Quellen der Menschheit

Ṛgveda · Maṇḍala 9

Kapitel 9: ṛgvede 9.9 · pari priyā divaḥ kavir vayāṃsi naptyïr hitaḥ Der gepresste Soma, Seher und Bringer von Gütern

Soma Pavamāna wird als Seher gepriesen, der durch die Sieb-Filterung fließt; Rätselstellen sind die 'beiden Enkelinnen' (9.9.1), die 'sieben Flüsse' und das 'eine Auge' (9.9.4) sowie der Bezug von 'sieben' in 9.9.6. Am Ende steht die Bitte um Ruhm, Rind, Ross, Einsicht und Licht.

pari priyā divaḥ kavir vayāṃsi naptyïr hitaḥ / suvāno yāti kavikratuḥ

Um das Liebe des Himmels herum, um die Lebenskräfte [?], (fließt) der Seher, von den beiden Enkelinnen [?] hingesetzt; gepresst wird er, geht er, der mit dem Willen des Sehers Begabte. [Anm.: naptyoḥ 'der beiden Enkelinnen/Töchter' ist unsicher; plausibel sind die beiden Pressplatten oder Wasser/Finger, spekulativ.]

Wort für Wort
pari
um ... herum (Präp.)
priyā
Liebes (Akk. Pl. n.)
divaḥ
des Himmels (Gen. Sg.)
kaviḥ
Seher (Nom. Sg.)
vayāṃsi
Lebenskräfte, Vitalitäten (Akk. Pl.) [?]
naptyoḥ
der beiden Enkelinnen (Gen. Du.) [?]
hitaḥ
hingesetzt, gelegt (Part. Pass., Nom. Sg.)
suvānaḥ
gepresst werdend (Part. Med., Nom. Sg.)
yāti
geht (3. Sg.)
kavi-kratuḥ
dessen Wille der eines Sehers ist (Nom. Sg.)

pra-pra kṣayāya panyase janāya juṣṭo adruhe / vīty arṣa caniṣṭhayā

Immer weiter fließe zur Wohnstätte, zum Menschen, der nichts Trügerisches tut, angenehm (gewählt), du Gepriesener, und fließe in Lust/Freude, wie es dir gefällt.

Wort für Wort
pra-pra
vorwärts, immer weiter (Wiederholung)
kṣayāya
zur Wohnstätte (Dat. Sg.)
panyase
du wirst bewundert/gepriesen (2. Sg. Med.)
janāya
dem Menschen, für den Menschen (Dat. Sg.)
juṣṭaḥ
willkommen, gern gesehen (Nom. Sg. m.)
adruhe
der nicht trügt, für den Nicht-Schädigenden (Dat. Sg.)
vītī
zum Genuss/zur Labung (Instr. Sg.) [?]
arṣa
fließe (Imp. 2. Sg.)
caniṣṭhayā
nach Wohlgefallen, in Lust (Instr. Sg.) [?]

sa sūnur mātarā śucir jāto jāte arocayat / mahān mahī ṛtāvṛdhā

Er, der Sohn, der Reine, hat, geboren, die beiden Mütter, die (selbst) geboren sind, zum Leuchten gebracht, der Große die beiden Großen, die den Ṛta stärken.

Wort für Wort
saḥ
er (Nom. Sg. m.)
sūnuḥ
Sohn (Nom. Sg.)
mātarā
die beiden Mütter (Akk. Du.)
śuciḥ
rein, hell (Nom. Sg.)
jātaḥ
geboren (Part. Pass., Nom. Sg.)
jāte iti
die geborene(n) (Lok./Akk. Du.) [?]
arocayat
ließ leuchten (Impf. 3. Sg. Kaus.)
mahān
groß (Nom. Sg.)
mahī
große (Akk. Du. f.)
ṛta-vṛdhā
den Ṛta (Ordnung, Wahrheit) mehrend (Akk. Du.)

sa sapta dhītibhir hito nadyï ajinvad adruhaḥ / yā ekam akṣi vāvṛdhuḥ

Er, mit sieben Gedanken/Schauungen versehen, hat die Flüsse belebt, die dem Nicht-Trüger (gehören), sie, die für das eine Auge (die eine Sicht) gewachsen sind. [Anm.: 'sieben Flüsse' und 'ein Auge' sind rätselhaft; kosmisch (Ströme, Sonne) plausibel, rituell (sieben Priester/Wasserläufe) plausibel.]

