Rāmāyaṇa · Ayodhyākāṇḍa
Sarga 100: Rāma Rāja Dharma Praśnāḥ
Rāma befragt Bharata eingehend über Rechtschaffenheit, Regierungsführung und die Pflichten eines Königs
jaṭilaṃ cīra vasanaṃ prāñjaliṃ patitaṃ bhuvi |
dadarśa rāmo durdarśaṃ yugānte bhāskaraṃ yathā ||
Rāma erblickte ihn, den mit Jaṭā-Locken und Rindenkleidern Bekleideten, mit gefalteten Händen zu Boden Gefallenen, kaum erkennbar wie die Sonne am Ende eines Weltzeitalters.
Wort für Wort jaṭilaṃ cīra vasanaṃ den mit Jaṭā-Locken, Rindenkleider tragenden prāñjaliṃ patitaṃ bhuvi mit gefalteten Händen zu Boden gefallenen dadarśa rāmo durdarśaṃ erblickte Rāma, kaum erkennbar yugānte bhāskaraṃ yathā wie die Sonne am Ende eines Weltzeitalters kathaṃ cid abhivijñāya vivarṇa vadanaṃ kṛśam |
bhrātaraṃ bharataṃ rāmaḥ parijagrāha bāhunā ||
Nachdem er ihn mit Mühe erkannt hatte, den bleichgesichtigen, abgemagerten Bruder Bharata, umfing ihn Rāma mit dem Arm.
Wort für Wort kathaṃ cid abhivijñāya nachdem er ihn mit Mühe erkannt hatte vivarṇa vadanaṃ kṛśam den bleichgesichtigen, abgemagerten bhrātaraṃ bharataṃ rāmaḥ den Bruder Bharata, Rāma parijagrāha bāhunā umfing er mit dem Arm āghrāya rāmaḥ taṃ mūrdhni pariṣvajya ca rāghavaḥ |
aṅke bharatam āropya paryapṛcchat samāhitaḥ ||
Rāma küsste ihn auf den Kopf, Rāghava umarmte ihn, setzte Bharata auf seinen Schoß und fragte ihn gesammelt:
Wort für Wort āghrāya rāmaḥ taṃ mūrdhni Rāma küsste ihn auf den Kopf pariṣvajya ca rāghavaḥ und Rāghava umarmte ihn aṅke bharatam āropya Bharata auf den Schoß setzend paryapṛcchat samāhitaḥ fragte er gesammelt kva nu te abhūt pitā tāta yad araṇyam tvam āgataḥ |
na hi tvam jīvataḥ tasya vanam āgantum arhasi ||
Wo ist denn dein Vater geblieben, mein Lieber, dass du in den Wald gekommen bist? Denn solange er lebt, ziemt es sich nicht für dich, in den Wald zu kommen.
Wort für Wort kva nu te abhūt pitā tāta wo ist denn dein Vater geblieben, mein Lieber yad araṇyam tvam āgataḥ dass du in den Wald gekommen bist na hi tvam jīvataḥ tasya denn solange er lebt vanam āgantum arhasi ziemt es sich nicht für dich, in den Wald zu kommen cirasya bata paśyāmi dūrād bharatam āgatam |
duṣpratīkam araṇye asmin kim tāta vanam āgataḥ ||
Ach, nach langer Zeit sehe ich Bharata von fern kommen; warum bist du, mein Lieber, in diesen schwer zugänglichen Wald gekommen?
Wort für Wort cirasya bata paśyāmi ach, nach langer Zeit sehe ich dūrād bharatam āgatam Bharata von fern kommen duṣpratīkam araṇye asmin in diesen schwer zugänglichen Wald kim tāta vanam āgataḥ warum, mein Lieber, bist du gekommen kaccid dhārayate tāta rājā yat tvam iha āgataḥ |
kaccin na dīnaḥ sahasā rājā loka antaraṃ gataḥ ||
Lebt der König noch, mein Lieber, da du hierher gekommen bist? Ist der König nicht etwa plötzlich, elend, in die andere Welt gegangen?
Wort für Wort kaccid dhārayate tāta rājā lebt der König noch, mein Lieber yat tvam iha āgataḥ da du hierher gekommen bist kaccin na dīnaḥ sahasā ist er nicht plötzlich, elend rājā loka antaraṃ gataḥ der König in die andere Welt gegangen kaccit saumya na te rājyaṃ bhraṣṭaṃ bālasya śāśvatam |
kaccic chuśrūṣase tāta pitaraṃ satya vikramam ||
Ist dir, mein Sanfter, nicht das ewige Königreich, dir als Jüngerem, entglitten? Dienst du, mein Lieber, dem Vater von wahrer Tapferkeit?
Wort für Wort kaccit saumya na te rājyaṃ ist dir, mein Sanfter, nicht das Königreich bhraṣṭaṃ bālasya śāśvatam entglitten, dir als Jüngerem, das ewige kaccic chuśrūṣase tāta dienst du, mein Lieber pitaraṃ satya vikramam dem Vater von wahrer Tapferkeit kaccid daśaratho rājā kuśalī satya saṃgaraḥ |
rāja sūya aśva medhānām āhartā dharma niścayaḥ ||
Ist König Daśaratha wohlauf, treu seinen Versprechen, der Vollbringer von Rājasūya- und Aśvamedha-Opfern, im Dharma gefestigt?
Wort für Wort kaccid daśaratho rājā ist König Daśaratha kuśalī satya saṃgaraḥ wohlauf, treu seinen Versprechen rāja sūya aśva medhānām āhartā der Vollbringer von Rājasūya- und Aśvamedha-Opfern dharma niścayaḥ im Dharma gefestigt sa kaccid brāhmaṇo vidvān dharma nityo mahā dyutiḥ |
ikṣvākūṇām upādhyāyo yathāvat tāta pūjyate ||
Wird jener gelehrte Brahmane, stets dem Dharma treu, überaus glanzvoll, der Lehrmeister der Ikṣvākus, gebührend geehrt, mein Lieber?
Wort für Wort sa kaccid brāhmaṇo vidvān wird jener gelehrte Brahmane dharma nityo mahā dyutiḥ stets dem Dharma treu, überaus glanzvoll ikṣvākūṇām upādhyāyo der Lehrmeister der Ikṣvākus yathāvat tāta pūjyate gebührend geehrt, mein Lieber sā tāta kaccic ca kausalyā sumitrā ca prajāvatī |
sukhinī kaccid āryā ca devī nandati kaikayī ||
Ist Kausalyā wohlauf, mein Lieber, und Sumitrā, die Kindersegen hat, glücklich? Ist die edle Königin Kaikeyī zufrieden?
