Quellen der Menschheit

Rāmāyaṇa · Ayodhyākāṇḍa

Sarga 90: Bharadvāja Saṃvādaḥ Bharata besucht demütig zu Fuß den Seher Bharadvāja, der ihn zunächst prüfend befragt, dann seine wahre Absicht erkennt, ihm Rāmas Aufenthalt auf dem Citrakūṭa nennt und ihn zur Übernachtung einlädt

bharadvāja-āśramam dṛṣṭvā krośāt eva nara-ṛṣabhaḥ | balam sarvam avasthāpya jagāma saha mantribhiḥ ||

Als der Stier unter den Männern die Einsiedelei des Bharadvāja schon aus einem Krośa Entfernung erblickte, ließ er das gesamte Heer dort haltmachen und ging zusammen mit seinen Ministern weiter.

Wort für Wort
bharadvāja-āśramam dṛṣṭvā
als er die Einsiedelei des Bharadvāja erblickte
krośāt eva nara-ṛṣabhaḥ
schon aus einem Krośa Entfernung, der Stier unter den Männern
balam sarvam avasthāpya
ließ er das gesamte Heer haltmachen
jagāma saha mantribhiḥ
und ging zusammen mit seinen Ministern weiter

padbhyām eva hi dharmajñaḥ nyasta-śastra-paricchadaḥ | vasānaḥ vāsasī kṣaume purodhāya purohitam ||

Der Rechtskundige, seine Waffen und Rüstung abgelegt, zu Fuß gehend, zwei seidene Gewänder tragend, den Hauspriester voranstellend,

Wort für Wort
padbhyām eva hi dharmajñaḥ
zu Fuß, der Rechtskundige
nyasta-śastra-paricchadaḥ
seine Waffen und Rüstung abgelegt
vasānaḥ vāsasī kṣaume
zwei seidene Gewänder tragend
purodhāya purohitam
den Hauspriester voranstellend

tataḥ saṃdarśane tasya bharadvājasya rāghavaḥ | mantriṇaḥ tān avasthāpya jagāma anu purohitam ||

dann, im Angesicht jenes Bharadvāja, ließ der Rāghava auch seine Minister haltmachen und ging hinter dem Hauspriester her.

Wort für Wort
tataḥ saṃdarśane tasya
dann, im Angesicht jenes
bharadvājasya rāghavaḥ
Bharadvāja, der Rāghava
mantriṇaḥ tān avasthāpya
ließ auch seine Minister haltmachen
jagāma anu purohitam
und ging hinter dem Hauspriester her

vasiṣṭham atha dṛṣṭvā eva bharadvājaḥ mahā-tapāḥ | saṃcacāla āsanāt tūrṇam śiṣyān arghyam iti bruvan ||

Sobald Bharadvāja, von großer Askese, Vasiṣṭha erblickte, erhob er sich rasch von seinem Sitz und sagte zu seinen Schülern: 'Das Ehrengeschenk!'

Wort für Wort
vasiṣṭham atha dṛṣṭvā eva
sobald er Vasiṣṭha erblickte
bharadvājaḥ mahā-tapāḥ
Bharadvāja, von großer Askese
saṃcacāla āsanāt tūrṇam
erhob er sich rasch von seinem Sitz
śiṣyān arghyam iti bruvan
und sagte zu seinen Schülern: 'Das Ehrengeschenk'

samāgamya vasiṣṭhena bharatena abhivāditaḥ | abudhyata mahā-tejāḥ sutam daśarathasya tam ||

Nachdem er mit Vasiṣṭha zusammengetroffen war und von Bharata gegrüßt wurde, erkannte der überaus Glanzvolle in ihm den Sohn des Daśaratha.

Wort für Wort
samāgamya vasiṣṭhena
nachdem er mit Vasiṣṭha zusammengetroffen war
bharatena abhivāditaḥ
und von Bharata gegrüßt wurde
abudhyata mahā-tejāḥ
erkannte der überaus Glanzvolle
sutam daśarathasya tam
in ihm den Sohn des Daśaratha

tābhyām arghyam ca pādyam ca dattvā paścāt phalāni ca | ānupūrvyāt ca dharmajñaḥ papraccha kuśalam kule ||

Nachdem er beiden das Ehrengeschenk und das Fußwasser, und danach Früchte gegeben hatte, erkundigte sich der Rechtskundige der Reihe nach nach dem Wohlergehen des Geschlechts.

