Quellen der Menschheit

Ṛgveda · Maṇḍala 9

Kapitel 10: ṛgvede 9.10 · pra svānāso rathā ivārvanto na śravasyavaḥ Die Somasäfte strömen wie Wagen und Rosse zum Reichtum

Reihe von Vergleichen (Wagen, Rosse, Könige) für die strömenden Somatropfen; ab Vers 5 schwer deutbare Stellen: Vivasvat, 'sieben Schwestern', 'Nabel', 'Fuß des Einen', 'im Verborgenen gesetzter Fußtritt des Himmels' (kosmisch-rituelle Doppelebene, plausibel).

pra svānāso rathā ivārvanto na śravasyavaḥ / somāso rāye akramuḥ

Vorwärts sind die Somasäfte, tönend wie Wagen, wie Rosse nach Ruhm verlangend, zum Reichtum losgeschritten.

Wort für Wort
pra
vorwärts (Präverb)
svānāsaḥ
rauschend, tönend (Nom. Pl.)
rathāḥ-iva
wie Wagen (Nom. Pl. + iva)
arvantaḥ
Rosse (Nom. Pl.)
na
wie
śravasyavaḥ
nach Ruhm/Gunst begierig (Nom. Pl.)
somāsaḥ
Somasäfte (Nom. Pl.)
rāye
zum Reichtum (Dat. Sg.)
akramuḥ
sie schritten (Aor. 3. Pl.)

hinvānāso rathā iva dadhanvire gabhastyoḥ / bharāsaḥ kāriṇām iva

Getrieben wie Wagen, sind sie in die beiden Hände genommen worden, wie die Traglasten der Dichter/Sänger.

Wort für Wort
hinvānāsaḥ
angetrieben, angeregt (Part. Med., Nom. Pl.)
rathāḥ-iva
wie Wagen (Nom. Pl. + iva)
dadhanvire
sie wurden gelegt/gefasst (Perf. 3. Pl. Med.)
gabhastyoḥ
in beiden Händen (Lok. Du.)
bharāsaḥ
Traglasten, Bürden (Nom. Pl.)
kāriṇām-iva
wie der Dichter/Sänger (Gen. Pl. + iva)

rājāno na praśastibhiḥ somāso gobhir añjate / yajño na sapta dhātṛbhiḥ

Wie Könige mit Lobpreisungen, werden die Somasäfte mit Rindern (Milch) gesalbt, wie die Weihehandlung von den sieben Einrichtern. [Anm.: gobhiḥ 'mit Kühen' meint hier die Milch, die dem Soma beigemischt wird (fest).]

Wort für Wort
rājānaḥ
Könige (Nom. Pl.)
na
wie
praśasti-bhiḥ
mit Lobpreisungen (Instr. Pl.)
somāsaḥ
Somasäfte (Nom. Pl.)
gobhiḥ
mit Rindern, Milch (Instr. Pl.)
añjate
werden gesalbt (3. Pl. Med.)
yajñaḥ
Weihehandlung (Nom. Sg.)
na
wie
sapta
sieben
dhātṛ-bhiḥ
mit den Einrichtern, Anordnern (Instr. Pl.)

pari suvānāsa indavo madāya barhaṇā girā / sutā arṣanti dhārayā

Rings, gepresst, die Tropfen, zum Rausch, mit erhabenem Lied, gepresst strömen sie im Strahl.

Wort für Wort
pari
ringsum (Präverb)
suvānāsaḥ
gepresst werdend (Nom. Pl.)
indavaḥ
Tropfen (Nom. Pl.)
madāya
zum Rausch (Dat. Sg.)
barhaṇā
mit erhabenem, stärkendem (Instr. Sg.)
girā
mit Lied, Rede (Instr. Sg.)
sutāḥ
gepresste (Nom. Pl.)
arṣanti
sie strömen (3. Pl.)
dhārayā
im Strahl, Strom (Instr. Sg.)

āpānāso vivasvato jananta uṣaso bhagam / sūrā aṇvaṃ vi tanvate

Die Erlangten des Vivasvat, die Uṣas' Anteil (Bhaga) erzeugend, die Kräftigen breiten das Feine aus. [Anm.: aṇvam 'das Feine' bezeichnet vermutlich das Sieb bzw. den feinen Saft (plausibel); Vivasvat ist Name des Opferers/Sonnenmenschen.]

