Sarga 90: Bharadvāja Saṃvādaḥ
Bharata besucht demütig zu Fuß den Seher Bharadvāja, der ihn zunächst prüfend befragt, dann seine wahre Absicht erkennt, ihm Rāmas Aufenthalt auf dem Citrakūṭa nennt und ihn zur Übernachtung einlädt
bharadvāja-āśramam dṛṣṭvā krośāt eva nara-ṛṣabhaḥ | balam sarvam avasthāpya jagāma saha mantribhiḥ ||
Als der Stier unter den Männern die Einsiedelei des Bharadvāja schon aus einem Krośa Entfernung erblickte, ließ er das gesamte Heer dort haltmachen und ging zusammen mit seinen Ministern weiter.
Wort für Wort
bharadvāja-āśramam dṛṣṭvā
als er die Einsiedelei des Bharadvāja erblickte
krośāt eva nara-ṛṣabhaḥ
schon aus einem Krośa Entfernung, der Stier unter den Männern
tābhyām arghyam ca pādyam ca dattvā paścāt phalāni ca | ānupūrvyāt ca dharmajñaḥ papraccha kuśalam kule ||
Nachdem er beiden das Ehrengeschenk und das Fußwasser, und danach Früchte gegeben hatte, erkundigte sich der Rechtskundige der Reihe nach nach dem Wohlergehen des Geschlechts.
Wort für Wort
tābhyām arghyam ca pādyam ca
beiden das Ehrengeschenk und das Fußwasser
dattvā paścāt phalāni ca
gegeben und danach Früchte
ānupūrvyāt ca dharmajñaḥ
der Reihe nach, der Rechtskundige
papraccha kuśalam kule
erkundigte sich nach dem Wohlergehen des Geschlechts
ayodhyāyām bale koṣe mitreṣu api ca mantriṣu | jānan daśaratham vṛttam na rājānam udāharat ||
Obwohl er über Ayodhyās Heer, Schatzkammer, Freunde und Minister Bescheid wusste und wusste, dass Daśaratha dahingeschieden war, erwähnte er den König nicht ausdrücklich.
Wort für Wort
ayodhyāyām bale koṣe
über Ayodhyās Heer, Schatzkammer
mitreṣu api ca mantriṣu
Freunde und auch Minister
jānan daśaratham vṛttam
obwohl er wusste, dass Daśaratha dahingeschieden war
vasiṣṭhaḥ bharataḥ ca enam papracchatuḥ anāmayam | śarīre agniṣu vṛkṣeṣu śiṣyeṣu mṛga-pakṣiṣu ||
Vasiṣṭha und Bharata erkundigten sich beide nach seinem Wohlergehen — nach seiner Gesundheit, den Opferfeuern, den Bäumen, den Schülern, dem Wild und den Vögeln.
Wort für Wort
vasiṣṭhaḥ bharataḥ ca
Vasiṣṭha und Bharata
enam papracchatuḥ anāmayam
erkundigten sich beide nach seinem Wohlergehen
śarīre agniṣu vṛkṣeṣu
nach seiner Gesundheit, den Opferfeuern, den Bäumen
[Sag mir von] ihm, den Kausalyā geboren hat, dem Feindebezwinger, dem Mehrer von Kausalyās Freude, der nun schon lange, samt seiner Gattin und seinem Bruder, in den Wald verbannt ist,
der hochberühmte, dem vom Vater, der selbst von einer Frau bestimmt war, aufgetragen wurde: 'Sei hier vierzehn Jahre lang ein Waldbewohner' — so hörte ich.
Wort für Wort
niyuktaḥ strī-niyuktena pitrā
dem vom Vater aufgetragen, der von einer Frau bestimmt war
tvam mām evam gatam matvā prasādam kartum arhasi | śaṃsa me bhagavan rāmaḥ kva samprati mahī-patiḥ ||
'Da du weißt, dass ich in dieser Absicht gekommen bin, solltest du mir Gnade erweisen; sag mir, Ehrwürdiger, wo sich Rāma, der Herr der Erde, jetzt befindet.'
Wort für Wort
tvam mām evam gatam matvā
da du weißt, dass ich in dieser Absicht gekommen bin
'Dies ziemt sich für dich, o Tiger unter den Männern, im Geschlecht der Rāghavas geboren: Ehrerbietung gegenüber den Älteren, Selbstbeherrschung und das Folgen der Guten.
Wort für Wort
tvayi etat puruṣa-vyāghra yuktam
dies ziemt sich für dich, o Tiger unter den Männern
rāghava-vaṃśaje
im Geschlecht der Rāghavas geboren
guru-vṛttiḥ damaḥ caiva
Ehrerbietung gegenüber den Älteren und Selbstbeherrschung
Da sprach Bharata, von edlem Aussehen, mit frohem Antlitz, das Wort: 'So sei es' — und der Königssohn fasste damals den Entschluss, die Nacht in der großen Einsiedelei zu verbringen.
Wort für Wort
tataḥ tathā iti evam
da 'so sei es', also
udāra-darśanaḥ pratīta-rūpaḥ bharataḥ
Bharata, von edlem Aussehen, mit frohem Antlitz
abravīt vacaḥ
sprach er das Wort
cakāra buddhim ca tadā mahā-āśrame niśā-nivāsāya nara-adhipa-ātmajaḥ
und der Königssohn fasste den Entschluss, die Nacht in der großen Einsiedelei zu verbringen