Wort für Wort
tābhyām arghyam ca pādyam ca
beiden das Ehrengeschenk und das Fußwasser
dattvā paścāt phalāni ca
gegeben und danach Früchte
ānupūrvyāt ca dharmajñaḥ
der Reihe nach, der Rechtskundige
papraccha kuśalam kule
erkundigte sich nach dem Wohlergehen des Geschlechts

ayodhyāyām bale koṣe mitreṣu api ca mantriṣu | jānan daśaratham vṛttam na rājānam udāharat ||

Obwohl er über Ayodhyās Heer, Schatzkammer, Freunde und Minister Bescheid wusste und wusste, dass Daśaratha dahingeschieden war, erwähnte er den König nicht ausdrücklich.

Wort für Wort
ayodhyāyām bale koṣe
über Ayodhyās Heer, Schatzkammer
mitreṣu api ca mantriṣu
Freunde und auch Minister
jānan daśaratham vṛttam
obwohl er wusste, dass Daśaratha dahingeschieden war
na rājānam udāharat
erwähnte er den König nicht ausdrücklich

vasiṣṭhaḥ bharataḥ ca enam papracchatuḥ anāmayam | śarīre agniṣu vṛkṣeṣu śiṣyeṣu mṛga-pakṣiṣu ||

Vasiṣṭha und Bharata erkundigten sich beide nach seinem Wohlergehen — nach seiner Gesundheit, den Opferfeuern, den Bäumen, den Schülern, dem Wild und den Vögeln.

Wort für Wort
vasiṣṭhaḥ bharataḥ ca
Vasiṣṭha und Bharata
enam papracchatuḥ anāmayam
erkundigten sich beide nach seinem Wohlergehen
śarīre agniṣu vṛkṣeṣu
nach seiner Gesundheit, den Opferfeuern, den Bäumen
śiṣyeṣu mṛga-pakṣiṣu
den Schülern, dem Wild und den Vögeln

tathā iti ca pratijñāya bharadvājaḥ mahā-tapāḥ | bharatam pratyuvāca idam rāghava-sneha-bandhanāt ||

Nachdem er 'So ist es' erwidert hatte, sprach Bharadvāja, von großer Askese, aus Zuneigung zum Geschlecht der Rāghavas dies zu Bharata:

Wort für Wort
tathā iti ca pratijñāya
nachdem er 'So ist es' erwidert hatte
bharadvājaḥ mahā-tapāḥ
Bharadvāja, von großer Askese
bharatam pratyuvāca idam
sprach er dies zu Bharata
rāghava-sneha-bandhanāt
aus Zuneigung zum Geschlecht der Rāghavas

kim iha āgamane kāryam tava rājyam praśāsataḥ | etat ācakṣva me sarvam na hi me śudhyate manaḥ ||

'Was ist dein Anliegen, hierher zu kommen, wo du doch das Reich regierst? Sag mir all dies, denn mein Sinn findet keine Ruhe.

Wort für Wort
kim iha āgamane kāryam
was ist dein Anliegen, hierher zu kommen
tava rājyam praśāsataḥ
wo du doch das Reich regierst
etat ācakṣva me sarvam
sag mir all dies
na hi me śudhyate manaḥ
denn mein Sinn findet keine Ruhe

suṣuve yam a-mitraghnam kausalyā-ānanda-vardhanam | bhrātrā saha sa-bhāryaḥ yaḥ ciram pravrājitaḥ vanam ||

[Sag mir von] ihm, den Kausalyā geboren hat, dem Feindebezwinger, dem Mehrer von Kausalyās Freude, der nun schon lange, samt seiner Gattin und seinem Bruder, in den Wald verbannt ist,

Wort für Wort
suṣuve yam a-mitraghnam
von ihm, den sie geboren hat, dem Feindebezwinger
kausalyā-ānanda-vardhanam
dem Mehrer von Kausalyās Freude
bhrātrā saha sa-bhāryaḥ
samt seiner Gattin und seinem Bruder
yaḥ ciram pravrājitaḥ vanam
der schon lange in den Wald verbannt ist

niyuktaḥ strī-niyuktena pitrā yaḥ asau mahā-yaśāḥ | vana-vāsī bhava iti iha samāḥ kila caturdaśa ||

der hochberühmte, dem vom Vater, der selbst von einer Frau bestimmt war, aufgetragen wurde: 'Sei hier vierzehn Jahre lang ein Waldbewohner' — so hörte ich.

