Ṛgveda · Maṇḍala 9
Kapitel 1: ṛgvede 9.1 · svādiṣṭhayā madiṣṭhayā pavasva soma dhārayā
Anruf an den fließenden Soma für Indra
Eröffnungslied des neunten Maṇḍala: Der gepresste, geläuterte Soma wird als Strahl durch das Seihtuch angerufen, für Indra zu fließen. Rätselhaft sind die Bildreden von den zehn Frauen bzw. Schwestern (vermutlich die Finger) und der Sonnentochter (vermutlich das Seihtuch), beides plausibel, nicht sicher.
svādiṣṭhayā madiṣṭhayā pavasva soma dhārayā / indrāya pātave sutaḥ
Mit dem süßesten, berauschendsten Strahl läutere dich, Soma, / gepresst, damit Indra trinke.
Wort für Wort svādiṣṭhayā mit dem süßesten (Instr. Sg. f.) madiṣṭhayā mit dem berauschendsten (Instr. Sg. f.) pavasva läutere dich, fließe klar (2. Sg. Imp. Med.) soma Soma (Vok.) dhārayā mit dem Strahl (Instr. Sg.) indrāya für Indra (Dat.) pātave zum Trinken (Inf. Dat.) sutaḥ gepresst (Nom. Sg. m.) rakṣohā viśvacarṣanirabhi yonimayohatam / druṇā sadhasthamāsadat
Der Unholdtöter, allen Menschen zugehörig, hat sich zum eisenbeschlagenen Schoß, / mit dem Holz(gefäß) auf den gemeinsamen Sitz gesetzt. [Anm.: ayohata = mit Eisen beschlagen; gemeint ist wohl das Gefäß oder der Sitz des Soma, plausibel.]
Wort für Wort rakṣaḥ-hā Unholde tötend (Nom. Sg. m.) viśva-carṣaṇiḥ allen Menschen zugehörig (Nom. Sg. m.) abhi hin, zu (Präverb) yonim Schoß (Akk. Sg.) ayaḥ-hatam eisenbeschlagen (Akk. Sg.) druṇā mit dem Holz (Instr. Sg.) sadha-stham gemeinsamer Sitz (Akk. Sg.) ā hin (Präverb) asadat hat sich gesetzt (3. Sg. Aor.) varivodhātamo bhava maṃhiṣṭho vṛtrahantamaḥ / parṣi rādhomaghonām
Werde der, der am meisten Weite schafft, / der Freigebigste, der beste Vṛtra-Töter; / du bringst die Gaben der Gabenherren ans Ziel [?].
Wort für Wort varivaḥ-dhātamaḥ am meisten Weite/Raum schaffend (Nom. Sg. m.) bhava werde (2. Sg. Imp.) maṃhiṣṭhaḥ freigebigster (Nom. Sg. m.) vṛtrahan-tamaḥ bester Vṛtra-Töter (Nom. Sg. m.) parṣi du führst hinüber, bringst ans Ziel (2. Sg.) [?] rādhaḥ Gabe, Gunst (Akk. Sg.) maghonām der Gabenherren (Gen. Pl.) abhyarṣa mahānāṃ devānāṃ vītimandhasā / abhi vājamuta śravaḥ
Ström hin zum Genuss der großen göttlichen Mächte mit dem Saft, / ström hin zu Kraftgewinn und auch zu Ruhm.
Wort für Wort abhi hin (Präverb) arṣa ström (2. Sg. Imp.) mahānām der großen (Gen. Pl.) devānām der Götter, göttlichen Mächte (Gen. Pl.) vītim Genuss, Labsal (Akk. Sg.) andhasā mit dem Saft (Instr. Sg.) abhi hin (Präverb) vājam Kraftgewinn, Preis (Akk. Sg.) uta und auch (Partikel) śravaḥ Ruhm (Akk. Sg.) tvāmachā carāmasi tadidarthaṃ dive-dive / indo tve na āśasaḥ
Auf dich zu gehen wir, / eben diesem Ziel zu, Tag für Tag; / o Tropfen, in dir liegen unsere Hoffnungen.
