Quellen der Menschheit

Rāmāyaṇa · Ayodhyākāṇḍa

Sarga 10: Daśaratha Kaikeyī Sāntvanam Daśaratha findet Kaikeyī im Zorngemach und schwört ihr, jeden Wunsch zu erfüllen

vidarśitā yadā devī kubjayā pāpayā bhṛśam / tadā śete sma sā bhūmau digdhaviddheva kinnarī

Als die Herrin von der bösen Buckligen so heftig aufgestachelt worden war, da lag sie auf dem Boden, wie eine mit Gift getroffene Kinnarī.

Wort für Wort
vidarśitā yadā devī
als die Herrin aufgestachelt worden war
kubjayā pāpayā bhṛśam
von der bösen Buckligen heftig
tadā śete sma sā bhūmau
da lag sie auf dem Boden
digdha-viddhā iva kinnarī
wie eine mit Gift getroffene Kinnarī

niścitya manasā kṛtyam sā samyagiti bhāminī / mantharāyai śvaḥ sarvamāccakṣe vicakṣaṇā

Nachdem sie im Herzen ihr Vorhaben als richtig entschieden hatte, teilte die kluge Zornige der Mantharā alles [für morgen] mit.

Wort für Wort
niścitya manasā kṛtyam
nachdem sie im Herzen das Vorhaben entschieden hatte
sā samyak iti bhāminī
sie, die Zornige, als richtig
mantharāyai śvaḥ sarvam
der Mantharā alles für morgen
ācakṣe vicakṣaṇā
teilte die Kluge mit

sā dīnā niścayaṃ kṛtvā mantharāvākyamohitā / nāgakanyeva niḥsvasya dīrghamuṣṇaṃ ca bhāminī / muhūrtaṃ cintayāmāsa mārgamātmasukhāvaham

Sie, elend, ihren Entschluss gefasst, von Mantharās Wort betört, seufzte lang und heiß wie ein Schlangenmädchen und sann, die Zornige, einen Augenblick über einen Weg nach, der ihr selbst Glück bringen würde.

Wort für Wort
sā dīnā niścayam kṛtvā
sie, elend, den Entschluss gefasst
manthara-vākya-mohitā
von Mantharās Wort betört
nāga-kanyā iva niḥśvasya
wie ein Schlangenmädchen seufzend
dīrgham uṣṇam ca bhāminī
lang und heiß, die Zornige
muhūrtam cintayāmāsa mārgam
sann einen Augenblick über einen Weg nach
ātma-sukha-āvaham
der ihr selbst Glück bringen würde

sā suhṛccārthakāmā ca taṃ niśamya suniścayam / babhūva paramaprītā siddhiṃ prāpyeva mantharā

Sie, Mantharā, die Freundin, ganz auf ihren Vorteil bedacht, wurde, als sie diesen festen Entschluss vernahm, höchst erfreut, als hätte sie ihr Ziel erreicht.

Wort für Wort
sā suhṛt ca artha-kāmā ca
sie, die Freundin, auf Vorteil bedacht
tam niśamya su-niścayam
diesen festen Entschluss vernehmend
babhūva parama-prītā
wurde höchst erfreut
siddhim prāpya iva manthara
als hätte Mantharā ihr Ziel erreicht

atha sā ruṣitā devī samyakkṛtvā viniścayam / saṃviveśābalā bhūmau niveśya bhṛkuṭiṃ mukhe

Dann legte sich die zürnende Herrin, nachdem sie ihren Entschluss fest gefasst hatte, schwach auf den Boden, die Stirn in Falten gezogen.

Wort für Wort
atha sā ruṣitā devī
dann die zürnende Herrin
samyak kṛtvā viniścayam
nachdem sie den Entschluss fest gefasst hatte
saṃviveśa abalā bhūmau
legte sich schwach auf den Boden
niveśya bhṛkuṭim mukhe
die Stirn in Falten gezogen

tataścitrāṇi mālyāni divyānyābharaṇāni ca / apaviddhāni kaikeyyā tāni bhūmiṃ prapedire

Da fielen die bunten Girlanden und göttlichen Schmuckstücke, von Kaikeyī abgeworfen, zu Boden.

