Kapitel 86: ṛgvede 9.86 · pra ta āśavaḥ pavamāna dhījavo madā arṣanti raghujā iva tmanā
Soma Pavamāna: Läuterung, Ströme und Herrschaft über die Welt
Langes Pavamāna-Lied an Soma: der Weg des Saftes durch Seihtuch und Kelch zu Indra, Mythologisches (Aṅgiras, Sonne, Kosmos); mehrere Verse (9.86.4, 9.86.15, 9.86.19, 9.86.43) sind sprachlich dunkel und nur vorläufig gedeutet.
pra ta āśavaḥ pavamāna dhījavo madā arṣanti raghujā iva tmanā / divyāḥ suparṇā madhumanta indavo madintamāsaḥ pari kośamāsate
Hervor strömen dir, du sich Läuternder, die schnellen, gedankenraschen Rauschtränke von selbst, wie schnelllaufende (Rosse); die himmlischen, schön geflügelten, honigreichen, am meisten berauschenden Tropfen sitzen rings um das Fass.
pra te madāso madirāsa āśavo 'sṛkṣata rathyāso yathā pṛthak / dhenurna vatsaṃ payasābhi vajriṇamindramindavo madhumanta ūrmayaḥ
Hervor wurden deine berauschenden, schnellen Rauschtränke losgelassen, wie Wagenrosse einzeln; wie eine Milchkuh zum Kalb mit Milch, so [strömen] zum keulentragenden Indra die Tropfen, die honigreichen Wellen.
Wie ein angetriebenes Ross strömt hin zum Kampfpreis, Licht/Sonne findend, zum Fass des Himmels, das den Presstein zur Mutter hat; der Stier Soma, sich läuternd auf dem Rücken des Schafwollsiebs im Seihtuch, [ströme] zur Kraft, zur Labung.
pra ta āśvinīḥ pavamāna dhījuvo divyā asṛgran payasā dharīmaṇi / prāntar{ṛ}ṣayaḥ sthāvirīrasṛkṣata ye tvā mṛjanty ṛṣiṣāṇa vedhasaḥ
Hervor ließen dir, du sich Läuternder, die gedankenschnellen, rossgleichen [?], himmlischen (Ströme) mit Milch im Halter los; die Seher aber ließen die festen/bewährten (Ströme) hervor und hinein los [?], sie, die dich, Seher-Gewinner [?], putzen, die Kundigen.
Alle Stätten umkreisen, Allschauer, deine Banner, des geschickten [?], mächtigen, seienden (Herrn); alles durchdringend läuterst du dich, Soma, mit deinen Stützen/Satzungen; du bist Herr der ganzen Welt, du herrschst.
ubhayataḥ pavamānasya raśmayo dhruvasya sataḥ pari yanti ketavaḥ / yadī pavitre adhi mṛjyate hariḥ sattā ni yonā kalaśeṣu sīdati
Von beiden Seiten umkreisen die Strahlen und Banner des sich läuternden, festen, seienden (Soma); wenn er auf dem Seihtuch gereinigt wird, der Goldgelbe, setzt er sich als Sitzender [?] im Schoß in die Kelche.
Das Zeichen der Weihehandlung läutert sich, gut im Ritualgang, Soma; er geht zum bereiteten Ort der Götter. Tausendströmig strömt er um das Fass, der Stier geht brüllend über das Seihtuch hinweg.
Der König taucht in das Meer, in die Flüsse ein; er schließt sich der Welle der Wasser an, in den Strömen ruhend. Er hat den Rücken des Schafwollsiebs bestiegen, der sich Läuternde, Nabel der Erde, Stütze des großen Himmels.
divo na sānu stanayannacikradad dyauśca yasya pṛthivī ca dharmabhiḥ / indrasya sakhyaṃ pavate vivevidat somaḥ punānaḥkalaśeṣu sīdati
Wie den Rücken des Himmels brüllte er donnernd, er, durch dessen Stützen/Satzungen Himmel und Erde [bestehen] [?]; Indras Freundschaft erlangend läutert er sich, Soma, sich läuternd sitzt er in den Kelchen.
Das Licht der Weihehandlung läutert sich, süßen, lieben Honig; er, Vater der Götter, Erzeuger, Güter-Verbreiter, legt das Kleinod, das Verborgene der beiden Eigenmächte [?] nieder; der am meisten Berauschende, der Rauschtrank, der kraftvolle Saft.
Brüllend strömt das Rennross zum Kelch, der Herr des Himmels, hundertströmig, der Weitschauende; der Goldgelbe setzt sich in Mitras Sitze, sich putzen lassend durch Schafwollsiebe und Ströme, der Stier.
