Rāmāyaṇa · Ayodhyākāṇḍa
Sarga 10: Daśaratha Kaikeyī Sāntvanam
Daśaratha findet Kaikeyī im Zorngemach und schwört ihr, jeden Wunsch zu erfüllen
vidarśitā yadā devī kubjayā pāpayā bhṛśam / tadā śete sma sā bhūmau digdhaviddheva kinnarī
Als die Herrin von der bösen Buckligen so heftig aufgestachelt worden war, da lag sie auf dem Boden, wie eine mit Gift getroffene Kinnarī.
Wort für Wort vidarśitā yadā devī als die Herrin aufgestachelt worden war kubjayā pāpayā bhṛśam von der bösen Buckligen heftig tadā śete sma sā bhūmau da lag sie auf dem Boden digdha-viddhā iva kinnarī wie eine mit Gift getroffene Kinnarī niścitya manasā kṛtyam sā samyagiti bhāminī / mantharāyai śvaḥ sarvamāccakṣe vicakṣaṇā
Nachdem sie im Herzen ihr Vorhaben als richtig entschieden hatte, teilte die kluge Zornige der Mantharā alles [für morgen] mit.
Wort für Wort niścitya manasā kṛtyam nachdem sie im Herzen das Vorhaben entschieden hatte sā samyak iti bhāminī sie, die Zornige, als richtig mantharāyai śvaḥ sarvam der Mantharā alles für morgen ācakṣe vicakṣaṇā teilte die Kluge mit sā dīnā niścayaṃ kṛtvā mantharāvākyamohitā / nāgakanyeva niḥsvasya dīrghamuṣṇaṃ ca bhāminī / muhūrtaṃ cintayāmāsa mārgamātmasukhāvaham
Sie, elend, ihren Entschluss gefasst, von Mantharās Wort betört, seufzte lang und heiß wie ein Schlangenmädchen und sann, die Zornige, einen Augenblick über einen Weg nach, der ihr selbst Glück bringen würde.
Wort für Wort sā dīnā niścayam kṛtvā sie, elend, den Entschluss gefasst manthara-vākya-mohitā von Mantharās Wort betört nāga-kanyā iva niḥśvasya wie ein Schlangenmädchen seufzend dīrgham uṣṇam ca bhāminī lang und heiß, die Zornige muhūrtam cintayāmāsa mārgam sann einen Augenblick über einen Weg nach ātma-sukha-āvaham der ihr selbst Glück bringen würde sā suhṛccārthakāmā ca taṃ niśamya suniścayam / babhūva paramaprītā siddhiṃ prāpyeva mantharā
Sie, Mantharā, die Freundin, ganz auf ihren Vorteil bedacht, wurde, als sie diesen festen Entschluss vernahm, höchst erfreut, als hätte sie ihr Ziel erreicht.
Wort für Wort sā suhṛt ca artha-kāmā ca sie, die Freundin, auf Vorteil bedacht tam niśamya su-niścayam diesen festen Entschluss vernehmend babhūva parama-prītā wurde höchst erfreut siddhim prāpya iva manthara als hätte Mantharā ihr Ziel erreicht atha sā ruṣitā devī samyakkṛtvā viniścayam / saṃviveśābalā bhūmau niveśya bhṛkuṭiṃ mukhe
Dann legte sich die zürnende Herrin, nachdem sie ihren Entschluss fest gefasst hatte, schwach auf den Boden, die Stirn in Falten gezogen.
Wort für Wort atha sā ruṣitā devī dann die zürnende Herrin samyak kṛtvā viniścayam nachdem sie den Entschluss fest gefasst hatte saṃviveśa abalā bhūmau legte sich schwach auf den Boden niveśya bhṛkuṭim mukhe die Stirn in Falten gezogen tataścitrāṇi mālyāni divyānyābharaṇāni ca / apaviddhāni kaikeyyā tāni bhūmiṃ prapedire
Da fielen die bunten Girlanden und göttlichen Schmuckstücke, von Kaikeyī abgeworfen, zu Boden.
Wort für Wort tataḥ citrāṇi mālyāni da die bunten Girlanden divyāni ābharaṇāni ca und göttlichen Schmuckstücke apaviddhāni kaikeyyā von Kaikeyī abgeworfen tāni bhūmim prapedire fielen sie zu Boden tayā tānyapaviddhāni mālyānyābharaṇāni ca / aśobhayanta vasudhāṃ nakṣatrāṇi yathā nabhaḥ
Jene von ihr abgeworfenen Girlanden und Schmuckstücke schmückten den Boden, wie die Sterne den Himmel.
