Quellen der Menschheit

Rāmāyaṇa · Ayodhyākāṇḍa

Sarga 42: Rāja Gṛha Praveśaḥ Kaikeyī Nirasanam Daśaratha bricht zusammen, als er Rāmas Staub nicht mehr sehen kann, verstößt Kaikeyī mit harten Worten, kehrt klagend in die menschenleere Stadt zurück und liegt in der Nacht bei Kausalyā, unaufhörlich an Rāma denkend

yāvat tu niryatas tasya rajorūpam adṛśyata | naiveṣvākuvaras tāvat samjahārātmacakṣuṣī ||

Solange sich noch die Staubwolke seines Aufbruchs sehen ließ, wandte der Beste der Ikṣvāku seine Augen nicht ab.

Wort für Wort
yāvat tu niryataḥ tasya rajaḥrūpam adṛśyata
solange die Staubgestalt seines Aufbruchs sichtbar war
na eva ikṣvākuvaraḥ tāvat
so lange wandte der Beste der Ikṣvāku nicht
samjahāra ātmacakṣuṣī
seine eigenen Augen ab

yāvad rājā priyaṃ putram paśyaty atyantadhārmikam | tāvad vyavardhatevāsya dharaṇyāṃ putradarśane ||

Solange der König seinen geliebten, überaus rechtschaffenen Sohn noch sah, da schien ihm die Erde beim Anblick des Sohnes gleichsam zu wachsen.

Wort für Wort
yāvat rājā priyam putram paśyati
solange der König den geliebten Sohn sah
atyantadhārmikam
den überaus rechtschaffenen
tāvat vyavardhata iva asya
so lange wuchs ihm gleichsam
dharaṇyām putradarśane
die Erde beim Anblick des Sohnes

na paśyati rajo 'py asya yadā rāmasya bhūmipaḥ | tadārtaś ca viṣaṇṇaś ca papāta dharaṇītale ||

Als aber der Herr der Erde nicht einmal mehr den Staub Rāmas sehen konnte, da fiel er, von Schmerz überwältigt und mutlos, zu Boden.

Wort für Wort
na paśyati rajaḥ api asya
als er nicht einmal mehr dessen Staub sah
yadā rāmasya bhūmipaḥ
als der Herr der Erde von Rāma
tadā ārtaḥ ca viṣaṇṇaḥ ca
da, von Schmerz überwältigt und mutlos
papāta dharaṇītale
fiel er zu Boden

tasya dakṣiṇam anvagād bāhuṃ kausalyāṅganā | vāmaṃ cāsyānvagāt pārśvaṃ kaikeyī bharatapriyā ||

An seinem rechten Arm hielt sich die Frau Kausalyā, an seiner linken Seite hielt sich Kaikeyī, Bharatas Liebste.

Wort für Wort
tasya dakṣiṇam bāhum anvagāt
an seinem rechten Arm hielt sich
kausalyā aṅganā
die Frau Kausalyā
vāmam ca asya pārśvam anvagāt
und an seiner linken Seite hielt sich
kaikeyī bharatapriyā
Kaikeyī, Bharatas Liebste

tāṃ nayena ca sampanno dharmeṇa vinayena ca | uvāca rājā kaikeyīṃ samīkṣya vyathitendriyaḥ ||

Der König, mit Klugheit, Rechtschaffenheit und Anstand begabt, sprach, sie ansehend, mit erschütterten Sinnen zu Kaikeyī.

Wort für Wort
tām nayena ca sampannaḥ
er, mit Klugheit begabt
dharmeṇa vinayena ca
und mit Rechtschaffenheit und Anstand
uvāca rājā kaikeyīm
sprach der König zu Kaikeyī
samīkṣya vyathitendriyaḥ
sie ansehend, mit erschütterten Sinnen

kaikeyi mā mamāṅgāni spṛākṣīs tvaṃ duṣṭacāriṇī | na hi tvāṃ draṣṭum icchāmi na bhāryā na ca bāndhavī ||

Kaikeyī, berühre meinen Leib nicht, du Übeltäterin! Ich will dich nicht mehr sehen, weder als Gattin noch als Verwandte.