Wort für Wort
āpānāsaḥ
die Erlangten, Erreichten (Nom. Pl.)
vivasvataḥ
des Vivasvat (Gen. Sg.)
janantaḥ
erzeugend (Part. Präs., Nom. Pl.)
uṣasaḥ
der Uṣas, Morgenröte (Gen. Sg.)
bhagam
Anteil, Glück (Akk. Sg.)
sūrāḥ
die Kräftigen, Starken (Nom. Pl.) [?]
aṇvam
das Feine (Akk. Sg.)
vi
auseinander (Präverb)
tanvate
spannen, breiten (3. Pl. Med.)

apa dvārā matīnām pratnā ṛṇvanti kāravaḥ / vṛṣṇo harasa āyavaḥ

Öffnen die Tore der Gedanken, wie vormals, die Dichter; für den Stier, für den Gelben (Soma) die Anrufer (Nachkommen des Āyu) [?].

Wort für Wort
apa
auf, weg (Präverb)
dvārā
Tore (Akk. Pl.)
matīnām
der Gedanken (Gen. Pl.)
pratnāḥ
alte, vormalige (Nom. Pl.)
ṛṇvanti
sie öffnen (3. Pl.)
kāravaḥ
Dichter (Nom. Pl.)
vṛṣṇaḥ
des Stieres (Gen. Sg.) [?]
harase
für die Glut/Gelbe (Dat. Sg.) [?]
āyavaḥ
Āyu-Leute, Menschen (Nom. Pl.)

samīcīnāsa āsate hotāraḥ saptajāmayaḥ / padam ekasya piprataḥ

Vereint sitzen die Anrufer, die sieben Verwandten, sie, die den Fuß des Einen erfüllen. [Anm.: 'sieben Schwestern/Verwandte' und 'der Eine' sind rätselhaft; ritual-kosmisch (sieben Hotṛ/Flüsse, Soma) plausibel, spekulativ darüber hinaus.]

Wort für Wort
samīcīnāsaḥ
vereint, zusammengekommen (Nom. Pl.)
āsate
sitzen (3. Pl. Med.)
hotāraḥ
Anrufer (Nom. Pl.)
sapta-jāmayaḥ
sieben Verwandte/Schwestern habend (Nom. Pl.)
padam
Fußspur, Stelle (Akk. Sg.)
ekasya
des Einen (Gen. Sg.)
piprataḥ
erfüllend (Part. Präs., Nom. Pl.)

nābhā nābhiṃ na ā dade cakṣuś cit sūrye sacā / kaver apatyam ā duhe

Vom Nabel her nehme ich den Nabel für uns, auch das Auge (gewinne ich) in der Sonne, zugleich; das Kind des Sehers melke ich heraus. [Anm.: Rätselvers; Deutung offen: rituell (Bindung an Soma), kosmisch (Nabel = Mitte), spekulativ.]

Wort für Wort
nābhā
mit dem Nabel, vom Nabel her (Instr. Sg.)
nābhim
Nabel (Akk. Sg.)
naḥ
uns (Dat./Gen. Pl.)
ā
her (Präverb)
dade
ich nehme (Perf. 1. Sg. Med.)
cakṣuḥ
Auge (Akk. Sg.)
cit
auch
sūrye
in der Sonne (Lok. Sg.)
sacā
zugleich (Adv.)
kaveḥ
des Sehers (Gen. Sg.)
apatyam
Kind, Nachkomme (Akk. Sg.)
ā
her (Präverb)
duhe
ich melke (1. Sg. Med.)

abhi priyā divas padam adhvaryubhir guhā hitam / sūraḥ paśyati cakṣasā

Hin zum Lieben des Himmels, zum im Verborgenen gesetzten Fußpunkt (Stand), den die Adhvaryus (gesetzt haben), schaut die Sonne mit dem Auge.

Wort für Wort
abhi
hin zu (Präverb)
priyā
Liebes (Akk. Pl. n.)
divaḥ
des Himmels (Gen. Sg.)
padam
Fuß, Standort, Stelle (Akk. Sg.)
adhvaryu-bhiḥ
von den Adhvaryus (Instr. Pl.)
guhā
im Verborgenen (Lok. Sg.)
hitam
gesetzt (Part. Pass., Akk. Sg.)
sūraḥ
Sonne (Nom. Sg.)
paśyati
sieht (3. Sg.)
cakṣasā
mit dem Auge (Instr. Sg.)

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