Rāmāyaṇa · Ayodhyākāṇḍa
Sarga 77: Śrāddha Karma Trayodaśāha Vilāpaḥ
Am zwölften Tag lässt Bharata die Śrāddha-Riten vollziehen; am dreizehnten Tag klagen Bharata und Śatrughna verzweifelt an den Gebeinen des Vaters, bis Vasiṣṭha und Sumantra sie zur Fassung mahnen
tataḥ daśāhe atigate kṛtaśauco nṛpātmajaḥ |
dvādaśe 'hani saṃprāpte śrāddhakarmāṇyakārayat ||
Als dann die zehn Tage vergangen waren, ließ der Königssohn, seine Reinigung vollzogen, als der zwölfte Tag angebrochen war, die Śrāddha-Riten vollziehen.
Wort für Wort tataḥ daśāhe atigate als dann die zehn Tage vergangen waren kṛtaśaucaḥ nṛpātmajaḥ der Königssohn, seine Reinigung vollzogen dvādaśe ahani saṃprāpte als der zwölfte Tag angebrochen war śrāddhakarmāṇi akārayat ließ er die Śrāddha-Riten vollziehen brāhmaṇebhyo dadau ratnaṃ dhanamannaṃ ca puṣkalam |
vāsāṃsi ca mahārhāṇi ratnāni vividhāni ca ||
Er gab den Brahmanen Juwelen, Reichtum und reichliche Speise, kostbare Gewänder und mancherlei Juwelen.
Wort für Wort brāhmaṇebhyaḥ dadau ratnam den Brahmanen gab er Juwelen dhanam annam ca puṣkalam Reichtum und reichliche Speise vāsāṃsi ca mahārhāṇi und kostbare Gewänder ratnāni vividhāni ca und mancherlei Juwelen bāstikaṃ bahu śuklaṃ ca gāśca api śataśaḥ tathā |
dāsīdāsaṃ ca yānaṃ ca veśmāni sumahānti ca |
brāhmaṇebhyo dadau putraḥ rājñastasyaurdhvadaihikam ||
Viel weiße Schafwolle, und ebenso Kühe zu Hunderten, Sklavinnen und Sklaven, Wagen und überaus große Häuser gab der Sohn den Brahmanen als Totengabe für jenen König.
Wort für Wort bāstikam bahu śuklam ca viel weiße Schafwolle gāḥ ca api śataśaḥ tathā und ebenso Kühe zu Hunderten dāsīdāsam ca yānam ca Sklavinnen und Sklaven, und Wagen veśmāni sumahānti ca und überaus große Häuser brāhmaṇebhyaḥ dadau putraḥ gab der Sohn den Brahmanen rājñaḥ tasya ūrdhvadaihikam als Totengabe für jenen König tataḥ prabhātasamaye divase atha trayodaśe |
Dann, zur Zeit der Morgendämmerung, am dreizehnten Tag,
Wort für Wort tataḥ prabhātasamaye dann, zur Zeit der Morgendämmerung divase atha trayodaśe am dreizehnten Tag dann vilalāpa mahābāhurbharataḥ śokamūrcchitaḥ |
śabdāpihitakaṇṭhaśca śodhanārthamupāgataḥ |
citāmūle pituḥ vākyamidamāha suduḥkhitaḥ ||
klagte der mächtig-armige Bharata, von Kummer überwältigt; seine Kehle von Schluchzen erstickt, zur Reinigung gekommen, sprach er, überaus betrübt, am Fuß des Scheiterhaufens seines Vaters dieses Wort:
Wort für Wort vilalāpa mahābāhuḥ bharataḥ klagte der mächtig-armige Bharata śokamūrcchitaḥ von Kummer überwältigt śabdāpihitakaṇṭhaḥ ca seine Kehle von Schluchzen erstickt śodhanārtham upāgataḥ zur Reinigung gekommen citāmūle pituḥ vākyam idam āha am Fuß des Scheiterhaufens des Vaters sprach er dieses Wort suduḥkhitaḥ überaus betrübt tāta yasminniṣṛṣṭo 'haṃ tvayā bhrātari rāghave |
tasmin vanaṃ pravrajite śūnye tyaktosmi tvayā aham ||
'Vater, jener Bruder Rāghava, dem du mich anvertraut hast - da er in den Wald gegangen ist, in der Leere, bin ich von dir verlassen.