Wort für Wort sā tāta kaccic ca kausalyā ist Kausalyā, mein Lieber sumitrā ca prajāvatī und Sumitrā, die Kindersegen hat sukhinī kaccid āryā ca glücklich, die Edle devī nandati kaikayī ist die Königin Kaikeyī zufrieden kaccid vinaya sampannaḥ kula putro bahu śrutaḥ |
anasūyur anudraṣṭā satkṛtaḥ te purohitaḥ ||
Ist dein Hauspriester, von guter Abkunft, wohlerzogen, gelehrt, neidlos, weitsichtig, von dir gebührend geehrt?
Wort für Wort kaccid vinaya sampannaḥ ist er wohlerzogen kula putro bahu śrutaḥ von guter Abkunft, sehr gelehrt anasūyur anudraṣṭā neidlos, weitsichtig satkṛtaḥ te purohitaḥ dein Hauspriester, gebührend geehrt kaccid agniṣu te yukto vidhijño matimān ṛjuḥ |
hutaṃ ca hoṣyamāṇaṃ ca kāle vedayate sadā ||
Ist er, in den Opferfeuern geübt, der Ritenkundige, Kluge, Rechtschaffene, stets zur rechten Zeit über die vollzogenen und die noch zu vollziehenden Opfer unterrichtet?
Wort für Wort kaccid agniṣu te yukto ist er in den Opferfeuern geübt vidhijño matimān ṛjuḥ der Ritenkundige, Kluge, Rechtschaffene hutaṃ ca hoṣyamāṇaṃ ca über das vollzogene und das noch zu vollziehende Opfer kāle vedayate sadā unterrichtet er stets zur rechten Zeit kaccid devān pitṝn bhṛtyān gurūn pitṛ samān api |
vṛddhāṃś ca tāta vaidyāṃś ca brāhmaṇāṃś ca abhimanyase ||
Erweist du, mein Lieber, den Göttern, den Ahnen, den Dienern, den Lehrern, die dir wie Väter sind, den Alten, den Ärzten und den Brahmanen Achtung?
Wort für Wort kaccid devān pitṝn bhṛtyān den Göttern, Ahnen, Dienern gurūn pitṛ samān api den Lehrern, die wie Väter sind vṛddhāṃś ca tāta vaidyāṃś ca den Alten, mein Lieber, und den Ärzten brāhmaṇāṃś ca abhimanyase und den Brahmanen erweist du Achtung iṣu astra vara sampannam artha śāstra viśāradam |
sudhanvānam upādhyāyam kaccit tvam tāta manyase ||
Ehrst du, mein Lieber, deinen Lehrer Sudhanvan, der in Pfeil und trefflichen Waffen bewandert und in der Staatslehre erfahren ist?
Wort für Wort iṣu astra vara sampannam in Pfeil und trefflichen Waffen bewandert artha śāstra viśāradam in der Staatslehre erfahren sudhanvānam upādhyāyam den Lehrer Sudhanvan kaccit tvam tāta manyase ehrst du, mein Lieber kaccid ātma samāḥ śūrāḥ śruta vantaḥ jita indriyāḥ |
kulīnāḥ ca iṅgita jñāḥ ca kṛtāḥ te tāta mantriṇaḥ ||
Hast du, mein Lieber, dir gleichgesinnte, tapfere, gelehrte, sinnesbeherrschte, wohlgeborene und die Gedanken anderer erkennende Männer zu deinen Ministern gemacht?
Wort für Wort kaccid ātma samāḥ śūrāḥ dir gleichgesinnte, tapfere śruta vantaḥ jita indriyāḥ gelehrte, sinnesbeherrschte kulīnāḥ ca iṅgita jñāḥ ca wohlgeborene und Gedanken-erkennende kṛtāḥ te tāta mantriṇaḥ hast du, mein Lieber, zu Ministern gemacht mantro vijaya mūlam hi rājñām bhavati rāghava |
susaṃvṛto mantra dharair amātyaiḥ śāstra kovidaiḥ ||
Denn der Rat ist die Wurzel des Sieges der Könige, Rāghava, wohl gehütet durch ratkundige, in der Wissenschaft erfahrene Minister.
Wort für Wort mantro vijaya mūlam hi denn der Rat ist die Wurzel des Sieges rājñām bhavati rāghava der Könige, Rāghava susaṃvṛto mantra dharair wohl gehütet durch Ratkundige amātyaiḥ śāstra kovidaiḥ durch in der Wissenschaft erfahrene Minister kaccin nidrā vaśam na eṣi kaccit kāle vibudhyase |
kaccic ca apara rātriṣu cintayasy artha naipuṇam ||
Verfällst du nicht dem Schlaf, wachst du zur rechten Zeit auf, denkst du in den späten Nachtstunden mit Geschick über die Staatsangelegenheiten nach?
Wort für Wort kaccin nidrā vaśam na eṣi verfällst du nicht dem Schlaf kaccit kāle vibudhyase wachst du zur rechten Zeit auf kaccic ca apara rātriṣu und in den späten Nachtstunden cintayasy artha naipuṇam denkst du mit Geschick über die Angelegenheiten nach kaccin mantrayase na ekaḥ kaccin na bahubhiḥ saha |
kaccit te mantrito mantro rāṣṭram na paridhāvati ||
Berätst du dich nicht allein, auch nicht mit zu vielen zugleich? Dringt dein beratener Rat nicht vorzeitig im Reich umher?
Wort für Wort kaccin mantrayase na ekaḥ berätst du dich nicht allein kaccin na bahubhiḥ saha auch nicht mit zu vielen zugleich kaccit te mantrito mantro dringt dein beratener Rat rāṣṭram na paridhāvati nicht im Reich umher kaccid artham viniścitya laghu mūlam mahā udayam |
kṣipram ārabhase kartum na dīrghayasi rāghava ||
Nachdem du eine Angelegenheit von geringem Aufwand, aber großem Ertrag entschieden hast, beginnst du sie rasch auszuführen und verzögerst nicht, Rāghava?
