Quellen der Menschheit

Rāmāyaṇa · Ayodhyākāṇḍa

Sarga 100: Rāma Rāja Dharma Praśnāḥ Rāma befragt Bharata eingehend über Rechtschaffenheit, Regierungsführung und die Pflichten eines Königs

jaṭilaṃ cīra vasanaṃ prāñjaliṃ patitaṃ bhuvi | dadarśa rāmo durdarśaṃ yugānte bhāskaraṃ yathā ||

Rāma erblickte ihn, den mit Jaṭā-Locken und Rindenkleidern Bekleideten, mit gefalteten Händen zu Boden Gefallenen, kaum erkennbar wie die Sonne am Ende eines Weltzeitalters.

Wort für Wort
jaṭilaṃ cīra vasanaṃ
den mit Jaṭā-Locken, Rindenkleider tragenden
prāñjaliṃ patitaṃ bhuvi
mit gefalteten Händen zu Boden gefallenen
dadarśa rāmo durdarśaṃ
erblickte Rāma, kaum erkennbar
yugānte bhāskaraṃ yathā
wie die Sonne am Ende eines Weltzeitalters

kathaṃ cid abhivijñāya vivarṇa vadanaṃ kṛśam | bhrātaraṃ bharataṃ rāmaḥ parijagrāha bāhunā ||

Nachdem er ihn mit Mühe erkannt hatte, den bleichgesichtigen, abgemagerten Bruder Bharata, umfing ihn Rāma mit dem Arm.

Wort für Wort
kathaṃ cid abhivijñāya
nachdem er ihn mit Mühe erkannt hatte
vivarṇa vadanaṃ kṛśam
den bleichgesichtigen, abgemagerten
bhrātaraṃ bharataṃ rāmaḥ
den Bruder Bharata, Rāma
parijagrāha bāhunā
umfing er mit dem Arm

āghrāya rāmaḥ taṃ mūrdhni pariṣvajya ca rāghavaḥ | aṅke bharatam āropya paryapṛcchat samāhitaḥ ||

Rāma küsste ihn auf den Kopf, Rāghava umarmte ihn, setzte Bharata auf seinen Schoß und fragte ihn gesammelt:

Wort für Wort
āghrāya rāmaḥ taṃ mūrdhni
Rāma küsste ihn auf den Kopf
pariṣvajya ca rāghavaḥ
und Rāghava umarmte ihn
aṅke bharatam āropya
Bharata auf den Schoß setzend
paryapṛcchat samāhitaḥ
fragte er gesammelt

kva nu te abhūt pitā tāta yad araṇyam tvam āgataḥ | na hi tvam jīvataḥ tasya vanam āgantum arhasi ||

Wo ist denn dein Vater geblieben, mein Lieber, dass du in den Wald gekommen bist? Denn solange er lebt, ziemt es sich nicht für dich, in den Wald zu kommen.

Wort für Wort
kva nu te abhūt pitā tāta
wo ist denn dein Vater geblieben, mein Lieber
yad araṇyam tvam āgataḥ
dass du in den Wald gekommen bist
na hi tvam jīvataḥ tasya
denn solange er lebt
vanam āgantum arhasi
ziemt es sich nicht für dich, in den Wald zu kommen

cirasya bata paśyāmi dūrād bharatam āgatam | duṣpratīkam araṇye asmin kim tāta vanam āgataḥ ||

Ach, nach langer Zeit sehe ich Bharata von fern kommen; warum bist du, mein Lieber, in diesen schwer zugänglichen Wald gekommen?

Wort für Wort
cirasya bata paśyāmi
ach, nach langer Zeit sehe ich
dūrād bharatam āgatam
Bharata von fern kommen
duṣpratīkam araṇye asmin
in diesen schwer zugänglichen Wald
kim tāta vanam āgataḥ
warum, mein Lieber, bist du gekommen

kaccid dhārayate tāta rājā yat tvam iha āgataḥ | kaccin na dīnaḥ sahasā rājā loka antaraṃ gataḥ ||

Lebt der König noch, mein Lieber, da du hierher gekommen bist? Ist der König nicht etwa plötzlich, elend, in die andere Welt gegangen?

Wort für Wort
kaccid dhārayate tāta rājā
lebt der König noch, mein Lieber
yat tvam iha āgataḥ
da du hierher gekommen bist
kaccin na dīnaḥ sahasā
ist er nicht plötzlich, elend
rājā loka antaraṃ gataḥ
der König in die andere Welt gegangen

kaccit saumya na te rājyaṃ bhraṣṭaṃ bālasya śāśvatam | kaccic chuśrūṣase tāta pitaraṃ satya vikramam ||

Ist dir, mein Sanfter, nicht das ewige Königreich, dir als Jüngerem, entglitten? Dienst du, mein Lieber, dem Vater von wahrer Tapferkeit?

Wort für Wort
kaccit saumya na te rājyaṃ
ist dir, mein Sanfter, nicht das Königreich
bhraṣṭaṃ bālasya śāśvatam
entglitten, dir als Jüngerem, das ewige
kaccic chuśrūṣase tāta
dienst du, mein Lieber
pitaraṃ satya vikramam
dem Vater von wahrer Tapferkeit

kaccid daśaratho rājā kuśalī satya saṃgaraḥ | rāja sūya aśva medhānām āhartā dharma niścayaḥ ||

Ist König Daśaratha wohlauf, treu seinen Versprechen, der Vollbringer von Rājasūya- und Aśvamedha-Opfern, im Dharma gefestigt?

Wort für Wort
kaccid daśaratho rājā
ist König Daśaratha
kuśalī satya saṃgaraḥ
wohlauf, treu seinen Versprechen
rāja sūya aśva medhānām āhartā
der Vollbringer von Rājasūya- und Aśvamedha-Opfern
dharma niścayaḥ
im Dharma gefestigt

sa kaccid brāhmaṇo vidvān dharma nityo mahā dyutiḥ | ikṣvākūṇām upādhyāyo yathāvat tāta pūjyate ||

Wird jener gelehrte Brahmane, stets dem Dharma treu, überaus glanzvoll, der Lehrmeister der Ikṣvākus, gebührend geehrt, mein Lieber?

Wort für Wort
sa kaccid brāhmaṇo vidvān
wird jener gelehrte Brahmane
dharma nityo mahā dyutiḥ
stets dem Dharma treu, überaus glanzvoll
ikṣvākūṇām upādhyāyo
der Lehrmeister der Ikṣvākus
yathāvat tāta pūjyate
gebührend geehrt, mein Lieber

sā tāta kaccic ca kausalyā sumitrā ca prajāvatī | sukhinī kaccid āryā ca devī nandati kaikayī ||

Ist Kausalyā wohlauf, mein Lieber, und Sumitrā, die Kindersegen hat, glücklich? Ist die edle Königin Kaikeyī zufrieden?

