Quellen der Menschheit

Rāmāyaṇa · Ayodhyākāṇḍa

Sarga 48: Nagara Śoka Varṇanam Dvitīyam Die zurückgekehrten Bewohner Ayodhyās verfallen in tiefe Trauer, die Frauen klagen und schmähen ihre Männer, weil sie Rāma nicht gefolgt sind, und die einst festliche Stadt versinkt bei Einbruch der Nacht in Finsternis und Freudlosigkeit

teṣām evaṃ viṣaṇṇānāṃ pīḍitānām atīva ca | bāṣpaviplutanetrāṇāṃ saśokānāṃ mumūrṣayā ||

Von jenen so Niedergeschlagenen, überaus Bedrängten, deren Augen von Tränen überströmten, den Kummervollen, die sterben wollten,

Wort für Wort
teṣām evam viṣaṇṇānām
von jenen so Niedergeschlagenen
pīḍitānām atīva ca
und überaus Bedrängten
bāṣpaviplutanetrāṇām
deren Augen von Tränen überströmten
saśokānām mumūrṣayā
den Kummervollen, die sterben wollten

anugamya nivṛttānāṃ rāmaṃ nagaravāsinām | udgatāni iva sattvāni babhūvur amanasvinām ||

die Rāma gefolgt und wieder umgekehrt waren, den Stadtbewohnern – ihnen war es, als wäre ihre Lebenskraft entwichen, verstandlos wie sie geworden waren.

Wort für Wort
anugamya nivṛttānām
die gefolgt und wieder umgekehrt waren
rāmam nagaravāsinām
Rāma, den Stadtbewohnern
udgatāni iva sattvāni
als wäre ihre Lebenskraft entwichen
babhūvuḥ amanasvinām
wurden sie, verstandlos geworden

svaṃ svaṃ nilayam āgamya putradāraiḥ samāvṛtāḥ | aśrūṇi mumucuḥ sarve bāṣpeṇa pihitānanāḥ ||

Zu ihren eigenen Wohnungen zurückgekehrt, von Söhnen und Frauen umgeben, vergossen sie alle Tränen, ihre Gesichter von Tränen bedeckt.

Wort für Wort
svam svam nilayam āgamya
zu ihren eigenen Wohnungen zurückgekehrt
putradāraiḥ samāvṛtāḥ
von Söhnen und Frauen umgeben
aśrūṇi mumucuḥ sarve
vergossen sie alle Tränen
bāṣpeṇa pihitānanāḥ
ihre Gesichter von Tränen bedeckt

na cāhṛṣyan na cāmodan vaṇijo na prasārayan | na cāśobhanta paṇyāni nāpacan gṛhamedhinaḥ ||

Die Kaufleute freuten sich nicht, waren nicht heiter, breiteten ihre Waren nicht aus; die Waren glänzten nicht, und die Hausväter kochten nicht.

Wort für Wort
na ca ahṛṣyan na ca amodan
sie freuten sich nicht, waren nicht heiter
vaṇijaḥ na prasārayan
die Kaufleute breiteten nicht aus
na ca aśobhanta paṇyāni
die Waren glänzten nicht
na apacan gṛhamedhinaḥ
die Hausväter kochten nicht

naṣṭaṃ dṛṣṭvā nābhyanandan vipulaṃ vā dhanāgamam | putraṃ prathamajaṃ labdhvā jananī nābhyanandata ||

Wer einen Verlust sah, freute sich nicht darüber, noch über reichen Gewinn; eine Mutter, die ihren erstgeborenen Sohn empfing, freute sich nicht.

Wort für Wort
naṣṭam dṛṣṭvā na abhyanandan
einen Verlust sehend, freuten sie sich nicht
vipulam vā dhanāgamam
noch über reichen Gewinn
putram prathamajam labdhvā
den erstgeborenen Sohn empfangend
jananī na abhyanandata
freute sich die Mutter nicht

gṛhe gṛhe rudantyaś ca bhartāraṃ gṛham āgatam | vyagarhayanta duḥkhārtā vāgbhis totrair iva dvipān ||

In jedem Haus weinten die Frauen und tadelten ihren heimgekehrten Gatten mit Worten, von Schmerz gequält, wie man Elefanten mit dem Stachelstock antreibt.