Wort für Wort tayā tāni apaviddhāni die von ihr abgeworfenen mālyāni ābharaṇāni ca Girlanden und Schmuckstücke aśobhayanta vasudhām schmückten den Boden nakṣatrāṇi yathā nabhaḥ wie die Sterne den Himmel krodhāgāre nipatitā sā babhau malināmbarā / ekaveṇīṃ dṛḍhaṃ baddhvā gatasattveva kinnarī
Im Zorngemach niedergesunken, in schmutzigem Gewand, den Haarzopf fest gebunden, erschien sie wie eine leblose Kinnarī.
Wort für Wort krodha-agāre nipatitā im Zorngemach niedergesunken sā babhau malina-ambarā erschien sie in schmutzigem Gewand eka-veṇīm dṛḍham baddhvā den einen Zopf fest gebunden gata-sattvā iva kinnarī wie eine leblose Kinnarī ājñāpya tu mahārājo rāghavasyābhiṣecanam / upasthāsamanujñāpya praviveśa niveśanam
Nachdem der Großkönig aber Rāghavas Weihe angeordnet und die Aufwartungen entlassen hatte, betrat er sein Gemach.
Wort für Wort ājñāpya tu mahārājaḥ nachdem der Großkönig angeordnet hatte rāghavasya abhiṣecanam Rāghavas Weihe upasthān samanujñāpya die Aufwartungen entlassend praviveśa niveśanam betrat er sein Gemach adya rāmābhiṣeko vai prasiddha iti jajñivān / priyārhaṃ priyamākhyātuṃ viveśāntaḥpuraṃ vaśī
Da er wusste, dass Rāmas Weihe nun endgültig festgesetzt war, betrat er, der Selbstbeherrschte, das Frauengemach, um der der Freude Würdigen die frohe Botschaft zu verkünden.
Wort für Wort adya rāma-abhiṣekaḥ vai dass heute Rāmas Weihe prasiddhaḥ iti jajñivān endgültig festgesetzt ist, wissend priya-arham priyam ākhyātum um der der Freude Würdigen Erfreuliches zu verkünden viveśa antaḥpuram vaśī betrat der Selbstbeherrschte das Frauengemach sa kaikeyyā gṛhaṃ śreṣṭhaṃ praviveśa mahāyaśāḥ / pāṇḍurābhramivākāśaṃ rāhuyuktaṃ niśākaraḥ
Er, der hochberühmte König, betrat Kaikeyīs prächtiges Haus, wie der Mond eine weiße Wolke am Himmel betritt, die von Rāhu ergriffen ist.
Wort für Wort sa kaikeyyā gṛham śreṣṭham er Kaikeyīs prächtiges Haus praviveśa mahāyaśāḥ betrat der Hochberühmte pāṇḍura-abhram iva ākāśam wie eine weiße Wolke am Himmel rāhu-yuktam niśākaraḥ von Rāhu ergriffen, der Mond śukabarhiṇasaṃyuktaṃ krauñcahaṃsarutāyutam / vāditraravasaṃghuṣṭaṃ kubjāvāmanikāyutam
Das Haus, erfüllt von Papageien und Pfauen, vom Ruf der Kraniche und Schwäne belebt, vom Klang der Musikinstrumente widerhallend, von Buckligen und Zwerginnen bevölkert,
Wort für Wort śuka-barhiṇa-saṃyuktam erfüllt von Papageien und Pfauen krauñca-haṃsa-ruta-āyutam vom Ruf der Kraniche und Schwäne belebt vāditra-rava-saṃghuṣṭam vom Klang der Musikinstrumente widerhallend kubjā-vāmanikā-yutam von Buckligen und Zwerginnen bevölkert latāgṛhaiścitragṛhaiścampakāśokaśobhitaiḥ / dāntarājata sauvarṇavedikābhissamāyutam
mit Lauben aus Schlingpflanzen und Bildergemächern, geschmückt mit Campaka- und Aśoka-Bäumen, ausgestattet mit Terrassen aus Elfenbein, Silber und Gold,
Wort für Wort latā-gṛhaiḥ citra-gṛhaiḥ mit Rankenlauben und Bildergemächern campaka-aśoka-śobhitaiḥ geschmückt mit Campaka und Aśoka dānta-rājata-sauvarṇa aus Elfenbein, Silber und Gold vedikābhiḥ samāyutam mit Terrassen ausgestattet nityapuṣpaphalairvṛkṣairvāpībhiścopaśobhitam / dāntarājatasauvarṇaiḥ saṃvṛtaṃ paramāsanaiḥ