Wort für Wort
tataḥ citrāṇi mālyāni
da die bunten Girlanden
divyāni ābharaṇāni ca
und göttlichen Schmuckstücke
apaviddhāni kaikeyyā
von Kaikeyī abgeworfen
tāni bhūmim prapedire
fielen sie zu Boden

tayā tānyapaviddhāni mālyānyābharaṇāni ca / aśobhayanta vasudhāṃ nakṣatrāṇi yathā nabhaḥ

Jene von ihr abgeworfenen Girlanden und Schmuckstücke schmückten den Boden, wie die Sterne den Himmel.

Wort für Wort
tayā tāni apaviddhāni
die von ihr abgeworfenen
mālyāni ābharaṇāni ca
Girlanden und Schmuckstücke
aśobhayanta vasudhām
schmückten den Boden
nakṣatrāṇi yathā nabhaḥ
wie die Sterne den Himmel

krodhāgāre nipatitā sā babhau malināmbarā / ekaveṇīṃ dṛḍhaṃ baddhvā gatasattveva kinnarī

Im Zorngemach niedergesunken, in schmutzigem Gewand, den Haarzopf fest gebunden, erschien sie wie eine leblose Kinnarī.

Wort für Wort
krodha-agāre nipatitā
im Zorngemach niedergesunken
sā babhau malina-ambarā
erschien sie in schmutzigem Gewand
eka-veṇīm dṛḍham baddhvā
den einen Zopf fest gebunden
gata-sattvā iva kinnarī
wie eine leblose Kinnarī

ājñāpya tu mahārājo rāghavasyābhiṣecanam / upasthāsamanujñāpya praviveśa niveśanam

Nachdem der Großkönig aber Rāghavas Weihe angeordnet und die Aufwartungen entlassen hatte, betrat er sein Gemach.

Wort für Wort
ājñāpya tu mahārājaḥ
nachdem der Großkönig angeordnet hatte
rāghavasya abhiṣecanam
Rāghavas Weihe
upasthān samanujñāpya
die Aufwartungen entlassend
praviveśa niveśanam
betrat er sein Gemach

adya rāmābhiṣeko vai prasiddha iti jajñivān / priyārhaṃ priyamākhyātuṃ viveśāntaḥpuraṃ vaśī

Da er wusste, dass Rāmas Weihe nun endgültig festgesetzt war, betrat er, der Selbstbeherrschte, das Frauengemach, um der der Freude Würdigen die frohe Botschaft zu verkünden.

Wort für Wort
adya rāma-abhiṣekaḥ vai
dass heute Rāmas Weihe
prasiddhaḥ iti jajñivān
endgültig festgesetzt ist, wissend
priya-arham priyam ākhyātum
um der der Freude Würdigen Erfreuliches zu verkünden
viveśa antaḥpuram vaśī
betrat der Selbstbeherrschte das Frauengemach

sa kaikeyyā gṛhaṃ śreṣṭhaṃ praviveśa mahāyaśāḥ / pāṇḍurābhramivākāśaṃ rāhuyuktaṃ niśākaraḥ

Er, der hochberühmte König, betrat Kaikeyīs prächtiges Haus, wie der Mond eine weiße Wolke am Himmel betritt, die von Rāhu ergriffen ist.