Wort für Wort kaccid artham viniścitya nachdem du eine Angelegenheit entschieden hast laghu mūlam mahā udayam von geringem Aufwand, großem Ertrag kṣipram ārabhase kartum beginnst du rasch auszuführen na dīrghayasi rāghava du verzögerst nicht, Rāghava kaccid artham viniścitya laghu mūlam mahā udayam |
kaccit sukṛtāny eva kṛta rūpāṇi vā punaḥ |
viduḥ te sarva kāryāṇi na kartavyāni pārthivāḥ ||
Nachdem du eine Angelegenheit von geringem Aufwand, aber großem Ertrag entschieden hast - wissen nur die Beteiligten, was bereits getan oder noch zu tun ist, und nicht alle Fürsten alle deine Angelegenheiten, die nicht öffentlich zu behandeln sind?
Wort für Wort kaccid artham viniścitya nachdem du eine Angelegenheit entschieden hast laghu mūlam mahā udayam von geringem Aufwand, großem Ertrag kaccit sukṛtāny eva kṛta rūpāṇi vā punaḥ wissen (nur die Beteiligten), was bereits getan oder noch zu tun ist viduḥ te sarva kāryāṇi na kartavyāni pārthivāḥ und nicht alle Fürsten all deine (geheimen) Angelegenheiten kaccin na tarkair yuktvā vā ye ca api aparikīrtitāḥ |
tvayā vā tava vā amātyair budhyate tāta mantritam ||
Wird dein beratener Plan, mein Lieber, nicht durch bloße Vermutungen erschlossen, wird er von dir oder deinen Ministern nicht unbekannten Personen kundgetan?
Wort für Wort kaccin na tarkair yuktvā vā wird nicht durch bloße Vermutungen ye ca api aparikīrtitāḥ und (von solchen), die unbekannt sind tvayā vā tava vā amātyair von dir oder deinen Ministern budhyate tāta mantritam dein beratener Plan bekannt gemacht, mein Lieber kaccit sahasrān mūrkhāṇām ekam icchasi paṇḍitam |
paṇḍito hy artha kṛcchreṣu kuryān niḥśreyasam mahat ||
Ziehst du einen einzigen Gelehrten tausend Toren vor? Denn ein Gelehrter kann in schwierigen Angelegenheiten großen Nutzen stiften.
Wort für Wort kaccit sahasrān mūrkhāṇām tausend Toren gegenüber ekam icchasi paṇḍitam ziehst du einen einzigen Gelehrten vor paṇḍito hy artha kṛcchreṣu denn ein Gelehrter kann in schwierigen Angelegenheiten kuryān niḥśreyasam mahat großen Nutzen stiften sahasrāṇy api mūrkhāṇām yady upāste mahī patiḥ |
atha vā api ayutāny eva na asti teṣu sahāyatā ||
Selbst wenn der Herrscher der Erde Tausende oder gar Zehntausende von Toren um sich hat, ist in ihnen keine wahre Hilfe.
Wort für Wort sahasrāṇy api mūrkhāṇām selbst Tausende von Toren yady upāste mahī patiḥ wenn der Herrscher der Erde um sich hat atha vā api ayutāny eva oder auch gar Zehntausende na asti teṣu sahāyatā ist in ihnen keine wahre Hilfe eko api amātyo medhāvī śūro dakṣo vicakṣaṇaḥ |
rājānam rāja mātram vā prāpayen mahatīm śriyam ||
Ein einziger kluger, tapferer, geschickter, weitsichtiger Minister kann einen König oder auch einen Königssohn zu großem Glanz führen.
Wort für Wort eko api amātyo medhāvī ein einziger kluger Minister śūro dakṣo vicakṣaṇaḥ tapfer, geschickt, weitsichtig rājānam rāja mātram vā einen König oder einen Königssohn prāpayen mahatīm śriyam kann zu großem Glanz führen kaccin mukhyā mahatsu eva madhyameṣu ca madhyamāḥ |
jaghanyāḥ ca jaghanyeṣu bhṛtyāḥ karmasu yojitāḥ ||
Sind die Vornehmsten deiner Diener mit den wichtigsten Aufgaben betraut, die Mittleren mit mittleren, und die Geringeren mit geringeren?
Wort für Wort kaccin mukhyā mahatsu eva sind die Vornehmsten mit den wichtigsten madhyameṣu ca madhyamāḥ und die Mittleren mit mittleren jaghanyāḥ ca jaghanyeṣu und die Geringeren mit geringeren bhṛtyāḥ karmasu yojitāḥ Diener mit Aufgaben betraut amātyān upadhā atītān pitṛ paitāmahān śucīn |
śreṣṭhān śreṣṭheṣu kaccit tvam niyojayasi karmasu ||
Setzt du Minister, die die Bewährungsproben bestanden haben, von väterlicher und großväterlicher Treue, lauter, die besten unter den besten Aufgaben ein?
Wort für Wort amātyān upadhā atītān Minister, die die Bewährungsproben bestanden haben pitṛ paitāmahān śucīn von väterlicher und großväterlicher Treue, lauter śreṣṭhān śreṣṭheṣu die besten unter den besten kaccit tvam niyojayasi karmasu setzt du bei Aufgaben ein kaccin na ugreṇa daṇḍena bhṛśam udvejita prajam |
rājyaṃ tava anujānanti mantriṇaḥ kaikayī suta ||
Billigen deine Minister nicht ein Königreich, dessen Untertanen durch grausame Strafe zutiefst beunruhigt sind, Sohn der Kaikeyī?
Wort für Wort kaccin na ugreṇa daṇḍena nicht durch grausame Strafe bhṛśam udvejita prajam zutiefst beunruhigte Untertanen rājyaṃ tava anujānanti billigen deine Minister das Königreich mantriṇaḥ kaikayī suta (deine) Minister, Sohn der Kaikeyī kaccit tvām na avajānanti yājakāḥ patitam yathā |
ugra pratigrahītāram kāmayānam iva striyaḥ ||
Verachten dich die Priester nicht, so wie man einen Gefallenen verachtet, weil du grausam Geschenke annimmst, wie Frauen einen lüsternen Mann verachten?
Wort für Wort kaccit tvām na avajānanti verachten dich nicht yājakāḥ patitam yathā die Priester, wie einen Gefallenen ugra pratigrahītāram den grausam Geschenke Annehmenden kāmayānam iva striyaḥ wie Frauen einen Lüsternen (verachten) upāya kuśalam vaidyam bhṛtya saṃdūṣaṇe ratam |
śūram aiśvarya kāmam ca yo na hanti sa vadhyate ||
Wer einen im Mittel geschickten Verräter, einen Arzt, der Diener verdirbt, einen Tapferen, der nach Herrschaft strebt, nicht vernichtet, wird selbst vernichtet.