Wort für Wort
sā tāta kaccic ca kausalyā
ist Kausalyā, mein Lieber
sumitrā ca prajāvatī
und Sumitrā, die Kindersegen hat
sukhinī kaccid āryā ca
glücklich, die Edle
devī nandati kaikayī
ist die Königin Kaikeyī zufrieden

kaccid vinaya sampannaḥ kula putro bahu śrutaḥ | anasūyur anudraṣṭā satkṛtaḥ te purohitaḥ ||

Ist dein Hauspriester, von guter Abkunft, wohlerzogen, gelehrt, neidlos, weitsichtig, von dir gebührend geehrt?

Wort für Wort
kaccid vinaya sampannaḥ
ist er wohlerzogen
kula putro bahu śrutaḥ
von guter Abkunft, sehr gelehrt
anasūyur anudraṣṭā
neidlos, weitsichtig
satkṛtaḥ te purohitaḥ
dein Hauspriester, gebührend geehrt

kaccid agniṣu te yukto vidhijño matimān ṛjuḥ | hutaṃ ca hoṣyamāṇaṃ ca kāle vedayate sadā ||

Ist er, in den Opferfeuern geübt, der Ritenkundige, Kluge, Rechtschaffene, stets zur rechten Zeit über die vollzogenen und die noch zu vollziehenden Opfer unterrichtet?

Wort für Wort
kaccid agniṣu te yukto
ist er in den Opferfeuern geübt
vidhijño matimān ṛjuḥ
der Ritenkundige, Kluge, Rechtschaffene
hutaṃ ca hoṣyamāṇaṃ ca
über das vollzogene und das noch zu vollziehende Opfer
kāle vedayate sadā
unterrichtet er stets zur rechten Zeit

kaccid devān pitṝn bhṛtyān gurūn pitṛ samān api | vṛddhāṃś ca tāta vaidyāṃś ca brāhmaṇāṃś ca abhimanyase ||

Erweist du, mein Lieber, den Göttern, den Ahnen, den Dienern, den Lehrern, die dir wie Väter sind, den Alten, den Ärzten und den Brahmanen Achtung?

Wort für Wort
kaccid devān pitṝn bhṛtyān
den Göttern, Ahnen, Dienern
gurūn pitṛ samān api
den Lehrern, die wie Väter sind
vṛddhāṃś ca tāta vaidyāṃś ca
den Alten, mein Lieber, und den Ärzten
brāhmaṇāṃś ca abhimanyase
und den Brahmanen erweist du Achtung

iṣu astra vara sampannam artha śāstra viśāradam | sudhanvānam upādhyāyam kaccit tvam tāta manyase ||

Ehrst du, mein Lieber, deinen Lehrer Sudhanvan, der in Pfeil und trefflichen Waffen bewandert und in der Staatslehre erfahren ist?

Wort für Wort
iṣu astra vara sampannam
in Pfeil und trefflichen Waffen bewandert
artha śāstra viśāradam
in der Staatslehre erfahren
sudhanvānam upādhyāyam
den Lehrer Sudhanvan
kaccit tvam tāta manyase
ehrst du, mein Lieber

kaccid ātma samāḥ śūrāḥ śruta vantaḥ jita indriyāḥ | kulīnāḥ ca iṅgita jñāḥ ca kṛtāḥ te tāta mantriṇaḥ ||

Hast du, mein Lieber, dir gleichgesinnte, tapfere, gelehrte, sinnesbeherrschte, wohlgeborene und die Gedanken anderer erkennende Männer zu deinen Ministern gemacht?

Wort für Wort
kaccid ātma samāḥ śūrāḥ
dir gleichgesinnte, tapfere
śruta vantaḥ jita indriyāḥ
gelehrte, sinnesbeherrschte
kulīnāḥ ca iṅgita jñāḥ ca
wohlgeborene und Gedanken-erkennende
kṛtāḥ te tāta mantriṇaḥ
hast du, mein Lieber, zu Ministern gemacht

mantro vijaya mūlam hi rājñām bhavati rāghava | susaṃvṛto mantra dharair amātyaiḥ śāstra kovidaiḥ ||

Denn der Rat ist die Wurzel des Sieges der Könige, Rāghava, wohl gehütet durch ratkundige, in der Wissenschaft erfahrene Minister.

Wort für Wort
mantro vijaya mūlam hi
denn der Rat ist die Wurzel des Sieges
rājñām bhavati rāghava
der Könige, Rāghava
susaṃvṛto mantra dharair
wohl gehütet durch Ratkundige
amātyaiḥ śāstra kovidaiḥ
durch in der Wissenschaft erfahrene Minister

kaccin nidrā vaśam na eṣi kaccit kāle vibudhyase | kaccic ca apara rātriṣu cintayasy artha naipuṇam ||

Verfällst du nicht dem Schlaf, wachst du zur rechten Zeit auf, denkst du in den späten Nachtstunden mit Geschick über die Staatsangelegenheiten nach?

Wort für Wort
kaccin nidrā vaśam na eṣi
verfällst du nicht dem Schlaf
kaccit kāle vibudhyase
wachst du zur rechten Zeit auf
kaccic ca apara rātriṣu
und in den späten Nachtstunden
cintayasy artha naipuṇam
denkst du mit Geschick über die Angelegenheiten nach

kaccin mantrayase na ekaḥ kaccin na bahubhiḥ saha | kaccit te mantrito mantro rāṣṭram na paridhāvati ||

Berätst du dich nicht allein, auch nicht mit zu vielen zugleich? Dringt dein beratener Rat nicht vorzeitig im Reich umher?

Wort für Wort
kaccin mantrayase na ekaḥ
berätst du dich nicht allein
kaccin na bahubhiḥ saha
auch nicht mit zu vielen zugleich
kaccit te mantrito mantro
dringt dein beratener Rat
rāṣṭram na paridhāvati
nicht im Reich umher

kaccid artham viniścitya laghu mūlam mahā udayam | kṣipram ārabhase kartum na dīrghayasi rāghava ||

Nachdem du eine Angelegenheit von geringem Aufwand, aber großem Ertrag entschieden hast, beginnst du sie rasch auszuführen und verzögerst nicht, Rāghava?