Wort für Wort
sa kaikeyyā gṛham śreṣṭham
er Kaikeyīs prächtiges Haus
praviveśa mahāyaśāḥ
betrat der Hochberühmte
pāṇḍura-abhram iva ākāśam
wie eine weiße Wolke am Himmel
rāhu-yuktam niśākaraḥ
von Rāhu ergriffen, der Mond

śukabarhiṇasaṃyuktaṃ krauñcahaṃsarutāyutam / vāditraravasaṃghuṣṭaṃ kubjāvāmanikāyutam

Das Haus, erfüllt von Papageien und Pfauen, vom Ruf der Kraniche und Schwäne belebt, vom Klang der Musikinstrumente widerhallend, von Buckligen und Zwerginnen bevölkert,

Wort für Wort
śuka-barhiṇa-saṃyuktam
erfüllt von Papageien und Pfauen
krauñca-haṃsa-ruta-āyutam
vom Ruf der Kraniche und Schwäne belebt
vāditra-rava-saṃghuṣṭam
vom Klang der Musikinstrumente widerhallend
kubjā-vāmanikā-yutam
von Buckligen und Zwerginnen bevölkert

latāgṛhaiścitragṛhaiścampakāśokaśobhitaiḥ / dāntarājata sauvarṇavedikābhissamāyutam

mit Lauben aus Schlingpflanzen und Bildergemächern, geschmückt mit Campaka- und Aśoka-Bäumen, ausgestattet mit Terrassen aus Elfenbein, Silber und Gold,

Wort für Wort
latā-gṛhaiḥ citra-gṛhaiḥ
mit Rankenlauben und Bildergemächern
campaka-aśoka-śobhitaiḥ
geschmückt mit Campaka und Aśoka
dānta-rājata-sauvarṇa
aus Elfenbein, Silber und Gold
vedikābhiḥ samāyutam
mit Terrassen ausgestattet

nityapuṣpaphalairvṛkṣairvāpībhiścopaśobhitam / dāntarājatasauvarṇaiḥ saṃvṛtaṃ paramāsanaiḥ

geschmückt mit immer blühenden und fruchttragenden Bäumen und Teichen, ausgestattet mit vorzüglichen Sitzen aus Elfenbein, Silber und Gold,

Wort für Wort
nitya-puṣpa-phalaiḥ vṛkṣaiḥ
mit immer blühenden und fruchttragenden Bäumen
vāpībhiḥ ca upaśobhitam
und mit Teichen geschmückt
dānta-rājata-sauvarṇaiḥ
aus Elfenbein, Silber und Gold
saṃvṛtam parama-āsanaiḥ
ausgestattet mit vorzüglichen Sitzen

vividhairannapānaiśca bhakṣyaiśca vividhairapi / upapannaṃ mahārhaiśca bhūṣitaistridivopamam

versehen mit mancherlei Speisen und Getränken und mancherlei Genussmitteln, geschmückt mit kostbarem Schmuck, dem dritten Himmel gleich –

Wort für Wort
vividhaiḥ anna-pānaiḥ ca
mit mancherlei Speisen und Getränken
bhakṣyaiḥ ca vividhaiḥ api
und mancherlei Genussmitteln
upapannam mahārhaiḥ ca
versehen und mit kostbarem
bhūṣitaiḥ tridiva-upamam
Schmuck geschmückt, dem dritten Himmel gleich

tatpraviśya mahārājaḥ svamantaḥpuramṛddhimat / na dadarśa priyāṃ rājā kaikeyīṃ śayanottame

dieses sein prächtiges Frauengemach betretend, sah der Großkönig seine geliebte Kaikeyī nicht auf dem vorzüglichen Lager.

Wort für Wort
tat praviśya mahārājaḥ
dies betretend, der Großkönig
svam antaḥpuram ṛddhimat
sein prächtiges Frauengemach
na dadarśa priyām rājā
sah der König die geliebte nicht
kaikeyīm śayana-uttame
Kaikeyī auf dem vorzüglichen Lager

sa kāmabalasaṃyukto ratyarthaṃ manujādhipaḥ / apaśyan dayitāṃ bhāryāṃ papraccha viṣasāda ca

Er, von der Macht der Liebe erfüllt, der Herrscher der Menschen, in Verlangen nach ihr, erblickte seine geliebte Gattin nicht, fragte und geriet in Bestürzung.

