Kapitel 107: ṛgvede 9.107 · parīto ṣiñcatā sutaṃ somo ya uttamaṃ haviḥ
Der geläuterte Soma strömt durch das Schafhaarsieb zu Indra
Typisches Pavamāna-Lied: Beschreibung von Pressen, Läutern und Strömen des Soma mit Bildern von Wasser, Milch, Sieb, Tröge und Sonne. Schwierig sind 9.107.1 (Bezug von susāva), 9.107.8 (aśvayā iva haritā), 9.107.9 (saṃvaraṇāni) und 9.107.19 (mām ava).
Gießt ringsum von hier den Gepressten – den Soma, der die höchste Spende ist, der als Mannhafter in den Wassern drinnen dahingeströmt ist [?] / (den) einer mit den Presssteinen als Soma gepresst hat. [Anm.: Der Bezug von yaḥ … susāva ist unklar; möglich auch ‚der (Presser), der den Soma mit den Presssteinen gepresst hat‘.]
Jetzt ström, geläutert durch die Schafwollsiebe, ringsum, unbetrügbar, noch wohlriechender machend; beim Gepressten berauschen wir uns an dir in den Wassern mit dem Saft, (dich) mit Milch mischend, den Höheren.
Wort für Wort
nūnam
jetzt, nun
punānaḥ
sich läuternd (Nom. Sg. m.)
avi-bhiḥ
mit den Schafen(-haaren), mit den Wollsieben (Instr. Pl.)
pari
ringsum (Präverb)
srava
ström (2. Sg. Imp.)
adabdhaḥ
unbetrogen, unbetrügbar (Nom. Sg. m.)
surabhim-taraḥ
wohlriechender machend, Duft mehrend (Nom. Sg. m.)
Geläutert, Soma, strömst du mit dem Strahl, die Wasser als Gewand anlegend; Schätze verleihend setzt du dich in den Schoß des ṛta (der Ordnung), (du) Quelle, Gott, goldener.
Das himmlische Euter melkend, den lieben Honig, hat er sich am alten gemeinsamen Sitz niedergelassen; als erfragenswerte [?] Stütze strömt der Preisgewinner, von den Männern geschüttelt, der Weitschauende.
Geläutert, Soma, wachsam, im Schafhaar, im Sieb ringsum, lieb; du bist der begeisterte Seher geworden, der Angiras-hafteste; mit Süßem netze unsere Weihehandlung.
Wort für Wort
punānaḥ
sich läuternd (Nom. Sg. m.)
soma
Soma (Vok. Sg.)
jāgṛviḥ
wachsam (Nom. Sg. m.)
avyaḥ
vom Schaf, Schafshaar- (Nom. Sg. m.)
vāre
im Sieb, im Haarsieb (Lok. Sg.)
pari
ringsum (Präverb)
priyaḥ
lieb (Nom. Sg. m.)
tvam
du (Nom. Sg.)
vipraḥ
begeisterter Seher (Nom. Sg.)
abhavaḥ
du wurdest (2. Sg. Impf.)
aṅgiraḥ-tamaḥ
der Angiras-hafteste, am meisten Angiras (Nom. Sg. m.)
Soma, der Spendende, läutert sich, der am besten den Weg Findende, Ṛṣi, begeisterter Seher, Weitschauender; du bist als Dichter der den Göttern Liebste geworden, du ließest die Sonne am Himmel aufsteigen.
Wort für Wort
somaḥ
Soma (Nom. Sg.)
mīḍhavān
spendend, regnend (Nom. Sg. m.)
pavate
läutert sich (3. Sg. Med.)
gātuvit-tamaḥ
am besten den Weg findend (Nom. Sg. m.)
ṛṣiḥ
Ṛṣi, Seher (Nom. Sg.)
vipraḥ
begeisterter Seher (Nom. Sg.)
vi-cakṣaṇaḥ
weitschauend (Nom. Sg. m.)
tvam
du (Nom. Sg.)
kaviḥ
Dichter (Nom. Sg.)
abhavaḥ
du wurdest (2. Sg. Impf.)
deva-vītamaḥ
den Göttern am liebsten, am meisten zum Götter-Gelage gehörig (Nom. Sg. m.)
Soma, gepresst von den Pressern, geht über die Rücken der Schafe hin, wie auf Rossen [?] der Fahle, mit dem Strahl, dem berauschenden, geht er mit dem Strahl. [Anm.: aśvayā iva haritā ist grammatisch und im Sinn unsicher.]
Am Wasserland ist der rinderreiche (Soma) mit Milch dahingeströmt, Soma ist mit den Gemolkenen dahingeströmt; wie zum Meer sind sie zu den Sammelbehältern gelangt [?]; der Berauschende eilt zum Rausch.
Komm herbei, Soma, gepresst mit den Presssteinen, durch die Haare des Schafes hindurch; wie ein Mann in die Burg tritt der Fahle in die beiden Tröge ein; du nimmst deinen Sitz in den Hölzern ein.