Wort für Wort upāya kuśalam vaidyam den im Mittel geschickten (Verräter, wie) einen Arzt bhṛtya saṃdūṣaṇe ratam der Diener zu verderben pflegt śūram aiśvarya kāmam ca und den Tapferen, der nach Herrschaft strebt yo na hanti sa vadhyate wer nicht vernichtet, wird selbst vernichtet kaccid dhṛṣṭaḥ ca śūraḥ ca dhṛtimān matimān śuciḥ |
kulīnaḥ ca anuraktaḥ ca dakṣaḥ senā patiḥ kṛtaḥ ||
Ist dein Heerführer kühn, tapfer, standhaft, klug, lauter, wohlgeboren, ergeben und tüchtig?
Wort für Wort kaccid dhṛṣṭaḥ ca śūraḥ ca ist er kühn und tapfer dhṛtimān matimān śuciḥ standhaft, klug, lauter kulīnaḥ ca anuraktaḥ ca wohlgeboren und ergeben dakṣaḥ senā patiḥ kṛtaḥ tüchtig, zum Heerführer gemacht balavantaḥ ca kaccit te mukhyā yuddha viśāradāḥ |
dṛṣṭa apadānā vikrāntāḥ tvayā satkṛtya mānitāḥ ||
Sind deine Vornehmsten kraftvoll, im Kampf erfahren, mit erwiesenen Heldentaten, tapfer, von dir gebührend geehrt und geachtet?
Wort für Wort balavantaḥ ca kaccit te sind deine kraftvoll mukhyā yuddha viśāradāḥ Vornehmsten, im Kampf erfahren dṛṣṭa apadānā vikrāntāḥ mit erwiesenen Heldentaten, tapfer tvayā satkṛtya mānitāḥ von dir gebührend geehrt und geachtet kaccid balasya bhaktam ca vetanam ca yathā ucitam |
samprāpta kālam dātavyam dadāsi na vilambase ||
Gibst du dem Heer den zur rechten Zeit fälligen Unterhalt und Sold gebührend, ohne zu zögern?
Wort für Wort kaccid balasya bhaktam ca gibst du dem Heer den Unterhalt vetanam ca yathā ucitam und den Sold, wie gebührend samprāpta kālam dātavyam zur rechten Zeit fällig, zu geben dadāsi na vilambase gibst du, ohne zu zögern kāla atikramaṇe hy eva bhakta vetanayor bhṛtāḥ |
bhartuḥ kupyanti duṣyanti so anarthaḥ sumahān smṛtaḥ ||
Denn wenn Unterhalt und Sold verspätet ausgezahlt werden, zürnen die Diener ihrem Herrn und werden aufsässig - das gilt als überaus großes Unheil.
Wort für Wort kāla atikramaṇe hy eva denn bei Überschreiten der Zeit bhakta vetanayor bhṛtāḥ von Unterhalt und Sold, die Diener bhartuḥ kupyanti duṣyanti zürnen dem Herrn, werden aufsässig so anarthaḥ sumahān smṛtaḥ das gilt als überaus großes Unheil kaccit sarve anuraktāḥ tvām kula putrāḥ pradhānataḥ |
kaccit prāṇān tava artheṣu saṃtyajanti samāhitāḥ ||
Sind alle wohlgeborenen Männer dir vor allem ergeben? Würden sie gesammelt ihr Leben für deine Sache opfern?
Wort für Wort kaccit sarve anuraktāḥ tvām sind dir alle ergeben kula putrāḥ pradhānataḥ die wohlgeborenen Männer, vor allem kaccit prāṇān tava artheṣu würden sie ihr Leben für deine Sache saṃtyajanti samāhitāḥ gesammelt opfern kaccij jānapado vidvān dakṣiṇaḥ pratibhānavān |
yathā ukta vādī dūtaḥ te kṛto bharata paṇḍitaḥ ||
Hast du, Bharata, einen gelehrten, tüchtigen, geistesgegenwärtigen, wortgetreuen Landeskundigen zu deinem Boten gemacht?
Wort für Wort kaccij jānapado vidvān einen gelehrten Landeskundigen dakṣiṇaḥ pratibhānavān tüchtig, geistesgegenwärtig yathā ukta vādī dūtaḥ te der wortgetreue Bote kṛto bharata paṇḍitaḥ gemacht, Bharata, der Gelehrte kaccid aṣṭādaśa āny eṣu sva pakṣe daśa pañca ca |
tribhiḥ tribhir avijñātair vetsi tīrthāni cārakaiḥ ||
Kennst du die achtzehn Spionagestellen - fünfzehn in deiner eigenen Partei - durch jeweils drei unerkannte Kundschafter, die Zugänge?
Wort für Wort kaccid aṣṭādaśa āny eṣu kennst du diese achtzehn sva pakṣe daśa pañca ca fünfzehn in der eigenen Partei tribhiḥ tribhir avijñātair durch jeweils drei unerkannte vetsi tīrthāni cārakaiḥ kennst du die Zugänge, durch Kundschafter kaccid vyapāstān ahitān pratiyātān ca sarvadā |
durbalān anavajñāya vartase ripu sūdana ||
Verhältst du dich, Feindevernichter, gegenüber vertriebenen Feinden, die stets zurückkehren, und Schwachen, ohne sie zu verachten?
Wort für Wort kaccid vyapāstān ahitān gegenüber vertriebenen Feinden pratiyātān ca sarvadā die stets zurückkehren durbalān anavajñāya und Schwachen, ohne zu verachten vartase ripu sūdana verhältst du dich, Feindevernichter kaccin na lokāyatikān brāhmaṇān tāta sevase |
anartha kuśalā hy ete bālāḥ paṇḍita māninaḥ ||
Verkehrst du, mein Lieber, nicht mit materialistischen Brahmanen? Denn diese sind geschickt im Unheilstiften, kindisch und halten sich selbst für Gelehrte.
Wort für Wort kaccin na lokāyatikān brāhmaṇān nicht mit materialistischen Brahmanen tāta sevase verkehrst du, mein Lieber anartha kuśalā hy ete denn diese sind geschickt im Unheilstiften bālāḥ paṇḍita māninaḥ kindisch, sich für Gelehrte haltend dharma śāstreṣu mukhyeṣu vidyamāneṣu durbudhāḥ |
buddhimān vīkṣikīm prāpya nirartham pravadanti te ||
Obwohl die vorzüglichen Rechtslehren vorhanden sind, reden diese Dummköpfe, die sich für klug halten, nachdem sie bloße Logik erlangt haben, nutzloses Zeug.