Wort für Wort
sa kāma-bala-saṃyuktaḥ
er, von der Macht der Liebe erfüllt
ratya-artham manuja-adhipaḥ
aus Verlangen, der Herrscher der Menschen
apaśyan dayitām bhāryām
seine geliebte Gattin nicht erblickend
papraccha viṣasāda ca
fragte er und geriet in Bestürzung

na hī tasya purā devī tāṃ velāmatyavartata / na ca rājā gṛhaṃ śūnyaṃ praviveśa kadācana

Denn niemals zuvor hatte die Herrin diese Stunde versäumt, und niemals hatte der König ein leeres Haus betreten.

Wort für Wort
na hi tasya purā devī
denn niemals zuvor die Herrin
tām velām atyavartata
hatte diese Stunde versäumt
na ca rājā gṛham śūnyam
und niemals der König ein leeres Haus
praviveśa kadācana
betreten

tato gṛhagato rājā kaikeyīṃ paryapṛcchata / yathāpuramavijñāya svārthalipsumapaṇḍitām

Darauf, im Haus angelangt, fragte der König nach Kaikeyī, ohne zu ahnen, dass sie, unklug, nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht war.

Wort für Wort
tataḥ gṛha-gataḥ rājā
darauf, im Haus angelangt, der König
kaikeyīm paryapṛcchata
fragte nach Kaikeyī
yathā puram avijñāya
ohne zu ahnen, wie zuvor
sva-artha-lipsum apaṇḍitām
dass sie unklug nur auf eigenen Vorteil aus war

pratīhārī tvathovāca saṃtrastā tu kṛtāñjaliḥ / deva devī bhṛśaṃ kṛddhā krodhāgāramabhidrutā

Die Türhüterin aber sprach, erschrocken, mit gefalteten Händen: 'Herr, die Herrin ist heftig erzürnt und ins Zorngemach geeilt.'

Wort für Wort
pratīhārī tu atha uvāca
die Türhüterin aber sprach dann
saṃtrastā tu kṛtāñjaliḥ
erschrocken, mit gefalteten Händen
deva devī bhṛśam kruddhā
Herr, die Herrin ist heftig erzürnt
krodha-agāram abhidrutā
und ins Zorngemach geeilt

pratīhāryā vacaḥ śrutvā rājā paramadurmanāḥ / viṣasāda punarbhūyo lulitavyākulendriyaḥ

Als er das Wort der Türhüterin vernahm, geriet der König, höchst betrübt, abermals in Bestürzung, seine Sinne verwirrt und aufgewühlt.

Wort für Wort
pratīhāryāḥ vacaḥ śrutvā
der Türhüterin Wort vernehmend
rājā parama-durmanāḥ
der König, höchst betrübt
viṣasāda punaḥ bhūyaḥ
geriet abermals in Bestürzung
lulita-vyākula-indriyaḥ
seine Sinne verwirrt und aufgewühlt

tatratāṃ patitāṃ bhūmau śayānāmatathocitām / pratapta iva duḥkhena so.apaśyajjagatīpatiḥ

Dort erblickte der Herrscher der Welt sie, wie von Schmerz versengt, auf dem Boden liegend, in einem ihr sonst nicht angemessenen Zustand.

Wort für Wort
tatra tām patitām bhūmau
dort sie, auf den Boden gefallen
śayānām atathā-ucitām
liegend, in unangemessenem Zustand
praptaptaḥ iva duḥkhena
wie von Schmerz versengt
saḥ apaśyat jagatī-patiḥ
erblickte sie der Herrscher der Welt

sa vṛddhastaruṇīṃ bhāryāṃ prāṇebhyo.api garīyasīm / apāpaḥ pāpasaṅkalpāṃ dadarśa dharaṇītale

Er, der Alte, erblickte seine junge Gattin, ihm teurer als das Leben, arglos, obwohl sie böse Absichten hegte, auf dem Erdboden.