Wort für Wort
kaccid artham viniścitya
nachdem du eine Angelegenheit entschieden hast
laghu mūlam mahā udayam
von geringem Aufwand, großem Ertrag
kṣipram ārabhase kartum
beginnst du rasch auszuführen
na dīrghayasi rāghava
du verzögerst nicht, Rāghava

kaccid artham viniścitya laghu mūlam mahā udayam | kaccit sukṛtāny eva kṛta rūpāṇi vā punaḥ | viduḥ te sarva kāryāṇi na kartavyāni pārthivāḥ ||

Nachdem du eine Angelegenheit von geringem Aufwand, aber großem Ertrag entschieden hast - wissen nur die Beteiligten, was bereits getan oder noch zu tun ist, und nicht alle Fürsten alle deine Angelegenheiten, die nicht öffentlich zu behandeln sind?

Wort für Wort
kaccid artham viniścitya
nachdem du eine Angelegenheit entschieden hast
laghu mūlam mahā udayam
von geringem Aufwand, großem Ertrag
kaccit sukṛtāny eva kṛta rūpāṇi vā punaḥ
wissen (nur die Beteiligten), was bereits getan oder noch zu tun ist
viduḥ te sarva kāryāṇi na kartavyāni pārthivāḥ
und nicht alle Fürsten all deine (geheimen) Angelegenheiten

kaccin na tarkair yuktvā vā ye ca api aparikīrtitāḥ | tvayā vā tava vā amātyair budhyate tāta mantritam ||

Wird dein beratener Plan, mein Lieber, nicht durch bloße Vermutungen erschlossen, wird er von dir oder deinen Ministern nicht unbekannten Personen kundgetan?

Wort für Wort
kaccin na tarkair yuktvā vā
wird nicht durch bloße Vermutungen
ye ca api aparikīrtitāḥ
und (von solchen), die unbekannt sind
tvayā vā tava vā amātyair
von dir oder deinen Ministern
budhyate tāta mantritam
dein beratener Plan bekannt gemacht, mein Lieber

kaccit sahasrān mūrkhāṇām ekam icchasi paṇḍitam | paṇḍito hy artha kṛcchreṣu kuryān niḥśreyasam mahat ||

Ziehst du einen einzigen Gelehrten tausend Toren vor? Denn ein Gelehrter kann in schwierigen Angelegenheiten großen Nutzen stiften.

Wort für Wort
kaccit sahasrān mūrkhāṇām
tausend Toren gegenüber
ekam icchasi paṇḍitam
ziehst du einen einzigen Gelehrten vor
paṇḍito hy artha kṛcchreṣu
denn ein Gelehrter kann in schwierigen Angelegenheiten
kuryān niḥśreyasam mahat
großen Nutzen stiften

sahasrāṇy api mūrkhāṇām yady upāste mahī patiḥ | atha vā api ayutāny eva na asti teṣu sahāyatā ||

Selbst wenn der Herrscher der Erde Tausende oder gar Zehntausende von Toren um sich hat, ist in ihnen keine wahre Hilfe.

Wort für Wort
sahasrāṇy api mūrkhāṇām
selbst Tausende von Toren
yady upāste mahī patiḥ
wenn der Herrscher der Erde um sich hat
atha vā api ayutāny eva
oder auch gar Zehntausende
na asti teṣu sahāyatā
ist in ihnen keine wahre Hilfe

eko api amātyo medhāvī śūro dakṣo vicakṣaṇaḥ | rājānam rāja mātram vā prāpayen mahatīm śriyam ||

Ein einziger kluger, tapferer, geschickter, weitsichtiger Minister kann einen König oder auch einen Königssohn zu großem Glanz führen.

Wort für Wort
eko api amātyo medhāvī
ein einziger kluger Minister
śūro dakṣo vicakṣaṇaḥ
tapfer, geschickt, weitsichtig
rājānam rāja mātram vā
einen König oder einen Königssohn
prāpayen mahatīm śriyam
kann zu großem Glanz führen

kaccin mukhyā mahatsu eva madhyameṣu ca madhyamāḥ | jaghanyāḥ ca jaghanyeṣu bhṛtyāḥ karmasu yojitāḥ ||

Sind die Vornehmsten deiner Diener mit den wichtigsten Aufgaben betraut, die Mittleren mit mittleren, und die Geringeren mit geringeren?

Wort für Wort
kaccin mukhyā mahatsu eva
sind die Vornehmsten mit den wichtigsten
madhyameṣu ca madhyamāḥ
und die Mittleren mit mittleren
jaghanyāḥ ca jaghanyeṣu
und die Geringeren mit geringeren
bhṛtyāḥ karmasu yojitāḥ
Diener mit Aufgaben betraut

amātyān upadhā atītān pitṛ paitāmahān śucīn | śreṣṭhān śreṣṭheṣu kaccit tvam niyojayasi karmasu ||

Setzt du Minister, die die Bewährungsproben bestanden haben, von väterlicher und großväterlicher Treue, lauter, die besten unter den besten Aufgaben ein?

Wort für Wort
amātyān upadhā atītān
Minister, die die Bewährungsproben bestanden haben
pitṛ paitāmahān śucīn
von väterlicher und großväterlicher Treue, lauter
śreṣṭhān śreṣṭheṣu
die besten unter den besten
kaccit tvam niyojayasi karmasu
setzt du bei Aufgaben ein

kaccin na ugreṇa daṇḍena bhṛśam udvejita prajam | rājyaṃ tava anujānanti mantriṇaḥ kaikayī suta ||

Billigen deine Minister nicht ein Königreich, dessen Untertanen durch grausame Strafe zutiefst beunruhigt sind, Sohn der Kaikeyī?

Wort für Wort
kaccin na ugreṇa daṇḍena
nicht durch grausame Strafe
bhṛśam udvejita prajam
zutiefst beunruhigte Untertanen
rājyaṃ tava anujānanti
billigen deine Minister das Königreich
mantriṇaḥ kaikayī suta
(deine) Minister, Sohn der Kaikeyī

kaccit tvām na avajānanti yājakāḥ patitam yathā | ugra pratigrahītāram kāmayānam iva striyaḥ ||

Verachten dich die Priester nicht, so wie man einen Gefallenen verachtet, weil du grausam Geschenke annimmst, wie Frauen einen lüsternen Mann verachten?

Wort für Wort
kaccit tvām na avajānanti
verachten dich nicht
yājakāḥ patitam yathā
die Priester, wie einen Gefallenen
ugra pratigrahītāram
den grausam Geschenke Annehmenden
kāmayānam iva striyaḥ
wie Frauen einen Lüsternen (verachten)

upāya kuśalam vaidyam bhṛtya saṃdūṣaṇe ratam | śūram aiśvarya kāmam ca yo na hanti sa vadhyate ||

Wer einen im Mittel geschickten Verräter, einen Arzt, der Diener verdirbt, einen Tapferen, der nach Herrschaft strebt, nicht vernichtet, wird selbst vernichtet.