Wort für Wort tāta yasmin niṣṛṣṭaḥ aham Vater, jener, dem ich anvertraut wurde tvayā bhrātari rāghave von dir, [jener] Bruder Rāghava tasmin vanam pravrajite śūnye da er in den Wald gegangen ist, in der Leere tyaktaḥ asmi tvayā aham bin ich von dir verlassen yathā gatiranāthāyāḥ putraḥ pravrājitaḥ vanam |
tāmambāṃ tāta kausalyāṃ tyaktvā tvaṃ kva gataḥ nṛpa ||
Jene Mutter Kausalyā, deren Zuflucht [ihr] in den Wald verbannter Sohn war, verlassend - wohin bist du gegangen, o König?
Wort für Wort yathā gatiḥ anāthāyāḥ gleich der Zuflucht der Hilflosen putraḥ pravrājitaḥ vanam deren Sohn in den Wald verbannt wurde tām ambām tāta kausalyām jene Mutter Kausalyā, Vater tyaktvā tvam kva gataḥ nṛpa verlassend, wohin bist du gegangen, o König dṛṣṭvā bhasmāruṇaṃ tacca dagdhāsthisthānamaṇḍalam |
pituḥ śarīranirvāṇaṃ niṣṭanan viṣasāda ha ||
Als er die rötliche Asche und den Kreis der verbrannten Gebeine sah, verzweifelte er, ächzend über das Erlöschen des Leibes seines Vaters.
Wort für Wort dṛṣṭvā bhasmāruṇam tat ca als er die rötliche Asche sah dagdhāsthisthānamaṇḍalam und den Kreis der verbrannten Gebeine pituḥ śarīranirvāṇam über das Erlöschen des Leibes des Vaters niṣṭanan viṣasāda ha ächzend verzweifelte er sa tu dṛṣṭvā rudan dīnaḥ papāta dharaṇītale |
utthāpyamānaḥ śakrasya yantradhvaja iva cyutaḥ ||
Er, dies sehend, weinend, elend, fiel zu Boden; als er wieder aufgerichtet wurde, [glich er] einer gefallenen mechanischen Fahnenstange Indras.
Wort für Wort saḥ tu dṛṣṭvā rudan dīnaḥ er aber, dies sehend, weinend, elend papāta dharaṇītale fiel zu Boden utthāpyamānaḥ als er wieder aufgerichtet wurde śakrasya yantradhvajaḥ iva cyutaḥ gleich einer gefallenen mechanischen Fahnenstange Indras abhipetustataḥ sarve tasyāmātyāḥ śucivratam |
antakāle nipatitaṃ yayātim ṛṣayo yathā ||
Da eilten alle seine Minister zu ihm, dem von reinen Gelübden, wie einst die Weisen zu dem am Ende seiner Zeit gefallenen Yayāti eilten.
Wort für Wort abhipetuḥ tataḥ sarve da eilten alle tasya amātyāḥ śucivratam seine Minister zu ihm, dem von reinen Gelübden antakāle nipatitam yayātim zu dem am Ende [seiner Zeit] gefallenen Yayāti ṛṣayaḥ yathā wie [einst] die Weisen śatrughnaśca api bharataṃ dṛṣṭvā śokapariplutam |
visaṃjño nyapatat bhūmau bhūmipālamanusmaran ||
Und auch Śatrughna, als er Bharata vom Kummer überflutet sah, sank besinnungslos zu Boden, sich des Herrschers der Erde erinnernd.
Wort für Wort śatrughnaḥ ca api bharatam und auch Śatrughna, Bharata dṛṣṭvā śokapariplutam als er sah, vom Kummer überflutet visaṃjñaḥ nyapatat bhūmau sank besinnungslos zu Boden bhūmipālam anusmaran sich des Herrschers der Erde erinnernd unmatta iva niścetā vilalāpa suduḥkhitaḥ |
smṛtvā pitur guṇānaṅgāni tāni tāni tadā tadā ||
Wie ein Wahnsinniger, seiner Sinne beraubt, klagte er, überaus betrübt, sich immer wieder an diese und jene Tugenden und Züge des Vaters erinnernd.
Wort für Wort unmattaḥ iva niścetāḥ wie ein Wahnsinniger, seiner Sinne beraubt vilalāpa suduḥkhitaḥ klagte er, überaus betrübt smṛtvā pitur guṇān aṅgāni sich der Tugenden und Züge des Vaters erinnernd tāni tāni tadā tadā dieser und jener, immer wieder mantharāprabhavastīvraḥ kaikeyīgrāhasaṃkulaḥ |
varadānamayo 'kṣobhyo 'majjayat śokasāgaraḥ ||
Der Ozean des Kummers, seinen Ursprung in Manthara habend, heftig, mit dem Krokodil Kaikeyī überfüllt, aus der Gabe des Wunsches gebildet, unerschütterlich - verschlang ihn.