Wort für Wort
sa vṛddhaḥ taruṇīm bhāryām
er, der Alte, die junge Gattin
prāṇebhyaḥ api garīyasīm
ihm teurer als das Leben
apāpaḥ pāpa-saṅkalpām
arglos, sie mit bösen Absichten
dadarśa dharaṇī-tale
erblickte er auf dem Erdboden

latāmiva viniṣkṛttāṃ patitāṃ devatāmiva / kinnarīmiva nirdhūtāṃ cyutāmapsarasaṃ yathā

Wie eine abgeschnittene Ranke, wie eine gefallene Gottheit, wie eine verstoßene Kinnarī, wie eine gestürzte Apsaras –

Wort für Wort
latām iva viniṣkṛttām
wie eine abgeschnittene Ranke
patitām devatām iva
wie eine gefallene Gottheit
kinnarīm iva nirdhūtām
wie eine verstoßene Kinnarī
cyutām apsarasam yathā
wie eine gestürzte Apsaras

māyāmiva paribhraṣṭāṃ hariṇīmiva saṃyatām / kreṇumiva digdhena viddhāṃ mṛgayunā vane

wie ein entschwundener Zauber, wie eine gefesselte Hirschkuh, wie eine junge Hirschkuh, von einem Jäger mit vergifteten Pfeilen im Wald getroffen –

Wort für Wort
māyām iva paribhraṣṭām
wie ein entschwundener Zauber
hariṇīm iva saṃyatām
wie eine gefesselte Hirschkuh
kreṇum iva digdhena
wie eine junge Hirschkuh mit vergiftetem [Pfeil]
viddhām mṛgayunā vane
getroffen von einem Jäger im Wald

mahāgaja iva araṇye snehātparimamarśa tām / parimṛśya ca pāṇibhyāmabhisaṃtrastacetanaḥ

wie ein großer Elefant im Wald, streichelte er sie zärtlich; und nachdem er sie mit beiden Händen berührt hatte, sein Geist von Angst erfüllt,

Wort für Wort
mahā-gajaḥ iva araṇye
wie ein großer Elefant im Wald
snehāt parimamarśa tām
berührte er sie zärtlich
parimṛśya ca pāṇibhyām
und mit beiden Händen berührend
abhisaṃtrasta-cetanaḥ
sein Geist von Angst erfüllt

kāmī kamalapatrākṣīmuvāca vanitāmidam / na te.ahamabhijānāmi krodhamātmani saṃśritam

sprach er, der Liebende, zu der Frau mit den lotusblattgleichen Augen dieses: 'Ich verstehe nicht, welcher Zorn sich in dir eingenistet hat.'

Wort für Wort
kāmī kamala-patra-akṣīm
der Liebende zu der Lotusblatt-Äugigen
uvāca vanitām idam
sprach zu der Frau dieses
na te aham abhijānāmi
ich verstehe nicht
krodham ātmani saṃśritam
welcher Zorn sich in dir eingenistet hat

devi kenābhiśaptāsi kena vāsi vimānitā / yadidaṃ mama duḥkhāya śeṣe kalyāṇi pāṃsuṣu

'Herrin, von wem bist du verflucht, oder von wem bist du beleidigt worden, dass du, mir zum Schmerz, im Staub liegst, du Glückliche?'

Wort für Wort
devi kena abhiśaptā asi
Herrin, von wem bist du verflucht
kena vā asi vimānitā
oder von wem beleidigt
yat idam mama duḥkhāya
dass mir zum Schmerz
śeṣe kalyāṇi pāṃsuṣu
du im Staub liegst, Glückliche

bhūmau śeṣe kimarthaṃ tvaṃ mayi kalyāṇacetasi / bhūtopahatacitteva mama cittapramāthinī

'Warum liegst du auf dem Boden, obwohl ich dir wohlgesinnt bin, wie eine von einem Geist Besessene, du, die mein Herz aufwühlt?'

