Quellen der Menschheit

Rāmāyaṇa · Ayodhyākāṇḍa

Sarga 27: Sītā Vana Gamana Āgrahaḥ Sītā fleht Rāma an, sie mit in die Verbannung zu nehmen, und beteuert, dass ihr Platz allein an der Seite ihres Gatten sei

evam uktā tu vaidehī priya-arhā priya-vādinī | prāṇayāt eva saṃkruddhā bhartāram idam abravīt ||

So angesprochen, sprach Vaidehī, die der Liebe würdig war und liebevoll redete, aus Liebe wie im Zorn zu ihrem Gatten dieses Wort:

Wort für Wort
evam uktā tu vaidehī
so angesprochen, Vaidehī
priya-arhā priya-vādinī
der Liebe würdig, liebevoll redend
prāṇayāt eva saṃkruddhā
aus Liebe wie im Zorn
bhartāram idam abravīt
sprach sie zum Gatten dieses Wort

kim idam bhāṣase rāma vākyam laghutayā dhruvam | tvayā yad apahāsyam me śrutvā naravara-ātmaja ||

Was sprichst du da für ein Wort, Rāma, das gewiss aus Geringschätzung kommt und über das ich, wenn ich es höre, nur lachen müsste, o Sohn des besten der Männer?

Wort für Wort
kim idam bhāṣase rāma vākyam
was sprichst du da für ein Wort, Rāma
laghutayā dhruvam
gewiss aus Geringschätzung
tvayā yad apahāsyam me
das von dir mir zum Gelächter gereicht
śrutvā naravara-ātmaja
wenn ich es höre, o Sohn des besten der Männer

ārya-putra pitā mātā bhrātā putraḥ tathā snuṣā | svāni puṇyāni bhuñjānāḥ svam svam bhāgyam upāsate ||

Edler Gemahl, Vater, Mutter, Bruder, Sohn und ebenso Schwiegertochter, sie alle genießen ihr eigenes Verdienst und folgen jeweils ihrem eigenen Schicksal.

Wort für Wort
ārya-putra pitā mātā
edler Gemahl, Vater, Mutter
bhrātā putraḥ tathā snuṣā
Bruder, Sohn und ebenso Schwiegertochter
svāni puṇyāni bhuñjānāḥ
ihr eigenes Verdienst genießend
svam svam bhāgyam upāsate
folgen sie jeweils ihrem eigenen Schicksal

bhartur bhāgyam tu bhāryā ekā prāpnoti puruṣa-ṛṣabha | ataḥ caiva aham ādiṣṭā vane vastavyam iti api ||

Doch das Schicksal des Gatten allein erlangt die Ehefrau, o Stier unter den Männern; darum bin auch ich angewiesen, im Wald zu wohnen.

Wort für Wort
bhartur bhāgyam tu bhāryā ekā prāpnoti
das Schicksal des Gatten allein erlangt die Ehefrau
puruṣa-ṛṣabha
o Stier unter den Männern
ataḥ caiva aham ādiṣṭā
darum bin auch ich angewiesen
vane vastavyam iti api
im Wald zu wohnen, so auch

na pitā na ātmajo na ātmā na mātā na sakhī janaḥ | iha pretya ca nārīṇām patir eko gatiḥ sadā ||

Weder Vater noch Sohn, weder man selbst, noch Mutter, noch Freunde – hier und im Jenseits ist für Frauen stets allein der Gatte die Zuflucht.

Wort für Wort
na pitā na ātmajo na ātmā
weder Vater, noch Sohn, noch man selbst
na mātā na sakhī janaḥ
noch Mutter, noch Freunde
iha pretya ca nārīṇām
hier und im Jenseits ist für Frauen
patir eko gatiḥ sadā
der Gatte allein stets die Zuflucht

yadi tvam prasthitaḥ durgam vanam adya eva rāghava | agrataḥ te gamiṣyāmi mṛdnantī kuśa-kaṇṭakān ||

Wenn du dich noch heute auf den Weg in den unwegsamen Wald machst, o Rāghava, werde ich dir vorangehen und die Kuśa-Halme und Dornen zertreten.

