Rāmāyaṇa · Ayodhyākāṇḍa
Sarga 29: Sītā Vana Gamana Pratijñā
Sītā entkräftet Rāmas Einwände, beruft sich auf eine alte Vorhersage und droht mit dem Tod, sollte er sie zurücklassen, doch Rāma bleibt zunächst unbewegt
etat tu vacanam śrutvā sītā rāmasya duḥkhitā | prasakta-aśru-mukhī mandam idam vacanam abravīt ||
Als sie dieses Wort Rāmas gehört hatte, sprach Sītā, betrübt, das Gesicht von unaufhörlichen Tränen bedeckt, sanft dieses Wort:
Wort für Wort etat tu vacanam śrutvā nachdem sie dieses Wort gehört hatte sītā rāmasya duḥkhitā Sītā, betrübt, Rāmas Wort prasakta-aśru-mukhī das Gesicht von unaufhörlichen Tränen bedeckt mandam idam vacanam abravīt sprach sie sanft dieses Wort ye tvayā kīrtitā doṣā vane vastavyatām prati | guṇān iti eva tān viddhi tava sneha-puraḥ-kṛtān ||
Die Übel, die du hinsichtlich des Aufenthalts im Wald genannt hast – erkenne sie als Vorzüge, die deiner Liebe zu mir entspringen.
Wort für Wort ye tvayā kīrtitā doṣā die von dir genannten Übel vane vastavyatām prati hinsichtlich des Wohnens im Wald guṇān iti eva tān viddhi erkenne sie als Vorzüge tava sneha-puraḥ-kṛtān die durch deine Liebe hervorgebracht wurden mṛgāḥ siṃhā gajāḥ caiva śārdūlāḥ śarabhāḥ tathā | pakṣiṇaḥ sṛmarāḥ caiva ye ca anye vana-cāriṇaḥ ||
Hirsche, Löwen, Elefanten, Tiger und ebenso Śarabhas, Vögel und Wildochsen und alle anderen, die im Wald umherwandern,
Wort für Wort mṛgāḥ siṃhā gajāḥ caiva Hirsche, Löwen und Elefanten śārdūlāḥ śarabhāḥ tathā Tiger und ebenso Śarabhas pakṣiṇaḥ sṛmarāḥ caiva Vögel und Wildochsen ye ca anye vana-cāriṇaḥ und alle anderen, die im Wald umherwandern adṛṣṭa-pūrva-rūpatvāt sarve te tava rāghava | rūpam dṛṣṭvā apasarpeyuḥ bhaye sarve hi bibhyati ||
Sie alle, o Rāghava, da sie deine Gestalt noch nie zuvor gesehen haben, werden bei ihrem Anblick zurückweichen, denn alle fürchten sich vor dem, was ihnen Furcht einflößt.
Wort für Wort adṛṣṭa-pūrva-rūpatvāt weil sie die Gestalt noch nie zuvor gesehen haben sarve te tava rāghava alle diese deine, o Rāghava rūpam dṛṣṭvā apasarpeyuḥ werden beim Anblick der Gestalt zurückweichen bhaye sarve hi bibhyati denn alle fürchten sich vor dem Furchterregenden tvayā ca saha gantavyam mayā guru-jana-ājñayā | tvad-viyogena me rāma tyaktavyam iha jīvitam ||
Mit dir zusammen muss ich gehen, auf Geheiß der Älteren; durch die Trennung von dir, Rāma, müsste ich hier das Leben aufgeben.
Wort für Wort tvayā ca saha gantavyam mayā mit dir zusammen muss ich gehen guru-jana-ājñayā auf Geheiß der Älteren tvad-viyogena me rāma durch die Trennung von dir, Rāma, für mich tyaktavyam iha jīvitam müsste hier das Leben aufgegeben werden na ca mām tvat-samīpastham api śaknoti rāghava | surāṇām īśvaraḥ śakraḥ pradharṣayitum ojasā ||
Und selbst Śakra, der Herr der Götter, vermag mich, o Rāghava, solange ich mich in deiner Nähe befinde, nicht mit seiner Macht zu bedrängen.