Wort für Wort dharma śāstreṣu mukhyeṣu obwohl die vorzüglichen Rechtslehren vidyamāneṣu durbudhāḥ vorhanden sind, die Dummköpfe buddhimān vīkṣikīm prāpya sich für klug haltend, bloße Logik erlangt habend nirartham pravadanti te reden sie nutzloses Zeug vīraiḥ adhyuṣitām pūrvam asmākam tāta pūrvakaiḥ |
satya nāmām dṛḍha dvārām hasty aśva ratha saṃkulām ||
Ist Ayodhyā, von unseren Vorfahren, den Helden, einst bewohnt, mit wahrem Namen, mit festen Toren, gedrängt voll von Elefanten, Pferden und Wagen -
Wort für Wort vīraiḥ adhyuṣitām pūrvam einst von Helden bewohnt asmākam tāta pūrvakaiḥ von unseren Vorfahren, mein Lieber satya nāmām dṛḍha dvārām mit wahrem Namen, mit festen Toren hasty aśva ratha saṃkulām gedrängt voll von Elefanten, Pferden, Wagen brāhmaṇaiḥ kṣatriyair vaiśyaiḥ sva karma nirataiḥ sadā |
jita indriyair mahā utsāhair vṛta amātyaiḥ sahasraśaḥ ||
von Brahmanen, Kṣatriyas und Vaiśyas, die stets ihren eigenen Pflichten treu sind, sinnesbeherrscht und voller Tatkraft, von Tausenden Ministern umgeben -
Wort für Wort brāhmaṇaiḥ kṣatriyair vaiśyaiḥ von Brahmanen, Kṣatriyas und Vaiśyas sva karma nirataiḥ sadā stets ihren eigenen Pflichten treu jita indriyair mahā utsāhair sinnesbeherrscht, voller Tatkraft vṛta amātyaiḥ sahasraśaḥ von Tausenden Ministern umgeben prāsādaiḥ vividha ākāraiḥ vṛtām vaidya jana ākulām |
kaccit samuditām sphītām ayodhyām parirakṣasi ||
mit Palästen mancherlei Gestalt umgeben, wimmelnd von Ärzten - beschützt du das gedeihende, blühende Ayodhyā?
Wort für Wort prāsādaiḥ vividha ākāraiḥ vṛtām mit Palästen mancherlei Gestalt umgeben vaidya jana ākulām wimmelnd von Ärzten kaccit samuditām sphītām das gedeihende, blühende ayodhyām parirakṣasi beschützt du Ayodhyā kaccic caitya śatair juṣṭaḥ suniviṣṭa jana ākulaḥ |
deva sthānaiḥ prapābhiḥ ca taḍāgaiḥ ca upaśobhitaḥ ||
Ist die Stadt mit hundert heiligen Bäumen versehen, wimmelnd von wohlansässigen Menschen, geschmückt mit Tempeln, Trinkwasserstellen und Teichen?
Wort für Wort kaccic caitya śatair juṣṭaḥ mit hundert heiligen Bäumen versehen suniviṣṭa jana ākulaḥ wimmelnd von wohlansässigen Menschen deva sthānaiḥ prapābhiḥ ca mit Tempeln, Trinkwasserstellen taḍāgaiḥ ca upaśobhitaḥ und mit Teichen geschmückt prahṛṣṭa nara nārīkaḥ samāja utsava śobhitaḥ |
sukṛṣṭa sīmā paśumān hiṃsābhir abhivarjitaḥ ||
Mit erfreuten Männern und Frauen, geschmückt durch Feste und Versammlungen, mit gut bestellten Feldgrenzen, reich an Vieh, frei von Gewalttaten?
Wort für Wort prahṛṣṭa nara nārīkaḥ mit erfreuten Männern und Frauen samāja utsava śobhitaḥ geschmückt durch Versammlungen und Feste sukṛṣṭa sīmā paśumān mit gut bestellten Feldgrenzen, reich an Vieh hiṃsābhir abhivarjitaḥ frei von Gewalttaten adeva mātṛkaḥ ramyaḥ śvāpadaiḥ parivarjitaḥ |
parityakto bhayaiḥ sarvaiḥ khanibhiś ca upaśobhitaḥ ||
Lieblich, nicht allein auf den Regen als Wassergott angewiesen, frei von Raubtieren, aller Furcht ledig, geschmückt mit Minen -
Wort für Wort adeva mātṛkaḥ ramyaḥ lieblich, nicht allein vom Regengott abhängig śvāpadaiḥ parivarjitaḥ frei von Raubtieren parityakto bhayaiḥ sarvaiḥ aller Furcht ledig khanibhiś ca upaśobhitaḥ und mit Minen geschmückt parityakto bhayaiḥ sarvaiḥ khanibhiś ca upaśobhitaḥ |
vivarjito naraiḥ pāpaiḥ mama pūrvaiḥ surakṣitaḥ |
kaccij jana padaḥ sphītaḥ sukham vasati rāghava ||
aller Furcht ledig, geschmückt mit Minen, frei von bösen Menschen, von meinen Vorfahren wohl beschützt - lebt, Rāghava, das blühende Landvolk glücklich?
Wort für Wort parityakto bhayaiḥ sarvaiḥ aller Furcht ledig khanibhiś ca upaśobhitaḥ und mit Minen geschmückt vivarjito naraiḥ pāpaiḥ frei von bösen Menschen mama pūrvaiḥ surakṣitaḥ von meinen Vorfahren wohl beschützt kaccij jana padaḥ sphītaḥ lebt das blühende Landvolk sukham vasati rāghava glücklich, Rāghava kaccit te dayitāḥ sarve kṛṣi go rakṣa jīvinaḥ |
vārtāyām saṃśritaḥ tāta loko hi sukham edhate ||
Sind dir alle lieb, die vom Ackerbau und der Viehzucht leben? Denn das Volk, das dem Erwerb zugetan ist, gedeiht in Glück, mein Lieber.