Wort für Wort
kaikeyi mā mama aṅgāni spṛśīḥ
Kaikeyī, berühre meine Glieder nicht
tvam duṣṭacāriṇī
du, die übel handelt
na hi tvām draṣṭum icchāmi
ich will dich nicht sehen
na bhāryā na ca bāndhavī
weder als Gattin noch als Verwandte

ye ca tvām upajīvanti nāhaṃ teṣāṃ na te mama | kevalārthaparāṃ hi tvāṃ tyaktadharmāṃ tyajāmy aham ||

Und wer von dir lebt, dem gehöre ich nicht, und der gehört nicht mir; denn dich, die nur auf eigenen Vorteil bedacht ist, die die Rechtschaffenheit verlassen hat, verstoße ich.

Wort für Wort
ye ca tvām upajīvanti
und die, die von dir leben
na aham teṣām na te mama
ich gehöre ihnen nicht, sie gehören mir nicht
kevalārthaparām hi tvām
denn dich, nur auf eigenen Vorteil bedacht
tyaktadharmām tyajāmi aham
die die Rechtschaffenheit verlassen hat, verstoße ich

agṛhṇāṃ yac ca te pāṇim agniṃ paryaṇayaṃ ca yat | anujānāmi tat sarvam asmiml loke paratra ca ||

Dass ich einst deine Hand ergriff und mit dir um das Feuer schritt – all das gebe ich preis, in dieser Welt wie in der jenseitigen.

Wort für Wort
agṛhṇām yat ca te pāṇim
dass ich deine Hand ergriff
agnim paryaṇayam ca yat
und dass ich um das Feuer schritt
anujānāmi tat sarvam
all das gebe ich preis
asmin loke paratra ca
in dieser Welt und in der jenseitigen

bharataś cet pratīto syād rājyam prāpyedam avyayam | yan me sa dadyāt pitṛarthaṃ mā mā tad dattam āgamat ||

Sollte Bharata, wenn er dieses unvergängliche Königreich erlangt, mir zufrieden etwas als Totenopfer darbringen wollen – möge das mir niemals zuteilwerden!

Wort für Wort
bharataḥ cet pratītaḥ syāt
sollte Bharata zufrieden sein
rājyam prāpya idam avyayam
wenn er dieses unvergängliche Königreich erlangt
yat me saḥ dadyāt pitṛartham
was er mir als Totenopfer geben würde
mā mā tat dattam āgamat
möge mir das niemals zuteilwerden

atha reṇusamudhvastaṃ tam utthāpya narādhipam | nyavartata tadā devī kausalyā śokakarśitā ||

Da hob die von Kummer abgezehrte Königin Kausalyā den vom Staub bedeckten Herrn der Menschen auf und kehrte um.

Wort für Wort
atha reṇusamudhvastam tam
den vom Staub bedeckten
utthāpya narādhipam
den Herrn der Menschen aufhebend
nyavartata tadā devī
kehrte da die Königin um
kausalyā śokakarśitā
Kausalyā, von Kummer abgezehrt

hatveva brāhmaṇaṃ kāmāt spṛṣṭvāgnim iva pāṇinā | anvatapyata dharmātmā putraṃ saṃcintya tāpasam ||

Wie einer, der absichtlich einen Brahmanen erschlagen, oder wie einer, der mit der Hand ins Feuer gegriffen hat, so quälte sich der Rechtschaffene, an seinen büßenden Sohn denkend, mit Reue.

Wort für Wort
hatvā iva brāhmaṇam kāmāt
wie einer, der absichtlich einen Brahmanen erschlagen hat
spṛṣṭvā agnim iva pāṇinā
wie einer, der das Feuer mit der Hand berührt hat
anvatapyata dharmātmā
quälte sich der Rechtschaffene mit Reue
putram saṃcintya tāpasam
an den büßenden Sohn denkend

nivṛtyaiva nivṛtyaiva sīdato rathavartmasu | rājño nātibabhau rūpaṃ grastasyāṃśumato yathā ||

Immer wieder umkehrend und wieder zusammensinkend auf dem Weg des Wagens, strahlte die Gestalt des Königs nicht mehr, gleich der Sonne, wenn sie verfinstert ist.