Wort für Wort na ca mām tvat-samīpastham api śaknoti und selbst mich, in deiner Nähe befindlich, vermag nicht rāghava surāṇām īśvaraḥ śakraḥ o Rāghava, Śakra, der Herr der Götter pradharṣayitum ojasā mit seiner Macht zu bedrängen pati-hīnā tu yā nārī na sā śakṣyati jīvitum | kāmam evam-vidham rāma tvayā mama vidarśitam ||
Eine Frau ohne ihren Gatten kann nicht leben; wenn du willst, Rāma, magst du mir all dies vor Augen führen.
Wort für Wort pati-hīnā tu yā nārī eine Frau aber, die ohne Gatten ist na sā śakṣyati jīvitum sie kann nicht leben kāmam evam-vidham rāma wenn du willst, Rāma, dies so Beschaffene tvayā mama vidarśitam mag von dir mir gezeigt werden atha ca api mahā-prājña brāhmaṇānām mayā śrutam | purā pitṛ-gṛhe satyam vastavyam kila me vane ||
Und ferner, o überaus Weiser, habe ich von Brahmanen im Hause meines Vaters einst wahrhaftig gehört, dass ich im Wald werde wohnen müssen.
Wort für Wort atha ca api mahā-prājña und ferner, o überaus Weiser brāhmaṇānām mayā śrutam von Brahmanen wurde von mir gehört purā pitṛ-gṛhe satyam einst im Hause des Vaters, wahrhaftig vastavyam kila me vane dass ich im Wald werde wohnen müssen lākṣaṇikebhyaḥ dvijātibhyaḥ śrutvā aham vacanam gṛhe | vana-vāsa-kṛta-utsāhā nityam eva mahā-bala ||
Von den Zeichendeutern unter den zweimal Geborenen im Haus dieses Wort gehört habend, war ich stets von Eifer für den Waldaufenthalt erfüllt, du Starkarmiger.
Wort für Wort lākṣaṇikebhyaḥ dvijātibhyaḥ von den Zeichendeutern unter den zweimal Geborenen śrutvā aham vacanam gṛhe nachdem ich das Wort im Haus gehört hatte vana-vāsa-kṛta-utsāhā von Eifer für den Waldaufenthalt erfüllt nityam eva mahā-bala stets, o Starkarmiger ādeśo vana-vāsasya prāptavyaḥ sa mayā kila | sā tvayā saha tatra aham yāsyāmi priya na anyathā ||
Diese Bestimmung zum Waldaufenthalt musste mir wahrlich zuteilwerden; darum werde ich dorthin nur mit dir gehen, Geliebter, und nicht anders.
Wort für Wort ādeśo vana-vāsasya die Bestimmung zum Waldaufenthalt prāptavyaḥ sa mayā kila musste mir wahrlich zuteilwerden sā tvayā saha tatra aham yāsyāmi dorthin werde ich mit dir gehen priya na anyathā Geliebter, nicht anders kṛta-ādeśā bhaviṣyāmi gamiṣyāmi saha tvayā | kālaḥ ca ayam samutpannaḥ satya-vāg bhavatu dvijaḥ ||
So werde ich meine Bestimmung erfüllen und mit dir gehen; diese Zeit ist nun gekommen – möge der Brahmane wahr in seinem Wort erwiesen werden.
Wort für Wort kṛta-ādeśā bhaviṣyāmi ich werde meine Bestimmung erfüllt haben gamiṣyāmi saha tvayā ich werde mit dir gehen kālaḥ ca ayam samutpannaḥ und diese Zeit ist gekommen satya-vāg bhavatu dvijaḥ möge der Brahmane wahr in seinem Wort erwiesen werden vana-vāse hi jānāmi duḥkhāni bahudhā kila | prāpyante niyatam vīra puruṣaiḥ akṛta-ātmabhiḥ ||
Ich weiß wohl, dass im Waldaufenthalt vielerlei Leiden gewiss von Menschen erfahren werden, die ihr Selbst nicht beherrscht haben, o Held.
