Kapitel 112: ṛgvede 9.112 · nānānaṃ vā u no dhiyo vi vratāni janānām
Jeder sucht anderes, Soma ström für Indra
Bekanntes Lied der verschiedenen Berufe und Begehren (Zimmermann, Arzt, Priester, Schmied, Sänger, Ross, Frosch), jeweils mit dem Refrain 'für Indra, Indu, ström ringsum'. Schwierig: der ellipsenreiche Satzbau (fehlendes Subjekt in 9.112.2) sowie hasanām upamantriṇaḥ und bhedau in 9.112.4.
nānānaṃ vā u no dhiyo vi vratāni janānām / takṣā riṣṭaṃ rutaṃ bhiṣag brahmā sunvantamichatīndrāyendo pari srava
Verschiedenartig sind ja unsere Gedanken, auseinanderlaufend die Bestrebungen der Leute: der Zimmermann sucht das Beschädigte, der Arzt das Gebrochene, der Brahman(-Priester) einen, der Soma presst. Für Indra, Indu, ström ringsum.
jaratībhiroṣadhībhiḥ parṇebhiḥ śakunānām / kārmāro aśmabhirdyubhirhiraṇyavantamichatīndrāyendo pari srava
Mit den altgewordenen Kräutern, mit den Federn der Vögel, mit Steinen, mit Glühendem [?] sucht der Schmied den Goldbesitzenden. Für Indra, Indu, ström ringsum. [Anm.: Der Satz hat wohl mehrere Subjekte, die zu ergänzen sind (Arzt mit Kräutern, Pfeilmacher mit Federn, Schmied mit Steinen); Ergänzung plausibel, nicht sicher.]
Wort für Wort
jaratībhiḥ
mit den altgewordenen, alten (Instr. Pl. f.)
oṣadhībhiḥ
mit den Kräutern (Instr. Pl.)
parṇebhiḥ
mit Federn, Blättern (Instr. Pl.)
śakunānām
der Vögel (Gen. Pl.)
kārmāraḥ
Schmied (Nom. Sg.)
aśma-bhiḥ
mit Steinen (Instr. Pl.)
dyu-bhiḥ
mit Glühendem, Himmlischem, Tagen [?] (Instr. Pl.)
kārurahaṃ tato bhiṣagupalaprakṣiṇī nanā / nānādhiyovasūyavo 'nu gā iva tasthimendrāyendo pari srava
Ein Sänger bin ich, der Vater (ist) Arzt, die Mutter Getreide auf dem Stein Mahlende, (wir) verschieden; mit verschiedenen Absichten, nach Gütern begehrend, sind wir wie den Kühen hinterher(gegangen). Für Indra, Indu, ström ringsum.
Wort für Wort
kāruḥ
Sänger, Dichter (Nom. Sg.)
aham
ich (Nom. Sg.)
tataḥ
Vater, Papa (Nom. Sg.)
bhiṣak
Arzt (Nom. Sg.)
upala-prakṣiṇī
Getreide auf dem Stein mahlend/streuend (Nom. Sg. f.)
nanā
verschieden (Adv./Nom.)
nānādhiyaḥ
mit verschiedenen Absichten (Nom. Pl. m.)
vasu-yavaḥ
nach Gütern begehrend (Nom. Pl. m.)
anu
hinterher (Präp.)
gāḥ-iva
wie Kühe (Akk. Pl. + iva)
tasthima
wir haben uns gestellt, sind nachgegangen (Perf. 1. Pl.)
Das Ross, der Zieher, (sucht) den leichtlaufenden Wagen, die Lachende [?] suchen die Werber; das Glied (sucht) die beiden behaarten Spalten [?], nur Wasser sucht der Frosch. Für Indra, Indu, ström ringsum. [Anm.: hasanām upamantriṇaḥ und bhedau sind unklar; die Deutung auf geschlechtliches Begehren ist plausibel, aber nicht sicher; der Bezug von icchati auf alle Glieder ist Ergänzung.]