geschmückt mit immer blühenden und fruchttragenden Bäumen und Teichen, ausgestattet mit vorzüglichen Sitzen aus Elfenbein, Silber und Gold,
Wort für Wort nitya-puṣpa-phalaiḥ vṛkṣaiḥ mit immer blühenden und fruchttragenden Bäumen vāpībhiḥ ca upaśobhitam und mit Teichen geschmückt dānta-rājata-sauvarṇaiḥ aus Elfenbein, Silber und Gold saṃvṛtam parama-āsanaiḥ ausgestattet mit vorzüglichen Sitzen vividhairannapānaiśca bhakṣyaiśca vividhairapi / upapannaṃ mahārhaiśca bhūṣitaistridivopamam
versehen mit mancherlei Speisen und Getränken und mancherlei Genussmitteln, geschmückt mit kostbarem Schmuck, dem dritten Himmel gleich –
Wort für Wort vividhaiḥ anna-pānaiḥ ca mit mancherlei Speisen und Getränken bhakṣyaiḥ ca vividhaiḥ api und mancherlei Genussmitteln upapannam mahārhaiḥ ca versehen und mit kostbarem bhūṣitaiḥ tridiva-upamam Schmuck geschmückt, dem dritten Himmel gleich tatpraviśya mahārājaḥ svamantaḥpuramṛddhimat / na dadarśa priyāṃ rājā kaikeyīṃ śayanottame
dieses sein prächtiges Frauengemach betretend, sah der Großkönig seine geliebte Kaikeyī nicht auf dem vorzüglichen Lager.
Wort für Wort tat praviśya mahārājaḥ dies betretend, der Großkönig svam antaḥpuram ṛddhimat sein prächtiges Frauengemach na dadarśa priyām rājā sah der König die geliebte nicht kaikeyīm śayana-uttame Kaikeyī auf dem vorzüglichen Lager sa kāmabalasaṃyukto ratyarthaṃ manujādhipaḥ / apaśyan dayitāṃ bhāryāṃ papraccha viṣasāda ca
Er, von der Macht der Liebe erfüllt, der Herrscher der Menschen, in Verlangen nach ihr, erblickte seine geliebte Gattin nicht, fragte und geriet in Bestürzung.
Wort für Wort sa kāma-bala-saṃyuktaḥ er, von der Macht der Liebe erfüllt ratya-artham manuja-adhipaḥ aus Verlangen, der Herrscher der Menschen apaśyan dayitām bhāryām seine geliebte Gattin nicht erblickend papraccha viṣasāda ca fragte er und geriet in Bestürzung na hī tasya purā devī tāṃ velāmatyavartata / na ca rājā gṛhaṃ śūnyaṃ praviveśa kadācana
Denn niemals zuvor hatte die Herrin diese Stunde versäumt, und niemals hatte der König ein leeres Haus betreten.
Wort für Wort na hi tasya purā devī denn niemals zuvor die Herrin tām velām atyavartata hatte diese Stunde versäumt na ca rājā gṛham śūnyam und niemals der König ein leeres Haus praviveśa kadācana betreten tato gṛhagato rājā kaikeyīṃ paryapṛcchata / yathāpuramavijñāya svārthalipsumapaṇḍitām
Darauf, im Haus angelangt, fragte der König nach Kaikeyī, ohne zu ahnen, dass sie, unklug, nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht war.
Wort für Wort tataḥ gṛha-gataḥ rājā darauf, im Haus angelangt, der König kaikeyīm paryapṛcchata fragte nach Kaikeyī yathā puram avijñāya ohne zu ahnen, wie zuvor sva-artha-lipsum apaṇḍitām dass sie unklug nur auf eigenen Vorteil aus war pratīhārī tvathovāca saṃtrastā tu kṛtāñjaliḥ / deva devī bhṛśaṃ kṛddhā krodhāgāramabhidrutā
Die Türhüterin aber sprach, erschrocken, mit gefalteten Händen: 'Herr, die Herrin ist heftig erzürnt und ins Zorngemach geeilt.'