Vorn strömt der Sich Läuternde, vor den Strömen; vorn geht er, der Vorderste der Rede, unter die Rinder [Anm.: Milch bzw. Rede]; vorn erhält er Anteil am großen Gewinn des Preises, gut bewaffnet, von den Pressern geläutert, der Stier.
Dieser, gedankenbegleitet, wie ein Vogel [aus]gesandt, ist im Schafwollsieb gelaufen, sich läuternd mit der Welle. Durch deine Willenskraft, Seher, zwischen den beiden Welten, läutert sich der reine Soma, Indra, mit Andacht für dich.
Ein Gewand tragend, verehrenswert, den Himmel berührend, den Luftraum füllend, in den Welten eingefügt, als Licht geboren, schritt er mit dem Dunst heran; seinen alten Vater ehrt er.
so asya viśe mahi śarma yachati yo asya dhāma prathamaṃ vyānaśe / padaṃ yadasya parame vyomanyato viśvā abhi saṃyāti saṃyataḥ
Der gibt diesem Stamm großen Schutz, der dessen erste Stätte erreichte [?]. Den Standort, den er im höchsten Himmelsraum hat: von dort geht er, zusammengehalten, zu allem hin zusammen [?].
pro ayāsīdindurindrasya niṣkṛtaṃ sakhā sakhyurna pra mināti saṃgiram / marya iva yuvatibhiḥ samarṣati somaḥ kalaśe śatayāmnā pathā
Hervor ist der Tropfen gegangen, zu Indras bereitetem Ort; als Freund verletzt er des Freundes Verabredung nicht. Wie ein junger Mann mit jungen Frauen strömt Soma zusammen, im Kelch auf hundertgängigem Weg.
pra vo dhiyo mandrayuvo vipanyuvaḥ panasyuvaḥ saṃvasaneṣvakramuḥ / somaṃ manīṣā abhyanūṣata stubho 'bhi dhenavaḥ payasemaśiśrayuḥ
Hervor sind eure Gedanken, die Erfreuendes, Lobpreis, Bewunderung begehrenden, in den Zusammenkünften/Gewändern [?] geschritten; Soma haben die Gedanken angejauchzt, die Lobrufe; die Milchkühe haben ihn mit Milch gemischt.
Ströme uns her, Soma, die zusammengehaltene [?], strotzende Labung, läutere dich, Tropfen, sich Läuternder, ungehindert; sie, die uns dreimal am Tag unversiegbar milcht: nahrungsreich, kraftreich, honigreich, mit guter Mannhaftigkeit.
Der Stier der Gedanken läutert sich, der Weitschauende, Soma, der den Tag, die Morgenröte, den Himmel [voran]bringt [?]; ... die Kelche der Ströme ließ er erschallen [?], in Indras Herz eintretend mit den Denkern.
Mit den Denkern läutert er sich, der uralte Seher, von den Männern gelenkt; er brüllte um die Fässer, den Namen des Trita erzeugend, Honig fließen lassend, um Indra und Vāyu zur Freundschaft zu machen.
Dieser, sich läuternd, ließ die Morgenröten aufleuchten; dieser wurde den Strömen fürwahr zum Raumschaffer; dieser, dreimal sieben Mischmilch melkend, Soma, läutert sich zum Herzen, lieblich, berauschend.
Läutere dich, Soma, in den himmlischen Stätten, freigelassen, Tropfen, im Kelch, im Seihtuch; im Bauch Indras sitzend, brüllend, von den Männern gelenkt, ließest du die Sonne am Himmel aufsteigen.
Mit Steinen gepresst läuterst du dich im Seihtuch, Tropfen, in Indras Bäuche eintretend; du wurdest Männer-Beschauer, Weitschauender; Soma, du hast den Aṅgiras den Rinderstall aufgedeckt [Anm.: Anspielung auf den Vala-Mythos].
tvāṃ soma pavamānaṃ svādhyo 'nu viprāso amadannavasyavaḥ / tvāṃ suparṇa ābharad divas parīndo viśvābhirmatibhiḥ pariṣkṛtam
Dich, Soma, den sich Läuternden, haben die gutdenkenden Seher, Hilfe begehrend, nachfolgend berauscht; dich brachte der schön Geflügelte vom Himmel her, Tropfen, mit allen Gedanken geschmückt.