Wort für Wort
upāya kuśalam vaidyam
den im Mittel geschickten (Verräter, wie) einen Arzt
bhṛtya saṃdūṣaṇe ratam
der Diener zu verderben pflegt
śūram aiśvarya kāmam ca
und den Tapferen, der nach Herrschaft strebt
yo na hanti sa vadhyate
wer nicht vernichtet, wird selbst vernichtet

kaccid dhṛṣṭaḥ ca śūraḥ ca dhṛtimān matimān śuciḥ | kulīnaḥ ca anuraktaḥ ca dakṣaḥ senā patiḥ kṛtaḥ ||

Ist dein Heerführer kühn, tapfer, standhaft, klug, lauter, wohlgeboren, ergeben und tüchtig?

Wort für Wort
kaccid dhṛṣṭaḥ ca śūraḥ ca
ist er kühn und tapfer
dhṛtimān matimān śuciḥ
standhaft, klug, lauter
kulīnaḥ ca anuraktaḥ ca
wohlgeboren und ergeben
dakṣaḥ senā patiḥ kṛtaḥ
tüchtig, zum Heerführer gemacht

balavantaḥ ca kaccit te mukhyā yuddha viśāradāḥ | dṛṣṭa apadānā vikrāntāḥ tvayā satkṛtya mānitāḥ ||

Sind deine Vornehmsten kraftvoll, im Kampf erfahren, mit erwiesenen Heldentaten, tapfer, von dir gebührend geehrt und geachtet?

Wort für Wort
balavantaḥ ca kaccit te
sind deine kraftvoll
mukhyā yuddha viśāradāḥ
Vornehmsten, im Kampf erfahren
dṛṣṭa apadānā vikrāntāḥ
mit erwiesenen Heldentaten, tapfer
tvayā satkṛtya mānitāḥ
von dir gebührend geehrt und geachtet

kaccid balasya bhaktam ca vetanam ca yathā ucitam | samprāpta kālam dātavyam dadāsi na vilambase ||

Gibst du dem Heer den zur rechten Zeit fälligen Unterhalt und Sold gebührend, ohne zu zögern?

Wort für Wort
kaccid balasya bhaktam ca
gibst du dem Heer den Unterhalt
vetanam ca yathā ucitam
und den Sold, wie gebührend
samprāpta kālam dātavyam
zur rechten Zeit fällig, zu geben
dadāsi na vilambase
gibst du, ohne zu zögern

kāla atikramaṇe hy eva bhakta vetanayor bhṛtāḥ | bhartuḥ kupyanti duṣyanti so anarthaḥ sumahān smṛtaḥ ||

Denn wenn Unterhalt und Sold verspätet ausgezahlt werden, zürnen die Diener ihrem Herrn und werden aufsässig - das gilt als überaus großes Unheil.

Wort für Wort
kāla atikramaṇe hy eva
denn bei Überschreiten der Zeit
bhakta vetanayor bhṛtāḥ
von Unterhalt und Sold, die Diener
bhartuḥ kupyanti duṣyanti
zürnen dem Herrn, werden aufsässig
so anarthaḥ sumahān smṛtaḥ
das gilt als überaus großes Unheil

kaccit sarve anuraktāḥ tvām kula putrāḥ pradhānataḥ | kaccit prāṇān tava artheṣu saṃtyajanti samāhitāḥ ||

Sind alle wohlgeborenen Männer dir vor allem ergeben? Würden sie gesammelt ihr Leben für deine Sache opfern?

Wort für Wort
kaccit sarve anuraktāḥ tvām
sind dir alle ergeben
kula putrāḥ pradhānataḥ
die wohlgeborenen Männer, vor allem
kaccit prāṇān tava artheṣu
würden sie ihr Leben für deine Sache
saṃtyajanti samāhitāḥ
gesammelt opfern

kaccij jānapado vidvān dakṣiṇaḥ pratibhānavān | yathā ukta vādī dūtaḥ te kṛto bharata paṇḍitaḥ ||

Hast du, Bharata, einen gelehrten, tüchtigen, geistesgegenwärtigen, wortgetreuen Landeskundigen zu deinem Boten gemacht?

Wort für Wort
kaccij jānapado vidvān
einen gelehrten Landeskundigen
dakṣiṇaḥ pratibhānavān
tüchtig, geistesgegenwärtig
yathā ukta vādī dūtaḥ te
der wortgetreue Bote
kṛto bharata paṇḍitaḥ
gemacht, Bharata, der Gelehrte

kaccid aṣṭādaśa āny eṣu sva pakṣe daśa pañca ca | tribhiḥ tribhir avijñātair vetsi tīrthāni cārakaiḥ ||

Kennst du die achtzehn Spionagestellen - fünfzehn in deiner eigenen Partei - durch jeweils drei unerkannte Kundschafter, die Zugänge?

Wort für Wort
kaccid aṣṭādaśa āny eṣu
kennst du diese achtzehn
sva pakṣe daśa pañca ca
fünfzehn in der eigenen Partei
tribhiḥ tribhir avijñātair
durch jeweils drei unerkannte
vetsi tīrthāni cārakaiḥ
kennst du die Zugänge, durch Kundschafter

kaccid vyapāstān ahitān pratiyātān ca sarvadā | durbalān anavajñāya vartase ripu sūdana ||

Verhältst du dich, Feindevernichter, gegenüber vertriebenen Feinden, die stets zurückkehren, und Schwachen, ohne sie zu verachten?

Wort für Wort
kaccid vyapāstān ahitān
gegenüber vertriebenen Feinden
pratiyātān ca sarvadā
die stets zurückkehren
durbalān anavajñāya
und Schwachen, ohne zu verachten
vartase ripu sūdana
verhältst du dich, Feindevernichter

kaccin na lokāyatikān brāhmaṇān tāta sevase | anartha kuśalā hy ete bālāḥ paṇḍita māninaḥ ||

Verkehrst du, mein Lieber, nicht mit materialistischen Brahmanen? Denn diese sind geschickt im Unheilstiften, kindisch und halten sich selbst für Gelehrte.

Wort für Wort
kaccin na lokāyatikān brāhmaṇān
nicht mit materialistischen Brahmanen
tāta sevase
verkehrst du, mein Lieber
anartha kuśalā hy ete
denn diese sind geschickt im Unheilstiften
bālāḥ paṇḍita māninaḥ
kindisch, sich für Gelehrte haltend

dharma śāstreṣu mukhyeṣu vidyamāneṣu durbudhāḥ | buddhimān vīkṣikīm prāpya nirartham pravadanti te ||

Obwohl die vorzüglichen Rechtslehren vorhanden sind, reden diese Dummköpfe, die sich für klug halten, nachdem sie bloße Logik erlangt haben, nutzloses Zeug.