Wort für Wort pratīhārī tu atha uvāca die Türhüterin aber sprach dann saṃtrastā tu kṛtāñjaliḥ erschrocken, mit gefalteten Händen deva devī bhṛśam kruddhā Herr, die Herrin ist heftig erzürnt krodha-agāram abhidrutā und ins Zorngemach geeilt pratīhāryā vacaḥ śrutvā rājā paramadurmanāḥ / viṣasāda punarbhūyo lulitavyākulendriyaḥ
Als er das Wort der Türhüterin vernahm, geriet der König, höchst betrübt, abermals in Bestürzung, seine Sinne verwirrt und aufgewühlt.
Wort für Wort pratīhāryāḥ vacaḥ śrutvā der Türhüterin Wort vernehmend rājā parama-durmanāḥ der König, höchst betrübt viṣasāda punaḥ bhūyaḥ geriet abermals in Bestürzung lulita-vyākula-indriyaḥ seine Sinne verwirrt und aufgewühlt tatratāṃ patitāṃ bhūmau śayānāmatathocitām / pratapta iva duḥkhena so.apaśyajjagatīpatiḥ
Dort erblickte der Herrscher der Welt sie, wie von Schmerz versengt, auf dem Boden liegend, in einem ihr sonst nicht angemessenen Zustand.
Wort für Wort tatra tām patitām bhūmau dort sie, auf den Boden gefallen śayānām atathā-ucitām liegend, in unangemessenem Zustand praptaptaḥ iva duḥkhena wie von Schmerz versengt saḥ apaśyat jagatī-patiḥ erblickte sie der Herrscher der Welt sa vṛddhastaruṇīṃ bhāryāṃ prāṇebhyo.api garīyasīm / apāpaḥ pāpasaṅkalpāṃ dadarśa dharaṇītale
Er, der Alte, erblickte seine junge Gattin, ihm teurer als das Leben, arglos, obwohl sie böse Absichten hegte, auf dem Erdboden.
Wort für Wort sa vṛddhaḥ taruṇīm bhāryām er, der Alte, die junge Gattin prāṇebhyaḥ api garīyasīm ihm teurer als das Leben apāpaḥ pāpa-saṅkalpām arglos, sie mit bösen Absichten dadarśa dharaṇī-tale erblickte er auf dem Erdboden latāmiva viniṣkṛttāṃ patitāṃ devatāmiva / kinnarīmiva nirdhūtāṃ cyutāmapsarasaṃ yathā
Wie eine abgeschnittene Ranke, wie eine gefallene Gottheit, wie eine verstoßene Kinnarī, wie eine gestürzte Apsaras –
Wort für Wort latām iva viniṣkṛttām wie eine abgeschnittene Ranke patitām devatām iva wie eine gefallene Gottheit kinnarīm iva nirdhūtām wie eine verstoßene Kinnarī cyutām apsarasam yathā wie eine gestürzte Apsaras māyāmiva paribhraṣṭāṃ hariṇīmiva saṃyatām / kreṇumiva digdhena viddhāṃ mṛgayunā vane
wie ein entschwundener Zauber, wie eine gefesselte Hirschkuh, wie eine junge Hirschkuh, von einem Jäger mit vergifteten Pfeilen im Wald getroffen –
Wort für Wort māyām iva paribhraṣṭām wie ein entschwundener Zauber hariṇīm iva saṃyatām wie eine gefesselte Hirschkuh kreṇum iva digdhena wie eine junge Hirschkuh mit vergiftetem [Pfeil] viddhām mṛgayunā vane getroffen von einem Jäger im Wald mahāgaja iva araṇye snehātparimamarśa tām / parimṛśya ca pāṇibhyāmabhisaṃtrastacetanaḥ
wie ein großer Elefant im Wald, streichelte er sie zärtlich; und nachdem er sie mit beiden Händen berührt hatte, sein Geist von Angst erfüllt,
Wort für Wort mahā-gajaḥ iva araṇye wie ein großer Elefant im Wald snehāt parimamarśa tām berührte er sie zärtlich parimṛśya ca pāṇibhyām und mit beiden Händen berührend abhisaṃtrasta-cetanaḥ sein Geist von Angst erfüllt kāmī kamalapatrākṣīmuvāca vanitāmidam / na te.ahamabhijānāmi krodhamātmani saṃśritam
sprach er, der Liebende, zu der Frau mit den lotusblattgleichen Augen dieses: 'Ich verstehe nicht, welcher Zorn sich in dir eingenistet hat.'