Wort für Wort tvām dich (Akk. Sg.) accha hin zu (Adv.) carāmasi wir gehen (1. Pl.) tat eben dieses (Akk. Sg. n.) it eben, gerade (Partikel) artham Ziel, Zweck (Akk. Sg.) dive-dive Tag für Tag (Adv.) indo iti o Tropfen (Vok.) tve iti in dir (Lok.) naḥ unsere (Gen./Akk. Pl.) āśasaḥ Hoffnungen, Wünsche (Nom. Pl.) punāti te parisrutaṃ somaṃ sūryasya duhitā / vāreṇa śaśvatā tanā
Es läutert deinen ringsum fließenden Soma die Tochter der Sonne / durch das Haarsieb, durch das beständige Gewebe [?]. [Anm.: Sonnentochter = wohl das Seihtuch, plausibel.]
Wort für Wort punāti läutert (3. Sg.) te dein, dir (Gen./Dat. Sg.) pari-srutam ringsum fließend (Akk. Sg. m.) somam Soma (Akk. Sg.) sūryasya der Sonne (Gen. Sg.) duhitā Tochter (Nom. Sg.) vāreṇa mit dem Haarsieb (Instr. Sg.) śaśvatā beständig (Instr. Sg.) tanā mit dem Gespinst, Faden (Instr. Sg.) [?] tamīmaṇvīḥ samarya ā gṛbhṇanti yoṣaṇo daśa / svasāraḥ pārye divi
Ihn ergreifen im Wettstreit die feinen, die zehn Frauen, / die Schwestern, am hinüberführenden Tag [?]. [Anm.: zehn Frauen = wohl die Finger, plausibel.]
Wort für Wort tam ihn (Akk. Sg.) īm eben (Partikel) aṇvīḥ feine, zarte (Nom. Pl. f.) sa-marye im Wettstreit, in der Zusammenkunft (Lok. Sg.) ā hin (Präverb) gṛbhṇanti ergreifen (3. Pl.) yoṣaṇaḥ Frauen (Nom. Pl.) daśa zehn svasāraḥ Schwestern (Nom. Pl.) pārye hinüberführend, zum Ziel führend (Lok. Sg.) [?] divi am Tag, im Himmel (Lok. Sg.) tamīṃ hinvantyagruvo dhamanti bākuraṃ dṛtim / tridhātu vāraṇaṃ madhu
Ihn treiben die Finger an, / sie blasen den dröhnenden Schlauch [?]; / den dreifachen, abwehrenden [?] Süßtrank.
Wort für Wort tam ihn (Akk. Sg.) īm eben (Partikel) hinvanti treiben an (3. Pl.) agruvaḥ Finger (Nom. Pl.) dhamanti blasen (3. Pl.) bākuram dröhnend, tönend (Akk. Sg.) [?] dṛtim Schlauch, Balg (Akk. Sg.) tri-dhātu dreiteilig, dreifach (Akk. Sg.) vāraṇam abwehrend, Widerstand [?] (Akk. Sg.) madhu Süßtrank, Honig (Akk. Sg.) abhīmamaghnyā uta śrīṇanti dhenavaḥ śiśum / somamindrāya pātave
Auch mischen die unantastbaren Kühe, die Milchkühe, / diesen Jungen, den Soma, für Indra zum Trinken [an]. [Anm.: Milchmischung als Zusatz zum Soma; Kühe hier wörtlich als Milchspenderinnen, Bildrede plausibel.]
Wort für Wort abhi hinzu (Präverb) imam diesen (Akk. Sg.) aghnyāḥ unantastbare (Nom. Pl. f.) uta auch, und (Partikel) śrīṇanti mischen (3. Pl.) dhenavaḥ Milchkühe (Nom. Pl.) śiśum Kind, Junges (Akk. Sg.) somam Soma (Akk. Sg.) indrāya für Indra (Dat.) pātave zum Trinken (Inf. Dat.) asyedindro madeṣvā viśvā vṛtrāṇi jighnate / śūro maghā ca maṃhate
Eben in dessen Rauschzuständen schlägt Indra alle Widerstände nieder; / der Held teilt auch Gaben reichlich aus.
Wort für Wort asya dessen (Gen. Sg.) it eben (Partikel) indraḥ Indra (Nom.) madeṣu in den Rauschzuständen (Lok. Pl.) ā hin (Präverb) viśvā alle (Akk. Pl. n.) vṛtrāṇi Widerstände, Vṛtra-Wesen (Akk. Pl.) jighnate schlägt nieder (3. Sg. Med.) śūraḥ Held (Nom. Sg.) maghā Gaben (Akk. Pl.) ca und (Partikel) maṃhate schenkt reichlich (3. Sg. Med.)
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