Wort für Wort kaccit te dayitāḥ sarve sind dir alle lieb kṛṣi go rakṣa jīvinaḥ die vom Ackerbau und der Viehzucht leben vārtāyām saṃśritaḥ tāta dem Erwerb zugetan, mein Lieber loko hi sukham edhate das Volk gedeiht in Glück teṣām gupti parīhāraiḥ kaccit te bharaṇam kṛtam |
rakṣyā hi rājñā dharmeṇa sarve viṣaya vāsinaḥ ||
Sorgst du für ihren Schutz und Unterhalt? Denn alle Bewohner des Landes müssen vom König rechtmäßig beschützt werden.
Wort für Wort teṣām gupti parīhāraiḥ für ihren Schutz und Unterhalt kaccit te bharaṇam kṛtam sorgst du rakṣyā hi rājñā dharmeṇa denn vom König müssen rechtmäßig beschützt werden sarve viṣaya vāsinaḥ alle Bewohner des Landes kaccit striyaḥ sāntvayasi kaccit tāḥ ca surakṣitāḥ |
kaccin na śraddadhāsi āsām kaccid guhyam na bhāṣase ||
Beschwichtigst du die Frauen, sind sie wohl beschützt? Vertraust du ihnen nicht blind, verrätst du ihnen keine Geheimnisse?
Wort für Wort kaccit striyaḥ sāntvayasi beschwichtigst du die Frauen kaccit tāḥ ca surakṣitāḥ sind sie wohl beschützt kaccin na śraddadhāsi āsām vertraust du ihnen nicht (blind) kaccid guhyam na bhāṣase verrätst du ihnen keine Geheimnisse kaccin nāga vanaṃ guptaṃ kaccit te santi dhenukāḥ |
kaccin na gaṇikā aśvānāṃ kuñjarāṇāṃ ca tṛpyasi ||
Ist der Elefantenwald bewacht, besitzt du Milchkühe, gibst du dich nicht übermäßig Kurtisanen, Pferden und Elefanten hin?
Wort für Wort kaccin nāga vanaṃ guptaṃ ist der Elefantenwald bewacht kaccit te santi dhenukāḥ besitzt du Milchkühe kaccin na gaṇikā aśvānāṃ nicht übermäßig Kurtisanen, Pferden kuñjarāṇāṃ ca tṛpyasi und Elefanten hingibst kaccid darśayase nityam manuṣyāṇām vibhūṣitam |
utthāya utthāya pūrva ahṇe rāja putro mahā pathe ||
Zeigst du dich, Königssohn, stets geschmückt den Menschen, indem du jeden Morgen früh aufstehst, auf der großen Straße?
Wort für Wort kaccid darśayase nityam zeigst du dich stets manuṣyāṇām vibhūṣitam den Menschen, geschmückt utthāya utthāya pūrva ahṇe jeden Morgen früh aufstehend rāja putro mahā pathe Königssohn, auf der großen Straße kaccin na sarve karma antāḥ pratyakṣās te aviśaṅkayā |
sarve vā punar utsṛṣṭā madhyame vā atra kāraṇam ||
Werden nicht alle deine Amtsgeschäfte ohne Prüfung offen zugänglich gemacht, oder alle wieder ganz freigegeben - liegt hier ein mittlerer Grund vor?
Wort für Wort kaccin na sarve karma antāḥ nicht alle Amtsgeschäfte pratyakṣās te aviśaṅkayā offen zugänglich, ohne Prüfung sarve vā punar utsṛṣṭā oder alle wieder freigegeben madhyame vā atra kāraṇam liegt hier ein mittlerer Grund vor kaccit sarvāṇi durgāṇi dhana dhānya āyudha udakaiḥ |
yantraiḥ ca paripūrṇāni tathā śilpi dhanur dharaiḥ ||
Sind alle Festungen mit Schätzen, Getreide, Waffen und Wasser, mit Kriegsmaschinen und ebenso mit Handwerkern und Bogenschützen wohl ausgestattet?
Wort für Wort kaccit sarvāṇi durgāṇi sind alle Festungen dhana dhānya āyudha udakaiḥ mit Schätzen, Getreide, Waffen und Wasser yantraiḥ ca paripūrṇāni mit Kriegsmaschinen wohl ausgestattet tathā śilpi dhanur dharaiḥ ebenso mit Handwerkern und Bogenschützen āyaḥ te vipulaḥ kaccit kaccid alpataraḥ vyayaḥ |
apātreṣu na te kaccit kośo gacchati rāghava ||
Ist dein Einkommen umfangreich, deine Ausgabe eher gering? Fließt dein Schatz, Rāghava, nicht an Unwürdige?
Wort für Wort āyaḥ te vipulaḥ kaccit ist dein Einkommen umfangreich kaccid alpataraḥ vyayaḥ und deine Ausgabe eher gering apātreṣu na te kaccit nicht an Unwürdige kośo gacchati rāghava fließt dein Schatz, Rāghava devatā arthe ca pitṛ arthe brāhmaṇa abhyāgateṣu ca |
yodheṣu mitra vargeṣu kaccid gacchati te vyayaḥ ||
Fließt deine Ausgabe für die Götter, für die Ahnen, für ankommende Brahmanen, für die Krieger und den Freundeskreis?
Wort für Wort devatā arthe ca pitṛ arthe für die Götter und für die Ahnen brāhmaṇa abhyāgateṣu ca und für ankommende Brahmanen yodheṣu mitra vargeṣu für die Krieger und den Freundeskreis kaccid gacchati te vyayaḥ fließt deine Ausgabe kaccid āryo viśuddha ātmā kṣāritaḥ cora karmaṇā |
apṛṣṭaḥ śāstra kuśalair na lobhād badhyate śuciḥ ||
Wird kein edler, reiner Mensch fälschlich der Dieberei bezichtigt, ohne von den Rechtskundigen befragt zu werden? Wird kein Lauterer aus Habgier gebunden?
Wort für Wort kaccid āryo viśuddha ātmā der edle, reine Mensch kṣāritaḥ cora karmaṇā fälschlich der Dieberei bezichtigt apṛṣṭaḥ śāstra kuśalair ohne von den Rechtskundigen befragt zu werden na lobhād badhyate śuciḥ wird der Lautere nicht aus Habgier gebunden gṛhītaḥ caiva pṛṣṭaḥ ca kāle dṛṣṭaḥ sa kāraṇaḥ |
kaccin na mucyate coraḥ dhana lobhān nara ṛṣabha ||
Wird ein ergriffener, befragter, zur rechten Zeit mit Beweisgrund überführter Dieb nicht aus Habgier nach Geld freigelassen, du Stier unter den Männern?
