Kapitel 73: ṛgvede 9.73 · srakve drapsasya dhamataḥ samasvarannṛtasya yonā samarantanābhayaḥ
Rätsellied von den Soma-Läuterern, dem Sieb und der Ordnung
Dichte Rätselstrophen über die Läuterung des Soma im Sieb, das zugleich als Gewebe der Ordnung (ṛta) und als Netz Varuṇas erscheint; die Läuterer werden als Weise, Sänger und Feindvertreiber gezeichnet. Viele Stellen (Vers 1, 3, 4) sind lexikalisch unsicher; Ritual-, Kosmos- und Rede-Ebene laufen ineinander.
In den beiden Mundwinkeln [?] des blasenden Tropfens ließen sie zusammen ihren Klang erschallen, im Schoß der Ordnung kamen die Nabel[-Gefährten] [?] zusammen. / Drei Häupter hat jener Asura zum Ergreifen gemacht; die Schiffe der Wahrheit haben das Wohlgetane hinübergebracht. [Anm.: srakve und nābhayaḥ unsicher; die ‚drei Häupter‘ vermutlich die drei Soma-Pressungen/Weltbereiche – spekulativ.]
Ganz einmütig, zusammenstrebend haben sich die Büffel angetrieben [?]; auf der Woge des Stroms haben die Sehnsüchtigen [ihn] zum Beben gebracht. / Mit den Strömen des Honigtranks das Preislied erzeugend, ließen sie Indras liebe Gestalt wachsen.
Die Siebträger sitzen rings um die Rede; ihr uralter Vater behütet das Gebot. / Das große Meer hat Varuṇa verborgen; die Weisen vermochten es nur, an den Stützen [?] Hand anzulegen.
sahasradhāre 'va te samasvaran divo nāke madhujihvā asaścataḥ / asya spaśo na ni miṣanti bhūrṇayaḥ pade-pade pāśinaḥ santi setavaḥ
In das tausendströmige [Sieb] hinab strömten sie zusammen, im Firmament des Himmels, die Honigzüngigen, nicht Versiegenden. / Seine Späher schließen die Augen nicht, die Rastlosen; bei jedem Schritt gibt es Schlingen tragende Fesseln.
piturmāturadhyā ye samasvarannṛcā śocantaḥ sandahanto avratān / indradviṣṭāmapa dhamanti māyayā tvacamasiknīṃ bhūmano divas pari
Die von Vater und Mutter her mit dem Vers zusammen erklangen, glühend, die Gesetzlosen verbrennend, / blasen mit Zauberkraft die von Indra gehasste schwarze Haut weg von Erde und Himmel.
pratnān mānādadhyā ye samasvarañchlokayantrāso rabhasasya mantavaḥ / apānakṣāso badhirā ahāsata ṛtasya panthāṃ na taranti duṣkṛtaḥ
Aus dem alten Maß heraus, die zusammen erklangen, die Lobruf-Lenker, Denker des Ungestümen, / die augenlosen, tauben [Gegner] sind weggeblieben; den Weg der Ordnung überschreiten die Übeltäter nicht.
Im tausendströmigen, ausgespannten Sieb läutern die Dichter, die Denker, die Rede. / Wie Rudras [?] sind diese, rege, trugfrei, Späher, gut zugewandt, schön anzusehen, die Männer überschauen.
ṛtasya gopā na dabhāya sukratustrī ṣa pavitrā hṛdyantarā dadhe / vidvān sa viśvā bhuvanābhi paśyatyavājuṣṭān vidhyati karte avratān
Hüter der Ordnung, nicht zu betrügen, von gutem Vermögen: er hat drei Siebe innen im Herzen eingesetzt. / Wissend überschaut er alle Wesen; die Unbeliebten, die Gesetzlosen durchbohrt er [und stößt sie] in die Grube.
Der Faden der Ordnung ist im Sieb ausgespannt, an der Spitze der Zunge, durch Varuṇas Zauberkraft. / Auch die Weisen erreichten das, indem sie es erlangten; hier fällt der Ohnmächtige in die Grube hinab.