Wort für Wort
bhūmau śeṣe kim-artham tvam
warum liegst du auf dem Boden
mayi kalyāṇa-cetasi
obwohl ich dir wohlgesinnt bin
bhūta-upahata-cittā iva
wie von einem Geist Besessene
mama citta-pramāthinī
du, die mein Herz aufwühlt

santi me kuśalā vaidyāstvabhituṣṭāśca sarvaśaḥ / sukhitāṃ tvāṃ kariṣyanti vyādhimācakṣva bhāmini

'Ich habe geschickte Ärzte, mir stets ergeben; sie werden dich gesund machen – nenne mir deine Krankheit, du Zürnende.'

Wort für Wort
santi me kuśalāḥ vaidyāḥ
ich habe geschickte Ärzte
abhituṣṭāḥ ca sarvaśaḥ
mir ganz ergeben
sukhitām tvām kariṣyanti
sie werden dich gesund machen
vyādhim ācakṣva bhāmini
nenne die Krankheit, du Zürnende

kasya vā te priyaṃ kāryaṃ kena vā vipriyaṃ kṛtam / kaḥ priyaṃ labhatāmadya ko vā sumahadapriyam

'Wem soll ich zuliebe etwas Erfreuliches tun, oder wer hat dir etwas Unerfreuliches angetan? Wer soll heute Gunst erlangen, oder wer großes Missgeschick?'

Wort für Wort
kasya vā te priyam kāryam
wem zuliebe soll ich Erfreuliches tun
kena vā vipriyam kṛtam
oder wer hat Unerfreuliches getan
kaḥ priyam labhatām adya
wer soll heute Gunst erlangen
ko vā su-mahat apriyam
oder wer großes Missgeschick

mā rodīrmā ca kārṣistvaṃ devi saṃpariśoṣaṇam / avadhyo vadhyatāṃ ko vā ko vā vadhyo vimucyatām

'Weine nicht, und quäle dich nicht so ab, o Herrin! Wer, obwohl unschuldig, soll getötet werden, oder wer, der schuldig ist, freigelassen werden?'

Wort für Wort
mā rodīḥ mā ca kārṣīḥ tvam
weine nicht, und tu nicht
devi saṃpariśoṣaṇam
o Herrin, das Sich-Verzehren
avadhyaḥ vadhyatām ko vā
wer, unschuldig, soll getötet werden
ko vā vadhyaḥ vimucyatām
oder wer, schuldig, freigelassen werden

daridraḥ ko bhavedāḍhyo dravyavānvāpyakiñcanaḥ / ahaṃ caiva madīyāśca sarve tava vaśānugāḥ

'Wer, arm, soll reich werden, oder wer, reich, mittellos? Denn ich selbst und alle die Meinen sind dir untertan.'

Wort für Wort
daridraḥ kaḥ bhavet āḍhyaḥ
wer, arm, soll reich werden
dravyavān vā api akiñcanaḥ
oder reich, mittellos
aham ca eva madīyāḥ ca
denn ich selbst und die Meinen
sarve tava vaśānugāḥ
alle dir untertan

na te kiṃcidabhiprāyaṃ vyāhantumahamutsahe / ātmano jīvitenāpi bruhi yanmanasecchasi

'Keinen deiner Wünsche werde ich vereiteln, und sei es mit meinem eigenen Leben – sage, was dein Herz begehrt.'

Wort für Wort
na te kiñcit abhiprāyam
keinen deiner Wünsche
vyāhantum aham utsahe
werde ich zu vereiteln wagen
ātmanaḥ jīvitena api
und sei es mit meinem eigenen Leben
brūhi yat manasā icchasi
sage, was du im Herzen begehrst

balamātmani jānantī na māṃ śaṅkitumarhasi / kariṣyāmi tava prītiṃ sukṛtenāpi te śape

'Da du meine Macht kennst, brauchst du an mir nicht zu zweifeln; ich werde deine Freude bewirken, das schwöre ich dir bei meinen guten Taten.'