Wort für Wort
dharma śāstreṣu mukhyeṣu
obwohl die vorzüglichen Rechtslehren
vidyamāneṣu durbudhāḥ
vorhanden sind, die Dummköpfe
buddhimān vīkṣikīm prāpya
sich für klug haltend, bloße Logik erlangt habend
nirartham pravadanti te
reden sie nutzloses Zeug

vīraiḥ adhyuṣitām pūrvam asmākam tāta pūrvakaiḥ | satya nāmām dṛḍha dvārām hasty aśva ratha saṃkulām ||

Ist Ayodhyā, von unseren Vorfahren, den Helden, einst bewohnt, mit wahrem Namen, mit festen Toren, gedrängt voll von Elefanten, Pferden und Wagen -

Wort für Wort
vīraiḥ adhyuṣitām pūrvam
einst von Helden bewohnt
asmākam tāta pūrvakaiḥ
von unseren Vorfahren, mein Lieber
satya nāmām dṛḍha dvārām
mit wahrem Namen, mit festen Toren
hasty aśva ratha saṃkulām
gedrängt voll von Elefanten, Pferden, Wagen

brāhmaṇaiḥ kṣatriyair vaiśyaiḥ sva karma nirataiḥ sadā | jita indriyair mahā utsāhair vṛta amātyaiḥ sahasraśaḥ ||

von Brahmanen, Kṣatriyas und Vaiśyas, die stets ihren eigenen Pflichten treu sind, sinnesbeherrscht und voller Tatkraft, von Tausenden Ministern umgeben -

Wort für Wort
brāhmaṇaiḥ kṣatriyair vaiśyaiḥ
von Brahmanen, Kṣatriyas und Vaiśyas
sva karma nirataiḥ sadā
stets ihren eigenen Pflichten treu
jita indriyair mahā utsāhair
sinnesbeherrscht, voller Tatkraft
vṛta amātyaiḥ sahasraśaḥ
von Tausenden Ministern umgeben

prāsādaiḥ vividha ākāraiḥ vṛtām vaidya jana ākulām | kaccit samuditām sphītām ayodhyām parirakṣasi ||

mit Palästen mancherlei Gestalt umgeben, wimmelnd von Ärzten - beschützt du das gedeihende, blühende Ayodhyā?

Wort für Wort
prāsādaiḥ vividha ākāraiḥ vṛtām
mit Palästen mancherlei Gestalt umgeben
vaidya jana ākulām
wimmelnd von Ärzten
kaccit samuditām sphītām
das gedeihende, blühende
ayodhyām parirakṣasi
beschützt du Ayodhyā

kaccic caitya śatair juṣṭaḥ suniviṣṭa jana ākulaḥ | deva sthānaiḥ prapābhiḥ ca taḍāgaiḥ ca upaśobhitaḥ ||

Ist die Stadt mit hundert heiligen Bäumen versehen, wimmelnd von wohlansässigen Menschen, geschmückt mit Tempeln, Trinkwasserstellen und Teichen?

Wort für Wort
kaccic caitya śatair juṣṭaḥ
mit hundert heiligen Bäumen versehen
suniviṣṭa jana ākulaḥ
wimmelnd von wohlansässigen Menschen
deva sthānaiḥ prapābhiḥ ca
mit Tempeln, Trinkwasserstellen
taḍāgaiḥ ca upaśobhitaḥ
und mit Teichen geschmückt

prahṛṣṭa nara nārīkaḥ samāja utsava śobhitaḥ | sukṛṣṭa sīmā paśumān hiṃsābhir abhivarjitaḥ ||

Mit erfreuten Männern und Frauen, geschmückt durch Feste und Versammlungen, mit gut bestellten Feldgrenzen, reich an Vieh, frei von Gewalttaten?

Wort für Wort
prahṛṣṭa nara nārīkaḥ
mit erfreuten Männern und Frauen
samāja utsava śobhitaḥ
geschmückt durch Versammlungen und Feste
sukṛṣṭa sīmā paśumān
mit gut bestellten Feldgrenzen, reich an Vieh
hiṃsābhir abhivarjitaḥ
frei von Gewalttaten

adeva mātṛkaḥ ramyaḥ śvāpadaiḥ parivarjitaḥ | parityakto bhayaiḥ sarvaiḥ khanibhiś ca upaśobhitaḥ ||

Lieblich, nicht allein auf den Regen als Wassergott angewiesen, frei von Raubtieren, aller Furcht ledig, geschmückt mit Minen -

Wort für Wort
adeva mātṛkaḥ ramyaḥ
lieblich, nicht allein vom Regengott abhängig
śvāpadaiḥ parivarjitaḥ
frei von Raubtieren
parityakto bhayaiḥ sarvaiḥ
aller Furcht ledig
khanibhiś ca upaśobhitaḥ
und mit Minen geschmückt

parityakto bhayaiḥ sarvaiḥ khanibhiś ca upaśobhitaḥ | vivarjito naraiḥ pāpaiḥ mama pūrvaiḥ surakṣitaḥ | kaccij jana padaḥ sphītaḥ sukham vasati rāghava ||

aller Furcht ledig, geschmückt mit Minen, frei von bösen Menschen, von meinen Vorfahren wohl beschützt - lebt, Rāghava, das blühende Landvolk glücklich?

Wort für Wort
parityakto bhayaiḥ sarvaiḥ
aller Furcht ledig
khanibhiś ca upaśobhitaḥ
und mit Minen geschmückt
vivarjito naraiḥ pāpaiḥ
frei von bösen Menschen
mama pūrvaiḥ surakṣitaḥ
von meinen Vorfahren wohl beschützt
kaccij jana padaḥ sphītaḥ
lebt das blühende Landvolk
sukham vasati rāghava
glücklich, Rāghava

kaccit te dayitāḥ sarve kṛṣi go rakṣa jīvinaḥ | vārtāyām saṃśritaḥ tāta loko hi sukham edhate ||

Sind dir alle lieb, die vom Ackerbau und der Viehzucht leben? Denn das Volk, das dem Erwerb zugetan ist, gedeiht in Glück, mein Lieber.