Wort für Wort
yadi tvam prasthitaḥ durgam vanam
wenn du dich auf den Weg in den unwegsamen Wald machst
adya eva rāghava
noch heute, o Rāghava
agrataḥ te gamiṣyāmi
werde ich dir vorangehen
mṛdnantī kuśa-kaṇṭakān
die Kuśa-Halme und Dornen zertretend

īrṣyā-roṣau bahiṣkṛtya bhukta-śeṣam iva udakam | naya mām vīra viśrabdhaḥ pāpam mayi na vidyate ||

Verwirf Eifersucht und Zorn wie übriggebliebenes Wasser nach dem Essen; nimm mich mit, o Held, vertrauensvoll – in mir ist keine Sünde.

Wort für Wort
īrṣyā-roṣau bahiṣkṛtya
Eifersucht und Zorn verwerfend
bhukta-śeṣam iva udakam
wie übriggebliebenes Wasser nach dem Essen
naya mām vīra viśrabdhaḥ
nimm mich mit, o Held, vertrauensvoll
pāpam mayi na vidyate
in mir ist keine Sünde

prāsāda-agraiḥ vimānaiḥ vā vaihāyasa-gatena vā | sarva-avasthā gatā bhartuḥ pāda-cchāyā viśiṣyate ||

Sei es in den Spitzen von Palästen, in Himmelswagen oder im Fliegen durch die Luft – unter allen Umständen ist der Schatten der Füße des Gatten das Vorzüglichste.

Wort für Wort
prāsāda-agraiḥ vimānaiḥ vā
sei es in Palastspitzen oder Himmelswagen
vaihāyasa-gatena vā
oder im Dahinfliegen durch die Luft
sarva-avasthā gatā
unter allen Umständen
bhartuḥ pāda-cchāyā viśiṣyate
ist der Schatten der Füße des Gatten das Vorzüglichste

anuśiṣṭā asmi mātrā ca pitrā ca vividha-āśrayam | na asmi samprati vaktavyā vartitavyam yathā mayā ||

Von Mutter und Vater bin ich in mannigfaltiger Weise unterwiesen worden; ich muss jetzt nicht erst belehrt werden, wie ich mich zu verhalten habe.

Wort für Wort
anuśiṣṭā asmi mātrā ca pitrā ca
von Mutter und Vater bin ich unterwiesen worden
vividha-āśrayam
in mannigfaltiger Hinsicht
na asmi samprati vaktavyā
ich muss jetzt nicht erst belehrt werden
vartitavyam yathā mayā
wie ich mich zu verhalten habe

aham durgam gamiṣyāmi vanam puruṣa-varjitam | nānā-mṛga-gaṇa-ākīrṇam śārdūla-vṛka-sevitam ||

Ich werde in den unwegsamen, von Menschen verlassenen Wald gehen, der von mannigfaltigen Tierherden erfüllt und von Tigern und Wölfen bewohnt ist.

Wort für Wort
aham durgam gamiṣyāmi vanam
ich werde in den unwegsamen Wald gehen
puruṣa-varjitam
von Menschen verlassen
nānā-mṛga-gaṇa-ākīrṇam
von mannigfaltigen Tierherden erfüllt
śārdūla-vṛka-sevitam
von Tigern und Wölfen bewohnt

sukham vane nivatsyāmi yathā eva bhavane pituḥ | acintayantī trīn lokān cintayantī pati-vratam ||

Ich werde glücklich im Wald leben, ebenso wie im Hause meines Vaters, ohne an die drei Welten zu denken, nur an die Treue zum Gatten denkend.

Wort für Wort
sukham vane nivatsyāmi
glücklich werde ich im Wald leben
yathā eva bhavane pituḥ
ebenso wie im Hause des Vaters
acintayantī trīn lokān
ohne an die drei Welten zu denken
cintayantī pati-vratam
nur an das Gelübde der Gattentreue denkend

śuśrūṣamāṇā te nityam niyatā brahma-cāriṇī | saha raṃsye tvayā vīra vaneṣu madhu-gandhiṣu ||

Dir stets dienend, gezügelt und keusch lebend, werde ich mich mit dir, o Held, in den nach Honig duftenden Wäldern erfreuen.