Den sich Läuternden im Schafwollsieb, im Haarsieb mit der Welle, den Goldgelben, jauchzen die sieben Milchkühe an; im Schoß der Wasser trieben die Menschen den Seher an, im Schoß der Ordnung, die mächtigen (Kühe/Ströme) [?].
induḥ punāno ati gāhate mṛdho viśvāni kṛṇvan supathāni yajyave / gāḥ kṛṇvāno nirṇijaṃ haryataḥ kaviratyo na krīḷan pari vāramarṣati
Der Tropfen, sich läuternd, durchdringt die Angreifer, dem Verehrer alle Pfade gut machend; die Rinder [Anm.: Milch] zu seinem Gewand machend, begehrenswert, der Seher, strömt spielend wie ein Ross um das Haarsieb.
asaścataḥ śatadhārā abhiśriyo hariṃ navante 'va tā udanyuvaḥ / kṣipo mṛjanti pari gobhirāvṛtaṃ tṛtīye pṛṣṭhe adhi rocane divaḥ
Die unversiegenden, hundertströmigen, zugesellenden, wasserbegehrenden (Ströme) jauchzen dem Goldgelben zu; die Finger putzen den mit Rindern [Anm.: Milch] Umhüllten, auf dem dritten Rücken, im Lichtraum des Himmels.
tavemāḥ prajā divyasya retasastvaṃ viśvasya bhuvanasya rājasi / athedaṃ viśvaṃ pavamāna te vaśe tvamindo prathamodhāmadhā asi
Dein sind diese Geschöpfe vom himmlischen Samen; du herrschst über die ganze Welt. Und dieses All, du sich Läuternder, ist in deiner Gewalt; du, Tropfen, bist der erste Stätten-Setzer.
tvaṃ samudro asi viśvavit kave tavemāḥ pañca pradiśo vidharmaṇi / tvaṃ dyāṃ ca pṛthivīṃ cāti jabhriṣe tava jyotīṃṣi pavamāna sūryaḥ
Du bist das Meer, Alleswisser, Seher; dein sind diese fünf Himmelsrichtungen in der Auseinanderhaltung [?]. Du trägst Himmel und Erde hinaus über [alles]; dein sind die Lichter, du sich Läuternder, die Sonne.
Du wirst im Seihtuch, im Auseinanderhalter des Raumes, für die Götter geläutert, Soma, sich Läuternder; dich ergriffen die Eifrigen als die ersten; dir haben sich all diese Welten hingestreckt.
Wort für Wort
tvam
du (Nom.)
pavitre
im Seihtuch (Lok. Sg.)
rajasaḥ
des Raumes/Dunstraums (Gen. Sg.)
vi-dharmaṇi
im Auseinanderhalter [?] (Lok. Sg.)
devebhyaḥ
für die Götter (Dat. Pl.)
soma
Soma (Vok.)
pavamāna
sich Läuternder (Vok.)
pūyase
du wirst geläutert (2. Sg. Pass.)
tvām
dich (Akk.)
uśijaḥ
die Eifrigen (Nom. Pl.)
prathamāḥ
erste (Nom. Pl.)
agṛbhṇata
sie ergriffen (3. Pl. Aor. Med.)
tubhya
dir (Dat.)
imā
diese (Nom. Pl.)
viśvā
alle (Nom. Pl.)
bhuvanāni
Welten (Nom. Pl.)
yemire
sie streckten sich hin/unterwarfen sich [?] (3. Pl. Perf. Med.)
Der Sänger geht hervor über das Haarsieb im Schafwollsieb hinaus, der Stier, der Goldgelbe, hat in den Hölzern gebrüllt; die Gedanken, Verlangende, jauchzten zusammen, die Gedanken lecken das Kind, das Bewundernswerte.
sa sūryasya raśmibhiḥ pari vyata tantuṃ tanvānastrivṛtaṃyathā vide / nayannṛtasya praśiṣo navīyasīḥ patirjanīnāmupa yāti niṣkṛtam
Er hat mit den Strahlen der Sonne den Faden ringsum gewoben, den Faden spinnend, wie er als dreifach Gedrehtes gefunden wird [?]; die neueren Weisungen der Ordnung führend, geht der Herr der Geschöpfe zum bereiteten Ort.
Der König der Ströme läutert sich, der Herr des Himmels; auf den Wegen der Ordnung geht er brüllend; tausendströmig wird er ringsum ausgegossen, der Goldgelbe, sich läuternd, die Rede erzeugend, Güter nahe bringend.
pavamāna mahyarṇo vi dhāvasi sūro na citro avyayāni pavyayā / gabhastipūto nṛbhiradribhiḥ suto mahe vājāya dhanyāya dhanvasi
Sich Läuternder, du eilst als große Flut dahin, wie ein Held, bunt, über die Schafwollsiebe, mit dem Sieb; von den Männern mit den Händen geläutert, mit Steinen gepresst, tobst du zum großen, gewinnreichen Preis.
Labung und Kraft strömst du herbei, du Sich Läuternder, wie ein Falke setzt du dich in die Kelche auf die Hölzer [?]; für Indra, der süße, berauschende Rausch, gepresst, die nächste Stütze des Himmels, der Weitschauende.