Wort für Wort
gṛhe gṛhe rudantyaḥ ca
in jedem Haus weinend
bhartāram gṛham āgatam
den heimgekehrten Gatten
vyagarhayanta duḥkhārtāḥ
tadelten sie, von Schmerz gequält
vāgbhiḥ totraiḥ iva dvipān
mit Worten wie mit dem Stachelstock die Elefanten

kiṃ nu teṣāṃ gṛhaiḥ kāryaṃ kiṃ dāraiḥ kiṃ dhanena vā | putraiḥ vā kiṃ sukhaiḥ vāpi ye na paśyanti rāghavam ||

Was nützen ihnen ihre Häuser, was ihre Frauen, was ihr Reichtum, was ihre Söhne, was ihr Glück, ihnen, die Rāghava nicht mehr sehen?

Wort für Wort
kim nu teṣām gṛhaiḥ kāryam
was nützen ihnen ihre Häuser
kim dāraiḥ kim dhanena vā
was ihre Frauen, was ihr Reichtum
putraiḥ vā kim sukhaiḥ vā api
was ihre Söhne, was ihr Glück
ye na paśyanti rāghavam
ihnen, die Rāghava nicht sehen

eka satpuruṣo loke lakṣmaṇaḥ saha sītayā | yo 'nugacchati kākutsthaṃ rāmaṃ paricaran vane ||

Der einzige wahre Mann in der Welt ist Lakṣmaṇa, der zusammen mit Sītā dem Kākutstha-Sproß Rāma folgt und ihm im Wald dient.

Wort für Wort
ekaḥ satpuruṣaḥ loke
der einzige wahre Mann in der Welt
lakṣmaṇaḥ saha sītayā
Lakṣmaṇa, zusammen mit Sītā
yaḥ anugacchati kākutstham
der dem Kākutstha-Sproß folgt
rāmam paricaran vane
Rāma, ihm im Wald dienend

āpagāḥ kṛtapuṇyās tāḥ padminyaś ca sarāṃsi ca | yeṣu snāsyati kākutstho vigāhya salilaṃ śuci ||

Gesegnet sind jene Flüsse, Lotusteiche und Seen, in deren reines Wasser der Kākutstha-Sproß hinabsteigen und baden wird.

Wort für Wort
āpagāḥ kṛtapuṇyāḥ tāḥ
gesegnet sind jene Flüsse
padminyaḥ ca sarāṃsi ca
die Lotusteiche und die Seen
yeṣu snāsyati kākutsthaḥ
in denen der Kākutstha-Sproß baden wird
vigāhya salilam śuci
in das reine Wasser hinabsteigend

śobhayiṣyanti kākutsthaṃ aṭavyo ramyakānanāḥ | āpagāś ca mahānūpāḥ sānumantaś ca parvatāḥ ||

Wälder mit lieblichen Hainen, große, wasserreiche Flüsse und Berge mit ihren Graten werden dem Kākutstha-Sproß zur Zierde gereichen.

Wort für Wort
śobhayiṣyanti kākutstham
werden dem Kākutstha-Sproß zur Zierde gereichen
aṭavyaḥ ramyakānanāḥ
die Wälder mit lieblichen Hainen
āpagāḥ ca mahānūpāḥ
und die großen, wasserreichen Flüsse
sānumantaḥ ca parvatāḥ
und die Berge mit ihren Graten

kānanaṃ vāpi śailaṃ vā yaṃ rāmo 'bhigamiṣyati | priyātithim iva prāptaṃ nainaṃ śakṣyanty anarcitum ||

Welchen Wald oder Berg auch Rāma betreten wird – sie werden ihn, den wie einen lieben Gast Angekommenen, nicht ohne Ehrerbietung lassen können.

Wort für Wort
kānanam vā api śailam vā
welchen Wald oder Berg auch
yam rāmaḥ abhigamiṣyati
den Rāma betreten wird
priyātithim iva prāptam
wie einen angekommenen lieben Gast
na enam śakṣyanti anarcitum
werden sie ihn nicht unverehrt lassen können

vicitrakusumāpīḍā bahumañjaridhāriṇaḥ | akāle cāpi mukhyāni puṣpāṇi ca phalāni ca ||

Mit bunten Blütenkränzen geschmückt, viele Blütentrauben tragend, werden selbst außerhalb der Jahreszeit die vortrefflichsten Blüten und Früchte...