Wort für Wort gṛhītaḥ caiva pṛṣṭaḥ ca ergriffen und befragt kāle dṛṣṭaḥ sa kāraṇaḥ zur rechten Zeit mit Beweisgrund überführt kaccin na mucyate coraḥ wird der Dieb nicht freigelassen dhana lobhān nara ṛṣabha aus Habgier nach Geld, du Stier unter den Männern vyasane kaccid āḍhyasya daridrasya ca rāghava |
artham virāgāḥ paśyanti tava amātyā bahu śrutāḥ ||
Betrachten deine gelehrten Minister, Rāghava, den Rechtsfall des Reichen und des Armen im Streitfall unparteiisch?
Wort für Wort vyasane kaccid āḍhyasya im Streitfall des Reichen daridrasya ca rāghava und des Armen, Rāghava artham virāgāḥ paśyanti betrachten den Fall unparteiisch tava amātyā bahu śrutāḥ deine gelehrten Minister yāni mithyā abhiśastānām patanty asrāṇi rāghava |
tāni putra paśūn ghnanti prīty artham anuśāsataḥ ||
Die Tränen, die den fälschlich Beschuldigten fließen, Rāghava, sie vernichten die Söhne und das Vieh dessen, der zu Unrecht bestraft.
Wort für Wort yāni mithyā abhiśastānām die den fälschlich Beschuldigten patanty asrāṇi rāghava fließenden Tränen, Rāghava tāni putra paśūn ghnanti sie vernichten Söhne und Vieh prīty artham anuśāsataḥ dessen, der zu Unrecht bestraft kaccid vṛddhāṃś ca bālāṃś ca vaidya mukhyāṃś ca rāghava |
dānena manasā vācā tribhir etair bubhūṣase ||
Suchst du, Rāghava, die Alten, die Kinder und die Ärzte durch diese drei Mittel - Gabe, Gesinnung und Wort - zufriedenzustellen?
Wort für Wort kaccid vṛddhāṃś ca bālāṃś ca die Alten und die Kinder vaidya mukhyāṃś ca rāghava und die vornehmsten Ärzte, Rāghava dānena manasā vācā durch Gabe, Gesinnung und Wort tribhir etair bubhūṣase suchst du mit diesen drei Mitteln zufriedenzustellen kaccid gurūṃś ca vṛddhāṃś ca tāpasān devatā atithīn |
caityāṃś ca sarvān siddha arthān brāhmaṇāṃś ca namasyasi ||
Verehrst du die Lehrer, die Alten, die Asketen, die Gottheiten, die Gäste, alle heiligen Bäume, die Vollendeten und die Brahmanen?
Wort für Wort kaccid gurūṃś ca vṛddhāṃś ca die Lehrer und die Alten tāpasān devatā atithīn die Asketen, Gottheiten, Gäste caityāṃś ca sarvān siddha arthān alle heiligen Bäume, die Vollendeten brāhmaṇāṃś ca namasyasi und die Brahmanen verehrst du kaccid arthena vā dharmam dharmam dharmeṇa vā punaḥ |
ubhau vā prīti lobhena kāmena na vibādhase ||
Beeinträchtigst du nicht den Dharma durch weltlichen Nutzen, oder umgekehrt den Nutzen durch den Dharma, oder beide durch Vergnügen, Habgier oder Begierde?
Wort für Wort kaccid arthena vā dharmam nicht den Dharma durch (weltlichen) Nutzen dharmam dharmeṇa vā punaḥ oder den Nutzen durch den Dharma ubhau vā prīti lobhena oder beide durch Vergnügen, Habgier kāmena na vibādhase und Begierde beeinträchtigst du kaccid artham ca dharmam ca kāmam ca jayatām vara |
vibhajya kāle kāla jña sarvān bharata sevase ||
Widmest du dich, Bester der Sieger, zeitkundiger Bharata, Artha, Dharma und Kāma, jedem zu seiner rechten Zeit zugeteilt?
Wort für Wort kaccid artham ca dharmam ca Artha, Dharma kāmam ca jayatām vara und Kāma, o Bester der Sieger vibhajya kāle kāla jña jedem zu seiner Zeit zugeteilt, Zeitkundiger sarvān bharata sevase widmest du dich allen, Bharata kaccit te brāhmaṇāḥ śarma sarva śāstra artha kovidaḥ |
āśaṃsante mahā prājña paura jānapadaiḥ saha ||
Wünschen dir die Brahmanen, kundig im Sinn aller Lehren, zusammen mit den Stadt- und Landbewohnern Wohlergehen, du überaus Weiser?
Wort für Wort kaccit te brāhmaṇāḥ śarma wünschen dir die Brahmanen Wohlergehen sarva śāstra artha kovidaḥ kundig im Sinn aller Lehren āśaṃsante mahā prājña wünschen sie, du überaus Weiser paura jānapadaiḥ saha zusammen mit den Stadt- und Landbewohnern nāstikyam anṛtam krodham pramādam dīrgha sūtratām |
adarśanam jñāna vatām ālasyam pañca vṛttitām ||
Gottlosigkeit, Lüge, Zorn, Nachlässigkeit, langwieriges Aufschieben, das Meiden der Weisen, Trägheit und die Bindung an die fünf Sinnesobjekte -
Wort für Wort nāstikyam anṛtam krodham Gottlosigkeit, Lüge, Zorn pramādam dīrgha sūtratām Nachlässigkeit, langwieriges Aufschieben adarśanam jñāna vatām das Meiden der Weisen ālasyam pañca vṛttitām Trägheit, die Bindung an die fünf (Sinnesobjekte) eka cintanam arthānām anartha jñaiḥ ca mantraṇam |
niścitānām anārambham mantrasya aparilakṣaṇam ||
Das alleinige Erwägen von Angelegenheiten, das Beraten mit Unkundigen, das Nicht-Ausführen bereits Entschiedener Dinge, das Nicht-Geheimhalten des Ratschlusses -
Wort für Wort eka cintanam arthānām das alleinige Erwägen von Angelegenheiten anartha jñaiḥ ca mantraṇam und das Beraten mit Unkundigen niścitānām anārambham das Nicht-Ausführen bereits Entschiedener (Dinge) mantrasya aparilakṣaṇam das Nicht-Geheimhalten des Ratschlusses maṅgalasya aprayogam ca pratyutthānam ca sarvaśaḥ |
kaccit tvam varjayasy etān rāja doṣān catur daśa ||
Das Unterlassen glückverheißender Riten und das Aufstehen aus Ehrerbietung vor jedermann - meidest du diese vierzehn Königsfehler?