Wort für Wort
kaccit te dayitāḥ sarve
sind dir alle lieb
kṛṣi go rakṣa jīvinaḥ
die vom Ackerbau und der Viehzucht leben
vārtāyām saṃśritaḥ tāta
dem Erwerb zugetan, mein Lieber
loko hi sukham edhate
das Volk gedeiht in Glück

teṣām gupti parīhāraiḥ kaccit te bharaṇam kṛtam | rakṣyā hi rājñā dharmeṇa sarve viṣaya vāsinaḥ ||

Sorgst du für ihren Schutz und Unterhalt? Denn alle Bewohner des Landes müssen vom König rechtmäßig beschützt werden.

Wort für Wort
teṣām gupti parīhāraiḥ
für ihren Schutz und Unterhalt
kaccit te bharaṇam kṛtam
sorgst du
rakṣyā hi rājñā dharmeṇa
denn vom König müssen rechtmäßig beschützt werden
sarve viṣaya vāsinaḥ
alle Bewohner des Landes

kaccit striyaḥ sāntvayasi kaccit tāḥ ca surakṣitāḥ | kaccin na śraddadhāsi āsām kaccid guhyam na bhāṣase ||

Beschwichtigst du die Frauen, sind sie wohl beschützt? Vertraust du ihnen nicht blind, verrätst du ihnen keine Geheimnisse?

Wort für Wort
kaccit striyaḥ sāntvayasi
beschwichtigst du die Frauen
kaccit tāḥ ca surakṣitāḥ
sind sie wohl beschützt
kaccin na śraddadhāsi āsām
vertraust du ihnen nicht (blind)
kaccid guhyam na bhāṣase
verrätst du ihnen keine Geheimnisse

kaccin nāga vanaṃ guptaṃ kaccit te santi dhenukāḥ | kaccin na gaṇikā aśvānāṃ kuñjarāṇāṃ ca tṛpyasi ||

Ist der Elefantenwald bewacht, besitzt du Milchkühe, gibst du dich nicht übermäßig Kurtisanen, Pferden und Elefanten hin?

Wort für Wort
kaccin nāga vanaṃ guptaṃ
ist der Elefantenwald bewacht
kaccit te santi dhenukāḥ
besitzt du Milchkühe
kaccin na gaṇikā aśvānāṃ
nicht übermäßig Kurtisanen, Pferden
kuñjarāṇāṃ ca tṛpyasi
und Elefanten hingibst

kaccid darśayase nityam manuṣyāṇām vibhūṣitam | utthāya utthāya pūrva ahṇe rāja putro mahā pathe ||

Zeigst du dich, Königssohn, stets geschmückt den Menschen, indem du jeden Morgen früh aufstehst, auf der großen Straße?

Wort für Wort
kaccid darśayase nityam
zeigst du dich stets
manuṣyāṇām vibhūṣitam
den Menschen, geschmückt
utthāya utthāya pūrva ahṇe
jeden Morgen früh aufstehend
rāja putro mahā pathe
Königssohn, auf der großen Straße

kaccin na sarve karma antāḥ pratyakṣās te aviśaṅkayā | sarve vā punar utsṛṣṭā madhyame vā atra kāraṇam ||

Werden nicht alle deine Amtsgeschäfte ohne Prüfung offen zugänglich gemacht, oder alle wieder ganz freigegeben - liegt hier ein mittlerer Grund vor?

Wort für Wort
kaccin na sarve karma antāḥ
nicht alle Amtsgeschäfte
pratyakṣās te aviśaṅkayā
offen zugänglich, ohne Prüfung
sarve vā punar utsṛṣṭā
oder alle wieder freigegeben
madhyame vā atra kāraṇam
liegt hier ein mittlerer Grund vor

kaccit sarvāṇi durgāṇi dhana dhānya āyudha udakaiḥ | yantraiḥ ca paripūrṇāni tathā śilpi dhanur dharaiḥ ||

Sind alle Festungen mit Schätzen, Getreide, Waffen und Wasser, mit Kriegsmaschinen und ebenso mit Handwerkern und Bogenschützen wohl ausgestattet?

Wort für Wort
kaccit sarvāṇi durgāṇi
sind alle Festungen
dhana dhānya āyudha udakaiḥ
mit Schätzen, Getreide, Waffen und Wasser
yantraiḥ ca paripūrṇāni
mit Kriegsmaschinen wohl ausgestattet
tathā śilpi dhanur dharaiḥ
ebenso mit Handwerkern und Bogenschützen

āyaḥ te vipulaḥ kaccit kaccid alpataraḥ vyayaḥ | apātreṣu na te kaccit kośo gacchati rāghava ||

Ist dein Einkommen umfangreich, deine Ausgabe eher gering? Fließt dein Schatz, Rāghava, nicht an Unwürdige?

Wort für Wort
āyaḥ te vipulaḥ kaccit
ist dein Einkommen umfangreich
kaccid alpataraḥ vyayaḥ
und deine Ausgabe eher gering
apātreṣu na te kaccit
nicht an Unwürdige
kośo gacchati rāghava
fließt dein Schatz, Rāghava

devatā arthe ca pitṛ arthe brāhmaṇa abhyāgateṣu ca | yodheṣu mitra vargeṣu kaccid gacchati te vyayaḥ ||

Fließt deine Ausgabe für die Götter, für die Ahnen, für ankommende Brahmanen, für die Krieger und den Freundeskreis?

Wort für Wort
devatā arthe ca pitṛ arthe
für die Götter und für die Ahnen
brāhmaṇa abhyāgateṣu ca
und für ankommende Brahmanen
yodheṣu mitra vargeṣu
für die Krieger und den Freundeskreis
kaccid gacchati te vyayaḥ
fließt deine Ausgabe

kaccid āryo viśuddha ātmā kṣāritaḥ cora karmaṇā | apṛṣṭaḥ śāstra kuśalair na lobhād badhyate śuciḥ ||

Wird kein edler, reiner Mensch fälschlich der Dieberei bezichtigt, ohne von den Rechtskundigen befragt zu werden? Wird kein Lauterer aus Habgier gebunden?

Wort für Wort
kaccid āryo viśuddha ātmā
der edle, reine Mensch
kṣāritaḥ cora karmaṇā
fälschlich der Dieberei bezichtigt
apṛṣṭaḥ śāstra kuśalair
ohne von den Rechtskundigen befragt zu werden
na lobhād badhyate śuciḥ
wird der Lautere nicht aus Habgier gebunden

gṛhītaḥ caiva pṛṣṭaḥ ca kāle dṛṣṭaḥ sa kāraṇaḥ | kaccin na mucyate coraḥ dhana lobhān nara ṛṣabha ||

Wird ein ergriffener, befragter, zur rechten Zeit mit Beweisgrund überführter Dieb nicht aus Habgier nach Geld freigelassen, du Stier unter den Männern?