Die sieben Schwestern, die Mütter, [jauchzen] hin zum Kind, dem neu Geborenen, Zeugungskräftigen, dem weise Erkennenden, dem Gandharva der Wasser, dem himmlischen, männerbeschauenden Soma, der du über die ganze Welt herrschst.
Als Herrscher eilst du durch diese Welten, die goldgelben, schön geflügelten (Rosse) anschirrend, Tropfen; diese sollen dir Honigreiches, Schmalz, Milch fließen lassen; in deinem Willensbereich, Soma, sollen die Menschenstämme stehen.
tvaṃ nṛcakṣā asi soma viśvataḥ pavamāna vṛṣabha tā vi dhāvasi / sa naḥ pavasva vasumad dhiraṇyavad vayaṃ syāma bhuvaneṣu jīvase
Du bist von überall Männerbeschauer, Soma; sich Läuternder, Stier, du strömst zu diesen; läutere dich uns so, güterreich, goldreich; wir wollen in den Welten zum Leben sein.
Rinderfindend, güterfindend, goldfindend läutere dich, Same-Setzer, Tropfen, in die Welten eingefügt; du bist mit guten Männern versehen, Soma, allwissend; bei dir, diesem, sitzen die Seher mit Lied [?].
un madhva ūrmirvananā atiṣṭhipadapo vasāno mahiṣo vi gāhate / rājā pavitraratho vājamāruhat sahasrabhṛṣṭirjayati śravo bṛhat
Die Welle des Honigs ist aufgestiegen, hat die Hölzer erstiegen, die Wasser anlegend [?]; der mächtige (Stier) taucht ein; als König, mit dem Seihtuch als Wagen, hat er den Kampfpreis bestiegen, mit tausend Glut(-Strahlen) gewinnt er hohen Ruhm.
Er lässt die frohen, nachkommenreichen (Rufe) aufsteigen, das ganze Leben, alle, gut tragend, Tag für Tag; Gebetsformel [?], nachkommenreichen Reichtum, rossreichen Besitz: getrunken, Tropfen, erbitte Indra für uns.
so agre ahnāṃ harirharyato madaḥ pra cetasā cetayate anudyubhiḥ / dvā janā yātayannantarīyate narā ca śaṃsaṃ daivyaṃ ca dhartari
Er, der Goldgelbe, begehrenswert, der Rausch, ist an der Spitze der Tage; mit Einsicht erweckt er, entlang der Tage; die beiden Menschenscharen führend, geht er dazwischen, die beiden Männer, und den göttlichen Spruch im Träger [?].
Sie salben, sie schmücken, sie salben ganz; den Willen lecken sie; sie salben ihn mit Honig; beim Aufatmen des Stroms, den fliegenden, spritzenden (Stier), fassen die Goldreiniger den Stier, das Tier, in diesen (Wassern) [?].
vipaścite pavamānāya gāyata mahī na dhārātyandho arṣati / ahirna jūrṇāmati sarpati tvacamatyo na krīḷannasarad vṛṣā hariḥ
Singt dem weisen Erkennenden, dem Sich Läuternden: wie ein großer Strom strömt er über die Nahrung hinaus; wie eine Schlange schlüpft er über die abgetragene Haut; wie ein Ross spielend, ist der Stier, der Goldgelbe, davongelaufen.
Der König geht voran, der Verwandte [?] erstarkt, Ausmesser der Tage, in die Welten eingefügt; der Goldgelbe, schmalztriefend, schönblickend, die Flut, mit Licht als Wagen läutert er sich zum Reichtum, der Heimische.
Freigelassen ist die Stütze, zum Himmel emporgestreckt, der Rausch; dreifältig strömt er um die Welten; den Spross lecken die Gedanken, den Bewundernswerten, wenn die Sänger mit Lied zum Gewand gegangen sind.
pra te dhārā atyaṇvāni meṣyaḥ punānasya saṃyato yantiraṃhayaḥ / yad gobhirindo camvoḥ samajyasa ā suvānaḥ soma kalaśeṣu sīdasi
Hervor gehen deine Ströme, des Sich Läuternden, über die feinen (Fäden) hinweg, die zusammengehaltenen, eilenden Schafwollgüsse [?]; wenn du dich mit den Rindern [Anm.: Milch] in den beiden Schalen vermischst, setzt du dich gepresst, Soma, in die Kelche.
pavasva soma kratuvin na ukthyo 'vyo vāre pari dhāva madhu priyam / jahi viśvān rakṣasa indo atriṇo bṛhad vadema vidathesuvīrāḥ
Läutere dich, Soma, willensfindend, für uns lobenswert; auf dem Haarsieb, im Schafwollsieb strömt herum, lieben Honig; erschlage alle Unholde, Tropfen, die Fresser; wir wollen bei der Zusammenkunft mit guten Männern hoch reden.