Wort für Wort kāmī kamala-patra-akṣīm der Liebende zu der Lotusblatt-Äugigen uvāca vanitām idam sprach zu der Frau dieses na te aham abhijānāmi ich verstehe nicht krodham ātmani saṃśritam welcher Zorn sich in dir eingenistet hat devi kenābhiśaptāsi kena vāsi vimānitā / yadidaṃ mama duḥkhāya śeṣe kalyāṇi pāṃsuṣu
'Herrin, von wem bist du verflucht, oder von wem bist du beleidigt worden, dass du, mir zum Schmerz, im Staub liegst, du Glückliche?'
Wort für Wort devi kena abhiśaptā asi Herrin, von wem bist du verflucht kena vā asi vimānitā oder von wem beleidigt yat idam mama duḥkhāya dass mir zum Schmerz śeṣe kalyāṇi pāṃsuṣu du im Staub liegst, Glückliche bhūmau śeṣe kimarthaṃ tvaṃ mayi kalyāṇacetasi / bhūtopahatacitteva mama cittapramāthinī
'Warum liegst du auf dem Boden, obwohl ich dir wohlgesinnt bin, wie eine von einem Geist Besessene, du, die mein Herz aufwühlt?'
Wort für Wort bhūmau śeṣe kim-artham tvam warum liegst du auf dem Boden mayi kalyāṇa-cetasi obwohl ich dir wohlgesinnt bin bhūta-upahata-cittā iva wie von einem Geist Besessene mama citta-pramāthinī du, die mein Herz aufwühlt santi me kuśalā vaidyāstvabhituṣṭāśca sarvaśaḥ / sukhitāṃ tvāṃ kariṣyanti vyādhimācakṣva bhāmini
'Ich habe geschickte Ärzte, mir stets ergeben; sie werden dich gesund machen – nenne mir deine Krankheit, du Zürnende.'
Wort für Wort santi me kuśalāḥ vaidyāḥ ich habe geschickte Ärzte abhituṣṭāḥ ca sarvaśaḥ mir ganz ergeben sukhitām tvām kariṣyanti sie werden dich gesund machen vyādhim ācakṣva bhāmini nenne die Krankheit, du Zürnende kasya vā te priyaṃ kāryaṃ kena vā vipriyaṃ kṛtam / kaḥ priyaṃ labhatāmadya ko vā sumahadapriyam
'Wem soll ich zuliebe etwas Erfreuliches tun, oder wer hat dir etwas Unerfreuliches angetan? Wer soll heute Gunst erlangen, oder wer großes Missgeschick?'
Wort für Wort kasya vā te priyam kāryam wem zuliebe soll ich Erfreuliches tun kena vā vipriyam kṛtam oder wer hat Unerfreuliches getan kaḥ priyam labhatām adya wer soll heute Gunst erlangen ko vā su-mahat apriyam oder wer großes Missgeschick mā rodīrmā ca kārṣistvaṃ devi saṃpariśoṣaṇam / avadhyo vadhyatāṃ ko vā ko vā vadhyo vimucyatām
'Weine nicht, und quäle dich nicht so ab, o Herrin! Wer, obwohl unschuldig, soll getötet werden, oder wer, der schuldig ist, freigelassen werden?'
Wort für Wort mā rodīḥ mā ca kārṣīḥ tvam weine nicht, und tu nicht devi saṃpariśoṣaṇam o Herrin, das Sich-Verzehren avadhyaḥ vadhyatām ko vā wer, unschuldig, soll getötet werden ko vā vadhyaḥ vimucyatām oder wer, schuldig, freigelassen werden daridraḥ ko bhavedāḍhyo dravyavānvāpyakiñcanaḥ / ahaṃ caiva madīyāśca sarve tava vaśānugāḥ
'Wer, arm, soll reich werden, oder wer, reich, mittellos? Denn ich selbst und alle die Meinen sind dir untertan.'
Wort für Wort daridraḥ kaḥ bhavet āḍhyaḥ wer, arm, soll reich werden dravyavān vā api akiñcanaḥ oder reich, mittellos aham ca eva madīyāḥ ca denn ich selbst und die Meinen sarve tava vaśānugāḥ alle dir untertan na te kiṃcidabhiprāyaṃ vyāhantumahamutsahe / ātmano jīvitenāpi bruhi yanmanasecchasi
'Keinen deiner Wünsche werde ich vereiteln, und sei es mit meinem eigenen Leben – sage, was dein Herz begehrt.'