Wort für Wort
nivṛtya eva nivṛtya eva
immer wieder umkehrend
sīdataḥ rathavartmasu
auf dem Weg des Wagens zusammensinkend
rājñaḥ na atibabhau rūpam
die Gestalt des Königs strahlte nicht mehr
grastasya aṃśumataḥ yathā
wie die der verfinsterten Sonne

vilalāpa ca duḥkhārtaḥ priyaṃ putram anusmaran | nagarāntam anuprāptaṃ buddhvā putram athābravīt ||

Von Schmerz gequält klagte er, seines geliebten Sohnes gedenkend; und als er merkte, dass er den Stadtrand erreicht hatte, sprach er über seinen Sohn.

Wort für Wort
vilalāpa ca duḥkhārtaḥ
und klagte, von Schmerz gequält
priyam putram anusmaran
seines geliebten Sohnes gedenkend
nagarāntam anuprāptam buddhvā
als er merkte, dass er den Stadtrand erreicht hatte
putram atha abravīt
sprach er dann über den Sohn

vāhanānāṃ ca mukhyānāṃ vahatāṃ tam mamātmajam | padāni pathi dṛśyante sa mahātmā na dṛśyate ||

Die Spuren der vornehmsten Zugtiere, die meinen Sohn dahintrugen, sind noch auf dem Weg zu sehen – doch der Großmütige selbst ist nicht mehr zu sehen.

Wort für Wort
vāhanānām ca mukhyānām
der vornehmsten Zugtiere
vahatām tam mama ātmajam
die meinen Sohn dahintrugen
padāni pathi dṛśyante
die Spuren sind auf dem Weg zu sehen
saḥ mahātmā na dṛśyate
der Großmütige selbst ist nicht zu sehen

sa nūnaṃ kvacid evādya vṛkṣamūlam upāśritaḥ | kāṣṭhaṃ vā yadi vāśmānam upadhāya śayiṣyate ||

Gewiss wird er sich heute irgendwo am Fuß eines Baumes niederlassen und, ein Stück Holz oder einen Stein als Kissen nehmend, sich zum Schlafen legen.

Wort für Wort
saḥ nūnam kvacit eva adya
er gewiss irgendwo heute
vṛkṣamūlam upāśritaḥ
am Fuß eines Baumes Zuflucht nehmend
kāṣṭham vā yadi vā aśmānam
ein Stück Holz oder einen Stein
upadhāya śayiṣyate
als Kissen nehmend, wird er sich schlafen legen

utthāsyati ca medinyāḥ kṛpaṇaḥ pāṃśuguṇṭhitaḥ | vinihśvasan prasravaṇāt kareṇūnām ivarṣabhaḥ ||

Und er wird sich elend, mit Staub bedeckt, von der Erde erheben, seufzend wie ein Elefantenbulle, der sich von der Herde seiner Kühe getrennt hat.

Wort für Wort
utthāsyati ca medinyāḥ
und er wird sich von der Erde erheben
kṛpaṇaḥ pāṃśuguṇṭhitaḥ
elend, mit Staub bedeckt
vinihśvasan
seufzend
prasravaṇāt kareṇūnām iva ṛṣabhaḥ
wie ein Elefantenbulle, von seiner Kuhherde getrennt

utthāsyati ca medinyāḥ kṛpaṇaḥ pāṃśuguṇṭhitaḥ | viniḥśvasan prasravaṇāt kareṇūnām ivarṣabhaḥ ||

Und er wird sich elend, mit Staub bedeckt, von der Erde erheben, seufzend wie ein Elefantenbulle, der sich von der Herde seiner Kühe getrennt hat.