Wort für Wort mantharāprabhavaḥ tīvraḥ seinen Ursprung in Manthara habend, heftig kaikeyīgrāhasaṃkulaḥ mit dem Krokodil Kaikeyī überfüllt varadānamayaḥ akṣobhyaḥ aus der Gabe des Wunsches gebildet, unerschütterlich amajjayat śokasāgaraḥ verschlang ihn der Ozean des Kummers sukumāraṃ ca bālaṃ ca satataṃ lālitaṃ tvayā |
kva tāta bharataṃ hitvā vilapantaṃ gataḥ bhavān ||
Wohin, Vater, bist du gegangen, mich, Bharata, zart und jung, stets von dir verwöhnt, klagend zurücklassend?
Wort für Wort sukumāram ca bālam ca zart und jung satatam lālitam tvayā stets von dir verwöhnt kva tāta bharatam hitvā wohin, Vater, Bharata zurücklassend vilapantam gataḥ bhavān klagend, bist du gegangen nanu bhojyeṣu pāneṣu vastreṣvābharaṇeṣu ca |
pravārayasi naḥ sarvāṃstannaḥ ko 'dya kariṣyati ||
Hast du uns nicht stets an Speisen, Getränken, Gewändern und Schmuck reichlich teilhaben lassen - wer wird uns das nun tun?
Wort für Wort nanu bhojyeṣu pāneṣu hast du nicht an Speisen, Getränken vastreṣu ābharaṇeṣu ca Gewändern und Schmuck pravārayasi naḥ sarvān uns alle reichlich teilhaben lassen tat naḥ kaḥ adya kariṣyati wer wird uns das nun tun avadāraṇakāle tu pṛthivī nāvadīryate |
vihīnā yā tvayā rājñā dharmajñena mahātmanā ||
Doch in dieser Stunde der Zerreißung [meines Herzens] spaltet sich die Erde nicht, obwohl sie deiner, des rechtschaffenen, großherzigen Königs, beraubt ist.
Wort für Wort avadāraṇakāle tu doch in dieser Stunde der Zerreißung pṛthivī na avadīryate spaltet sich die Erde nicht vihīnā yā tvayā rājñā obwohl sie deiner, des Königs, beraubt ist dharmajñena mahātmanā des rechtschaffenen, großherzigen pitari svargamāpanne rāme ca araṇyamāśrite |
kiṃ me jīvitasāmarthyaṃ pravekṣyāmi hutāśanam ||
Da der Vater zum Himmel gegangen ist und Rāma im Wald Zuflucht genommen hat, was nützt mir noch das Leben? Ich werde ins Feuer eingehen.
Wort für Wort pitari svargam āpanne da der Vater zum Himmel gegangen ist rāme ca araṇyam āśrite und Rāma im Wald Zuflucht genommen hat kim me jīvitasāmarthyam was nützt mir das Leben pravekṣyāmi hutāśanam ich werde ins Feuer eingehen hīno bhrātrā ca pitrā ca śūnyāmikṣvākupālitām |
ayodhyāṃ na pravekṣyāmi pravekṣyāmi tapovanam ||
Beraubt sowohl des Bruders als auch des Vaters, werde ich das nun leere, [immer noch] von den Ikṣvākus beherrschte Ayodhyā nicht betreten; ich werde den Büßerwald betreten.'
Wort für Wort hīnaḥ bhrātrā ca pitrā ca beraubt sowohl des Bruders als auch des Vaters śūnyām ikṣvākupālitām das nun leere, von den Ikṣvākus beherrschte ayodhyām na pravekṣyāmi werde ich Ayodhyā nicht betreten pravekṣyāmi tapovanam ich werde den Büßerwald betreten tayoḥ vilapitaṃ śrutvā vyasanaṃ ca anvavekṣya tat |
bhṛśamārtatarā bhūyaḥ sarva eva anugāminaḥ ||
Als sie das Klagen der beiden hörten und jenes Unglück betrachteten, wurden alle Begleiter nur noch mehr überwältigt von Schmerz.
Wort für Wort tayoḥ vilapitam śrutvā das Klagen der beiden hörend vyasanam ca anvavekṣya tat und jenes Unglück betrachtend bhṛśam ārtatarā bhūyaḥ noch mehr überwältigt von Schmerz sarve eva anugāminaḥ alle Begleiter tataḥ viṣaṇṇau śrāntau ca śatrughnabharatāvubhau |
dharaṇyāṃ saṃvyaceṣṭetāṃ bhagnaśṛṅgāviva ṛṣabhau ||
Da wälzten sich Śatrughna und Bharata, beide niedergeschlagen und erschöpft, auf der Erde, gleich zwei Stieren mit gebrochenen Hörnern.