Wort für Wort na te kiñcit abhiprāyam keinen deiner Wünsche vyāhantum aham utsahe werde ich zu vereiteln wagen ātmanaḥ jīvitena api und sei es mit meinem eigenen Leben brūhi yat manasā icchasi sage, was du im Herzen begehrst balamātmani jānantī na māṃ śaṅkitumarhasi / kariṣyāmi tava prītiṃ sukṛtenāpi te śape
'Da du meine Macht kennst, brauchst du an mir nicht zu zweifeln; ich werde deine Freude bewirken, das schwöre ich dir bei meinen guten Taten.'
Wort für Wort balam ātmani jānantī meine Macht kennend na mām śaṅkitum arhasi brauchst du an mir nicht zu zweifeln kariṣyāmi tava prītim ich werde deine Freude bewirken sukṛtena api te śape bei meinen guten Taten schwöre ich dir yāvadāvarta te cakraṃ tāvatī me vasundharā / prācīnāḥ sindhusauvīrāḥ saurāṣṭrā dakṣiṇāpathāḥ
'So weit mein Herrscherrad reicht, so weit erstreckt sich meine Erde – die östlichen Länder, Sindhu und Sauvīra, Saurāṣṭra und die Länder des Südens,'
Wort für Wort yāvat āvarte cakram so weit mein Rad sich dreht tāvatī me vasundharā so weit reicht meine Erde prācīnāḥ sindhu-sauvīrāḥ die östlichen, Sindhu und Sauvīra saurāṣṭrāḥ dakṣiṇāpathāḥ Saurāṣṭra und die Südländer vaṅgāṅgamagadhā matsyāḥ samṛddhāḥ kāśikosalāḥ / tatra jātaṃ bahudravyaṃ dhanadhānya majāvikam
'Vaṅga, Aṅga, Magadha, Matsya, die reichen Kāśi und Kosala – was dort an vielerlei Gütern entsteht, an Reichtum, Getreide, Ziegen und Schafen,'
Wort für Wort vaṅga-aṅga-magadhāḥ matsyāḥ Vaṅga, Aṅga, Magadha, Matsya samṛddhāḥ kāśi-kosalāḥ die reichen Kāśi und Kosala tatra jātam bahu-dravyam was dort an vielen Gütern entsteht dhana-dhānyam aja-avikam an Reichtum, Getreide, Ziegen und Schafen tato vṛṇīṣva kaikeyi yadyattvaṃ manasecchasi / kimāyāsena te bhīru uttiṣṭottiṣṭa śobhane
'daraus wähle, Kaikeyī, was immer dein Herz begehrt. Wozu diese Anstrengung, Furchtsame? Steh auf, steh auf, Schöne!'
Wort für Wort tataḥ vṛṇīṣva kaikeyi daraus wähle, Kaikeyī yat yat tvam manasā icchasi was immer dein Herz begehrt kim āyāsena te bhīru wozu diese Anstrengung, Furchtsame uttiṣṭha uttiṣṭha śobhane steh auf, steh auf, Schöne tatvaṃ me brūhi kaikeyi yataste bhayamāgatam / tatte vyapanayiṣyāmi nīharamiva raśmivān
'Sage mir also, Kaikeyī, woher dir die Furcht gekommen ist; ich werde sie von dir vertreiben, wie die Sonne den Nebel.'
Wort für Wort tat tvam me brūhi kaikeyi also sage mir, Kaikeyī yataḥ te bhayam āgatam woher dir die Furcht gekommen ist tat te vyapanayiṣyāmi ich werde sie von dir vertreiben nīharam iva raśmivān wie die Sonne den Nebel tathoktā sā samāsvastā vaktukāmā tadapriyam / paripīḍayituṃ bhūyo bhartāramupacakrame
So angesprochen, ein wenig getröstet, doch begierig, jene unerfreuliche Bitte auszusprechen, begann sie, ihren Gemahl noch weiter zu quälen.
Wort für Wort tathā uktā sā samāsvastā so angesprochen, ein wenig getröstet vaktu-kāmā tat apriyam begierig, jenes Unerfreuliche auszusprechen paripīḍayitum bhūyaḥ um noch mehr zu quälen bhartāram upacakrame begann sie beim Gemahl
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