Wort für Wort
utthāsyati ca medinyāḥ
und er wird sich von der Erde erheben (Wiederholung im Quelltext)
kṛpaṇaḥ pāṃśuguṇṭhitaḥ
elend, mit Staub bedeckt
viniḥśvasan
seufzend
prasravaṇāt kareṇūnām iva ṛṣabhaḥ
wie ein Elefantenbulle, von seiner Kuhherde getrennt

drakṣyanti nūnaṃ puruṣā dīrghabāhuṃ vane carāḥ | rāmam utthāya gacchantaṃ lokanātham anāthavat ||

Gewiss werden die im Wald wandernden Menschen den langarmigen Rāma sehen, wie er, der Herr der Welt, sich erhebt und weiterzieht wie ein Herrenloser.

Wort für Wort
drakṣyanti nūnam puruṣāḥ
gewiss werden die Menschen sehen
dīrghabāhum vane carāḥ
die im Wald wandernden den Langarmigen
rāmam utthāya gacchantam
wie Rāma sich erhebt und weiterzieht
lokanātham anāthavat
den Herrn der Welt, wie einen Herrenlosen

sakāmā bhava kaikeyi vidhavā rājyam āvasa | kaṇṭakākramaṇaklāntā vanam adya gamiṣyati ||

Sei zufrieden, Kaikeyī! Bewohne als Witwe das Königreich! Erschöpft vom Betreten der Dornen zieht sie heute durch den Wald.

Wort für Wort
sakāmā bhava kaikeyi
sei zufrieden, Kaikeyī
vidhavā rājyam āvasa
bewohne als Witwe das Königreich
kaṇṭakākramaṇaklāntā
erschöpft vom Betreten der Dornen
vanam adya gamiṣyati
zieht sie heute durch den Wald

anabhijñā vanānāṃ sā nūnaṃ bhayam upaiṣyati | śvāpadanāditaṃ śrutvā gambhīraṃ romaharṣaṇam ||

Sie, der Wälder unkundig, wird gewiss von Furcht ergriffen werden, wenn sie das tiefe, haarsträubende Gebrüll der wilden Tiere hört.

Wort für Wort
anabhijñā vanānām sā
sie, der Wälder unkundig
nūnam bhayam upaiṣyati
wird gewiss von Furcht ergriffen werden
śvāpadanāditam śrutvā
wenn sie das Gebrüll der wilden Tiere hört
gambhīram romaharṣaṇam
das tiefe, haarsträubende

sakāmā bhava kaikeyi vidhavā rājyam āvasa | na hi taṃ puruṣavyāghraṃ vinā jīvitum utsahe ||

Sei zufrieden, Kaikeyī! Bewohne als Witwe das Königreich! Denn ohne jenen Tiger unter den Männern vermag ich nicht zu leben.

Wort für Wort
sakāmā bhava kaikeyi
sei zufrieden, Kaikeyī
vidhavā rājyam āvasa
bewohne als Witwe das Königreich
na hi tam puruṣavyāghram
denn ohne jenen Tiger unter den Männern
vinā jīvitum utsahe
vermag ich nicht zu leben

ity evaṃ vilapan rājā janaughena abhisaṃvṛtaḥ | apasnāta ivāriṣṭam praviveśa puram uttamam ||

So klagend betrat der König, umgeben von der Menschenmenge, wie einer, der unheilbringend gebadet hat, die erhabene Stadt.

Wort für Wort
iti evam vilapan rājā
so klagend der König
janaughena abhisaṃvṛtaḥ
von der Menschenmenge umgeben
apasnātaḥ iva ariṣṭam
wie einer, der unheilbringend gebadet hat
praviveśa puram uttamam
betrat er die erhabene Stadt

śūnyacatvaraveśmāntāṃ saṃvṛtāpaṇadevatām | klāntaduḥkhabalākīrṇāṃ nātyākīrṇāṃ mahāpathām | tām avekṣya purīṃ sarvāṃ rāmam eva anucintayan | vilapan prāviśad rājā gṛhaṃ sūrya ivāmbudam ||

Als er die ganze Stadt erblickte – ihre Plätze und Häuser verödet, ihre Marktschreine verhüllt, ihre großen Straßen ermattet, von Schmerz erfüllt und wenig belebt – da betrat der König, einzig an Rāma denkend und klagend, sein Haus, wie die Sonne in eine Wolke eintritt.