Wort für Wort
niyuktaḥ strī-niyuktena pitrā
dem vom Vater aufgetragen, der von einer Frau bestimmt war
yaḥ asau mahā-yaśāḥ
er, der hochberühmte
vana-vāsī bhava iti
'sei ein Waldbewohner'
iha samāḥ kila caturdaśa
hier, vierzehn Jahre lang, wie ich hörte

kaccit na tasya apāpasya pāpam kartum iha icchasi | akaṇṭakam bhoktum anāḥ rājyam tasya anujasya ca ||

Willst du wohl nicht ihm, dem Schuldlosen, hier Unrecht antun, gesonnen, dessen, deines älteren Bruders, Königreich dornenfrei zu genießen?'

Wort für Wort
kaccit na tasya apāpasya
willst du wohl nicht ihm, dem Schuldlosen
pāpam kartum iha icchasi
hier Unrecht antun
akaṇṭakam bhoktum anāḥ
gesonnen, es dornenfrei zu genießen
rājyam tasya anujasya ca
das Königreich deines älteren Bruders

evam uktaḥ bharadvājam bharataḥ pratyuvāca ha | paryaśru-nayanaḥ duḥkhāt vācā saṃsajjamānayā ||

So angesprochen, erwiderte Bharata dem Bharadvāja, die Augen tränenüberströmt vor Kummer, mit stockender Stimme:

Wort für Wort
evam uktaḥ bharadvājam
so angesprochen, dem Bharadvāja
bharataḥ pratyuvāca ha
erwiderte Bharata
paryaśru-nayanaḥ duḥkhāt
die Augen tränenüberströmt vor Kummer
vācā saṃsajjamānayā
mit stockender Stimme

hataḥ asmi yadi mām evam bhagavān api manyate | mattaḥ na doṣam āśaṅke na evam mām anuśādhi hi ||

'Verloren bin ich, wenn selbst der Ehrwürdige so von mir denkt! Ich fürchte von mir aus kein Vergehen — bitte belehre mich nicht auf diese Weise.

Wort für Wort
hataḥ asmi yadi mām evam
verloren bin ich, wenn so von mir
bhagavān api manyate
selbst der Ehrwürdige denkt
mattaḥ na doṣam āśaṅke
ich fürchte von mir aus kein Vergehen
na evam mām anuśādhi hi
bitte belehre mich nicht auf diese Weise

na ca etat iṣṭam mātā me yat avocat mad-antare | na aham etena tuṣṭaḥ ca na tat vacanam ādade ||

Auch war mir das nicht recht, was meine Mutter in meiner Abwesenheit gesagt hat; ich war darüber nicht erfreut, noch habe ich jenes Wort angenommen.

Wort für Wort
na ca etat iṣṭam mātā me
auch war mir das nicht recht, was meine Mutter
yat avocat mad-antare
in meiner Abwesenheit gesagt hat
na aham etena tuṣṭaḥ ca
ich war darüber nicht erfreut
na tat vacanam ādade
noch habe ich jenes Wort angenommen

aham tu tam nara-vyāghram upayātaḥ prasādakaḥ | pratinetum ayodhyām ca pādau tasya abhivanditum ||

Ich aber bin zu jenem Tiger unter den Männern gekommen als Bittsteller, um ihn nach Ayodhyā zurückzuführen und seine Füße zu verehren.'

Wort für Wort
aham tu tam nara-vyāghram
ich aber zu jenem Tiger unter den Männern
upayātaḥ prasādakaḥ
bin gekommen als Bittsteller
pratinetum ayodhyām ca
um ihn nach Ayodhyā zurückzuführen
pādau tasya abhivanditum
und seine Füße zu verehren

tvam mām evam gatam matvā prasādam kartum arhasi | śaṃsa me bhagavan rāmaḥ kva samprati mahī-patiḥ ||

'Da du weißt, dass ich in dieser Absicht gekommen bin, solltest du mir Gnade erweisen; sag mir, Ehrwürdiger, wo sich Rāma, der Herr der Erde, jetzt befindet.'

