinder gewinnen, Rosse gewinnen, Schätze gewinnen, Gold gewinnen.

Wort für Wort
kṛtaṃ
der Glückswurf (Nom.)
me
meiner (Gen.)
dakṣiṇe
rechten (Lok.)
haste
Hand (Lok.)
jayo
der Sieg (Nom.)
me
meiner (Gen.)
savya
linken (Lok.)
āhitaḥ
gelegt (Nom., Ptz.)
gojid
go 'Rinder' + jit 'gewinnend' → Rinder gewinnend (Nom.)
bhūyāsam
möchte ich werden (1.Sg.Opt.)
aśvajid
aśva 'Rosse' + jit 'gewinnend' → Rosse gewinnend (Nom.)
dhanaṃjayo
dhanam 'Schatz' + jayaḥ 'gewinnend' → Schätze gewinnend (Nom.)
hiraṇyajit
hiraṇya 'Gold' + jit 'gewinnend' → Gold gewinnend (Nom.)

akṣāḥ phalavatīm dyuvaṃ datta gāṃ kṣīriṇīm iva saṃ mā kṛtasya dhārayā dhanuḥ snāvneva nahyata

Ihr Würfel, gebt mir einen fruchtbringenden Wurf wie eine milchreiche Kuh; umgürtet mich mit dem Strom des Glückswurfs, wie man einen Bogen mit der Sehne umbindet.

Wort für Wort
akṣāḥ
o Würfel (Vok.Pl.)
phalavatīm
fruchtbringenden (Akk.f.)
dyuvaṃ
Wurf (Akk.)
datta
gebt (Imp.2.Pl.)
gāṃ
Kuh (Akk.)
kṣīriṇīm
milchreiche (Akk.f.)
iva
wie
saṃ
zusammen (Präfix)
mā
mich (Akk.)
kṛtasya
des Glückswurfs (Gen.)
dhārayā
mit dem Strom (Instr.)
dhanuḥ
Bogen (Akk.)
snāvneva
snāvnā 'mit der Sehne' + iva 'wie' → wie mit der Sehne (Instr.+iva)
nahyata
umgürtet (Imp.2.Pl.)

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