Wort für Wort
śūnyacatvaraveśmāntām
mit verödeten Plätzen und Häusern am Rand
saṃvṛtāpaṇadevatām
mit verhüllten Marktschreinen
klāntaduḥkhabalākīrṇām
erschöpft, von Schmerzeskraft erfüllt
na atyākīrṇām mahāpathām
mit nicht sehr belebten großen Straßen
tām avekṣya purīm sarvām
diese ganze Stadt erblickend
rāmam eva anucintayan
einzig an Rāma denkend
vilapan prāviśat rājā gṛham
klagend betrat der König das Haus
sūryaḥ iva ambudam
wie die Sonne eine Wolke

mahāhradam ivākṣobhyaṃ suparṇena hṛtoragam | rāmeṇa rahitaṃ veśma vaidehyā lakṣmaṇena ca ||

Das Haus, Rāmas, der Vaidehī und Lakṣmaṇas beraubt, glich einem großen, sonst unerschütterlichen See, dem ein Adler seine Schlange geraubt hat.

Wort für Wort
mahāhradam iva akṣobhyam
wie einen großen, unerschütterlichen See
suparṇena hṛtoragam
dem ein Adler die Schlange geraubt hat
rāmeṇa rahitam veśma
das Haus, Rāmas beraubt
vaidehyā lakṣmaṇena ca
und der Vaidehī und Lakṣmaṇas

atha gadgadaśabdas tu vilapan manujādhipaḥ | uvāca mṛdu mandārthaṃ vacanaṃ dīnam asvaram ||

Da sprach der Herr der Menschen mit erstickter Stimme, klagend, ein sanftes, kaum verständliches, kläglich tonloses Wort.

Wort für Wort
atha gadgadaśabdaḥ tu
da mit erstickter Stimme
vilapan manujādhipaḥ
der klagende Herr der Menschen
uvāca mṛdu mandārtham vacanam
sprach ein sanftes, kaum verständliches Wort
dīnam asvaram
kläglich, tonlos

kausalyāyā gṛhaṃ śīghraṃ rāmamātur nayantu mām | iti bruvantaṃ rājānam anayan dvāradarśinaḥ ||

„Bringt mich schnell in das Haus der Kausalyā, Rāmas Mutter!“ – So sprechend wurde der König von den Türhütern geführt.

Wort für Wort
kausalyāyā gṛham śīghram
in das Haus der Kausalyā schnell
rāmamātuḥ nayantu mām
Rāmas Mutter, bringt mich
iti bruvantam rājānam
so sprechend, den König
anayan dvāradarśinaḥ
führten die Türhüter

iti bruvantaṃ rājānam anayan dvāradarśinaḥ | kausalyāyā gṛhaṃ tatra nyaveśayanta vinītavat ||

So sprechend wurde der König von den Türhütern geführt, und ehrerbietig setzten sie ihn dort im Haus der Kausalyā nieder.

Wort für Wort
iti bruvantam rājānam
so sprechend, den König (Wiederholung im Quelltext)
anayan dvāradarśinaḥ
führten die Türhüter
kausalyāyā gṛham tatra
dort im Haus der Kausalyā
nyaveśayanta vinītavat
setzten sie ihn ehrerbietig nieder

tatas tatra praviṣṭasya kausalyāyā niveśanam | adhiruhyāpi śayanaṃ babhūva lulitaṃ manaḥ ||

Als er dort, in Kausalyās Wohnung eingetreten, sich auf das Lager niederließ, war sein Geist völlig verwirrt.

Wort für Wort
tataḥ tatra praviṣṭasya
als er dort eingetreten war
kausalyāyā niveśanam
in Kausalyās Wohnung
adhiruhya api śayanam
auf das Lager sich niederlassend
babhūva lulitam manaḥ
war der Geist verwirrt

putradvayavihīnaṃ ca snuṣayāpi vivarjitam | apaśyad bhavanaṃ rājā naṣṭacandram ivāmbaram ||

Der König erblickte das Haus, zweier Söhne beraubt und auch der Schwiegertochter ledig, wie den Himmel, dem der Mond verschwunden ist.