Wort für Wort vana-vāse hi jānāmi ich weiß wohl, im Waldaufenthalt duḥkhāni bahudhā kila vielerlei Leiden gewiss prāpyante niyatam vīra werden gewiss erfahren, o Held puruṣaiḥ akṛta-ātmabhiḥ von Menschen, die ihr Selbst nicht beherrscht haben kanyayā ca pitur gehe vana-vāsaḥ śrutaḥ mayā | bhikṣiṇyāḥ sādhu-vṛttāyāḥ mama mātuḥ iha agrataḥ ||
Als Mädchen im Hause meines Vaters habe ich von einer wohltätig lebenden Bettlerin vor meiner Mutter vom Waldaufenthalt gehört.
Wort für Wort kanyayā ca pitur gehe als Mädchen im Haus des Vaters vana-vāsaḥ śrutaḥ mayā wurde vom Waldaufenthalt von mir gehört bhikṣiṇyāḥ sādhu-vṛttāyāḥ von einer wohltätig lebenden Bettlerin mama mātuḥ iha agrataḥ hier vor meiner Mutter prasāditaḥ ca vai pūrvam tvam vai bahu-vidham prabho | gamanam vana-vāsasya kāṅkṣitam hi saha tvayā ||
Und schon zuvor habe ich dich, mein Gebieter, auf mannigfache Weise darum gebeten; die Reise zum Waldaufenthalt wurde von mir mit dir zusammen ersehnt.
Wort für Wort prasāditaḥ ca vai pūrvam und schon zuvor wurdest du gebeten tvam vai bahu-vidham prabho du wahrlich auf mannigfache Weise, mein Gebieter gamanam vana-vāsasya die Reise zum Waldaufenthalt kāṅkṣitam hi saha tvayā wurde ersehnt, zusammen mit dir kṛta-kṣaṇā aham bhadram te gamanam prati rāghava | vana-vāsasya śūrasya caryā hi mama rocate ||
Ich habe die Gelegenheit ergriffen, Heil sei dir, was den Aufbruch betrifft, o Rāghava; das Wandern im Wald mit dem Helden gefällt mir sehr.
Wort für Wort kṛta-kṣaṇā aham bhadram te ich habe die Gelegenheit genutzt, Heil dir gamanam prati rāghava hinsichtlich des Aufbruchs, o Rāghava vana-vāsasya śūrasya caryā das Wandern des Waldaufenthalts mit dem Helden hi mama rocate gefällt mir wahrlich śuddha-ātman prema-bhāvāt hi bhaviṣyāmi vikalmaṣā | bhartāram anugacchantī bhartā hi mama daivatam ||
O Reingesinnter, aus Liebe werde ich makellos sein, wenn ich meinem Gatten folge; denn der Gatte ist meine Gottheit.
Wort für Wort śuddha-ātman prema-bhāvāt hi o Reingesinnter, aus Liebe wahrlich bhaviṣyāmi vikalmaṣā werde ich makellos sein bhartāram anugacchantī dem Gatten folgend bhartā hi mama daivatam denn der Gatte ist meine Gottheit pretya-bhāve api kalyāṇaḥ saṃgamaḥ me saha tvayā | śrutiḥ hi śrūyate puṇyā brāhmaṇānām yaśasvinām ||
Auch im Jenseits wird meine Vereinigung mit dir heilvoll sein; denn eine heilige Überlieferung wird von den ruhmreichen Brahmanen berichtet.
Wort für Wort pretya-bhāve api kalyāṇaḥ auch im Jenseits heilvoll saṃgamaḥ me saha tvayā meine Vereinigung mit dir śrutiḥ hi śrūyate puṇyā denn eine heilige Überlieferung wird vernommen brāhmaṇānām yaśasvinām von den ruhmreichen Brahmanen iha loke ca pitṛbhiḥ yā strī yasya mahā-mate | adbhiḥ dattā svadharmeṇa pretya-bhāve api tasya sā ||
In dieser Welt, o Hochgesinnter, gehört die Frau, die von ihren Eltern mit Wasser gemäß dem Dharma einem Manne gegeben wurde, auch im Jenseits eben ihm.