Er wurde gereinigt durch die feinen Fasern, das Schafhaar-Sieb, im Wettstreit wie ein preissuchender Renner; der Zujubelnswerte, sich läuternd, Soma, von den Gedankenvollen, von den Weisen, den Sangeskundigen.
pra soma devavītaye sindhurna pipye arṇasā aṃśoḥ payasāmadiro na jāgṛvirachā kośaṃ madhuścutam
Vorwärts, Soma, zum Göttermahl; wie ein Strom ist er angeschwollen mit Flut, mit dem Saft des Stängels; wie ein Berauschender, wach, auf den Kübel zu, der Süßes träufelt.
Der Begehrenswerte hat sich in das helle Gewand gehüllt, lieb, wie ein Sohn zu putzen; ihn treiben sie an wie Werkleute einen Wagen, in den Strömen und mit beiden Händen.
Hin zu (dem Sieb) läutern sich die Somas, die Lebendigen, den berauschenden Rausch, auf dem Rücken des Meeres, die Weisen, Berauschenden, Licht-Findenden.
tarat samudraṃ pavamāna ūrmiṇā rājā deva ṛtaṃ bṛhat / arṣan mitrasya varuṇasya dharmaṇā pra hinvāna ṛtaṃ bṛhat
Er durchquerte das Meer, sich läuternd, mit der Woge, der König, der Gott, das hohe ṛta. Er strömte nach der Stütze Mitras und Varuṇas, sich vorwärtstreibend, das hohe ṛta.
Für Indra läutert sich der Rausch, der Soma, für den mit den Marut Verbundenen gepresst; tausendströmig strömt er über das Schafhaar hinaus, ihn reinigen die Menschen.
punānaścamū janayan matiṃ kaviḥ somo deveṣu raṇyati / apo vasānaḥ pari gobhiruttaraḥ sīdan vaneṣvavyata
Sich läuternd, die beiden Tröge, den Gedanken erzeugend [?], der Dichter Soma findet Gefallen unter den Göttern; die Wasser angelegt, ringsum mit Milch, der Höhere, hat er sich sitzend in den Hölzern eingehüllt.
Ich habe mich an deiner Freundschaft ergötzt, Soma, Indu, Tag für Tag; viele umkreisen mich [?], o Brauner – schütze mich [?]; über jene Umzäunungen (Schranken) geh hinweg.
Wort für Wort
tava
dein (Gen. Sg.)
aham
ich (Nom. Sg.)
soma
Soma (Vok. Sg.)
raraṇa
ich habe mich ergötzt (Perf. 1. Sg.)
sakhye
in der Freundschaft, an der Freundschaft (Lok. Sg.)
Sowohl ich bei Nacht als auch bei Tag, Soma, sind wir dir zur Freundschaft, Brauner, am Euter über die von Glut brennende Sonne hinaus jenseits geflogen wie Vögel.
Gereinigt, du Geschickthändiger, treibst du im Meer die Stimme an; den rotbraunen, reichlichen, vielbegehrten Reichtum strömst du herbei, du Sichläuternder.
Gereinigt im Sieb, sich läuternd, im Schafhaar, hast du als Stier im Holz gebrüllt; den Bereitungsort [?] der Götter, Soma, strömst du, sich läuternd, mit Milch geschmückt.
Läutere dich zur Erlangung des Preises, hin zu allen Dichterkräften; du hast als Erster das Meer auseinandergehalten, berauschend für die Götter, Soma.
sa tū pavasva pari pārthivaṃ rajo divyā ca soma dharmabhiḥ / tvāṃ viprāso matibhirvicakṣaṇa śubhraṃ hinvanti dhītibhiḥ
Du also, läutere dich ringsum über den irdischen Raum und über den himmlischen, Soma, nach den Stützen (Ordnungen); dich, den Glänzenden, treiben die Weisen an mit Gedanken, o Weitschauender, mit Schauungen.
Die sich Läuternden wurden losgelassen über das Sieb hinaus mit dem Strahl; die Marut-Begleiteten, Berauschenden, Indra-Kräftigen, die Rosse, hin zur Weisheit [?] und zu den Nahrungsgaben.
apo vasānaḥ pari kośamarṣatindurhiyānaḥ sotṛbhiḥ / janayañ jyotirmandanā avīvaśad gāḥ kṛṇvāno na nirṇijam
Die Wasser angelegt, ströme er ringsum zum Kübel, der Tropfen, von den Pressern angetrieben; Licht erzeugend hat er die Berauschenden [?], die Kühe (zum Brüllen) begehren lassen [?], wie einer, der seinen Schmuck (sein Gewand) bereitet.
Wort für Wort
apaḥ
die Wasser (Akk. Pl.)
vasānaḥ
anlegend (Nom. Sg. m.)
pari
ringsum (Präverb)
kośam
Kübel (Akk. Sg.)
arṣati
er strömt (3. Sg.)
induḥ
Tropfen (Nom. Sg.)
hiyānaḥ
angetrieben (Nom. Sg. m.)
sotṛ-bhiḥ
von den Pressern (Instr. Pl.)
janayan
erzeugend (Nom. Sg. m.)
jyotiḥ
Licht (Akk. Sg.)
mandanāḥ
die Berauschenden (Akk. Pl.) [?]
avīvaśat
er ließ begehren, ließ brüllen (Aor. Kaus. 3. Sg.) [?]