Wort für Wort
gṛhītaḥ caiva pṛṣṭaḥ ca
ergriffen und befragt
kāle dṛṣṭaḥ sa kāraṇaḥ
zur rechten Zeit mit Beweisgrund überführt
kaccin na mucyate coraḥ
wird der Dieb nicht freigelassen
dhana lobhān nara ṛṣabha
aus Habgier nach Geld, du Stier unter den Männern

vyasane kaccid āḍhyasya daridrasya ca rāghava | artham virāgāḥ paśyanti tava amātyā bahu śrutāḥ ||

Betrachten deine gelehrten Minister, Rāghava, den Rechtsfall des Reichen und des Armen im Streitfall unparteiisch?

Wort für Wort
vyasane kaccid āḍhyasya
im Streitfall des Reichen
daridrasya ca rāghava
und des Armen, Rāghava
artham virāgāḥ paśyanti
betrachten den Fall unparteiisch
tava amātyā bahu śrutāḥ
deine gelehrten Minister

yāni mithyā abhiśastānām patanty asrāṇi rāghava | tāni putra paśūn ghnanti prīty artham anuśāsataḥ ||

Die Tränen, die den fälschlich Beschuldigten fließen, Rāghava, sie vernichten die Söhne und das Vieh dessen, der zu Unrecht bestraft.

Wort für Wort
yāni mithyā abhiśastānām
die den fälschlich Beschuldigten
patanty asrāṇi rāghava
fließenden Tränen, Rāghava
tāni putra paśūn ghnanti
sie vernichten Söhne und Vieh
prīty artham anuśāsataḥ
dessen, der zu Unrecht bestraft

kaccid vṛddhāṃś ca bālāṃś ca vaidya mukhyāṃś ca rāghava | dānena manasā vācā tribhir etair bubhūṣase ||

Suchst du, Rāghava, die Alten, die Kinder und die Ärzte durch diese drei Mittel - Gabe, Gesinnung und Wort - zufriedenzustellen?

Wort für Wort
kaccid vṛddhāṃś ca bālāṃś ca
die Alten und die Kinder
vaidya mukhyāṃś ca rāghava
und die vornehmsten Ärzte, Rāghava
dānena manasā vācā
durch Gabe, Gesinnung und Wort
tribhir etair bubhūṣase
suchst du mit diesen drei Mitteln zufriedenzustellen

kaccid gurūṃś ca vṛddhāṃś ca tāpasān devatā atithīn | caityāṃś ca sarvān siddha arthān brāhmaṇāṃś ca namasyasi ||

Verehrst du die Lehrer, die Alten, die Asketen, die Gottheiten, die Gäste, alle heiligen Bäume, die Vollendeten und die Brahmanen?

Wort für Wort
kaccid gurūṃś ca vṛddhāṃś ca
die Lehrer und die Alten
tāpasān devatā atithīn
die Asketen, Gottheiten, Gäste
caityāṃś ca sarvān siddha arthān
alle heiligen Bäume, die Vollendeten
brāhmaṇāṃś ca namasyasi
und die Brahmanen verehrst du

kaccid arthena vā dharmam dharmam dharmeṇa vā punaḥ | ubhau vā prīti lobhena kāmena na vibādhase ||

Beeinträchtigst du nicht den Dharma durch weltlichen Nutzen, oder umgekehrt den Nutzen durch den Dharma, oder beide durch Vergnügen, Habgier oder Begierde?

Wort für Wort
kaccid arthena vā dharmam
nicht den Dharma durch (weltlichen) Nutzen
dharmam dharmeṇa vā punaḥ
oder den Nutzen durch den Dharma
ubhau vā prīti lobhena
oder beide durch Vergnügen, Habgier
kāmena na vibādhase
und Begierde beeinträchtigst du

kaccid artham ca dharmam ca kāmam ca jayatām vara | vibhajya kāle kāla jña sarvān bharata sevase ||

Widmest du dich, Bester der Sieger, zeitkundiger Bharata, Artha, Dharma und Kāma, jedem zu seiner rechten Zeit zugeteilt?

Wort für Wort
kaccid artham ca dharmam ca
Artha, Dharma
kāmam ca jayatām vara
und Kāma, o Bester der Sieger
vibhajya kāle kāla jña
jedem zu seiner Zeit zugeteilt, Zeitkundiger
sarvān bharata sevase
widmest du dich allen, Bharata

kaccit te brāhmaṇāḥ śarma sarva śāstra artha kovidaḥ | āśaṃsante mahā prājña paura jānapadaiḥ saha ||

Wünschen dir die Brahmanen, kundig im Sinn aller Lehren, zusammen mit den Stadt- und Landbewohnern Wohlergehen, du überaus Weiser?

Wort für Wort
kaccit te brāhmaṇāḥ śarma
wünschen dir die Brahmanen Wohlergehen
sarva śāstra artha kovidaḥ
kundig im Sinn aller Lehren
āśaṃsante mahā prājña
wünschen sie, du überaus Weiser
paura jānapadaiḥ saha
zusammen mit den Stadt- und Landbewohnern

nāstikyam anṛtam krodham pramādam dīrgha sūtratām | adarśanam jñāna vatām ālasyam pañca vṛttitām ||

Gottlosigkeit, Lüge, Zorn, Nachlässigkeit, langwieriges Aufschieben, das Meiden der Weisen, Trägheit und die Bindung an die fünf Sinnesobjekte -

Wort für Wort
nāstikyam anṛtam krodham
Gottlosigkeit, Lüge, Zorn
pramādam dīrgha sūtratām
Nachlässigkeit, langwieriges Aufschieben
adarśanam jñāna vatām
das Meiden der Weisen
ālasyam pañca vṛttitām
Trägheit, die Bindung an die fünf (Sinnesobjekte)

eka cintanam arthānām anartha jñaiḥ ca mantraṇam | niścitānām anārambham mantrasya aparilakṣaṇam ||

Das alleinige Erwägen von Angelegenheiten, das Beraten mit Unkundigen, das Nicht-Ausführen bereits Entschiedener Dinge, das Nicht-Geheimhalten des Ratschlusses -

Wort für Wort
eka cintanam arthānām
das alleinige Erwägen von Angelegenheiten
anartha jñaiḥ ca mantraṇam
und das Beraten mit Unkundigen
niścitānām anārambham
das Nicht-Ausführen bereits Entschiedener (Dinge)
mantrasya aparilakṣaṇam
das Nicht-Geheimhalten des Ratschlusses

maṅgalasya aprayogam ca pratyutthānam ca sarvaśaḥ | kaccit tvam varjayasy etān rāja doṣān catur daśa ||

Das Unterlassen glückverheißender Riten und das Aufstehen aus Ehrerbietung vor jedermann - meidest du diese vierzehn Königsfehler?