Wort für Wort iha loke ca pitṛbhiḥ in dieser Welt und von den Eltern yā strī yasya mahā-mate die Frau, welche wem, o Hochgesinnter adbhiḥ dattā svadharmeṇa mit Wasser gemäß dem eigenen Dharma gegeben wurde pretya-bhāve api tasya sā auch im Jenseits gehört sie eben ihm evam asmāt svakām nārīm su-vṛttām hi pati-vratām | na abhirocayase netum tvam mām kena iha hetunā ||
Warum also willst du mich, deine eigene, wohl handelnde, dem Gatten treu ergebene Frau, aus welchem Grund auch immer, nicht mit dir nehmen?
Wort für Wort evam asmāt svakām nārīm so, aus diesem Grund, deine eigene Frau su-vṛttām hi pati-vratām wohl handelnd und dem Gatten treu ergeben na abhirocayase netum willst du nicht mitnehmen tvam mām kena iha hetunā mich, aus welchem Grund hier bhaktām pati-vratām dīnām mām samām sukha-duḥkhayoḥ | netum arhasi kākutstha samāna-sukha-duḥkhinīm ||
Du solltest mich, die dir Ergebene, dem Gatten treu Ergebene, Bemitleidenswerte, die in Glück und Leid Gleichgesinnte, mitnehmen, o Kākutstha, die dein Glück und Leid teilt.
Wort für Wort bhaktām pati-vratām dīnām mām mich, die Ergebene, dem Gatten treu Ergebene, Bemitleidenswerte samām sukha-duḥkhayoḥ in Glück und Leid gleichgesinnt netum arhasi kākutstha du solltest mitnehmen, o Kākutstha samāna-sukha-duḥkhinīm die dein Glück und Leid teilt yadi mām duḥkhitām evam vanam netum na ca icchasi | viṣam agnim jalam vā aham āsthāsye mṛtyu-kāraṇāt ||
Wenn du mich, so betrübt, nicht in den Wald mitnehmen willst, so werde ich Gift, Feuer oder Wasser wählen, um zu sterben.
Wort für Wort yadi mām duḥkhitām evam wenn mich, so betrübt vanam netum na ca icchasi du nicht in den Wald mitnehmen willst viṣam agnim jalam vā Gift, Feuer oder Wasser aham āsthāsye mṛtyu-kāraṇāt werde ich wählen, um des Todes willen evam bahu-vidham tam sā yācate gamanam prati | na anumene mahā-bāhuḥ tām netum vijanam vanam ||
So bat sie ihn auf vielerlei Weise, sie mitzunehmen; doch der Starkarmige willigte nicht ein, sie in den menschenleeren Wald mitzunehmen.
Wort für Wort evam bahu-vidham tam sā yācate so bat sie ihn auf vielerlei Weise gamanam prati hinsichtlich des Mitgehens na anumene mahā-bāhuḥ der Starkarmige willigte nicht ein tām netum vijanam vanam sie in den menschenleeren Wald mitzunehmen evam uktā tu sā cintām maithilī samupāgatā | snāpayantī iva gām uṣṇaiḥ aśrubhiḥ nayana-cyutaiḥ ||
So angesprochen, verfiel Maithilī in Sorge und benetzte gleichsam ihre Wangen mit den heißen, aus ihren Augen fallenden Tränen.
Wort für Wort evam uktā tu sā cintām maithilī samupāgatā so angesprochen verfiel Maithilī in Sorge snāpayantī iva gām gleichsam ihre Wangen benetzend uṣṇaiḥ aśrubhiḥ nayana-cyutaiḥ mit den heißen, aus den Augen fallenden Tränen cintayantīm tathā tām tu nivartayitum ātmavān | tāmra-oṣṭhīm sa tadā sītām kākutsthaḥ bahu-asāntvayat ||
Sie, die so in Sorge versunken war, mit den kupferroten Lippen, versuchte der Kākutstha, der Selbstbeherrschte, damals mit vielen Worten zu besänftigen, um sie von ihrem Vorhaben abzubringen.
Wort für Wort cintayantīm tathā tām tu sie, die so in Sorge versunken war nivartayitum ātmavān um sie abzubringen, der Selbstbeherrschte tāmra-oṣṭhīm sa tadā sītām jene Sītā mit den kupferroten Lippen, damals kākutsthaḥ bahu-asāntvayat besänftigte der Kākutstha mit vielen Worten
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