Wort für Wort maṅgalasya aprayogam ca und das Unterlassen glückverheißender Riten pratyutthānam ca sarvaśaḥ und das Aufstehen (aus Ehrerbietung) vor jedermann kaccit tvam varjayasy etān meidest du diese rāja doṣān catur daśa vierzehn Königsfehler daśa pañca ca vargān saptavargaṃ ca tattvataḥ |
aṣṭavargam trivargaṃ ca vidyāḥ tisraś ca rāghava ||
Die Gruppen von zehn und fünf, wahrhaftig auch die Gruppe der Sieben, die Gruppe der Acht und die Dreiergruppe, sowie die drei Wissenschaften, Rāghava -
Wort für Wort daśa pañca ca vargān die Gruppen von zehn und fünf saptavargaṃ ca tattvataḥ und wahrhaftig die Gruppe der Sieben aṣṭavargam trivargaṃ ca die Gruppe der Acht und die Dreiergruppe vidyāḥ tisraś ca rāghava und die drei Wissenschaften, Rāghava indriyāṇāṃ jayaṃ buddhyaṃ ṣāḍguṇyaṃ daiva mānuṣam |
kṛtyaṃ viṃśati vargaṃ ca tathā prakṛti maṇḍalam ||
die Beherrschung der Sinne durch den Verstand, die sechs außenpolitischen Mittel, göttliches und menschliches Wirken, die zwanzig Kategorien des zu Tuenden, und ebenso den Kreis der Staatselemente -
Wort für Wort indriyāṇāṃ jayaṃ buddhyaṃ die Beherrschung der Sinne durch den Verstand ṣāḍguṇyaṃ daiva mānuṣam die sechs (außenpolitischen) Mittel, göttliches und menschliches (Wirken) kṛtyaṃ viṃśati vargaṃ ca die zwanzig Kategorien des zu Tuenden tathā prakṛti maṇḍalam und ebenso den Kreis der Staatselemente yātrā daṇḍa vidhānaṃ ca dvi yonī saṃdhi vigrahau |
kaccid etān mahā prājña yathāvad anumanyase ||
kennst du gebührend, du überaus Weiser, den Feldzug, die Anwendung der Strafgewalt, die zweifache Grundlage von Frieden und Krieg?
Wort für Wort yātrā daṇḍa vidhānaṃ ca den Feldzug und die Anwendung der Strafgewalt dvi yonī saṃdhi vigrahau die zweifache Grundlage von Frieden und Krieg kaccid etān mahā prājña kennst du diese, du überaus Weiser yathāvad anumanyase gebührend mantribhiḥ tvaṃ yathā uddiṣṭaiś caturbhiḥ tribhir eva vā |
kaccit samastair vyastaiś ca mantraṃ mantrayase mithaḥ ||
Berätst du dich, wie vorgeschrieben, mit vier oder auch drei Ministern, gemeinsam und einzeln, den Rat untereinander abwägend?
Wort für Wort mantribhiḥ tvaṃ yathā uddiṣṭaiś mit Ministern, wie vorgeschrieben caturbhiḥ tribhir eva vā mit vier oder auch drei kaccit samastair vyastaiś ca gemeinsam und einzeln mantraṃ mantrayase mithaḥ den Rat untereinander abwägend kaccit te saphalā vedāḥ kaccit te saphalāḥ kriyāḥ |
kaccit te saphalā dārāḥ kaccit te saphalaṃ śrutam ||
Tragen deine Veden Frucht, tragen deine Handlungen Frucht, trägt deine Ehe Frucht, trägt dein Gelerntes Frucht?
Wort für Wort kaccit te saphalā vedāḥ tragen deine Veden Frucht kaccit te saphalāḥ kriyāḥ tragen deine Handlungen Frucht kaccit te saphalā dārāḥ trägt deine Ehe Frucht kaccit te saphalaṃ śrutam trägt dein Gelerntes Frucht kaccid eṣaiva te buddhiḥ yathā uktā mama rāghava |
āyuṣyā ca yaśasyā ca dharma kāma artha saṃhitā ||
Ist eben diese deine Gesinnung, wie ich sie dir dargelegt habe, Rāghava, langlebensfördernd, ruhmreich und mit Dharma, Kāma und Artha vereint?
Wort für Wort kaccid eṣaiva te buddhiḥ ist eben diese deine Gesinnung yathā uktā mama rāghava wie von mir dargelegt, Rāghava āyuṣyā ca yaśasyā ca langlebensfördernd und ruhmreich dharma kāma artha saṃhitā mit Dharma, Kāma und Artha vereint yāṃ vṛttiṃ vartate rājā yāṃ ca naḥ prapitāmahāḥ |
tāṃ vṛttiṃ vartase kaccid yā ca sat patha gā śubhā ||
Folgst du der Lebensweise, der ein König folgt, der auch unsere Urgroßväter folgten - jener glückverheißenden Weise, die auf dem rechten Pfad geht?
Wort für Wort yāṃ vṛttiṃ vartate rājā der Lebensweise, der ein König folgt yāṃ ca naḥ prapitāmahāḥ der auch unsere Urgroßväter (folgten) tāṃ vṛttiṃ vartase kaccid folgst du jener Weise yā ca sat patha gā śubhā die glückverheißend, auf rechtem Pfad geht kaccit svādu kṛtaṃ bhojyam eko na aśnāsi rāghava |
kaccid āśaṃsamānebhyo mitrebhyaḥ samprayacchasi ||
Isst du nicht allein wohlschmeckend zubereitete Speise, Rāghava, sondern teilst sie den hoffenden Freunden zu?
Wort für Wort kaccit svādu kṛtaṃ bhojyam wohlschmeckend zubereitete Speise eko na aśnāsi rāghava isst du nicht allein, Rāghava kaccid āśaṃsamānebhyo (sondern) den hoffenden mitrebhyaḥ samprayacchasi Freunden teilst du zu avāpya kṛtsnāṃ vasudhāṃ yathā avidita cyutaḥ |
svargam upaiti vidvān ||
Nachdem er die ganze Erde erlangt hat, gelangt der Weise, unbemerkt vom Leben geschieden, zum Himmel.
Wort für Wort avāpya kṛtsnāṃ vasudhāṃ nachdem er die ganze Erde erlangt hat yathā avidita cyutaḥ unbemerkt geschieden svargam upaiti vidvān gelangt der Weise zum Himmel
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