Wort für Wort
śuśrūṣamāṇā te nityam
dir stets dienend
niyatā brahma-cāriṇī
gezügelt, keusch lebend
saha raṃsye tvayā vīra
ich werde mich mit dir erfreuen, o Held
vaneṣu madhu-gandhiṣu
in den nach Honig duftenden Wäldern

tvam hi kartum vane śaktaḥ rāma saṃparipālanam | anyasya api janasya iha kim punar mama mānada ||

Denn du, Rāma, bist fähig, im Wald sogar für andere Menschen zu sorgen – wie viel mehr für mich, o du, der mir stets Ehre erweist!

Wort für Wort
tvam hi kartum vane śaktaḥ
denn du bist fähig, im Wald zu vollbringen
rāma saṃparipālanam
Rāma, den vollständigen Schutz
anyasya api janasya iha
selbst für andere Menschen hier
kim punar mama mānada
wie viel mehr für mich, o Ehrenspender

saha tvayā gamiṣyāmi vasāmi adya na saṃśayaḥ | na aham śakyā mahābhāga nivartayitum udyatā ||

Mit dir werde ich gehen, ich lebe noch heute dafür, ohne Zweifel; ich kann nicht, o Hochgesegneter, von meinem Entschluss abgebracht werden.

Wort für Wort
saha tvayā gamiṣyāmi
mit dir werde ich gehen
vasāmi adya na saṃśayaḥ
ich lebe heute dafür, ohne Zweifel
na aham śakyā mahābhāga
ich kann nicht, o Hochgesegneter
nivartayitum udyatā
abgebracht werden, entschlossen wie ich bin

phala-mūla-aśanā nityam bhaviṣyāmi na saṃśayaḥ | na te duḥkham kariṣyāmi nivasantī saha tvayā ||

Ich werde mich stets von Früchten und Wurzeln ernähren, ohne Zweifel; ich werde dir kein Leid bereiten, während ich mit dir zusammenlebe.

Wort für Wort
phala-mūla-aśanā nityam
stets von Früchten und Wurzeln lebend
bhaviṣyāmi na saṃśayaḥ
werde ich sein, ohne Zweifel
na te duḥkham kariṣyāmi
ich werde dir kein Leid bereiten
nivasantī saha tvayā
während ich mit dir zusammenlebe

icchāmi saritaḥ śailān palvalāni vanāni ca | draṣṭum sarvatra nirbhītā tvayā nāthena dhīmatā ||

Ich möchte Flüsse, Berge, Teiche und Wälder überall furchtlos sehen, mit dir, dem Weisen, als meinem Beschützer.

Wort für Wort
icchāmi saritaḥ śailān
ich möchte Flüsse, Berge
palvalāni vanāni ca
Teiche und Wälder
draṣṭum sarvatra nirbhītā
überall furchtlos sehen
tvayā nāthena dhīmatā
mit dir, dem weisen Beschützer

haṃsa-kāraṇḍava-ākīrṇāḥ padminīḥ sādhu-puṣpitāḥ | icceyam sukhinī draṣṭum tvayā vīreṇa saṃgatā ||

Die von Schwänen und Wasservögeln belebten, schön blühenden Lotusteiche möchte ich glücklich sehen, mit dir, dem Helden, vereint.

Wort für Wort
haṃsa-kāraṇḍava-ākīrṇāḥ
von Schwänen und Wasservögeln belebt
padminīḥ sādhu-puṣpitāḥ
die schön blühenden Lotusteiche
icceyam sukhinī draṣṭum
möchte ich glücklich sehen
tvayā vīreṇa saṃgatā
mit dir, dem Helden, vereint

abhiṣekam kariṣyāmi tāsu nityam yata-vratā | saha tvayā viśāla-akṣa raṃsye parama-nandinī ||

In ihnen werde ich stets, meinem Gelübde treu, das rituelle Bad nehmen; mit dir, Großäugiger, werde ich mich in höchster Freude ergehen.

