Quellen der Menschheit

Ṛgveda · Maṇḍala 9

Kapitel 95: ṛgvede 9.95 · kanikranti harirā sṛjyamānaḥ sīdan vanasya jaṭhare punānaḥ Soma: Rede, Lieder und geheime Götternamen

Soma brüllt im Holz, treibt die Rede an und macht die geheimen Namen der Götter offenbar; die Lieder strömen ihm zu wie Wasserwellen. Strophe 4 (Trita trägt Varuṇa im Meer) ist rätselhaft.

kanikranti harirā sṛjyamānaḥ sīdan vanasya jaṭhare punānaḥ / nṛbhiryataḥ kṛṇute nirṇijaṃ gā ato matīrjanayatasvadhābhiḥ

Brüllend, der Fahlgelbe, wird er losgelassen, sich niedersetzend in den Bauch des Holzes, sich läuternd; / von Männern gelenkt, macht er sein Gewand (aus) Rindern (Milch); / erzeugt darum, mit euren Eigenkräften, Gedanken (Lieder).

Wort für Wort
kanikranti
brüllend (Nom. Sg.)
hariḥ
der Fahlgelbe (Nom. Sg.)
ā
her, herbei
sṛjyamānaḥ
wird losgelassen (Nom. Sg. Part. Pass.)
sīdan
sich setzend (Nom. Sg.)
vanasya
des Holzes (Gen. Sg.)
jaṭhare
im Bauch (Lok. Sg.)
punānaḥ
sich läuternd (Nom. Sg.)
nṛ-bhiḥ
von Männern (Instr. Pl.)
yataḥ
gelenkt (Nom. Sg.)
kṛṇute
macht (3. Sg. Med.)
niḥ-nijam
Gewand, Schmuck (Akk. Sg.)
gāḥ
Kühe, Milch (Akk. Pl.)
ataḥ
daher
matīḥ
Gedanken, Lieder (Akk. Pl.)
janayata
erzeugt (2. Pl. Imp.)
svadhābhiḥ
mit Eigenkräften, Labungen (Instr. Pl.)

hariḥ sṛjānaḥ pathyām ṛtasyeyarti vācamariteva nāvam / devo devānāṃ guhyāni nāmāviṣ kṛṇoti barhiṣi pravāce

Der Fahlgelbe, losgelassen, setzt die Rede auf dem Pfad der Ordnung (ṛta) in Bewegung, wie ein Ruderer das Schiff. / Der Gott macht der Götter geheime Namen offenbar / auf der Streu, dem Verkünder zum Sprechen.

Wort für Wort
hariḥ
der Fahlgelbe (Nom. Sg.)
sṛjānaḥ
losgelassen (Nom. Sg.)
pathyām
auf dem Pfad (Akk. Sg. f.)
ṛtasya
der Ordnung, des Ṛta (Gen. Sg.)
iyarti
setzt in Bewegung (3. Sg.)
vācam
Rede (Akk. Sg.)
aritā-iva
wie ein Ruderer (Nom. Sg.)
nāvam
Schiff (Akk. Sg.)
devaḥ
der Gott (Nom. Sg.)
devānām
der Götter (Gen. Pl.)
guhyāni
geheime (Akk. Pl.)
nāma
Namen (Akk. Pl.)
āviḥ
offenbar (Adv.)
kṛṇoti
macht (3. Sg.)
barhiṣi
auf der Streu (Lok. Sg.)
pra-vāce
zum Verkünden, dem Verkünder (Dat. Sg.)

apāmivedūrmayastarturāṇāḥ pra manīṣā īrate somamacha / namasyantīrupa ca yanti saṃ cā ca viśantyuśatīruśantam

Wie die Wellen der Wasser, sich beeilend, ziehen die Gedanken hin, auf Soma zu; / sich verneigend gehen sie hinzu, treffen zusammen / und dringen ein, die Verlangenden, in den Verlangenden.

Wort für Wort
apām-iva
wie der Wasser (Gen. Pl.)
it
gerade, ebenso
ūrmayaḥ
Wellen (Nom. Pl.)
tarturāṇāḥ
sich beeilend (Nom. Pl.)
pra
hervor
manīṣāḥ
Gedanken, Lieder (Nom. Pl.)
īrate
ziehen, regen sich (3. Pl. Med.)
somam
Soma (Akk. Sg.)
accha
hin zu
namasyantīḥ
sich verneigend, huldigend (Nom. Pl. f.)
upa
hin
ca
und
yanti
gehen (3. Pl.)
sam
zusammen
ca
und
ā
herein
ca
und
viśanti
dringen ein (3. Pl.)
uśatīḥ
verlangend (Nom. Pl. f.)
uśantam
den Verlangenden (Akk. Sg.)

taṃ marmṛjānaṃ mahiṣaṃ na sānāvaṃśuṃ duhantyukṣaṇaṃ giriṣṭhām / taṃ vāvaśānaṃ matayaḥ sacante trito bibharti varuṇaṃ samudre

Ihn, den Sich-Putzenden, wie einen Büffel auf dem Rücken (des Berges), den Stengel, melken sie, den Stier, den auf dem Berg Weilenden. / Ihn, den Brüllenden, begleiten die Gedanken; / Trita trägt Varuṇa im Meer [Anm.: rätselhaft; Bedeutung von varuṇa hier unsicher].

Wort für Wort
tam
ihn (Akk. Sg.)
marmṛjānam
sich putzend, sich reinigend (Akk. Sg.)
mahiṣam
Büffel (Akk. Sg.)
na
wie
sānau
auf dem Rücken, Gipfel (Lok. Sg.)
aṃśum
Stengel (Akk. Sg.)
duhanti
melken (3. Pl.)
ukṣaṇam
Stier (Akk. Sg.)
giri-sthām
auf dem Berg weilend (Akk. Sg.)
tam
ihn (Akk. Sg.)
vāvaśānam
brüllend, verlangend (Akk. Sg.)
matayaḥ
Gedanken (Nom. Pl.)
sacante
begleiten (3. Pl. Med.)
tritaḥ
Trita (Nom. Sg.)
bibharti
trägt (3. Sg.)
varuṇam
Varuṇa (Akk. Sg.) [?]
samudre
im Meer (Lok. Sg.)

iṣyan vācamupavakteva hotuḥ punāna indo vi ṣyā manīṣām / indraśca yat kṣayathaḥ saubhagāya suvīryasya patayaḥsyāma

Die Rede antreibend, wie ein Beisitzer (Beistand) des Rufers, läuternd, Indu, / löse das Gedankenlied. / Und wenn ihr beide, du und Indra, waltet zum Glück, / mögen wir Herren tüchtiger Mannschaft sein.

Wort für Wort
iṣyan
antreibend, sendend (Nom. Sg.)
vācam
Rede (Akk. Sg.)
upavaktā-iva
wie ein Beisitzer, Beistand (Nom. Sg.)
hotuḥ
des Rufers (Gen. Sg.)
punānaḥ
sich läuternd (Nom. Sg.)
indo iti
Indu (Vok.)
vi
los, auseinander
sya
löse (2. Sg. Imp.)
manīṣām
Gedankenlied, Andacht (Akk. Sg.)
indraḥ
Indra (Nom. Sg.)
ca
und
yat
wenn
kṣayathaḥ
ihr beide waltet, weilt (2. Du.)
saubhagāya
zum Glück (Dat. Sg.)
su-vīryasya
tüchtiger Männerschaft (Gen. Sg.)
patayaḥ
Herren (Nom. Pl.)
syāma
mögen wir sein (1. Pl. Opt.)

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