Wort für Wort tataḥ viṣaṇṇau śrāntau ca da, niedergeschlagen und erschöpft śatrughnabharatau ubhau Śatrughna und Bharata, beide dharaṇyām saṃvyaceṣṭetām wälzten sich auf der Erde bhagnaśṛṅgau iva ṛṣabhau gleich zwei Stieren mit gebrochenen Hörnern tataḥ prakṛtimān vaidyaḥ pituḥ eṣāṃ purohitaḥ |
vasiṣṭho bharataṃ vākyamutthāpya tam uvāca ha ||
Da sprach Vasiṣṭha, der besonnene, weise Hauspriester ihres Vaters, Bharata aufrichtend, dieses Wort zu ihm:
Wort für Wort tataḥ prakṛtimān vaidyaḥ da der besonnene, weise pituḥ eṣām purohitaḥ der Hauspriester ihres Vaters vasiṣṭhaḥ bharatam vākyam Vasiṣṭha [sprach] zu Bharata dieses Wort utthāpya tam uvāca ha ihn aufrichtend, sprach er trayodaśo 'yaṃ divasaḥ piturvṛttasya te vibho |
sāvaśeṣāsthinicaye kimiha tvaṃ vilambase ||
'Dies ist der dreizehnte Tag seit dem Tod deines Vaters, o Herr; warum verweilst du hier bei diesem Haufen übriggebliebener Gebeine?
Wort für Wort trayodaśaḥ ayam divasaḥ dies ist der dreizehnte Tag pituḥ vṛttasya te vibho seit dem Tod deines Vaters, o Herr sāvaśeṣāsthinicaye bei diesem Haufen übriggebliebener Gebeine kim iha tvam vilambase warum verweilst du hier trīṇi dvandvāni bhūteṣu pravṛttāni aviśeṣataḥ |
teṣu ca aparihāryeṣu naivaṃ bhavitumarhati ||
Drei Gegensatzpaare wirken unter den Wesen ohne Unterschied; und angesichts dieser unvermeidlichen ist es nicht recht, sich so zu verhalten.'
Wort für Wort trīṇi dvandvāni bhūteṣu drei Gegensatzpaare unter den Wesen pravṛttāni aviśeṣataḥ wirken ohne Unterschied teṣu ca aparihāryeṣu und angesichts dieser unvermeidlichen na evam bhavitum arhati ist es nicht recht, sich so zu verhalten sumantraśca api śatrughnamutthāpyābhiprasādya ca |
śrāvayāmāsa tattvajñaḥ sarvabhūtabhavābhavau ||
Und auch Sumantra, Śatrughna aufrichtend und besänftigend, der die Wahrheit kennt, ließ ihn von Entstehen und Vergehen aller Wesen hören.
Wort für Wort sumantraḥ ca api śatrughnam und auch Sumantra, Śatrughna utthāpya abhiprasādya ca aufrichtend und besänftigend śrāvayāmāsa tattvajñaḥ ließ er ihn hören, der die Wahrheit kennt sarvabhūtabhavābhavau von Entstehen und Vergehen aller Wesen utthitau tau naravyāghrau prakāśete yaśasvinau |
varṣātapapariklinnau pṛthagindradhvajāviva ||
Die beiden, aufgestanden, jene Tiger unter den Männern, ruhmreich, von Regen und Sonnenglut durchnässt, erstrahlten gleich zwei einzelnen Bannerstangen Indras.
Wort für Wort utthitau tau naravyāghrau die beiden aufgestanden, jene Tiger unter den Männern prakāśete yaśasvinau erstrahlten, die Ruhmreichen varṣātapapariklinnau von Regen und Sonnenglut durchnässt pṛthak indradhvajau iva gleich zwei einzelnen Bannerstangen Indras aśrūṇi parimṛdnantau raktākṣau dīnabhāṣiṇau |
amātyāḥ tvarayanti sma tanayau ca aparāḥ kriyāḥ ||
Die Tränen abwischend, mit geröteten Augen, kläglich sprechend, drängten die Minister die beiden Söhne zu den weiteren Riten.
Wort für Wort aśrūṇi parimṛdnantau die Tränen abwischend raktākṣau dīnabhāṣiṇau mit geröteten Augen, kläglich sprechend amātyāḥ tvarayanti sma drängten die Minister tanayau ca aparāḥ kriyāḥ die beiden Söhne zu den weiteren Riten
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