Wort für Wort
vicitrakusumāpīḍāḥ
mit bunten Blütenkränzen geschmückt
bahumañjaridhāriṇaḥ
viele Blütentrauben tragend
akāle ca api mukhyāni
selbst außerhalb der Jahreszeit die vortrefflichsten
puṣpāṇi ca phalāni ca
Blüten und Früchte

akāle cāpi mukhyāni puṣpāṇi ca phalāni ca | darśayiṣyanty anukrośād girayo rāmam āgatam ||

...selbst außerhalb der Jahreszeit werden die Berge, aus Mitgefühl, dem gekommenen Rāma vortreffliche Blüten und Früchte zeigen.

Wort für Wort
akāle ca api mukhyāni
selbst außerhalb der Jahreszeit die vortrefflichsten (Wiederholung im Quelltext)
puṣpāṇi ca phalāni ca
Blüten und Früchte
darśayiṣyanti anukrośāt
werden zeigen, aus Mitgefühl
girayaḥ rāmam āgatam
die Berge dem gekommenen Rāma

prasraviṣyanti toyāni vimalāni mahīdharāḥ | vidarśayantaḥ vividhān bhūyaś citrāṃś ca nirjharān ||

Die Berge werden reine Wasser hervorquellen lassen und dabei mannigfache, wunderbare Wasserfälle zeigen.

Wort für Wort
prasraviṣyanti toyāni
werden Wasser hervorquellen lassen
vimalāni mahīdharāḥ
reine, die Berge
vidarśayantaḥ vividhān
dabei mannigfache zeigend
bhūyaḥ citrān ca nirjharān
wiederum wunderbare Wasserfälle

pādapāḥ parvatāgreṣu ramayiṣyanti rāghavam | yatra rāmo bhayaṃ nātra nāsti tatra parābhavaḥ ||

Die Bäume auf den Berggipfeln werden Rāghava erfreuen; wo Rāma ist, dort gibt es keine Furcht, dort gibt es keine Niederlage.

Wort für Wort
pādapāḥ parvatāgreṣu
die Bäume auf den Berggipfeln
ramayiṣyanti rāghavam
werden Rāghava erfreuen
yatra rāmaḥ bhayam na atra
wo Rāma ist, dort keine Furcht
na asti tatra parābhavaḥ
dort gibt es keine Niederlage

sa hi śūro mahābāhuḥ putro daśarathasya ca | purā bhavati no dūrād anugacchāma rāghavam ||

Er, der Held, der Langarmige, der Sohn des Daśaratha – bevor er uns zu fern wird, lasst uns Rāghava folgen.

Wort für Wort
saḥ hi śūraḥ mahābāhuḥ
er, der Held, der Langarmige
putraḥ daśarathasya ca
der Sohn des Daśaratha
purā bhavati naḥ dūrāt
bevor er uns zu fern wird
anugacchāma rāghavam
lasst uns Rāghava folgen

pādacchāyā sukhā bhartus tādṛśasya mahātmanaḥ | sa hi nātho janasyāsya sa gatiḥ sa parāyaṇam ||

Der Schatten der Füße eines solchen großmütigen Herrn ist wohltuend; denn er ist der Schutzherr dieses Volkes, er die Zuflucht, er das letzte Ziel.

Wort für Wort
pādacchāyā sukhā bhartuḥ
der Schatten der Füße des Herrn ist wohltuend
tādṛśasya mahātmanaḥ
eines solchen großmütigen
saḥ hi nāthaḥ janasya asya
denn er ist der Schutzherr dieses Volkes
sa gatiḥ sa parāyaṇam
er die Zuflucht, er das letzte Ziel

vayaṃ paricariṣyāmaḥ sītāṃ yūyaṃ tu rāghavam | iti paurastriyo bhartṝn duḥkhārtās tat tad abruvan ||

„Wir werden Sītā dienen, ihr aber Rāghava“ – so sprachen die Frauen der Stadtbewohner, von Schmerz gequält, mancherlei zu ihren Gatten.

Wort für Wort
vayam paricariṣyāmaḥ sītām
wir werden Sītā dienen
yūyam tu rāghavam
ihr aber Rāghava
iti paurastriyaḥ bhartṝn
so die Frauen der Stadtbewohner zu ihren Gatten
duḥkhārtāḥ tat tat abruvan
von Schmerz gequält, sprachen sie mancherlei

yuṣmākaṃ rāghavo 'raṇye yogakṣemaṃ vidhāsyati | sītā nārījanasyāsya yogakṣemaṃ kariṣyati ||

Rāghava wird im Wald für euer Wohlergehen sorgen, und Sītā wird für das Wohlergehen dieser Frauenschar sorgen.