Wort für Wort
balam ātmani jānantī
meine Macht kennend
na mām śaṅkitum arhasi
brauchst du an mir nicht zu zweifeln
kariṣyāmi tava prītim
ich werde deine Freude bewirken
sukṛtena api te śape
bei meinen guten Taten schwöre ich dir

yāvadāvarta te cakraṃ tāvatī me vasundharā / prācīnāḥ sindhusauvīrāḥ saurāṣṭrā dakṣiṇāpathāḥ

'So weit mein Herrscherrad reicht, so weit erstreckt sich meine Erde – die östlichen Länder, Sindhu und Sauvīra, Saurāṣṭra und die Länder des Südens,'

Wort für Wort
yāvat āvarte cakram
so weit mein Rad sich dreht
tāvatī me vasundharā
so weit reicht meine Erde
prācīnāḥ sindhu-sauvīrāḥ
die östlichen, Sindhu und Sauvīra
saurāṣṭrāḥ dakṣiṇāpathāḥ
Saurāṣṭra und die Südländer

vaṅgāṅgamagadhā matsyāḥ samṛddhāḥ kāśikosalāḥ / tatra jātaṃ bahudravyaṃ dhanadhānya majāvikam

'Vaṅga, Aṅga, Magadha, Matsya, die reichen Kāśi und Kosala – was dort an vielerlei Gütern entsteht, an Reichtum, Getreide, Ziegen und Schafen,'

Wort für Wort
vaṅga-aṅga-magadhāḥ matsyāḥ
Vaṅga, Aṅga, Magadha, Matsya
samṛddhāḥ kāśi-kosalāḥ
die reichen Kāśi und Kosala
tatra jātam bahu-dravyam
was dort an vielen Gütern entsteht
dhana-dhānyam aja-avikam
an Reichtum, Getreide, Ziegen und Schafen

tato vṛṇīṣva kaikeyi yadyattvaṃ manasecchasi / kimāyāsena te bhīru uttiṣṭottiṣṭa śobhane

'daraus wähle, Kaikeyī, was immer dein Herz begehrt. Wozu diese Anstrengung, Furchtsame? Steh auf, steh auf, Schöne!'

Wort für Wort
tataḥ vṛṇīṣva kaikeyi
daraus wähle, Kaikeyī
yat yat tvam manasā icchasi
was immer dein Herz begehrt
kim āyāsena te bhīru
wozu diese Anstrengung, Furchtsame
uttiṣṭha uttiṣṭha śobhane
steh auf, steh auf, Schöne

tatvaṃ me brūhi kaikeyi yataste bhayamāgatam / tatte vyapanayiṣyāmi nīharamiva raśmivān

'Sage mir also, Kaikeyī, woher dir die Furcht gekommen ist; ich werde sie von dir vertreiben, wie die Sonne den Nebel.'

Wort für Wort
tat tvam me brūhi kaikeyi
also sage mir, Kaikeyī
yataḥ te bhayam āgatam
woher dir die Furcht gekommen ist
tat te vyapanayiṣyāmi
ich werde sie von dir vertreiben
nīharam iva raśmivān
wie die Sonne den Nebel

tathoktā sā samāsvastā vaktukāmā tadapriyam / paripīḍayituṃ bhūyo bhartāramupacakrame

So angesprochen, ein wenig getröstet, doch begierig, jene unerfreuliche Bitte auszusprechen, begann sie, ihren Gemahl noch weiter zu quälen.

Wort für Wort
tathā uktā sā samāsvastā
so angesprochen, ein wenig getröstet
vaktu-kāmā tat apriyam
begierig, jenes Unerfreuliche auszusprechen
paripīḍayitum bhūyaḥ
um noch mehr zu quälen
bhartāram upacakrame
begann sie beim Gemahl

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