Wort für Wort
maṅgalasya aprayogam ca
und das Unterlassen glückverheißender Riten
pratyutthānam ca sarvaśaḥ
und das Aufstehen (aus Ehrerbietung) vor jedermann
kaccit tvam varjayasy etān
meidest du diese
rāja doṣān catur daśa
vierzehn Königsfehler

daśa pañca ca vargān saptavargaṃ ca tattvataḥ | aṣṭavargam trivargaṃ ca vidyāḥ tisraś ca rāghava ||

Die Gruppen von zehn und fünf, wahrhaftig auch die Gruppe der Sieben, die Gruppe der Acht und die Dreiergruppe, sowie die drei Wissenschaften, Rāghava -

Wort für Wort
daśa pañca ca vargān
die Gruppen von zehn und fünf
saptavargaṃ ca tattvataḥ
und wahrhaftig die Gruppe der Sieben
aṣṭavargam trivargaṃ ca
die Gruppe der Acht und die Dreiergruppe
vidyāḥ tisraś ca rāghava
und die drei Wissenschaften, Rāghava

indriyāṇāṃ jayaṃ buddhyaṃ ṣāḍguṇyaṃ daiva mānuṣam | kṛtyaṃ viṃśati vargaṃ ca tathā prakṛti maṇḍalam ||

die Beherrschung der Sinne durch den Verstand, die sechs außenpolitischen Mittel, göttliches und menschliches Wirken, die zwanzig Kategorien des zu Tuenden, und ebenso den Kreis der Staatselemente -

Wort für Wort
indriyāṇāṃ jayaṃ buddhyaṃ
die Beherrschung der Sinne durch den Verstand
ṣāḍguṇyaṃ daiva mānuṣam
die sechs (außenpolitischen) Mittel, göttliches und menschliches (Wirken)
kṛtyaṃ viṃśati vargaṃ ca
die zwanzig Kategorien des zu Tuenden
tathā prakṛti maṇḍalam
und ebenso den Kreis der Staatselemente

yātrā daṇḍa vidhānaṃ ca dvi yonī saṃdhi vigrahau | kaccid etān mahā prājña yathāvad anumanyase ||

kennst du gebührend, du überaus Weiser, den Feldzug, die Anwendung der Strafgewalt, die zweifache Grundlage von Frieden und Krieg?

Wort für Wort
yātrā daṇḍa vidhānaṃ ca
den Feldzug und die Anwendung der Strafgewalt
dvi yonī saṃdhi vigrahau
die zweifache Grundlage von Frieden und Krieg
kaccid etān mahā prājña
kennst du diese, du überaus Weiser
yathāvad anumanyase
gebührend

mantribhiḥ tvaṃ yathā uddiṣṭaiś caturbhiḥ tribhir eva vā | kaccit samastair vyastaiś ca mantraṃ mantrayase mithaḥ ||

Berätst du dich, wie vorgeschrieben, mit vier oder auch drei Ministern, gemeinsam und einzeln, den Rat untereinander abwägend?

Wort für Wort
mantribhiḥ tvaṃ yathā uddiṣṭaiś
mit Ministern, wie vorgeschrieben
caturbhiḥ tribhir eva vā
mit vier oder auch drei
kaccit samastair vyastaiś ca
gemeinsam und einzeln
mantraṃ mantrayase mithaḥ
den Rat untereinander abwägend

kaccit te saphalā vedāḥ kaccit te saphalāḥ kriyāḥ | kaccit te saphalā dārāḥ kaccit te saphalaṃ śrutam ||

Tragen deine Veden Frucht, tragen deine Handlungen Frucht, trägt deine Ehe Frucht, trägt dein Gelerntes Frucht?

Wort für Wort
kaccit te saphalā vedāḥ
tragen deine Veden Frucht
kaccit te saphalāḥ kriyāḥ
tragen deine Handlungen Frucht
kaccit te saphalā dārāḥ
trägt deine Ehe Frucht
kaccit te saphalaṃ śrutam
trägt dein Gelerntes Frucht

kaccid eṣaiva te buddhiḥ yathā uktā mama rāghava | āyuṣyā ca yaśasyā ca dharma kāma artha saṃhitā ||

Ist eben diese deine Gesinnung, wie ich sie dir dargelegt habe, Rāghava, langlebensfördernd, ruhmreich und mit Dharma, Kāma und Artha vereint?

Wort für Wort
kaccid eṣaiva te buddhiḥ
ist eben diese deine Gesinnung
yathā uktā mama rāghava
wie von mir dargelegt, Rāghava
āyuṣyā ca yaśasyā ca
langlebensfördernd und ruhmreich
dharma kāma artha saṃhitā
mit Dharma, Kāma und Artha vereint

yāṃ vṛttiṃ vartate rājā yāṃ ca naḥ prapitāmahāḥ | tāṃ vṛttiṃ vartase kaccid yā ca sat patha gā śubhā ||

Folgst du der Lebensweise, der ein König folgt, der auch unsere Urgroßväter folgten - jener glückverheißenden Weise, die auf dem rechten Pfad geht?

Wort für Wort
yāṃ vṛttiṃ vartate rājā
der Lebensweise, der ein König folgt
yāṃ ca naḥ prapitāmahāḥ
der auch unsere Urgroßväter (folgten)
tāṃ vṛttiṃ vartase kaccid
folgst du jener Weise
yā ca sat patha gā śubhā
die glückverheißend, auf rechtem Pfad geht

kaccit svādu kṛtaṃ bhojyam eko na aśnāsi rāghava | kaccid āśaṃsamānebhyo mitrebhyaḥ samprayacchasi ||

Isst du nicht allein wohlschmeckend zubereitete Speise, Rāghava, sondern teilst sie den hoffenden Freunden zu?

Wort für Wort
kaccit svādu kṛtaṃ bhojyam
wohlschmeckend zubereitete Speise
eko na aśnāsi rāghava
isst du nicht allein, Rāghava
kaccid āśaṃsamānebhyo
(sondern) den hoffenden
mitrebhyaḥ samprayacchasi
Freunden teilst du zu

avāpya kṛtsnāṃ vasudhāṃ yathā avidita cyutaḥ | svargam upaiti vidvān ||

Nachdem er die ganze Erde erlangt hat, gelangt der Weise, unbemerkt vom Leben geschieden, zum Himmel.

Wort für Wort
avāpya kṛtsnāṃ vasudhāṃ
nachdem er die ganze Erde erlangt hat
yathā avidita cyutaḥ
unbemerkt geschieden
svargam upaiti vidvān
gelangt der Weise zum Himmel

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