Wort für Wort
tvam mām evam gatam matvā
da du weißt, dass ich in dieser Absicht gekommen bin
prasādam kartum arhasi
solltest du mir Gnade erweisen
śaṃsa me bhagavan
sag mir, Ehrwürdiger
rāmaḥ kva samprati mahī-patiḥ
wo sich Rāma, der Herr der Erde, jetzt befindet

vasiṣṭha-ādibhiḥ ṛtvigbhiḥ yācitaḥ bhagavān tataḥ | uvāca tam bharadvājaḥ prasādāt bharatam vacaḥ ||

Von Vasiṣṭha und den anderen Opferpriestern gebeten, sprach der ehrwürdige Bharadvāja daraufhin aus Gnade dieses Wort zu Bharata:

Wort für Wort
vasiṣṭha-ādibhiḥ ṛtvigbhiḥ yācitaḥ
von Vasiṣṭha und den anderen Opferpriestern gebeten
bhagavān tataḥ
der Ehrwürdige daraufhin
uvāca tam bharadvājaḥ
sprach Bharadvāja zu ihm
prasādāt bharatam vacaḥ
aus Gnade dieses Wort zu Bharata

tvayi etat puruṣa-vyāghra yuktam rāghava-vaṃśaje | guru-vṛttiḥ damaḥ caiva sādhūnām ca anuyāyitā ||

'Dies ziemt sich für dich, o Tiger unter den Männern, im Geschlecht der Rāghavas geboren: Ehrerbietung gegenüber den Älteren, Selbstbeherrschung und das Folgen der Guten.

Wort für Wort
tvayi etat puruṣa-vyāghra yuktam
dies ziemt sich für dich, o Tiger unter den Männern
rāghava-vaṃśaje
im Geschlecht der Rāghavas geboren
guru-vṛttiḥ damaḥ caiva
Ehrerbietung gegenüber den Älteren und Selbstbeherrschung
sādhūnām ca anuyāyitā
und das Folgen der Guten

jāne ca etat manaḥ-stham te dṛḍhī-karaṇam astu iti | apṛccham tvām tava atyartham kīrtim samabhivardhayan ||

Und ich weiß, dass dies fest in deinem Sinn verankert ist; ich befragte dich nur, damit es sich bestätige, während ich deinen Ruhm noch mehr mehrte.

Wort für Wort
jāne ca etat manaḥ-stham te
und ich weiß, dass dies in deinem Sinn verankert ist
dṛḍhī-karaṇam astu iti
auf dass es sich bestätige
apṛccham tvām tava atyartham
ich befragte dich nur
kīrtim samabhivardhayan
während ich deinen Ruhm noch mehr mehrte

jāne ca rāmam dharmajñam śāsitam saha lakṣmaṇam | asau vasati te bhrātā citra-kūṭe mahā-girau ||

Und ich weiß von Rāma, dem Rechtskundigen, der sein Gelübde hält, zusammen mit Lakṣmaṇa; dieser dein Bruder weilt auf dem großen Berg Citrakūṭa.

Wort für Wort
jāne ca rāmam dharmajñam
und ich weiß von Rāma, dem Rechtskundigen
śāsitam saha lakṣmaṇam
der sein Gelübde hält, zusammen mit Lakṣmaṇa
asau vasati te bhrātā
dieser dein Bruder weilt
citra-kūṭe mahā-girau
auf dem großen Berg Citrakūṭa

śvaḥ tu gantā asi tam deśam vasa adya saha mantribhiḥ | etam me kuru su-prajña kāmam kāma-artha-kovida ||

Morgen aber wirst du zu jenem Ort gehen; bleibe heute mit deinen Ministern hier. Erfülle mir diesen Wunsch, du Weiser, kundig in Verlangen und Zweck.'

Wort für Wort
śvaḥ tu gantā asi tam deśam
morgen aber wirst du zu jenem Ort gehen
vasa adya saha mantribhiḥ
bleibe heute mit deinen Ministern hier
etam me kuru su-prajña
erfülle mir diesen Wunsch, du Weiser
kāma-artha-kovida
kundig in Verlangen und Zweck

tataḥ tathā iti evam udāra-darśanaḥ | pratīta-rūpaḥ bharataḥ abravīt vacaḥ | cakāra buddhim ca tadā mahā-āśrame | niśā-nivāsāya nara-adhipa-ātmajaḥ ||

Da sprach Bharata, von edlem Aussehen, mit frohem Antlitz, das Wort: 'So sei es' — und der Königssohn fasste damals den Entschluss, die Nacht in der großen Einsiedelei zu verbringen.

Wort für Wort
tataḥ tathā iti evam
da 'so sei es', also
udāra-darśanaḥ pratīta-rūpaḥ bharataḥ
Bharata, von edlem Aussehen, mit frohem Antlitz
abravīt vacaḥ
sprach er das Wort
cakāra buddhim ca tadā mahā-āśrame niśā-nivāsāya nara-adhipa-ātmajaḥ
und der Königssohn fasste den Entschluss, die Nacht in der großen Einsiedelei zu verbringen

Interaktive Leseansicht des ganzen Werks