Wort für Wort
putradvayavihīnam ca
zweier Söhne beraubt
snuṣayā api vivarjitam
und auch der Schwiegertochter ledig
apaśyat bhavanam rājā
der König erblickte das Haus
naṣṭacandram iva ambaram
wie den Himmel, dem der Mond verschwunden ist

tac ca dṛṣṭvā mahārājo bhujam udyamya vīryavān | uccaiḥ svareṇa cukrośa hā rāghava jahāsi mām ||

Als er das sah, hob der mächtige, tapfere König den Arm empor und schrie mit lauter Stimme: „Ach Rāghava, du verlässt mich!“

Wort für Wort
tat ca dṛṣṭvā mahārājaḥ
und dies sehend, der Großkönig
bhujam udyamya vīryavān
der Tapfere, den Arm erhebend
uccaiḥ svareṇa cukrośa
schrie mit lauter Stimme
hā rāghava jahāsi mām
ach Rāghava, du verlässt mich

sukhitā bata te kālaṃ jīviṣyanti narottamāḥ | pariṣvajanto ye rāmaṃ drakṣyanti punar āgatam ||

Glücklich, wahrlich, werden die vortrefflichsten Menschen jene Zeit erleben, die Rāma, wenn er zurückgekehrt ist, wieder umarmen und sehen werden.

Wort für Wort
sukhitāḥ bata te kālam
glücklich, wahrlich, jene Zeit
jīviṣyanti narottamāḥ
werden die vortrefflichsten Menschen erleben
pariṣvajantaḥ ye rāmam
die Rāma umarmend
drakṣyanti punaḥ āgatam
werden ihn, zurückgekehrt, wiedersehen

atha rātryāṃ prapannāyāṃ kālarātryām ivātmanaḥ | ardharātre daśaratho kausalyām idam abravīt ||

Als dann die Nacht hereinbrach, gleich seiner eigenen Todesnacht, sprach Daśaratha um Mitternacht dies zu Kausalyā:

Wort für Wort
atha rātryām prapannāyām
als dann die Nacht hereingebrochen war
kālarātryām iva ātmanaḥ
gleich seiner eigenen Todesnacht
ardharātre daśarathaḥ
um Mitternacht Daśaratha
kausalyām idam abravīt
sprach dies zu Kausalyā

rāmam me 'nugatā dṛṣṭir adyāpi na nivartate | na tvāṃ paśyāmi kausalye sādhu māṃ pāṇinā spṛśa ||

„Mein Blick, Rāma nachfolgend, kehrt auch jetzt noch nicht zurück; ich sehe dich nicht, Kausalyā – berühre mich doch gütig mit deiner Hand.“

Wort für Wort
rāmam me anugatā dṛṣṭiḥ
mein Rāma nachfolgender Blick
adya api na nivartate
kehrt auch jetzt nicht zurück
na tvām paśyāmi kausalye
ich sehe dich nicht, Kausalyā
sādhu mām pāṇinā spṛśa
berühre mich gütig mit der Hand

taṃ rāmam eva anuvicintayantaṃ samīkṣya devī śayane narendram | upaviśyādhikam ārtarūpā viniḥśvasantī vilalāpa kṛcchram ||

Als die Königin den Herrn der Menschen sah, wie er auf dem Lager einzig an Rāma dachte, setzte sie sich zu ihm, überaus schmerzerfüllt in ihrer Erscheinung, und klagte, tief aufseufzend, unter großer Mühsal.

Wort für Wort
tam rāmam eva anuvicintayantam
ihn, der einzig an Rāma dachte
samīkṣya devī śayane narendram
die Königin sah den Herrn der Menschen auf dem Lager
upaviśya adhikam ārtarūpā
sich setzend, überaus schmerzerfüllt in Erscheinung
viniḥśvasantī vilalāpa kṛcchram
tief aufseufzend klagte sie unter großer Mühsal

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