Quellen der Menschheit

Rāmāyaṇa · Ayodhyākāṇḍa

Sarga 102: Bharata Vākyam Pitṛ Mṛtyu Vṛttāntaḥ Bharata berichtet vom Tod des Vaters aus Trennungsschmerz und fordert Rāma auf, die Wasserspende zu vollziehen und heimzukehren

rāmasya vacanam śrutvā bharataḥ pratyuvāca ha | kim me dharmād vihīnasya rāja dharmaḥ kariṣyati ||

Als Bharata Rāmas Worte gehört hatte, erwiderte er: 'Was nützt mir, der ich des Dharma beraubt bin, die Königspflicht?'

Wort für Wort
rāmasya vacanam śrutvā
als er Rāmas Worte gehört hatte
bharataḥ pratyuvāca ha
erwiderte Bharata
kim me dharmād vihīnasya
was nützt mir, der ich des Dharma beraubt bin
rāja dharmaḥ kariṣyati
die Königspflicht

śāśvato ayam sadā dharmaḥ sthito asmāsu nararṣabha | jyeṣṭha putre sthite rājan na kanīyān nṛpo bhavet ||

Dies ist ewig, stets bei uns feststehender Brauch, du Stier unter den Männern: solange der älteste Sohn lebt, soll nicht der jüngere König werden, o Herrscher.

Wort für Wort
śāśvato ayam sadā dharmaḥ
dies ist ewig, stets (bestehender) Brauch
sthito asmāsu nararṣabha
bei uns feststehend, du Stier unter den Männern
jyeṣṭha putre sthite rājan
solange der älteste Sohn lebt, o Herrscher
na kanīyān nṛpo bhavet
soll nicht der jüngere König werden

sa samṛddhāṃ mayā sārdham ayodhyāṃ gaccha rāghava | abhiṣecaya ca ātmānam kulasya asya bhavāya naḥ ||

So komm mit mir zusammen nach dem blühenden Ayodhyā, Rāghava, und lass dich selbst weihen, zum Wohl unseres Geschlechts.

Wort für Wort
sa samṛddhāṃ mayā sārdham
so, mit mir zusammen, zum blühenden
ayodhyāṃ gaccha rāghava
(nach) Ayodhyā geh, Rāghava
abhiṣecaya ca ātmānam
und lass dich selbst weihen
kulasya asya bhavāya naḥ
zum Wohl unseres Geschlechts

rājānaṃ mānuṣaṃ prāhur devatve sammato mama | yasya dharma artha sahitaṃ vṛttam āhur amānuṣam ||

Man nennt den König einen Menschen, doch mir gilt er als göttlich, dessen mit Dharma und Artha vereintes Verhalten man als übermenschlich bezeichnet.

Wort für Wort
rājānaṃ mānuṣaṃ prāhur
man nennt den König einen Menschen
devatve sammato mama
mir gilt er als göttlich
yasya dharma artha sahitaṃ
dessen mit Dharma und Artha vereintes
vṛttam āhur amānuṣam
Verhalten man als übermenschlich bezeichnet

kekaya sthe ca mayi tu tvayi ca araṇyam āśrite | divam āryo gataḥ rājā yāyajūkaḥ satāṃ mataḥ ||

Während ich im Kekaya-Land weilte und du im Wald Zuflucht genommen hattest, ist der edle König, der Opferveranstalter, der von den Rechtschaffenen Geschätzte, in den Himmel gegangen.

Wort für Wort
kekaya sthe ca mayi tu
während ich im Kekaya-Land weilte
tvayi ca araṇyam āśrite
und du im Wald Zuflucht genommen hattest
divam āryo gataḥ rājā
ist der edle König in den Himmel gegangen
yāyajūkaḥ satāṃ mataḥ
der Opferveranstalter, von den Rechtschaffenen geschätzt

niṣkrānta mātre bhavati saha sīte sa lakṣmaṇe | duḥkha śoka abhibhūtaḥ tu rājā tridivam abhyagāt ||

Kaum warst du fortgegangen, zusammen mit Sītā und Lakṣmaṇa, da ist der König, von Schmerz und Kummer überwältigt, in den dritten Himmel eingegangen.

Wort für Wort
niṣkrānta mātre bhavati
kaum warst du fortgegangen
saha sīte sa lakṣmaṇe
zusammen mit Sītā und Lakṣmaṇa
duḥkha śoka abhibhūtaḥ tu
von Schmerz und Kummer überwältigt aber
rājā tridivam abhyagāt
ist der König in den dritten Himmel eingegangen

uttiṣṭha puruṣa vyāghra kriyatām udakam pituḥ | aham ca ayaṃ ca śatrughnaḥ pūrvam eva kṛta udakau ||

Erhebe dich, Tiger unter den Männern, vollziehe die Wasserspende für den Vater; ich und dieser Śatrughna haben sie bereits zuvor vollzogen.

Wort für Wort
uttiṣṭha puruṣa vyāghra
erhebe dich, Tiger unter den Männern
kriyatām udakam pituḥ
vollziehe die Wasserspende für den Vater
aham ca ayaṃ ca śatrughnaḥ
ich und dieser Śatrughna
pūrvam eva kṛta udakau
haben sie bereits zuvor vollzogen

priyeṇa khalu dattam hi pitṛ lokeṣu rāghava | akṣayyaṃ bhavati iti āhur bhavāṃś ca eva pituḥ priyaḥ ||

Denn was von einem Lieben in den Ahnenwelten gespendet wird, das, so sagt man, wird unerschöpflich; und du bist ja der Liebste des Vaters.

Wort für Wort
priyeṇa khalu dattam hi
denn was von einem Lieben gespendet wird
pitṛ lokeṣu rāghava
in den Ahnenwelten, Rāghava
akṣayyaṃ bhavati iti āhur
wird unerschöpflich, so sagt man
bhavāṃś ca eva pituḥ priyaḥ
und du bist ja der Liebste des Vaters

tvām eva śocaṃs tava darśana īpsuḥ | tvayi eva saktām anivartya buddhim | tvayā vihīnaḥ tava śoka magnaḥ | tvām saṃsmaran astam itaḥ pitā te ||

Um dich allein trauernd, begierig, dich zu sehen, seinen an dich gefesselten, nicht abzuwendenden Sinn, ohne dich, in Kummer um dich versunken, dich stets erinnernd, ist dein Vater dahingeschieden.

Wort für Wort
tvām eva śocaṃs
um dich allein trauernd
tava darśana īpsuḥ
begierig, dich zu sehen
tvayi eva saktām anivartya buddhim
seinen an dich gefesselten, nicht abzuwendenden Sinn
tvayā vihīnaḥ tava śoka magnaḥ
ohne dich, in Kummer um dich versunken
tvām saṃsmaran astam itaḥ pitā te
dich stets erinnernd, ist dein Vater dahingeschieden

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