Wort für Wort
saḥ
er (Nom. Sg. m.)
sapta
sieben
dhīti-bhiḥ
mit Gedanken/Schauungen (Instr. Pl.)
hitaḥ
gesetzt, versehen (Part. Pass., Nom. Sg.)
nadyaḥ
Flüsse (Akk. Pl.)
ajinvat
belebte, trieb an (Impf. 3. Sg.)
adruhaḥ
des Nicht-Trügenden (Gen. Sg.)
yāḥ
die (Nom. Pl. f.)
ekam
ein(e)s (Akk. Sg. n.)
akṣi
Auge (Akk. Sg.)
vavṛdhuḥ
sie wuchsen, stärkten (Perf. 3. Pl.)

tā abhi santam astṛtam mahe yuvānam ā dadhuḥ / indum indra tava vrate

Diese (Flüsse) haben den, der da ist, den Unbezwungenen, den Jungen, hin zur Größe gesetzt; den Saft, Indra, nach deinem Gebot.

Wort für Wort
tāḥ
diese (Nom. Pl. f.)
abhi
hin zu (Präp.)
santam
seienden (Part. Präs., Akk. Sg.)
astṛtam
unbezwungen (Akk. Sg.)
mahe
zum Großen, zur Größe (Dat. Sg.) [?]
yuvānam
jung (Akk. Sg.)
ā
hin (Präverb)
dadhuḥ
setzten (Perf. 3. Pl.)
indum
Tropfen, Saft (Akk. Sg.)
indra
Indra (Vok.)
tava
dein (Gen. Sg.)
vrate
im Gebot, in der Ordnung (Lok. Sg.)

abhi vahnir amartyaḥ sapta paśyati vāvahiḥ / krivir devīr atarpayat

Der Fahrer, der Unsterbliche, schaut auf die sieben, der Träger; der Krivi hat die göttlichen (Frauen) gesättigt. [Anm.: 'sieben' bleibt unbestimmt (Flüsse/Priester/Töchter); krivi ist unsicher, evtl. Beiname Somas.]

Wort für Wort
abhi
hin auf (Präverb)
vahniḥ
Fahrer, Zugtier, Bringer (Nom. Sg.)
amartyaḥ
unsterblich (Nom. Sg.)
sapta
sieben
paśyati
sieht (3. Sg.)
vāvahiḥ
Träger, Beförderer (Nom. Sg.) [?]
kriviḥ
Krivi (Nom. Sg.) [?]
devīḥ
göttliche (Akk. Pl. f.)
atarpayat
sättigte (Impf. 3. Sg. Kaus.)

avā kalpeṣu naḥ pumas tamāṃsi soma yodhyā / tāni punāna jaOghanaḥ

Hilf uns bei den Regeln/Anordnungen, o Mann; die Finsternisse, Soma, bekämpfe. Und diese (Finsternisse), Läuternder, schlage nieder. [Anm.: kalpeṣu ist unsicher; 'bei den Festsetzungen/Anordnungen' ist die Lesart mit den wenigsten Zusatzannahmen.]

Wort für Wort
ava
hilf, schütze (Imp. 2. Sg.)
kalpeṣu
bei den Anordnungen, Regeln (Lok. Pl.) [?]
naḥ
uns (Akk. Pl.)
pumaḥ
Mann (Vok. Sg.)
tamāṃsi
Finsternisse (Akk. Pl.)
soma
Soma (Vok.)
yodhyā
bekämpfe (Imp. 2. Sg.)
tāni
diese (Akk. Pl. n.)
punāna
Läuternder (Vok. Part. Med.)
jaṅghanaḥ
schlage, erschlage (Intens. Imp. 2. Sg.)

nū navyase navīyase sūktāya sādhayā pathaḥ / pratnavad rocayā rucaḥ

Nun, für das neuere, allerneueste Loblied, bahne die Wege, und lass die Lichter leuchten wie in alter Zeit.

Wort für Wort
nu
nun
navyase
für das neuere (Dat. Sg.)
navīyase
allerneueste (Dat. Sg.)
su-uktāya
für das Gut-Gesagte, Loblied (Dat. Sg.)
sādhaya
bahne, führe zum Ziel (Imp. 2. Sg.)
pathaḥ
Wege (Akk. Pl.)
pratna-vat
wie in alter Zeit (Adv.)
rocaya
lass leuchten (Imp. 2. Sg. Kaus.)
rucaḥ
Lichter (Akk. Pl.)

pavamāna mahi śravo gām aśvaṃ rāsi vīravat / sanā medhāṃ sanā svaḥ

Läuternder, große Berühmtheit, Rind und Ross gib heldenreich, von jeher Einsicht, von jeher das Licht/den Himmel.

Wort für Wort
pavamāna
Läuternder (Vok.)
mahi
große (Akk. Sg. n.)
śravaḥ
Ruhm (Akk. Sg.)
gām
Rind (Akk. Sg.)
aśvam
Ross (Akk. Sg.)
rāsi
du gibst, gib (2. Sg.)
vīra-vat
mit Helden versehen (Akk. Sg. n.)
sanā
von jeher, gewinnend (Instr./Adv.) [?]
medhām
Einsicht, Weisheit (Akk. Sg.)
sanā
von jeher, gewinnend (Adv.) [?]
svaḥ
Licht, Sonne (Akk. Sg.)

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