Wort für Wort
yuṣmākam rāghavaḥ araṇye
Rāghava wird im Wald für euch
yogakṣemam vidhāsyati
für das Wohlergehen sorgen
sītā nārījanasya asya
Sītā für diese Frauenschar
yogakṣemam kariṣyati
wird für das Wohlergehen sorgen

ko nv anenāpratītena sotkaṇṭhitajanena ca | samprīyeta amanojñena vāsena hṛtacetasā ||

Wer könnte sich noch an diesem unbefriedigenden, von sehnsüchtigen Menschen bewohnten, unangenehmen, den Verstand raubenden Aufenthalt erfreuen?

Wort für Wort
kaḥ nu anena apratītena
wer könnte sich an diesem unbefriedigenden
sotkaṇṭhitajanena ca
und von sehnsüchtigen Menschen bewohnten
samprīyeta amanojñena
erfreuen an dem unangenehmen
vāsena hṛtacetasā
Aufenthalt, den Verstand raubend

kaikeyyā yadi ced rājyaṃ syād adharmyam anāthavat | na hi no jīvitenārthaḥ kutaḥ putraiḥ kutaḥ dhanaiḥ ||

Sollte Kaikeyī das Königreich unrechtmäßig, wie ein herrenloses, erlangen, so hätten wir keinen Nutzen mehr am Leben – woher denn an Söhnen, woher an Reichtum?

Wort für Wort
kaikeyyā yadi cet rājyam
sollte Kaikeyī das Königreich
syāt adharmyam anāthavat
unrechtmäßig, wie ein herrenloses, erlangen
na hi naḥ jīvitena arthaḥ
so hätten wir keinen Nutzen am Leben
kutaḥ putraiḥ kutaḥ dhanaiḥ
woher an Söhnen, woher an Reichtum

yayā putraś ca bhartā ca tyaktāv aiśvaryakāraṇāt | kaṃ sā parihared anyaṃ kaikeyī kulapāṃsanī ||

Sie, die um der Herrschaft willen sowohl ihren Sohn als auch ihren Gatten verstoßen hat – wen sonst würde jene Kaikeyī, die Schande ihres Geschlechts, wohl verschonen?

Wort für Wort
yayā putraḥ ca bhartā ca
durch die sowohl der Sohn als auch der Gatte
tyaktau aiśvaryakāraṇāt
verstoßen wurden um der Herrschaft willen
kam sā parihared anyam
wen sonst würde sie verschonen
kaikeyī kulapāṃsanī
Kaikeyī, die Schande ihres Geschlechts

kaikeyyā na vayaṃ rājye bhṛtakā nivasemahi | jīvantyāṃ jātu jīvantyaḥ putrair api śapāmahe ||

Solange Kaikeyī lebt, wollen wir, solange wir selbst leben, nicht als ihre Dienerinnen in diesem Reich verweilen – das schwören wir bei unseren Söhnen.

Wort für Wort
kaikeyyā na vayam rājye
in Kaikeyīs Reich wollen wir nicht
bhṛtakāḥ nivasemahi
als Dienerinnen verweilen
jīvantyām jātu jīvantyaḥ
solange sie lebt, solange wir leben
putraiḥ api śapāmahe
das schwören wir bei unseren Söhnen

yā putraṃ pārthivendrasya pravāsayati nirghṛṇā | kas tāṃ prāpya sukhaṃ jīved adharmyāṃ duṣṭacāriṇīm ||

Sie, die erbarmungslos den Sohn des Fürstenherrschers verbannt hat – wer könnte, ihr begegnend, glücklich leben, ihr, der Unrechten, der Übeltäterin?

Wort für Wort
yā putram pārthivendrasya
die den Sohn des Fürstenherrschers
pravāsayati nirghṛṇā
erbarmungslos verbannt hat
kaḥ tām prāpya sukham jīvet
wer könnte, ihr begegnend, glücklich leben
adharmyām duṣṭacāriṇīm
ihr, der Unrechten, der Übeltäterin

upadrutam idaṃ sarvam anālambam anāyakam | kaikeyyā hi kṛte sarvaṃ vināśam upayāsyati ||

All dies ist bedrängt, ohne Halt, ohne Führer; wegen Kaikeyī wird alles dem Untergang entgegengehen.