Wort für Wort
abhiṣekam kariṣyāmi tāsu nityam
in ihnen werde ich stets das Bad nehmen
yata-vratā
meinem Gelübde treu
saha tvayā viśāla-akṣa
mit dir, Großäugiger
raṃsye parama-nandinī
werde ich mich in höchster Freude ergehen

evam varṣa-sahasrāṇām śatam vā aham tvayā saha | vyatikramam na vetsyāmi svargo.api hi na me mataḥ ||

So werde ich, seien es tausend Jahre oder auch hundert, mit dir zusammen keinen Wandel bemerken; selbst der Himmel gilt mir nicht mehr wert als das.

Wort für Wort
evam varṣa-sahasrāṇām śatam vā
so, seien es tausend oder hundert Jahre
aham tvayā saha
ich mit dir zusammen
vyatikramam na vetsyāmi
werde ich keinen Wandel bemerken
svargo.api hi na me mataḥ
selbst der Himmel gilt mir nicht mehr

svarge api ca vinā vāso bhavitā yadi rāghava | tvayā mama nara-vyāghra na aham tam api rocaye ||

Und wenn selbst im Himmel ein Aufenthalt ohne dich möglich wäre, o Tiger unter den Männern, so würde mir auch das nicht gefallen.

Wort für Wort
svarge api ca vinā vāso
und selbst im Himmel ein Aufenthalt ohne (dich)
bhavitā yadi rāghava
wenn er möglich wäre, o Rāghava
tvayā mama nara-vyāghra
ohne dich, mein Tiger unter den Männern
na aham tam api rocaye
so würde mir auch das nicht gefallen

aham gamiṣyāmi vanam su-durgamam | mṛga-āyutam vānara-vāraṇaiḥ yutam | vane nivatsyāmi yathā pitur gṛhe | tava eva pādau upagṛhya sammatā ||

Ich werde in den überaus unwegsamen Wald gehen, der von zehntausend Tieren und von Affen und Elefanten bevölkert ist; im Wald werde ich leben wie im Hause meines Vaters, deine Füße umfangend, dir zugetan.

Wort für Wort
aham gamiṣyāmi vanam su-durgamam
ich werde in den überaus unwegsamen Wald gehen
mṛga-āyutam vānara-vāraṇaiḥ yutam
von zehntausend Tieren, von Affen und Elefanten bevölkert
vane nivatsyāmi yathā pitur gṛhe
im Wald werde ich leben wie im Hause des Vaters
tava eva pādau upagṛhya sammatā
deine Füße umfangend, dir zugetan

ananya-bhāvām anurakta-cetasam | tvayā viyuktām maraṇāya niścitām | nayasva mām sādhu kuruṣva yācanām | na te mayā ataḥ gurutā bhaviṣyati ||

Mich, die ich keinem anderen zugetan bin, deren Herz dir ergeben ist, die, von dir getrennt, fest zum Sterben entschlossen wäre – nimm mich mit, erfülle meine Bitte; ich werde dir dadurch keine Last sein.

Wort für Wort
ananya-bhāvām anurakta-cetasam
mich, die keinem anderen zugetan, deren Herz ergeben ist
tvayā viyuktām maraṇāya niścitām
von dir getrennt, zum Sterben entschlossen
nayasva mām sādhu kuruṣva yācanām
nimm mich mit, erfülle meine Bitte
na te mayā ataḥ gurutā bhaviṣyati
ich werde dir dadurch keine Last sein

tathā bruvāṇām api dharma-vatsalo | na ca sma sītām nṛ-varaḥ ninīṣati | uvāca ca enām bahu saṃnivartane | vane nivāsasya ca duḥkhitām prati ||

Doch obwohl sie so sprach, wollte der dem Dharma zugetane Beste der Männer Sītā nicht mitnehmen, und er sprach zu ihr, die betrübt war, vielfach über die Rückkehr und über die Beschwerlichkeit des Waldlebens.

Wort für Wort
tathā bruvāṇām api dharma-vatsalo
obwohl sie so sprach, der dem Dharma zugetane
na ca sma sītām nṛ-varaḥ ninīṣati
der Beste der Männer wollte Sītā nicht mitnehmen
uvāca ca enām bahu saṃnivartane
und er sprach vielfach zu ihr über die Rückkehr
vane nivāsasya ca duḥkhitām prati
und über das beschwerliche Waldleben, zu ihr, der Betrübten

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