Wort für Wort
upadrutam idam sarvam
all dies ist bedrängt
anālambam anāyakam
ohne Halt, ohne Führer
kaikeyyā hi kṛte sarvam
wegen Kaikeyī wird alles
vināśam upayāsyati
dem Untergang entgegengehen

na hi pravrajite rāme jīviṣyati mahīpatiḥ | mṛte daśarathe vyaktaṃ vilopas tadanantaram ||

Denn wenn Rāma verbannt ist, wird der Herr der Erde nicht am Leben bleiben; und wenn Daśaratha stirbt, wird gewiss danach der Untergang folgen.

Wort für Wort
na hi pravrajite rāme
denn wenn Rāma verbannt ist
jīviṣyati mahīpatiḥ
wird der Herr der Erde nicht leben
mṛte daśarathe vyaktam
wenn Daśaratha stirbt, gewiss
vilopaḥ tadanantaram
folgt danach der Untergang

te viṣaṃ pibatāloḍya kṣīṇapuṇyāḥ sudurgatāḥ | rāghavaṃ vānugacchadhvam aśrutiṃ vāpi gacchata ||

Trinkt daher Gift, ihr des Verdienstes Beraubten, in großem Elend Befindlichen, oder folgt Rāghava, oder gebt euch dem Vergessen anheim.

Wort für Wort
te viṣam pibata āloḍya
trinkt daher aufgerührtes Gift
kṣīṇapuṇyāḥ sudurgatāḥ
ihr des Verdienstes Beraubten, in großem Elend
rāghavam vā anugacchadhvam
oder folgt Rāghava
aśrutim vā api gacchata
oder gebt euch dem Vergessen anheim

mithyā pravrājito rāmaḥ sabhāryaḥ saha lakṣmaṇaḥ | bharate saṃniṣṛṣṭāḥ smaḥ saunike paśavo yathā ||

Zu Unrecht wurde Rāma verbannt, mit seiner Gattin und mit Lakṣmaṇa; und wir sind Bharata überlassen worden wie Opfertiere dem Schlächter.

Wort für Wort
mithyā pravrājitaḥ rāmaḥ
zu Unrecht wurde Rāma verbannt
sabhāryaḥ saha lakṣmaṇaḥ
mit seiner Gattin und mit Lakṣmaṇa
bharate saṃniṣṛṣṭāḥ smaḥ
wir sind Bharata überlassen worden
saunike paśavaḥ yathā
wie Opfertiere dem Schlächter

pūrṇacandrānanaḥ śyāmo gūḍhajatrur ariṃdamaḥ | ājānubāhuḥ padmākṣo rāmo lakṣmaṇapūrvajaḥ ||

Mit einem Gesicht wie der Vollmond, dunkel, mit verborgenen Schlüsselbeinen, ein Feindebezwinger, mit knielangen Armen, lotusäugig – Rāma, Lakṣmaṇas älterer Bruder;

Wort für Wort
pūrṇacandrānanaḥ śyāmaḥ
mit einem Gesicht wie der Vollmond, dunkel
gūḍhajatruḥ ariṃdamaḥ
mit verborgenen Schlüsselbeinen, ein Feindebezwinger
ājānubāhuḥ padmākṣaḥ
mit knielangen Armen, lotusäugig
rāmaḥ lakṣmaṇapūrvajaḥ
Rāma, Lakṣmaṇas älterer Bruder

pūrvābhibhāṣī madhuraḥ satyavādī mahābalaḥ | saumyaḥ sarvasya lokasya candravat priyadarśanaḥ ||

der zuerst das Wort ergreift, süß redend, wahrhaftig, überaus mächtig; mild gegenüber aller Welt, lieblich anzusehen wie der Mond;

Wort für Wort
pūrvābhibhāṣī madhuraḥ
der zuerst das Wort ergreift, süß redend
satyavādī mahābalaḥ
wahrhaftig, überaus mächtig
saumyaḥ sarvasya lokasya
mild gegenüber aller Welt
candravat priyadarśanaḥ
lieblich anzusehen wie der Mond

nūnaṃ puruṣaśārdūlo mattamātaṅgavikramaḥ | śobhayiṣyaty araṇyāni vicaran sa mahārathaḥ ||

gewiss wird jener Tiger unter den Männern, von der Kraft eines brünstigen Elefanten, der große Wagenkämpfer, die Wälder, durch die er wandert, zieren.

Wort für Wort
nūnam puruṣaśārdūlaḥ
gewiss jener Tiger unter den Männern
mattamātaṅgavikramaḥ
von der Kraft eines brünstigen Elefanten
śobhayiṣyati araṇyāni
wird die Wälder zieren
vicaran sa mahārathaḥ
durch die er wandert, der große Wagenkämpfer

tāḥ tathā vilapantyas tu nagare nāgarastriyaḥ | cukruśur duḥkhasaṃtaptā mṛtyor iva bhayāgame ||

So klagend, schrien jene Stadtfrauen in der Stadt auf, von Schmerz verbrannt, wie beim Herannahen des Todes.

Wort für Wort
tāḥ tathā vilapantyaḥ tu
sie, so klagend
nagare nāgarastriyaḥ
in der Stadt die Stadtfrauen
cukruśuḥ duḥkhasaṃtaptāḥ
schrien auf, von Schmerz verbrannt
mṛtyoḥ iva bhayāgame
wie beim Herannahen der Todesfurcht

ity evaṃ vilapantīnāṃ strīṇāṃ veśmasu rāghavam | jagāmāstaṃ dinakaro rajanī cābhyavartata ||

Während so die Frauen in ihren Häusern um Rāghava klagten, ging die Sonne unter, und die Nacht brach herein.

Wort für Wort
iti evam vilapantīnām
während so klagenden
strīṇām veśmasu rāghavam
der Frauen in ihren Häusern um Rāghava
jagāma astam dinakaraḥ
ging die Sonne unter
rajanī ca abhyavartata
und die Nacht brach herein

naṣṭajvalanasampātā praśāntādhyāyasatkathā | timireṇābhilipteva tadā sā nagarī babhau ||

Ohne aufflammendes Feuer, ohne das gute Gespräch beim Studium, wie mit Finsternis überzogen, so erschien damals jene Stadt.

Wort für Wort
naṣṭajvalanasampātā
ohne aufflammendes Feuer
praśāntādhyāyasatkathā
ohne das gute Gespräch beim Studium
timireṇa abhiliptā iva
wie mit Finsternis überzogen
tadā sā nagarī babhau
so erschien damals jene Stadt

upaśāntavaṇikpaṇyā naṣṭaharṣā nirāśrayā | ayodhyā nagarī cāsīn naṣṭatāram ivāmbaram ||

Mit ruhenden Kaufmannswaren, ihrer Freude beraubt, ohne Halt, so war die Stadt Ayodhyā, wie der Himmel, dem die Sterne fehlen.

Wort für Wort
upaśāntavaṇikpaṇyā
mit ruhenden Kaufmannswaren
naṣṭaharṣā nirāśrayā
ihrer Freude beraubt, ohne Halt
ayodhyā nagarī ca āsīt
so war die Stadt Ayodhyā
naṣṭatāram iva ambaram
wie der Himmel, dem die Sterne fehlen

tathā striyo rāmanimittam āturā yathā sute bhrātari vā vivāsite | vilapya dīnā rurudur vicetasāḥ sutair hi tāsām adhiko hi so 'bhavat ||

So sehr waren die Frauen um Rāmas willen leidend, als wäre ihr eigener Sohn oder Bruder verbannt worden; klagend, elend, außer sich, weinten sie – denn er war ihnen mehr als ihre eigenen Söhne.

Wort für Wort
tathā striyaḥ rāmanimittam āturāḥ
so sehr waren die Frauen um Rāmas willen leidend
yathā sute bhrātari vā vivāsite
als wäre ihr eigener Sohn oder Bruder verbannt
vilapya dīnā rurudur vicetasāḥ
klagend, elend, außer sich, weinten sie
sutaiḥ hi tāsām adhikaḥ hi saḥ abhavat
denn er war ihnen mehr als ihre eigenen Söhne

praśāntagītotsavanṛttavādanā vyapāstaharṣā pihitāpaṇodayā | tadā hy ayodhyā nagarī babhūva sā mahārṇavaḥ saṃkṣapitodako yathā ||

Ohne Gesang, Fest, Tanz und Musik, ihrer Freude beraubt, mit verschlossenen Marktständen – so wurde damals die Stadt Ayodhyā, gleich einem großen Ozean, dessen Wasser versiegt ist.

Wort für Wort
praśāntagītotsavanṛttavādanā
ohne Gesang, Fest, Tanz und Musik
vyapāstaharṣā pihitāpaṇodayā
ihrer Freude beraubt, mit verschlossenen Marktständen
tadā hi ayodhyā nagarī babhūva sā
so wurde damals die Stadt Ayodhyā
mahārṇavaḥ saṃkṣapitodakaḥ yathā
gleich einem großen Ozean, dessen Wasser versiegt ist

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